Das Beste für mein Kind - Andreas Salcher - E-Book

Das Beste für mein Kind E-Book

Andreas Salcher

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Beschreibung

Auf die Qualität der nächstgelegenen Schule zu vertrauen, reicht nicht mehr für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Eltern müssen Bildungsmanager werden, um das Beste für ihren Nachwuchs herauszuholen. Mit simplen, überraschenden Tricks zeigt Bildungsexperte Andreas Salcher einen Ausweg aus dem Schulchaos. Er erklärt: - wie Eltern mit schwierigen Lehrern umgehen können - welche Fragen Eltern an die Direktoren stellen sollen - wie gute Nachhilfe funktioniert - welche Anzeichen es für Mobbing gibt - worauf es bei der Schulwahl zu achten gilt

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Seitenzahl: 203

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Das Beste für mein Kind

Andreas Salcher:

Das Beste für mein Kind

Alle Rechte vorbehalten

© 2025 edition a, Wien

www.edition-a.at

Cover: Bastian Welzer

Satz: Bastian Welzer

Gesetzt in der Premiera

Gedruckt in Europa

1 2 3 4 5 — 28 27 26 25

ISBN: 978-3-99001-872-9

eISBN: 978-3-99001-873-6

Andreas Salcher

Das Beste für mein Kind

Schule erfolgreich meistern

Der Ratgeber für Eltern

edition a

Inhalt

Kapitel 1

Warum die Schulwahl die wichtigste Entscheidung für mein Kind ist und wie es die richtige Schule findet

Warum der Wohnort für die Schulwahl entscheidend ist

Die Volksschule. Was das Kind wirklich lernen sollte

Die Kriterien für die AHS-Reife meines Kindes

Mittelschule. Mehr als nur eine Notlösung

Die Allgemeinbildende höhere Schule. Gefahr auf Verengung?

Berufsbildende Schulen. Eine klare Richtung

Privatschulen. Sind sie das Geld wert?

Montessori und Waldorf. Was taugen reformpädagogische Schulen?

Braucht mein Kind überhaupt Matura?

Wie weiß ich, ob ich die richtige Schule für mein Kind gefunden habe? Und was mache ich, wenn nicht?

Ein Kriterienkatalog für die Schulwahl

Kapitel 2

Wie Sie die Talente Ihres Kindes richtig fördern können

Wie motiviere ich mein Kind? Die fünf goldenen Regeln der Lernfreude

Die drei Grundprinzipien für unterstützende Eltern

Die drei Naturgesetze des Lernens

Muss Lernen Spaß machen oder braucht es Disziplin?

Was wirklich zählt. Intelligenzquotient und andere Formen der Intelligenz

Hochbegabung erkennen und richtig begleiten

Wie kann ich mein Kind auf Hochbegabung testen?

Teilleistungsschwächen. Was tun bei Legasthenie und ADHS?

Wann sollte mein Kind sonderpädagogisch gefördert werden?

Kapitel 3

Schule als Fernlerninstitut. Wenn Eltern Lehrer spielen müssen

Was ein Kind braucht, um gern und erfolgreich zu lernen

Wann Nachhilfe wirklich Sinn macht

Nachhilfe: Kosten und Institute

Warum echte Ganztagsschulen viele Probleme lösen

Kapitel 4

Die digitale Revolution erreicht das Klassenzimmer. Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Smartphones

Warum wir Handys nicht verbieten, sondern die Chancen des neuen Lernens nutzen sollten

Digitalisierung ist eine Chance, aber kein Allheilmittel

Lernen mit dem Internet und der Künstlichen Intelligenz: Fluch oder Segen?

Kapitel 5

Mobbing, Schulangst, Problemlehrer. Was tun, wenn es schwierig wird?

Mobbing, Ausgrenzung, Schulangst. Erkennen und Handeln

Schwierige Lehrer. Wie Eltern professionell reagieren

Was kann ich gegen Katastrophenlehrer tun?

Ungerechte Noten. Rechte, Widerspruch, Chancen

Kapitel 6

Die Probleme unseres Schulsystems und wie wir sie lösen können

Die Schule des 21. Jahrhunderts in Österreich

Österreichs Bildungssystem im internationalen Vergleich

Wie groß ist das Migrationsproblem in Schulen?

Liebe Regierung, so könnten Österreichs Schulen Weltklasse werden

Kapitel 7

Lernen mit Freude und Sinn. So wird Ihr Kind zukunftsfit

Die Schule von morgen gibt es schon heute

Worauf eine Schule des 21. Jahrhunderts aufbauen sollte

Was Ihr Kind braucht, um morgen bestehen zu können

7 Schritte, mit denen Ihr Kind zukunftsfit wird

Brief einer Schülerin: Dieses Schulsystem wünschen wir uns

Tipps für das perfekte Schuljahr

Gewidmet allen Eltern, die das Beste für ihr Kind wollen, und allen noch unentdeckten Talenten.

Was Eltern wissen sollten

Dieses Buch versteht sich als ein praxisorientierter Ratgeber für Eltern, die Antworten auf die vielen Herausforderungen des Schulsystems suchen. Auf manche Themen, wie zum Beispiel, wie Eltern die Talente ihrer Kinder richtig fördern oder diese mit den fünf goldenen Regeln der Lernfreude motivieren können, gibt es eindeutige Antworten. Andere Fragen, wie jene, ob private oder öffentliche Schulen besser sind, ob alternative Reformschulen für Ihr Kind eine gute Wahl sind oder wie viel Leistungsdruck sinnvoll ist, damit ein Kind das Gymnasium schafft, verlangen eine tiefere und differenzierte Betrachtung, bei der dieser Ratgeber unterstützen will. Manchmal gibt es auch unterschiedliche Meinungen zwischen den Eltern, was das Beste für ihr Kind sei. In diesen Fällen kann das Buch als sachliche Entscheidungshilfe dienen.

Unbestritten ist das Recht jedes Kindes, seine Talente in der Schule maximal gefördert zu wissen. Der wichtigste Grund, warum wir uns ehrlich mit den Talenten unserer Kinder auseinandersetzen sollten, ist das persönliche Glück. Mein wissenschaftlicher Mentor, der leider bereits verstorbene Glücksforscher und Entdecker des Flow-Prinzips Mihály Csíkszentmihályi, hat in vielen Studien bewiesen: Für ein erfülltes Leben brauchen wir das Gefühl, dass unsere Talente wertvoll sind und anerkannt werden. Voraussetzung dafür ist, Begabungen richtig und rechtzeitig zu identifizieren. Gute Schulen und Lehrer unterstützen Kinder dabei, herauszufinden, worin sie wirklich gut sind.

Die Kluft zwischen den Möglichkeiten, wie wir heute die Begabungen unserer Kinder erkennen und fördern könnten, und wie einige Schulen tatsächlich damit umgehen, ist riesig. Das führt zu Fehlurteilen und Gleichgültigkeit, die falsche Weichenstellungen für junge Menschen zur Folge haben.

Meine Mailbox ist voll mit E-Mails, in denen mir Eltern von ihrem Kampf für das Talent ihres Kindes gegen ein bürokratisches System berichten. Da will man einer hochintelligenten Schülerin den Weg in die AHS versperren, weil sie an Legasthenie leidet. Bei einem Mathematiklehrer musste jede (!) Schularbeit wiederholt werden, weil mehr als die Hälfte mit »Nicht genügend« beurteilt wurde. Vor allem in den höheren Schulen regiert noch oft die Osterhasenpädagogik: Der Lehrer versteckt das Wissen vor seinen Schülern, und die müssen danach suchen, als ob es Ostereier wären. Andere verteilen seit Jahren die gleichen lieblosen Arbeitsblätter, als ob durch deren stupides Ausfüllen Neugierde entfesselt werden könnte. Es darf daher nicht verwundern, dass die Schüler dann »so tun, als ob« sie aufpassen würden und bei Prüfungen nur simulieren, etwas verstanden zu haben.

Mein Buch Der talentierte Schüler und seine Feinde hat seit dem Erscheinen im März 2008 eine breite öffentliche Diskussion über unser Schulsystem ausgelöst. Das ist gelungen, weil es den Nerv der Zeit mit einer Frage getroffen hat: Wie gehen wir mit den Talenten unserer Kinder in der Schule um? Aussagen wie: »Wir müssen die Stärken unserer Kinder stärken, statt uns in ihre Schwächen zu verbeißen«, sind heute Allgemeingut. Von der Umsetzung sind wir in vielen unserer Schulen leider noch weit entfernt.

In der Schule der Zukunft stehen die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Es war mir immer ein großes Anliegen, ihnen eine Stimme zu geben. Sie sind viel stärker mit der Zukunft verbunden als die Erwachsenen. Sie wollen gehört werden. Deshalb habe ich die Schülerin Marlene Ramusch vom Privatgymnasium Sacré Cœur im dritten Wiener Gemeindebezirk gebeten, einen Beitrag aus ihrer Perspektive für dieses Buch zu schreiben. Sie kannte dabei nicht die in diesem Buch vertretenen Thesen, sondern sollte völlig frei und unbeeinflusst ihren Alltag und ihre Wünsche als Schülerin schildern. Das Ergebnis könnte Sie überraschen.

Vor allem Eltern können viel dazu beitragen, dass ihre Kinder auch unter schwierigen Bedingungen die Freude am Lernen nicht verlieren. Entscheidend ist vor allem die Wahl der richtigen Schule mit einem engagierten Direktor und einem motivierten Lehrerteam. Wenn das nicht möglich ist, dann sollte man den Mut zum Schulwechsel auch gegen alle Widerstände haben. Gute Pädagogen, die Vorbilder für ihre Schüler sind, beeinflussen die Schicksale ganzer Generationen. Umfragen unter Schülern über ihre Lieblingslehrer zeigen, dass diese sie ziemlich fordern, ihnen aber mit Respekt begegnen. Eines sei klar gesagt: Ab einem bestimmten Alter ist jeder selbst dafür verantwortlich, ob er ein lernender Mensch wird.

Ein Buch kann kein Schulsystem verändern. Es kann aber sehr wohl Eltern, Schüler, Lehrer und Direktoren dabei unterstützen, es an ihrer eigenen Schule gemeinsam besser zu machen. Wie das geht, lesen Sie im letzten Kapitel »Tipps für das perfekte Schuljahr«.

Mir ist durchaus bewusst, dass die ständige Kritik am Schulsystem zur Abstumpfung und zur Resignation vieler Lehrer und Eltern geführt hat. Stellen wir uns einmal vor, wir hätten heute die Möglichkeit, Schule komplett neu zu erfinden. Wir kämen wohl nie auf die Idee, Schüler in scharf getrennten Fünfzig-Minuten-Einheiten in 14 bis 21 Fächern, die seit achtzig Jahren fast unverändert sind, frontal zu unterrichten. Die Gegenmacht zur notwendigen Kritik ist die Kraft der Inspiration. Die Hoffnung stirbt nie. In diesem Sinne wünsche ich

*

den Schülerinnen und Schülern eine Schule, von der sie jeden Tag mit dem Gefühl nach Hause gehen, die Welt ein bisschen besser zu verstehen.

*

den Lehrerinnen und Lehrern, dass sie jeden Tag die Wertschätzung bekommen, die sie verdienen.

*

den Eltern, dass ihre Kinder ihnen jeden Tag begeistert erzählen, wie sehr sie sich schon auf den nächsten Tag Schule freuen.

Das ist kein Traum eines weltfremden Visionärs. Diese Schulen gibt es in Österreich. Alle Schüler, Lehrer und Eltern verdienen sie. Auch Ihr Kind.

Andreas Salcher

September 2025

P.S.: Ich freue mich sehr, wenn Sie mich wissen lassen, worin Sie dieses Buch bestärkt hat und welche positiven Erlebnisse oder auch Probleme Sie mit Ihrem Kind im Schulsystem erlebt haben.

Bitte schreiben Sie mir an meine persönliche E-Mail-Adresse: [email protected].

Sie können Ihre Erfahrungen auch teilen auf

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Instagram: www.instagram.com/andreas.salcher/

KAPITEL1Warum die Schulwahl die wichtigste Entscheidung für mein Kind ist und wie es die richtige Schule findet

»Können Sie mir eine gute Schule empfehlen?« Diese Frage habe ich in den letzten Jahren Tausende Male gehört. Es gibt sogar Übereifrige, die sich schon nach dem ersten Ultraschallbild ihres noch ungeborenen Kindes im passenden Kindergarten anmelden wollen. Bei den meisten Eltern hat inzwischen ein Umdenken stattgefunden. Während sie früher ihre Kinder oft einfach in die nächstgelegene Schule schickten, ist Eltern heute bewusst, dass die Wahl der richtigen Schule zu den wichtigsten Zukunftsentscheidungen für ihre Kinder zählt.

Ich antworte Eltern immer, dass es die optimale Schule für alle nicht gibt, sehr wohl aber die richtige für ihr Kind. Für manche Kinder wird eine gute traditionelle Schule mit klaren Aufgaben und Strukturen durchaus passend sein, andere werden sich in einer reformpädagogischen Schule nach den Konzepten von Montessori oder Waldorf wohler fühlen.

Beginnen wir mit der Volksschule. Dort ist vor allem entscheidend, welche Lehrerin – mit neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit wird es eine Frau sein – Ihr Kind unterrichten wird. Vier Jahre lang wird es von dieser Lehrerin abhängen, ob Ihr Kind gerne in die Schule geht, ob seine individuellen Talente gefördert werden oder Schule als Zwang und Langeweile empfunden wird.

Bei den mittleren und höheren Schulen spielen die angebotenen Spezialisierungen und die Qualität des gesamten Lehrkörpers eine große Rolle. Wird ein Kind, das keine große Begabung für die Mathematik besitzt, in ein Realgymnasium gepresst, weil es nur mehr dort einen Platz gibt, ist schon der Grundstein für Nachhilfestunden und Versagensangst gelegt.

Die Eltern verlangen zu Recht, dass ihre Kinder als Kunden mit individuellen Bedürfnissen gesehen werden. Doch mit diesen gesteigerten Ansprüchen hat die Schulverwaltung noch sehr zu kämpfen. Viele Eltern flüchten zu Privatschulen. Aber sind diese wirklich immer besser als die öffentlichen Schulen?

Es gibt jede Menge Restaurant-, Bar- und Reiseführer, aber keinen Schulführer. Seit Jahren versuche ich, einen »Österreichischen Schulführer« herauszubringen, der Eltern eine gute Orientierung bei der Schulwahl geben könnte. Bei derzeit insgesamt 5.936 Schulen, wovon 5.160 öffentlich sind, ist das allerdings eine gewaltige Herausforderung. Um eine qualitätsvolle Aussage über eine Schule treffen zu können, darf man sich nicht nur auf die Selbsteinschätzung der jeweiligen Schule auf ihrer Website verlassen, sondern man muss diese durch Gespräche mit Schülern und Eltern der entsprechenden Schule selbst überprüfen. Trotz professioneller Konzepte und freundlicher Nasenlöcher von einigen Unternehmen und Institutionen ist es mir bisher nicht gelungen, die notwendige Finanzierung für das Projekt eines objektiven Schulführers zu bewerkstelligen.

Nun habe ich beschlossen, meine langjährige Erfahrung als Bildungsexperte, Schüleranwalt und Mitbegründer der Sir Karl Popper Schule in einen leicht lesbaren, praktischen Schulratgeber einfließen zu lassen. Sollten mich in Zukunft gestresste Eltern fragen, welche Schule die richtige für ihr Kind wäre, kann ich ihnen guten Gewissens dieses Buch in die Hände drücken.

Infobox Schulsystem Österreich

Primarstufe

Volksschule (VS): Dauert vier Jahre, gewöhnlich im Alter zwischen sechs und zehn Jahren. Ist verpflichtend. In ihr sollen Kindern grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, etwa Rechnen, Lesen und Schreiben. Die Fächerauswahl sowie die Anzahl an Betreuerinnen sind begrenzt.

Sekundarstufe I

Mittelschule (MS): Dauert vier Jahre, gewöhnlich im Alter zwischen zehn und 14 Jahren. Ist verpflichtend, als Berechtigung wird ein positiver Abschluss der Volksschule benötigt. Die Mittelschule (ursprünglich hieß sie Neue Mittelschule) hat als Modell die Hauptschule abgelöst. Nach der Mittelschule kann eine AHS-Oberstufe, eine BHS oder eine Polytechnische Schule besucht werden.

Allgemeinbildende höhere Schule (AHS)-Unterstufe: Dauert vier Jahre, gewöhnlich im Alter zwischen zehn und 14 Jahren. Zur Aufnahme benötigen Schüler ein möglichst gutes Zeugnis aus der Volksschule, manchmal scheitert eine Aufnahme bereits an einem einzigen »Gut« im Zeugnis der 4. Klasse Volksschule. Bereitet auf die AHS-Oberstufe oder BHS vor.

Sekundarstufe II

*

AHS-Oberstufe:

Dauert vier Jahre, gewöhnlich im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Kann nach erfolgreichem Abschluss der AHS-Unterstufe oder nach Mittelschul-Abschluss mit entsprechenden Noten besucht werden. Abschluss mit Matura, die zum universitären Studium berechtigt.

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Berufsbildende Höhere Schule

(BHS, zum Beispiel HAK, HTL) dauert fünf Jahre (mit Matura) oder Berufsbildende Mittlere Schule (BMS, zum Beispiel Handelsschule, landwirtschaftliche Fachschule) dauert drei Jahre (ohne Matura). Kann nach erfolgreichem Abschluss der AHS-Unterstufe oder nach Mittelschul-Abschluss mit entsprechenden Noten besucht werden. Fokus auf spezifische berufliche Schwerpunkte wie etwa Technik oder Wirtschaft.

*

Polytechnische Schule (PTS):

Dauert ein Jahr. Kann nach einer AHS-Unterstufe oder einer Mittelschule besucht werden. Nach ihr endet die Schulpflicht. Sie legt den Schwerpunkt auf Berufsorientierung und bereitet Schüler auf den weiteren Arbeitsweg, etwa eine Lehre, vor. Bei besonders guten Leistungen ist es Schülern möglich, nach dem Abschluss der PTS in eine BHS, BMS oder eine AHS zu wechseln.

Warum der Wohnort für die Schulwahl entscheidend ist

Wenn Paare beschließen, Eltern zu werden, müssen sie viel bereits weit im Vorhinein planen. Das Krankenhaus, in dem die Geburt stattfinden soll, sollte in manchen Städten schon kontaktiert werden, wenn die Familienplanung beginnt. Womöglich muss auch eine neue Wohnung gefunden werden, die dem neuen Familienmitglied Platz bietet. Und auch die Schule ist ein Thema, mit dem sich bereits werdende Eltern beschäftigen sollten. Denn unter Umständen wird ein Umzug erforderlich, damit das Kind die gewünschte Schule besuchen kann.

Um sicherzugehen, dass jedes Kind auch eine Schule besucht, besitzt jede öffentliche Pflichtschule einen Schulsprengel. Damit ist ein Wohngebiet gemeint, aus dem jedes Kind diese Schule besuchen darf. Und zwar kostenlos. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass ein Kind nicht einfach eine »sprengelfremde«, also andere öffentliche Schule besuchen kann.

Mittlerweile sind Städte wie Wien, Linz oder Graz dazu übergegangen, die gesamte Stadt als einen einzigen Schulsprengel zusammenzufassen. Damit sollte die Wahlmöglichkeit der Eltern, in welche Schule sie ihr Kind schicken, erweitert werden. Allerdings muss eine öffentliche Schule, sofern sie mehr Anmeldungen als Plätze hat, unter anderem die Distanz zwischen Wohnort und Schule als Auswahlkriterium heranziehen. Das heißt: Je näher das Kind an der Schule wohnt, desto wahrscheinlicher wird es aufgenommen.

In den ländlicheren Gebieten wiederum gibt es verschiedene Sprengel, die mehrere Gemeinden einschließen. Wenn die Eltern sich eine sprengelfremde Schule für ihr Kind wünschen, etwa aufgrund von Lehrpersonal oder Angeboten der Schule, müssen sie einen Antrag beim Schulerhalter stellen, das ist bei öffentlichen Schulen in der Regel das Land oder die Gemeinde. Nach Anhörung sowohl der gewünschten Schule als auch der Sprengelschule und Koordination mit der Bildungsdirektion kann der Antrag akzeptiert oder abgelehnt werden. Abgelehnt wird er dann, wenn durch den Schulwechsel organisatorische Änderungen in der Sprengelschule notwendig werden (etwa Klassenaufteilungen). Bei privaten Schulen ist der Schulerhalter der Verein oder das Unternehmen, das die Schule finanziert und leitet. Hier gestaltet sich der Prozess weniger bürokratisch, ist aber mit anderen (etwa finanziellen) Hürden verbunden.

In Gemeinden kann diese Regelung für Probleme sorgen. Obwohl Eltern ihr Kind lieber in der Nachbargemeinde in die Schule schicken würden, ist dies aufgrund der Sprengelregelung nicht möglich. Dafür müsste der Bürgermeister sein Einverständnis geben, was mit finanziellen Einbußen für die Gemeinde einhergeht.

Diese Sprengelregelung gilt auch beim Wechsel von der Volksschule auf eine Mittelschule oder AHS. Hier kommen allerdings noch weitere Kriterien zum Tragen, vor allem die Noten. Rechtlich ist die Aufnahme in eine AHS-Unterstufe im § 40 des Schulorganisationsgesetzes (SchOG) geregelt: Voraussetzung ist die Note »Sehr gut« oder »Gut« in den Unterrichtsgegenständen Deutsch, Lesen, Schreiben und Mathematik im Zeugnis der vierten Klasse Volksschule, wobei fast immer schon das Halbjahreszeugnis vorentscheidend ist. Gerade Plätze an einer öffentlichen AHS-Unterstufe sind begehrt, daher kann in der Realität bereits ein »Gut« im Zeugnis einen Unterschied machen, auch wenn die Volksschulen womöglich unterschiedlich streng benoten. Das wiederum führt zu einem Wettbewerbsdenken, unfairen Verhältnissen und einem Druck, der sich auf manche Kinder ungesund auswirken kann. Doch davon später mehr im Abschnitt »Nach welchen Kriterien die AHS-Reife meines Kindes beurteilt wird«.

Ob nun also die Sprengelpflicht in kleineren Gemeinden oder die Nähe zur Schule in Städten wie Wien: Der Wohnort kann den Ausschlag geben, ob Ihr Kind einen Platz an der von Ihnen gewünschten öffentlichen Schule bekommt. In Wien kann sich die notwendige Nähe jedes Jahr ändern, je nachdem, wie viele Bewerbungen eine Schule bekommt. So können in einem Jahr 800 Meter reichen, im nächsten sind es nur noch 500. Das führt zu einem kuriosen Phänomen: In Wien kommt es in der Altersgruppe der ersten Volksschule zu auffallend vielen Ummeldungen des Wohnsitzes. Es kann vorkommen, dass das Kind kurzerhand bei den Großeltern oder im Büro der Eltern gemeldet wird, sofern dieses Gebäude näher an der gewünschten Schule liegt. Ist das Kind erst mal aufgenommen, melden die Eltern es wieder an ihren Wohnsitz.

Für viele Eltern macht es also durchaus Sinn, sich vor einem Wohnortwechsel die Sprengelschulen genau anzusehen. Oder gar den Wohnort nach einer passenden Sprengelschule auszuwählen.

Die Volksschule Was das Kind wirklich lernen sollte

Beginnen wir, wie auch die Kinder, mit der Volksschule. Wie finden Sie die Passende für Ihr Kind? Wir vergessen gern, dass Menschen zuallererst neugierige Lebewesen sind. Unglaublich, was Kinder alles von ihrer Geburt bis zu ihrem sechsten Lebensjahr lernen: krabbeln, brabbeln, sprechen, singen, tanzen, Sandburgen bauen, Drachen steigen, Fahrrad fahren und vieles mehr. Für manche Kinder lässt diese natürliche Lernfreude allerdings mit dem Schuleintritt nach.

Studien zeigen, dass Kinder in der ersten Klasse Volksschule ihre Lehrerin um die zwanzig Mal pro Stunde mit Fragen unterbrechen. Leider nimmt diese Lust mit jedem Jahr weiter ab. In der vierten Klasse etwa kommen nur noch ein oder zwei Nachfragen pro Stunde vor. Aus einem wissbegierigen ist ein überfordertes, gelangweiltes, genervtes Kind geworden. Ein Kind, das sich später schwertun wird, die eigenen Fähigkeiten, Talente und Potenziale zu realisieren.

Das wollen wir vermeiden. Daher muss uns klar sein, was die Ziele in der Volksschule sind. Natürlich sollten primär die grundlegenden Fertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt werden. Kinder sind in diesem Alter besonders aufnahmefähig für neues Wissen. Doch es geht auch darum, die Lust am Lernen zu bestärken, die Neugierde als gestalterische Kraft kennenzulernen. Und dafür ist nichts so wichtig wie eine motivierende, inspirierende Volksschullehrerin.

Wir wissen heute aus neurophysiologischen Studien, dass Lernen über Beziehungen funktioniert (mehr dazu später). Kann ein Kind eine positive Beziehung zu seiner Lehrerin oder dem gelernten Thema aufbauen, dann wird es erfolgreich lernen. Aber ein Kind wird nicht zweisprachig auf die Welt kommen, wenn es als Fötus im Bauch der Mutter mit Fremdsprachen beschallt wurde. Allerdings kann es auf natürlichem Wege eine weitere Sprache lernen, wenn ein fremdsprachiges Au-Pair Zeit mit ihm verbringt. Die Beziehung zu Menschen und Themen ist der Schlüssel.

Was ist aber unter einer »positiven« Beziehung zur Lehrerin zu verstehen? Ich selbst bin als Kind oft umgezogen, da meine Eltern berufsbedingt mehrmals ihren Wohnort wechseln mussten. So kam ich in eine zweite Klasse einer für mich neuen Volksschule, die von einer netten, freundlichen und sympathischen jungen Lehrerin geleitet wurde. Wir Kinder mochten sie alle sofort. Doch weil ich als Letzter in die neue Klasse kam, wurde ich nach einigen Wochen in die Parallelklasse versetzt, der zweite Lehrerinnenwechsel innerhalb kürzester Zeit. Dort gab es eine strengere, nach konservativeren Methoden unterrichtende Lehrerin. Vor allem legte sie großen Wert auf Schönschreiben, schon damals alles andere als meine Kernkompetenz. So erhielt ich als Gesamtnote »Befriedigend« im Zeugnis, was ich Gott sei Dank nicht lesen konnte, weil es im Zeugnis in Lateinschrift stand. In der dritten Klasse sollten wir dann das erste Mal einen Aufsatz schreiben. Kartoffeln mit Mäuselöchern war der Titel meines ersten Werkes. Es erzählte die Geschichte, wie ich meiner Mutter mit großer Begeisterung beim Kartoffelschälen geholfen hatte, aber dabei so große Löcher schnitt, dass meine Mutter beim Anblick der deformierten Reste meines Schaffens ausrief: »Das sind ja Kartoffeln mit Mäuselöchern!«

Kartoffeln mit Mäuselöchern reichte zwar für keine Bestsellerliste, aber immerhin nahm mich meine Lehrerin bei der Hand, ging mit mir ins Zimmer des Direktors und eröffnete diesem, dass sie noch nie einen so gut geschriebenen ersten Aufsatz gelesen hatte. Das war der Tag, an dem mein Talent entdeckt wurde. Meine Lehrerin war offensichtlich nicht nur streng zu ihren Schülern, sondern auch zu sich selbst. Die Fähigkeit dieser Lehrerin zwischen dem, wie ich schrieb, und dem, was ich schrieb, unterscheiden zu können, hat mein Leben verändert. Von diesem Tag an war ich immer ein guter Schüler und die Liebe zum Schreiben und zu Büchern begleitet mich bis heute. Diese Geschichte zeigt, welchen entscheidenden Einfluss eine Volksschullehrerin haben kann.

In den USA werden Grundschüler meist nicht von einer einzigen Lehrperson betreut, sondern von zwei oder drei. Damit sollen sie lernen, dass es im Leben nicht nur eine Bezugsperson gibt.

Nach der Volksschule stellt sich die große Frage: Wie geht es für mein Kind weiter? Möglichkeiten gibt es viele: Gymnasium, Realgymnasium, Mittelschule mit all ihren verschiedenen Ausprägungen. Aber welche ist für mein Kind geeignet? Und welche Voraussetzungen sind nötig, um überhaupt eine AHS besuchen zu können?

Die Kriterien für die AHS-Reife meines Kindes

Es gibt gesetzlich festgelegte Kriterien, die darüber entscheiden, ob ein Kind nach der Volksschule an eine AHS-Unterstufe wechseln kann. Deren Handhabung ist allerdings österreichtypisch von Bundesland zu Bundesland verschieden. Als Beispiele seien weiter unten die Voraussetzungen in den Bundesländern Niederösterreich und Wien angeführt.

Die Entscheidung, ob ein Kind AHS-Reife besitzt oder nicht, kann dabei durchaus zu einer Schlacht zwischen Lehrer und Eltern ausarten. Manchmal wollen die Eltern unbedingt, dass ihr Kind in die AHS-Unterstufe gehen kann, obwohl die Lehrerin (womöglich berechtigt) dies als überfordernd für das Kind ansieht. Dabei sei erwähnt, dass ein Großteil der Maturanten in Österreich keine AHS-Langform besucht hat, sondern zunächst die Mittelschule absolviert und dann eine BHS abgeschlossen hat. Die AHS ist also nicht die einzige Möglichkeit, um das Kind mit Matura »abzusichern«, wie das von vielen Eltern erhofft wird. Doch dazu später mehr.

Auch der andere Fall ist möglich. Die Lehrerin erkennt in einem Kind Begabung, doch die Eltern halten eine AHS und später gar eine Matura für unnötig. Einem meiner besten Volksschulfreunde ist dies passiert.

Er war blitzgescheit, besaß eine schnelle Auffassungsgabe und auch soziale Intelligenz. Seine Eltern waren klassische Arbeiter und er hatte manchmal Probleme, Genitiv und Dativ richtig einzuschätzen, weil bei ihm zu Hause kein Schriftdeutsch gesprochen wurde. Dennoch war er uns anderen in der Volksschule teilweise voraus. Seine Eltern sahen es jedoch nicht als notwendig an, ihm die Chance einer AHS-Bildung zu ermöglichen.

Er wechselte nach der Volksschule in die Hauptschule, wie sie damals noch hieß, und dort nicht in den A-Zug, sondern in den B-Zug, weil dort seine Freunde waren. Soziale und familiäre Vorbedingungen zeichneten so einen Bildungsweg für ihn, aus dem er nicht ausbrechen konnte. Später wollte er die Matura nachmachen, schaffte dies aber aufgrund der Doppelbelastung von Arbeit und Unterricht am Abend nicht.

Wir machten ein paar Jahre nach dem Ende unserer Volksschule aus Jux einen Intelligenztest. Dabei schnitten wir fast exakt gleich ab. Damit erhielt ich die objektive Bestätigung meiner subjektiven Einschätzung: Er hätte eine AHS genauso geschafft wie ich.

Eltern können aber auch aus anderen Gründen gegen eine höhere Bildung ihrer Kinder sein. So kommt es leider immer wieder vor, dass bestimmte kulturelle Vorstellungen eine höhere Bildung für Mädchen verbieten. Engagierte Lehrerinnen kämpfen dann mit patriarchalischen Vätern darum, ihren intelligenten Töchtern eine höhere Bildung zu ermöglichen und damit auch mehr Freiheit.

Es ist nicht absehbar, dass sich dieses System in nächster Zeit ändern wird. Aus meiner Sicht wäre es aber zumindest wichtig, den Druck dieser Entscheidung von den Schultern der Volksschullehrerinnen zu nehmen. Drei Ansätze könnten hier helfen.

Erstens ist es erwiesen, dass Volksschullehrerinnen gut darin sind, die positiven Stärken und Fähigkeiten ihrer Schüler zu erkennen und einzuschätzen. Sie sind jedoch nicht immer gut darin, ihre Schwächen richtig einzuschätzen. Hier ist also Vorsicht geboten, wenn etwa eine Volksschullehrerin meint, Ihr Kind sei einfach nicht gut in Mathematik. Vielleicht hat es bloß den richtigen Zugang noch nicht gefunden.

Zweitens sind Volkschullehrerinnen auch nur Menschen und in ihrem Urteil subjektiv. Auch wenn es nach einem Klischee klingt, »brave« Kinder mit schönen Hausübungsheften werden oft besser beurteilt als »schlimme« Kinder. Daher sollte ein objektiver Test als