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Das Casino, ist die Fortsetzung von "Barbara & Betti". Auch hier geht es um aufregende Fesselspiele. Betti die Halbschwester von Barbara ist besessen von dieser Art der Spiele. Sie lernen den Architekten Manfred kennen der gerade damit beschäftig ist, ein Casino umzubauen. Das Casino gehört einer "Dame in Rot". Sie ist eine mächtige Frau, leitet einen Weltkonzern, sie bestimmt, was mit Personen geschehen soll, die sich ihr widersetzen. Im Casino geht es nicht nur um Geld, es wird auch über die Zukunft von Personen entschieden. Daumen nach oben, bedeutet Überleben. Spätestens, wenn der geheime Zirkel tagt, entscheidet sich, wer als Gast wiederkommen darf.
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Seitenzahl: 473
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Michael Voss
Das Casino
Ein Ines-Erotikbuch
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Kapitel: 1 Riva am Gardasee
Kapitel: 2 Wirklich – keine Ahnung
Kapitel: 3 Hast du Kinder?
Kapitel: 4 Na komm ich zeig es dir.
Kapitel: 5 Der nächste Tag
Kapitel: 6 Versprochen – lieferst du mich ab?
Kapitel: 7 Hast du den Schlüssel?
Kapitel: 8 Mir gefällst du so wie du bist.
Kapitel: 9 Was gibt es Neues?
Kapitel: 10 Sie kannte einen Trick
Kapitel: 11 Ich habe sie nur ertastet.
Kapitel: 12 Was hast du vor?
Kapitel: 13 Ich kenn sie schon…
Kapitel: 14 Ach so ist das!
Kapitel: 15 Da bin ich aber platt
Kapitel: 16 dann beherrsch dich halt
Kapitel: 17 Einfach geil.
Kapitel: 18 Die Florenz Idee.
Kapitel: 19 Wie läuft es mit Barbara?
Kapitel: 20 Bist du hier alleine?
Kapitel: 21 Machst du denn gerne Spielchen?
Kapitel: 22 Ach ja, und so…
Kapitel: 23 Die Sekretärin meint
Kapitel: 24 Es ist für mich ein Hobby.
Impressum neobooks
Der exklusive Nightclub der Familie Violamonti in Mailand bietet Lebenslust und Luxus pur. Giovanni ist der Boss des Clans, aber im Hintergrund gibt es eine geheimnisvolle Frau.
„Die Dame in Rot“ zieht die Fäden und spielt mit den Menschen. Sie beherrscht ein gigantisches Imperium. Mal vergibt sie den Siegel-Ring der einen als Familienmitglied ausweißt, mal nimmt sie ihn wieder zurück. Wer sich nicht unterwirft, bekommt den Todeskuss.
Der Baumeister Manfredo, arbeitet für sie ohne zu wissen, dass sie ihn zu manipulieren versucht. Die Dame in Rot schafft eine Verbindung zu einer Frau, die ihn liebt und mal verflucht.
Es gelingt ihm nur sich von dieser Frau zu lösen, indem er sich für den Ausstieg entscheidet. Dieser Vorgang, wird schwieriger, als zuerst gedacht. Florenz soll seine neue Zukunft werden. Ein Stadtpalast zur Renovierung wird ihm angeboten. Wird er es schaffen, das Objekt zu erwerben um dort ein neues Leben zu beginnen? Wird Barbara noch an seiner Seite sein?
Warum sollte ich woanders sitzen als in meinem Lieblingscafe, direkt an der See-Promenade von Riva am Gardasee? Barbara ist nur mal schnell über die Straße um in ein Geschäft zu gehen. Sie braucht dringend neue Schuhe. Ich sehe ihr nach und bin in meine Gedanken versunken. Heiraten? Vielleicht ist sie die Richtige fürs Leben. Nachdem was wir gemeinsam durchgemacht haben. Endlich in den Hafen der Ehe? Bin ich wirklich schon wieder reif dafür? Eine gescheiterte Ehe hab ich ja bereits hinter mir.
Alles Fragen, auf die ich noch keine Antwort habe.
Eine junge Dame kommt an den Tisch und fragt, ob es noch einen freien Platz gäbe. Das Café ist inzwischen bis auf den letzten Platz besetzt. „Ja klar, nehmen Sie doch Platz.“
„Mein Freund wird aber auch noch kommen, ich hoffe wir stören Sie nicht.“
„Kein Problem, meine Freundin ist gerade Schuhe kaufen, sie wird auch gleich zurück sein.“
Ein Hüne von Mensch kommt auf unseren Tisch zu. Bestimmt gute zwei Meter groß.
„Da ist er ja, mein Schatz“, meint die junge Dame schmunzelnd.
Barbara winkt von der anderen Straßenseite herüber und gibt mir zu verstehen, dass es wohl der falsche Laden war, sie geht noch zu einem anderen um die Ecke.
Wir kommen schnell ins Gespräch, sprechen über die verschiedenen Bootstypen und wie sich die Zeit verändert hat. Er ist Bootsbauer, nutzt die Gelegenheit, seinen neuen Typ hier am Gardasee vorzustellen.
„Eine reine Rennmaschine, eher unbequem, aber sehr schnell.“ Er würde sie mir gerne zeigen. Wir kommen auch auf das gestrige Unwetter zu sprechen. Er hätte es nur auf der Autobahn erlebt, sein Bootstrailer sei heftig im Wind geschaukelt. Teilweise konnte er nur in Schrittgeschwindigkeit fahren.
Barbara kommt an den Tisch, ich stelle sie vor und ihr Blick bleibt an Jochen hängen. Ich spüre, wie sie ihre innere Erregung zu verbergen versucht.
Ein Traummann, wow! Sie erzählt gleich, dass sie auch aus dem Norden kommt. Der Freundin wird das Gespräch etwas zu persönlich. Sie meint nur, „Sie kommen wohl aus den neuen Bundesländern.“
Jetzt war eine klare Linie gezogen. Ich kann förmlich Barbaras Gedanken lesen. Um die Situation zu retten, meine ich, „Es wird Zeit aufzubrechen.“
Barbaras Blick, verrät, dass sie jetzt noch eine kleine Ewigkeit hier sitzen könnte. Ich ergreife aber die Gelegenheit und stehe kurzerhand auf. Ich verabschiede mich und wünsche noch einen großen Erfolg bei der anstehen Regatter.
Barbara erhebt sich nur langsam von ihrem Sitz. „Du kannst ja nachkommen, ich gehe schon mal zum Boot.“
„Nein, ich komme auch gleich, bitte warte, vielleicht nimmst du ja die Tasche mit den Schuhen.“
„Aber sicher, gib mir die Tasche.“
„Der junge Mann hat dir aber besonders gut gefallen.“
„Ich gebe zu, so was bekommt man nicht alle Tage zu sehen“, meint Barbara.
Unser Boot wurde bereits von einem Angestellten des Hotels geputzt und war nun startklar. „Nur tanken müssen wir noch, das war so vereinbart.“
„Wir werden uns die Regatter vom See aus ansehen und vielleicht zum Mittagessen irgendwo an einem schönen Strand anlegen.“
„Gute Idee“, meint Barbara. Sie setzt sich noch einen Strohhut auf und dann legen wir ab. Wir tuckern so gemütlich vor uns hin und beobachten die Vorbereitungen für die Wettfahrt. Eine kaum überschaubare Menge toller Boote sind zum Wettkampf angetreten. Durch das Fernglas haben wir einen super Überblick. In einer halben Stunde ist Start, einige können es kaum noch erwarten und kreisen schon um die Startlinie um eine gute Position einzunehmen. Andere wiederum trainieren noch das Handling mit ihrem Boot.
„Wir sollten auch mal mit einem Segelboot eine Ausfahrt machen, hier gibt es wirklich schöne Boote zu mieten.“ Barbara kann sich dafür nicht begeistern. Sie meint: „Da liege ich lieber in der Sonne und genieße das Leben. Mit einem Glas Champus in der Hand.“
„Ich lasse dich jetzt mal ein Stückchen hinterher schwimmen.“
„Viel zu kalt“, meint Barbara. „Das ist nichts für das Kind.“
„Du willst wohl jetzt unbedingt ein Kind?“
„Warum nicht?“
„Aber ich will keinen Kinderstress, wenn es kommt gut, aber wenn es nicht kommt auch gut.“
„Ach, so siehst du dass?“ Barbara erregt sich heftig und schimpft gleich weiter:
„Wo hast Du eigentlich gedacht, dass wir mal wohnen werden? Hier steht eine dringende Frage im Raum. Wie sollen unsere Kinder mal erzogen werden? Italienisch, Deutsch, was glaubst Du denn?“
„Jetzt sprichst Du schon von Kindern. Wie viele willst Du denn?“ Meine ich.
„Auf jeden Fall einen Buben und anschließend noch ein Mädchen.“
„Hast Du schon ein Rezept, wie man das anstellt?“
„Nein dass nicht, ich hörte nur, dass man viel üben soll.“ Nun muss Barbara lachen. Dann unterbrechen wir unsere Diskussion um den Start der Boote zu beobachten. Ein Kanonenschlag, wurde zum Start gezündet. Das Feld rauscht zügig ab, schon bald haben wir sie aus den Augen verloren.
Wir tuckern noch eine Stunde in der Bucht umher. Barbara war das zu langweilig und bat mich umzukehren. Ich gab das Boot beim Vermieter zurück und schlendere nun mit Barbara gemütlich in Richtung unseres Hotels.
„Was machen wir nun eigentlich mit dem angebrochenen Tag?“, frage ich so nebenbei.
„So richtig faulenzen“, meint Barbara.
Wir beschlossen einige Läden nach einem Anzug zu durchforsten. Ich wollte einen leichten Sommeranzug. Barbara sollte ein leichtes Kostüm bekommen. Wir wollen in Brixen doch ordentlich erscheinen. Anneliese hatte uns zur gemeinsamen Besprechung wegen des Neubaus gebeten.
„Muss ich bei Anneliese eigentlich Eifersüchtig sein?“ Fragt Barbara.
„Nein, auf keinen Fall, sie ist eine echte Kameradin, du wirst mal froh um sie sein, wenn du Hilfe mit den Kindern brauchst.“
„Du Ekel, Du wirst mich doch nicht alleine mit den Kindern in Brixen sitzen lassen?“
„Aber in Italien hab ich meine Arbeit und meine Brötchengeber. Entschuldigung, mein Handy klingelt.“
„Kannst Du nicht einmal dein Handy im Hotel lassen? Niemals haben wir Ruhe davon.“
Es ist Giovanni, ich bin erstaunt und frage: „Wie geht es Dir altes Haus?“
„Wir wollen nun doch die Villa in San Remo in Angriff nehmen, da dachten wir an Dich, wehr kennt sie besser als Du?“
„Was wollt ihr denn daraus machen? Vielleicht ein Edel-Puff?“
„Aber ich bitte Dich. Es wird eine hoch herrschaftliche Villa, wir haben schon einen Käufer dafür.“
„Das hört sich gut an.“ Meine ich entspannt.
„Wann kannst Du dort sein?“
„Geht es übermorgen?“
„Ja das ginge, gegen elf an der Baustelle.“
„Abgemacht!“ Meint Giovanni.
„Wo geht es jetzt wieder hin?“, fragt Barbara genervt. - „Du willst also mit dem alten Gauner zusammen arbeiten?“ „Warum nicht, ich kenne seine Trix, davon abgesehen, er hat mich nie wirklich betrogen. Alle seine kleinen Gaunereien, hab ich schnell durchschaut. Außerdem kommen wir endlich wieder in die Wohnung, du kennst sie ja kaum noch.“
„Wir werden noch der Zugehfrau Nachricht geben, damit alles sauber ist.“
„Also das heißt wieder mal packen.“ Bei Barbara fällt die Laune in den Keller.
„Ich bin nun mal ein Zigeuner, es treibt mich immer wieder an einen anderen Platz.“
„Ich will aber endlich mal wo bleiben.“, meint Barbara.
„Wenn wir mit der Baustelle in San Remo beginnen, sind wir mindestens für ein Jahr dort.“
„Na, hoffentlich, wird es nicht länger“, entgegnet Barbara gereizt.
„Du kannst dann mit dem Mercedes deine Ausflüge machen und die Gegend kennen lernen. Oder willst Du mal wieder deine Schwester besuchen, dann bring ich dich nach München. Du kannst dann den Wagen mitnehmen und später nach San Remo nachkommen?“
„Die Idee ist nicht schlecht.“ Barbara beginnt zu lachen.
„Wie kommst Du dann weiter?“, fragt Barbara.
„Das wird sich ergeben, notfalls nehme ich einen Leihwagen.“
„Wir müssen unbedingt einen Laptop mitnehmen, damit wir immer erreichbar sind.“ „Das fehlt ja gerade noch, dass du dann am Abend vor diesem blöden Ding sitzt und E-Mail sendest.“
„Warum bist Du denn so böse, sei doch froh, wenn sich etwas tut.“
Als wir in das Hotel kommen, liegt schon Post für uns bereit. „Die zwei Briefe sind für mich“, und schon hat Barbara sie gegrapscht.
„Erwartest Du denn Liebesbriefe?“ Fragt sie mit einem Hintergedanken.
„Nein aber diese zwei sind von Betti und deshalb für mich.“
„Glaubst du etwa, es hat sich für Betti die Welt verändert?“
„Nein, sicher nicht, aber vielleicht hat sie endlich einen richtigen Freund gefunden.“ „Komm lass uns in die Lounge gehen, ich bestell uns noch einen Cognac.“
„Nein, mir lieber einen Gin Tonic. Okay?“
Wir suchen uns eine ruhige Ecke und vertiefen uns in die Post. Ein Steuerbescheid aus München, da hab ich schon lange drauf gewartet. „Sie langen ja ganz schön hin“, grummle ich vor mich hin. „Könntest du dich bitte leise mit deiner Post befassen, ich möchte nämlich lesen.“ „Vielleicht doch besser einen Cognac?“
„Lass mich jetzt endlich in Ruhe.“ Eigentlich bin ich gerade in der Stimmung sie ein wenig zu ärgern. Entschließe mich aber doch besser die Ruhe zu bewahren. Ein dickes Kuvert aus Brixen, unendlich viele Fragebogen und Verwaltungsbögen. Das hab ich nun davon, dass ich unbedingt dort bauen will.
„Betti will ihren Anteil am Objekt in Bar ausgezahlt haben.“, kommt es von Barbara.
„Ich dachte, wir wollen schweigen“, erwidere ich.
„Entschuldige, aber ich musste es sagen.“
„Will sie sich besaufen, oder was will sie damit anfangen?“
„Sie will sich eine Wohnung kaufen. Sie zieht mit einer Freundin zusammen, da die Mieten in Berlin so hoch sind, will sie lieber kaufen, statt mieten.“
„Das ist das erste Mal, dass ich sie verstehen kann. Wie geht es ihr denn sonst? Schreibst sie was von Arbeit, die sie vielleicht gefunden hat?“
„Ja sie arbeitet am Schauspielhaus, ist dort mit der Deco beschäftigt.“
„Sie wird doch nicht erwachsen werden. Lauter so ernste Sachen, dass kennt man ja eigentlich gar nicht von ihr.“
„Ja, es geschehen noch Dinge, die kann man kaum glauben. Wie willst du das regeln, ich meine das Ding mit dem Objekt?“
„Zuerst muss ich mal nachrechnen, wie viel sie bekommt.“ „Wir müssen es schätzen lassen. Verkaufen wirst du es nicht können, da müsste schon ein ganz toller Hecht vorbei kommen, mit einer ganz großen Feder am Hut.“ „Ich will es eigentlich nicht verkaufen, aber wenn es mir alleine gehört, dann bin ich frei in meiner Entscheidung. Im Moment ist es ja gut Vermietet.“
„Wie hoch schätzt du denn den Wert ein?“
„Irgendwann, waren es mal fünfzigtausend.“
„Reichsmark oder schon echtes Geld?“ Ich frotzle so dahin. Aber es gefällt ihr nicht. Sie ist sehr ernst. „Bitte verstehe, es ist mir nicht nach scherzen.“, meint sie.
„Wir werden das mit deinem Anwalt besprechen, du kannst dass selbstverständlich auch alleine machen.“
„Nein, ich will schon, dass du dabei bist. Dein Anwalt in München wird sowieso der richtige sein. Er kennt sich gut aus und ist recht geschickt, wie er durch die Verhandlungen mit der Filmproduktion bewiesen hat.“
„Du kannst dich ja mit ihm mal zusammensetzen wenn du in München bist. Was schreibt denn Betti noch so?“
„Sie hat sich wohl endgültig entschlossen mit ihrer Freundin beisammen zu bleiben. Von den Männern hat sie die Nase gestrichen voll, betont sie.“
„Aber sie war doch so glücklich mit...“
„Nein, da irrst du. Sie hat deinen Freund nur ausgenützt, sie wollte einfach nur umsorgt sein.“
„Ich versteh das schon, sie ist eben auf der Suche.“
„Aber so ist es doch immer, plötzlich findest du Plätze schön, die du vorher nicht beachtet hast.“
„Also ich mach das nun so, ich werde morgen deinen Wagen nehmen und fahre erstmal nach München, spreche mit dem Anwalt und fahre anschließend weiter nach Berlin zu Betti.
„Gut, dann nehme ich übermorgen den Zug nach San Remo. Wir sehen uns dann demnächst dort, oder nicht?“
„Doch ich komme gerne, ich kenne es ja kaum. Auch das Wetter wird dort viel besser sein.“ „Aber eine Bitte habe ich, du bringst deine Schwester nicht mit.“ „Ich verspreche es.“ Wir beschließen den Abend in einem sehr gemütlichen Restaurant zu verbringen, so mit Kerzenlicht und leiser Musik.
Schon um sechs des nächsten Morgens, spüre ich wie unruhig Barbara ist. Sie steht immer wieder auf und meint dann ganz plötzlich, ich fahre jetzt. Sie geht in das Bad und macht sich frisch und wir bestellen das Frühstück auf unser Zimmer.
Irgendwie sind wir uns die letzten Tage auf den Geist gegangen, vielleicht wurde mir auch alles zu eng. Erklären kann ich es eigentlich nicht, aber ich bin schon recht froh, mal wieder alleine zu sein.
Nach dem Frühstück, lässt Barbara den Pagen kommen, er bringt die Koffer zum Wagen. Eine Stunde später bummle ich alleine über den Marktplatz. Hier treffe ich den Bürgermeister und wir beschließen ein Café aufzusuchen.
Wir bestellen einen Capuccino mit Cognac. „Ich habe Probleme mit den Grünen im Amt.“, meint er plötzlich. – „Der Bau wird zu groß, sagen sie.“
„Dann machen wir den Anbau einfach um ein Etage niedriger, dass kommt allen entgegen. Dadurch wird das Projekt auch leichter und billiger.“ Erkläre ich ihm.
„Gute Idee, ich hätte schon viel früher mit dir reden sollen. Morgen ist Sitzung, du kommst doch?“
„Dann werde ich meine Reise verschieben müssen, aber das ist nicht einfach.
Giovanni hat alle an einen Tisch bestellt, verschieben, nein völlig unmöglich.“ Diesmal muss der Bürgermeister sich nach meinen Plänen richten und sie alleine erklären.
Das Telefon läutet. „Ja, da hab ich richtig Glück gehabt, dass ich gleich durchkomme.“ Anneliese ist am Telefon.
„Komm, mach mir nichts vor, ich weiß doch, dass du mich einfach vergessen hast. Weißt du, ich kenne dich jetzt schon so lange, dass ich bereits fühle, wenn bei dir etwas nicht stimmt. Habe ich Recht?“
„Ja, du hast ja Recht, Barbara und ich sind uns auf den Wecker gegangen.“
„Du wirst es niemals länger wie sechs Wochen mit einer Frau aushalten. Deshalb verstehen wir uns ja so gut. Wie du weißt geht es mir mit meinem Mann genauso, nur wir haben eine Abmachung, er muss dann auf den Berg.“
„Hab ich leider im Moment keinen hier. Erzähl was gibt es neues?“
„Du musst unbedingt kommen, es ist schon so weit, wir machen gerade das Fundament.“
„Wow, so wie es aussieht, komme ich erst, wenn der Rohbau steht. Ich muss morgen unbedingt nach San Remo, sie wollen die Villa nun doch umbauen.“
„Da gratuliere ich dir aber, auf dieses Projekt hast du dich doch so gefreut.“
„Ich gebe ja zu, dass ich schon enttäuscht war, als es damals abgesagt wurde. Es wird jetzt eine Luxusvilla mit vier Wohnungen, die verkauft werden sollen.
„Wieviel Kommission wirst du bekommen?“
„Ich werde es dir mal bei einer guten Flasche Wein verraten.“
„Ich werde dich beim Wort nehmen.“, meint Anneliese.
„Ich vertraue Dir, da du ja weißt auf was es mir ankommt. Wie habt ihr das mit dem Grundwasser geregelt? Es hat sich doch im Garten als Problem herausgestellt.“
„Wir machen eine Dränage. Zuerst hatten wir vor ein Biotop anzulegen, aber der Baumeister hatte mit den zu erwartenden Mücken bedenken.“
„Habt ihr gut gemacht, dass ihr dass gelassen habt.“
„Was treibst du heute Abend? Ich nähe an meinem Abendkleid, du weißt ja wir haben bald unseren Hochzeitstag.“
„Wann?“
„In vier Wochen.“
„Sag mal, welches Datum?“ „Der dreiundzwanzigste.“ Ich schreibe mir das sofort auf, aber sage natürlich nichts. „Ihr seid ja schon ewig zusammen.“
„Das müsstest du eigentlich genau wissen.“
„Wirklich?“
„Stell dich nicht so an, sag bloß du hast es vergessen?“ Ich gebe vor es noch genau zu wissen, aber ich habe keine Ahnung, von was sie spricht.
Sofort krame ich mein Notizbuch heraus, um das Datum zu sichern. Da werde ich mir was einfallen lassen. Vielleicht werde ich sie einfach besuchen und überraschen. Sie ist schon eine ganz Liebe. Ich muss noch eine Weile über sie nachdenken. Beginne inzwischen mit dem Kofferpacken. Ich lasse mir von der Küche einen Brotzeitteller nach oben schicken. Ich bekomme noch die Nachricht, dass mein Zug um neun Uhr dreißig geht.
Der Zug ist bereits eine gute Stunde unterwegs, als ich mich entscheide in den Speisewagen zu gehen um einen Imbiss einzunehmen. Es ist ziemlich voll, es scheinen alle Geschäftsleute zu sein, die zu einem Kongress fahren.
Inzwischen nähern wir uns bereits Mailand. Vom Schaffner, erfahre ich, dass heute alles Verspätung hat, da in manchen Bahnhöfen gestreikt wird. Wenn es ganz schlimm kommt, nehme ich für den Rest der Reise einen Leihwagen.
Ich mach mich nicht verrückt, notfalls lasse ich mir von Giovanni einen Chauffeur schicken.
Mein Handy läutet, Barbara ist dran. Sie ist in München.
„Alles klar? Schönes Wetter?“ Sie meint, ich fehle ihr. Es wäre ohne mich in München nicht so schön.
„Jetzt gehst du in den Osterwaldgarten und gönnst dir was Gutes. Setz dich in die Sonne und trinke ein Weißbier auf mich. Ist die Wohnung in Ordnung?“
„Wie gewohnt. Sie ist schön aufgeräumt und gewienert.“
„Wenn du nach Berlin fährst, nimm bitte die zwei Umzugskartons mit, damit ich sie los bin.“
„Was soll den Betti damit?“
„Bitte sieh noch in die Garage, ob mit dem SL alles okay ist?“
„Vielleicht nehme ich ihn ja, stelle dafür den anderen hinein.“
„Untersteh dich, rühre ihn ja nicht an.“
„Mal sehen?“, kommt es etwas schnippisch zurück. „Bussi.“ Sie wird doch nicht wirklich auf die Idee kommen und den SL rausholen. Ich vergrabe mich wieder in meine Zeitung. Da kommt ein Getränkewagen vorbei und bietet diesmal auch Cognac und ähnliche Getränke an.
Da klingelt schon wieder das Handy. „Ich bin es noch mal. Ich war jetzt in der Garage, also drinnen steht er ja noch, aber er ist schrecklich verstaubt, soll ich nicht besser in die Waschstraße fahren?“
„Du lässt ihn stehen.“ Ich werde etwas laut, der Nachbar, sieht mich über den Brillenrand prüfend an.
Lächelt und meint, „immer diese Töchter. Sie hätten den Schlüssel mitnehmen sollen.“ Da fällt mir ein, ich habe ihn ja bei mir, sie kann ja gar nicht fahren, sie will mich nur ärgern.
„Du Biest, sei geküsst. Bis auf bald.“ Als sie auflegt, lacht sie noch.
Wieder das Handy, mein Nachtbar lächelt. „Ich bin es noch mal.“
„Was gibt es Liebling?“, frage ich.
„Ich bin gerade an unserem Kleiderschrank, Soll ich für dich ein paar Hemden mitnehmen?“
„Wenn du noch Platz hast. Muss aber nicht sein, ich hab hier genug.“
„Jetzt hab ich gerade unser gemeinsames Tuch in der Hand. Ich werde mir jetzt die Augen verbinden und mich auf das Bett legen. Möchtest du zuhören?“
„Barbara! Ich sitze im Zug.“
„Da wirst du wohl etwas unruhig werden?“
„Na warte, aber trotzdem viel Spaß.“ Ich lege auf.
„Na, hat sie den Wagen rausgeholt?“, fragt mein Nachbar.
„Nein, sie hat etwas anderes zum Spielen gefunden.“
„Ist sie noch sehr jung?“
„Wie ein Kind, könnte man meinen.“ Ich muss lachen. Eigentlich gefällt es mir, wie sie versucht den Kontakt zu halten. Erneut läutet es.
„Was ist denn nun wieder?“
„Anneliese, ach entschuldige. Was kann ich für dich tun.“
„Wir sind gerade an der Böschung, willst du eine Stufe oder ein sanft abfallendes Gelände, mit einem kleinen angedeuteten Hügel.“
„Keine Stufe bitte.“
„Du musst unbedingt in Kürze auftauchen, sonst gibt es die ersten Fehler.“
„Du machst das schon richtig. Es soll ja auch zu deinem Grundstück passen. Entscheide einfach, wie du es machen würdest, ich verlasse mich auf dich.“
„Servus, bis bald.“ Kaum hab ich aufgelegt, wieder das Handy.
Nicole, das ist die junge Dame, die sich um meine Wohnung kümmert. „Wie lieb dass du anrufst.“
Sie will wissen, was in den Kühlschrank muss?
„Du weißt doch, immer das gleiche.“
„Noch einen Wunsch bezüglich des Weines?“
„Wie immer. Kommst du mit Freundin, oder solo?“
„Solo!“
„Du brauchst wohl Ruhe?“
„So sieht es aus.“ Ich schalte das Handy ab. Erneut kommt der Wagen mit der Brotzeit vorbei und ich mache eine Reservierung für den Speisewagen. Nach einer viertel Stunde wird meine Nummer aufgerufen.
Mein Platz ist an einem zweier Tisch. Der Ober meint, „es macht ihnen doch nichts aus, wenn noch eine weitere Person hinzu kommt?“
„Sicher nicht.“
Auf den Tisch bewegt sich eine junge Dame zu.
„Darf ich?“ fragt sie höflich. Ich springe auf und rücke ihren Stuhl zurecht. „Vielen Dank.“ Sie sieht atemberaubend aus. Der Ober steht am Tisch und fragt nach der Bestellung.
„Sie bitte zuerst.“ Sie bestellt sich einen Roten und ein Glas Wasser und dann die Spaghetti.
„Ich nehme auch den Roten und Wasser, aber bitte die Lasagne.“
„Kommt sofort.“ Wir sehen beide aus dem Fenster. Plötzlich meint sie, „Sie müssen Künstler sein, sie haben so schmale Hände.“ Sie hat einen süßen Mund und ihr Augenaufschlag ist überwältigend.
Das Essen wird serviert. Wir stoßen mit dem Rotwein an. „Angelina“, meint sie. Ich bin ganz aus der Fassung, „Manfredo“, erwidere ich.
„Wissen sie, ich bin Modell, habe einen Auftrag und bin ziemlich nervös.“
„Dann trinken wir jetzt auf die innere Ruhe“, schlage ich ihr vor.
„Die kann ich wirklich gebrauchen. Es geht um einen sehr großen Auftrag, wenn alles klappt, gehe ich nach Amerika.“
„Das wäre aber schade, wenn Europa so eine nette Persönlichkeit verlieren würde.“ „Es ist die Chance meines Lebens“, meint Angelina. „Also, dann lassen sie uns darauf anstoßen, dass sie Erfolg haben werden. Wo findet denn die Entscheidung statt?“
„In San Remo!“
„In diesem Ort werden sie Erfolgreich sein!“, erkläre ich.
Am Bahnhof winkt bereits Nicole heftig mit den Armen um auf sich aufmerksam zu machen. Ich sehe mich noch mal um, um vielleicht irgendwo Angelina zu entdecken.
Nicole will wissen, warum ich mich immer wieder umsehe. „Suchst du jemand?“
„Nein, ich dachte ich hätte da einen Bekannten gesehen. Übrigens vielen Dank, dass du mich abholst. Aber ich hätte auch ein Taxi nehmen können.“
„Aber das macht doch nichts. Wir müssen noch schnell frisches Brot kaufen, das hab ich vergessen zu besorgen.“
Ich trete auf meine Terrasse und genieße den Ausblick. Also diese Entscheidung, damals war sicher die richtige. Ich öffne eine Flasche und setze mich hinaus, genieße den lauen Abend. Richte mir noch eine kleine Brotzeit, schade, dass Nicole nicht bleiben konnte.
Das Telefon läutet. Es ist Barbara, „Warum hast du einfach abgeschaltet? Es ist dir wirklich was entgangen.“
„Kann ich mir vorstellen.“
„Ich habe unser Tuch immer noch um.“
„Um die Augen?“
„Nein um den Hals.“
„Da bin ich aber froh.“
„Ich habe mich daran gemacht und in den Kisten gestöbert, ich werde einen großen Teil einfach entsorgen.“
„Finde ich eine kluge Entscheidung“, meine ich.
„Was soll ich denn mit den Geräten machen?“ „Musst du wissen. Ich will dich da nicht beeinflussen. Die Pläne solltest du vielleicht besser aufheben, die wirst du noch brauchen. Auch alte Fotos, vom Gebäude, solltest du noch aufbewahren.“
„Wenn du meinst, tue ich alles was wir noch brauchen können in eine Kiste.“
„Bitte stelle sie aber in die Besenkammer, bevor sie von der Putzfrau besichtigt wird.“ Wir bereden noch den nächsten Tag und wünschen uns eine gute Nacht.
Am nächsten Morgen, scheint die Sonne über San Remo, es ist ein wolkenloser Himmel.
Im Büro ist bereits hektisches Treiben. Als ich eintrete, kommt Giovanni auf mich mit einem lauten „Hallo“ zu. Wir begrüßen uns wie alte Freunde. Der alte Ärger, ist wie weggeblasen.
„Hast du schon was für den Abend vor?“
„Nein, ich bin Solo.“
„Dann musst du mitkommen. Wir werden heute Abend entscheiden, wer uns in Amerika vertreten wird.“
„Was vertreten?“, frage ich vorsichtig.
„Wir haben uns eine Parfum Firma zugelegt.“
„Wieso denn dass?“
„Es ist ein wichtiges und neues Standbein für uns.“
Pünktlich um elf beginnt Giovanni mit seiner Ansprache, erklärt, warum nun die Villa doch umgebaut wird. Danach teilen wir uns in Einzelgruppen auf um ins Detail zu gehen. Zu Mittag wird eine Kleinigkeit gereicht, um die Arbeit nicht zu unterbrechen. Gegen fünf, mahnt Giovanni zum Ende zu kommen, morgen ist auch noch ein Tag.
Er kommt zu mir und gibt mir eine Karte mit der Einladung für den Abend. Zurück im Appartement lege ich mich zuerst mal in die Wanne um zu entspannen.
Einen weißen Sommeranzug, das ist Pflicht in San Remo am Abend, also bürste ich ihn noch mal kurz aus. Ich betrachte mich mit prüfendem Blick im Spiegel, ob ich nun wirklich so gehen kann.
Okay passt, war meine Entscheidung. Ich rufe mir ein Taxi und fahre in den Palazzo der Familie von Giovanni. Seine Söhne sind auch schon da und begrüßen mich zurückhaltend. Sie haben den alten Streit noch nicht vergessen. Schließlich zogen sie damals den Kürzeren und wurden von ihrem Vater getadelt.
Wir haben noch etwas Zeit, diese vertreiben wir uns, indem wir uns einen Drink holen und im Haus auf und ab gehen. Giovanni bittet alle in den Saal zur Repräsentation seiner neuen Kollektion. Zwei Butler öffnen die großen Flügel des Portals. Er hat sich wirklich was einfallen lassen. Diverse Herren der Presse sind ebenfalls anwesend und von der Präsentation begeistert.
Als Giovanni den Raum betritt wird geklatscht. Mit Lichteffekten wird nicht gespart. Dann ertönt ein Gong. Ein Laserstrahler wird auf ein Parfumflakon gerichtet. Er beginnt mit seiner Laudatio. Nicht länger wie eine viertel Stunde nimmt er sich dafür. Dann stellt er die neuen Botschafterinnen vor. Eine für den Europavertrieb, eine andere nur für Amerika und eine für den Rest der Welt.
Eine Dame ist schöner wie die andere. Moment Mal, das ist doch Angelina. Aber für welches Gebiet ist sie denn nun zuständig? Wir werden in einen weiteren Saal gebeten. Hier ist eine lange Tafel gerichtet an der wohl gespeist wird. Ich gehe langsam um die Tafel und suche meinen Namen.
Jemand klopft mir auf die Schulter, „Wir kennen uns doch!“ Es ist Angelina.
Wir sitzen uns am Tisch gegenüber.
„Lassen sie uns auf den Abend anstoßen.“
„Gehen sie nach Amerika?“
„Noch kann ich wählen, aber eigentlich hab ich mich schon für Amerika entschieden.“
„Eine tolle Karriere erwartet sie dort. Ab Heute geht es nur noch aufwärts. Aber kämpfen werden sie müssen.“
„Das weiß ich, aber ich habe einen langen Atem. So eine Chance bekommt man nicht alle Tage. Was machen sie eigentlich hier?“
„Ich renoviere eine Villa für Giovanni.“
„Aha der Baumeister. Geht es um dieses Gebäude oder gibt es noch ein anderes?“
„Es gibt noch ein anderes, aber ganz in der Nähe. Sind sie im Hotel oder sind sie in einem der Gästezimmer im Haus untergebracht?“
„Wir sind hier im Haus. Haben sie schon die Söhne kennen gelernt?“, frage ich.
„Ja, es wurden mir beide vorgestellt. Einer wird unser Chef sein, aber ich weiß noch nicht welcher. Ab morgen wird nur noch gearbeitet, wir werden auf das neue Produkt eingeschult.“ Völlig unerwartet steht Giovanni an meiner Seite. „Na mein Junge, wie geht es, gefällt dir der Abend. Du hast ein hübsches Gegenüber. Schon einmal hast du eine hübsche junge Frau in unserem Betrieb gebracht.“
„Giovanni, wenn hab ich denn bei dir untergebracht?“
„Ich dachte Angelina käme durch dich.“
„Nein, Giovanni, wir haben uns nur gestern im Zug kennen gelernt.“
„Ach so war das, da hab ich dann was missverstanden, Roberto meinte ihr seid befreundet.“
„Keine Spur, zumindest nicht bis heute!“
„Du solltest aber mal wieder nach einer neuen Braut Ausschau halten.“
„Was meint er mit Braut und… schon mal?“, will Angelina wissen.
„Meine erste Frau war Managerin bei Giovanni.“
„Habt ihr euch getrennt?“
„Nein, sie ist verstorben. Durch einen Unfall. Aber lass uns jetzt bitte von erfreulicherem sprechen.“
„Wie lange arbeitest du schon für Giovanni?“
„Ein paar Jahre, mal mehr, mal weniger. Wir hatten auch schon mal einen richtigen Streit, aber der endete in einer ewigen Freundschaft.“
„Ist er denn schwierig?“ Will Angelina wissen.
„Sehe es mal so, wenn du immer einen Schritt weiter bist wie er oder einer seiner Söhne, dann kann dir nichts passieren.“
„Das hört sich ja an, als wären wir hier bei der Mafia.“
„Steckt nicht in jedem Italiener ein kleiner Mafiosi? Ich meine dass jetzt sympathisch und nicht negativ!“
„Es gibt sicher viele nette Mafiosi. Aber wenn bei uns in Deutschland mal einer besonders gewieft ist, ich meine, er weiß wo es langgeht, dann nennt man ihn schnell einen Gauner. Auf den Riecher kommt es an. Wenn bei mir die Nase anfängt zu Gribbeln, dann bedeutet es aufpassen. Ich höre dann besonders konzentriert zu.“
Sie lächelt mich an und meint, „Gribbelt es?“
„Sollte es?“
„Währe schön, meinst du nicht auch. Sie reicht ihr Glas über den Tisch und meint, „lass uns anstoßen.“ Sie ist nun plötzlich auf das „DU“ übergewechselt. Ich mache den Vorschlag und biete ihr das „DU“ an. Sie steht auf und geht um den Tisch.
„Wir können doch nicht einfach über den Tisch hinweg auf das „DU“ trinken.“
Wir stoßen an und dann folgt der obligatorische Kuss.
Sie küsst unwahrscheinlich, ich habe das Gefühl meine Sinne schwinden. Wow, das war heftig.
„Schon im Zug, dachte ich mir, ein netter junger Mann.“, sagt Angelina.
„Das jung kannst du ruhig weglassen.“
„Hast du Kinder?“
„Nein!“
„Arbeitest du daran, ich meine hast du eine Freundin?“
„Verschiedene Bratkartoffelverhältnisse, nicht mehr!“
„Davon hab ich schon gehört. Es scheint eine Stärke der Bayern zu sein, Traditionen zu pflegen.“
„Wenn du damit die Bratkartoffeln meinst.“
„Ich dachte mehr an die Verhältnisse.“ So langsam lichten sich die Reihen. Die Herren gehen langsam zu Bett, morgen ist ein anstrengender Tag. „Dann will ich dich jetzt nicht länger vor dem schlafen gehen zurückhalten.“
„Komm ich bringe dich auf dein Zimmer.“
„Lieb von dir, aber ich muss mich noch zu Giovanni setzen, ich glaube er erwartet es.“
„Mach das. Wir sehen uns dann morgen. Vielleicht in der Mittagspause oder spätestens zum Abendessen. Du wirst ja wohl frei haben.“
„Keine Ahnung, aber sicherheitshalber gebe ich dir mal meine Handy Nummer.“
Einen Blick auf mein Handy, vier Nachrichten. Viermal Barbara.
Ich werde sie morgen Früh gleich zurück rufen, bestimmt schläft sie schon. Da läutet es erneut.
„Wo bist du denn?“
„Ich war bei Giovanni.“
„Da bist du dann abgesoffen.“
„So schlimm war es auch wieder nicht. Was gibt es denn so dringendes?“
„Ich habe jemanden mit deinem Wagen angeeckt.“
„Wie meinst du dass?“
„Na ja, ich hab nicht rechtzeitig gebremst, da bin ich ihm hintendrauf gefahren.“
„Hauptsache, dir ist nichts passiert. Okay, berichte weiter.“
„Der Wagen ist zu Mercedes gebracht worden.“
„Aha, kann ich ihn noch erkennen?“
„So schlimm ist es nicht, nur die Haube ist ein wenig eingeknickt.“
„Wo steht er bei Mercedes?“
„In München. Die Polizei wollte wissen, warum ich einen italienischen Wagen fahre. Ich habe erklärt, dass ich deine Braut bin.“
„Im Wagen sind die Versicherungsunterlagen. War dein Kontrahent sauer?“
„Und wie. Es war ein ganz neuer Audi.“
„Na, da hast du ja richtig zugeschlagen. Pass auf, ich gebe dir jetzt die Fax Nummer von Giovanni, da faxt du alles hin. Du nimmst dir bitte morgen einen Leihwagen, aber bitte auf meinen Namen, das bezahlt nämlich die Versicherung. Aber bitte nimm keinen Rolls.“
„Ist ein Golf okay?“
„Ja natürlich. Dann packst du alles um und fährst damit nach Berlin. Bist du zurück kommst, ist der Mercedes sicher fertig. Ich kenne den Meister, der wird alles regeln.“
„Ich will es hoffen, die rechte Türe ist auch nicht mehr aufgegangen.“
„Mach dir keine Sorgen, die von Mercedes machen das schon.“ „Ich bin ja so froh, dass du dich nicht aufregst.“
„Dadurch wird es auch nicht besser. Außerdem ist mir das auch schon passiert.“
Der Kaffee ist fertig, ein Crossantes ist im Kühlschrank. Nebenbei wähle ich die Nummer von Mercedes in München.
„Herr Halberschmidt bitte!“
„Ja bitte, ach sie sind der Italiener.“
„Also wie sieht es aus?“
„Ich habe mir den Wagen schon mal angesehen, wir werden etwa zehn Tage brauchen.“
„Was wird er denn kosten?“
„Nur eine Schätzung, so etwa zehntausend.“
„Okay, senden sie mir bitte das Formular, für die Freigabe, dann können sie gleich anfangen.“
Barbara will nun wissen, was los ist. „In zehn Tagen ist er fertig. Dann kannst du ihn holen.“
„Wie teuer?“
„Geht schon in Ordnung. Ich melde es der Versicherung, inzwischen lege ich es aus.“
Gegen Mittag kommt eine Sekretärin von Giovanni. „Hi, Manfredo, da ist ein Fax, du sollt es unterschreiben und ich muss es sofort zurückschicken.“
Vierzehntausend mit Mehrwertsteuer. Da hat sie aber kräftig zugeschlagen.
Ich will gerade beginnen das Formular auszufüllen, da klopft es an der Türe.
Als ich öffne, glaube ich meinen Augen nicht zu trauen. „Angelina, woher weißt du denn wo ich wohne?“
„Giovanni.“ Sie nimmt mich in den Arm.
„Du hast Ärger mit der Versicherung.“
„Was weißt du denn?“
„Giovanni.“
„Du hast also eine Freundin, wer sagt denn das?“
„Giovanni.“
„Gibt es etwas, was Giovanni nicht weiß?“
„Ich glaube nicht. Was machst du mit dem angebrochenen Abend?“
„Lass uns irgendwo gemütlich zu Abend Essen.“
„Gute Idee. Nimm eine Jacke mit, es ist kühler geworden. Erzähl, wie war dein erster Tag?“
„Wir haben über die Strategie gesprochen, über die Werbung und die Kosten die auf Giovanni zukommen werden.“
„Gefällt dir die Arbeit immer noch?“
„Ja sicher, ich habe doch Wirtschaft studiert. Habe einen Abschluss mit eins. Alle die wir uns beworben haben, mussten diese Voraussetzungen erfüllen.“
Wir schlendern durch die schmalen Gassen von San Remo. Die Laternen sind spärlich, an manchen Stellen, sieht man die Hand nicht vor den Augen. Aber ich kenne die Wege, bin sie mehrmals abgelaufen. Wir gehen in eine kleine gemütliche Bodega, hier kennen mich alle, ich bin Stammgast. Wir bestellen uns einen Teller Tapas und vorab ein kleines Bier.
Plötzlich stellt Angelina fest, dass es bereits halb eins ist. Sie wird müde und will nun zu Bett. Ich begleite sie zur Villa. Wir umarmen uns heftig. Sie meint, „ich will mit dir zusammen sein.“
Ich beginne zu überlegen. Was soll eigentlich diese neue Bekanntschaft. Ich fühle mich überrumpelt. So beschließe ich, ab morgen gehe ich auf Abstand, das nehme ich mir vor. Spätestens wenn Barbara hier ist gäbe es ja sowieso Komplikationen, die ich nicht brauche. Aber vielleicht währe ja dann Angelina schon auf dem Weg nach Amerika? Auf jeden Fall läuft mir die Sache zu schnell. So lieb sie ist, sie wird schon ihre Tücken haben. So wie ich sie ja auch habe.
Seit dem ich in San Remo bin, hab ich noch kein einziges Mal in die Tiefgarage gesehen, ob mit dem Maserati alles okay ist. Also, gehe ich schnell in den Keller. Der Wagen ist eingestaubt, aber auf dem Dach hat wohl regelmäßig eine Katze geschlafen.
Gegen Abend werde ich durch eine Waschstraße fahren. Da begegnet mir der Hausmeister. Ich frage ihn gleich, ob er mal zwischendurch die Batterie geladen hat.
„Ja selbstverständlich, ich habe es gemacht, wie sie es mir aufgetragen haben.
Auf der Baustelle hat sich der Denkmalschutz angesagt. Es sind drei Herren mit finsterer Miene. Sie haben sich schrecklich wichtig. „Darf ich die Herren in das Baubüro bitten?“
Ich mache den Vorschlag, „Wir beginnen am besten damit, uns die Pläne anzusehen.“ Die Herren haben ihre eigenen Pläne dabei. Diese Pläne sind etwa vierzig Jahre alt, die Grundlage für die Renovierung, wie sie erklären.
Das hab ich nicht so gerne, aber wir gehen sehr höflich mit einander um, zollen uns Respekt. So vergleichen wir erstmal die alten mit den neuen Plänen. Sofort stellt sich heraus, dass wohl nach dem Krieg einiges anders Renoviert wurde. Es zeichnet sich aber ein Weg ab, der wohl ein Kompromiss sein wird. Da geht die Türe auf und Angelina steht im Türrahmen.
Den Herren geht das Herz auf. Ich stelle Angelina vor und sie fragt, ob sie sich dazu setzen dürfe, sie würde auch bestimmt nichts sagen. „Aber natürlich!“, meint der Chef der Kommission. Sie rollt mit den Augen und tut so, als findet sie alles toll, was die Herren meinen. So gelingt es mir auch, so manche bauliche Auflage streichen zu lassen. Nach zwei weiteren Stunden, verabschieden sich die Herren mit den Worten,
„Sehe sie so schlimm sind wir doch gar nicht.“ Angelina lächelt die Runde und meint, „Sie sind aber auch sehr sympathisch.“
Beim Hinausgehen stolpern die Herren fast über ihre eigenen Füße, so hat sie ihnen den Kopf verdreht. Als sie gegangen sind, meint sie, „Das war doch eine gute Idee von Giovanni mich hier her zu schicken.“
„Wieso? Was war das denn?“
Giovanni hat von der Kommission gehört, meinte, „Gehen sie mal rüber und lächeln sie so schön sie können.“ Es ist eben doch ein Gauner, aber er hatte mit seiner Taktik Recht. Da kommt auch schon Giovanni zur Tür herein. „Na, wie ist es gelaufen?“ „Super, alles im grünen Bereich.“
„Schlitzohr!“, kommentiere ich sein Vorgehen.
„Wir in Italien wissen eben, wie es zu laufen hat.“ Das mit dem Kuvert wird wohl unumgänglich sein, aber es wird vielleicht nicht so dick sein müssen.“
Angelina meint, „Sie verstehe nun gar nichts mehr.“
„Musst du auch nicht, das ist Italienisch.“ Giovanni will uns beide zum Essen einladen. Wir stimmen der Einladung zu. Giovanni will wissen, ob ich den Maserati eigentlich noch hab. „Was, du hast einen Maserati?“ „Ja, von Giovanni, er bereut es noch heute, dass er ihn mir mal geschenkt hat.“
„Das stimmt nicht, ich hab gesagt, er steht dir besser.“ Wir schlendern lachend die Straße hinab und steuern geradewegs auf die Bodega zu. Ein großes Hallo ertönt, als Giovanni den Raum betritt. Er sagt nur: „Wie üblich!“ Alle wissen Bescheid. Zwei Ober zerreisen sich fast in der Luft um alles schnellstmöglich zu erledigen.
Giovanni erzählt uns, dass er dieses Lokal vor fast fünfzehn Jahren gekauft hätte, weil der alte Besitzer eine Disco daraus machen wollte.
„Das währe doch einfach schade gewesen. Seit fünfzehn Jahren ist Mario mein Pächter. Er kennt inzwischen alle meine Wünsche. Er wohnt oben drüber, so kann ich auch mal kommen, wenn meine Frau nicht mehr kochen will, oder die Köchin in Urlaub ist.“ Mario kommt an den Tisch und meint, „Dafür zahle ich keine Miete für die Wohnung. Giovanni ist mein Gönner.“
Die beiden scheinen sich schon eine kleine Ewigkeit zu kennen. Keiner darf so persönlich mit ihm sein. Giovanni würde es nicht dulden. Er ist für jeden da, aber keiner darf zu dicht an ihn heran. Man sagt, selbst seine Frau müsse immer einen gewissen Abstand zu ihm waren. Nach einer Stunde haben wir alle schon einen mächtigen in der Krone. Nur Giovanni lässt seine Schweinsäuglein kreisen.
Er sagte mal, „Am besten kannst du die Menschen kennen lernen, wenn sie einen in der Krone haben.“ Ich habe das Gefühl, er beobachtet gerade Angelina und prüft ihre Fähigkeiten. Er will wohl wissen, wie viel sie verträgt. Das ist ja bei Geschäftstreffen nicht unwichtig. Er versucht sie in den Arm zu nehmen, aber sie leistet kräftige Gegenwehr.
„Gut so meint er, dass gefällt mir. Bleib so mein Kind.“
Angelina meint, „Ich bin nicht ihr Kind.“
So hat er es gerne. „Aber zu meiner Familie gehörst du schon. Alle die für mich Arbeiten, gehören zu meiner Familie. Stimmt doch?“
Gibt mir einen Rempler mit dem Ellenbogen und sieht mich streng an.
„Ja stimmt. Kann ich bezeugen. Wir hatten aber auch schon mal Familienkrach.“ „Das muss auch sein. Sonst wird es Langweilig.“ Er sieht Angelina sehr ernst an und mein, „Du wirst die Hierarchie noch kennen lernen. Aber eines musst du wissen, Manfredo steht schon ziemlich weit oben, dass mussten auch schon meine Söhne erfahren.“
Giovanni bestellt noch den Nachtisch und meint, „Den dürft ihr alleine essen, er werde sich hier verabschieden.“ Süße Dinge hat ihm der Arzt verboten und dann blickt er Angelina tief in die Augen. Beim hinausgehen winkt er, ohne sich umzudrehen. Angelina fragt mich nach der Familie aus, aber ich erkläre ihr, dass ich nicht darüber sprechen werde.
„Nur eines vorab, reize ihn niemals. Er ist das absolute Familienoberhaupt. Er duldet auch keine Gegenargumente, außer er bittet um eine Diskussion.“
„Wo willst du denn hin? Immer noch nach Amerika?“
„Ja eigentlich schon. Es ist ein super Sprungbrett für die Zukunft.“
„Sag ihm das bloß nicht. Dann setzt er dich sofort vor die Türe. Er will dich für seine Firma aufbauen. Einmal Giovanni immer Giovanni. Bei mir ist das natürlich etwas anderes, er kann mir nicht verbieten, zwischendurch mal für einen Freund zu arbeiten.“
„Er ist auch immer darauf bedacht, das alle wichtigen Personen in seiner Firma ein gutes Leben führen können. Drogen akzeptiert er nicht. Aber das kann ich mir bei dir sowieso nicht vorstellen.“
Wir machen noch einen kleinen Spaziergang, dann lernst du San Remo ein wenig kennen. Am Wochenende machen wir mal einen Ausflug in die Umgebung.
„Aber mit dem Maserati.“, wirft Angelina ein.
„Ja klar. Er steht schon seit einigen Monaten in der Garage. Der Hausmeister kümmert sich darum.“
„Wie eng ist eigentlich deine Freundschaft zu Barbara?“
„Wenn du mich so direkt fragst, Wir haben uns über ein Objekt kennen gelernt, daraus ist dann später Freundschaft geworden. Sie hat noch eine Schwester, welche seit längere Zeit mit meinem Freund Richi in Berlin zusammen ist.“
„Lass uns noch mal zur Baustelle gehen. Ich will noch mal was kontrollieren.“ Diesmal nehmen wir einen anderen Weg, kommen von der Rückseite an die Baustelle. Von hier sieht es richtig klein aus. Einige Arbeiter sind noch da und räumen gerade zusammen. Einer pfeift durch die Finger. Ziemlich laut. Das ist ein Kompliment, er will dir sagen, „Du siehst einfach prachtvoll aus.“
„Na dann werde ich das mal so hinnehmen. Eigentlich hab ich es dick, wenn mir Arbeiter nach pfeifen.“
„Am besten du überhörst es.“
Wir gehen in das Gebäude und Angelina ist von den alten Stoff-Tapeten begeistert. „Leider muss das alles raus, der Schimmel sitzt zu tief. Aber wir werden versuchen gleichwertiges zu bekommen. Der Umbau des Treppenhauses wird am schwierigsten, da wir ja zukünftig einzelne Wohnungen haben werden. Jede bekommt so etwas zweihundert Quadratmeter.
Pass bitte auf, das Geländer ist Baufällig.“ Als wir im oberen Stockwerk angekommen sind, ist Angelina begeistert von dem tollen Rundblick. Von hier kann man weit über den Ort sehen, fast bis zum Meer.
„Mit einem Fernglas, kannst du die französische Küste erkennen.“
„Die Wohnung nehme ich! Was wird sie wohl kosten?“
„Schätze so etwa acht?“
„Achthunderttausend? Das finde ich günstig.“
„Nein, acht Millionen.“
„Ach so. Da werde ich wohl noch ein paar Jahre arbeiten müssen.“
„Nicht bei Giovanni, du wirst bei Erfolg beteiligt sein. Also streng dich an.“
Wir gehen noch auf die Dachterrasse. Jetzt haben wir auch den Blick nach hinten in die Berge. Ich mache mit dem Handy einige Fotos. Natürlich auch von Angelina. „Sei vorsichtig, wenn deine Freundin die Bilder sieht.“
„Lass uns besser wieder runtergehen, dass ist hier alles sehr baufällig.“
„Gib mir deine Hand, ich führe dich. Ich weiß wo die Balken sind, da ist es am stabilsten.“ Vorsichtig und langsam bringe ich sie wieder auf sicheren Boden.
„Na was meinst du?“, frage ich sie.
„Es wird sicher sehr schön, wenn es mal renoviert ist.“
„Es hat immer der Familie gehört, aber wir haben vor zwei Jahren den Palazzo renoviert und dann hat man diese Arbeiten zurück gestellt. Es sollte mal ein Casino werden, aber da haben die Grünen Einspruch eingelegt. Was ja auch verständlich war.“ Ich erzähle ihr noch von dem Casino in Mailand und was ich dort alles erlebt habe.
„Da müssen wir hin!“, meint sie.
„Du musst erstmal nach Amerika, das ist deine Zukunft.“
„Ich versteh schon, Mailand ist wohl mehr was für die Männer.“
„Da hast du nicht ganz Unrecht, aber Damen sind ebenfalls willkommen.“
„Für was?“
„Ich überlass es deiner Fantasie.“
„Komm lass uns in das Appartement gehen, ich richte uns einen schönen Kaffeetisch.“
Angelina bewundert den Ausblick. „Groß ist es ja nicht gerade, aber für einen Junggesellen groß genug.“
„Es hat gerademal sechzig Quadratmeter. Plus Balkon. Mir reicht es, wenn ich aufräumen muss, ist es immer noch zu groß.“ Wir lassen uns in den Liegestühlen nieder.
„Wie sieht denn deine Münchener Wohnung aus?“
„Sehr Bayrisch.“ Angelina steht auf und geht im Apartment herum und sieht sich Bilder an. „Ist das der Blick von deinem Balkon in München?“
Ich stehe auf und erkläre ihr die verschiedenen Bilder. „Was ist denn das?“
„Mein kleines Schätzchen der alte Mercedes.“
Sie entdeckt ein Foto von Anneliese, „Ist das deine Schwester?“
„Fast, eine ganz liebe Freundin. Sie lebt in Brixen. Wann immer ich Zeit habe besuche ich sie und ihren Mann.“
„Ah, sie ist verheiratet.“
„Deine Frau ist verunglückt. habe ich gehört.“
„Ja stimmt. Sie hat die Hotels von Giovanni geleitet.“
„Ach daher die alte Freundschaft.“
Inzwischen ist der Kaffee fertig ich bringe den Kuchen auf einem Tablett nach draußen. „Mit oder ohne Milch?“
„Mit bitte, vielleicht kannst du sie ein wenig quirlen.“
„Du hast es recht gemütlich eingerichtet, obwohl du ja kaum Möbel hier hast.“ „Na hör mal, ein Bett ein Schrank und einen Esstisch, das reicht ja wohl.“ Ich hab etwas untertrieben, natürlich hab ich nicht viel in eine so kleine Wohnung gesteckt. „Hast du die anderen Räume schon gesehen?“
„Nein, ich will doch nicht Neugierig sein.“
„Na komm ich zeig es dir.“
„Hier ist das Gästebad.“
„Darf ich mal in den Schrank sehen?“
„Ja klar, warum nicht.“
„Na viele Gäste waren wohl noch nicht da. Ein Bademantel, ein sehr schönes Tuch. Gehört es dir?“
„Nein es ist noch von Irmi.“
„Aha, ein Doppelbett.“
„Ja klar, ich war doch Verheiratet.“
„Stimmt“ Sie setzt sich auf das Bett.
Sie zieht die Nachtischschublader auf.
„Oh entschuldige, ich mache das schon fast automatisch.“
„Bei jedem, wo du zu Besuch bist?“
„Sie wird rot. Entschuldige.“
„Nein, sieh nur hinein, es sind keine Geheimnisse.“
Sie zieht die Schublade auf. „Was haben wir denn hier?“
Ich sehe gerade zum Fenster hinaus. „Ja, was ist es denn?“
„Ein Tuch und Handschellen.“
Ich erschrecke, „Die muss wohl jemand vergessen haben.“
„Wer war denn dein letzter Gast?“
„Ich weiß es nicht mehr genau. Vielleicht war es Ingrid?“
„Hände auf den Rücken ertönt es plötzlich.“
„Was hast du vor?“
„Wirst du schon sehen.“
„Du kennst dich ja recht gut damit aus.“
„Wir hatten mal Modefotos, da bekam ich welche angelegt.“
„Hat es dir gefallen.“
„Eigentlich nicht, es waren ja so viele Leute da und ich hatte das Gefühl, sie waren alle scharf.“
„So… wie soll es weiter gehen?“
„Jetzt bist du erstmal gefesselt. Jetzt zeig mir noch den Rest der Wohnung.“
„Der Kaffee wird kalt. Wie soll ich ihn eigentlich trinken?“
„Ich werde ihn dir einflössen.“
„Ach wie lieb.“
„Mit dem Kuchen werde ich dich füttern.“
„Ich werde dir jetzt noch die Augen verbinden.“
„Meinst du nicht, dass wir uns dafür zu kurz kennen?“
„So jetzt noch das große Tuch, dann kann es nicht rutschen.“
„Ich habe den Eindruck, du hast schon mal geübt.“
„Vielleicht?“
Ich merke, dass es sehr ruhig ist.
„Angelina, wo bist du?“ Ich gehe durch die Räume und bekomme das Gefühl, als sei sie gegangen. Ich gehe vorsichtig in das Schlafzimmer, da müssen ja die Schlüssel sein.
„Wenn du den Schlüssel suchst, der liegt hier. Na hat es dich scharf gemacht?“ „Vielleicht?“
„Dann sollte ich wohl besser den Schlüssel mitnehmen, dir noch etwas Spaß gönnen.“
„Nein bitte nicht, ich habe noch Arbeit zu erledigen.“ „Okay, komm her, ich schließe auf. Weißt du, damals bei den Fotoaufnahmen, hatte sich der Fotograf den Scherz geleistet, zu behaupten, es gäbe keine Schlüssel. Ich dachte tatsächlich, ich müsse so rumlaufen.“
„Gemeiner Scherz!“
Sie muss nun plötzlich gehen, „Bringst du mich noch Heim?“
„Natürlich“ Ich gehe mal kurz in das Badezimmer.
„Bis gleich.“
Als ich zurück komme steht sie im Raum und hat sich die Augen verbunden. Ich nehme sie in die Arme und küsse sie.
„Wer sind sie mein Herr?“
„Ich bin der große Räuber.“
„Wie schön, ich liebe große Räuber.“ Sie küsst recht leidenschaftlich, aber meint dann plötzlich gehen zu müssen. „Okay, machen wir morgen weiter. Du darfst mich führen.“ Ich führe sie in den Lift, als wir unten ankommen, nimmt sie sich das Tuch von den Augen. Ich lege es ihr um den Hals.
„Als Andenken, vielleicht schläfst du dann besser.“ Ich begleite sie noch bis zum Gästehaus.
Der nächste Morgen sollte für mich sprechen, Angelina ruft an und teilt mir mit, dass sie bereits am Nachmittag mit ihren Kolleginnen und Giovanni nach Amerika fliegen müsse. „Sehen wir uns noch vor dem Abflug?“
„Ich bin voll in Terminen.“
„Wann kommst du denn zurück?“
„Giovanni meint, eine Woche bleiben wir mindestens.“
„Giovanni, ist ein Arbeitstier. Sei geküsst Liebling, also in einer Woche.“
Ich zögere noch ein wenig, bis ich auflege. Die Woche Pause wird uns gut tun. So kommen wir zum Nachdenken. Mein Vorarbeiter steht plötzlich im Raum. „Kommen sie mal kurz, da gibt es ein Problem.“ Er zeigt mir einen großen Riss in der Decke. „Das gefällt mir aber gar nicht. Da müssen wir sofort abstützen.“
„Wir müssen uns das von oben betrachten.“ Als wir im zweiten Stock eintreffen, bekommen wir erstmal einen Schreck. Quer durch den Raum ist ein Riss im alten Parkettboden.
„Den müssen wir abtragen, sehen was der Unterboden macht. Sicher ist alles morsch.“
Wir machen Fotos vom Riss und verschließen den Raum. Wir haben in einer Stunde ein Treffen mit den wichtigsten Bauleuten, da werden wir ein neues Vorgehen erörtern.
Die Fensterstürze sind ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Das wird aufwendiger wie wir dachten. Wir müssen vor allem auf die Stuckarbeiten achten, die sollen erhalten bleiben.
Inzwischen ist auch ein Restaurator für die Fresken eingetroffen. Er macht gerade Bestandsaufnahme. Seine Stirn zeigt große Sorgenfalten. „Billig wird das nicht!“, war sein erster Kommentar.
Wir treffen uns alle am runden Tisch. Die Sekretärin von Giovanni, wird kurzerhand als Bausekretärin eingeteilt und muss nun das Protokoll führen. Schon nach einer weiteren halben Stunde ist klar, mindestens ein Jahr Renovierung steht an.
„Meine Herren, was halten sie von einem gepflegten Mittagessen?“ Alles jubelt, keiner schließt sich aus. Wir reservieren einen Tisch, also in einer halben Stunde bei Marcello. Auf dem Weg zum Lokal gehe ich noch kurz in die Wohnung. Mein Telefon blinkt, also ist wohl eine Nachricht darauf. Als ich diese abhöre, erfahre ich, dass Barbara noch etwas länger in Berlin bleiben wird.
Bei Marcello sind bereits alle versammelt. Es muss noch ein Stuhl dazwischen geschoben werden. „Wir haben schon gedacht, du kommst nicht mehr.“
„Ich hab euch doch eingeladen, da kann ich doch nicht verschwinden.“ Wir ordern gleich mehrere Flaschen Wein und beschließen eine Einstandsfeier vorzunehmen.
Wir entscheiden für heute Schluss zu machen und am nächsten Morgen pünktlich wieder anzutreten.
Als ich zur Türe meines Appartements hereinkomme, läutet das Telefon. „Aha, Barbara du bist es. Ich habe schon gehört, dass du etwas länger bleiben willst.“
„Sie hat den Leihwagen zurückgegeben und sich einen Golf gekauft. Sie sei bei ihrer Schwester eingezogen, sie hat eine WG gegründet und es sind sehr lustige Typen.“ „Das finde ich gut, hast du auch schon einen Freund gefunden?“
„Woran denkst du?“, fragt Barbara.
„Gönnen wir uns doch einfach mal eine Auszeit.“ Antworte ich.
„Okay, einverstanden!“
Ich gehe zum Schreibtisch um mir den Kalender zu betrachten. Ich entscheide mich, kurzfristig nach München zu fliegen. So viel ich weiß geht morgen früh ein Flieger.
„Am Mittwoch bin ich zurück.“
Ich lasse mich vom Flughafen mit einem Taxi direkt zu Mercedes bringen. Der Meister ist gerade zu Mittag, aber sie können ihren Wagen mitnehmen.
„Ist er wirklich in Ordnung?“
„Sicher, besser wie neu.“ Ich muss lachen, dass sagen sie immer. Ich stelle mir noch den Sitz neu ein und brause davon. Tatsächlich, nichts zu merken, absolut wie neu, stelle ich fest.
Im Appartement liegt eine Menge Post. Ich überfliege sie kurz und gönne mir noch ein Bier. Der Kühlschrank ist leer.
Kaum habe ich den Balkon betreten, winkt auch schon der Nachtbar.
„Haben sie schon gehört?“
„Nein, was gibt es denn Neues?“
„Die restlichen Wohnungen, werden jetzt auch verkauft.“
„Wer sagt das?“
„Der Sohn vom Hausbesitzer. Dem Vater geht es recht schlecht und so will der Sohn die Chance nutzen, alles zu versilbern, schnell zu verkaufen.“
„Soll mich eigentlich nicht stören, ich hoffe, alle Mieter können sich zu einem Kauf entschließen.“
Ich lüfte die Wohnung durch, die Luft ist abgestanden. Die zwei Kisten sind weg, na Gott sei Dank. Barbara hat sie wohl mitgenommen. Ich sehe die Schränke durch, lasse die Türen ein wenig offen stehen. Mein Bett ist frisch überzogen, das war wohl Barbara.
Ich stecke noch meinen Computer an und sende Anneliese eine E-Mail, dass ich komme. Einen Tag wollte ich aber noch in München bleiben. Den Abend gestallte ich mir recht gemütlich, so dass ich im Wohnzimmer eine Brotzeit richte. Ich lege die Füße hoch, so schlafe ich nach dem zweiten Bierchen bereits ein.
Am nächsten morgen weckt mich ein Sonnenstrahl. Heute werde ich mal wieder in die Stadt gehen. In der Sendlingerstraße angekommen, entscheide ich mich ein Weißbier im Hacker-Pschorr zu trinken natürlich darf eine frische Brezel dazu nicht fehlen. Ich lese die Tageszeitung und mache mir nebenbei Notizen, was ich noch besorgen muss.
Nicht, dass ich diese Dinge in Italien nicht bekäme, aber es macht mir Spaß hier einzukaufen.
Ein Geschenk für Anneliese, das hab ich jetzt vergessen. Vielleicht einen schönen Ring oder ein Kettchen mit einem Anhänger. Das Wetter lädt zum Draußen sitzen ein.
Auf der Leopoldstraße suche ich mir einen Platz in einem Straßenrestaurant. Hier kann man wunderbar Leute beobachten und anschauen.
Aber nun suche ich erstmal ein Geschenk. In einer der kleinen Seitenstraßen finde ich ein Schmuckgeschäft. Der Besitzer fertigt seine Ware noch selbst an, noch ein echter Goldschmied. Es ist ein wirklicher Könner. Ich entscheide mich für einen Umhänger mit Bernstein. Ich weiß, dass sie Bernstein liebt.
Auch am nächsten Morgen meint Petrus es gut mit den Münchnern. Wolkenloser Himmel über Bayern, so klingt es aus dem Radio.
So noch das Geschirr gespült, den Koffer gepackt und ab nach Süden. Ich mache das Dach auf, und nehme Nebenstraßen um die Landschaft zu genießen. Es dauert zwar etwas länger bis ich in Garmisch ankomme. Von hier ab werde ich über die Autobahnen weiter fahren.
Ich rufe schon mal kurz durch, damit sie nicht überrascht ist. „Gut, dann stelle ich schon mal den Wein auf den Tisch.“
„Vorweg hätte ich Lust auf ein kleines Bier.“
„Ich weiß, dass musst du mir nicht extra sagen. Das lasse ich aber noch im Kühlschrank, wenn es dem Herrn Recht ist.“
„Du bist ein Schatz.“
„Das weiß ich doch.“
Das Tor ist bereits geöffnet, leise fahre ich auf dem Kiesweg zum Haus. Annelise hat mich natürlich schon vom Küchenfenster aus gesehen. Ich bin noch gar nicht so recht ausgestiegen, da steht sie schon mit meinem Bier in der Hand an der Autotüre. „So jetzt aber schnell, ich weiß doch wie dringend du es jetzt brauchst.“
„Hörst du wie es zischt? Hier ein kleines Mitbringsel, hab ich zufällig in München herumliegen sehen.“
„Jetzt hör doch auf, das ist doch nicht nötig.“
„Sei still, gib Bussi.“
Bevor wir jetzt in die Stube gehen, willst du sicher dein Grundstück sehen. Wir gehen durch die Hecke, es hat sich mittlerweile ein kleiner Trampelpfad gebildet. „Toll“, dass ist das einzige was ich so auf die Schnelle herausbringe. „Sag mal, was liegt den da?“
„Was meinst du?“
„Na da, dass sieht ja aus, als seien es Knochen.“
„Schmarren, dass hätten wir längst gesehen.“
„Habt ihr mir da zum Scherz ein Skelett eingegraben?“
„Sicher nicht. Vielleicht ist es ein Hund, der mal vergraben wurde?“
„Nein, das liegt da schon länger und ist auch größer. Außerdem ist dort noch keine Erde bewegt worden. Der Bagger ist daran vorbei geschrammt.“
„Aber der Baggerführer, der müsste es gesehen haben.“
