Das Ding mit der Bombe – Ein klassischer Kriminalroman - Theodor Horschelt - E-Book

Das Ding mit der Bombe – Ein klassischer Kriminalroman E-Book

Theodor Horschelt

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Beschreibung

Spionage-Gangster gehen über Leichen, das ist den Privatdetektiven Pat Wilding und Jimmy Kennegan wohlbekannt. Aber gleich einhundertzwanzig durch eine monströse Explosion …? Sie stecken mittendrin, und es bleibt brandgefährlich. Der kleine Jimmy und der lange Pat verfolgen Spuren, beschatten, lauschen, stellen Fallen; alles in wechselvoller Zusammenarbeit mit Polizei und dem Bundesagenten Kintosh, dessen Mitarbeiterin Elly es Pat angetan hat. Aber auch die blonden Damen Sonja und Helen lassen ihn nicht kalt, wenngleich beide in die Spionagesache um einen neuartigen Atomantrieb mitverwickelt sind. Jedenfalls, die kleinen Fische zappeln bald auf dem Trockenen, nachdem sie den Köder geschluckt haben, doch der Strippenzieher im Hintergrund ist ein Meister der Tarnung und Täuschung … Jimmy und Pat kämpfen sich durch, tragen ihre eigene Haut zu Markte und setzen ihr eigenes Leben derart aufs Spiel, dass ihnen manchmal nur noch Galgenhumor bleibt.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Theodor Horschelt

Das Ding mit der Bombe

Ein klassischer Kriminalroman

Impressum

Neuausgabe

Copyright © by Author/Bärenklau Exklusiv

Cover: © by Steve Mayer nach eigenen Motiven von edeeebee, 2025

Korrektorat: Antje Ippensen

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

www.barenklauexklusiv.de / info.baerenklauexklusiv.de

Die Handlungen dieser Geschichten sind frei erfunden sowie die Namen der Protagonisten und Firmen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

Alle Rechte vorbehalten

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Das Buch

Das Ding mit der Bombe

Ein klassischer Kriminalroman

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

Eine ganz kleine Auswahl der Krimis von Theodor Horschelt:

Das Buch

Spionage-Gangster gehen über Leichen, das ist den Privatdetektiven Pat Wilding und Jimmy Kennegan wohlbekannt. Aber gleich einhundertzwanzig durch eine monströse Explosion …? Sie stecken mittendrin, und es bleibt brandgefährlich. Der kleine Jimmy und der lange Pat verfolgen Spuren, beschatten, lauschen, stellen Fallen; alles in wechselvoller Zusammenarbeit mit Polizei und dem Bundesagenten Kintosh, dessen Mitarbeiterin Elly es Pat angetan hat. Aber auch die blonden Damen Sonja und Helen lassen ihn nicht kalt, wenngleich beide in die Spionagesache um einen neuartigen Atomantrieb mitverwickelt sind. Jedenfalls, die kleinen Fische zappeln bald auf dem Trockenen, nachdem sie den Köder geschluckt haben, doch der Strippenzieher im Hintergrund ist ein Meister der Tarnung und Täuschung … Jimmy und Pat kämpfen sich durch, tragen ihre eigene Haut zu Markte und setzen ihr eigenes Leben derart aufs Spiel, dass ihnen manchmal nur noch Galgenhumor bleibt.

***

Das Ding mit der Bombe

Ein klassischer Kriminalroman

1. Kapitel

Es passierte ganz aus heiterem Himmel.

Eben noch waren wir in unserem schönen Buick gefahren und hatten im Autosuper der afroamerikanischen Sängerin zugehört, die heiser flüsternd ein zärtliches Liebeslied von sich gab.

Jimmy hatte mich stolz angesehen, als wäre die kurvige Schwarze mit der schönen Stimme sein Produkt.

»Die ist ’ne Bombe, was?« Verklärt hatte er die Augen verdreht.

»Ja, eine Bombe!«, hatte ich gesagt und zufrieden geblinzelt, weil mir die warme Frühlingssonne so schön ins Gesicht schien.

Und dann war es geschehen.

Das irrsinnige, brutale Rauschen und Brausen war zwei oder drei Sekunden lang in der Luft, und dann erst drang eine gewaltige Detonation in mein Bewusstsein. Es war ein Donnerschlag von so elementarer Gewalt, dass ich danach nichts mehr sah und nichts mehr hörte. Alles war aus!

Ich weiß bis heute nicht genau, wie lange ich nichts gesehen und gehört habe. Ich weiß nur, dass ich irgendwann doch wieder zu mir kam. In meinem Hirn waren nur das große, endlose Rauschen und die Erinnerung an dieses schreckliche, berstende Krachen.

Als nächstes stellte ich fest, dass ich nicht mehr gemütlich im Auto saß, sondern mit dem Gesicht im Dreck lag. Das Rauschen in meinen Ohren hörte langsam auf, und das Denken in meinem Hirn setzte langsam wieder ein. Aha, dachte ich: also doch kein Weltuntergang! Dabei wäre es kein Wunder gewesen, wenn der liebe Gott alle politischen Krisen mit einem einzigen, gewaltigen Donnerschlag beendet hätte, der diese lächerliche Erdkugel aus dem unendlichen Universum abservierte.

»Hilfe!«, blubberte irgendwas. Der Ruf drang tatsächlich bis an mein Ohr und halb in mein Bewusstsein. Aber ich lag da und befühlte meinen Kopf.

»Hilfe!« Diesmal war es lauter und deutlicher. Und dann fiel bei mir der Groschen. Jimmy!

Ich sah auf und erkannte unser Auto oder vielmehr das, was davon noch übriggeblieben war.

»Ach du Sch…!«, murmelte ich und versuchte aufzustehen. Es gelang mir, und ich taumelte auf den Blechhaufen zu.

Der Kleine hing hinter dem Steuerrad. Er war genau so benebelt wie ich. Blut lief aus seinem Mund.

»Hilfe!«, lallte er sabbernd und sah wie ein elender, gequälter Hund zu mir auf.

Ich wollte die Tür öffnen und riss an dem Türgriff. Das hatte leider nur wenig Erfolg, denn ich hatte lediglich den Griff in der Hand. Die Tür war nur noch ein Haufen zerknautschtes Blech und als Tür auch bei bescheidensten Ansprüchen nicht mehr zu gebrauchen.

»Moment, Jimmy, ich hole dich ’raus!« Ich taumelte um den Wagen herum, denn auf der anderen Seite war durch irgendeinen Zufall die Wagentür aufgerissen worden. Ich kroch auf den Sitz und zog Jimmy hinter dem Lenkrad hervor. Er war nicht eingeklemmt, und bis auf das Blut zwischen seinen Lippen merkte ich nichts von einer Verletzung.

Da ich selbst auch noch halb k.o. war, dauerte es eine Weile, bis ich mit ihm aus dem Schlitten heraus stolperte und irgendwo im Gras landete. Ich legte ihn hin, strich mir die Haare aus dem Gesicht und betrachtete dann Jimmy und die Ruine unseres Autos.

»Was war eigentlich los?«, fragte Jimmy.

»Da fragst du mich zu viel, ’ne Bombe sicher!«

»Na, das sagtest du schon vorher. Ich dachte, du hättest die Sängerin im Radio gemeint.«

»Habe ich auch«, sagte ich tiefsinnig. Ich sah wieder zu unserem Auto ’rüber. »Hast du was, Kleiner? Tut dir was weh?«

»’n paar blaue Flecke. Außerdem werde ich mir wohl vor Schreck in die Zunge gebissen haben.«

»Du Genießer!«, sagte ich erleichtert und sah wieder zu unserem Wagen rüber, der schräg im Straßengraben lag. Ein Haufen Äste lag herum, und der übernächste Baum auf der einsamen Chaussee war umgeknickt.

Irgendwo hinter uns, südlich von Frisco, musste was in die Luft gegangen sein.

»Vielleicht ’n Atombombenversuch?«, sagte Jimmy.

»Vielleicht haben wir’s nicht gelesen? Vielleicht sind wir schon völlig mit Strahlen verseucht. Mann, ich kann dir sagen, vor so was habe ich fast noch mehr Angst als vor Masern oder ’ner anderen schlimmen Krankheit.«

Ich stand wieder auf und klopfte mir oberflächlich den Dreck vom Anzug.

»Kannst du stehen? Kannst du laufen, Jimmy? Versuch’s mal!«

Ächzend, stöhnend und schimpfend richtete sich der Kleine auf.

»Ja, es geht«, seufzte er, »aber nur weil ich so eine riesige Selbstbeherrschung und einen so starken Charakter besitze.«

»Still!«, sagte ich. »Was ist das?« Leise Musik erklang.

Jimmy machte seine Augen noch runder als sonst.

»Vielleicht sind wir doch schon im Himmel«, sagte er unsicher, »und wir wissen es gar nicht. Kannst du wenigstens die zehn Gebote?«

Ich pirschte mich langsam an das demolierte Auto ’ran, griff über das Lenkrad hinweg und stellte den Autosuper lauter.

»Donnerwetter!«, sagte Jimmy. »Der hat Nerven.«

Mit einem hässlichen Heulen brach die Musik im Radioapparat plötzlich ab.

»Achtung, Achtung, verehrte Hörer, Radio San Franzisko unterbricht sein Musikprogramm für eine wichtige Durchsage.«

Der Sprecher hatte eine metallen klingende Stimme. Sicher war er früher mal in der Eisenindustrie tätig gewesen. Er räusperte sich kurz und schön, und dann fuhr er fort: »Soeben wird uns mitgeteilt, dass sich südlich von San Franzisko, in der Nähe von Santa Cruz, eine gewaltige Explosion ereignet hat. Der kleine Ort selbst soll völlig zerstört sein. Es ist noch nicht bekannt, worauf diese Katastrophe zurückzuführen ist. Es wird ein Sabotageakt vermutet, da sich in der Nähe der Ortschaft ein Versuchsgelände der Marine befunden hat. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt, aber es muss mit einer sehr großen Zahl von Toten und Verletzten gerechnet werden. Wir melden uns wieder, sobald neue Nachrichten vorliegen.«

Jimmy sah mich an.

»Wir setzen jetzt unsere Musiksendung fort«, sagte der Mann mit der Metallstimme. »Zuvor noch ein Hinweis: Bei Aufregungen und seelischen Erschütterungen aller Art bewährt sich stets Biokleptin! In allen guten Fachgeschäften erhältlich. Biokleptin stärkt die Nerven und die Spannkraft. Merken Sie sich: Biokleptin! Und nun der Slowfox ›Weine nicht, mein Herz‹!«

Jimmy sah mich wehleidig an.

»Weine nicht, mein Herz!«, knurrte er. »Das schöne Auto! Es ist zum Heulen!«

Ich spitzte die Ohren und ging hinüber zur Straße. Weit hinten sah ich ein blaurotes Licht näherkommen.

»Jetzt kommt die Feuerwehr und die Polizei!«

Jimmy kam eilig heran.

»Bilde dir nicht ein, dass die halten! Die haben’s viel zu eilig!«

»Wenn wir winken, halten sie nicht, da hast du recht! Aber wir werden nicht winken. Wir haben einen schweren Unfall!«

Jimmy grinste mich begeistert an.

»Stimmt ja!«, sagte er. »Beinahe wäre es mir entfallen.« Er schmiss sich auf den Bauch und nahm eine völlig verkrampfte Stellung ein, sicherheitshalber aber doch so weit am Straßenrand, dass er zwar gesehen werden musste, im Notfall aber nicht gleich überfahren wurde.

Ich sprang über den Graben und hängte mich wie eine umgekippte Schaufensterfigur gegen unseren Mercury.

Dann waren sie auch schon heran wie eine heulende Meute von Teufeln aus einer supermodernen Hölle.

Und genauso teuflisch benahmen sie sich auch. Sie rasten mit ihren hundert Sachen weiter, ohne auch nur eine Sekunde lang das Tempo zu verringern. Die Explosion und die zerstörte Kleinstadt musste sie ja auch mehr interessieren als zwei kleine, lausige Privatdetektive, die nichts anderes als mitgenommen werden wollten.

Gleich darauf kam aber schon wieder Motorengebrumm auf. Anscheinend war die zweite Garnitur im Anrollen. Die hatten sicher ganz Frisco auf den Kopf gestellt, um möglichst viele Hilfstruppen mobil zu machen.

Eine Bremse kreischte. Ich sah vorsichtig auf. Es war ein weißer Polizeischlitten.

»Hallo«, sagte ein Polyp ohne auszusteigen.

Jimmy rührte sich nicht. Wer reagiert auch schon als feiner Mensch auf ›Hallo‹?

Der Polizist stieg aus. Man sah ihm an, dass er nicht die Absicht hatte, sich mit einer einzelnen Leiche zu begnügen. Offenbar wollte er zur Sicherheit nur feststellen, ob Jimmy schon eine war oder nicht.

»Er lebt noch!«, rief er seinen Kameraden zu. Einer von ihnen stieg aus, und gemeinsam schleiften sie Jimmy in den Wagen.

»Hallo!«, rief ich und lief taumelnd auf den Wagen zu. »Nehmen Sie mich bitte mit.«

»Aber selbstverständlich! Sind Sie verletzt?«

»Ich weiß nicht genau!«, sagte ich unsicher, als ich neben Jimmy und dem Funker hinten im Wagen saß. Ich wunderte mich ein bisschen über die freundliche Bereitschaft, uns mitzunehmen. Aber als ich später in den Spiegel sah, wurde mir klar, dass ich wirklich ernstlich lädiert aussah.

»Kennen Sie Norton?«, fragte ich, als der Wagen wieder auf hundert Sachen war.

»Klar!« Der Beamte neben dem Fahrer nickte.

»Er muss dicht hinter uns sein«, sagte der Funker neben mir. »Sie meinen doch Inspektor Norton von der Mordabteilung?«

»Ja. Wissen Sie schon was Genaues?«

»Ein kleiner Hafen soll völlig zerstört sein. Die Stadt soll aussehen wie nach einem schweren Bombenangriff. Die ganze Polizei und auch die umliegenden Heeresorganisationen sind alarmiert worden. Sie sind alle dicht hinter uns. Wir sollen sie einweisen. Wir sind Verkehrspolizei.«

»Hätte Norton gern gesprochen!«, sagte ich. »Es ist wichtig!«

Der Funker sah mich kurz an. Aber es war vor allem Mitleid in seinem Blick. Dann griff er in eine Tasche, die an der Lehne der Vordersitze angebracht war, holte ein kleines Heft heraus und blätterte kurz darin.

»Zwiebel!«, sagte ich.

»Woher wissen Sie?« Der Funker stierte mich misstrauisch an. »Kein Mensch darf doch die Kennworte kennen!«

»Kein Mensch?«

»Außer den Beamten!«

Ich grinste vor mich hin, denn ich hatte Nortons Kennwort früher einmal erfahren.

»Ich dachte, die Bezeichnungen wechselten ständig.«

»Natürlich. Aber er hat sie gerade wieder bekommen.«

»Passt ja auch prima!«, murmelte Jimmy. »Sehen Sie sich mal ’ne Zwiebel ganz genau an. Kommen Ihnen auch die Tränen!«

Der Mann neben dem Fahrer wandte sich zu dem Kleinen um.

»Ich denke, Sie sind schwer verletzt? So schlimm scheint’s wohl doch nicht zu sein, wie?«

»Ich bin selbst überrascht!«, sagte Jimmy.

»Na, ich versuch ’s mal!«, sagte der Funker und nahm den Hörer ans Ohr. »Hier spricht Xerxes eins. Hier spricht Xerxes eins. Zwiebel kommen. Zwiebel kommen.«

Es knackte ein paarmal. Der Funker sagte seinen Spruch noch einmal auf und dann tönte es quäkend aus dem Hörer: »Hier Zwiebel. Was ist?«

»Zwei Gentlemen wollen Sie sprechen. Wir haben sie auf der Straße nach X-Punkt, beim Kilometerstein 86,4 aufgelesen! Sie sind leicht verletzt, ihr Wagen völlig zerstört. Ihre Namen …« Der Funker sah uns fragend an.

»Wilding!«, sagte ich.

»Wilding!«, sagte der Funker und wandte sich an Jimmy, aber da kam schon die Antwort.

»Ach, du lieber Himmel. Auch das noch! Gleich zwei Katastrophen auf einmal. Hundert Tote und dann noch die beiden Nervtöter. Haben Sie die im Wagen?«

»Ja, Inspektor.«

»Wo sind Sie jetzt?«

Der Funker sah durchs Fenster.

»97,8«, sagte der Fahrer, ohne sich umzusehen.

»Am Kilometerstein 97,8«, sagte der Funker.

»Dann schmeißen Sie sie ’raus!«

»Okay, Inspektor. Ende.« Der Funker warf uns einen Blick zu, der zur Hälfte aus Mitleid und zur anderen Hälfte aus Misstrauen bestand. »Halt an, Bill!«

Der Wagen verlangsamte seine Fahrt, und wir standen plötzlich draußen auf der Straße. Der weiße Wagen machte einen Satz, und wir waren mit der freundlichen Sonne allein wieder auf der Straße.

»Sieh mal da!«, sagte Jimmy. Er deutete nach Süden. Eine grauschwarze Qualmwolke hatte sich über den Himmel gelegt. Die Sonne stand direkt darüber, als wollte sie vorwurfsvoll auf diese Schweinerei zeigen, die die Menschen da wieder miteinander angestellt hatten. Das eigentliche Katastrophengebiet konnte nach meiner Schätzung jetzt nicht mehr als zwei Meilen von uns entfernt sein.

Und dann sahen wir eine neue Teufelsmeute herankommen, traten an den Straßenrand und warteten. Aber die dachten nicht daran zu halten, sondern rasten genau so verrückt wie alle anderen auf die riesige Wolke zu, die drüben die ganze Stadt einhüllte.

Und dann riss die Kette der Fahrzeuge nicht ab. Feuerwehrwagen, Privatfahrzeuge von irgendwelchen hohen Bonzen, Polizei, und Krankenwagen, Krankenwagen, Krankenwagen, Army-Dreiachser, Jeeps, Jeeps …

Einer der Privatschlitten, ein dunkelblauer Chevrolet, fuhr mit quietschenden Bremsen an den Straßenrand heran.

Die Räder standen noch nicht still, als sich schon eine Tür öffnete und der dicke Norton sichtbar wurde.

»Sind Sie das, Wilding? Oder nur noch Ihr Geist?«

»Ich bin’s.«

»Steigen Sie ein!« Er hielt uns die Tür auf.

Wir ließen uns aufseufzend in den Rücksitz fallen.

»Schon mehr bekannt über das Unglück?«, fragte Jimmy, als der Wagen wieder anfuhr.

Norton schüttelte den Kopf und bot uns Zigaretten an.

»Gute Idee!«, sagte Jimmy. »Nach diesem Theater.«

»Was war eigentlich los?«, fragte Norton.

»Da vorn muss was explodiert sein«, sagte Jimmy

»Das weiß ich. Ich meine, was war mit euch?«

»Die Explosion hat unsern Wagen von der Straße gefegt. Wir fuhren ziemlich schnell, und da hatte die Druckwelle leichtes Spiel.«

»Denen da ging’s genauso!«, sagte Norton und deutete nach draußen. Je näher wir der Unglücksstelle kamen, umso häufiger lagen Autos im Straßengraben.

»Was haben Sie vor?«, fragte ich.

»Nichts. Ich habe da gar nichts zu sagen. Das nimmt bestimmt der F.B.I. sofort selbst in die Hand, aber er wird dabei alle möglichen Stellen mit einschalten. Darunter auch die örtliche Kriminalpolizei.«

»Wir machen mit!«, sagte Jimmy. »Den Kerl lassen wir hochgehen. Unser schönes Auto so zur Minna zu machen! Das hätte er nicht tun dürfen. Jetzt hat er zwei Feinde mehr.«

»Na, so genau wird’s ihm wohl nicht mehr drauf ankommen«, sagte Norton. »Vorhin gaben sie durch, dass mit 200 Toten gerechnet wird.«

»Das sieht sogar noch nach mehr aus!«, sagte Detektiv-Sergeant Thomson, der bisher schweigend hinter dem Lenkrad gesessen und auf seinem Kaugummi herumgeknabbert hatte. Er deutete nach vorn. Wirklich, der Anblick erinnerte an einen schweren Bombenangriff.

Thomson schob sich den Hut ins Genick und verlangsamte die Fahrt. Im Schritttempo kurvten wir zwischen den Trümmern hindurch. Überall waren schon die Rettungsmannschaften dabei, die Menschen aus den zusammengestürzten Häusern zu bergen. Ein dicker Nebel von Dreck und Staub legte sich auf die Windschutzscheiben.

Von überall tönten die verzweifelten Schreie der Verletzten. Es war wie in einem modernen Kriege.

2. Kapitel

An der nächsten Straßenkreuzung in dem kleinen Nest stand ein Polizist. Er stierte eine Weile durch die Scheibe des Wagens. Als er Norton erkannte, deutete er auf ein Haus, das in der Seitenstraße ein Stückchen weiter stand und von den anderen Häusern sich dadurch auszeichnete, dass es völlig ganz geblieben war. Nur die Dachziegel lagen auf der Straße.

Der Wagen stoppte, und wir stiegen aus.

»Typisch«, knurrte Jimmy. »Die am meisten schuld haben, bleiben verschont.«

Norton sah sich zu mir um.

»Es ist das Gebäude der Versuchsstation. Das heißt, das Bürohaus und ein Teil der Unterkunftsräume. Bis vor einer halben Stunde habe ich auch noch nichts davon gewusst.«

Wir gingen alle vier ’rein in den Laden. Draußen stand ein Marineleutnant und stoppte Norton. Der zeigte seinen Ausweis und schleppte uns mit ’rein.

Der Leiter der Versuchsstation hatte den größten Raum im Hause zu seinem Arbeitszimmer erklärt. Ein riesiger Globus stand mitten im Zimmer, dicht daneben ein noch größerer Schreibtisch mit allen Raffinessen der modernen Büro- und Nachrichtentechnik.

Hinter dem Schreibtisch stand ein Mann. Eigentlich war es nur ein Männlein. Als wir reinkamen und Norton seinen Namen genannt hatte, verbeugte er sich ein bisschen und sagte:

»Mein Name ist Basington. Ich bin der Leiter der Station.«

»Angenehm!«, sagte Norton, als der kleine Wurzelzwerg mit seiner Verbeugung fertig war und hinter dem enormen Schreibtisch wieder besser sichtbar wurde. »Dies hier ist mein Mitarbeiter Sergeant Thomson. Und dies sind die Herren Wilding und Kennegan.«

»Freue mich sehr, Sie zu sehen!«, sagte der Winzige in einem Ton, der das genaue Gegenteil ahnen ließ.

Plötzlich drehte sich der enorme Globus ein Stück und ein Mann kam dahinter hervor.

»Wilding? Ich werde verrückt!«, sagte er. Er kam auf mich zu und streckte mir die Hand entgegen. Ich kannte den Knaben mit dem mageren Haarwuchs. Es war Fred Kintosh, der immer in irgendwelchen sauren Spionagesachen herumgemurkst hatte und von dem man im Grunde nichts weiter wusste, als das: Er hatte ein Büro für Steuerberatung in Frisco, wimmelte jeden Kunden ab und verdiente trotzdem klotzig Geld. Wir kannten uns seit langem. Kintosh und ich waren früher oft zusammen gewesen und hatten manches Ding miteinander geschaukelt. Aber das war schon eine Weile her.

»Dass du noch lebst!«, sagte Kintosh verwundert. »Ich war davon so gut wie überzeugt, dass es dich irgendwann erwischt hat.«

»Vielen Dank!«, sagte ich. »Ich bin gerührt.«

»Aber dass du lebst, freut mich mächtig.«

»Ich bin hingerissen.«

»Und was wollt ihr? Wie siehst du überhaupt aus?«

»Ich habe eine Wut im Bauch.«

»Und einen Müllhaufen auf der Straße, der noch vor kurzem unser Auto war!«, sagte Jimmy.

»Vielleicht kannst du uns gebrauchen«, sagte ich.

»Okay!«, sagte Kintosh und tippte mir freundschaftlich auf die Schulter. Er begrüßte auch Norton und Thomson.

»Vielleicht gibt’s eine Belohnung«, murmelte Jimmy.

»Was verstehen Sie unter Belohnung?«, fing der Wicht hinter dem Schreibtisch an. Er kletterte auf seinen gewaltigen Sessel und sah jetzt tatsächlich ganz schön imposant aus, besonders wegen seiner wunderbar großen, schwarzen Hornbrille. »Eine Belohnung ist doch nur sinnvoll, wenn an ein Attentat, an einen Sabotageakt gedacht wird. Das scheidet doch aber völlig aus.«

»Warum, bitte?«, fragte Norton.

»Warum? Weil nur sechs meiner Mitarbeiter etwas von dem Projekt wussten. Und außer ihnen kann es bei den strengen Geheimhaltungsmaßnahmen beim besten Willen niemand erfahren haben.«

»Sechs Mann«, sagte Kintosh und schwieg wieder.

»Und von diesen sechs Leuten sind zwei schwer verletzt. Die scheiden sowieso aus. Und auch für die anderen vier lege ich meine Hand ins Feuer.«

Der energische Zwerg legte seine Hand aber nicht in irgendein Feuer, sondern nur auf einen der drei Telefonapparate. Er nahm den Hörer ans Ohr.

»Fragen Sie im Krankenhaus nach!«, sagte er und legte den Hörer wieder hin, ohne eine Antwort oder sonst eine Reaktion abzuwarten.

»Und die anderen vier?«, fragte Norton.

»Sind hier nebenan!«, sagte Kintosh. »Ich habe sie herbestellen lassen. Bin auch gerade erst gekommen. Wir sprechen am besten gemeinsam mit ihnen.« Kintosh ging auf eine Tür zu, die in der Holztäfelung fast gar nicht zu sehen war, öffnete sie und sagte: »Bitte!«

Drei Männer und eine Frau kamen herein.

Alle sahen nur die Frau an. Thomson, den unvermeidlichen Kaugummi im Mund, beschleunigte seine Kaubewegungen, ein sicheres Zeichen für den Grad seiner Anteilnahme.

Die Frau war blond. Sie hatte die Figur eines Hollywood-Traumgeschöpfes und wirkte faszinierend. Sie trug ein graues Kostüm und sah sehr klug und kultiviert aus. Sie hieß Sonja Irving und war Basingtons Assistentin.

Die drei Männer hatten mal weiße Kittel angehabt. Jetzt waren die Kittel nicht mehr weiß. Zwei hatten dunkles Haar, einer blondes, und alle drei waren nicht gut gekämmt. Der mit der randlosen Brille war der Lebhafteste.

»Eins will ich Ihnen gleich sagen, Basington!«, fing er an. »Ich lasse mir nicht gefallen, dass …«

»Vorläufig haben Sie gar nichts zu sagen!«, sagte Fred Kintosh höflich. »Und was hier zu geschehen hat, ist erst recht nicht Ihre Sache. Ihr Name?«

»Antworten Sie bitte!«, sagte der Kleine hinter dem Schreibtisch nervös und fummelte an seiner Brille herum.

»Field.«

»Er ist der Entdecker des neuen Verfahrens«, sagte Basington.

»Freut mich!«, sagte Kintosh, »aber Sie werden einsehen, dass der Sache auf den Grund gegangen werden muss. Jetzt, wo wir hier noch verhältnismäßig friedlich plaudern, ist überall in den Staaten die Polizei und die Abwehr auf Hochtouren im Gang. Und es ist ganz klar, dass hier an Ort und Stelle die meisten Anhaltspunkte zu suchen sind.«

»Mein Name ist Brown, Walter Brown!«, sagte einer der beiden anderen Männer. Er hatte einen Schmiss auf der Backe, ein energisches Kinn und sah eher einem Berufsoffizier als einem Wissenschaftler ähnlich. Er näselte arrogant und sah mit seinem kalten Fischblick hochnäsig einen nach dem anderen an.

»Und ich bin King, Assistent von Mister Field«, sagte der größte von ihnen. Er war blond und wirkte jung und sportlich.

»Sehr nett, dass wir nun alle Ihre Namen kennen!«, sagte Norton. »Und die beiden anderen Herrschaften?«

Das Telefon griff das Stichwort sofort auf und summte vornehm. Der Kleine hinter dem Tisch nahm den Hörer ab.

»Ist ja furchtbar!«, sagte er und legte auf. Er sah Kintosh schuldbewusst an und murmelte: »Die beiden anderen sind tot.«

»Bedauerlich. Und Sie meinen, nur die hier jetzt anwesenden Herrschaften konnten etwas von den Experimenten wissen?«

»Ja. Und da ich sie alle seit Jahren kenne …«

»Ich muss Sie unterbrechen«, sagte Norton ungeduldig. »Haben Sie sich draußen schon mal die Stadt angesehen? Und das passierte ausgerechnet an dem Tage, als Sie mit Ihren neuen Verbesserungen fertig waren. Da kann man auf das Feingefühl der Herrschaften wirklich keine Rücksicht nehmen.«

»Er hat recht, Onkel«, sagte die blonde Schönheit spontan. »Wir müssen uns das gefallen lassen, weil es ja schließlich auch in unserem Interesse liegt, wenn die Sache schnellstens geklärt wird.«

Der Wurzelzwerg rückte verlegen an seiner Krawatte und räusperte sich.

»Miss Irving ist meine Nichte!«, sagte er dann. »Ich weiß nicht, ob ich es Ihnen schon sagte.«

»Nein. Sie sagten es noch nicht!«, erwiderte Kintosh, weniger höflich als vorher.

»Hat jemand von den Anwesenden einen wichtigen Hinweis? Oder irgendeine Vermutung?«, fragte Norton. »Sonst fangen wir damit an, der Reihe nach mit Ihnen einzeln zu sprechen und Protokolle aufzunehmen.«

»Mir ist in letzter Zeit ein Mann besonders aufgefallen!«, sagte die blonde Fee. »Er heißt …«

»Moment« sagte Kintosh. »Darf ich Sie bitten, mit uns zu kommen? Thomson, Sie leisten den Herren solange Gesellschaft.«

»Sehr nett!«, sagte Mister Field, der Erfinder der ganzen Brühe. Er sah böse zu uns herüber, als wir im Gänsemarsch der blonden Sonja und Kintosh durch die Haustür folgten.

Norton blieb zurück.

»Ich fange schon mal an, Kintosh!«, sagte er.

In dem kleinen Vorzimmer saß ein Girl, das damit beschäftigt war, ihre zwei Zentimeter breiten Kusslippen in drei Zentimeter breite zu verwandeln.

Wahrscheinlich hatte sie nach den Aufregungen des Tages für den Abend noch allerlei vor.

Kintosh wedelte sie mit der Hand hinaus. Wir setzten uns an den Tisch und sahen Sonja Irving gespannt und erwartungsvoll an.

»Sprechen Sie über Ihren Verdacht außer mit uns zu niemandem«, sagte Kintosh. »Also?«

---ENDE DER LESEPROBE---