Das Element des Elephanten - Hanns-Josef Ortheil - E-Book

Das Element des Elephanten E-Book

Hanns-Josef Ortheil

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Beschreibung

Hanns-Josef Ortheil beschreibt in seinem autobiographischen Großessay, weswegen ihn die Sprache von Kindheit an faszinierte und wie er zu einem der bedeutendsten deutschen Autoren der mittleren Generation geworden ist. Mit acht Jahren wurde die erste Geschichte von ihm veröffentlicht, und seither ist er, ähnlich wie es Jean-Paul Sartre in seinem berühmten Buch „Die Wörter“ für sich beschreibt, zum Schreiben auf die denkbar lustvollste Weise verurteilt. „Das Element des Elephanten“ ist das „überaus einleuchtende Selbstporträt eines großen Schriftstellers“ (Die Zeit).

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Seitenzahl: 216

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Inhaltsverzeichnis

1234567NachbemerkungCopyright

Belieb es euch, zur Seite wegzuweichen, Denn was jetzt kommt, ist nicht von euresgleichen. Ihr seht, wie sich ein Berg herangedrängt, Mit bunten Teppichen die Weichen stolz behängt, Ein Haupt mit langen Zähnen, Schlangenrüssel, Geheimnisvoll, doch zeig ich euch den Schlüssel

Goethe, Faust II

1

Ich wurde am 5. November 1951 in Köln geboren. Das Haus, in dem meine Eltern damals wohnten und das wir kaum zwei Jahre später durch einen Umzug nach Wuppertal verließen, habe ich erst vor kurzem mit wachem Blick gesehen. Es liegt an einem großen, ovalen, von schönen Mietshäusern eingekreisten Platz im Norden Kölns, dem Stadtteil Nippes. Man hat es nicht weit zum Rhein, die Gegend ist voller traditionsreicher Kneipen...

Dat es he en schöne Jäjend, jäjenüvver dem Rhing, un et Kind es e leev Kind, e lecker Stümpche, wat nie am Knaatsche es, ne Klötsch vunnem Kind, ne Freßklötsch, ne richtije Klotzkopp, wat dä widder kallt...

Köln war nicht die Heimatstadt meiner Eltern, aber es war die Stadt, in der sie sich zeitlebens am wohlsten fühlten. Mein Vater hatte nach dem Krieg, den er als Soldat miterlebt hatte, in Köln eine Anstellung bei der Bundesbahndirektion gefunden, von Berufwar er Geodät oder (altmodisch) »Landvermesser«. In den Diensten der Bahn vermaß er Strecken, berechnete Tunneldurchbrüche, entwarf Brücken, er hatte eine Leidenschaft fürs Detail, fürs Exakte, für die saubere Zeichnung, für Millimeterpapier, Zirkelkästen und gut gespitzte Bleistifte. Wenn ich ihn zeichnen müßte, sähe man ihn auf einem drehbaren, arm- und lehnlosen Schemel, vor einer großen weißen Tischplatte, die von einer tief hängenden Lampe angestrahlt wird. Vater beugt den Oberkörper über die Platte, die Zunge wischt nervös über die ausgeformte, dicke Unterlippe, der Zirkel kreist auf dem hauchdünnen Papier, das sich an beiden Seiten aufrollt. Es ist still, niemand stört ihn, es ist die Stunde der Geometrie.

Meine Eltern kamen aus dem Siegerland, aus einem kleinen Ort an der Sieg, kaum fünfzig Kilometer östlich von Köln. Siegerland, sage ich, aber ich müßte eigentlich sagen: nördlicher Westerwald, denn meine Eltern, besonders aber mein Vater, der mit seinen zehn Geschwistern auf einem großen Hof aufgewachsen war, verstanden sich als Westerwälder. Westerwälder – das sind die schwarz gekleideten, in sich gekehrten und landtreuen Menschen auf den Fotografien August Sanders, Bauern auf dem Sonntagsspaziergang zur Kirche, Frauen mit dunklen Kopftüchern, gezeichnet von vielen Geburten, Kinder, ängstlich und maulfaul, in einer dichten Traube um die auf zwei Stühlen thronenden Eltern versammelt. So existieren sie in meinen inneren Bildern als Gestalten der Vorzeit, als Gestalten der archaischen Gesten, des Heumachens, Brotbackens und Fischens, Gestalten der Jahreszeiten, fromm, katholisch, die Männer oft mit breiter Stirn, störrisch, unbeirrbar, eine Sippe, die daheim blieb, jahrhundertelang, und nie aufgestört wurde von Eindringlingen oder Fremden...

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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