4,49 €
Aus dem Käfig: Selbst die besten Pläne können schief gehen, manchmal auf die wundervollste Weise. Raven kümmert sich nur um eine Person: sich selbst – sein Wohlbefinden, seine Wünsche und seine Freiheit, zu tun, was er will. Er hat es satt, dass der Wissenschaftler Sampson Marlow Entscheidungen für ihn trifft und ist bereit, ein neues Kapitel in seinem Leben zu beginnen. Ein letzter Auftrag läuft furchtbar schief, und er ist derjenige, der in einem Käfig landet … gewissermaßen. Als er den stillen Krieg zwischen den beiden beteiligten Parteien aus Sicht der Wandler sieht, wird sein Gewissen beteiligt – nicht, dass er das jemals zugeben würde. Nach seiner Flucht vor den Wölfen und der Rückkehr zu den Wissenschaftlern – wo er seine Kündigung einreichen will – fühlt Raven sich zu einem kleinen Polarfuchswandler hingezogen, der von den Wissenschaftlern gefangen gehalten wird. Obwohl es Ravens Plan, weiterzuziehen und zu vergessen, dass Paranormale existieren, auf Eis legt, kann er einfach nicht anders: Raven tut etwas, von dem er nie gedacht hätte, dass er es tun würde. Er wendet sich an den Feind und bittet um Hilfe bei der Befreiung des Wandlers. Raven will den kleinen Fuchs danach einfach wieder gehen lassen und ihn ganz sicher nicht behalten. Dann wird er mit seinem Leben weitermachen wie geplant. Was könnte da schon schieflaufen? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 35.700 Wörter
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
ÜBER CHARLIE RICHARDS
LESEPROBE:
Das Ende des Glücksritters
Aus dem Käfig: Selbst die besten Pläne können schief gehen, manchmal auf die wundervollste Weise.
Raven kümmert sich nur um eine Person: sich selbst – sein Wohlbefinden, seine Wünsche und seine Freiheit, zu tun, was er will. Er hat es satt, dass der Wissenschaftler Sampson Marlow Entscheidungen für ihn trifft und ist bereit, ein neues Kapitel in seinem Leben zu beginnen. Ein letzter Auftrag läuft furchtbar schief, und er ist derjenige, der in einem Käfig landet … gewissermaßen.
Als er den stillen Krieg zwischen den beiden beteiligten Parteien aus Sicht der Wandler sieht, wird sein Gewissen beteiligt – nicht, dass er das jemals zugeben würde. Nach seiner Flucht vor den Wölfen und der Rückkehr zu den Wissenschaftlern – wo er seine Kündigung einreichen will – fühlt Raven sich zu einem kleinen Polarfuchswandler hingezogen, der von den Wissenschaftlern gefangen gehalten wird. Obwohl es Ravens Plan, weiterzuziehen und zu vergessen, dass Paranormale existieren, auf Eis legt, kann er einfach nicht anders: Raven tut etwas, von dem er nie gedacht hätte, dass er es tun würde. Er wendet sich an den Feind und bittet um Hilfe bei der Befreiung des Wandlers. Raven will den kleinen Fuchs danach einfach wieder gehen lassen und ihn ganz sicher nicht behalten. Dann wird er mit seinem Leben weitermachen wie geplant. Was könnte da schon schieflaufen?
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Länge: rund 35.700 Wörter
CHARLIE RICHARDS
Das Ende des Glücksritters
Die Wölfe von Stone Ridge 18
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „Soldier of Fortune’s Downfall“: Charlie Richards
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2019
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Sage Marlowe
URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:
Dieses Buch darf ohne vorherige eindeutige schriftliche Zustimmung des Urheberrechtsinhabers in keinerlei Form, weder ganz noch auszugsweise, vervielfältigt und / oder vertrieben werden. Dies beinhaltet auch die elektronische und fotografische Vervielfältigung sowie zukünftig entwickelte Methoden. Ebenso ist die kostenlose Weitergabe dieses Buches, beispielsweise über sogenannte File-Sharing Sites ausdrücklich untersagt.
Mit dem Erwerb eines E-Books erhält der Käufer die Lizenz zur persönlichen Nutzung, ist jedoch nicht zur Weitergabe des Inhaltes an Dritte, weder gegen Entgelt noch kostenlos, berechtigt.
Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.
Bitte beachten:
Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.
Widmung
Für alle Lektoren – vielen Dank, dass ihr uns Autoren auf den Zahn fühlt. Wir sagen es nicht immer, aber wir schätzen eure Anregungen und Gewissenhaftigkeit wirklich.
Raven starrte den Mann an, der über ihm stand. Er und Miach waren einmal auf derselben Seite gewesen, aber als Miach sich in einen Wolfswandler verliebte, hatte er sich entschieden, seine Loyalität zu übertragen. Verdammter Verräter, der Paranormale über seine eigene Art stellte.
Was Raven besonders auf die Eier ging, war die Tatsache, dass er erwischt worden war. Natürlich hatte es eine riesige, zehn Meter lange Schlange und einen Elefanten dazu gebraucht, aber es verletzte dennoch seinen Stolz. Wer hätte gedacht, dass es solche Wandler überhaupt gab?
„Was zum Teufel willst du?“, fragte Raven, der seinen Ton milde hielt, fast wie bei einer gewöhnlichen Konversation. „Ich dachte, du wärst mit mir fertig.“
Miach bewachte ihn nicht oft. Meistens wurde diese Ehre ein paar Dutzend Wolfswandlern zuteil, die sich zu zweit zusammen taten und um ihn kümmerten. Mit einem Wolf könnte Raven es aufnehmen. Mit zweien? Nicht ohne ein bisschen Einfallsreichtum … und Glück, den Vorteil einer Überraschung und einer Waffe. Die letzten beiden hatte er noch nie bekommen. Diese Wandler waren vorsichtig.
„Warum hasst du Wandler so sehr?“, fragte Miach unverblümt.
Raven hob langsam eine Braue. Interessant. Niemand hatte sich jemals die Mühe gemacht, ihn das zu fragen. Er schnaubte. „Tue ich nicht“, antwortete er. Bei Miachs ungläubigem Blick zuckte er die Achseln. „Ich würde sagen, dass ich vorurteilsfrei jeden hasse, aber das stimmt nicht. Ich finde Wandler sehr faszinierend.“
Miach starrte ihn an. „Faszinierend? Ist das der Grund, warum du Wandler fängst und sie diesen Fickern zum Experimentieren und Foltern überlässt? Weil du von ihnen fasziniert bist?“
Raven lachte in sich hinein und stand auf. Miach wich dementsprechend zurück und behielt ihn im Auge. „Ah, aber du musst wissen, ich habe bis auf diesen hübschen kleinen Wolf noch nie jemanden erwischt.“ Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken und verzog die Lippen zu einem verschlagenen Lächeln. „Das war aber nur Spaß. Ich hätte ihn Sampson nicht übergeben.“ Er grinste. „Der ist echt eine Nummer. Man könnte meinen, seine Familie wurde von einem wilden Wolf getötet oder so etwas.“ Eigentlich war genau das mit Sampsons Vater passiert, nicht, dass es Raven wirklich etwas bedeutete.
„Also, was genau machst du für die Wissenschaftler … für Sampson?“
Raven lachte tatsächlich laut auf. „Und das, Detective, ist die richtige Frage“, sagte er und zitierte damit einen seiner Lieblingsfilme.
Miach runzelte die Stirn. „Was?“
Er verdrehte die Augen. „Ich versorge die Wissenschaftler mit Informationen – Standort der Rudelmitglieder. Wo sie gerne herumrennen.“ Er zwinkerte. „Wer wem mit verbunden ist.“
„Mistkerl!“, schrie Miach.
Raven wich um die Couch zurück und hob beschwichtigend die Hände. Er hatte gerade viel zu viel Spaß, um erdrosselt zu werden. „Entspann dich. Ich habe ihnen nichts von dir erzählt. Ehrenkodex unter Kampfesbrüdern und so weiter“, sagte er, winkte ab und schüttelte den Kopf.
„Ich dachte, du wärst hier, um mich von den Wandlern zu befreien“, sagte Miach fragend.
Stirnrunzelnd schnappte Raven: „Hörst du nicht zu? Ich sagte das als Teil meines Spaßes. Sampson und seine Kumpel wissen, dass du nicht zurückkommen wirst. Wenn sie irgendeinen Zweifel daran hatten, hat die Tatsache, dass du den Wölfen dabei geholfen hast, die Einrichtung in Idaho in die Luft zu sprengen, sie zum Nachdenken bewegt.“ Er legte seine Hände auf die Rückenlehne der Couch und lehnte sich zu seinem brodelnden … Gefängniswärter. „Ich werde dich jedoch warnen. Es gibt den Befehl, dich bei Sichtkontakt zu erschießen.“
„Verdammt“, murmelte Miach, der von dieser Nachricht tatsächlich geschockt war. Dann schüttelte er den Kopf und sah Raven stirnrunzelnd an. „Okay, du hast also nicht die Absicht, irgendwelche Rudelmitglieder einzufangen. Du hast nur die Absicht, den Wissenschaftlern alles über sie zu erzählen, damit die sie einfangen können. Ist das richtig?“
„Ja“, antwortete Raven ohne jegliche Reue.
„Dann möchte ich dir einen Deal anbieten“, sagte Miach.
Seine Brauen hoben sich wie von selbst. „Wirklich?“ Er hüpfte über die Couch und setzte sich auf die Kissen. Dann breitete er die Arme auf beiden Seiten des Sofas aus und grinste. „Ich höre.“
Für eine Sekunde sah Miach aus, als wollte er seine Worte zurücknehmen, aber schließlich sagte er: „Du wirst versprechen, den Wissenschaftlern nichts davon zu erzählen, was du hier erfahren hast, und im Gegenzug werde ich dich gehen lassen.“
Schön, schön …
Raven blieb einige Sekunden lang still und suchte bei seinem alten Kameraden nach Anzeichen von Betrug. „Warum würdest du das tun?“
„Weil es falsch ist, einen Mann gefangen zu halten, auch wenn sie es dir bequem machen. Weil ich dort war, wo du jetzt bist, und es ist echt beschissen.“ Miach verschränkte die Arme vor der Brust. „Weil ich weiß, dass das Einzige, woran du dich hältst, dein Wort ist.“
Langsam stand Raven auf. „Ja, das tue ich“, sagte er gedehnt. Die Aussicht auf seine Freiheit ließ sein Herz schneller klopfen. Konnte er zustimmen, über alles, was er über Declan McIntires Rudel herausgefunden hatte, zu schweigen? Wie zur Hölle sollte er den Jungs, die ihm seinen Gehaltsscheck gaben, seine Abwesenheit erklären? Es Sampson erklären?
Nicht, dass er das Geld wirklich brauchte. Er hatte im Laufe der Jahre seinen Sparstrumpf ziemlich gut gefüllt. Da er nicht viel für sich brauchte, war es einfach, Geld zu horten. Seine einzige Ausnahme war sein Auto – eine nach seinen Wünschen gefertigte 2012er Corvette ZR1. Aber da er sein Auto nicht genießen konnte, wenn er hier drin steckte …
„Wir haben einen Deal“, sagte er und streckte die Hand aus.
Miach ergriff sie langsam und sie besiegelten es.
„Also.“ Raven ließ Miachs Hand los und stemmte die Fäuste in die Hüften. „Wie genau willst du das machen? Hast du einen Plan? Wenn du mich einfach gehen lässt, werden sie wissen, dass du es absichtlich getan hast“, sagte er.
Seufzend nickte Miach. „Das weiß ich.“ Er zog sein Messer aus der Scheide, die an seinem Oberschenkel befestigt war. Für eine Sekunde hielt er den Griff fest umklammert, und seine weißen Knöchel verrieten seine Spannung, dann drehte er das Messer, um die Klinge zu ergreifen, und bot sie ihm an. „Du hast mir die Lampe über den Schädel gezogen, als ich das Abendessen gekocht habe, mein Messer genommen, das ich praktischerweise vergessen habe, zu Hause zu lassen, und ein paar Mal auf mich eingestochen.“ Er verzog das Gesicht. „Keine tödlichen Verletzungen, bitte.“
Raven nahm die Waffe. Grinsend drehte er sich um und griff mit der anderen Hand nach dem hässlichen blauen Lampenschirm. „Dann geh lieber in die Küche“, schlug er trocken vor und dachte schon an die besten Stellen, an denen man jemanden treffen konnte, um ihn kampfunfähig zu machen.
Miach drehte sich um und bevor er zwei Schritte gemacht hatte, schlug Raven ihm mit der Lampe auf den Kopf. Miach stolperte vorwärts und wäre beinahe gestürzt. Er drehte sich halb um und starrte ihn an. „Scheiße. Wie wäre es mit einer Warnung?“, knurrte er und rieb sich den Kopf.
Raven holte mit dem Messer aus und schwang die Klinge. Miach bewegte den Arm von seinem Kopf weg, blockierte den Angriff instinktiv, genau wie Raven wusste, dass er es tun würde. Der Kerl war ein ausgebildeter Soldat. Es lag nicht in seiner Natur, sich passiv zu ergeben, und wenn er es getan hätte, wären die Wunden sowieso nicht glaubwürdig gewesen.
Die scharfe Klinge versank in Miachs Unterarm. Blut spritzte, aber Miach schrie nicht auf. Stattdessen knurrte er. Raven zog das Messer heraus und Miach stolperte ein paar Schritte zurück. Raven bewegte sich schnell, drehte das Messer, veränderte seinen Griff und rammte es dann tief in Miachs Bauch. Dieses Mal versuchte der Mann nicht, ihn aufzuhalten.
Miach grunzte und seine blauen Augen weiteten sich vor Schmerzen.
Raven ließ den Messergriff los. „Lass das für eine Sekunde dort, während ich die Bettlaken hole“, befahl er.
Der Kiefer des anderen Mannes spannte sich an. Seine Nasenflügel bebten.
Raven drehte sich schnell zum Schlafzimmer und riss die Überdecke vom Bett, ließ sie auf den Boden fallen und zog dann das obere Laken herunter. Er kehrte zu Miach zurück. „Das wird weh tun“, warnte er und packte erneut den Messergriff.
Sobald Miach nickte, zog Raven es vorsichtig heraus. Der andere Mann zischte durch seine Zähne und verriet damit seinen Schmerz. Ein paar schnelle Schnitte durch das Laken, und Raven hatte das grüne Tuch in Streifen zerlegt. Zuerst ballte er einen zusammen, dann band er mehrere Streifen über die Wunde, die er in Miachs Seite hinterlassen hatte. Danach verband er schnell seinen Unterarm.
Raven kniete neben Miach nieder. „Du musst mir zwei Stunden geben und dann deinen Gefährten anrufen.“ Er lächelte leicht. „Nick wird verdammt noch mal ausflippen“, murmelte er. Für eine Sekunde fragte sich Raven, wie es wäre, wenn sich jemand Sorgen um ihn machen würde, aber er verwarf die nutzlose Idee.
„Verstanden“, antwortete Miach schroff.
Raven nickte, rappelte sich auf und ging zur Tür. Er hielt inne und schenkte seinem verletzten Ex-Kameraden ein Lächeln. „Vielen Dank.“
Miach grunzte nur.
Raven wandte sich ab, steckte das Messer in seinen Gürtel und ging nach draußen. Er holte tief Luft und schätzte seinen Standort und seine Umgebung ein. Die Wissenschaftler hatten seinen Geruchssinn manipuliert, so dass er genauso gut war wie der von Hunden. Sie hatten auch Ravens eigenen Duft verändert, ließen ihn wie Salbei und Moos riechen, was es fast unmöglich für Wandler machte, ihn zu verfolgen. Er hatte in der Vergangenheit beide Vorteile genutzt.
Raven wählte eine Richtung und begann zu laufen.
„Wollen Sie mir sagen, dass Sie sich an keinen Teil Ihrer Zeit in Gefangenschaft erinnern können?“
Raven ging zur Anrichte und schenkte sich großzügig Scotch ein. Sampson Marlows Ton gefiel ihm wirklich nicht besonders. Aber anstatt es zu kommentieren, tat er das, von dem er wusste, dass es den Mann am meisten ärgern würde. Er schluckte den extrem teuren Scotch in einem Zug und goss sich noch etwas davon ein.
„Natürlich erinnere ich mich“, antwortete Raven schließlich. „Ich war in einer Hütte untergebracht, die wie eine Jagdhütte eingerichtet war. Es gab einen Kamin, eine kleine Küchenzeile mit dunkelgrünen Arbeitsplatten und einen Speiseraum mit einem runden Holztisch mit Platz für vier Personen.“
Er ging zum Fenster, blieb stehen und starrte die falsche Aussicht dahinter an. Sampson hatte irgendwo gelesen, dass Leute, die unter Tage arbeiteten, ruhiger blieben, wenn es Fenster gab, die den Anschein erweckten, als wären sie nicht unter der Erde. Sampsons Aussicht erweckte den Anschein, als befände man sich in einem Hochhaus. Der Himmel war blau mit mehreren weißen Wolken, die vorbeizogen, und Menschen, die unten spazieren gingen. Sogar Vögel wurden simuliert.
Raven leckte einen Tropfen Scotch von seiner Oberlippe und entschied, wie weit er Sampsons Geduldsfaden spannen wollte. Vielleicht noch ein bisschen weiter. „Sie sorgten für reichlich Essen, angenehme Lebensbedingungen und kamen sogar jeden Tag vorbei, um mit mir zu sprechen. Die Aussicht aus den vergitterten Fenstern zeigte Kiefern.“ Er hielt einige Sekunden inne und ließ seine Mundwinkel nach oben wandern, bevor er hinzufügte: „Die waren ziemlich hübsch, besonders in den Wintermonaten, wenn Eiszapfen an den Ästen hingen.“
Meine Güte, es ist toll, dass ich so gut lügen kann.
Obwohl, wenn er so darüber nachdachte, das meiste, was er sagte, war wahr … mit Ausnahme des Teils, das er nichts über die Wölfe herausgefunden hatte. Raven wusste alles über sie – angefangen bei wer mit wem verpaart war, bis hin zu wo sie alle lebten, wo sie arbeiteten und wie viele Kinder sie hatten. Trotzdem hatte er versprochen, diese Informationen nicht weiterzugeben, und Raven würde sein Wort halten.
„Da ich den Vertrag nicht erfüllt habe, weiß ich, dass ich nicht bezahlt werde“, sagte er, bevor der schnaufende, verärgerte leitende Wissenschaftler etwas sagen konnte. „Ich werde Urlaub machen. Kontaktieren Sie mich nicht mehr“, befahl er.
Aus dem Augenwinkel sah Raven Sampsons Gesicht rot anlaufen. Der Mann mochte seine Worte offensichtlich nicht. „Sie hatten zehn Monate keinen Kontakt zu uns, kommen dann hier rein und erwarten von mir, dass ich alles glaube, was Sie sagen?“, knurrte Sampson. „Und jetzt gehen Sie einfach wieder? Sie schulden mir etwas!“
Raven hob das Glas an die Lippen und trank. Wut rollte durch ihn hindurch und ließ das Blut heiß durch seine Adern laufen. Diesen Arschlöchern schuldete er gar nichts. Er hatte ihnen acht Jahre seines Lebens gegeben, damit sie mit ihm experimentieren und seine DNA optimieren konnten. Raven lehnte es ab, noch mehr Zeit in diesem Höllenloch zu verschwenden … und genau so dachte er darüber.
Raven hatte sich mehr aus Stolz als aus jeglichen anderen Gründen geweigert, mit den Wandlern zusammenzuarbeiten. Er interessierte sich einen Scheiß für Sampsons Vendetta gegen Wandler. Es war völlig unmoralisch, eine ganze Spezies wegen der Handlungen einiger weniger zu zerstören, nicht dass Raven das Gefühl hatte, seine eigene Ethik wäre ein Maß.
Nachdem er den edlen Drink geschluckt hatte, schlug er einen härteren Ton an und antwortete: „Mir ist scheißegal, ob Sie mir glauben oder nicht, Sampson. Ich wurde über Monate hinweg gegen meinen Willen von diesen barbarischen Bastarden festgehalten.“ Raven lächelte Sampson höhnisch an. Der Wissenschaftler war der wahre Barbar, aber er musste dort wegkommen, ohne festgehalten zu werden. „Bevor ich meinen Urlaub beginne, werde ich Ihnen eine Sache sagen, die ich herausgefunden habe.“ Er kniff die Augen zusammen und nagelte Sampson mit seinem Blick fest. „Diese Leute sind viel besser koordiniert, als Sie es glauben. Es sind keine Tiere, die Menschen werden können. Sie sind Menschen, die sich in ein Tier verwandeln können, und sie denken in jeder Form rational. Sie werden sich nicht wieder überraschen lassen.“
Raven stellte sein Glas auf den Couchtisch, wobei er die Untersetzer ignorierte, und ging zur Tür. Er hielt mit der Hand am Griff inne und sah Sampson über die Schulter hinweg an. „Ich habe zugestimmt, Sie illegale Experimente an mir durchführen zu lassen. Ich weiß alles über Ihre Operation, Sampson. Zu versuchen, mich aufzuhalten, wäre eine sehr, sehr schlechte Idee.“
Offensichtlich musste Sampson endlich die Kälte in seiner Stimme registriert haben, denn alles Blut wich aus seinem Gesicht. Nach ein paar Sekunden konnte der Wissenschaftler Raven nicht mehr in die Augen sehen und senkte seinen Blick auf seinen Schreibtisch.
Zufrieden, dass er seinen Standpunkt deutlich gemacht hatte, drehte Raven sich um und verließ das Büro.
Raven schritt durch die Flure und ignorierte die anderen Leute um ihn herum. Er interessierte sich nicht für diese Wissenschaftler oder Soldaten. Laut Sampson waren sie genauso entbehrlich wie er selbst. Fast ein Jahr zuvor hatte er gehört, wie das Arschloch mit zwei anderen Männern sprach, kurz bevor er zu seiner letzten Erkundungstour aufgebrochen war, um Informationen zu sammeln. Einen Mann hatte er als seinen Partnerwissenschaftler Doktor Riley Grouper erkannt. Den dritten Mann hatte er vorher noch nie gesehen und seitdem auch nicht mehr. Er kannte den Namen des Fremden nicht, aber aufgrund des Gesprächs war Raven der Ansicht, dass der Kerl eine Art Geldgeber war.
Er hatte sogar damals schon gewusst, dass es seine letzte Mission sein würde. Er hatte ihnen auch so schon mehr als genug Jahre seines Lebens gewidmet. Einst hatte Raven Sampson für einen Freund gehalten. Während einer Undercover-Mission in einem Land, das er lieber vergessen würde, hatte Raven Sampson vor der lokalen Miliz gerettet. Sie hatten dreieinhalb Tage zusammen verbracht. Sampson war krank gewesen, hatte hohes Fieber gehabt und halluziniert. Er hatte etwas von dem paranormalen Scheiß offenbart, den er gesehen hatte, und bat Raven, ihm zu helfen, die Welt von den Monstern im Dunkeln zu befreien.
Raven hatte zugestimmt. Sobald er ausgestiegen war, hatte er Sampson aufgesucht. Zumindest hatte er etwas aus der Sache rausgeschlagen … mehr Kraft, Geschwindigkeit und Beweglichkeit, und er heilte von fast allem. In den letzten sechs Jahren hatte er nicht einmal eine Erkältung gehabt.
Während er entschied, dass es unsinnig war, sich mit seinen Erinnerungen zu beschäftigen, ging Raven an den Wohnräumen der Einrichtung vorbei. Er hatte nie etwas von sich selbst in dem Raum gelassen, den Sampson ihm so großzügig gegeben hatte, während er sich von all den Tests und Prozeduren erholte, die er an sich durchführen gelassen hatte. Zu der Zeit hatte er gedacht, er würde der Menschheit helfen. Immerhin war er ein Ex-Militärangehöriger, wie die meisten Soldaten an diesem Ort. Zu schade, dass er nie wirklich gern Befehle angenommen hatte, aber mit achtzehn hatte er sich zwischen Militär und Gefängnis entscheiden müssen. Schwierige Entscheidung. Nach seiner Meinung hatte er seine Zeit so oder so abgesessen, egal, wie er es sah.
