Das große Ayurveda-Buch für Mutter und Kind - Karin Pirc - E-Book

Das große Ayurveda-Buch für Mutter und Kind E-Book

Karin Pirc

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Beschreibung

Der Siegeszug des Maharishi Ayurveda in der westlichen Welt ist ungebrochen. Denn Ayurveda bietet einen Schatz von tausend Jahre altem Wissen über unseren Körper und unsere Seele, das ohne Probleme für die heutige Zeit genutzt werden kann.

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Seitenzahl: 700

Veröffentlichungsjahr: 2008

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Dr. Karin Pirc

Das große Ayurveda-Buch für Mutter und Kind

Wichtiger Hinweis für die Benutzerin oder den Benutzer dieses Buches:

Dieses Buch soll Ihnen und Ihrem Kind helfen, gesund zu leben. Es kann kein Ersatz für die Untersuchung und den Rat einer erfahrenen (Ayurveda-) Ärztin oder eines Arztes sein, wenn Sie krank sind. Suchen Sie deshalb unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens auf, wenn Sie das Gefühl haben, Sie oder Ihr Kind sind nicht gesund.

Dr. Karin Pirc

Das große Ayurveda-Buch für Mutter und Kind

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen: [email protected]

Nachdruck 2013 © 2008 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH Nymphenburger Straße 86 D-80636 München Tel.: 089 651285-0 Fax: 089 652096

© der Erstausgabe 1996 bei Gustav Lübbe Verlag GmbH, Bergisch Gladbach

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.Lektorat: Ulrike Brandt-Schwarze, Bonn Umschlaggestaltung: Morian & Bayer-Eynck, Coesfeld Umschlagabbildung: Luca Tettoni/Corbis und Creasource/Corbis Satz: M. Zech, Redline GmbH Druck: Books on Demand GmbH, Norderstedt ISBN Print 978-3-86882-375-2 ISBN E-Book (PDF) 978-3-86415-146-0

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.mvg-verlag.deBeachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.muenchner-verlagsgruppe.de

Jedes Ding ist so eng mit jedem anderen Ding verbunden, dass es nicht möglich ist, die Existenz des einen von der des anderen zu trennen. Die Wirkung eines Dinges auf alle anderen ist so universell, dass man nichts isoliert betrachten kann.

(Maharishi Mahesh Yogi)

Liebe Leserin, lieber Leser!

dieses Buch habe ich für alle Mütter und Väter geschrieben, für alle Frauen und Männer, die eine Familie gründen und das Beste für ihre Kinder und für sich selbst möchten. So erstaunlich es klingt: Es kann Ihnen dabei helfen, die Gesundheit Ihres Kindes schon vor der Zeugung zu optimieren und führt Sie Schritt für Schritt durch alle Lebensphasen, die in einer Familie mit Kindern wichtig sind.

Daher ist es ebenfalls eine Unterstützung für alle, die mit Kindern zusammenleben: für Adoptivmütter ebenso wie für Frauen und Männer, die die nicht immer einfache Aufgabe haben, Kinder kennenzulernen, zu fördern und zu lieben, die der neue Partner mit in die Beziehung gebracht hat. Und für Großmütter, die ihre Enkel aufziehen, wenn die Mutter arbeitet. Aber auch für alle, die beruflich mit Kindern zu tun haben, wie Kindergärtnerinnen, Erzieher und Lehrer. Sie werden davon profitieren, ihre Schützlinge und deren Eltern besser zu verstehen und die ihnen anvertrauten Kinder individueller zu begreifen und besser fördern zu können.

Das Wissen und die Tipps dieses Buches basieren auf den Grundlagen und Empfehlungen des Ayur-Veda, einem seit Jahrtausenden bewährten, umfassendem Gesundheitssystem.

Das Wissen des Maharishi Ayur-Veda ist dabei so umfassend und ganzheitlich, dass es mich auch nach über zwanzigjähriger, tagtäglicher Beschäftigung immer wieder neu in seinen Bann zieht. In diesem Zeitraum durfte ich an Tausenden von Frauen, Männern und Kindern miterleben, wie sie sich nicht nur von körperlichen Beschwerden erholten, sondern gleichzeitig geistig gelöster, optimistischer und selbstsicherer wurden, wenn sie diese bewährten Heilmethoden anwandten.

Auch Sie werden durch die Lektüre dieses Buches ein Rüstzeug mit auf den Weg bekommen, mit dem Sie Ihr Leben mit neuen Augen sehen können. So verschieden die Menschen sich verhalten oder aussehen, so verschieden können auch die individuellen ayurvedischen Empfehlungen sein, um gesund und glücklich zu werden und zu bleiben. Das wachsende Verständnis der unendlich vielen Zusammenhänge in unserem Leben führt dazu, zunehmend unabhängiger und toleranter zu werden, die tieferen Mechanismen zu verstehen, die zu Gesundheit und Krankheit führen und sie aus eigener Kraft zunehmend positiv beeinflussen zu können. Damit ist der Ayur-Veda eine unschätzbare Hilfe zur Selbsthilfe und eine Vorsorgemedizin im umfassendsten Sinn.

Die empfohlenen Maßnahmen sind dabei immer natürlich, im Einklang mit den ganz individuellen Besonderheiten und Bedürfnissen und grundsätzlich von wachsender Lebensfreude begleitet. So verstärkt sich der Maharishi Ayur-Veda selbst, denn wenn Körper und Geist sich wohler fühlen, so ist nichts natürlicher, als diese Erfahrung ganz spontan wiederholen oder beibehalten zu wollen.

(Selbstverständlich ist es nicht möglich, in einem Buch für Laien das gesamte Wissen des Maharishi Ayur-Veda so umfassend darzustellen, dass es in jeder Lebenslage fachkundige Hilfe ersetzt. Wann immer eine ernstere Gesundheitsstörung oder ein tieferes seelisches Problem vorhanden ist, wenden Sie sich bitte an einen Arzt mit einer gründlichen Ayurveda-Zusatzausbildung. Genauso wenig kann und soll dieses Buch eine qualifizierte Ausbildung ersetzen. Um Menschen qualifiziert und verantwortlich helfen zu können, sollte ein Heilkundiger über das vollständige Hintergrundwissen verfügen.)

Meine privaten und beruflichen Erfahrungen mit vielen Müttern, Kindern und Vätern zeigen mir immer wieder, welche Fragen und Probleme fast alle frischgebackenen Eltern haben und welche sie bewegen, wenn die Kinder größer sind. Nicht zuletzt meine eigene, lebendige Familie – ich bin vierfache Mutter – hat die verschiedenen Hilfen des Maharishi Ayur-Veda »getestet«. Diese Erfahrungen bei der Umsetzung in das Alltagsleben sind natürlich in das Buch mit eingeflossen. Ich hoffe, dass all dies für viele Eltern und Kinder so hilfreich sein wird, wie es bisher für meine Patienten und für das Leben meiner Familie war und ist.

Gleichzeitig bietet dieses Buch eine Vision dessen, was Menschen möglich ist, wenn sie im Einklang mit sich selbst und ihrer inneren Natur leben, wenn sie ihr inneres Potenzial beleben und sich gleichzeitig an Gesundheit und Lebensglück erfreuen können – ein Buch mit Lösungen für die Probleme von heute.

Wie Sie mit diesem Buch umgehen sollten

Der Maharishi Ayur-Veda kennt eine große Zahl verschiedenster Ansätze, die dafür sorgen, dass ein Mensch gesund und glücklich bleibt oder es wieder werden kann. Im ersten ausführlichen Kapitel lernen Sie die Grundlagen dieses uralten Heilsystems kennen. Darauf bauen die Aussagen und Empfehlungen der folgenden Kapitel für verschiedene Lebensphasen auf. Es ist deshalb empfehlenswert, selbst wenn Sie beim ersten Lesen dieses Buches bereits Teenager-Herausforderungen in der Familie haben sollten, dennoch die beiden großen Kapitel über Vorbereitung auf die Schwangerschaft und die Schwangerschaft selbst zu lesen. So lernen Sie auf anschauliche Weise alle Maßnahmen des Maharishi Ayur-Veda im praktischen Zusammenhang kennen, die auch dem Leben mit größeren Kindern oder Ihnen selbst eine neue Dimension verleihen können.

Beginnen Sie zunächst damit, die Empfehlungen umzusetzen, die Sie anziehend und einfach finden. Warum? Die Einfachheit ist ein sicheres Kriterium dafür, ob etwas im Einklang mit der Natur des Lebens ist oder nicht. Sollten Sie irgendeine Empfehlung des Ayur-Veda nicht als vollkommen abgerundet empfinden, oder fühlen Sie einen Widerstand dagegen, sollten Sie sich daher nicht überwinden, das vermeintlich »Gesunde« zu tun. Ein solches Verhalten, das ich bei meinen Patienten immer wieder beobachte, ist gut gemeint, aber entspringt lediglich dem Intellekt. Ganzheitliche Heilung muss immer auch alle feinen Impulse von Körper und Geist mit einbeziehen. Daher ist ein wichtiges ayurvedisches Prinzip bei der Gesundung die Anstrengungslosigkeit, gekoppelt mit zunehmender Freude und Glück im Leben. Sollte Ihnen etwas nicht zusagen, so brauchen Sie vielleicht ein noch tieferes Verständnis von Zusammenhängen oder auf Ihre Situation angepasstere ärztliche Empfehlungen.

Ein wirklich ganzheitliches Gesundheitssystem bezieht alle Ebenen des Lebens mit ein und belebt ihre positiven Werte. Die deutlich sichtbaren Aspekte der Schöpfung ebenso wie die feineren Aspekte von Körper und Geist bis hin zu den feinsten Bewusstseinsschichten und der Transzendenz. Eine Tablette beispielsweise, die ein einzelnes Krankheitszeichen bekämpft, mag oberflächlich gesehen Erfolg haben, wenn das Symptom verschwunden ist. Erzeugt sie jedoch Nebenwirkungen und Spannungen in anderen Körperbereichen, hat sie den ursprünglichen, reibungslosen Fluss der Natur gestört, statt ihn wiederherzustellen. Gleicht ein Präparat den Organismus hingegen von der Basis her aus, indem es den Bewusstseinsaspekt genauso berücksichtigt, die feinen Aspekte der seelischen und körperlichen Funktionen ebenso wie das Symptom, wird es dem Prozess der ganzheitlichen Gesundung gerecht.Daher ist Maharishi Ayur-Veda immer sanft. Der Maharishi Ayur-Veda ist immer sanft, immer ausgleichend, immer liebevoll, ohne Druck, Dogmen oder inneren Zwang. Warum dann die vielen Anweisungen und Empfehlungen bei einem solch ganzheitlichen Gesundheitssystem? Sie helfen dabei, das Leben eines Menschen wieder in die natürlichen Bahnen zu lenken, wenn er das Gleichgewicht verloren hat. Die Empfehlungen stammen von Menschen, die dieses Gleichgewicht in ihrem Inneren erreicht hatten und daher sehr ganzheitliche Empfehlungen für jeden Aspekt des Lebens geben konnten. Obwohl dies ein Handbuch über alle Bereiche des Mutter-Seins ist, wird es dem Thema nicht gerecht, wenn Sie es nur als »Wenn – dann« – Empfehlung lesen. Bei jeder Störung ist das gesamte Körper-Geist-System in Unordnung. Daher müssen viele verschiedene Faktoren gemeinsam das ursprüngliche Gleichgewicht wiederherstellen. Ich habe versucht, dieser komplexen Thematik des Lebens mit vielen Querverweisen Rechnung zu tragen, so dass wir bei all den Einzelheiten des täglichen Lebens »das große Ganze« nicht aus den Augen verlieren.

Danksagung

Während ich an diesem Buch schrieb, haben mich viele Menschen in unterschiedlichster Weise unterstützt. Ihnen möchte ich hier danken.

Ich danke Maharishi Mahesh Yogi, der mir durch sein geniales Wissen neue Horizonte eröffnet und auch mir immer neue Dimensionen erschließt, die mich nicht nur persönlich weiterbringen, sondern auch in höchstem Maße meinen analytischen, westlichen Intellekt befriedigen.

Ich danke meinen indischen Ayurveda-Lehrern und Freunden, die es durch ihren unermüdlichen Einsatz seit Jahren ermöglichen, dass die ganze Größe des Maharishi Ayur-Veda auch für mich als europäische Ärztin anwendbar wurde.

Ebenso danke ich den Tausenden von Patienten, die durch ihr Vertrauen und ihre vielen Fragen dafür gesorgt haben, dass ich den Maharishi Ayur-Veda immer wieder auf den ganz praktischen Alltagsebenen weitergeben durfte. Mein ganz besonderer Dank gilt natürlich meinem Mann Lothar, dass er mit seiner für ihn typischen Engelsgeduld die Entbehrungen, die das Bücherschreiben so mit sich brachte, trug und mich in jeder Situation unterstützte.

Ebenso wie Siegrid, die Klein-Daniel mit Ölmassagen und mütterlicher Liebe verwöhnte, wenn mich das Buchschreiben in Anspruch nahm. Meinen Kindern Jan-Aurel, Elisa-Jasmin, Lilian-Joanna und Daniel-Nikolai danke ich für ihr Verständnis an all den vielen Nachmittagen, an denen der Computer im Vordergrund stand, und dafür, dass sie unser Leben durch ihre Unschuld, Fröhlichkeit und Einmaligkeit immer wieder bereichern.

Nicht zuletzt bedanke ich mich bei all meinen Mitarbeitern in der Maharishi Ayurveda-Privatklinik Bad Ems, denn auch sie haben mich in vielen Gesprächen das Buch betreffend unterstützt und gestärkt.

Karin Pirc, Bad Ems, Frühjahr 2008

1 Grundlagen des Maharishi Ayur-Veda

1.1 Der Ayurveda – die Wissenschaft vom Leben

Der Ayurveda ist ein uraltes, ganzheitliches medizinisches System. Es stammt ursprünglich aus dem Himalaya-Gebiet. Von dort aus hat es sich in verschiedene Teile der Welt ausgebreitet und im Laufe der Jahrhunderte seine Spuren in den unterschiedlichsten medizinischen Heilauffassungen hinterlassen.

Der Ayurveda beschäftigt sich nicht nur mit der Heilung von Krankheiten wie unsere moderne Medizin, sondern schließt viele andere Wissensgebiete mit ein. Diese beschreiben die Einbettung des Menschen in den Kosmos, die Wirkungen des menschlichen Verhaltens, seinen Geist und seinen Körper sowie seine Beziehungen zur näheren und weiteren Umgebung und Umwelt.

Was den Ayurveda sicher am meisten von den uns bekannten medizinischen Systemen unterscheidet, ist, dass er den Menschen nicht nur Heilung von Krankheiten bringt, sondern dass gleichberechtigt zu den verschiedenen medizinischen Heilformen die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins als wesentlicher Heilfaktor mit dazugehört. Außerdem bietet er eine außergewöhnliche Vielfalt vorbeugender Verfahren an, die Gesundheit erhalten und ein langes Leben fördern sollen.

Dies geht bereits aus der Übersetzung des Begriffes Ayurveda hervor. Das Wort Ayurveda stammt aus dem Sanskrit, einer uralten Gelehrtensprache, und besteht aus zwei Wurzeln: ayus und veda. Ayus bedeutet Leben, wobei die tiefere Bedeutung langes Leben enthalten ist. Veda heisst Wissen oder Wissenschaft.

Der Ayurveda ist also das Wissen vom Leben im Allgemeinen oder spezifischer die Wissenschaft vom langen Leben.

Die alten Überlieferungen und Texte des Ayurveda

Den alten Überlieferungen zufolge soll der Ayurveda den Menschen schon seit uralten Zeiten bekannt gewesen sein, und zwar in einer Hochkultur und Blütezeit der Menschheit im hinteren Asien, ausgehend vom Himalaya-Gebiet.

Das gesamte ayurvedische Wissen bestand aus einer großen Zahl von Versen und Hymnen, die über Jahrtausende mündlich in einer Meister-Schüler-Tradition überliefert wurden. Ein großer Arzt, der immer auch gleichzeitig Gelehrter war und auf einer sehr hohen Stufe des menschlichen Bewusstseins stand, wählte einen seiner begabtesten und besten Schüler aus und vermittelte ihm im Laufe seines Lebens die Gesamtheit seines Wissens. Diese großen Ärzte achteten peinlich genau darauf, dass alle Überlieferungen sorgsamst erhalten blieben: Die Schüler mussten die überlieferten Texte ihr Leben lang wörtlich auswendig lernen, damit sich keine Fehler einschlichen. Auf diese Weise wurde das Wissen konserviert und von Generation zu Generation weitergegeben und erst sehr viel später schriftlich niedergelegt.

Etwa im Jahre 700 v. Chr. schrieb der ayurvedische Arzt Charaka (sprich: Tscharaka) die »Charaka Samhita« (samhita: Ganzheit), auch heute noch das bedeutendste und vollständigste Standardwerk des Ayurveda. Ungefähr zur gleichen Zeit schrieb der Chirurg Sushruta (sprich: Schuschruta) seine »Sushruta Samhita«, ein Standardwerk, das natürlicherweise einen mehr chirurgisch orientierten Schwerpunkt hat und auf das in weiterentwickelter Form heute noch eine große Anzahl westlicher Operationstechniken und -geräte zurückgehen. Etwa 300 n. Chr. entstand dann Vagbhatas »Astangha Hridaya Samhita«, eine Zusammenfassung der beiden vorgenannten Schriften. Viele weitere Werke sind seit dieser Zeit entstanden und eine große Zahl von Kommentaren geschrieben worden. Die umfassendsten Werke jedoch, auf die sich heute noch praktisch alle Ayurveda-Studenten stützen, sind diese drei Klassiker.

Sanskrit – die Sprache der Veden und des Bewusstseins

Alle ayurvedischen Urtexte sind in Sanskrit niedergeschrieben, einer Sprache, die heute nur noch von Gelehrten als lebende, flüssige Sprache gesprochen wird. Mit dem Sanskrit hat es eine besondere Bewandtnis.

Im Sanskrit ist jede Silbe für sich allein genommen aussagefähig, das heisst, jeder Laut verfügt bereits über eine eigene vollständige Bedeutung. Bei mehrsilbigen Worten addieren sich also mehrere Einzelbedeutungen zur Gesamtbedeutung des jeweiligen Ausdrucks. Daher ist die Übersetzung von Sanskrit-Texten in eine andere Sprache ein sehr vielschichtiges Unterfangen: Um die vom ursprünglichen Verfasser gemeinte Bedeutung richtig auszuloten, muss der Übersetzer viel tiefer in die Materie eindringen, als dies sonst von ihm verlangt wird. Strenggenommen müsste er in der Lage sein, sich in das Bewusstsein des Autors versetzen zu können, um auch die tiefere Bedeutung des Textes richtig zu erfassen. Fast immer gibt es bei den Sanskrit-Texten verschiedene Möglichkeiten, ihre Bedeutung in eine andere Sprache zu übertragen.

Aus diesem Grund wird in diesem Buch absichtlich eine Reihe von Original-Sanskrit-Ausdrücken verwendet. Das ist für den Leser, der sich das erste Mal mit der Materie beschäftigt, anfangs vielleicht etwas mühsam. Aber es hat den großen Vorteil, dass Sie mit wachsendem Verständnis die Grundkonzepte des Ayurveda in ihrer Vielschichtigkeit und Tiefe verstehen können. Demgegenüber würde eine einfache deutsche Übersetzung der Sanskrit-Worte die wirkliche Bedeutung zu sehr auf einen Aspekt einengen und daher verfälschen.

Aber noch viel erstaunlicher ist folgende Tatsache, die ganz eng mit der Struktur des menschlichen Bewusstseins zusammenhängt. Menschen, die über ein sehr entwickeltes Bewusstsein verfügen, das weit über das normale Tagesbewusstsein eines durchschnittlichen Menschen hinausgeht (und auch alle Bereiche des sonst Unbewussten oder Unterbewussten mit einbezieht), verfügen oft über andere Wahrnehmungen, als sie uns vertraut sind. Viele dieser Menschen waren und sind von diesen Erfahrungen so beeindruckt, dass sie sie in der Stille ihres Bewusstseins für sich behalten, andere wiederum sprechen und schreiben darüber. Sie berichten uns, dass sie auf der subtilsten Ebene des Bewusstseins die feinsten, grundlegendsten Naturgesetze wahrnehmen und erfassen können. Häufig geschieht dies nicht nur durch das spontane Verständnis tiefer Wahrheiten allein, sondern ein Mensch hört und sieht diese subtilen Erkenntnisse auch in sprachlicher Form tief in seinem eigenen Bewusstsein. Die Formen, Laute und Rhythmen, in denen sich ihm diese Grundmuster der Naturgesetze offenbaren, entsprechen erstaunlicherweise genau den Strukturen des Sanskrit. Dieses ist daher keine gewöhnliche Sprache, sondern gleichzeitig auch die Sprache oder der Gesang der Natur selbst. Menschen, die im Inneren ihres Bewusstseins diese Grundmuster der Natur wahrnehmen, erfahren dies immer auch in Rhythmen, die sie dann aufzeichnen können. So entstanden ursprünglich die einzelnen Hymnen der Veden, einer Textsammlung mit 36 verschiedenen Fachgebieten, die alle unterschiedliche Aspekte des Menschen und ihre Vervollkommnung beleuchten (siehe unten: »Die Ansätze des Maharishi Ayur-Veda«).

Dieses tiefere Verständnis der Veden ist äußerst bedeutsam. Bis vor nicht allzu langer Zeit glaubten die westlichen Sprachgelehrten nämlich, dass es sich bei den Veden um Dichtungen in Versform handele, die zur Zeit der indischen Hochkultur niedergeschrieben worden waren, ebenso wie andere uns überlieferte Epen aus alten Kulturen vergangener Zeiten.

Demgegenüber muss man bei intensiver Beschäftigung mit der Materie zu der Auffassung kommen, dass es sich hier um allgemeingültige Strukturen des menschlichen Bewusstseins handelt, die feinste Strukturen der Naturgesetze beschreiben und jederzeit wieder geschaut und wahrgenommen werden können.

Moderne Wissenschaftler, die die Veden unter diesem Gesichtspunkt überprüft haben, konnten Erstaunliches zutage fördern. So hat Tony Nader, ein Neurophysiologe, in intensiver Forschung unter Anleitung von Maharishi Mahesh Yogi (er wurde im Westen im Zusammenhang mit der Verbreitung der Bewusstseinstechnik der Transzendentalen Meditation bekannt) herausgefunden, dass alle Komponenten, Organe und Organsysteme des menschlichen Körpers, insbesondere die verschiedenen Teile des Nervensystems, eins zu eins mit den 36 Zweigen der vedischen Wissenschaft übereinstimmen. Diese Übereinstimmung ist hundertprozentig, sowohl im Aufbau als auch in der Funktion. Nervenganglien (Nervenknoten) und Gehirnstrukturen stimmen bis ins kleinste Detail mit dem strukturellen Aufbau der Veden und ihrer Bedeutung überein, wobei die Beschreibung in den Veden sich dabei minutiös mit den detaillierten Beschreibungen der modernen Gehirnforschung deckt. Diese faszinierenden Entdeckungen lassen nur einen einzigen Schluss zu: Die Gesetzmäßigkeiten, die den menschlichen Geist und Körper strukturieren, sind dieselben, die den Silben, Versen, Kapiteln und Büchern der Veden ihre Struktur verleihen.

Daher wird auch verständlich, dass der Ayurveda als zeitloses Wissen bezeichnet wird, so alt wie die Menschheit selbst. Es ist theoretisch immer wieder nachvollziehbar und neu erfahrbar; vorausgesetzt, das Nervensystem eines Menschen ist so verfeinert, dass ihm diese Wahrnehmungsebene ebenso zugänglich ist wie dem ursprünglichen Verfasser.

Auch aus diesem Grunde werden Sie in diesem Buch eine Reihe von Sanskrit-Ausdrücken finden. Der Klang des einzelnen Wortes prägt sich dabei automatisch in Ihr Bewusstsein ein und vertieft aufgrund der besonderen Struktur des Sanskrit ebenfalls seinen tieferen Sinn. Wenn nichts anderes angegeben ist, können Sie die Wörter übrigens genauso aussprechen, wie Sie sie lesen, da die Aussprache des Sanskrit der deutschen Aussprache weitgehend entspricht.

Der Ayurveda in der menschlichen Geschichte

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Ayurveda in verschiedene Richtungen. Einige Jahrtausende lang war er zuerst das einzige und ursprüngliche medizinische System Indiens und der angrenzenden Länder. Mehrmals in der Geschichte breiteten sich seine medizinischen Vorstellungen auch weiter in den Westen aus.

In Indien selbst war und blieb der Ayurveda über Jahrtausende die einzige mit Erfolg praktizierte Volksmedizin. Als die Moslems 1100 und 1200 n. Chr. Indien besetzten, wurde der Ayurveda für einige Jahrhunderte zwangsweise durch das islamische Heilverfahren ersetzt. 1833, während der englischen Kolonialherrschaft, schlossen die Engländer alle noch bestehenden ayurvedischen Schulen Indiens. Vor allem in den Städten setzte sich die Schulmedizin zunehmend durch. Verständlich, dass ein Teil des ayurvedischen Wissens auf diese Weise in den Hintergrund gedrängt wurde oder verloren ging. Heute bestehen die Schulmedizin und der Ayurveda in Indien nebeneinander, wobei sich immer noch etwa 80 Prozent aller Kranken vor allem in den ländlichen Bezirken mit ayurvedischen Methoden behandeln lassen.

Es gibt ayurvedische Universitäten und Ausbildungsstätten, Krankenhäuser, Ärztevereinigungen und jede Menge praktizierender Ayurveda-Ärzte (vaidyas), die sich auf überlieferte Traditionen beziehen. Aber es gibt daneben auch im heutigen Indien eine Erneuerung des ayurvedischen Wissens, der sich zunehmend mehr Ärzte anschließen.

Das gesamte Wissen des Ayurveda ist sehr vielschichtig und breitgefächert. Es enthält eine solche Fülle verschiedener Fachdisziplinen und therapeutischer Verfahren, dass auch hier im Laufe der Jahrhunderte eine zunehmende Spezialisierung und Zersplitterung stattgefunden hat. So gibt es heute beispielsweise ayurvedische Familientraditionen, die sich auf Kräuterheilkunde verstehen, andere wieder mehr auf ayurvedische Reinigungsverfahren und Bäder, wieder andere sind Spezialisten in der Pulsdiagnose oder in der Anwendung der Klangtherapie usw. Was aber zunehmend verlorenging, war die Gesamtheit der Verfahren in einer Hand und damit auch der ganzheitliche Ansatz dieses großartigen Systems beim Verständnis und der wirklichen Heilung des Patienten.

Der Maharishi Ayur-Veda heute

Im heutigen Indien nutzen die meisten ayurvedischen Ärzte nur eine sehr begrenzte Zahl der vielen vorbeugenden und therapeutischen Behandlungsmethoden des Ayurveda, die in den klassischen Texten empfohlen werden. Daher schien es immer wichtiger, die teilweise unverknüpften Therapierichtungen wieder zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzufassen. In den wenigen letzten Jahrzehnten ist der Maharishi Ayur-Veda entstanden, der ständig weiterentwickelt und ausgebaut wird.

Der Maharishi Ayur-Veda hat es sich zur Aufgabe gesetzt, den ursprünglichen, ganzheitlichen Ayurveda in seiner Fülle wiederzubeleben, durch moderne wissenschaftliche Forschungen zu untermauern und zu verbreiten.

Seine Entwicklung ist auf Maharishi Mahesh Yogi zurückzuführen, der die uralte Bewusstseinstechnik der Transzendentalen Meditation in den Westen brachte. Der Titel maharishi (großer Seher) wurde ihm gegeben, da er in der Lage ist, feinste Strukturen der Veden in seinem Bewusstsein zu schauen und zu kommentieren und überdies andere Menschen zu lehren, diese Bewusstseinsebene ebenfalls zu entfalten.

Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts haben sich auf seine Anregung hin eine Reihe der berühmtesten und erfahrensten Ayurveda-Ärzte Indiens zusammengeschlossen, um den Ayurveda in seiner ursprünglichen Reinheit und Vollständigkeit zum Wohle der gesamten Menschheit wiederzubeleben. Diese Ärzte verfügen größtenteils über jahrzehntelange Erfahrung und umfassendes Wissen in einer oder mehreren Spezialdisziplinen des Ayurveda und kennen sich hervorragend in den alten Texten aus. Mit Hilfe von Sanskrit-Experten werden unter ihrer Anleitung die alten Texte neu übersetzt und die tiefere und umfassende Bedeutung herauskristallisiert. Bei dieser Feinarbeit sitzen viele dieser Ärzte in großen Konferenzen oft wochen- und monatelang zusammen. So werden nach und nach Fehler, die sich in den letzten Jahrhunderten eingeschlichen haben, wieder ausgemerzt und die ursprüngliche Körper-Geist-Medizin des Ayurveda zu voller Blüte gebracht. Der Maharishi Ayur-Veda bietet seit Jahrhunderten zum ersten Mal das ganze Spektrum ayurvedischer Weisheit wieder genauso an, wie es von den Maharishis des alten Indien geschaut wurde.

Darüber hinaus werden standardisierte Ausbildungsprogramme für Ärzte aus aller Welt strukturiert. Eine Reihe indischer Ayurveda-Ärzte, die häufig selbst Universitätsprofessoren sind, lassen es sich auch nicht nehmen, ihre westlichen Kollegen persönlich zu unterrichten. So ist es möglich, dass alle Aspekte des Ayurveda auch von Medizinern aus aller Welt durch gut strukturierte Fortbildungen und Ausbildungen erlernt werden können, wobei ein hoher Qualitätsstandard gesichert wird. Jeder westliche Arzt kann sich außerdem jederzeit des tiefen Fachwissens der indischen Vaidyas bedienen, wenn das für das Wohl eines von ihm betreuten Patienten sinnvoll ist, wie zum Beispiel bei der Therapie schwerer chronischer Krankheiten.

Ein dritter Zweig des Maharishi Ayur-Veda beschäftigt sich damit, das Wissen des Ayurveda den heutigen Erkenntnissen der Wissenschaft gegenüberzustellen. Diese interdisziplinären Vergleiche sind oftmals tief beeindruckend, weil der heutige Mensch gar nicht damit rechnet, dass diese alten Texte bereits (nur in anderen Begriffen) unsere neuesten Forschungen zum Beispiel auf dem Gebiete der Physik eindeutig beschreiben. Oft sind diese Zusammenhänge so abstrakt, dass man sie ohne entsprechendes Universitätsstudium kaum verstehen kann. Desto größer ist das Verdienst der Wissenschaftler und Gelehrten, die daran arbeiten, diese Erkenntnisse allgemeinverständlich nachvollziehbar zu machen.

Selbstverständlich werden die Therapieformen des Maharishi Ayur-Veda auch moderner wissenschaftlicher Erforschung und Bestätigung unterzogen. Dieses vierte Standbein hilft, die Anwendung des Ayurveda auch nach heute geforderten wissenschaftlichen Kriterien abzusichern. Weltweit arbeitet eine zunehmende Zahl interessierter Forscher daran, in die tieferen Geheimnisse des Ayurveda einzudringen und ihre Wirkungen auf den Menschen zu erschließen.

Die gesammelten Erkenntnisse und Ergebnisse sowie die medizinischen Erfahrungen der behandelnden Ayurveda-Ärzte werden wiederum in weltweiten Maharishi Ärzte-Vereinigungen, Kongressen und Fortbildungen ausgetauscht und verbreitet.

Die Ansätze des Maharishi Ayur-Veda

Die alten, klassischen Texte überliefern uns eine große Anzahl verschiedener vorbeugender und heilender Verfahren. Diese kann man den vier übergeordneten Bereichen zuordnen:

Geist

Körper

Verhalten

Umgebung

Sie alle wollen schwerpunktmäßig den Menschen als Ganzes in ein harmonisches Gleichgewicht bringen und genau dort, wo sich Störungen eingeschlichen haben, die Ursache herausfinden und entsprechend behandeln.

Meist sind bei einer Störung mehrere Teilaspekte, die die Gesundheit eines Menschen ausmachen, in Unordnung geraten. Logischerweise wird man daher bei der Therapie ebenso verschiedene heilende Verfahren einbeziehen, um die Harmonie eines Menschen mit sich selbst und seiner Umgebung wiederherzustellen.

Ansätze des Maharishi Ayur-Veda

Bewusstsein:Kapitel 2.9 »Transzendentale Meditation« (TM) Kapitel 10.3 »Meditation für Kindergarten- und junge Schulkinder« Intellekt:Kapitel 2.16, Abschnitt »Geistige Rasayanas«

Gefühle:Kapitel 11.1 »Geistige Rasayanas für die junge Generation« Kapitel 11.4, Abschnitt »Liebe und Mitgefühl«

Sprache:Kapitel 11.2 »Lebensförderliches Verhalten« Gandharva-Veda-Musiktherapie:Kapitel 3.9 »Gandharva-Veda: die Heilkraft der Klänge« Kapitel 6.1, Abschnitt »Gandharva-Veda für die Kleinsten« Kapitel 10.4 »Das Einschlafritual« Sinne:(Aroma- und Farbtherapie) Kapitel 3.8 »Aromatherapie« Kapitel 11.4 »Körper und Geist kultivieren« Neuromuskuläre Integration:Kapitel 3.5 »Körper- und Schönheitspflege« Kapitel 3.6 »Yoga-Haltungen für Körper und Geist« Ayurvedische Reinigungstherapie:Kapitel 2.6 »Panchakarma für die zukünftigen Eltern« Ernährung:Kapitel 2.10 »Ernährung für werdende Mütter und Väter« Kapitel 9.2 »Spezielle Nahrungsempfehlungen – nicht nur für Kinder«

Kräuter- und Mineralpräparate:Kapitel 2.12 »Nahrungsergänzungen zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten« Verjüngung durch Rasayanas:Kapitel 2.16 »Rasayanas zur Erhöhung der Fruchtbarkeit« Verhalten:Kapitel 3.7 »Leben im Einklang mit biologischen Rhythmen« Pulsdiagnose:Kapitel 1.5 »Subdoshas, Dhatus und die Pulsdiagnose« Kapitel 12.7 »Pulsdiagnose für Pfiffige« Jyotish – die vedische Astrologie:Kapitel 2.18 »Maharishi Jyotish – Familienplanung und der Einfluss der Gestirne« Kapitel 3.18 »Namenwahl« Kapitel 12.8 »Jyotish für Kinder« Yagya:(Vedische Verfahren zur Balancierung der Planenten) Siehe die zu Jyotish genannten Kapitel.

Umwelt:(Bauweise von Häusern, Gartenanlagen, Städteplanung) Kapitel 3.20 »Einrichten des Babyzimmers, letzte Vorbereitungen« Globale Gesundheit:(Bewusstseinstechniken, um kollektiven Stress abzubauen) Kapitel 13 »Kollektive Gesundheit«

Um einen ersten Eindruck über seine therapeutische Vielfalt zu geben, seien die Ansätze des Maharishi Ayur-Veda, die in diesem Buch vorkommen – zunächst ohne tiefere Erläuterung –, bereits an dieser Stelle aufgeführt.

Im Laufe des Buches werden Sie diese Fachgebiete im Leben von Müttern, Vätern und Kindern genauer kennen lernen. Um das Auffinden zu erleichtern, sind jedem Ansatz die Kapitel und Unterkapitel zugeordnet, in denen er später im Buch ausführlich dargestellt wird.

Alle aufgeführten ayurvedischen Verfahren wirken grundsätzlich sowohl vorbeugend als auch heilend.

Der Schwerpunkt liegt im Maharishi Ayur-Veda eher darauf, Ungleichgewicht und Krankheiten zu vermeiden, indem eine Harmonie von Körper, Geist, Verhalten und Umgebung angestrebt wird. Dies ist verständlicherweise wesentlich einfacher und mit weniger Aufwand möglich, als wenn ein länger bestehendes Ungleichgewicht bereits zu einer Krankheit oder tiefersitzenden Störungen geführt hat.

Nichtsdestoweniger werden die einzelnen Verfahren jedoch auch therapeutisch eingesetzt, wenn ein Mensch also bereits krank ist. Die Zusammenstellung und Durchführung einer auf den einzelnen und das spezielle Krankheitsbild zugeschnittenen Therapie umfasst in der Regel mehrere der aufgeführten Ansätze und gehört in die Hand eines erfahrenen Ayurveda-Arztes.

Der Vielseitigkeit der einzelnen Verfahren steht jedoch ein einheitliches Grundkonzept über die Entstehung der Materie und der Schöpfung gegenüber, das selbstverständlich auch den Menschen als einen Teil der Schöpfung mit einbezieht. Dieses Grundkonzept verbindet die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Heilverfahren sinnvoll miteinander.

Der Ursprung des Maharishi Ayur-Veda

Wenn man das erste Mal wörtlich in den klassischen Texten liest, wie der Ayurveda ursprünglich entstanden sein soll, hat man den Eindruck, es handele sich um ein Märchen aus uralter Zeit:

»Vor langer, langer Zeit geschah es im Himalaya-Gebiet, als Krankheiten noch gänzlich unbekannt waren, dass erstmals körperliche Leiden auftraten. Diese schufen nach und nach Hindernisse bei geistigen Übungen, bei Fasten und Enthaltsamkeit, bei der Beachtung religiöser Verrichtungen und verringerten die Lebensspanne der Menschen. Daraufhin versammelten sich die Maharishis (große Seher, die in innerer Schau feinste Zusammenhänge der Schöpfung wahrnehmen können) aus Mitgefühl für alle Geschöpfe an einem dafür günstigen Abhang des Himalaya.

51 dieser Weisen, die namentlich erwähnt und deren Bewusstseinszustand mit den blumigsten Worten auf das höchste gepriesen werden, versammelten sich dort zu tiefer Meditation. Auf diese Weise wollten sie ergründen, wie die Hindernisse für das Wohlergehen der Menschheit zu beseitigen seien. Ein großer Seher mit Namen Bharadwaja wurde von den Weisen auserwählt, zu Indra zu gehen. (Dies steht symbolisch dafür, dass er sich auf der Basis der Gruppenmeditation der anderen Weisen in den tiefsten Bewusstseinszustand versetzen konnte.) Auf feinster Bewusstseinsebene nahm er die Ursache für die Krankheiten wahr, die die Stärke der Menschen unterhöhlte. Bharadwaja vermittelte in aller Demut die Botschaft aller Rishis und sprach: ›Krankheiten sind erschienen, die Ängste bei allen Kreaturen hervorrufen. Daher, oh Herr aller Götter, offenbare mir die wahren Maßnahmen für ihre Beseitigung!‹

Als Indra die tiefe Intelligenz dieses Maharishi sah, entfaltete er vor ihm die Gesamtheit des Ayurveda in wenigen Worten. (Das heisst, das Bewusstsein des Maharishi Bharadwaja war so sehr erweitert, dass er die höchste Wahrheit gleichsam in verdichteter Form wahrnehmen und später wiedergeben konnte.)

Der von Bharadwaja geschaute Ayurveda umfasste das Wissen über die Entstehung der Krankheiten, ihrer Symptome, der verschiedenen therapeutischen Maßnahmen für Kranke und Gesunde, das schon seit unendlichen Zeiten fortbestand und bereits dem Schöpfer (Brahma) selbst bekannt war. Der intelligente und tiefgegründete Weise nahm den endlosen Ayurveda in kurzer Zeit richtig und vollständig in sich auf. Er überlieferte ihn in seinem unendlich langen und glücklichen Leben den anderen Weisen. So erhielten auch diese die Wissenschaft zur Verlängerung des Lebens von Bharadwaja. Sie selbst befolgten alle diese Wahrheiten und erhielten dadurch höchstes Wohlergehen und eine unvergängliche Lebensspanne.« (CharakaSamhita, Kap. 1, Vers 6–29.)

Bewusstsein und Wissenschaft

Diese einleitende Beschreibung aus der »Charaka Samhita« bietet uns eine Erklärung dafür, worüber man sich mit zunehmender Erfahrung mit dem Maharishi Ayur-Veda als moderner Mensch nur wundern kann: die Vollständigkeit und Richtigkeit seiner Verfahren sowie das tiefe Wissen über grundlegende Zusammenhänge, das uns diese alten Seher überliefert haben.

Unserem westlichen Wissenschaftsverständnis zufolge gehen wir im Regelfall davon aus, dass frühere Kulturen gar nicht über Erkenntnisse verfügen konnten, die denen der modernen Naturwissenschaften vergleichbar sind. Und erst recht nicht, dass das ihnen bekannte Wissen unserem heutigen Wissensstand sogar überlegen gewesen sein könnte. Denn in diesen alten Zeiten fehlten nach unserer Auffassung die technischen Hilfsmittel und systematischen Methoden, auf die uns heutzutage vertraute experimentelle Weise tiefer in die Zusammenhänge der Materie einzudringen. Maharishi Bharadwaja benutzte, um sein Wissen zu erfassen, keine Reagenzgläser, keine komplizierte Maschinerie, keinen systematischen Testaufbau und keinen Doppelblindversuch, sondern sein störungsfrei arbeitendes Bewusstsein.

Viele Menschen neigen heute noch dazu, Dinge, die sie weder sehen oder die bisher noch nicht wissenschaftlich bewiesen sind, als Unsinn oder Aberglauben abzutun. Ein unkritischer »Wissenschaftsglaube« kann jedoch durchaus Gefahren in sich bergen. Ein eklatantes Beispiel der modernen Medizin zeigt eindrucksvoll, wie richtige wissenschaftliche Teilergebnisse durch falsche Verknüpfungen ganze Bevölkerungsgruppen in die Irre führen können. Bei dieser Geschichte wurde auch meine eigene »Wissenschaftseinschätzung« auf unrühmliche Weise auf die Probe gestellt.

Können Sie sich an den Beginn der Cholesterin-Debatte Anfang der siebziger Jahre der letzten Jahrhunderts erinnern? Damals wurden die ersten wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Zusammenhang hoher Cholesterinspiegel im Blut, Arteriosklerose (Verkalkung von Blutgefäßwänden) und Herzinfarkt, damals wie heute der »Killer Nr. 1« westlicher Industrienationen, in den Massenmedien aufgegriffen. Der aufgrund wachsenden Wohlstands stark gesteigerte Pro-Kopf-Fettverzehr wurde als Ursache für wachsende Serum-Cholesterinspiegel und damit für die zunehmende Herzinfarktanfälligkeit der Bevölkerung verantwortlich gemacht. Da man herausgefunden hatte, dass Butter besonders viel Cholesterin enthält, wurde der auf den ersten Blick logische, aber dennoch falsche Schluss gezogen, dass besonders der Butterkonsum die schädlichen Wirkungen auf die Arterienwände verstärkt. In der Bundesrepublik Deutschland wurde – auch von Regierungsseite unterstützt – ein großer Feldzug gegen die »gute deutsche Butter« eingeleitet, in der löblichen Absicht, die Volksgesundheit auf diese Weise zu verbessern. Empfohlen wurde statt dessen der Verzehr von Margarine.

Zwischenzeitlich hatte man den Wert der sogenannten essentiellen, hoch ungesättigten Fettsäuren kaltgepresster Öle erkannt: Diese Fettsäuren zeigten bei wissenschaftlichen Experimenten, dass sie Cholesterinverbindungen aus den Arterienwänden wieder herauslösen können. Was also lag näher, als dass ernährungsbewusste Zeitgenossen Margarinesorten mit einem möglichst hohen Anteil hoch ungesättigter Fettsäuren entwickelten und auf den Markt brachten?

Ungefähr um diese Zeit trug sich folgende Begebenheit in meinem eigenen Leben zu. Ich selbst war junge Medizinstudentin und an Ernährungsfragen wie auch an ersten eigenen Erfahrungen wie Meditation und Persönlichkeitsentwicklung brennend interessiert. Nichtsdestoweniger jedoch eine hingebungsvolle Verfechterin neuester naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und durch jede neue Entdeckung aus dem medizinischen Bereich zu begeistern und zu beeindrucken. Auf der anderen Seite hatte ich mich so weit mit Bewusstseinstechniken befasst, dass ich willens war, auch die Art, durch innere Schau verlässliche Erkenntnisse zu gewinnen, als gültig anzuerkennen. Überdies ging ich davon aus, dass diese erweiterten Eigenschaften des Bewusstseins bei Maharishi (dem Begründer der Transzendentalen Meditation), der sich damals ständig in Europa aufhielt, entwickelt waren. Ein Freund berichtete mir nun, dass Maharishi bei einer Gelegenheit nach seiner Meinung über die Schädlichkeit von Butter befragt, ganz entspannt sagte, man solle weiter Butter essen, weil sie gesünder sei als Margarine. Ich dachte im Stillen: »Da sieht man, was so ein Weiser sehen kann: Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse scheint er nicht ergründen zu können!« So unerschütterlich schien mir der neueste Stand der medizinischen Wissenschaft.

Doch hier bahnten sich in der Folgezeit zusätzliche Erkenntnisse an. Schon nach kurzem fand man heraus, dass es verschiedene Cholesterin-Anteile gibt: solche, die die Arterienwände vor Verkalkungen schützen (die sogenannten high density-Fett-Eiweißkörper, besonders dichte Fettsäure-Moleküle, kurz HDL genannt), und andere, die die Arteriosklerose begünstigen (low density-Lipoproteine, also Cholesterine mit niedriger molekularer Dichte, kurz LDL). Interessanterweise erwies sich Butter als eines der Nahrungsmittel, die im Verhältnis einen sehr hohen Anteil an HDL, also schützendem Cholesterin, aufwiesen. Diese Erkenntnis kam jedoch so spät, dass die Begeisterung für hoch ungesättigte Fettsäuren und Margarine kaum noch zu bremsen war.

Aber unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende. In jüngster Zeit macht in der Medizin wie in den Massenmedien eine ganz andere medizinische Entdeckung von sich reden: die sogenannten freien Radikale, von denen später noch die Rede sein wird (siehe Kapitel 2.16 »Rasayanas zur Erhöhung der Fruchtbarkeit«). Dies sind hoch aggressive Sauerstoff-Moleküle, die der Körper selbst produziert oder durch Außeneinflüsse aufnimmt. Die Mediziner machen sie heute für das Entstehen einer großen Zahl von Krankheiten verantwortlich wie zum Beispiel Arthrosen (degenerativer Gelenkverschleiß), Krebserkrankungen sowie für den Alterungsvorgang schlechthin. Dabei ergaben sich über die Ursachen der Arteriosklerose neue Erkenntnisse. Zuerst schädigen freie Radikale die Gefäßwände, rauen sie auf, und erst an den so vorgeschädigten Arterien lagern sich Cholesterine ein.

Und nun kommt die vorerst letzte Pointe dieses Abschnitts medizinischer Wissenschaft: Welche Substanzen produzieren einen besonders großen Anteil freier Radikale im menschlichen Körper? Hoch ungesättigte Fettsäuren, also genau diejenigen Substanzen, die man jahrelang mit der Nahrung zugeführt hatte, um Arteriosklerose zu vermeiden …

Und die Moral von der Geschicht’?

Jede wissenschaftliche Erkenntnis zeigt einen Ausschnitt der Wahrheit. Viele Teilaspekte zusammen ergeben wie in einem Puzzlespiel das richtige Gesamtbild. Aber wir sollten trotz unseres wissenschaftlichen Zeitalters nicht vergessen, dass auch heute noch sehr viele Puzzleteile ihrer Entdeckung harren und das bereits vorhandene Wissen abrunden und oftmals völlig verändern werden.

Bewusstsein und Maharishi Ayur-Veda

Bei näherer Beschäftigung mit dem Maharishi Ayur-Veda überrascht seine tiefe Weisheit und innere Systematik. Die einleitende Schilderung von Maharishi Bharadwaja kann uns zeigen, dass mit einem erweiterten menschlichen Bewusstsein Zusammenhänge mindestens genauso richtig und verlässlich wahrgenommen werden können wie mit den Methoden der modernen Medizin. Ohne die Fähigkeit zu innerer Schau und Erkenntnis wäre die Vollständigkeit und jahrtausendelange Gültigkeit des Ayurveda nicht nachvollziehbar und bliebe unverständlich. Aus diesem Zusammenhang heraus wird begreiflich, dass dem Maharishi Ayur-Veda ein anderer Stellenwert beigemessen wird als anderen medizinischen Systemen.

Während viele Erkenntnisse der Naturheilverfahren und der modernen Medizin von Forschern im normalen Tagesbewusstsein durch logische Überlegungen herausgefunden wurden und durch medizinische Experimente immer weiter ausgebaut, erweitert, berichtigt und überprüft werden können, existiert das ayurvedische Wissen sozusagen als erfahrbare Struktur der Naturgesetze innerhalb des menschlichen Bewusstseins (siehe Kapitel 3.9 »Gandharva-Veda: die Heilkraft der Klänge«).

Der Maharishi Ayur-Veda geht davon aus, dass jeder Mensch einen Bewusstseinszustand entwickeln kann, der ihm erlaubt, fehlerfrei und wiederholbar die feinsten Mechanismen der Schöpfung wahrzunehmen. Dieser Bewusstseinszustand wird normalerweise nur unter günstigen Bedingungen erlangt und braucht lange Zeit, bis er dauerhaft und verlässlich entwickelt ist. Aber immer wieder gab es zu allen Zeiten und in allen Teilen der Erde Menschen, die über dieses unerschütterliche, erweiterte und fehlerfreie Bewusstsein verfügen. Ihre Aussagen und Wahrnehmungen gehen weit über die eines durchschnittlichen Menschen hinaus und haben einen Wahrheitsgehalt, der von Menschen gleicher Bewusstseinsebene bestätigt und immer wieder nachvollzogen werden kann.

Vergleicht man den experimentellen Weg, sich Wissen zu erschließen, mit der Möglichkeit, Erkenntnisse mit einem erweiterten Bewusstseinszustand aufzunehmen, sollten sich beide Ansätze in ihren Ergebnissen decken. Der Maharishi Ayur-Veda geht davon aus, dass es einen subjektiven und einen objektiven Weg gibt, Wissen zu erlangen. Diese beiden Möglichkeiten schließen sich jedoch nicht gegenseitig aus. In der heutigen Zeit ist es äußerst sinnvoll, dass auch die subjektiv gewonnenen Erkenntnisse wissenschaftlich überprüft werden. Da das Tagesbewusstsein erfahrungsgemäß starken Schwankungen unterworfen sein kann und viele Fehlerquellen enthält – »Irren ist menschlich!« –, ist es richtig und notwendig, dass sich die medizinische Wissenschaft entwickelt hat, um durch genau kalkulierte Überprüfungen die Fehlerquote möglichst gering zu halten.

Dies erhöht die Sicherheit bei der Anwendung der in tiefer Schau gesammelten Erkenntnisse. An der systematischen Überprüfung in der äußeren Welt zeigt sich nämlich, ob die inneren Erfahrungen tatsächlich richtig und jederzeit objektiv nachprüfbar sind. (Und man kann sie nicht zuletzt gegen Scharlatanerie abgrenzen, die im so schwer nachvollziehbaren Bereich des Bewusstseins theoretisch immer möglich ist.)

1.2 Der Bauplan des menschlichen Köpers und Geistes

Der Maharishi Ayur-Veda basiert auf einem umfassenden Weltbild, in dem der Mensch als Teil der gesamten Schöpfung verstanden wird.

Die rishis, die Seher aus dem Himalaya, haben zwei verschiedene Bereiche innerhalb der Schöpfung unterschieden: das Absolute, Unveränderliche sowie das Relative, das sich ständig ändert, jedoch aus dem absoluten Bereich hervorgeht. Innerhalb der beiden Bereiche absolut – relativ bzw. unveränderlich – veränderlich haben die Weisen in ihrer inneren Schau des Gesamtkosmos eine Fülle verschiedener Einzelheiten wahrgenommen. Sie beschreiben in minutiösen Schritten, wie sich die gesamte Materie aus dem Bereich des reinen Bewusstseins entwickelt, aufrechterhält und sich auch von diesem Bereich aus umstrukturieren lässt. (Die faszinierenden Strukturen auf der feinsten Ebene sprengen den Rahmen dieses Buches. Wollen Sie sich intensiver damit beschäftigen, können Sie diese Details in verschiedenen Maharishi Ayur-Veda-Kursen kennen lernen.)

Die Rishis erfuhren das reine Bewusstsein als den eigentlichen Ursprung der Schöpfung, aus dem sich alle anderen Strukturen innerhalb des Kosmos entfalten. Es ist die Basis für alle Dinge in der äußeren Welt, die wir normalerweise mit unseren Sinnen wahrnehmen. Dieser stille, unveränderliche Bereich am Urgrund aller Dinge wird in den klassischen Texten als Samhita (Ganzheit) bezeichnet. Im Zustand der Samhita befindet sich

Entfaltung der Naturgesetze aus dem Bereich des reinen Bewusstseins. Reines Bewusstsein, der unmanifeste Ursprung aller Naturgesetze, entfaltet aus sich heraus zuerst acht grundlegende Werte der Natur, die auf der subjektiven Ebene Ego, Geist, Intellekt und die fünf Sinne sind. Das Zusammenwirken und die Kombination dieser acht Werte strukturieren die Naturgesetze. Daraus entsteht die manifeste Gestalt der Schöpfung.

die gesamte äußere Schöpfung sozusagen als Möglichkeit oder in Samenform.

Erstaunlicherweise entspricht der Zustand von Samhita oder das reine Bewusstsein genau dem vor Jahren in der Physik postulierten Vereinheitlichten Feld aller Naturgesetze. Westliche Forscher drangen im Laufe der letzten Jahrzehnte in immer feinere Bereiche der Materie ein. Noch im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts waren unsere Physiker ebenso wie die alten Griechen davon überzeugt, dass das Atom die kleinste untrennbare Einheit der Materie sein müsste. Mit wachsenden technischen Möglichkeiten konnte man jedoch immer kleinere Bruchstücke der Atome experimentell untersuchen. Zuerst waren dies immer noch zunehmend feinere und kleinere Materieteilchen, später jedoch handelte es sich nur noch um Lichtemissionen (Ausstrahlungen von Licht) oder sich drehende Schwingungen, die sogenannten Spins.

Den Bereich des Vereinheitlichten Feldes kann man bis zum jetzigen Zeitpunkt durch Experimente nicht sichtbar machen, aber aufgrund theoretischer Ableitungen beschrieben ihn die Physiker genau und ordneten ihm bestimmte Eigenschaften zu. Sie definieren das Vereinheitlichte Feld als denjenigen Bereich in der Schöpfung, aus dem sich alle Naturgesetze entfalten und der allen Erscheinungsformen des Weltalls zu jedem Augenblick gleichermaßen und unveränderlich zugrunde liegt.

Setzt sich das Vereinheitlichte Feld selbst in Bewegung, verdichten sich die daraus entstehenden Schwingungsmuster immer mehr – so entstehen aus feinsten Schwingungen und Feldern in systematisch aufeinander aufbauenden Schritten nach und nach atomare Teilchen, die sich zu Atomen zusammenfinden, und daraus Moleküle, die Bausteine der menschlichen Zellen. Diese verbinden sich zu Gewebestrukturen, letztendlich zu Organen und zum menschlichen Körper.

Genau diese Aussage haben die alten Rishis über die Samhita, den Ursprung der Schöpfung, gemacht, mit dem großen Unterschied, dass sie aufgrund persönlicher Erfahrung davon ausgingen, dass dieser Bereich gleichzeitig auch die Basis des menschlichen Bewusstseins ist. Darüber hinaus kannten sie eine Anzahl verschiedener Bewusstseinstechniken, um diese stille Ebene im menschlichen Bewusstsein praktisch zu erfahren und zu beleben. Und sie beschrieben die subjektive Erfahrung des Bereichs des Vereinheitlichten Feldes als die Erfahrung von Glückseligkeit, Liebe, Ausdehnung, Quelle allen Wissens (Intuition), sich mit allem anderen in der Schöpfung verbunden fühlen. Je mehr die Erfahrung des Vereinheitlichten Feldes im menschlichen Bewusstsein belebt wird, desto stärker wird diese Schatzkiste positiver Qualitäten und Lebensgefühle automatischer Bestandteil des täglichen Lebens. Fazit: Niemand wird bezweifeln, dass der Mensch aus handfester Substanz besteht, wir können ihn sehen, riechen, hören, kurz mit all unseren fünf Sinnen ausmachen. Genauso unzweifelhaft ist aber auch, obwohl wir uns dessen im Alltagsleben nur selten bewusst sind, dass sich jeder Mensch gleichzeitig aus diesem unsichtbaren und unbewegten, alles durchdringenden Feld ständig wieder aufs Neue erschafft. Diese tiefe Wahrheit, mit der die Menschen mit einem verfeinerten Bewusstsein schon von alters her vertraut waren, dämmert uns Westlern erst heute: Die Materie, die uns so greifbar sicher erscheint, ist pure Illusion. Der Abstand eines Elektrons vom Atomkern ist im Verhältnis genauso groß wie der des Mondes von unserer Erde. Damit besteht jeder von uns hauptsächlich aus luftleerem Raum, aus einer intelligenten Verbindung von Lücken. Überdies tauschen wir pausenlos Atome mit unserer Umgebung aus. Nach einem Jahr finden sich nur zwei Prozent der Atome in unserem Organismus, die zuvor darin enthalten waren. Trotzdem bestehen wir als unverwechselbares Individuum weiter!

Damit all die unzähligen Atome immer wieder richtig an ihren Platz finden und all die zigtausend Stoffwechselschritte in unserem Organismus fehlerfrei ablaufen können, braucht es eine Steuerung, einen zarten Bauplan. Mit einem Wort, es braucht das Bewusstsein, das sich nach geordneten Mustern in Schwingung versetzt und dadurch einen ganzen Menschen mit all seinen unverwechselbaren Eigenschaften bildet.

Und genau darum geht es im Maharishi Ayur-Veda: Wie sind die ordnenden Kräfte beschaffen, die allem in der Schöpfung zugrunde liegen? Wie kann man sie zum Wohle der Menschen, für ein langes Leben und eine gute Gesundheit einsetzen?

1.3 Die drei Doshas – Welcher Typ bin ich?

Das letzte Kapitel über den Bereich aller Naturgesetze im menschlichen Bewusstsein könnte unter dem Motto stehen: »Alle Menschen sind gleich!« Denn die Rishis haben dieselben Grundstrukturen für jeden Menschen wahrgenommen, klassifiziert und uns überliefert.

Trotzdem ist das Gegenteil genauso wahr und springt auf den ersten Blick sogar deutlicher ins Auge: »Alle Menschen sind verschieden!« Für den Ayurveda bilden beide Aussagen keinen Widerspruch: Die energetischen Grundstrukturen und geistigen Grundbausteine der Materie, also auch des Menschen, sind identisch; diese grundlegenden Schwingungsmuster ergeben trotzdem eine höchst individuelle Ausdifferenzierung.

Die Besonderheiten jedes einzelnen Menschen sind im Maharishi Ayur-Veda sogar besonders wichtig. Wenn Sie eine ayurvedische Sprechstunde aufsuchen, wird Ihnen dies gleich auf den ersten Blick deutlich. Der Arzt wird sich bei der Diagnose besonders viel Zeit für Sie nehmen. Und er wird Ihnen jede Mengen Fragen stellen, die Sie sonst von einem Arzt nicht erwarten: Wie Ihr Stuhlgang aussieht, wie Sie mit Problemen umgehen, welche Art von Träumen Sie haben, welche Speisen mit welchen Geschmacksrichtungen Sie am liebsten mögen und vieles mehr, was vielleicht für Sie keinen sichtbaren Zusammenhang haben mag. Zusätzlich untersucht der Arzt Sie sehr gründlich. So sieht er sich zum Beispiel die Zunge und die Fingernägel an, untersucht die Augen, den Körperbau und den Gesichtsschnitt, ebenso wie er die Beschaffenheit Ihrer Haut und Gelenke einer Prüfung unterzieht. Sicherlich wird er auch eine Pulsdiagnose vornehmen und das alles auch dann, wenn Sie vielleicht nicht einmal eine offensichtliche Krankheit haben.

Mit all diesen Einzelheiten bestimmt der Arzt Ihren individuellen Konstitutionstyp nach ayurvedischen Kriterien. Er geht davon aus, dass jeder Mensch verschieden ist, nicht nur was sein Aussehen, sondern auch was seine Psyche und seine Stoffwechselmuster betrifft. Erst wenn diese Besonderheiten ein abgerundetes Bild ergeben, kann eine sinnvolle Therapie für den einzelnen Patienten maßgeschneidert werden. Da er das ganz besondere, einzigartige Element des Einzelnen berücksichtigt und in ein bewährtes System einordnet, bietet der Arzt individuelle und damit tiefgreifende Hilfsmaßnahmen an, um das seelisch-körperliche Gleichgewicht wiederherzustellen.

Im Ayurveda weiß man, dass jeder Mensch über eine individuelle Konstitution verfügt, die ihn von anderen Menschen unterscheidet. Kennt man diese individuelle Konstitution, kann man auch die Besonderheiten seines Stoffwechsels, seines Verhaltens, seiner Stimmungen und Eigenarten besser verstehen. Und jeder Einzelne kann dann genauer erkennen, wann er in Harmonie mit sich und seiner Umwelt ist oder wann er beginnen sollte, etwas für sein Gleichgewicht und seine Gesundheit zu tun.

Die Einteilung und Beschreibung der individuellen Konstitution basiert auf den drei doshas: vata, pitta und kapha. Diese können als feinste Stoffwechsel- und Strukturprinzipien des menschlichen Körpers verstanden werden. Betrachten Sie noch einmal die vorhergehende Abbildung. Die Doshas sind die strukturierenden Kräfte, die Naturgesetze auf einer sehr feinen Ebene, noch ganz nah dem Bereich der Samhita. Sie bestimmen die Art und Weise, in der die Materie sich verdichtet, ihre formgebenden Kräfte bilden die Organe und regulieren ihr Zusammenspiel mit all ihren Funktionen. Sie entsprechen drei steuernden Energien, die allen körperlichen und geistigen Funktionen zugrunde liegen. Ihr harmonisches, ungestörtes Zusammenspiel bildet im Maharishi Ayur-Veda die wichtigste Voraussetzung für körperliche und geistige Gesundheit. Umgekehrt müssen die drei Doshas wieder ins Gleichgewicht gebracht werden, wenn Krankheiten vorhanden sind.

Um die drei Doshas näher kennen zu lernen, können Sie mit den folgenden, einfachen Fragen feststellen, welcher Konstitutionstyp bei Ihnen dominiert.

So wird es gemacht: Beantworten Sie alle Fragen der drei Bereiche. Kreuzen Sie dort an, wo Ihre Aussagen im Allgemeinen, etwa generell im letzten Halbjahr – nicht nur für die letzten Tage oder Wochen – zutreffen. Die Ziffer 0 bedeutet »Nein, stimmt überhaupt nicht«, die Ziffer 6 bedeutet »Ja, stimmt genau«. Die anderen Bewertungspunkte liegen dazwischen.

Vata

Vata ist das Bewegungsprinzip. Ausgewogenes Vata bedeutet Energie, Wachheit, Schnelligkeit und Kreativität.

Testabschnitt Vata nein          jaIch bin lebhaft und begeisterungsfähig. 0 1 2 3 4 5 6 Ich bin gesprächig. 0 1 2 3 4 5 6 Ich werde leicht aufgeregt. 0 1 2 3 4 5 6 Ich werde leicht ängstlich und besorgt. 0 1 2 3 4 5 6 Es fällt mir schwer, Entscheidungen zu treffen. 0 1 2 3 4 5 6 Ich handle schnell. 0 1 2 3 4 5 6 Ich gehe schnell. 0 1 2 3 4 5 6 Ich kann Neues schnell aufnehmen. 0 1 2 3 4 5 6 Ich kann schlecht auswendig lernen und behalten. 0 1 2 3 4 5 6 Ich schlafe schlecht ein und wache zwischendurch oft auf. 0 1 2 3 4 5 6 Ich habe oft trockene Haut, besonders im Winter. 0 1 2 3 4 5 6 Ich bekomme leicht kalte Hände und Füße. 0 1 2 3 4 5 6 Kaltes Wetter ist mir ungemütlich. 0 1 2 3 4 5 6 Ich neige zu Blähungen oder Verstopfung. 0 1 2 3 4 5 6 Ich habe einen leichten Körperbau und nehme schwer zu.0 1 2 3 4 5 6 Summe der Bewertungspunkte: ___________

Pitta

Pitta ist das Hitze- und Stoffwechselprinzip. Ausgewogenes Pitta sorgt für gute Verdauung, klaren Intellekt und Zufriedenheit.

Testabschnitt Pitta nein          jaIch habe einen scharfen Intellekt. 0 1 2 3 4 5 6 Ich neige zu Perfektionismus. 0 1 2 3 4 5 6 Ich neige zu präzisem und methodischem Arbeiten. 0 1 2 3 4 5 6 Ich folge gern eigenen Vorstellungen, bin auch mal eigenwillig.0 1 2 3 4 5 6 Ich werde leicht ungeduldig. 0 1 2 3 4 5 6 Ich werde ziemlich schnell gereizt oder ärgerlich. 0 1 2 3 4 5 6 Ich brause leicht auf, beruhige mich aber schnell wieder. 0 1 2 3 4 5 6 Mein Haar hat mindestens eines der folgenden Merkmale: dünn, seidig, blond, strohblond, rötlich, frühzeitig grau oder Haarausfall.0 1 2 3 4 5 6 Ich verdaue gut und kann alles essen, was ich will. 0 1 2 3 4 5 6 Ich kann mehr essen als die meisten Menschen meiner Größe. 0 1 2 3 4 5 6 Bei Verzögerung/Ausfall des Essens fühle ich mich unwohl oder gereizt. 0 1 2 3 4 5 6 Ich habe sehr regelmäßig Stuhlgang, selten Verstopfung. 0 1 2 3 4 5 6 Ich schwitze leicht. 0 1 2 3 4 5 6 Ich fühle mich unwohl bei heißem Wetter – lieber zu kalt als zu heiß.0 1 2 3 4 5 6 Ich liebe kalte Speisen, Eiscreme und gekühlte Getränke. 0 1 2 3 4 5 6 Summe der Bewertungspunkte: ___________

Kapha

Kapha ist für Struktur und Festigkeit verantwortlich. Ausgewogenes Kapha verleiht Stärke, Ausdauer, Widerstandskraft, Stabilität und ein ausgeglichenes Temperament.

Testabschnitt Kapha nein           ja Andere Leute empfinden meine Natur als angenehm. 0 1 2 3 4 5 6 Es dauert lange, bis ich ärgerlich oder gereizt werde. 0 1 2 3 4 5 6 Ich neige zu geruhsamem, gemütlichem Tun. 0 1 2 3 4 5 6 Mein Gang ist langsam, fest und stabil. 0 1 2 3 4 5 6 Ich habe ein ausgezeichnetes Langzeitgedächtnis. 0 1 2 3 4 5 6 Kühles, feuchtes Wetter und Nebel sagen mir am wenigsten zu.0 1 2 3 4 5 6 Meine Haut ist weich und sanft. 0 1 2 3 4 5 6 Im Grunde bin ich ein friedlicher Mensch und schwer aus der Fassung zu bringen.0 1 2 3 4 5 6 Mein Schlaf ist tief und fest. 0 1 2 3 4 5 6 Bei weniger als acht Stunden Schlaf fühle ich mich tagsüber unwohl.0 1 2 3 4 5 6 Ich neige zu starker Schleimbildung und zu Völlegefühl. 0 1 2 3 4 5 6 Ich neige von jeher zur Molligkeit. 0 1 2 3 4 5 6 Ich nehme sehr schnell zu. 0 1 2 3 4 5 6 Wenn ich zu tun habe, kann ich leicht auf meine Mahlzeit verzichten.0 1 2 3 4 5 6 Mein Körperbau ist eher athletisch. 0 1 2 3 4 5 6 Summe der Bewertungspunkte. ___________

Vergleichen Sie die Endsummen der drei Testabschnitte miteinander, und stellen Sie fest, welcher Fragenbereich die höchste Punktzahl hat. Hier liegt die Dominanz Ihres individuellen Konstitutionstyps.

Höchste Punktzahl bei Vata: Vata ist für jede Bewegung verantwortlich. Es steuert den Atem, transportiert Stoffe im Organismus, bewirkt alle Ausscheidungen und Nervenimpulse. Vata-Menschen haben einen leichten Knochenbau und geringes Gewicht. Sie nehmen schwer zu und haben dabei einen unregelmäßigen Appetit. Sie sind lärmempfindlich und reagieren heftig auf Klänge. Da sie leicht frieren, fühlen sie sich in der Hitze wohl und essen und trinken gerne heiß. Sie sind flexibel, begeisterungsfähig, fantasievoll und gesprächig. Ihre Grundstimmung ist heiter.

Höchste Punktzahl bei Pitta: Pitta ist das Stoffwechselprinzip schlechthin. Es ist verantwortlich für Verdauung, Assimilation und Körperwärme ebenso wie für Sehschärfe und Intellekt. Menschen mit einer Dominanz von Pitta haben einen guten Stoffwechsel. Sie haben einen schlanken und muskulösen Körperbau von mittlerer Statur. Das Haar ist fein, oft rötlich und neigt zu frühzeitigem Ergrauen. Sie haben einen scharfen Intellekt, sind gute Redner und haben einen regen Geist. Sie sind ehrgeizig, erfinderisch, gut strukturiert und ordentlich, entscheidungsfreudig und gutmütig. Ihre Grundstimmung ist fröhlich.

Höchste Punktzahl bei Kapha: Kapha bewirkt Beständigkeit und Stabilität. Es hält die verschiedenen Körperstrukturen zusammen, fördert Masse, Gewicht, Widerstandskraft und Fruchtbarkeit. Menschen mit einer Dominanz von Kapha haben einen stabilen Körperbau mit ausgeprägter Muskulatur. Sie sind erdverbunden und verlassen sich auf ihre Körperempfindungen. Sie zeigen viel Ausdauer, körperliche Arbeit tut ihnen gut. Geduld, Seelenstärke und Sanftmut zeichnen sie ebenso aus wie Großzügigkeit und Verlässlichkeit.

Bei jedem Menschen lassen sich grundsätzlich Vata-, Pitta- und Kapha-Anteile finden, auch wenn diese unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Verschiedene Menschen unterscheiden sich daher im Grad der Dominanz, dem Grad der Vorherrschaft verschiedener Doshas, was natürlich zu gravierenden Unterschieden zwischen einzelnen Menschen führt.

Haben Sie in zwei Testabschnitten eine ähnliche Punktzahl erreicht, sind Sie ein Mensch mit einer doppelten Dosha-Dominanz, von denen es drei gibt: Vata-Pitta, Vata-Kapha und Pitta-Kapha. Nicht ganz so häufig sind Menschen, bei denen alle drei Doshas gleich stark ausgeprägt sind – sie zeichnen sich erfahrungsgemäß durch eine besondere seelische und körperliche Belastbarkeit und eine auffallend gute Gesundheit aus.

Der Test hat Ihnen den Ausprägungsgrad der drei Doshas in Ihrer individuellen Konstitution gezeigt. Trotzdem sind die Doshas ständigen Schwankungen unterworfen, denn alles, was ein Mensch tut und erlebt, was er isst und über die Sinne aufnimmt, beeinflusst die Ausprägung und das Zusammenspiel der drei Doshas (siehe Kapitel 3.7 »Leben im Einklang mit biologischen Rhythmen«). Daher kann man nur von der Dominanz eines Typs sprechen, denn Änderungen dieser Grundstruktur sind von vornherein vorprogrammiert. (Weitere Merkmale der verschiedenen Typen können Sie im Kapitel 10.1 »Welchen Konstitutionstyp hat mein Kind?« nachschlagen.) Bitte beachten Sie auch, dass die Konsultation bei einem mit Maharishi Ayur-Veda erfahrenen Arzt naturgemäß sehr viel umfassendere Bewertungskriterien enthält, als es mit einem Fragebogen möglich ist. Ganz sicherlich wird er ebenfalls eine ayurvedische Pulsdiagnose bei Ihnen vornehmen, die ihm weitere Aufschlüsse über Ihre momentane Dosha-Verteilung geben wird. Eine ganz genaue »Konstitutionstypenbestimmung« kann dementsprechend vom ersten, groben Ergebnis des Tests abweichen. Hinzu kommt, dass der Arzt selbstverständlich nicht nur die allgemeine Dominanz der Doshas bei Ihnen bestimmt, sondern dass er das Hauptgewicht auf die vorhandenen Störungen legt – auch diese ordnet er den verschiedenen Doshas zu. So überlagert sich die Grundkonstitution eines Menschen im Laufe seines Lebens normalerweise durch erworbene Störungen – oder, was der eigentliche Sinn des Maharishi Ayur-Veda ist, durch eine Besserung in Richtung auf einen ausgewogeneren Zustand. Interessiert Sie die völlig unbeeinflusste Verteilung der Doshas zum Zeitpunkt der Geburt, also Ihre ganz genaue Grundkonstitution, ohne subjektive Einflüsse und Verschiebungen durch Ihre momentane Verfassung, kann Ihnen dies ein erfahrener Jyotish-Experte (jyotish: inneres Licht, die Astrologie des Maharishi Ayur-Veda) aus dem Stand der Planeten zu Ihrer Geburt errechnen (siehe Kapitel 2.18 »Maharishi Jyotish – Familienplanung …«).

1.4 Gestörte Doshas ausgleichen

Sie haben bisher den Idealzustand der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha kennen gelernt, wenn sie bei einem Menschen im Gleichgewicht sind. Bei den meisten Menschen kann man jedoch Störungen dieser drei Grundkräfte feststellen, die Sie daher ebenfalls kennen lernen sollten.

Störungen des Vata-Dosha

Ist Vata erhöht, neigen die Menschen dazu, sich Sorgen und übermäßig viele Gedanken zu machen. Nervosität, Ruhelosigkeit, Ängste und Schlaflosigkeit sind die Folge. Oft neigen Vata-Menschen zu trockener Haut, Verstopfung und schlechter Verdauung der Nahrung. Typische Leiden sind Rückenschmerzen, kalte Hände und Füße. In Stressituationen neigen sie dazu, sich zu verausgaben und sich nicht genügend auszuruhen.

Um das Übermaß an Vata wieder abzubauen, müssen Körper und Geist so viel Ruhe wie möglich bekommen. Also ausreichend Ruhe und Schlaf, Ruhe durch Meditation und andere Formen der Entspannung. Ein geregelter Tagesablauf ist ebenso wichtig wie regelmäßige, warme Mahlzeiten und genügende Wärmezufuhr.

Störungen des Pitta-Dosha

Ein Pitta-Typ lässt sich nicht so schnell wie der Vata-Typ aus dem Gleichgewicht bringen. Ist er jedoch aus dem Lot, wird er zum Perfektionisten. Unter Stress neigt er zu Zornesausbrüchen, Ungeduld und Gereiztheit. Typisch ist jedoch, dass er nicht nachtragend ist: So schnell er sich aufregt, so schnell beruhigt er sich auch wieder. Ausschläge, empfindliche, gerötete oder unreine Haut sowie die Neigung zu allerlei Entzündungen sind Anzeichen eines gestörten Pitta. Auch zügelloser Appetit zeigt die Ansammlung von Pitta an.

Zum Ausgleich sollte ein Mensch mit Pitta-Dominanz alles in Maßen tun und sich Zeit für sich selbst nehmen.

Hitze ist zu meiden, kühle Getränke oder eine kühle Kompresse wirken oft Wunder. Menschen mit ausgleichendem Charakter in seinem Umfeld besänftigen ihn, überkritische Zeitgenossen sollte er hingegen meiden.

Störungen des Kapha-Dosha

Aus dem Gleichgewicht geraten, werden Kapha-Personen leicht übergewichtig. Insbesondere an Beinen und am Gesäß neigen sie zum Fettansatz. Geiz, Passivität und Schlafsucht sind Zeichen einer Kapha-Störung. Ebenso, wenn ein Mensch dumpf, antriebsarm, faul und depressiv ist. Wassereinlagerungen im Gewebe, Übelkeit und Völlegefühl, aber auch schleimiger Auswurf oder Schnupfen sind typische Anzeichen einer Kapha-Vermehrung des Organismus.

Den trägen Stoffwechsel gleicht ein Mensch mit Kapha-Dominanz am besten mit vermehrter körperlicher Betätigung, leichtem und warmem Essen und scharfen Gewürzen aus. Gerne darf das Frühstück einmal ausfallen. Ausreichende Stimulanz im geistigen und körperlichen Bereich erhöht seine Vitalität.

Im Verlaufe der verschiedenen Themenkreise für Mütter und Kinder werden Sie die Doshas und ihre Störungen in ihrer praktischen Anwendung noch genauer kennen lernen. Denn während verschiedener Lebensphasen ändert sich das Zusammenspiel der Doshas, sei es während der Zeit der Menstruation (siehe Kapitel 2.13 »Der weibliche Zyklus« und 2.14 »Verhaltensempfehlungen für ›die Tage‹«), sei es in der Schwangerschaft (Kapitel 3) oder im Wochenbett (Kapitel 7).

Als Faustregel jeder ayurvedischen Therapie gilt: Alle Störungen werden ganz natürlich durch ihr Gegenteil ausgeglichen: Unruhe durch Ruhe, Trägheit durch Aktivität, Kälte durch Hitze und umgekehrt. Will man die Doshas ausgleichen und den Organismus in ein harmonisches Gleichgewicht bringen, kann man dies mit Hilfe der Ernährung, der Tageszeiten, von Meditation, durch Kräuterpräparate, die richtige Architektur in der Umgebung, kurzum mit allen Ansätzen des Maharishi Ayur-Veda tun.

1.5 Subdoshas, Dhatus und die Pulsdiagnose

Jedes der drei Doshas besteht seinerseits aus fünf noch weiter differenzierten Strukturprinzipien, den Subdoshas. Diese Unterdoshas beschreiben sehr genau die Wirkungsweise der Hauptdoshas Vata, Pitta und Kapha in verschiedenen Organsystemen und Körperteilen. Das Studium der Subdoshas ist ungeheuer faszinierend und lässt die Feinabstimmung des menschlichen Organismus in noch genaueren Zusammenhängen verstehen. Statt einer trockenen Tabelle an dieser Stelle finden Sie die Subdoshas später im Buch immer dann beschrieben, wenn sie im Sinnzusammenhang stehen und zum besseren Verständnis verschiedener Lebensphasen und Störungsmuster sinnvoll sind.

Die beiden wichtigsten Unterdoshas von Vata, die in diesem Buch häufiger vorkommen, seien hier jedoch im Detail beschrieben.

Ist Vata ausgeglichen, ruht seine steuernde Energie um den Bauchnabel herum. Von dort aus bewegt es sich bei Bedarf nach unten und verursacht die nach abwärts gerichteten Bewegungen und Ausscheidungen. Im Unterleib sitzt das Apana-Vata (apana: Abwärtsbewegung), es entleert die Blase, den Darm und scheidet das Menstruationsblut während der Zeit der Regel aus. Auch für die Wehentätigkeit und die Austreibung des Babys während der Geburt ist es verantwortlich. Anschließend bewirkt es die Nachwehen in der Nachgeburtsperiode.

Das udana-Vata wird aktiv, wenn Vata sich vom Nabel aus nach oben bewegt. Es sitzt im Brustraum und verursacht Husten, Niesen, Aufstoßen, es unterstützt die gedankliche Aktivität. Es lässt die Muttermilch in die weibliche Brust einschießen, und die durch Udana-Vata verursachten Kontraktionen öffnen die Milchgänge zu Beginn des Stillvorgangs.

Neben den drei Doshas mit ihren jeweils fünf Subdoshas unterscheidet der Ayurveda in der Struktur des menschlichen Körpers noch sieben dhatus, die Gewebselemente. (Ich werde Ihnen hier nur einführende Informationen geben, die Sie für das Verständnis der Sinnzusammenhänge dieses Buches benötigen, weitere Details und Anwendungen für das praktische Leben können Sie in Lehrgängen der Maharishi University kennen lernen.)

An erster Stelle steht die Nahrung, die der Mensch assimiliert. Die Anteile der Nahrung, die nach einer Mahlzeit in das Blut aufgenommen werden und durch dieses in die verschiedenen Bereiche des Körpers gelangen, nennt der Ayurveda rasa. Ist Rasa reichhaltig und stark, bekommt der Mensch einen starken, wohlgenährten Körper, seine Vitalität ist gut, er fühlt sich leistungsstark und ausgeglichen.

Asthi ist das Gewebe, das Knochen, Haare und Nägel hervorbringt, es steuert deren Stoffwechsel und ihren Aufbau. Die Nahrungsbausteine werden zuerst im Magen-Darm-Trakt assimiliert und dann in den Körperzellen in Gewebe transformiert – unserer heutigen Medizin zufolge ein rein materieller Prozess. Der Maharishi Ayur-Veda aber weiß, dass auch dies die geistige Unterstützung durch die Kraft des Bewusstseins erfordert. Die Umwandlung von einem Gewebe in das nächste geschieht immer unter Vermittlung von ojas, der feinsten Qualität von Körper und Geist. Hat sich die Nahrung durch die ersten sechs Dhatus transformiert, entsteht in der letzten Umwandlungsstufe, wiederum unter Vermittlung von Ojas, das shukra-Dhatu. Dieses sieht der Maharishi Ayur-Veda als das Endprodukt der Nahrungskette an, die Essenz des Organismus, die der Körper am intensivsten schützt. Das Shukra-Dhatu umfasst alle Fortpflanzungsorgane, bei der Frau also auch die Eizellen, beim Mann die Samenzellen. Nur wenn alle Stoffwechselprozesse ungestört und systematisch in der richtigen Reihenfolge ablaufen, sind daher auch die Erbanlagen von optimaler Beschaffenheit.

Die Dhatus sind von guter Qualität, wenn die Stoffwechsel- und Assimilationskraft des Organismus gut funktioniert und das Bewusstsein eines Menschen alle Zellen kraftvoll durchdringt.

Ein Mensch ist nur dann kräftig und gesund, was gleichzeitig bedeutet, dass er glücklich und seelisch ausgeglichen ist, wenn alle diese Anteile der menschlichen Physiologie, die steuernde Funktion der Subdoshas und der Aufbau der Dhatus gut zusammenarbeiten.

Neben den vielen Fragen und körperlichen Merkmalen, denen der Maharishi Ayur-Veda-Arzt während einer Konsultation nachgeht, gehört auch die Pulsdiagnose zu einer guten Betreuung des Patienten. So erstaunlich es klingt: Dieses einfache und natürliche Diagnose-Instrument ist so ausgefeilt, dass man mit einiger Praxis daran nicht nur den Zustand der drei Hauptdoshas, sondern auch die Aktivität der Subdoshas beim Individuum feststellen kann. Der Geübte kann damit Störungen von ausgeglichener Funktion unterscheiden, ebenso wie die Vorherrschaft eines oder mehrerer Doshas im gesunden wie im kranken Bereich. In tieferen Ebenen gibt der Puls zusätzlich Auskunft über die Dhatus und somit über den Zustand der Gewebe, ihrer Stoffwechselkraft oder ihrer Störung. Nicht zuletzt können Heiltendenzen daran ebenso abgelesen werden wie Verschlechterungen des Gesundheitszustands. Und das Erstaunlichste ist: Obwohl die Pulsdiagnose so viele einzelne Aspekte unterscheidet und bewertet, können ihre Grundzüge in relativ kurzer Zeit sogar von Laien gelernt werden. Die Pulsdiagnose ist ein Messinstrument, das jeder ständig mit sich führt und das zu jeder Tageszeit Auskunft über die körperlichen und seelischen Funktionen gibt sowie über den Zustand der Balance von Körper und Geist. Schon beim ersten Anzeichen von Ungleichgewicht können daher Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Lange bevor eine Krankheit entsteht, sogar schon vor dem ersten Auftreten minimaler Symptome, können Geist und Körper wieder balanciert werden. Das ist Vorbeugung im umfassendsten Sinn: Der Maharishi Ayur-Veda behandelt auf diese Weise Ungleichgewichte, bevor daraus Krankheiten entstehen können. (Die Maharishi Vedic University bietet nicht nur Ärztekurse in der Pulsdiagnose an. Auch Laien können in Pulsdiagnose-Seminaren die Bedeutung und Wirkungsweise der Doshas, ihrer Subdoshas und Dhatus als Grundlagenwissen kennen lernen und lernen, ihre Funktionsweise am eigenen Puls – und dem ihrer Familienmitglieder! – abzulesen.)

Neben der Diagnose feinster Veränderungen im menschlichen Organismus hat die Pulsdiagnose eine zusätzliche, heilende Komponente. Während man in Stille den Puls liest, kommt man zur Ruhe, zieht sich auf sein eigenes Selbst zurück. Tut ein Arzt dies, gleicht die heilende Kraft der Ruhe während der Pulsdiagnose die Doshas des Patienten aus, denn Störungen im Pulsmuster ziehen automatisch die Aufmerksamkeit des Arztes auf sich. Das gleiche geschieht, wenn ein Mensch seinen eigenen Puls liest. Schon diese ruhige, stille Aufmerksamkeit balanciert die Doshas. Damit ist dies der erste Heilfaktor jeder ayurvedischen Behandlung.

Pulsdiagnose