Das Haus Zamis 141 - Michael M. Thurner - E-Book

Das Haus Zamis 141 E-Book

Michael M. Thurner

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Beschreibung

Der Seher ist vernichtet. Doch das heißt nicht, dass nicht bereits ein neuer Gegner auf die Zamis wartet: Tatkammer verließ mit leisen Schritten das Haus und trat ins Freie. Er sah sich um in dieser widerlich schönen Welt. Die Luft war von Blumengestank erfüllt, irgendein Nachtvogel gab einen Balzruf von sich. Nahrung! Er brauchte dringend etwas zu essen. Tatkammer musste sich neu orientieren und erfahren, welche Art von Geschöpfen hier lebte. Aber er war guter Dinge. Ringsum roch es nach Unschuld, nach Frieden, nach Unverdorbenem. Ja. Das war genau sein Terrain. Er würde sich dieses Land untertan machen. Er würde seine schwarzen Gedanken überall verbreiten wie kleine Seifenblasen, die langsam zueinanderfanden, miteinander verwuchsen und die Welt mit dem Odem der Sünde vergifteten.

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Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Was bisher geschah

PFORTE ZUR HÖLLE

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

mystery-press

Vorschau

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Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Coco Zamis ist das jüngste von insgesamt sieben Kindern der Eltern Michael und Thekla Zamis, die in einer Villa im mondänen Wiener Stadtteil Hietzing leben. Schon früh spürt Coco, dass dem Einfluss und der hohen gesellschaftlichen Stellung ihrer Familie ein dunkles Geheimnis zugrundeliegt.

Die Zamis sind Teil der Schwarzen Familie, eines Zusammenschlusses von Vampiren, Werwölfen, Ghoulen und anderen unheimlichen Geschöpfen, die zumeist in Tarngestalt unter den Menschen leben. Die grausamen Rituale der Dämonen verabscheuend, versucht Coco den Menschen, die in die Fänge der Schwarzen Familie geraten, zu helfen. Ihr Vater sieht mit Entsetzen, wie sie den Ruf der Zamis-Sippe zu ruinieren droht. So lernt sie während der Ausbildung auf dem Schloss ihres Patenonkels ihre erste große Liebe Rupert Schwinger kennen. Auf einem Sabbat soll Coco zur echten Hexe geweiht werden. Asmodi, das Oberhaupt der Schwarzen Familie der Dämonen, hält um Cocos Hand an, doch sie lehnt ab. Asmodi kocht vor Wut und verwandelt Rupert Schwinger in ein Ungeheuer.

In den folgenden Jahren lässt das Oberhaupt keine Gelegenheit aus, gegen die Zamis-Sippe zu intrigieren. So verlangt Asmodi von Coco, einen gewissen Dorian Hunter für ihn töten. Es gelingt Coco, Dorian zu becircen – doch anstatt den Auftrag sofort auszuführen, verliebt sie sich in ihn. Zur Strafe verwandelt Asmodi Dorian Hunter in einen seelenlosen Zombie, der zunächst als Hüter des Hauses in der Villa Zamis sein Dasein fristet.

In Wien übernimmt Coco ein geheimnisvolles Café. Sie beschließt, es als neutralen Ort für Menschen und Dämonen zu etablieren. Zugleich stellt sie fest, dass sie von Dorian Hunter schwanger ist. Coco, Michael und Toth bitten Asmodi um Hilfe gegen die Todesboten, müssen dafür jedoch jeweils ein wertvolles Pfand hinterlegen. Coco gelingt es, das Ungeborene im Totenreich zu verstecken.

Indessen ist Michaels Großtante Fürstin Bredica verstorben. Die Testamentsvollstreckung findet auf ihrer Temeschburg statt. Michael trifft dort seine uneheliche Tochter Juna wieder. Die versammelten Erben bekämpfen sich gegenseitig. Am Schluss überleben außer Skarabäus Toth nur Michael, Thekla, Coco und Juna.

Unterdessen behauptet der Dämon Baalthasar Zebub in Wien, Michael, Thekla und Coco seien tot. Zurück in Wien, gelingt es den Zamis mit Hilfe der Neiddämonin Invidia, Zebub zu vernichten. Michael Zamis übernimmt wieder das Zepter. Die Neiddämonin ist eine der sieben Todsünden aus dem bislang verborgenen Gemälde im Café Zamis. Asmodi verlangt von Michael Zamis, Coco endlich zu einer schwarzen Hexe werden zu lassen. Dies gelingt. Eifersüchtig auf ihre Schwester Juna, versetzt Coco sie mithilfe des Zwerges Ficzkó in die Vergangenheit – in die Dienste der Blutgräfin. Doch Juna taucht wieder auf, als Puppe! Georg versteckt sich mit ihr im Haus der Callas. Von dort verschwinden sie zusammen mit Ficzkó durch einen Schrank, der sich als Dimensionstor entpuppt.

PFORTE ZUR HÖLLE

von Michael M. Thurner

Tatkammer verließ mit leisen Schritten das Haus und trat ins Freie. Er sah sich um in dieser widerlich schönen Welt. Die Luft war von Blumengestank erfüllt, irgendein Nachtvogel gab einen Balzruf von sich.

Nahrung! Er brauchte dringend etwas zu essen. Tatkammer musste sich neu orientieren und erfahren, welche Art von Geschöpfen hier lebte. Aber er war guter Dinge. Ringsum roch es nach Unschuld, nach Frieden, nach Unverdorbenem.

Ja. Das war genau sein Terrain. Er würde sich dieses Land untertan machen. Er würde seine schwarzen Gedanken überall verbreiten wie kleine Seifenblasen, die langsam zueinanderfanden, miteinander verwuchsen und die Welt mit dem Odem der Sünde vergifteten.

Er benötigte, um wieder zu Kräften zu kommen, willfährige und naive Opfer. Solche, deren Ideen er leicht infiltrieren konnte.

Er machte sich auf den Weg.

Die Nacht würde er irgendwo in der Dunkelheit der Natur verbringen, morgen würde er zuschlagen.

1. Kapitel

Normalerweise hätte Tatkammer gleich hier im Haus damit begonnen, seine Arbeit zu verrichten. Aber da waren noch andere, die den Übergang versuchten. Sie drängten nach, sie schoben und drückten durch das Tor.

Monsignore Tatkammer war immer schon vorsichtig gewesen. Er mochte nicht in Auseinandersetzungen zwischen anderen dämonischen Geschöpfen hineingezogen werden. Er wollte in aller Ruhe und unbeobachtet wirken.

Hunger. Er hatte Hunger.

Idylle.

Ja, das war das erste Wort, das Hannah einfiel, wenn sie an ihr neues Zuhause in Tausendgrün dachte.

Kein städtisches Getriebe. Keine nervösen Menschen, keine Hektik, kein Gestank, keine Unfreundlichkeiten.

Ringsum blickte Hannah auf Natur. Da waren im Norden Bäume und Sträucher, über hügeliges Land verteilt, und ein breiter Streifen Mischwald im Süden, in dem die Kinder gerne spielten und den sie aus unerfindlichen Gründen Deutelwald nannten. Unverfälschte Natur, kaum 35 Kilometer von Wien entfernt. Eine andere Welt, in der jeder jeden kannte und in der man in der Gemeinschaft zusammenhielt.

Und dann sind da noch die besoffenen Bauern, die dir blöde Sprüche hinterherrufen und dich mit ihren Blicken ausziehen ...

Hannah strich sich irritiert über die Stirn. Hatte sie das eben gedacht? War sie eingenickt und hatte einen dummen Traum gehabt?

Was waren das bloß für Gedanken, die sie seit einigen Tagen plagten?

Hannahs Rechte tat mit einem Mal weh. Sie starrte auf ihren Zeichenblock. Sie umkrampfte einen Bleistift, einen 6B. Einen Stift mit ihrer Lieblingshärte. Bestens geeignet, um Skizzen mit Leben zu erfüllen und mit passenden Schattierungsstärken Tiefenwirkungen zu erzielen.

Sie hatte die Mine abgebrochen, die Spitze hatte sich durch das Zeichenpapier gebohrt.

Hannah unterdrückte einen Fluch. Fluchen war eine Sünde. Sie verbat sich selbst den Gedanken daran. Schließlich wollte sie ein gutes Beispiel für ihre Kinder, Leo und Karin, sein.

Sie legte den Stift beiseite. Es war spät geworden, sie musste sich auf den Weg machen und die Kinder von der Schule in Neulangbach abholen. Die Zeichnung eines Stars, der in einem Wasserbad stand und fröhlich vor sich hin tschilpte, konnte sie ohnedies nicht mehr retten. Sie würde am Abend von Neuem beginnen müssen und vermutlich die halbe Nacht durcharbeiten müssen.

Sie hatte ihren Abgabetermin bereits um einige Tage überzogen. Irgendwann einmal würde Herr Habeck die Geduld verlieren und sie am Telefon zusammenscheißen, wenn sie ...

Hannah erschrak und schlug sich die Hände vor den Mund, als hätte sie laut gesprochen. Zusammenscheißen?! Wie komme ich bloß auf so ein Wort?

Hastig stand sie auf, streifte ihren Rock glatt, richtete mit einem kurzen Blick in den Vorzimmerspiegel die Haare und verließ das Haus. Ihr Wangen brannten vor Scham.

Lukas kam pünktlich nach Hause, wie immer. Sein Ruf: »Ich bin da, Schatz!« gellte durch die Wohnung, wie immer. Er drückte ihr einen Schmatz auf die Wange, wie immer, und berührte sie sachte an intimen Stellen, wie immer.

»Lass das doch« sagte sie kichernd, wie immer. »Wir können doch später ...«

Hannah hielt inne und sah ihren Mann an. Er hatte Mund und Augen weit aufgerissen.

»Was ist los?«, fragte sie ihn.

»Was du eben, nun ja, gesagt hast ...«, stotterte er, »das habe ich noch nie von dir gehört.«

»Das sage ich doch jeden Tag«, meinte sie irritiert.

»Du meintest, ich solle dich hier und jetzt gleich ... durchficken«, sagte er und schüttelte den Kopf. »Ich solle dich über den Küchentisch legen und ...«

»Das habe ich niemals gesagt!«, fuhr Hannah ihren Mann an. »Was denkst du von mir!«

Lukas zögerte, als wolle er etwas erwidern, ließ es dann aber bleiben. Er lächelte. »Na schön«, sagte er. »Wo sind die Kinder?«

»Sie sind noch im Deutelwald. Holst du sie bitte rein? Das Essen ist in wenigen Minuten fertig. Sie sollen sich gründlich waschen, bevor wir uns zum Abendtisch setzen.«

Lukas nickte, wandte sich ab und ging bei der Hintertür raus, um nach den Kindern zu sehen.

Er sieht so unglaublich dämlich aus, wenn er sich seiner Sache unsicher ist, dachte Hannah. Warum habe ich diesen Waschlappen bloß geheiratet?

Leo und Karin stopften wie immer Unmengen an Essen in sich rein, während sie von ihren Fantasieabenteuern erzählten, die sie auch heute wieder im Deutelwald erlebt hatten.

Hannah betrachtete sie lächelnd und liebevoll. Die Entscheidung, sich ein neues Leben fern der Stadt aufzubauen, war richtig gewesen. Leo und Karin hatten sich nach anfänglichem Gejammer gut auf die neuen Lebensumstände eingestellt. Sie hatten Freunde auf den Gehöften der unmittelbaren Umgebung gefunden, sie genossen die frische Luft und den Auslauf, den sie jeden Tag hatten. Die unverfälschte Natur ließ sie frisch und erholt aussehen und jeden Morgen mit viel Energie aus den Betten springen.

»... war da dieser Monsignore Tatkammer«, hörte sie Leo sagen. »Er ist plötzlich aufgetaucht, hat sich zu uns gesetzt und mit uns gespielt.«

»Monsignore Tatkammer?«, fragte Hannah alarmiert. Sie hatte nie von einem Priester dieses Namens gehört. »Was hat er mit euch denn gespielt?«

»Ach, er hat mit uns Tierfiguren aus Erde und Lehm gebaut«, plapperte Karin unbekümmert drauflos. Sie lud sich einen weiteren Schöpflöffel mit Tofu-Lasagne auf ihren Teller. »Er hat uns gezeigt, wie man die Figuren trocknet und wie man sie mit ein paar Ästen und Blättern aufpeppen kann, ganz echt! Sie haben beinahe wie richtige Tiere ausgesehen. Wie Kühe und Schweine, ganz echt!«

Ganz echt waren Karins neue Lieblingsworte, und sie nervten Hannah gehörig. Doch diese Angewohnheit spielte hier und jetzt keine Rolle. »Hat dieser Monsignore etwas von euch verlangt, das ihr nicht mögt?«, hakte sie nach.

»Nein, gar nicht! Er war einfach nur lustig und hat uns geholfen, ganz echt!«

»Er war sehr geschickt«, ergänzte Leo. »Er hat uns ein paar Tricks gezeigt, wie wir die Figuren auch ohne seine Hilfe basteln können.«

»Ihr wisst genau, dass ihr bei fremden Leuten misstrauisch sein müsst«, mischte sich Lukas erstmals in die Unterhaltung ein. »Es gibt böse Menschen, die böse Dinge tun.«

»Auch hier in Tausendgrün?«, fragte Leo.

»Auch hier in Tausendgrün«, bestätigte Hannah. Sie blickte Lukas an. Er fühlte dieselbe Besorgnis wie sie. So ruhig wie möglich sagte sie: »Wenn Monsignore Tatkammer nochmals auftaucht, möchte ich, dass ihr ihn zu uns ins Haus bittet. Er soll sich bei Papa oder bei mir vorstellen. Wenn er das nicht will, kommt ihr augenblicklich nach Hause gerannt. Habt ihr mich verstanden, ihr beiden?«

»Mach dir keine Sorgen, Mama«, meinte Leo altklug. »Der Monsignore geht auf eine längere Wanderschaft und wird nicht wiederkommen.«

»Er ist verschwunden, nachdem wir mit den Figuren fertig waren, ganz echt.«

»Und das war's?«, fragte Hannah erleichtert.

»Ja«, antwortete Leo für seine kleine Schwester. »Er sagte noch irgendwas Komisches ...«

»Und zwar?«, unterbrach ihn Lukas.

»Irgendwas mit zerstörter, mörderischer Unschuld, Papa. Ich hab's nicht genau verstanden.«

»Anschließend hat er euch in Ruhe gelassen?«

»Richtig. Wir sind alle drei auf den Figuren herumgesprungen, bis sie nur noch Matsch waren, und dann ...«

»Ihr habt sie zerstört?«

»Ja. Das hat richtig Spaß gemacht.«

»Ich ... verstehe«, sagte Hannah und atmete tief durch. »Wenn ihr mit dem Essen fertig seid, könnt ihr noch ein wenig im Garten spielen. Aber ihr bleibt in der Nähe, sodass wir euch jederzeit durch das Wohnzimmerfenster sehen können. Verstanden?«

»Ja!«, riefen die beiden im Duett, schlangen die letzten Bissen der Tofu-Lasagne in sich hinein, brachten das Geschirr in die Küche und huschten in den Vorgarten.

Hannah starrte ihren Mann an, er starrte zurück.

»Wegen solcher Dinge sind wir aus Wien weggezogen«, sagte sie leise.

»Ich bin mir sicher, dass die Kinder übertreiben«, sagte Lukas schwach. »Vielleicht haben sie die Geschichte sogar erfunden. Du kennst doch Karins überbordende Fantasie.«

Hannah schwieg. Ihr Mann wollte sie beruhigen. Doch er spürte selbst die Veränderungen, die mit ihnen und rings um sie vor sich gingen.

Noch war nichts geschehen. Hannah atmete tief durch. Sie würde bei der nächsten Gemeindeversammlung über diesen sonderbaren Monsignore reden müssen. Oder noch besser: Sie würde gleich morgen aufs Amt gehen und die Frau Simmerl warnen. Frau Simmerl, die Gemeindesekretärin. Sie kannte jeden, sie wusste alles. Wenn der vermeintliche Priester schon mal in der Gegend aufgetaucht war und andere Kinder belästigt hatte, würde sie es gehört haben.

Hannah räumte den Rest des Geschirrs beiseite und erledigte gemeinsam mit ihrem Mann den Abwasch. Beide redeten sie nicht viel. Bald danach zog sich Lukas in sein kleines Büro unter dem Dachstuhl zurück. Er hatte zu tun, Hannah ebenfalls.

Sie musste voll schlechten Gewissens an Herrn Habeck denken, der auf weitere Zeichnungen von ihr wartete. Aber sie konnte heute nichts mehr tun. Die Ängste und Sorgen ließen sich nicht einfach so verdrängen. Irrwitzige Szenarien spielten sich in ihrem Kopf ab. Filmschnipsel der schrecklichsten Art. Sie wiederholten sich in einer Endlosschleife.

Es gab bloß eines, das sie beruhigen würde: Im Hobbyraum wartete der schöne Schrank, wie Lukas und sie ihn nannten. Das eigentlich unscheinbare Ding, etwa mannshoch, das sie vor einigen Tagen auf einem Trödelmarkt gesehen und in den sie sich beide augenblicklich verliebt hatten.

Hannah hatte immer schon ein Händchen für Antiquitäten gehabt. Sie konnte die Qualitäten alten Handwerks erkennen. Beim schönen Schrank brauchte es bloß das geeignete Werkzeug und ein wenig Geduld, um das sonderbare Gekritzel auf der Vorderfront zu entfernen und jene naiven Bauernmalereien zum Vorschein zu bringen, die sich unter einer abblätternden Lackschicht verbargen.

Auch die Scharniere gehörten erneuert und einige Holzflächen sorgfältig abgeschliffen sowie mit Kitt ausgebessert. Zwei der Beine musste sie neu leimen ...

Die Arbeit würde sie beruhigen und von Monsignore Tatkammer ablenken.

Zwei Tage zuvor

Mirka hatte das Wochenende frei. Drei ganze Tage! Weit weg vom Dienst, weit weg von dummen Kollegen, bornierten Vorgesetzten und der Dämonenwelt, von der sie vor gar nicht langer Zeit noch gar nicht gewusst hatte, dass es sie gab.

Geraldine saß neben ihr am Rand des Swimmingpools und plätscherte mit den Zehen im Wasser. Sie waren ganz alleine in einer Gartenidylle, von der Mirka niemals geglaubt hätte, dass sie in Wien existieren könnte.

Das Haus stand nahe des Gänsehäufels, einem bekannten und beliebten Freibad für die Bewohner der österreichischen Bundeshauptstadt. Wasser und Wiesen des Geländes zogen in der warmen Jahreszeit unzählige Wiener an. Öfter mal waren Gelächter und Geplantsche von der Insel des Gänsehäufels zu hören, ab und zu der Ruf eines energischen Bademeisters. Dies waren die einzigen Geräusche, die zu Geraldines Haus vordrangen.

Mirka sah sich um. Das Grundstück wurde von blickdichten Thujen eingerahmt, zwei Silbertannen warfen breite Schatten über die Liegefläche hinter dem Pool. Solange sie nicht über das Draußen nachdachte, konnte sie glauben, irgendwo weit weg von Wien zu sein.

»Ich hab dich selten so entspannt und zufrieden gesehen«, sagte Geraldine und schenkte ihr aus dem Glaskrug mit der Zitronenlimonade nach. »Ist die Arbeit denn wirklich so anstrengend?«

»Es geht«, antwortete Mirka ausweichend und trank einen Schluck.

»Was bin ich froh, dass ich die Ausbildung abgebrochen habe! Es war die beste Entscheidung meines Lebens.«

»Du hast doch bloß so lange gewartet, bis du einen reichen Kerl gefunden hast, der dich heiraten wollte.«

»Reichtum war nicht das einzige Kriterium«, sagte Geraldine mit ernster Miene. »Er musste auch noch ein bisschen dumm sein und nicht kapieren, dass ich ihn bloß ausnehmen will.«

Beide kicherten sie. Mirkas Freundin war in Wirklichkeit der treueste, netteste und fürsorglichste Mensch, den man sich nur vorstellen konnte. Sie war auf der Polizeiakademie völlig fehl am Platz gewesen. Mirka hatte sie ein wenig unter ihre Fittiche genommen und dafür gesorgt, dass sie von den meist groben Ausbildern in Ruhe gelassen worden war.

Zu ihrem Glück hatte Geraldine Max kennengelernt. Ihren Traumprinzen. Schön, klug, erfolgreich und liebevoll war er.

»Manchmal beneide ich dich um deinen Max«, sprach Mirka ihre Gedanken offen aus.

»Er ist ganz in Ordnung.« Geraldine lächelte. »Ich bin mir sicher, dass du auch bald den Richtigen finden wirst.

Oder die Richtige, dachte Mirka. Wenn ich an dieses schwarzhaarige Biest denke, wird mir immer gleich ganz anders ...

»Oha!«, sagte Geraldine. »Offenbar gibt's da schon jemanden in deinem Leben. Anders kann man diesen verträumten Gesichtsausdruck nicht deuten.« Sie setzte sich auf ihrer Liege auf. »Erzähl schon! Wer ist es, wo hast du ihn kennengelernt?«

Verdammt! Geraldine war das intuitivste Geschöpf, das man sich nur vorstellen konnte. Natürlich hatte sie sie augenblicklich durchschaut.

»Oder ist es eine Frau?«

»Geraldine! Wie kommst du auf die Idee?«

»Geh, hör auf! Ich kenne dich jetzt schon lange genug, um zu wissen, wie du tickst. Für dich spielt es keine Rolle, ob's ein Männlein oder ein Weiblein ist. Hauptsache, ihr seid auf einer Wellenlänge.«

»Vielleicht hättest du die Ausbildung doch beenden sollen. So eine wie dich hätte ich gerne im Verhörzimmer mit dabei, wenn's um besonders harte Fälle geht. Du hättest selbst dem schlüpfrigsten Geschäftsmann ein Geständnis aus der Nase gezogen.«