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Joachim Salmann führt seine allegorische Heldengeschichte "Die Tsunge des Helden" fort. Im zweiten Teil der Trilogie stehen die Königstochter und der Sohn des Helden im Mittelpunkt. Gemeinsam begeben sie sich auf verschlungene Wege voller Prüfungen, Begegnungen und Erkenntnissen - bis zur Hochzeit und Krönung. Wie schon im ersten Band verwebt Salmann persönliche Erfahrungen mit seiner Long-Covid-Erkrankung in die märchenhafte Handlung. Mit feinem Gespür für Zwischentöne spiegelt er Begegnungen mit Ärzten, Gutachtern, Thera-peuten, Freunden und Verwandten in einer fabelhaft-symbolischen Erzählwelt. Die Geschichte ist in 24 Kapitel gegliedert - ideal, um in der Adventszeit Tag für Tag gelesen zu werden. Eine Einladung zum Innehalten, Nach-fühlen und Weiterträumen, ohne zu überfordern.
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Seitenzahl: 49
Veröffentlichungsjahr: 2025
Die Edition Limitkunst bringt Bücher und andere kreative Werke von Menschen heraus, die eine Krankheit an ihr Limit gebracht hat. In diesem Limit drücken sie künstlerisch ihre guten und schlechten Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungen mit ihrer Erkrankung, dem Verständnis von Freunden und Familie und dem Gesundheitssystem aus.
Innerhalb der Edition Limitkunst setze ich meine Geschichte von „Die Tsunge des Helden“ fort. Diese begann ich mit meinem Verständnis von Helden und beendete sie mit dem Treffen des Helden, der Königstochter und des Feldmarschalls am Stall bei der Geburt eines Kindes.
Die Allegorie zu meiner ME/CFS-Erkrankung nimmt in diesem Buch eine Wendung durch den Wechsel der Perspektive. Statt der Reise des Helden steht nun die Hochzeit und Krönung der Königstochter im Mittelpunkt. Das Leben geht weiter, wenn auch jetzt in anderen Limits.
Die Geschichte wird in 24 doppelseitigen Kapiteln erzählt, sodass sie gut in der Adventszeit Tag für Tag gelesen werden kann, ohne den Leser zu überanstrengen.
Vor jedem Anfang
1 Das Herts des Helden
2 Das Herts des Heldensohns
3 Das Herts des Weibes
4 Das Herts des Wurms
5 Das Herts des Händlers
6 Das Herts des Leibwächters
7 Das Herts der Gärtnerin
8 Das Herts der Königstochter
9 Das Herts des Hofmarschalls
10 Das Herts des Feldmarschalls
11 Das Herts des Rehs
12 Das Herts des Waldes
13 Das Herts des Wolfes
14 Das Herts des Fuchses
15 Das Herts des Kleinen Prinzen
16 Das Herts des Karpfens
17 Das Herts des Fischers
18 Das Herts des Meeres
19 Das Herts des Kleinen Hais
20 Das Herts des Meereskönigs
21 Das Herts des Hochtals
22 Das Herts des Einsiedlers
23 Das Herts zum Jenseits
24 Das Herts der Schreinerin
Die Anfänge
Knall! Bang! Es gab einen Urknall, engl. Big Bang.
Vor etwa 13,8 Milliarden Jahren krachte es ordentlich im Universum. Oder auch nicht. Denn was da in der Planckzeit in den ersten 5,4 x 10-44 Sekunden geschah, ist selbst für Fachleute nicht nachvollziehbar. Vor so unglaublich vielen Jahren, die wir nicht auf das Jahr genau berechnen können, entstand im kleinst-möglichen Zeitraum, den wir auf über 40 Nachkommastellen an Sekunden berechnen können, Materie, Raum und Zeit.
Die Frage nach dem Wann können wir nicht stellen, da es davor keine Zeit gab. Die Frage nach dem Wo können wir nicht stellen, da das Universum davor keinen Raum hatte. Und die Frage nach dem Was können wir nicht stellen, weil es davor nichts gab. Die Wissenschaft nennt dies Undefinierbare Singularität.
Nach 0,1 Millisekunden war das Universum größer als die Umlaufbahn der Erde um die Sonne und hatte eine Dichte größer als die, die in Atomkernen herrscht. Der Energielevel lag bei einer Billion Grad.
Etwa 400.000 Jahre nach dem Urknall hatten sich stabile Atome gebildet und das Universum wurde durchsichtig. Seitdem gelten die Naturgesetze immer und überall.
Knall! Bang! Gott hat gesprochen.
In den altorientalischen Schöpfungsmythen siegte eine Gottheit über eine Chaosmacht. In der Priesterschrift der Bibel dagegen gestaltet Elohim eine lebensfreundliche Erde, ohne auf irgendeinen Widerstand zu treffen.
Bevor Gott Himmel und Erde erschuf, war die Erde ein völliges Tohuwabohu. Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte darüber.
Dann sprach Gott ein Machtwort. „Es werde Licht.“ Und dieses Machtwort, griechisch Logos, erfüllte sich sogleich. Dann schied Gott das Licht von der Finsternis, das Wasser unterhalb des Himmels und den Himmel oberhalb, Land und Meer, Tag und Nacht.
Dann ließ er Pflanzen wachsen, Lichter am Himmel leuchten, das Wasser von Fischen und anderen Seetieren wimmeln und den Himmel von Vögeln erfüllen und das Land von Säugetieren und Reptilien beleben.
Zuletzt schuf er den Menschen nach seinem Abbild als Mann und Frau. Sie sollten sich um die Schöpfung kümmern. Nachdem er alles geschaffen und vollendet hatte, ruhte er und erklärte diese Ruhe für heilig.
Während die Gnosis predigt, dass der Geist gut ist, die Welt aber schlecht, betont die Heilige Schrift der drei westlichen Religionen, dass die gesamte Schöpfung gut ist.
Knall! Bang! Neue Erkenntnisse brachen sich Bahn.
„Wie ein Blitzstrahl der Klarheit fuhr Kant in das Gewölk der metaphysischen Spekulation.“ (Karl Vorländer) „Kant war die Sonne, die mit einem Schlag die Nacht der Scholastik vertrieb.“ (Arthur Schopenhauer)
Kant brachte die Aufklärung ins Denken: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“ Der Wahlspruch dieser Epoche lautete: „Sapere aude! Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Für Philosophen, die im Denken des Mittelalters verhaftet waren, war dies ein ungeheures Umdenken. Johann Gottlieb Fichte schildert: „Ich las und las – und siehe da: das Licht ging mir auf.“
Nicht immer und überall kam dieses neue Denken gut an. Georg Christoph Lichtenberg klagte: „Man spricht viel von Aufklärung, und wünscht mehr Licht. Mein Gott, was hilft aber alles Licht, wenn die Leute entweder keine Augen haben oder die, die sie haben, vorsätzlich verschließen?“
Immanuel Kant fasste seine Erkenntnisse zusammen: „Alles, was die Natur selbst anordnet, ist zu irgendeiner Absicht gut. Die ganze Natur überhaupt ist eigentlich nichts anderes als ein Zusammenhang von Erscheinungen nach Regeln und es gibt überall keine Regellosigkeit.“
Knall! Bang! Dem jungen Mann fiel schon wieder eines seiner großartigen Bauwerke jämmerlich zusammen.
„Mensch, pass doch auf!“, rief der Held. Er war gerade in die Erinnerungen an seine Abenteuer mit der Königstochter versunken. Noch immer konnte er sich nicht daran gewöhnen, sie als Königin zu bezeichnen. Zu kurz erst war es her, dass der König nach einer langen und glücklichen Regentschaft in Frieden entschlafen war. Auf seinem Sterbebett hatte er noch dem König versprochen, ein Auge auf die Königstochter zu haben.
