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Die Geschichte entwickelte sich im Rahmen eines Schreibworkshops für Betroffene von Long Covid und ähnlichen Krankheiten. In Vor- und Schlusswort wird der persönliche Bezug des Autors zur Geschichte am deutlichsten. Die Handlung selbst spielt im Königreich zwischen den drei Grenzen von Wald, Meer und Bergen, die der Held lange Zeit verteidigt hat, bis er schwer verwundet wurde. Zuerst muss er lernen, dass diese Wunde, Tsunge genannt, auch eine Gabe sein kann, mit der er mit anderen in Kontakt treten und anderen helfen kann. Dann tritt er in den Hintergrund und die Königstochter übernimmt mit wachsender Zuversicht, Hoffnung und Mut nach und nach die Hauptrolle, bis nach 24 Kapiteln die Adventsgeschichte ein Ende nimmt. Vorläufig.
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Seitenzahl: 50
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Die Edition Limitkunst bringt Bücher und andere kreative Werke von Menschen heraus, die eine Krankheit an ihr Limit gebracht haben. In diesem Limit drücken Sie künstlerisch ihre guten und schlechten Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungen mit ihrer Erkrankung, dem Verständnis von Freunden und Familie und dem Gesundheitssystem aus.
Innerhalb dieser Edition Limitkunst möchte ich meine persönliche Geschichte erzählen. Zu Anfang der Corona-Pandemie war ich noch sehr aktiv, meine Ansteckung mit Covid19 hat mich aus dem Sattel geworfen, bei der Entwicklung zu Long Covid haben mich Ärzte, Therapeuten, Reha-Einrichtungen und verschiedene Behörden sowie Freunde und Verwandte mal besser, mal schlechter unterstützt. An vielen Punkten musste ich die Hauptrolle in meiner Geschichte anderen überlassen.
Die Geschichte wird in 24 doppelseitigen Kapiteln erzählt, so dass sie gut in der Adventszeit Tag für Tag gelesen werden kann, ohne den Leser zu überanstrengen.
Ein Held in den besten Jahren
1 Die Tsunge des Helden
2 Die Tsunge der Zufällen
3 Die Tsunge der Kellen
4 Die Tsunge der Braunellen
5 Die Tsunge des Hellen
6 Die Tsunge der Grellen
7 Die Tsunge der Pastellen
8 Die Tsunge des Melden
9 Die Tsunge der Libellen
10 Die Tsunge des Rebellen
11 Die Tsunge des Gesellen
12 Die Tsunge des Intellektuellen
13 Die Tsunge der Speziellen
14 Die Tsungen der Forellen
15 Die Tsungen der Sardellen
16 Die Tsungen der Wellen
17 Die Tsungen der Marschällen
18 Die Tsunge der Bordellen
19 Die Tsunge der Schnellen
20 Die Tsunge der Quellen
21 Die Tsunge der Kapellen
22 Die Tsunge der (Schutz-)Wällen
23 Die Tsunge der Rituellen
24 Die Tsunge in den Ställen
Der Held im Hain
Ich bin Joachim, ein Held in den besten Jahren. Eigentlich ist es meine Aufgabe, durch die Welt zu ziehen, Drachen zu besiegen und Jungfrauen zu retten.
Ihr fragt Euch vielleicht, wo es in unserer Zeit noch Drachen gibt? Oh je, wo fang ich da an? Es gibt in der weiten Welt viele kampflustige Drachen, die einfache, unschuldige Machthaber und schwierige, böse Diktatoren auf die verrücktesten Ideen bringen. Denn sonst würde doch kein Mensch freiwillig Kriege führen, militärische Auseinandersetzungen beginnen oder Terroranschläge verüben.
Dann gibt es noch die Drachen, die mit ihrem Feueratem die Luft so nachhaltig verpesten, dass nicht nur das Wetter eintrübt, sondern sogar das ganze Klima vergiftet. Diese Erderwärmung kann verhindert werden, wenn die Drachen weniger Feuer speien müssen. Sie können doch auch friedlich im Einklang mit ihrer Umwelt leben und die Natur schützen und genießen.
Manche großen und kleinen Drachen schlagen unerwartet und plötzlich zu. Sie bringen feurige Berge zum Explodieren, volle Flüsse und Seen zum Überlaufen, reife Ernten zur Vernichtung, trockene Wälder zum Brennen. Selbst gegen solche Katastrophen kann ein Held sich rüsten und bei Bedarf Hilfe bringen.
Heimlicher ist eine andere Art von Drachen unterwegs. Sie tragen gefährliche Krankheiten wie Pest und Cholera von Haus zu Haus. Manchmal werden nur einzelne Menschen betroffen, manchmal leiden ganze Landstriche oder gar die ganze Welt darunter. Manche Menschen gesunden bald wieder, manche sterben einen qualvollen Tod. Manchmal aber hinterlässt der Drachenatem unauslöschliche Spuren.
All diese Drachen gilt es aufzuspüren, zu besänftigen und zu besiegen. Damit ist die Aufgabe eines Helden in den meisten Geschichten erfüllt. Doch nicht in meiner. Denn gefährlicher noch als die ganzen großen, gefährlich aussehenden Drachen sind die kleinen, unsichtbaren Drachenfeuer. Wenn Drachen in Kriegen, Umweltverschmutzung, Naturkatastrophen oder Krankheitsepidemien mit ihrem Feueratem alles vernichten, bleiben nicht nur verkohlte Überreste übrig. Nein! Es bleiben in den Menschen noch die unsichtbaren Drachenfeuer.
Diese brennen ein tiefes Loch in die Seelen und wüten dort im Unsichtbaren immer weiter. Viele Helden sehen diese Drachenfeuer nicht, sie leugnen sie und behaupten sogar, dass diese nur eingebildet wären. Sie bekämpfen vielmehr die, die diese Drachenfeuer wahrnehmen, und merken dabei nicht, dass sie den Drachenfeuern damit erst recht Zunder geben.
Auch in mir brennt so ein Drachenfeuer. Mehrere der großen Drachen haben da Spuren hinterlassen und jetzt brennt ein Drachenfeuer tief im Loch meiner Seele. Es gibt nicht viele, die es sehen können, und noch weniger, die helfen können. Ob und wie man es löschen kann, weiß sowieso noch keiner. Aber man kann es eindämmen, verhindern dass es weiterwächst. Ich bin nicht mehr der Held von früher.
Ist damit meine Aufgabe als Held erledigt? Ich denke, sie fängt gerade erst richtig an. Ich muss nicht mehr durch die weite Welt ziehen, dunkle Drachen besiegen und unschuldige Jungfrauen retten. Durch die Welt ziehen geht oft gar nicht mehr, wenn ein Drachenfeuer brennt und die Kraft schwindet. Manche gefährlichen Drachen sind mir inzwischen zu groß. Ich kann nicht mehr jeden dunklen Drachen bekämpfen und besiegen.
Und Jungfrauen? Viele hübsche Jungfrauen - und ehemalige Jungfrauen - kamen den großen Drachen zu nahe. In ihnen brennt jetzt das gleiche Drachenfeuer, das ich nur zu gut kenne. Und dann darf ich den Jungfrauen doch zeigen, dass sie nicht allein sind. Wenn ich auch das Drachenfeuer nicht löschen kann, so kann ich ihnen doch helfen, ihr Drachenfeuer zu bekämpfen. Ich kann weiter verloren geglaubte Jungfrauen retten.
Wie gesagt, ich bin ein Held in den besten Jahren.
Es war einmal ein Held, der sich nach einem so halbwegs gelungenen Abenteuer freute, wieder zu Weib und Kind nach Hause zu kommen. Er freute sich darauf, am heimischen Herdfeuer seine frischen Wunden kurieren und von seinen Heldentaten erzählen zu können.
Doch kaum waren die schlimmsten Wunden versorgt und seine Leibspeise fertig gebacken, um die Heimkehr feiern zu können, da erscholl erneut das Horn des großen Königs, um alle wehrfähigen Mannen des weiten Reiches zum Schutz gegen den Dunklen Drachen aufzurufen.
Natürlich war der Held einer der ersten, der den gefährlich aussehenden Drachen zu Gesicht bekam. Er zögerte keinen Augenblick, sein Schwert zu ziehen. Wie leuchteten seine Augen im Kampf! Und doch war der Drache stärker. Nach einem heftigen Kampf verbrannte er mit seinem Feueratem das Herz des Helden.
