Grenzenlos-Gespräche - Joachim Salmann - E-Book

Grenzenlos-Gespräche E-Book

Joachim Salmann

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Beschreibung

Die Grenzenlos-Gespräche erscheinen in der Edition Limitkunst, in der Betroffene über ihr Long Covid schreiben. Gibt es bei Long Covid überhaupt jemanden, der nicht irgendwie davon betroffen ist? Um dieser Frage nachzugehen, hat Joachim Salmann sich nachts im Museum über Grenzen hinweg umgehört und gefragt, wer vor der Pandemie oder noch gar nicht gelebt hat. So kam er ins Gespräch mit einem Tyrannosaurus Rex, Hiob von Uz, Hippokrates von Kos, Gaius Licinius, Rob Cole, Camillo de Lellis, Henry Dunant, Sitting Bull, Ruth Pfau, Horst Schröder, Kapitän Nemo, Poppy Pomfrey, Arwen Undómiel, Leonard McCoy, einem MHN und Meister Yoda.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Joachim Salmann

Grenzenlos-Gespräche Leben ohne Long Covid

 

Inhaltsverzeichnis

Tyrannosaurus Rex

Hiob von Uz

Hippokrates von Kos

Centurio Gaius Licinius

Hakim Robert Jeremy Cole

San Camillo de Lellis MI

Jean-Henri Dunant

Häuptling Sitting Bull

Dr. Ruth Katherina Martha Pfau FCM

Dr. Horst Schröder

Kapitän Nemo

Poppy Pomfrey

Arwen Undómiel

Dr. Leonard Horatio McCoy

Medizinisch-Holographisches Notfallprogramm

Meister Yoda

Nachts im Museum

Edition Limitkunst

Die Edition Limitkunst bringt Bücher und andere kreative Werke von Menschen heraus, die eine Krankheit an ihr Limit gebracht haben. In diesem Limit drücken Sie künstlerisch ihre guten und schlechten Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungen mit ihrer Erkrankung, dem Verständnis von Freunden und Familie und dem Gesundheitssytem aus.

Innerhalb dieser Edition Limitkunst bin ich über Grenzen hinweg ins Gespräch gekommen mit einem Dinosaurier, einem Propheten, vier verschiedenen Ärzten, einem Centurio, einem Medicus, einem Heiligen, einem Geschäftsmann, einem Häuptling, einem Kapitän, einer Krankenschwester, einer Halbelbin, einem Hologramm und einem Jedi-Meister. 

Tyrannosaurus Rex

„Schwächlinge! Alles Schwächlinge!“ Der Tyrannosaurus Rex ließ einen markerschütternden Schrei fahren.

„Entschuldige, T-Rex, Du bist hier in einem Museum. Sei bitte etwas leiser!“

„Wie wagst Du es, mich mit meinem Kurznamen anzusprechen?“ Die Drohung war unüberhörbar. „Und was mache ich in einem Museum?“

Ich ignorierte die erste Frage einfach. „Du bist vor 66 Millionen Jahren ausgestorben. Lange vor Long Covid. Damit gehörst Du auf jeden Fall zu den Lebewesen, die von dieser Krankheit nichts wissen können.“

Der T-Rex ignorierte den zweiten Teil der Aussage. Es war wohl ein Gespräch unter Ignoranten. „Ich bin was? Ich bin ausgestorben? Wie konnte das denn passieren? Ich bin der größte Fleischfresser, der je existiert hat. Es gibt niemanden gefährlicheren als mich! Schneller, höher, weiter, das habe alles ich erfunden.“

„Tja, aber jetzt bist Du nur noch ein Skelett im Museum.“ Ich ließ mich doch nicht von so einem Monster beeindrucken.

„Ein Skelett?“ Entsetzt schaute der T-Rex an sich runter. „Vulkanasche und Kometenschweif! Aber dann müsste ich doch tot sein?“

„Nun ja, eigentlich schon. Aber ich habe da so eine Karte. Und nachts im Museum wird auf einmal alles lebendig.“

„Und wofür brauchst Du diese Karte?“ Der T-Rex verstand die Welt nicht mehr.

„Ich habe da so ein Problem. Ich möchte mich gerne mit Leuten unterhalten, die die Corona-Pandemie, Covid19, Long Covid, Post Vacc und ME/CFS nicht kennen, nicht kennen können.“

„Mit Leuten? Meinst Du damit so Primaten wie Dich? Ich habe noch Deinen Uropa gekannt, der war so groß wie eine Maus.“

„Nun ja, in 66 Millionen Jahren kann viel passieren. Wir sind inzwischen etwas größer geworden und viel klüger.“

Jetzt musste der T-Rex fürchterlich lachen. Es klang schauderhaft. „Ihr haltet Euch für klüger? Und dann schleicht Ihr Euch nachts in ein Museum und redet mit Skeletten?“

„Na ja. Ich dachte halt zuerst an Dich in meiner Recherche über chronische Krankheiten wie SARS-CoV-2. Du bist halt der stärkste Typ, der mir einfiel.“

Auf die Schmeichelei fiel der T-Rex sofort herein. „Ja, wir Dinosaurier waren Millionen Jahre lang die unbezweifelbar großartigsten Wesen der ganzen Welt. Unbesiegbar!“

„Dafür halten sich die Menschen auch. Sie meinen, mit Schneller, Höher und Weiter können sie alles erreichen. Und dann kommt so ein kleiner Virus und legt alles lahm.“

„Das haben wir Saurier auch gedacht, und dann sind wir ausgestorben. Hoffen wir, dass Ihr doch klüger seid als wir damals.“

Hiob von Uz

„Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, die Nacht, die sprach: Ein Knabe ist empfangen. Still läge ich jetzt und könnte rasten, entschlafen wäre ich und hätte Ruhe,“ ertönte ein Klagen aus den biblischen Hallen.

„Entschuldige bitte, was ist denn hier los? Was ist Dir denn über die Leber gelaufen? Hast Du etwa doch schon von der Corona-Epidemie gehört, bist gar selbst betroffen?“

„Ach, sieben Söhne und drei Töchter wurden mir geboren. Siebentausend Stück Kleinvieh, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen waren mein Besitz, dazu hatte ich zahlreiches Gesinde. An Ansehen übertraf ich alle Bewohner des Ostens.“

„Na, das ist doch wunderbar!“

„Bevor ich noch esse, kommt mir das Seufzen, wie Wasser strömen meine Klagen hin. Was mich erschreckte, das hat mich getroffen, wovor mir bangte, das kam über mich. Noch hatte ich nicht Frieden, nicht Rast, nicht Ruhe, da kam neues Ungemach heran. Alles war Schlag auf Schlag verloren.“

„Das sind ja Hiobsbotschaften! Ach, dann bist Du Hiob? Ich hoffe, Du hattest wenigstens gute Freunde?“

„Meine drei Freunde hörten von all dem Bösen, das über mich gekommen war. Und sie kamen, jeder aus seiner Heimat: Elifas aus Teman, Bildad aus Schuach und Zofar aus Naama. Sie vereinbarten herzukommen, um mir ihre Teilnahme zu bezeigen und um mich zu trösten. Als sie von fern aufblickten, erkannten sie mich nicht; sie schrien auf und weinten.“

„Ja, so stelle ich mir wahre Freunde vor.“

„Sie saßen bei mir auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und keiner sprach ein Wort zu mir. Denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.“

„Ja, was soll man da auch sagen?“

„Und dann fingen sie an zu diskutieren. Elifas meinte: ‚Nun kommt es über Dich, da gibst Du auf, nun fasst es Dich an, da bist Du verstört. Ist Deine Gottesfurcht nicht Deine Zuversicht, Dein lauterer Lebensweg nicht Deine Hoffnung? Ich aber, ich würde Gott befragen und Gott meine Sache vorlegen‘.“

„Oh ja, so Ratschläge kenne ich.“

„Bildad meinte: ‚Wenn Du mit Eifer Gott suchst, dann wird er über Dich wachen und Dein Heim wiederherstellen, wie es Dir zusteht.‘ Und Zofar fügte hinzu: ‚Die Tiefen Gottes willst Du finden, bis zur Vollkommenheit des Allmächtigen vordringen? Was machst Du da? Was kannst Du wissen?‘“

„Was kann man darauf noch sagen?“

„Oh, ich habe sie überzeugt und Gott hat mir recht gegeben: Ich war nicht schuld an meiner Krankheit. Ich habe in meiner Klage Gott gesucht und Gott hat mir Antwort gegeben.“

"Du hast zwar lange vor der Corona-Pandemie gelebt. Aber Deine Geschichte ist aktueller denn je."

Hippokrates von Kos

„Natürlich waren die Ratschläge der Freunde nicht hilfreich, denn die Freunde waren ja selbst hilflos. Hilfe muss man mit mehr Systematik angehen,“ erwiderte ein Zeitgenosse aus der hellenistischen Abteilung.

„Ein griechischer Gelehrter hat sicher eine klare Vorstellung über die Zusammenhänge,“ gab ich zur Antwort. „Die alten Griechen hatten ja großartige Philosophen und Mathematiker.“

„Und Ärzte! Ich stamme aus einer langen Familientradition von Ärzten, ja ursprünglich stammen wir sogar von Asklepios, dem Gott der Heilkunst, persönlich ab.“

Beim letzten Punkt war ich etwas skeptisch. „Und Ihr Griechen habt also eine Systematik dazu entwickelt.“

„Aber natürlich. Nicht alles ist auf meinem Mist gewachsen. Ich habe viel von meinem Vater und Berufskollegen gelernt. Ich habe daraus dann die Vier-Säfte-Lehre entwickelt.“

„Vier-Säfte-Lehre habe ich schon mal gehört.“

„Oh, das freut mich, dass mein Wissen nicht verloren gegangen ist. Krankheiten entstehen aus dem Ungleichgewicht von Körpersäften (Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle) sowie als Verschiebungen in den Spannungszuständen der Gewebe.“

„Wie bist Du denn auf die Idee gekommen?“

„Durch Beobachtung, mein Guter, durch Beobachtung. Damit habe ich die moderne Medizin als empirische Wissenschaft gegründet, nicht auf Zauberei und dergleichen zurückgeführt.“

„Empirie heißt doch, dass die Medizin erst tätig werden kann, wenn ich deutliche Marker in den Säften feststellen kann.“

„Aber natürlich, junger Freund, natürlich.“

„Das ist aber bei einer Pandemie wie Corona nicht hilfreich, wenn ich erst Beobachtungen machen muss, um etwas sagen zu können.“

„Ganz im Gegenteil! Ich konnte mit meinen Beobachtungen sogar eine Seuchenbedrohung in Athen und anderen Städten erkennen und so erfolgreich Gegenmaßnahmen einleiten.“

„Na, damit haben sich unsere Epidemiologen und Infektiologen, vor allem aber die Politiker, eher schwergetan.“

„Haben sie etwa andere Therapiemaßnahmen als Lebensumstellung, Diät, Bewegungstherapie, Arzneimittel und operative Eingriffe empfohlen?“ Hippokrates schaute verwundert.

„Nun, mit Aderlass, Schröpfen und der Verabreichung von Abführmitteln, wie Du sie empfohlen hast, ist weder Covid19 noch Long Covid wirksam zu bekämpfen.“

"Na, dann braucht es weitere Forschung, auf geht's!"

Centurio Gaius Licinius

„An Kos sind wir vorbeigekommen auf unserem Weg hierher ans Ende der Welt. Alles besser als dieses Fischernest!“, schimpfte in befehlsgewohntem Ton eine Stimme aus der römischen Abteilung.

Vom Auftreten und der Kleidung her, war mir sofort klar, dass ich einen römischen Befehlshaber vor mir hatte. „Ave, Centurio! Wer bist Du?“

„Mein Name tut nichts zur Sache. Ich war nur ein Soldat meines Gottes, des Kaisers von Rom. Ich wurde in die Provinz Judaea abkommandiert. Ich wäre lieber in Gallien oder Germanien eingesetzt worden, aber Befehl ist Befehl."

„Also hast Du einfach Deine Zeit dort abgesessen?“

„Wage es nicht noch einmal, so mit mir zu sprechen! Ich war ein tüchtiger Soldat und habe meine Hundertschaft wie kein zweiter befohlen. Der Außenposten dort war wichtig, um jüdische Aufstände im Keim zu ersticken! Vor allem ein Zimmermann aus der Gegend hat sich sehr auffällig verhalten.“

„Du meinst nicht zufällig Jesus von Nazareth?“

„Sogar Du kennst seinen Namen? Im Dorf hatte er für Unruhe gesorgt, als er die beiden Brüder Schimon und Andreas vom Boot weg für seine Bande rekrutiert hat, danach die beiden Söhne vom alten Zebedäus.“

„Du hattest also nur Ärger mit ihm?“

„So würde ich es nicht sagen. Er hat zwar die besten Fischer im Dorf abgeworben und einige auffällige Versammlungen gehalten. Aber er hat nie offen zur Revolution aufgerufen. Trotzdem hatte ich ihn mal vorgeladen.“

„Aber durfte er als frommer Jude überhaupt Dein Haus betreten?“

„Darauf wurde ich von meinen Unterführern auch hingewiesen. Und da ich kein Öl ins Feuer gießen wollte, habe ich mich eben draußen mit ihm unterhalten. Ein spannendes Thema waren die Wunderheilungen. Da wollte ich mehr wissen. Vor allem, da mein Sohn schon länger ziemlich schwer krank war.“

„Also hast Du ihm befohlen, in Dein Haus zu kommen und Deinen Sohn zu heilen.“

„Ich bin Befehlshaber. Wenn ich etwas sage, muss ich nicht überall dabei sein. Und wenn er wirklich so gut war, dann musste sein Wort auch reichen. Also habe ich ihn gebeten, ein Machtwort zu sprechen.“

„In der Bibel heißt es, Du hättest großen Glauben bewiesen.“

„Ach was! Ich war völlig überrascht, dass mein Sohn wirklich schnell wieder gesund wurde. Der Typ hatte es echt drauf!“

„Und was bedeutet das für Long-Covid-Kranke?“

„Wenn Ihr nichts zu verlieren habt, dann vertraut doch darauf, dass ein anderer mehr kann als Ihr denkt.“

Hakim Robert Jeremy Cole

„Es geht um einen Zimmermanns-Sohn?“ Der junge Mann in den dunklen Mittelalter-Hallen horchte auf. „Ich bin ein Zimmermanns-Sohn.“

„Du hast als Zimmermann gearbeitet?“

„Ich? Nein. Meine Eltern starben, als ich noch klein war. Einen Arzt hatten wir uns nicht leisten können. Zum Glück kam ich zu einem Bader und konnte ihm mithelfen. Er war der beste Bader von ganz London und Umgebung. Aber ich wollte mehr lernen, mehr als ein Bader in England so konnte. Ein gutes Studium gab es nur im Persischen Reich.“

„Eine ziemlich weite Reise damals für einen jungen Engländer ohne Vermögen.“

„Ach, wenn es nur das gewesen wäre! Muslime waren damals nicht gut auf uns Christen zu sprechen. Auf dem langen Weg zu den Persern konnte ich so viel von den Juden lernen, dass ich mich als einer von ihnen ausgeben konnte. Als Jesse ben Benjamin durfte ich schließlich an der Madrassa von Isfahan als Student anfangen.“

„Wie kamst Du als Ausländer dort klar?“

„Die Madrassa nahm viele muslimische und jüdische Studenten aus der ganzen Welt an. Die Perser wussten so viel mehr als wir Europäer! Zum Glück fand ich ein paar gute Freunde. Vor allem aber hielt Avicenna mich für sehr begabt und förderte mich entsprechend.“

„Avicenna?“

„So ist er in Europa bekannt. Eigentlich hieß er Ibn Sina. Der beste Arzt der Welt. Und ein begnadeter Lehrer dazu. Nicht zuletzt hat er auf eine riesige Bibliothek zurückgreifen können. Dort konnte man fast alles nachlesen.“

„Na ja, von einer Corona-Pandemie, Covid19 und Long Covid war dort bestimmt nicht die Rede.“

„Auch über die Pest habe ich dort auf die Schnelle wenig nachlesen können, als sie Isfahan ereilte.

---ENDE DER LESEPROBE---