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Die Gemeinsam-Gedichte erscheinen in der Edition Limitkunst, in der Betroffene über ihr Long Covid schreiben. Long Covid ist eine Krankheit, die nicht alleine und mit Standard-Antworten zu bewältigen ist. Deshalb hat Joachim Salmann Mitbetroffene aus der Edition Limitkunst eingeladen, ihn mit längeren und kürzeren Gedichten zu unterstützen. Die Themen reichen von der Pandemie, der Infektion und der Isolation über Körperliche Symptome und Psychische Folgen bis hin zu Pacing, Therapien und Rehabilitation..
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Joachim Salmann und andere Limitkünstler
Die Edition Limitkunst bringt Bücher und andere kreative Werke von Menschen heraus, die eine Krankheit an ihr Limit gebracht haben.In diesem Limit drücken Sie künstlerisch ihre guten und schlechten Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungenmit ihrer Erkrankung, dem Verständnis von Freunden und Familieund dem Gesundheitssytem aus.
Innerhalb dieser Edition Limitkunst möchte ich gemeinsam Gedichte vorstellen über die Pandemie, die Infektion und die Isolation, ebenso über Körperliche Symtome und Psychische Folgen und nicht zuletzt über Pacing, Therapien und Rehabilitation.
Genug! (Joachim Salmann)
Das ist die letzte Welle (Joachim Salmann)
Barranco de Las Angustias (Joachim Salmann)
Einsam
Der Earlkönig (Joachim Salmann)
Elfchen (Maria A. Sinning)
Inhaftiert (Mona Schwarz)
AHA (Joachim Salmann)
Rehpfade
Rehpfade (Judith de Gavarelli)
Hausgebundenheit (Anja Gehlken)
Reizüberflutung (Judith de Gavarelli)
Einsilbig (Joachim Salmann)
ICD 10 (Joachim Salmann)
Heilung
Heiler (Joachim Salmann)
Die Heilung ist ein Schmetterling (Joachim Salmann)
Das Huhn oder das Ei (Joachim Salmann)
Maß halten
Chronisch langsam (Maria A. Sinning)
Haikus (Rani Legde-Naskar)
Maß halten (Joachim Salmann)
Maß halten - Wahnsinn! (Joachim Salmann)
In der Bütt (Joachim Salmann)
Balancieren (Joachim Salmann)
Balancieren (Sabine Zytowski)
Stark (Sabine Zytowski)
Ich finde zu mir (Sabine Zytowski)
Elfchen (Maria A. Sinning)
Langsamkeit (Joachim Salmann)
Lob der Langsamkeit (Lucia Boll)
Elfchen (Maria A. Sinning)
HBO (Joachim Salmann)
Atemlos
Atemlos (Joachim Salmann)
Radikale Akzeptanz (Joachim Salmann)
SGB (Joachim Salmann)
Psalm nach Covid (Joachim Salmann)
Joachim Salmann
Seit Jahren ist Corona-Zeit, ich kann es nicht mehr hören! Einschränkungen so weit und breit, die jeden von uns stören! Welle um Welle, Flug um Flug, die Welt hat echt …
Abstand und Hygiene halten, die Maske schränkt die Sicht. das kann doch die Gesellschaft spalten, zusammen führt das nicht. Man sieht nicht vom Gesicht den Zug, den anderen nicht …
Und hat man die befürchtete Infektion, verläuft das Ganze verschieden. Die einen bleiben ohne Symptom, die andern finden keinen Frieden. Sie kämpfen um jeden Atemzug, bekommen von Luft nicht …
Die einen erholen sich ziemlich schnell, die andern gar nicht bis heute. Besserwisser sind sogleich zur Stell, doch ist das kein Hilfe für Leute. Für Forschung fehlt das Geld im Krug, es kommt nicht annähernd …
Das fängt bei manchen Ärzten an, die ratlos und hilflos sind. Sie schieben es auf die Psyche dann, für Leitlinien sind sie wohl blind. Für die Krankheit des Körpers ohne Trug wissen manche ganz klar nicht …
Für viele Patienten fehlt die Kraft, für genügend erholsamen Atem. Viele kriegen auch sonst nicht geschafft zu dem, was sie konnten, adäquatem. Stürmten sie vorher wie ein Güterzug, so stürmt jetzt nicht mehr …
Die Belastbarkeit bei den Betroffenen sinkt, die Erschöpfung bei allen steigt. Der Arbeitsplatz aus der Ferne winkt, wenn man zur Couch hin neigt. Kollegen fragen, wann ist der Spuk vorbei, wann ist es endlich …
Kein Wunder, wenn wir am Ende sind, mit unseren Körperkräften. Kein Wunder, wenn auch die Psyche spinnt, dass Frust und Ängste heften. Denn auch die Seele leidet im Flug und schreit: wann ist es …
Es gibt so manchen Therapieansatz, mal hilft er und manchmal auch nicht. Der Selbsthilfegruppen Erfahrungsschatz gehört für viele zur Pflicht. Der wichtigste ist Pacing, ohne Betrug, der Körper sagt schon: …
Mir fehlt in jeder Verseszeil immer das letzte Wort. Wenn ich es habe, ist es geil, wenn ich es suche, ist’s fort. Ich finde, es reicht mit diesem Unfug, jetzt ist es wirklich …
Ich sprech darüber auch mit Gott: Bitte hilf mir aus dem Quark! Ich möchte wieder fit sein, flott, wieder gesund und stark. Der Herr sagt voll Macht und Befug: So wie Du bist, ist’s mir genug.
Joachim Salmann
Mit jeder Welle kommt ein Traum, doch Träume gehen vorüber. Zuerst sind es nur erste Meldungen aus dem fernen Reich der Mitte. Du wartest von Anfang an, hoffst, dass es Dich nicht trifft. Hast die Ängste fast verloren, hast dich nicht vom Fleck bewegt.
Jetzt kommt sie langsam auf Dich zu, das Wasser schlägt Dir ins Gesicht, siehst dein Leben wie ein Film, Du kannst nicht glauben, dass sie alles zerbricht.
Das ist die letzte Welle, das ist der letzte Tag, lass Dich einfach von ihr tragen, denk am besten gar nicht nach.
Das ist die letzte Welle, das ist der letzte Tag, es gibt mehr als Du weißt, es gibt mehr als Du sagst.
Hamster stürzen sich auf Clopapier, die Läden machen dicht. Kindergärten und Schulen, Arbeitsplätze und Verkehr. Alles kommt zum Erliegen. Du hast Salz in deinen Augen, Nichts, was Halt Dir grade gibt, das hast Du viel zu schnell gelebt.
Jetzt kommt sie langsam auf Dich zu, das Wasser schlägt Dir ins Gesicht, siehst Dein Leben wie ein Film, Du kannst nicht glauben, dass sie alles zerbricht.
Die zweite Welle trifft Dich nicht unerwartet doch die Einschläge kommen immer näher. Irgendwann trifft die Welle auch Dich, reißt Dich mit sich in einen Strudel. Du willst nicht zu denen gehören, deren Leben dadurch ein Ende findet. Doch der Strudel nimmt kein Ende für Dich, während andere Wellen kommen und gehen.
Jetzt kommt sie langsam auf Dich zu, das Wasser schlägt Dir ins Gesicht, siehst Dein Leben wie ein Film,Du kannst nicht glauben, dass sie alles zerbricht.
Irgendwann nimmt keiner mehr Notiz von den Wellen, die immer mehr mitreißen, immer weniger in den Tod, in den Strudel. Die Wellen werden gar nicht mehr gezählt, die Menschen werden nicht mehr getestet. Die Wellen kommen und gehen wieder, in immer neuen Varianten mit neuen Namen. Wer denkt an die noch im Strudel gefangen?
Jetzt kommt sie langsam auf Dich zu, das Wasser schlägt Dir ins Gesicht, siehst Dein Leben wie ein Film, Du kannst nicht glauben, dass sie alles zerbricht.
Das ist die letzte Welle, das ist der letzte Tag, lass Dich einfach von ihr tragen, denk am besten gar nicht nach.
Das ist die letzte Welle, das ist der letzte Tag, es gibt mehr als Du weißt, es gibt mehr als Du sagst.
Joachim Salmann
Barranco heißt auf Spanisch Schlucht,so eng man keine andre sucht. So weit, dass man beim Wandern flucht, aber eigentlich ne große Wucht.
Angustias sind die Ängste wohl, die man beim Wandern haben soll, wenn man ohne Rucksack voll und ohne Plan marschiert wie doll.
Wie der Barranco war das Jahr, als Sars-CoV-2 am Wüten war, von China kam's im Business klar. Es folgte die Touristenschar.
In Italien gab es die ersten Leichen, die hochgetürmt zum Himmel reichen. Ein Drama war es sondergleichen, im Fernsehn sprach man mit Erbleichen.
In Heinsberg erreicht es unser Land, wo die Sterberate Rekorde fand. Die Forscher fanden keinen Stand Politiker außer Rand und Band.
AHA war der erste Rat, der sich lang gehalten hat. Abstand und Hygiene satt, wenn jeder eine Maske hat.
Dann konnte man darauf noch wetten, es fehlten Krankenhäuser-Betten. Man wusste nicht, wen noch zu retten. Triage gab es und Nachfolge-Ketten.
Wer nicht war systemrelevant, sich schnell zu Hause wiederfand. Die Mitte war ganz schnell am Rand die Schule zu, Arbeit vakant.
Als die Zahlen warn in Gleisen, durft ich im Sommer wieder reisen, in sichere Länder wieder kreisen, nach La Palma zu normalen Preisen.
Aus England, Holland und Spanien kamen Touristen zu den Kastanien. Nur bald nicht aus Germanien, die pflegten nur ihre Geranien.
Sicher auf La Palma ohne Gefahr, doch gehörte es zu Spanien klar, wo die Fallzahl mit am höchsten war, wurd es Risikogebiet sogar.
Barranco de Las Angustias machte zu der Zeit mir Spaß. Papa Arrugada, Fiestas, Teneguia, Mazegas.
Tauchen im Süden, Osten, Westen, unter Wasser geht’s am besten. Bei Malpiques Kreuzesresten, La Bombilla gern zum Testen.
Als die Zeit zu Ende ging, Risiko in Deutschland hing, wo es grad von neu anfing. Das war wohl kein schönes Ding.
Und so etwa nach sechs Wochen kam der Virus zu mir gekrochen. In der zweiten der Epochen erwischte Covid mich beim Malochen.
Barranco de Las Angustias, die Krankheit nahm mir dann den Spaß.
Joachim Salmann
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Sören, das einsame Kind. Er tobt in sein‘m Zimmer seit Mitternacht, als ob er’s drauf anlegt, dass es mal kracht.
Sag, Vater, hörst Du den Knaben nicht? Ach, es ist Mittwoch, er hat ja noch Schicht. Das Fenster ist offen, im Nebelstreif, sieht man des Pferdchens Kron und Schweif.
Du liebes Kind, komm geh' mit mir! Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir, sagte die Mutter, wär sie noch im Stand, zu führen den Sohn mit ruhiger Hand.
Mein Mutter, mein Mutter, hörest du nicht, was Earlkönig ganz laut zu mir spricht? Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind, ich kann nicht mehr so ganz geschwind.
Ich weiß, der Ritterfilm tat Dir nicht gut, wo ein Earl gegen den König zeigte viel Wut. Doch fehlt mir die Kraft, mit Dir zu geh'n, auf dem Spielplatz wäre es wunderschön.
Die Kälte, der Lärm, die Aufregung dort, sind für mich wahrlich ein düsterer Ort. Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau: Du brauchst wie all Kinder ganz tollen Radau.
Ich kann nicht mehr, mach doch mal Halt! Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt! Ich höre das selbst mit ganz großem Entsetzen, doch fehlt mir die Kraft, Dir Grenzen zu setzen,
Komm in mein Arm, ich kuschel geschwind, sie hält in dem Arm das sich beruhigende Kind, bringt ihn zum Schlafen mit Mühe und Not, doch die krank Mutter bleibt weiter tod-müde.
