Das Maria-Experiment - Günter Kretz - E-Book

Das Maria-Experiment E-Book

Günter Kretz

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Beschreibung

Zeit ist mit Abstand das Kostbarste, was wir haben. Sie ist ein Geschenk, über das wir frei verfügen können. Und doch haben viele von uns das Gefühl, dass Zeitmangel und Zeitdruck nicht nur gelegentliche Zaungäste, sondern lästige Dauermieter in ihrem Leben geworden sind. Wir spüren: Unser Terminkalender ist zwar voll, aber wir sind keineswegs erfüllt! Ein kleiner, jedoch wichtiger Unterschied. Ausgehend von diesen Gedanken beginnt uns der Autor auf eine Entdeckungsreise mitzunehmen, auf der er dem Phänomen des erlebten Zeitmangels auf den Grund geht. Das „Maria-Experiment“ fordert uns heraus, unsere Sicht vom Leben gründlich zu überdenken und es aus der Hand Gottes neu zu empfangen. Es ermutigt den Leser, aus dieser neuen Quelle zu leben und hilft ihm, konkrete Schritte zu gehen, damit sein Leben nicht voll, sondern erfüllt wird.

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Seitenzahl: 139

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Günter Kretz

Das Maria-Experiment

Die Kunst, Zeit zu haben

GloryWorld-Medien

 

 

 

 

 

1. Auflage 2017

© 2017 Günter Kretz

© 2017 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Rev. Lutherbibel von 1984 entnommen.

Weitere Bibelübersetzung: GNB: Gute Nachricht Bibel, 2002.

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Lektorat/Satz: Manfred MayerUmschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.deFoto: fotolia

ISBN (epub): 978-3-95578-414-0

ISBN (Druck): 978-3-95578-314-3

 

 

Inhalt

Vorwort

TEIL I – DIE KUNST, ZEIT ZU HABEN

1 Unsere Zeit, kostbar und knapp

2 Reich oder arm?

3 Das „Maria-Experiment“

TEIL II – AUSZEITEN MIT GOTT

4 Beispiele erlebter Stille-Tage

5 Praktische Anregungen für Stille-Tage

6 Stille-Tag: Die Liebe Gottes

7 Stille-Tag: Aus Gnade leben

8 Stille-Tag: Anbetung und Intimität

 

Hinweis: Weitere Stille-Tage

Literaturverzeichnis

Vorwort

Um es vorwegzunehmen – dies ist kein Buch über Zeitmanagement. Es ist ebenso kein Ratgeber, wie wir unsere ohnehin so knappe und wertvolle Zeit besser nutzen können. Dazu gibt es schon viele geeignete und auch hervorragend gemachte Bücher.

Das „Maria-Experiment“ will jedoch einen Blick hinter die Kulissen wagen, der uns ahnen lässt, dass unser Zeitproblem tiefer liegt, als wir vielleicht vermuten. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass Menschen mit rechtschaffenen Vorsätzen ihre Prioritäten in der Tat neu geordnet, überflüssige Aktivitäten gestrichen und andere gute Ratschläge beherzigt haben, jedoch trotz allem sich nach kurzer Zeit wieder in der Tretmühle reger Geschäftigkeit wiederfanden. Dieses Hamsterrad rotierte dann genauso rastlos wie vorher auch, es bekam nur einen neuen Namen und erhielt einen anderen Anstrich. Im Grunde genommen war alles beim Alten geblieben. Es ist wie beim Autofahren: Selbst wer seine Automarke wechselt, der bleibt in der Regel beim gewohnten Fahrstil.

Was läuft da schief? Wenn die Bibel mehr als nur ein Buch über die Geschichte des Volkes Israel und das Leben Jesu sein will, dann könnte es durchaus sein, dass sie dazu etwas zu sagen hat, und zwar über unser kostbarstes und wertvollstes Gut: unsere Zeit. Das Buch der Bücher nimmt für sich in Anspruch, Gottes Wort an uns zu sein. Der Apostel Paulus schreibt in 2. Timotheus 3,16 „… dass alle Schrift von Gott eingegeben ist“ und misst ihr damit göttliche Autorität zu. Also liegt der Gedanke nahe, dass wir in der Tat in diesem Buch fündig werden sollten in Bezug auf das, was bei uns da aus dem Ruder läuft. Dies gilt besonders für die westlichen Industriegesellschaften mit ihrem ungebremsten Wachstumsanspruch unter dem Motto: schneller, höher, weiter!

Das vorliegende Buch wirft anhand der Bibel sowie mit etwas Menschenkenntnis einen Blick hinter die Kulissen unserer Lebensführung. Es zeigt aus verschiedenen Blickwinkeln auf, was hinter unserem Zeitproblem steht und was Gottes Sicht dazu ist. Dabei geht es nicht darum, seine Zeiteinteilung zu optimieren, sondern es will dem Leser vor Augen malen, dass sich in der Tiefe etwas Grundlegendes verändern muss, damit „die Kunst, Zeit zu haben“ gelingt. Jesus weist uns in Johannes 10,10 darauf hin, dass er gekommen ist, „damit wir das Leben und volles Genüge haben“, was bedeutet, dass wir ohne ihn an diesem erfüllten Leben vorbeilaufen. Deshalb liegt der Schlüssel für unsere knappe Zeit in erster Linie keineswegs darin, dass wir diese besser organisieren. Stattdessen geht es darum, dass wir lernen, Jesus in unser Dasein so einzubeziehen, dass wir aus der Begegnung und Beziehung mit ihm ein Leben entdecken, das nicht voll, sondern erfüllt ist.

Praktische Beispiele und anwendungsbezogene Handreichungen im zweiten Teil dieses Buches ermutigen und fordern den Leser heraus, Gott konkret Zeit einzuräumen, um mit ihm anhand der Bibel verschiedene Bereiche seines Lebens zu erhellen und zu durchleuchten. Auf meiner Website www.jesus-inside.de stehen darüber hinaus weitere Bibelarbeiten als Ergänzung zum Download bereit.

Noch eine Anmerkung zum Ende dieses Vorwortes: Ich habe bewusst die förmliche Anrede „Sie“ durch das persönlichere „du“ ersetzt. Damit will ich mich dem Leser nicht anbiedern oder ihm zu nahetreten, aber ich hatte den Eindruck, dass das „du“ den Zeilen eine menschlichere, intensivere Note verleiht und der Leser näher an die zentralen Punkte, die ich ihm vermitteln will, herangebracht wird.

 

TEIL I: DIE KUNST, ZEIT ZU HABEN

Hast du schon einmal einem Jongleur zugeschaut? Es ist ohne Frage faszinierend zu sehen, wie er mit fünf oder gar sieben Bällen jongliert. Das kann nicht jeder. Es ist eine Kunst. Der Beifall des Publikums ist ihm umso gewisser, je mehr Gegenstände durch die Luft gewirbelt werden – ohne dass auch nur einer davon zu Boden fällt.

Auch wenn wir nicht mit fünf oder sieben Bällen gleichzeitig jonglieren, so ähnelt unser Leben doch nicht allzu selten diesem Bild eines Jongleurs. Die Bälle sind allerdings in unserer Lebenswirklichkeit keine bunten Kugeln, sondern haben Namen. Sie heißen z. B.: Telefonat führen, Geburtstagsfeier organisieren, Mitarbeitergespräch reflektieren, Hauskreis vorbereiten, Besuch bei Oma, Einkauf erledigen, Zahnzusatzversicherung wechseln, E-Mails checken und bearbeiten usw.

Diese und noch etliche andere Bälle allesamt in der Luft zu halten, kann einen ganz schön ins Schwitzen bringen und fordert unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Manche werden sogar zu recht guten Jongleuren ihrer vielen Aktivitäten. Schließlich kommt einer vorbei und sagt: „Donnerwetter, wie schaffst du das nur?“ So ein Kompliment verleiht Flügel, macht ein klein wenig stolz und spornt uns womöglich an, noch weitere Bälle dazuzunehmen. Das mündet jedoch in der Regel darin, dass wir im Umgang mit unseren Aktivitäten zunehmend hektischer agieren und jetzt die Gefahr immer größer wird, dass uns die ersten Bälle aus der Hand gleiten und zu Boden purzeln.

Die Kunst, Zeit zu haben, ist jedoch viel mehr, als seine zahlreichen Aktivitäten mit Geschick durch den Alltag zu jonglieren. Sie fängt allerdings erst dann an, unser Leben zu prägen, wenn in der Tiefe der Persönlichkeit eine Transformation stattfindet: Eine Wandlung, die unsere Lebensperspektive, unser Denken und schließlich unser Handeln und Fühlen erfasst.

Über diese Veränderung eines rastlos bemühten Jongleurs zu einem gelassenen Menschen, der das Geheimnis, Zeit zu haben, verinnerlicht und auslebt, davon handelt der erste Teil dieses Buches: Die Kunst, Zeit zu haben.

 

 

Kapitel 1: Unsere Zeit – kostbar und knapp

Unsere Zeit ist mit Abstand das Kostbarste, was wir haben. Jeder von uns hat nur eine begrenzte Zeitspanne zur Verfügung. Wir wissen nicht, wie viel von diesem kostbaren Gut wir noch besitzen, wie viel Zeit uns bis zum letzten Atemzug womöglich bleibt. Nirgendwo wird das deutlicher als gerade bei der Zeit: Sie ist ein Geschenk, das wir gänzlich umsonst, ohne irgendeine Gegenleistung empfangen haben. Andere Sachen wie Geld oder Besitz können wir in unserem Leben mit etwas Geschick und Tatkraft anhäufen und vermehren. Doch mit „Zeit“ ist dies schlichtweg unmöglich. Wir können sie nicht einfach vervielfachen oder sie beliebig oft durchlaufen. Wir haben hier nur diesen einen Durchgang, dieses eine Leben. Der Milliardär wie auch der Hartz-IV-Empfänger sind vor der Zeit im Grunde genommen gleich. Beide wissen in der Regel nicht, wie arm oder reich sie noch an diesem Gut sind, wie viel Lebenszeit ihnen noch geschenkt wird. Wie auch immer wir uns anstrengen, unsere Zeit zu strecken oder zu dehnen, es ist und bleibt ein vergebliches Unterfangen. Jesus bringt es in der Bergpredigt auf den Punkt: „Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“ (Matthäus 6,27), und an anderer Stelle wird die Bibel noch deutlicher: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Psalm 90,12).

Die Erkenntnis, dass unsere Zeitspanne begrenzt und deshalb äußerst kostbar ist, dringt allerdings im normalen Alltag kaum in dem Maße in unser Bewusstsein vor, als dass wir uns erkennbar danach ausrichten würden. Es scheint im Gegenteil eher so zu sein, dass wir unbewusst alles versuchen, um nicht daran erinnert zu werden.

Unsere Gedanken und Gefühle sind primär damit beschäftigt, das eigene Leben im Hier und Jetzt zu bewältigen, was jeder von uns auf seine persönliche Art und Weise durchbuchstabiert. Für einige bedeutet dies, mehr den Augenblick zu genießen, andere dagegen basteln mit strebsamer Ausdauer an ihrer Karriere. Dann gibt es Charaktere, die in erster Linie bei den Menschen gut ankommen wollen, für andere wiederum ist es vorrangig, materielle Sicherheiten aufzubauen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Schließlich gibt es Zeitgenossen, die nehmen selbst die kleinsten Dinge ganz genau, während andere Gemüter großen Visionen hinterherjagen und Details als eher lästig empfinden usw.

Welchen der oben aufgeführten Varianten auch immer unsere Sympathien bzw. Antipathien gelten bzw. welche wir vielleicht sogar persönlich favorisieren – unterschwellig ahnen wir, dass wir mit diesen unbewussten, idealisierten Lebensentwürfen nicht in ein erfülltes Leben hineinkommen.

Aus der Psychologie wissen wir allerdings, dass jeder von uns einen solchen heimlichen Lebensentwurf seit seiner Kindheit mit sich herumträgt. Dabei wird im täglichen Lebensvollzug immer wieder viel Energie und Zeit aufgebracht, damit dieser innere Entwurf optimal realisiert wird.

Oder zu besseren Vorstellung in ein Bild übertragen: Diese unbewussten Entwürfe ähneln unterschiedlichen Lebensleitern. Dabei sind wir dahinter her, uns im Sinne unserer inneren Leitidee nach oben zu bewegen. Jeder von uns hat eine solch heimliche Lebensleiter, die er versucht, immer höher emporzusteigen. Unser Lebensgefühl ist voller Glücksmomente, wenn es in der Tat gelingt, die nächst höhere Sprosse zu erklimmen: Hurra! Wir haben es gemeistert! Innerlich vollführen wir einen begeisterten Luftsprung. Geht es allerdings nach unten, melden alle unsere Sinne: Gefahr im Verzug. Daraufhin mobilisiert der Betreffende sämtliche Reserven, damit sein Abstieg keinesfalls weitergeht. Gelingt das nicht, dann klopft lautstark das Gespenst der Resignation oder gar der Depression an seine Tür.

Nicht wenige arrangieren sich allerdings auch mit dem Niveau, das sie erreicht haben. Dieses Arrangement lässt sie aber wiederum in einer gewissen Unzufriedenheit verharren, weil sie sich im Sinne ihres Lebensentwurfs, ihrer Sehnsucht eben, mit Mittelmäßigkeit bescheiden müssen.

Dieses Rauf und Runter auf dieser heimlichen Lebensleiter frisst den Großteil unserer Zeit und Energie. Wir sind so darauf fixiert, dass wir eines gar nicht bemerken. Unsere Leiter steht an der falschen Wand. Wenn wir in die Bibel reinschauen, dann greift sie dieses Thema auf sehr deutliche und drastische Art und Weise auf. Eine dieser Leitern ist z. B. das Streben nach materieller Sicherheit oder auch das Verlangen nach mehr Geld und Besitz.

„Zeit ist Geld“ ist ein Slogan, den fast jeder kennt. Aber was wird hier eigentlich ausgesagt? Es wird uns suggeriert, dass Zeit dafür da ist, um Geld zu machen. Zeit wird in dieser Aussage auf ein materielles Niveau degradiert. Das führt jedoch in die Irre. Natürlich braucht man Zeit, um Geld zu machen, zu verdienen oder sogar anzuhäufen, aber Zeit ist so viel mehr als bloß ein Äquivalent zu Geld.

In der Bibel warnt uns Jesus im Gleichnis vom reichen Kornbauern nachdrücklich davor, die Zeit als Hilfsmittel anzusehen, um materielle Dinge anzuhäufen. Wer auf diesem Irrweg unterwegs ist, kann eine böse Überraschung erleben und entdecken, dass seine Investition völlig vergeblich war und er am Ende mittellos dasteht:

Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott (Lukas 12,16-21).

Mit Zeit kann man unendlich viel mehr machen, als sich vergänglichen Besitz anzuhäufen. Zeit ist das größte Geschenk, das uns Gott gegeben hat. Wir können sie auf die verschiedenartigste Weise durchschreiten und durchleben. Der Fantasie sind hier einfach keine Grenzen gesetzt. So wie keine Schneeflocke der anderen gleicht und jede einzigartig ist, so ist auch unser Schreiten durch die Zeit etwas völlig Einmaliges. So, wie du selber einmalig bist, so unvergleichlich soll auch deine Lebensreise durch die Zeit sein. Du bist einzigartig, kein Klon. Dich gibt es kein zweites Mal. Dein Leben ist ein beispielloses Unikat in Raum und Zeit, das du auf deine Weise kreativ und originell gestalten darfst, wie du es vermagst.

Zeit ist wie ein Buch mit leeren Seiten, in das du deine Geschichte schreibst. Sie ist wie ein weißes Papier, auf dem du dein Bild malst. Zeit ist wie der Ton in den Händen des Töpfers, aus dem er sein Kunstwerk baut. Sie ist wie ein Film, in dem du die Vollmacht erhalten hast, Regie zu führen. Sie ist dir geschenkt, um etwas Unvergleichliches in diesem Universum ins Leben zu rufen. Dieses originale Kunstwerk ist wie ein persönlicher Maßanzug, der genau auf dich zugeschnitten ist und soll eben gerade nicht auf ein Standardmuster reduziert werden, das rechts und links neben dir gelebt wird. Oft vergleichen wir uns mit anderen, die uns auf ihre Art irgendwie „taff“ vorkommen und wollen dann auch so sein. Dabei vergessen wir, dass wir selber einzigartig sind.

Die Zeit, die Gott uns als Geschenk zur Verfügung stellt, werden wir dann als erfüllt erleben, wenn wir unseren eigenen, ganz individuellen Weg entdecken, den kein anderer so beschreiten kann, wie nur wir alleine es vermögen.

Der reiche Bauer in dem Gleichnis hat sich entschieden, dass materielles Gut die Grundlage seines Lebensentwurfs ist. Das gibt ihm die vermeintliche Sicherheit, nach der seine Seele sich sehnt. Diese Sehnsucht nach Sicherheit wurde uns schon 1986 durch den markanten Spruch von Norbert Blüm vorgegaukelt: „Denn eins ist sicher – die Rente!“ Heute wissen wir, dass das eine glatte Lüge war. Zum einen werden einige, wie der reiche Bauer, das Rentenalter erst gar nicht erreichen und zum anderen wird sich das herkömmliche Rentensystem spätestens in wenigen Jahren wegen des demographischen Wandels auf der Intensivstation wiederfinden. Warum? Weil dann die „Babyboomer“, d. h. die geburtenstarken Jahrgänge in das Rentenalter kommen und immer weniger Beitragseinzahler der rapide wachsenden Zahl von Rentnern gegenüberstehen. So werden wir mit flotten Sprüchen und eingängigen Parolen an der Nase herumgeführt.

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ – war ein Slogan, der rasant zum Hit wurde, den jeder kannte. Warum? Weil er genau den Nerv der Einstellung traf, dass edler Besitz nicht nur Sicherheit, sondern auch noch beneidenswertes Sozialprestige im Kielwasser hat, das so nebenbei als Trumpf-Ass präsentiert wird.

In Jesu Augen ist die Zeit, die jedem von uns geschenkt wurde, einfach zu kostbar, um solchen besitzlüsternen und prestigeträchtigen Sprüchen hinterherzulaufen. Trotzdem dreht sich unser Denken und Handeln oft darum, wie wir es schaffen, ausreichend Kohle zu verdienen oder anzuhäufen. Ohne es zu merken, werden wir mit dem Streben nach mehr und mehr Geld – für welchen Zweck auch immer – zu Menschen, die ihre Knie vor dem Mammon beugen, und das hat zur Folge, dass wir für andere Dinge immer weniger Raum haben.

Es ist ein faszinierender, aber trügerischer Gedanke: Jetzt klotze ich erst einmal richtig ran, verdiene dick Kohle, notfalls auch im Ausland. Wenn ich vierzig bin, jedoch spätestens mit fünfzig, hab‘ ich meine Schäfchen ins Trockne gebracht. Dann arbeiten mein Kapital und meine Leute für mich. Ich habe ausgesorgt und kann schließlich in Ruhe das Leben genießen. Damals in jungen Jahren fand ich diese Einstellung recht attraktiv und habe meine Freunde beneidet, die so „taff“ drauf waren. Heute muss ich rückblickend feststellen, dass sich in deren Leben kein einziger dieser ehemals so überzeugenden Sprüche realisiert hat. Mittlerweile arbeiten sie mindestens so viel wie damals, oft sogar mehr.