Skandalös leben - Günter Kretz - E-Book

Skandalös leben E-Book

Günter Kretz

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Beschreibung

Etliche Aussagen, die wir in der Bibel über Gnade finden, sind im Grunde genommen skandalös! Unser gesamtes Rechtsempfinden und unsere innere Werteskala werden auf den Kopf gestellt, da unser ganzes Streben, besonders in der westlichen Leistungsgesellschaft, auf gänzlich anderen Säulen ruht. Diese Säulen heißen unter anderem Leistung, Besitz und Image. Ausgehend von diesen Gedanken beginnt uns der Autor auf eine spannende und herausfordernde Entdeckungsreise mitzunehmen, auf der wir dem Wesen der Gnade tiefer auf die Spur kommen. Wir erkennen, welche Wege uns helfen, einen Lebensstil der Gnade einzuüben, und sehen klarer, welche inneren Einstellungen uns immer wieder davon abbringen wollen. Dieses Buch ist kein Buch nur zum Lesen, sondern zum „Graben“: Jedem Kapitel folgt eine fundierte Bibelarbeit, um das Gelesene zu reflektieren, zu vertiefen und zu verarbeiten. Als Ergänzung zum Buch ist außerdem ein separates „Heft für Kleingruppenleiter“ mit entsprechenden Anregungen für den Austausch in einer Kleingruppe erhältlich.

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Seitenzahl: 277

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Günter Kretz

Skandalös leben

Gnade als Lebensstil entdecken

GloryWorld-Medien

 

 

 

 

 

 

1. E-Book-Auflage 2017

© 2016 Günter Kretz

© 2016 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Rev. Lutherbibel von 1984 entnommen.

Weitere Bibelübersetzungen:ELB: Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 2006GNB: Gute Nachricht Bibel, 2002.

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Lektorat: Frank Krause (www.autor-frank-krause.de)Satz: Manfred MayerUmschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.deFoto: fotolia

ISBN (epub): 978-3-95578-406-5

ISBN (Druck): 978-3-95578-306-8

Inhalt

Vorwort

TEIL I – GNADE

1 Gnade entdecken

2 Das Fundament der Gnade

3 Der Gnadenskandal

TEIL II – IN DER GNADE WACHSEN?

4 Die Heilige Schrift

5 Der Heilige Geist

6 Heiliges Leben

7 Die Gemeinschaft der Heiligen

8 Aus Gnade leben

TEIL III – GNADENPFADE UND SACKGASSEN

9 Demut und Stolz

10 Glaube und Zweifel

11 Vergeben und Vergelten

12 Lob und Dank – Murren und Nörgeln

13 Ruhe und Eile

 

Epilog

Literaturverzeichnis

Danksagung

Vorwort

Noch ein Buch über Gnade? Ist dergleichen nicht schon genug auf dem Büchermarkt? In der Tat gibt es dort Wertvolles zu finden, was den Leser bereichern wird. Es gibt aber zu den Büchern, die sich unter dem Thema „Gnade“ gegenwärtig auf dem Markt befinden, meines Wissens nach keines, das dem Leser jeweils eine weiterführende und vertiefende Reflexion zu jedem Kapitel anbietet sowie entsprechende Anregungen für den Austausch in einer Kleingruppe in einem ergänzenden Heft mitgibt.

Dieses Buch, das du jetzt in den Händen hältst, ist im klassischen Sinne kein Buch nur zum Lesen, sondern zum „Graben“. Beim Lesen räumst du einige Schätze an der Oberfläche ab, beim Graben jedoch gehst du in die Tiefe und findest Schätze ganz anderer Qualität. Nach jedem Kapitel wird die Möglichkeit gegeben, anhand einer fundierten Bibelarbeit das Geschriebene zu reflektieren, zu vertiefen und zu verarbeiten.

Meine Motivation, dieses Buch zu schreiben, bestand in erster Linie darin, mit der göttlichen Botschaft der Gnade, die streckenweise so paradox erscheint und geradezu skandalös anmutet, einen provozierenden Gegenpol zu unserer leistungsorientierten, autonomen und beziehungsarmen Lebensart zu setzen, die auch vor der christlichen Gemeinde nicht Halt macht.

Wir sollten noch einmal überdenken, was „Gnade“ in der Tat für uns persönlich und für unsere Gemeinschaft bedeuten kann. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum, wenn wir meinen, Gott würde in diesen Tagen nicht noch Entscheidendes auf der Wegstrecke, die direkt vor uns liegt, bereithalten. Es ist Zeit, sich danach auszustrecken und es zu empfangen – ganz umsonst, ohne Gegenleistung. Aber wir müssen es schon wollen. Dafür will dieses Buch eine Hilfe sein, denn es ist für diejenigen geschrieben, die bereit sind, tiefer zu graben, nachdem sie die Schätze an der Oberfläche abgeräumt haben.

Vom Finden und Heben solcher Schätze aus der Tiefe spricht auch Jesus im Gleichnis von dem Schatz im Acker:

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker (Matthäus 13,44).

Noch eine Anmerkung zum Ende dieses Vorwortes: Ich habe bewusst statt der förmlichen Anrede „Sie“ das persönlichere „du“ gewählt. Damit will ich mich dem Leser nicht anbiedern oder ihm zu nahetreten, aber ich hatte den Eindruck, dass das „du“ den Zeilen eine menschlichere, intensivere Note verleiht und der Leser näher an die zentralen Punkte, die ich ihm vermitteln will, herangebracht wird.

 

TEIL I: GNADE

 

 

Gnade ist im Grunde genommen skandalös! Unser ganzes Rechtsempfinden und unsere innere Werteskala, nach der wir Tag für Tag leben, werden auf den Kopf gestellt. Gnade ist einfach ungerecht. Der, der sie nicht verdient, erhält sie und der, der sie vielleicht verdient hätte, geht daran vorbei, weil man sich Gnade eben nicht verdienen kann. Das wäre ein Widerspruch in sich selbst. Das Wesen von Gnade ist unserer Erfahrung völlig fremd geworden, denn unser ganzes Streben, besonders in der westlichen Leistungsgesellschaft, ruht auf ganz anderen Säulen. Diese Säulen heißen unter anderem Leistung, Besitz und Image. Ein erfolgreiches Leben baut auf diesen Säulen auf und unser Sozialprestige und unser inneres Wertesystem sind damit verknüpft, ob wir dies wahrhaben wollen oder nicht.

Weil wir im Grunde genommen kaum etwas damit anfangen können, kommt das Wort Gnade in unserem alltäglichen Sprachgebrauch entsprechend wenig vor. Wir haben uns mittlerweile so daran gewöhnt, dass uns Gnade fehlt, dass es einem überhaupt nicht mehr auffällt. Wir wissen eigentlich gar nicht mehr so richtig, was damit gemeint ist, sodass wir es auch gar nicht weiter vermissen, ausgenommen vielleicht am Sonntagmorgen, wenn wir es möglicherweise einmal in einem Gottesdienst von der Kanzel hören. Aber es dringt nicht bis in unseren Alltag vor, weil es in uns keine Resonanz mehr findet.

Diese Entfremdung von Gnade hat zur Folge, dass dem christlichen Glauben zunehmend die Basis verlorengeht, auf der er fußt. In unseren Köpfen ist die Vorstellung von einem gelungenen, erfolgreichen Leben mit ganz anderen Bildern gefüllt, als dass Gnade darin Platz hätte.

Gnade ist etwas, was wir uns nicht selber geben können; sie wird uns geschenkt, unverdient. Gnade haben wir nicht im Griff, sie entzieht sich uns, wenn wir sie uns verdienen wollen. Dies macht Gnade für uns so schwer fassbar, weil sie im Gegensatz zu unserem Streben steht, unser Leben in eigener Regie zu führen und zu gestalten. Gnade erscheint uns wie der unbekannte Faktor X, dem man hilflos gegenübersteht. So verlagern wir unsere Lebensenergie lieber auf greifbare Ziele wie Sicherheit, Bedeutung, Harmonie oder Wohlgefühl. Und die Regale der Buchhändler quellen von Ratgebern über, wie diese Dinge zu erreichen sind. Dabei bleibt die Gnade auf der Strecke. Deshalb ist es an der Zeit, sie ganz praktisch – als Lebensstil – wiederzuentdecken, da Gott ihr in seinem großen Plan eine Hauptrolle gegeben hat.

 

Kapitel 1: Gnade entdecken

Was viele von uns vielleicht noch am ehesten mit Gnade verknüpfen, ist der Gedanke der Amnestie. Jemand, der es „verdient“ hat, bekommt seine Strafe erlassen, weil er vom König, Präsidenten oder obersten Machthaber des Landes eine Begnadigung erhält. Der rechtskräftig Verurteilte wird wieder in die Freiheit entlassen, ohne seine Strafe abzusitzen. Dieser Mensch erhält also, nachdem sein Antrag sorgfältig geprüft worden ist, einen Erlass seiner Schuld, eine Amnestie oder eben eine Begnadigung.

Eine solche Begnadigung wirkt sich aber nicht automatisch aus, sondern dazu gehören zwei Seiten, wie wir gleich sehen werden.

Die zwei Seiten von Gnade

Eine fiktive Geschichte soll diesen zweiseitigen Aspekt von Gnade ein wenig verdeutlichen. Es ist ein Ereignis, das sich im 19. Jahrhundert in den USA so abgespielt haben könnte. Zu der damaligen Zeit war die Todesstrafe dort noch weit verbreitet; sie galt und gilt in einigen Bundesstaaten der USA bis heute.

Es ist die Geschichte von Tom, dem Attentäter, der den Gouverneur von Alabama und seine Frau niederschoss. Der Gouverneur überlebte das Attentat, seine Frau allerdings nicht.

Tom wurde nach kurzer Zeit im Nachbarbundesstaat Mississippi in New Orleans geschnappt, eingelocht und ihm wurde der Prozess gemacht. Seine Schuld war offensichtlich, seine Strafe auch: Todesstrafe. Damals erfolgte die Hinrichtung nicht auf dem elektrischen Stuhl, sondern am Galgen durch den Strang.

In der Todeszelle brütet nun unser Todeskandidat vor sich hin, mit dem Blick durch das vergitterte Fenster auf den Hof, wo schon der Galgen aufgebaut wird, den nahen Tod täglich vor Augen. Der Tag der Hinrichtung kommt näher und näher. Am Vorabend der Hinrichtung bekommt nun unser Todeskandidat Besuch von einem vornehm gekleideten Herrn, der einen dunklen Anzug trägt.„O Mann, o Mann“, denkt Tom in der Zelle bei sich, „das ist bestimmt der örtliche Pfaffe, der dir noch am Schluss irgendwie fromm kommen muss. Das ist wohl das Allerletzte, was ich jetzt brauche.“ Und so fährt er diesen Herrn durch die Gitterstäbe der Zelle an: „Scheren Sie sich zum Teufel, ich brauche jetzt keinen Typ mehr, so wie Sie!“ Der Mann im Anzug vor der Zellentür lässt sich aber nicht so schnell abspeisen und setzt zum Reden an, doch Tom in der Zelle lässt ihn gar nicht zu Wort kommen und überschüttet ihn mit einem Schwall von Schimpfworten und Flüchen: „Was wollen Sie hier eigentlich noch, Sie Heuchler. Sie gaukeln uns ja nur etwas vor, Sie Scheinheiliger. Meinen Sie wirklich, ich würde Sie jetzt noch brauchen? Jetzt? Sie können mir nicht mehr helfen, und das wissen Sie. Ich brauche keinen Billigtrost, Sie Klugscheißer! Das ist doch einfach lächerlich. Verpiss dich.“ Und als der Mann im dunklen Anzug nochmals ansetzt, schreit Tom ihn an: „Verpiss dich, habe ich gesagt. Guck nicht so blöd, mach die Fliege!“ Der Mann vor der Zelle versucht es zum dritten Mal, doch Tom brüllt ihn an. „Neeeiin! Halt die Luft an. Wache, Wache!!! Ich will den Typ hier nicht mehr sehn. Verschwinde, verschwinde!“ Und so dreht der Mann sich um und geht. Tom in der Zelle atmet erstmal tief durch und hat für den Rest des Abends und in der Nacht seine Ruhe vor weiteren Störungen dieser Art.Der nächste Morgen kommt, der Tag seiner Hinrichtung. Der Galgen im Hof ist fertig. Der Henker kommt, um ihn abzuholen und hinzurichten.Tom wird abgeholt und fragt noch nach, ob der Schleimer von gestern Abend, der Pfaffe, die Fliege gemacht und auch wirklich gegangen ist. „Ja“, sagt der Henker, „der ist gegangen … leider.“ „Leider, wieso leider? Auf diesen Schleimer kann ich gern verzichten!“„Nun“, antwortet der Henker auf dem Weg in den Gefängnishof, wo der Galgen steht, „der Mann von gestern Abend war nicht der Pfarrer von hier, der ihnen ein paar Trostworte spenden wollte …“ „Nicht der Pfarrer? Ja, wieso, was? Wer denn sonst?“, fragt etwas verdattert unser Mann auf dem Weg zur Hinrichtung. „Wer war er denn?“„Dieser Mann im Anzug gestern Abend vor ihrer Zellentür, das war der Gouverneur, der Gouverneur des Landes“, klärt ihn der Henker auf, „und er hatte eine Begnadigung für Sie! Aber Sie haben ihn abgewiesen. Und heute werden Sie hingerichtet – nicht weil Sie das Attentat begangen haben, sondern weil Sie ihm keine Gelegenheit ließen, Sie zu begnadigen. Das sollten Sie noch wissen, ehe es so weit ist. Haben Sie noch einen letzten Wunsch?“Tom ist zu schockiert, um überhaupt noch irgendetwas zu sagen. Und dann wird er hingerichtet – durch den Strang.

In dieser Geschichte wird neben dem tragischen Ausgang für unseren Tom eines deutlich: Zu einer Amnestie, die wirksam werden soll, gehören stets zwei Parteien. Eine Seite, die die Amnestie oder Begnadigung gewährt und auf der anderen Seite diejenige, die sie empfängt. Eine Binsenweisheit, die aber von entscheidender Bedeutung ist! Wieso eigentlich? Warum ist das so wichtig? Ist das Beispiel nicht total unrealistisch? Wer würde schon eine Begnadigung ausschlagen?

Wie wir gesehen haben, war unser Tom in seinem Inneren für eine solche Chance überhaupt nicht mehr zugänglich. Er war ganz gefangen von seiner momentanen Sicht der Dinge. Die Wirklichkeit jedoch sah vollkommen anders aus, als er meinte. Vielleicht glauben wir, dass einer wie Tom doch selbstverständlich zugreift, wenn ihm Gnade angeboten wird, aber in seinem Denken kam diese Möglichkeit gar nicht vor.

Diese Geschichte über Tom ist ein „modernes“ Gleichnis, das eine geistliche Wahrheit für uns verständlich macht. Der Gouverneur steht für Gott, der die Möglichkeit einer Begnadigung für den Menschen eröffnet und sie ihm persönlich anbietet. Eine Begnadigung für alle Zeit und Ewigkeit! Tom steht stellvertretend für alle Menschen, die irgendwie schuldig geworden sind – aus welchen Gründen auch immer. Der Mensch sitzt im Grunde genommen tief in einer ausweglosen Situation und kommt da nicht von alleine heraus. So kommt Gott selber zu den Menschen und bietet ihnen eine Begnadigung an. In der Realität war das der Grund für Jesu Menschwerdung und sein Sterben am Kreuz.

Wir müssen verstehen, dass sich die zentrale Aussage der Bibel nicht um moralisch gutes oder verwerfliches Handeln dreht, wie viele vielleicht meinen, sondern um etwas ganz anderes: Es geht um eine Amnestie, um eine Begnadigung für die Menschen. Und Jesus ist dabei der zentrale Dreh- und Angelpunkt.

Wenn ich Menschen auf der Straße interviewe und dann im Gespräch nachfrage: „Was glauben Sie, ist die zentrale Botschaft der Bibel?“, dann sagen etliche: „Wir sollen einander lieben!“ Das ist ja nicht falsch, es ist eine der vielen Aussagen, die sie macht, aber nicht die primäre Kernbotschaft. Die Kernbotschaft der Bibel ist die Nachricht von der Begnadigung des Menschen durch Gott selbst, und zwar durch den Glauben an Jesus Christus. Johannes, einer seiner Jünger, schreibt dazu:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes (Johannes 3,16-18).

Es wird dich jetzt vielleicht verwundern oder möglicherweise auch provozieren, wenn ich behaupte, dass die Mehrzahl der Menschen wie Tom gestrickt ist. Sie pfeifen auf die Gnade. Ja, die meisten wissen nicht einmal darum, genau wie Tom. Es kommt erst gar nicht bei ihnen an, worum es dabei eigentlich geht. Und deshalb kann sie sich bei ihnen auch nicht auswirken.

Neben dieser Gruppe von Menschen, die diese Botschaft von der Begnadigung noch gar nicht kennen, gibt es die Gruppe von Menschen, die diese Nachricht von der Amnestie wohl hören, aber ihr nicht glauben. Und deshalb kann diese Nachricht bei ihnen keine Wurzeln schlagen. Sie haben zwar Ohren, hören sie aber nicht. Es perlt einfach an ihnen ab oder, wie der Volksmund sagt, es geht in das eine Ohr rein und aus dem anderen Ohr wieder raus.

Dann gibt es die dritte Gruppe von Menschen, die hören die Botschaft der Begnadigung und nehmen sie an. Damit sind sie zwar de facto befreit, jedoch schlägt in ihrem Herzen weiter das schlechte Gewissen (was übrigens der große Feind der Gnade, der Teufel, kräftig schürt), über das, was sie sind und was sie getan haben. Letztlich glauben sie dann dieser Stimme mehr als dem, der ihnen die Amnestie gewährt hat. Sie fühlen sich noch immer irgendwie schuldig. Dabei geht es im Kern zumeist um eine Sache: Sie können sich selber nicht vergeben! Deshalb kann die Botschaft der Begnadigung ihr Leben nicht durchdringen und sie werden nicht wirklich frei von ihrer Schuld.

Dann gibt es eine weitere Gruppe, die nimmt die Begnadigung wohl an, macht sich aber keine weiteren Gedanken darüber. Sie lebt im Prinzip so weiter wie vorher auch. Sie nimmt die Amnestie in einer Art und Weise an, als handle es sich dabei um den „Toast zum Frühstück“. Es kommt sozusagen Weihnachten mit einem Riesengeschenk über sie, aber das Leben muss ja weitergehen. „Business as usual“ ist angesagt. Diese Menschen sind zwar theoretisch frei, aber die Botschaft der Amnestie bleibt an der Oberfläche ihres Lebens. Sie versäumen es, sich vom Geschenk der Amnestie tiefer erfassen zu lassen und aus der Gnade heraus zu leben. Der „skandalöse Lebensstil aus Gnade“ kann ihr Herz nur streifen, aber ihr eigentliches Leben bleibt davon im Wesentlichen unberührt.

Und dann gibt es die Gruppe von Menschen, die diese Botschaft hören und sich davon dankbar ergreifen und durchdringen lassen. Sie erkennen, dass diese Begnadigung ein unglaubliches Geschenk mit ungeahnten Möglichkeiten darstellt. Sie begreifen, dass diese göttliche Generalamnestie das Sprungbrett für ein befreites Leben ist, das den gewohnten Horizont ihrer Lebensvorstellungen sprengt. Sie sind neugierig und voller Erwartung, was hinter diesem Horizont noch alles liegt. Und sie machen sich auf den Weg, diesen „Typ“ namens Jesus, der sie so überaus reichlich beschenkt hat, näher kennenzulernen. Das sind die Menschen, die für den „skandalösen Lebensstil“ bereit sind, um den es in diesem Buch geht.

Reflexion und Vertiefung

Wenn du die folgenden Fragen, Anregungen und Impulse zur Reflexion und Vertiefung zu diesem und den jeweils folgenden Kapiteln durchgehst, dann ist es sinnvoll, deine Gedanken dazu stichwortartig in die jeweils folgende leere Seite oder z. B. in ein separates Heft niederzuschreiben. Verweile ein wenig bei deinen Notizen und Eindrücken und ergänze sie gegebenenfalls. Damit wirst du Schätze aus der Tiefe ans Licht holen, die dein Leben und das Leben anderer erhellen und weiter bereichern werden.

1. Was löst diese fiktive Geschichte von Tom, dem Attentäter, bei dir aus?

2. Inwiefern ist dieser Vergleich für dich realistisch, und inwieweit ist er für dich reine Fiktion?

3. Was hat dich am meisten motiviert, dich mit dem Angebot einer Amnestie auseinanderzusetzen?

4. Lies 2. Korinther 5,19-21. Versuche mit deinen eigenen Worten die Botschaft der Begnadigung, wie sie in dieser Bibelstelle beschrieben wird, auszudrücken.

5. Wie wird die Amnestie – im Sinne dieser Bibelstelle – wirksam?

 

Kapitel 2: Das Fundament der Gnade

Gnade ohne ein solides Fundament ist wie eine bunte, schillernde Seifenblase. Wenn man nach ihr greift, um sie zu fassen, zerplatzt sie wie ein schöner Traum. Gnade ohne Fundament ist ein leeres Versprechen.

Dieses Vorgaukeln von Illusionen sind wir von der Werbung schon so gewohnt, dass sich kaum einer mehr über leere Versprechungen aufregt. Täglich werden wir mit einer Flut von subtilen Botschaften bombardiert, die uns alles Mögliche versprechen: „Nimm mich, dann wirst du wirklich glücklich. Wenn du das nicht hast, dann bist du out. Wenn du dies oder jenes noch kaufst, dann wird dein Leben top. Hier, dir fehlt dieses eine Ding noch! Was wird XY sagen, wenn ich damit ankomme? Der wird staunen … usw.“

Wir staunen nun aber schon lange nicht mehr darüber, dass das eigentlich nur leere Worte sind. Wir haben uns daran gewöhnt, mehr oder weniger raffiniert belogen zu werden. Deshalb ist unsere Seele misstrauisch geworden – und das nicht zu Unrecht. Ihr fällt es schwer, zu vertrauen, besonders wenn jemand uns weismachen will, dass wir mit diesem Ding, das er uns anbietet, den Hauptgewinn gezogen haben. „Was will der mir hier eigentlich wirklich verkaufen?“, so denken wir im Stillen, wenn unser Gegenüber uns weismachen will, wir hätten mit seinem Produkt das große Los gezogen.

Deshalb braucht ein Versprechen ein glaubwürdiges Fundament, sonst kann man sich nicht darauf einlassen. Wenn ich z. B. von einer Bank einen Kredit in Anspruch nehmen will, dann gibt sie ihn mir nicht so ohne weiteres. Nicht jeder bekommt einen Kredit. Erst wenn die Bank glaubt, dass sie das Geld eines Tages wieder zurückbekommt, erhält der Kunde den Betrag ausgezahlt. Der Vertragspartner wird also einer Bonitätsprüfung unterzogen: Macht dieser wirklich keine leeren Versprechungen, wenn er kundtut, er werde diesen Betrag pünktlich oder auch ratenweise wieder zurückzahlen?

Heutzutage müssten sich die Banken gewissermaßen selbst einer Prüfung unterziehen, weil sie seit der Finanzkrise 2008 viel Vertrauen in der Bevölkerung verloren haben. Dieser ganze Vorgang beruht im Grunde auf Vertrauen oder auf dem Glauben, dass der andere seinen Part zuverlässig erfüllt. Letzten Endes ist unsere gesamte Wirtschaft, wie auch das ganze monetäre Geldsystem, auf Vertrauen aufgebaut, dass hier keine leeren Versprechungen gemacht und Verträge eingehalten werden. Bricht das Vertrauen weg, dann funktioniert das ganze System nicht mehr und fällt in sich zusammen. Dies haben wir in der Geschichte schon mehrmals erlebt, und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann sich diese – auch hier im reichen Westen – wiederholt.

Gnade braucht ein festes Fundament, sonst sind ihre Angebote leere Versprechungen. Es bedarf sozusagen einer verlässlichen „Bonitätsüberprüfung“, ehe ich mich auf irgendein Angebot einlasse, sonst handle ich grob fahrlässig – in einer Welt, die darauf spezialisiert ist, leere Versprechungen zu machen.

Um das konkret zu tun, muss ich wissen, mit wem ich es zu tun habe, was sein Angebot beinhaltet und was mein Beitrag dazu ist, damit diese Einladung in der Tat wirksam werden kann.

In unserem Fall haben wir es nicht mit einem Menschen zu tun, sondern mit dem lebendigen Gott. Er ist der Schöpfer, so stellt ihn uns jedenfalls die Bibel vor. Damit gehört ihm sowieso alles, also von dieser Seite sind Zweifel an seiner „Bonität“ kaum angebracht.

Aber wie steht es mit seinen weiteren Eigenschaften? Ist er vertrauenswürdig? In der Bibel sehen wir an vielen Stellen, wie Gott sich uns Menschen immer wieder auf unterschiedliche Art und Weise mitteilt. Vielleicht hast du die Bibel oder große Teile davon schon gelesen, dann bist du – was ihn betrifft – bereits in groben Zügen informiert. Aber vielleicht auch nicht, und du fragst dich, was diesen Gott denn eigentlich so vertrauenswürdig macht, dass man sich auf ihn einlassen kann oder sich zumindest einmal mit seinem Angebot auseinandersetzen sollte?

Genau diese Frage haben vor dir schon viele andere gestellt. Die Bibel ist voll von Begegnungen zwischen Menschen und Gott. Sie erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven, welche Erlebnisse und Erfahrungen Menschen mit diesem unfasslichen Gott gemacht haben, als er sich ihnen auf seine Art und Weise zeigte und „Kontakt“ mit ihnen aufnahm. Darüber hinaus finden wir etliche Beispiele von Menschen, die eine regelrechte Beziehung mit Gott gelebt haben.

Und genau an dieser Stelle beginnt ein erster Schritt des Glaubens, den dir kein anderer abnehmen kann. Dieser Schritt bedeutet: Bist du bereit, dieses Angebot zu prüfen, ob und was denn in der Tat wirklich dahintersteckt oder ob hier nur leere Versprechungen gemacht werden? Das heißt auch, dass du erst einmal ein gewisses Risiko eingehst, weil du im ersten Augenblick nicht wirklich abschätzen kannst, auf was du dich eigentlich einlässt. Die meisten Menschen glauben einfach nicht, dass sich der Zeitaufwand lohnt, den Gott der Bibel einer Bonitätsüberprüfung zu unterziehen. Es scheint zu aufwendig, die Bibel zu fremd und Gottes „Bodenpersonal“ oft von der eigenen Welt zu weit weg zu sein, als dass sich viele dafür tiefer interessierten. Dein Vertrauensvorschuss ist aber notwendig, denn nur so kannst du auf freiwillige Art und Weise Gott wirklich näherkommen und dann begreifen, was er für dich bereithält und dir anbietet.

Gott bittet uns Menschen bis heute um diesen ersten Schritt des Glaubens! Das muss man sich einmal vorstellen! Er hätte ja ganz andere Mittel zur Verfügung, um uns zu überzeugen. Ihm gehören alle Ressourcen des Universums, alle Machtmittel oder sonstige denkbare und undenkbare Möglichkeiten, um uns tiefgreifend zu beeindrucken. Auf diese greift er aber gerade nicht zurück! Was macht er stattdessen? Er bittet uns um einen Schritt des Glaubens, sich ihm wieder zuzuwenden. Die Bibel schreibt dazu:

Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen (Jeremia 29,13-14).

Und Jesus ergänzt dazu im Neuen Testament:

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan (Matthäus 7,7-8).

An einer weiteren Stelle, durch den Propheten Amos, sagt Gott zu seinem Volk:

Suchet mich, so werdet ihr leben (Amos 5,4).

Im Römerbrief geht Gott noch einen Schritt weiter, indem er trotz der Zurückweisung durch die Menschen weiterhin an seiner einladenden Haltung festhält:

Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach dem Volk, das sich nichts sagen lässt und widerspricht (Römer 10,21).

Was veranlasst Gott eigentlich dazu, dich schlicht und einfach um diesen Schritt des Glaubens zu bitten, anstatt dich mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten zu beeindrucken? Warum verzichtet er darauf, sich uns in all seiner Pracht und Herrlichkeit zu zeigen und uns damit zu imponieren? Was veranlasste ihn dazu, in einem unbedeutenden Winkel, in einem dreckigen Stall, als hilfloses Baby bei Bethlehem die Weltbühne zu betreten, was damals kaum jemand bemerkte? Was motivierte ihn, sich nach seiner Kreuzigung und Auferstehung von den Toten nur einigen wenigen Menschen zu zeigen und dann nach ein paar Wochen diese Weltbühne wieder zu verlassen? Warum legte er die Weitergabe seines Angebots einer umfassenden Begnadigung in die Hände einer bunt zusammengewürfelten Truppe von zwölf ungebildeten, einfachen Männern aus dem Volk, statt sie fähigen Persönlichkeiten, wie z. B. dem Erzengel Gabriel und seinen himmlischen Mitstreitern, anzuvertrauen?

Also: Gott könnte uns doch mit seinen Mitteln sehr, sehr deutlich beeindrucken, sodass fast alle davon überzeugt wären, dass es in der Tat viel besser wäre, ihn zu respektieren, anstatt links liegen zu lassen. Dass er dies nicht tut, bedeutet, dass etwas anderes ihm viel wichtiger ist.

Und hier kommen wir zu einem der entscheidenden Punkte: Gott sucht Menschen, die sich freiwillig auf ihn einlassen. Und das mit ganzem Herzen. Dazu sind Machtdemonstrationen wohl kaum geeignet. Sie beeindrucken zwar und wir staunen – aber wir bekommen auch Angst. Gott dagegen ist jemand, der unsere Nähe sucht und unser Herz erreichen will. Er möchte mit uns eine vertrauensvolle Beziehung eingehen. Er ist Liebe, wie es der Apostel Johannes kurz und knapp in 1. Johannes 4,16 beschreibt. Und diese Liebe wirbt um uns, diese Liebe bittet um einen Vertrauensvorschuss und kommt eher auf leisen Samtpfoten daher als mit einer beeindruckenden Machtdemonstration.

Nun sagt Gott: „Ich bitte dich um einen kleinen Schritt des Vertrauens. Ohne diesen geht es nicht. Widme mir ein wenig Zeit und höre zu, was ich dir gerne sagen will.“

Wie soll das geschehen? Dies fragst du dich wohl jetzt beim Lesen dieser Zeilen. Dann lies einfach weiter und bitte Gott, dass er dir dabei deine Sinne und dein Herz erleuchtet.

Um zur wirklichen Brisanz der Kernbotschaft vorzustoßen, die Gott für uns auf dem Herzen hat, müssen wir uns einmal die äußeren Rahmenbedingungen vergegenwärtigen, die die Bibel aufzeigt und in die wir als Menschen hineingestellt sind.

Die Bibel ist da völlig illusionslos und malt dir und mir ein Bild vor Augen, das zunächst ziemlich katastrophal aussieht. Im Hinblick auf unsere Geschichte zeigt sie auf, dass unsere Lage als Menschheit gänzlich hoffnungslos ist, aus eigener Kraft jemals auf einen grünen Zweig zu kommen und eine positive Entwicklung einzuleiten zu können. Wir laufen nicht mehr in der Spur, für die wir geschaffen sind: eine erfüllte und wachsende Beziehung zu Gott und untereinander. Die Menschen haben Gott den Rücken zugekehrt und versuchen, ihr Leben komplett selber in die Hand zu nehmen. Dies beschreibt die Bibel mit der viel belächelten Geschichte des Sündenfalls und der anschließenden Vertreibung aus dem Paradies. Seitdem zieht der von Gott emanzipierte Mensch eine Spur von Blut, Schweiß und Tränen hinter sich her, gezeichnet von Angst, offenem oder auch verstecktem Egoismus, Ungerechtigkeit, Krankheit und Tod. Und es sieht nicht danach aus, als würde sich in unserer Zeit daran etwas Grundlegendes ändern. Dies können wir gut an den zwei Weltkriegen und den vielen bewaffneten regionalen Konflikten der Gegenwart weltweit, an der steigenden Verseuchung der Umwelt, der wachsenden Kluft zwischen Armen und Reichen und dem nicht zu lösenden Problem der Korruption jeglicher Couleur im kleinen und im großen Stil bis heute klar erkennen.

Die Bibel ist streng genommen nicht ein einziges Buch, sondern eine kleine Bibliothek von 66 Büchern mit über 40 verschiedenen Autoren, geschrieben in einem Zeitraum von ca. 1500 Jahren. Trotz der Unterschiedlichkeit der Autoren und des langen Zeitraumes der Entstehung zieht sich ein Generalthema durch das ganze Kompendium hindurch, nämlich Gottes Bemühen, den Menschen in seiner ursprünglichen Bestimmung, für die er gedacht und geschaffen worden war, wiederherzustellen: in eine intime Beziehung zu treten – erstens zu Gott, zweitens zu sich selbst und drittens zu seinen Mitmenschen – und schließlich die Welt kreativ und sinnvoll zu gestalten. Und so schickte Gott durch die Jahrtausende immer wieder seine Botschafter mit dieser Kunde zu den Menschen aus: „Kehrt um, macht nicht so weiter. Ich habe ein Angebot für euch.“

Diese Hinwendung zu den Menschen gipfelte schließlich im Kommen Jesu, von dem das Johannesevangelium Folgendes sagt:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist … und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit (Johannes 1,1-3.14).

Was Johannes hier beschreibt, sagt nichts anderes aus, als dass Gott selber Mensch wurde und unter uns weilte. Dieser Gott-Mensch war Jesus. Jesus passte in keinen der Rahmen, in die man ihn hineinstecken wollte. Er war nicht nur ein hervorragender Lehrer und Mentor, übersprang nicht nur jegliche gesellschaftliche Schranke, heilte nicht nur die Kranken, Lahmen und Blinden, tat nicht nur Wunder und Zeichen, sondern seine zentrale Botschaft lautete: „Ich bin derjenige, der den Schlüssel zu einem erfüllten Leben in ewiger Gemeinschaft mit Gott in den Händen hält. Ich bin der Messias, der Erlöser, der eure ganze Schuld auf sich nimmt und damit den Weg zu Gott für euch wieder freimacht. Ich selber bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, außer durch mich …“

Das sind starke Worte, nicht wahr? Wer würde sich anmaßen, so etwas zu behaupten?

„… und ich habe ein Angebot für euch, ja nicht nur für euch, die ihr das jetzt hört, sondern für alle Menschen aus allen Nationen.“

Dieses Angebot, das Jesus uns macht, ist kein Tauschgeschäft, sondern ein pures Geschenk, ein Angebot aus reiner Gnade. Er erteilte seinen Jüngern den Auftrag, dieses Angebot weltweit bekannt zu machen. Dies ist die „Gute Nachricht“ oder auch das Evangelium, das sie verkündigen sollten und das mittlerweile über den ganzen Globus gelaufen ist. Und doch ist dieses Angebot bis heute den meisten Menschen irgendwie nicht bekannt. Was ist das für eine Nachricht, die so fundamental, aber so schwer zu begreifen ist? Nun, hier ist sie – in einer kleinen Geschichte illustriert:

Vor langer Zeit lebte in einem fernen Lande ein mächtiger und gerechter König. Eines Tages wurde er gewahr, dass in seinem Volk ein gefährliches Glücksspiel immer mehr Macht und Ausbreitung gewann. Nahezu jeder spielte es und arbeitete so mit am Verderben der ganzen Nation. Der König aber liebte sein Volk und beschloss, ein Gesetz herauszugeben, um diese Spielleidenschaft einzudämmen:„Hundert Schläge mit der Peitsche sollen den treffen, der beim Spiel gefunden wurde!“Das Gesetz war in Kraft getreten und trug das Siegel des Königs. Es musste unbedingt befolgt und ausgeführt werden. Wer beim Glücksspiel erwischt wurde, der hatte nun mit einer schweren Strafe zu rechnen. Nach ein paar Tagen begann sich die Stimmung am Hofe zu verändern. Zunächst merkte der König nichts davon. Viele, die vorher so fröhlich und offenherzig miteinander geredet hatten, konnten sich manchmal nicht mehr in die Augen sehen … und in der engeren Umgebung des Königs sah man bei manchem Mitglied des Hofes um den Mundwinkel ein Zug von Traurigkeit. Wenn der König auftauchte, steckte man die Köpfe zusammen und fing leise an zu tuscheln. Endlich begann auch der König, die veränderte Stimmung am Hofe wahrzunehmen.Er rief den Hofminister zu sich und fragte ihn, was denn eigentlich los wäre? Dieser bekam einen roten Kopf und wirkte bei seiner Antwort sehr verlegen. „Was, in Gottes Namen“, polterte der König, „geht da hinter meinem Rücken vor! Raus mit der Sprache!“ „Mit Verlaub, Eure Majestät“, wand sich der Hofminister, „es geht um dieses neue Gesetz gegen das Glücksspiel, das Eure Majestät vor ein paar Tagen erlassen hat. Wir haben den ersten Gesetzesübertreter erwischt.“ „Dann führen Sie ihn seiner gerechten Strafe zu; worauf warten Sie denn noch!“, erwiderte der König. Die Minister steckten erneut die Köpfe zusammen und tuschelten ganz verzweifelt miteinander. Endlich kam der Hofminister ganz betreten vor den König und sagte mit gesenkter Stimme: „Eure Majestät, bei dem Gesetzesübertreter handelt es sich um eine Person aus der engsten Umgebung Eurer Königlichen Hoheit. Es ist dies eine sehr delikate …“ Abrupt unterbrach ihn der König: „Wer ist es? Dieses Vergehen muss sofort bestraft werden, egal, wer es ist! Also, wer ist es?“ Der Hofminister zögerte, dann sagte er: „Ihre Mutter, Eure Majestät!“Da wurde es im Saal ganz still. Der König war tief bewegt und erschüttert. Zwei Tage schloss er sich ein und aß und trank nicht. Allen war klar, dass die alte, schwache Königinmutter die hundert Peitschenhiebe wohl nicht überleben würde. Aber so gern der König gerade diesen Übertreter verschont hätte: Er konnte und durfte es nicht tun. Wenn er jetzt eine Ausnahme duldete, würde er aufhören, ein gerechter Herrscher zu sein.Nach diesen zwei Fastentagen wusste der König, was er tun wollte. Sein Herz bebte und sein Mund war trocken, als er mit spröder Stimme befahl: „Holt mir die Königinmutter und den Peitschenknecht.“ Der ganze Hofstaat war versammelt, als der König seine Mutter vorführen ließ. Schon waren ihre Hände an den Pfosten gebunden und der Peitschenknecht stand bereit, um die hundert Schläge auf den Rücken der Mutter zu geben. – Er hob die Hand, der erste Schlag sollte fallen. „Halt!“, rief der König und ging in die Mitte, entblößte seinen eigenen Rücken und stellte sich zwischen den Peitschenknecht und seine Mutter. Dann beugte er sich tief über seine Mutter. „Jetzt!“, rief er zum Peitschenknecht, „Schlag zu!“ Der Peitschenknecht zögerte, aber der König befahl noch einmal: „Jetzt musst Du schlagen!“ Da schlug der Peitschenknecht zu … hundertmal. Einhundert Peitschenhiebe auf den Rücken des Königs. Der Rücken des Königs war voller Striemen, blutrot verschmiert. Er wankte auf seinen Platz und sagte: „Es ist gut, die Strafe ist vollstreckt, dem Gesetz ist Genüge getan.“Dem Hofstaat und den Bürgern des Königreiches prägte sich diese Geschichte unauslöschlich ein. Noch heute, viele Jahre später, erzählen Eltern ihren Kindern diese und andere Geschichten von dem großen und gerechten König, der die Strafe für seine Mutter am eigenen Leibe ertrug, weiter.1