Das neue Diabetes-Programm - Stephan Martin - E-Book

Das neue Diabetes-Programm E-Book

Stephan Martin

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Beschreibung

Ihr Weg zu besseren Blutzuckerwerten!

Bei der Diagnose Typ-2-Diabetes denken viele Menschen direkt an Medikamente oder gar die Insulinspritze: aber das muss nicht unbedingt sein! Denn Studien belegen: mit einer gezielten Ernährungsumstellung, unterstützt durch eine Formula-Diät, können Sie Ihren Blutzuckerspiegel senken. Auch die Selbstmessung des Blutzuckers, Bewegung und eine gute Motivation helfen - und das 12-Wochen-Programm in diesem Buch zeigt Ihnen, wie das im Alltag optimal gelingt.

  • So klappt’s: wie funktioniert die Diät, wie dosiere ich das Pulver, über welchen Zeitraum erstrecken sich die einzelnen Phasen und was passiert wann?
  • Köstliche Rezepte: mit diesen Gerichten unterstützen Sie Ihre Diät optimal und haben immer etwas Leckeres auf dem Teller.
  • Endlich aktiv: nehmen Sie die Herausforderung an! Viele Motivationstipps und tolle Anregungen, wie Sie etwas mehr Bewegung in Ihr Leben bringen, helfen Ihnen dabei und verstärken Ihre Erfolge!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 182

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Das neue Diabetes-Programm

Mit Protein-Shakes den Blutzucker senken und abnehmen

Prof. Dr. Stephan Martin, Dr. Kerstin Kempf

2. Auflage

45 Abbildungen

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Diagnose »Typ-2-Diabetes« kann ein Schock sein und viele Befürchtungen auf den Plan rufen. Vielleicht fragen Sie sich, ob Sie nun für den Rest Ihres Lebens krank sind und Medikamente einnehmen müssen. Oder Sie haben bereits mögliche Folgekrankheiten vor Augen. Mit diesem Buch wollen wir Antworten geben, häufige Irrtümer ausräumen, das aktuelle Studienwissen vermitteln und Ihnen vor allem aufzeigen, was Sie selbst tun können, um Ihre Diabetes-Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Auch wenn die Diagnose kein Grund zur Freude ist, war es jedoch wichtig, sie überhaupt zu erhalten: Denn jetzt sind – endlich! – Ihre viel zu hohen Blutzuckerwerte ans Tageslicht gekommen; möglicherweise hatten Sie bereits über lange Zeit stark erhöhte Werte, ohne es zu bemerken. Zu hoher Blutzucker tut nicht weh, richtet aber im Körper sehr viel Schaden an. Diese Zusammenhänge lernen Sie später genauer kennen.

Typ-2-Diabetes zu haben, bedeutet – entgegen anders lautenden Aussagen – auch nicht, lebenslang krank zu sein! Wenn die Zuckerkrankheit erst wenige Jahre besteht, sind die Chancen, sie wieder komplett loszuwerden, groß. Die Voraussetzung dafür ist effektives Gegensteuern, wie Sie es mit unserem, durch Studien belegten, Diabetes-Programm erlernen.

Sie müssen auch keineswegs unwiderruflich Ihr Leben lang Medikamente einnehmen! Mit den hier vorgestellten Selbsthilfemaßnahmen können – und müssen Sie höchstwahrscheinlich – Ihre Antidiabetika reduzieren. Ihr Blutzuckerspiegel wird sehr schnell absinken. Vielfach verbesserten sich die Werte der Programmteilnehmer sogar so stark, dass sie keinerlei Medikamente mehr brauchten!

Sagen Sie Ihrem Diabetes den Kampf an!

Die Zuckerkrankheit ist nämlich keine Erkrankung, die man schicksalsergeben hinnehmen muss. Sie entwickelt sich langsam, wobei falsche und zu üppige Ernährung eine maßgebliche Rolle spielt. Wenn Sie verstehen, was bei Ihrer Ernährung bisher schiefgelaufen ist und wie diese Ihren Körper schädigt, werden Sie in die Lage versetzt, selbst gegenzusteuern. Keine Sorge, Sie sollen weder hungern noch wollen wir Ihnen die Freude am Essen nehmen. Ganz im Gegenteil!

Vielleicht hat Ihnen Ihr Arzt den – leider falschen – Tipp gegeben, weniger Fett zu essen, um abzunehmen. Aber mit den Light-Produkten, den »gesunden« Kartoffeln und den vielen kohlenhydratreichen Produkten nehmen Sie nur weiter zu und brauchen immer mehr Medikamente. Warum eine stark fettreduzierte und damit kohlenhydratreichere Kost vor allem Typ-2-Diabetiker immer kränker und medikamentenabhängiger macht, wird im Buch ausführlich erläutert. Wir zeigen Ihnen den Ernährungsweg, der sich in Studien als erfolgreich herausgestellt hat.

Die erforderliche Ernährungsumstellung können Sie in den ersten Wochen mit einer kohlenhydratarmen, proteinreichen Formuladiät einleiten und begleitend unterstützen. Also einem fertigen Pulver, das angerührt und als Shake statt der üblichen Mahlzeit verzehrt wird. Eine Vielzahl von Formuladiäten ist erhältlich; sie sind jedoch nicht alle gegeneinander austauschbar, da es entscheidend auf die Zusammensetzung und die Inhaltsstoffe ankommt.

Die Bausteine des Diabetes-Programms

Die richtige Ernährung ist nur eine Säule im Kampf gegen die Zuckerkrankheit; die weiteren sind die strukturierte Blutzucker-Selbstkontrolle, dokumentierte Bewegung (z. B. Schrittzähler), externe Begleitung (z. B. Telemedizin) und Motivationstraining (z. B. Just-ME-Programm). Jeder dieser fünf Säulen ist ein ausführliches Kapitel gewidmet, in dem Sie alles Wissenswerte erfahren.

Sie lernen in diesem Buch ein 12-Wochen-Programm kennen, das Sie dabei unterstützt und begleitet, Ihren Blutzucker in den Griff zu bekommen, sich gesund und ausgewogen zu ernähren und sich mit Freude zu bewegen. Mit einfachen Selbsthilfemaßnahmen können Menschen mit Typ-2-Diabetes sehr viel für ihre Gesundheit tun. Es geht um langfristige Veränderungen. Und dabei wollen wir Sie gern Schritt für Schritt begleiten.

Die Idee zu diesem Buch stammt von uns beiden gemeinsam; was die Inhalte angeht, ist Prof. Dr. Stephan Martin als Arzt für die medizinischen Aspekte verantwortlich und Dr. Kerstin Kempf als Diplom-Biologin für die wissenschaftlichen Studien. Bei der Umsetzung und beim Schreiben hat uns die erfahrene Redakteurin Anne Bleick unterstützt. Natürlich möchten wir auch dem Trias-Verlag und hier insbesondere der Programmplanerin Uta Spieldiener herzlich danken, denn bis dieses Buch entstehen konnte, mussten einige Hürden genommen werden.

An dieser Stelle möchten wir auch unserer Study Nurse Frau Bettina Prete noch einmal besonders danken, die mit großem Engagement das Studienmanagement übernommen und die Studienteilnehmer betreut hat, sowie dem gesamten Team des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ).

Wir hoffen, dass unser Buch Ihnen auf dem Weg zurück zu Gesundheit und Wohlbefinden hilft. Sie haben es selbst in der Hand, Ihre Zuckerkrankheit zurückzudrängen oder sogar zu besiegen!

Düsseldorf, Februar 2019Prof. Dr. med. Stephan Martin und Dr. rer. nat. Kerstin Kempf

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sagen Sie Ihrem Diabetes den Kampf an!

Die Bausteine des Diabetes-Programms

Teil I Ihren Diabetes in den Griff bekommen

1 Basiswissen und häufige Irrtümer

1.1 Was bedeutet »zuckerkrank«?

1.1.1 Typ-2-Diabetes ist häufig

1.2 Wie unterscheiden sich Typ-1- und Typ-2-Diabetes?

1.3 Typ-2-Diabetes: zu viel Insulin und Insulinresistenz

1.4 Ein hoher Insulinspiegel verhindert das Abnehmen

1.5 Den Teufelskreis durchbrechen

1.6 Die zehn häufigsten Irrtümer über Typ-2-Diabetes

1.6.1 Irrtum 1: Ich bin jetzt lebenslang krank

1.6.2 Irrtum 2: Ich brauche auf jeden Fall Medikamente

1.6.3 Irrtum 3: Diabetes muss früh mit Insulin behandelt werden

1.6.4 Irrtum 4: Ich muss weniger Fett essen

1.6.5 Irrtum 5: Ich muss zuerst abnehmen

1.6.6 Irrtum 6: Typ-2-Diabetes ist nicht so gravierend

1.6.7 Irrtum 7: »Zucker kommt vom Zucker«

1.6.8 Irrtum 8: Die Blutfette steigen durch Fett in der Mahlzeit

1.6.9 Irrtum 9: Typ-2-Diabetiker dürfen keine Diät machen

1.6.10 Irrtum 10: Man muss den Blutzucker nur einmal pro Quartal messen

1.7 Was das Diabetes-Programm Ihnen bietet

1.7.1 Wissenschaftliche Studien sind die Basis

1.7.2 Schritt für Schritt zu langfristigen Veränderungen

1.8 Die fünf Säulen des Diabetes-Programms

1.8.1 Die Wochenpläne begleiten Sie

1.8.2 Leckere Rezeptideen für die Low-Carb-Küche

2 Kontrollieren Sie Ihren Blutzucker

2.1 Den Blutzucker selbst messen

2.2 Die ROSSO-Praxisstudie

2.2.1  Die erstaunlichen Effekte

2.2.2 Anhaltende Effekte

2.3 Von der Selbstmessung profitieren

2.4 Wann soll gemessen werden?

2.4.1 Blutzucker-Tagesprofil erstellen

2.4.2 Ereignisgesteuertes Messen

2.4.3 Regelmäßig den Nüchternblutzucker bestimmen

2.5 Sie werden Ihr eigener Experte

2.6 Welche Blutzuckerwerte sind normal?

2.7 Was besagt der HbA1c-Wert?

2.8 Blutzuckermessgeräte und Teststreifen

2.9 Die richtige Blutentnahmestelle

2.10 Messfehler vermeiden

2.11 Abweichungen von den Labor-Blutwerten

3 Die Ernährung umstellen

3.1 Was ist mit »Low Carb« gemeint?

3.1.1 Das Auf und Ab des Blutzuckers

3.2 Was bedeutet »kohlenhydratarm« konkret?

3.2.1 Kein Süßkram!

3.2.2 Kaum Alkohol!

3.2.3 Kleine Vollkornportionen

3.2.4 Obst nur in Maßen

3.2.5 Reichlich Grünzeug!

3.3 Pausen zwischen den Mahlzeiten sind wichtig

3.4 Proteine sind die Sattmacher schlechthin

3.5 Freunden Sie sich mit Fetten an!

3.5.1 Welche Fette sind günstig für die Gesundheit?

3.5.2 Wie viel Fett?

3.6 Eine Low-Carb-Mahlzeit richtig zusammenstellen

3.7 Was noch wichtig ist

3.8 Viel trinken

3.8.1 Kaffee? Bitte gern!

3.9 Keine Zwischenmahlzeiten einschieben

3.9.1 Aber auch nicht weniger als drei Mahlzeiten essen

3.10 Übersäuerung erschwert das Abnehmen

3.10.1 Den Urin-pH-Wert bestimmen

3.11 Worauf Sie bei Medikamenten achten müssen

3.12 Kohlenhydrate, Hyperinsulinämie und Insulinresistenz

3.12.1 Ein hoher Insulinspiegel blockiert den Fettabbau

4 Wie Protein-Shakes Ihnen helfen können

4.1 Mit einer Formuladiät starten

4.2 Nur eine Firma war bereit, Studien zu finanzieren

4.2.1 Empfehlung durch die Deutsche Diabetes-Hilfe, EADS und ADA

4.3 Satt abnehmen – mit der richtigen Formuladiät

4.3.1 Inhaltsstoffe verschiedener Formuladiäten

4.4 Bedarfsgerecht dosieren

4.5 Den Shake richtig zubereiten

4.6 Was tun bei Hunger?

5 In Bewegung kommen

5.1 Sind Sie eher ein Bewegungsmuffel?

5.2 Lassen Sie es langsam angehen

5.3 Besorgen Sie sich einen Schrittzähler

5.4 Wir haben uns zu einer Sitz-Gesellschaft entwickelt

5.5 Nur ein »bewegter« Tag ist ein guter Tag

5.6 Was, wie viel, wie lange?

5.7 Interaktive Bewegungsspiele

6 Telemedizinische Unterstützung

6.1 Telemedizinisches Lebensstilinterventionsprogramm

6.2 WDGZ und DITG: unterstützende Angebote

6.3 Betreuung durch das DITG

6.3.1 Telefon-Coaching

6.4 Selbst langjährige Diabetiker profitieren von TeLiPro

6.5 Wer trägt die Kosten?

7 Motivationstraining

7.1 Den eigenen Einstellungen auf der Spur

7.1.1 Was sagt Ihr innerer Schweinehund?

7.2 Verhalten folgt unbewussten inneren Einstellungen

7.3 Eigene gesundheitsförderliche Einstellungen finden

7.3.1 Gezielte Impulse für die Gesundheit

7.4 Mentales Selbstcoaching: Online-Plattform Just ME

7.5 Die Macht der Gewohnheit

7.6 Mit Motivationstraining unterstützen

Teil II Ihr 12-Wochen-Programm

8 Ihre Erfolgskontrolle

8.1 Ihre Gewichtskurve über die 12 Wochen

8.2  Ihre Blutzucker-Tagesprofile

8.3 Urin-pH-Kurve: Übersäuerung erkennen

9 1. Woche

9.1 Ihre Ernährung in Woche 1

10 2. Woche

10.1 Blutzuckermessungen

11 3. Woche

11.1 Wie sieht es mit Ihren sportlichen Aktivitäten aus?

12 4. Woche

12.1 Wie steht’s um Ihre Motivation?

12.2 Trinken, trinken, trinken

13 5. Woche

13.1 Ein Blutzucker-Tagesprofil erstellen

14 6. Woche

14.1 Halbzeit – Zeit für eine Zwischenbilanz

14.2 Durchhänger überwinden

15 7. Woche

15.1 Die Macht der Gewohnheit nutzen

16 8. Woche

16.1 Den Säure- Basen-Haushalt ausgleichen

16.1.1 So versorgen Sie Ihren Körper mit Basen

17 9. Woche

17.1 Quer durch den Kräutergarten

17.2 Wie sehen Ihre Blutzuckerwerte aus?

18 10. Woche

18.1 Entspannen Sie sich!

19 11. Woche

19.1 Wie bewegt ist Ihr Alltag?

19.1.1 Yoga

19.1.2 Qi Gong

19.1.3 Tai Chi

20 12. Woche

20.1 Geschafft!

21 Wie es weitergeht

21.1 Wie ernähren Sie sich jetzt?

21.1.1 Gemüse- oder Shake-Tage als Ausgleich

21.1.2 Alle Jahre wieder

21.2 Weiter so!

21.2.1 Körpergewicht kontrollieren

21.2.2 Blutzucker messen

21.2.3 Schritte zählen

21.2.4 Ausdauersport treiben

Teil III Rezepte für Ihr 12-Wochen-Programm

22 So funktioniert die Ernährungsumstellung

22.1 In der ersten Woche wird ge-shaked

22.1.1 Tee oder Kaffee zugeben

22.1.2 Gemüse- oder Kräuter-Shakes zubereiten

22.1.3 Frucht-Shakes

22.2 Ab Woche 2 kommen Low-Carb-Mahlzeiten dazu

22.2.1 Woche 2–4: zwei Shakes und ein Mittagessen

22.2.2 Woche 5–12: Frühstück, Mittagessen und ein Shake

23 Frühstücke

24 Hauptgerichte

25 Service

25.1 Zitierte Literaturquellen

25.2 Bei Bedarf Austauschtabellen nutzen

25.3 Weitere Informationen

25.3.1 WDGZ und VKKD

Autorenvorstellung

Sachverzeichnis

Impressum

Teil I Ihren Diabetes in den Griff bekommen

1 Basiswissen und häufige Irrtümer

2 Kontrollieren Sie Ihren Blutzucker

3 Die Ernährung umstellen

4 Wie Protein-Shakes Ihnen helfen können

5 In Bewegung kommen

6 Telemedizinische Unterstützung

7 Motivationstraining

Typ-2-Diabetes ist kein Schicksal, das Sie tatenlos erdulden müssen. Verstehen Sie die Diagnose als Weckruf, um aktiv zu werden. Das Diabetes-Programm zeigt, wie.

1 Basiswissen und häufige Irrtümer

Warum wird man eigentlich zuckerkrank? Was läuft da schief? Zunächst wollen wir Ihnen einige Basisinformation zu Ihrer Erkrankung geben und verbreitete Irrtümer aufklären.

1.1 Was bedeutet »zuckerkrank«?

Glukose (Traubenzucker) ist die Energiewährung unseres Körpers; das ist der Treibstoff, der Vorgänge im Körper, die Energie benötigen, ermöglicht und antreibt. Unsere Nahrung wird im Verdauungstrakt abgebaut und die enthaltenen Zuckerbausteine ins Blut aufgenommen; mit dem Blutstrom werden sie im Körper verteilt, sodass überall, wo Energie benötigt wird, diese bereitsteht. Doch wie der Name Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) schon andeutet, gibt es hierbei zu viel Zucker im Blut. Wenn der Körper zu lange mit Zucker überschüttet wird, wird er sehr krank. Wenn Sie schon einmal eine zuckrige Lösung, zum Beispiel ein Limonadengetränk, verschüttet haben, wissen Sie, wie sehr Zucker klebt. Etwas Ähnliches passiert im Körper bei zu hohen Blutzuckerwerten: Die Blutgefäße verkleben regelrecht, womit das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko stark ansteigt. Auch wichtige Eiweißstrukturen werden »verzuckert«, kleben zusammen und funktionieren nicht mehr so, wie sie sollen. Das Ziel ist es daher, den Blutzuckerspiegel so zu senken, dass möglichst keine Folgeschäden entstehen.

1.1.1 Typ-2-Diabetes ist häufig

In Deutschland gibt es rund 6,7 Millionen diagnostizierte Diabetiker, jeden Tag kommen fast 1000 Menschen dazu, bei denen erstmals Diabetes festgestellt wird. Es gibt verschiedene Diabetesformen. Der Großteil jedoch – nämlich etwa 95 % – hat Typ-2-Diabetes (Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2016). In diesem Buch geht es ausschließlich darum, was man bei Typ-2-Diabetes tun kann.

1.2 Wie unterscheiden sich Typ-1- und Typ-2-Diabetes?

Typ-1- und Typ-2-Diabetes unterscheiden sich maßgeblich. Typ-1-Diabetes tritt meist bereits im Kindes- oder Jugendalter auf; er kann jedoch auch erst im Erwachsenenalter beginnen. Er macht sich durch Beschwerden wie Durst, vermehrtes Wasserlassen und Gewichtsabnahme bemerkbar.

Typ-1-Diabetes gehört zu den Autoimmunerkrankungen; dabei bekämpft das Immunsystem, das eigentlich eindringende Krankheitserreger unschädlich machen soll, eigenes Körpergewebe. Dabei werden die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, zerstört. Das sind die sogenannten Beta-Zellen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse. Da Insulin dafür verantwortlich ist, den Blutzucker in die Körperzellen zu schleusen, entgleist der Stoffwechsel, wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Insulin herzustellen, weil die Produktionsstätten unwiederbringlich zerstört sind. Typ-1-Diabetiker sind darauf angewiesen, lebenslang dieses fehlende Insulin von außen zuzuführen. In der Regel sind Menschen mit Typ-1-Diabetes schlank.

Beim Typ-2-Diabetes spricht man vom Altersdiabetes, weil er überwiegend bei Erwachsenen nach dem 40. Lebensjahr auftritt. Im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes treten in der Regel beim Typ-2-Diabetes keine typischen Symptome auf und auch die Ursachen der Erkrankung sind andere: Die Bauchspeicheldrüse ist in Ordnung und produziert auch Insulin. Durch falsche Ernährung, oft auch Übergewicht mit sehr viel Bauchfett und Bewegungsmangel, kommt es zu einer sogenannten Insulinresistenz. Das heißt, die Körperzellen stumpfen gegenüber dem Insulinsignal ab. Es ist Insulin im Blut, in der Regel sogar mehr als bei Gesunden (dieses Phänomen nennt sich basale Hyperinsulinämie), doch die Körperzellen lassen keinen Zucker mehr herein. Das Problem beim Typ-2-Diabetes ist also zunächst kein Insulinmangel, sondern vielmehr die Insulinresistenz und die basale Hyperinsulinämie. Wie diese genau entstehen und was man tun kann, um sie wieder loszuwerden, erläutern wir Ihnen in diesem Buch ausführlich.

1.3 Typ-2-Diabetes: zu viel Insulin und Insulinresistenz

Wir gehen davon aus, dass die Entstehung des Typ-2-Diabetes durch eine zu kohlenhydratlastige Ernährung begünstigt wird. Die Hauptmahlzeiten selbst sind oft sehr kohlenhydratreich, zwischendurch werden Schokolade oder andere Süßigkeiten genascht und zum Nachmittagskaffee gibt es natürlich Kuchen oder Kekse.

Basale Hyperinsulinämie: Das ist für den Körper eine Dauerbelastung: Jedes Mal wenn Kohlenhydrate aufgenommen werden, muss er Insulin ausschütten. In frühen Stadien der Erkrankung kursiert bei Menschen mit Übergewicht und Typ-2-Diabetes daher unablässig viel zu viel Insulin im Blut. Das führt zu einem erhöhten Insulinspiegel auch im nüchternen Zustand, was als basale Hyperinsulinämie bezeichnet wird.

Insulinresistenz: Insulin hat die Aufgabe, die Zuckeraufnahme in die Körperzellen zu unterstützen. Bei anhaltend hohen Insulinspiegeln und reichlicher Kalorienzufuhr werden die Körperzellen jedoch »resistent« gegen die Insulinwirkung. Sie »möchten« keinen weiteren Zucker mehr aus dem Blut aufnehmen, da ihr Energiebedarf gedeckt ist. Man spricht dann von Insulinresistenz.

Nach einer Nahrungsaufnahme kommt es jedoch im Gegensatz zu Gesunden nicht zu einer gesteigerten Insulinausschüttung, sodass dann die Glukosespiegel im Blut stark ansteigen. Der Körper registriert, dass die Insulinwirkung ausbleibt, und lässt den Insulinspiegel nicht absinken. Dies geht so lange, bis in einem Spätstadium der Erkrankung die Bauchspeicheldrüse völlig erschöpft ist und die Insulinproduktion weitestgehend einstellt.

Studie zur basalen Hyperinsulinämie

Amerikanische Wissenschaftler untersuchten die basale Insulinproduktion, also den Insulinspiegel im Blut in nüchternem Zustand, bei fünf Gruppen (Pories u. Dohm 2012):

gesunden, schlanken Kontrollpersonen

gesunden Übergewichtigen

Übergewichtigen mit pathologischer Glukosetoleranz (das heißt, hier kann nach einer Mahlzeit der Zucker nicht schnell genug verstoffwechselt werden und bleibt als erhöhter Wert im Blut messbar)

Übergewichtigen mit Typ-2-Diabetes und Nüchternblutzucker < 140 mg/dl

Übergewichtigen mit Typ-2-Diabetes und Nüchternblutzucker > 140 mg/dl

Sie fanden einen stufenartigen Anstieg des basalen Insulinspiegels bei den fünf Gruppen mit den höchsten Werten bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern mit schlechter Blutzuckereinstellung. Diese Gruppe hatte einen mehr als 8-fach höheren basalen Insulinspiegel als die gesunde Kontrolle.

1.4 Ein hoher Insulinspiegel verhindert das Abnehmen

Eine Folge des hohen Insulinspiegels im Blut ist eine »Abnehmbremse«. Das Insulin signalisiert den Fettzellen, fest verschlossen zu bleiben, da ja genügend schnell verfügbare Energie in Form von Zucker vorhanden ist. Ein Fettabbau ist somit für den Körper nicht notwendig und auch wenn nur sehr wenig gegessen wird, leider nicht möglich. Da Insulin den Fettabbau verhindert, haben Übergewichtige keine Chance abzunehmen, solange ihr Insulinspiegel viel zu hoch ist.

1.5 Den Teufelskreis durchbrechen

Da in der Geschichte der Diabetesforschung die Insulinresistenz zuerst erkannt wurde (und die Beobachtung der basalen Hyperinsulinämie noch relativ neu ist), wurden viele Medikamente entwickelt, die als Wirkmechanismus die körpereigene Insulinproduktion steigern sollen. Solche Medikamente bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und basaler Hyperinsulinämie in der Frühphase der Erkrankung einzusetzen, halten wir für den falschen Ansatz. Unsere wissenschaftlichen Studien haben gezeigt, dass durch eine kohlenhydratreduzierte Ernährung sowie eine anfängliche Formuladiät die Blutzuckerwerte rasch sinken. Mithilfe des hier vorgestellten 12-Wochen-Programms kann es daher gelingen, den Teufelskreis aus basaler Hyperinsulinämie und Insulinresistenz zu durchbrechen. Diese Zusammenhänge werden auf den folgenden Seiten detailliert erläutert.

1.6 Die zehn häufigsten Irrtümer über Typ-2-Diabetes

Über den Typ-2-Diabetes kursieren viele veraltete Vorstellungen und Fehlinformationen, die wir gern aus der Welt schaffen würden.

1.6.1 Irrtum 1: Ich bin jetzt lebenslang krank

Die Annahme, »man sei nun lebenslang krank«, stimmt für viele Menschen, die einen Typ-2-Diabetes entwickelt haben, so nicht. Vielfach lässt sich der aus dem Ruder gelaufene Stoffwechsel – vor allem wenn der Typ-2-Diabetes erst einige Jahre besteht – durch Selbsthilfemaßnahmen, wie sie in diesem Buch beschrieben werden, zurück in eine Vorstufe führen. Menschen mit Typ-2-Diabetes sind also keineswegs zwangsläufig für den Rest des Lebens »krank«. Typ-1-Diabetes dagegen ist bisher nicht heilbar.

1.6.2 Irrtum 2: Ich brauche auf jeden Fall Medikamente

Ein klares »Nein!«. Beim Typ-2-Diabetes einfach Medikamente einzunehmen und ansonsten genauso weiterzumachen wie bisher, wäre grundfalsch. Möglicherweise benötigen Sie im weiteren Verlauf oder bei langjährig bestehendem Diabetes tatsächlich unterstützende Medikamente. Aber die Änderung Ihres Lebensstils ist das Allerwichtigste. Mit der hier beschriebenen Ernährungsumstellung, der Aufnahme eines für Sie passenden Bewegungsprogramms und der strukturierten Blutzucker-Selbstkontrolle erzielen Sie die größten Effekte und den nötigen Schub zurück in Richtung Gesundheit und Wohlbefinden.

Wenn Sie beim Autofahren in eine Sackgasse geraten sind, fahren Sie dann weiter? Bezogen auf Ihre Erkrankung: Machen Sie weiter wie bisher und nehmen einfach Medikamente? Oder drehen Sie um und suchen den richtigen Weg; das heißt, Sie versuchen, den Lebensstil, der Sie krank gemacht hat, zu ändern?

Die verschiedenen ▶ Antidiabetika, die es gibt, stellen wir Ihnen noch vor. Es ist gut, dass wir diese Medikamente haben; nicht gut ist, wie sie eingesetzt werden. Aus unserer Sicht wäre es wesentlich verantwortungsvoller und zielführender, Menschen mit Typ-2-Diabetes zu Beginn der Erkrankung intensiv in den Maßnahmen zu schulen und zu unterstützen, die Sie in diesem Buch kennenlernen, statt sie einfach mit einem Rezept für Medikamente abzuspeisen. Hier müsste sich noch sehr viel ändern!

1.6.3 Irrtum 3: Diabetes muss früh mit Insulin behandelt werden

Genau das Gegenteil ist wahr: Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Ihr Insulinspiegel aufgrund einer Insulinresistenz viel zu hoch. Jetzt noch Insulin dazuzugeben, ist der völlig falsche Weg. Erst in späten Stadien des Typ-2-Diabetes, wenn die Bauchspeicheldrüse kein eigenes Insulin mehr produzieren kann, ist es notwendig, Insulin von außen – durch Insulinspritzen – zuzuführen.

1.6.4 Irrtum 4: Ich muss weniger Fett essen

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Es ist zwar richtig, dass Fette die energiereichsten Nährstoffe sind; dennoch ist es nicht sinnvoll, Fette generell zu verteufeln. Bestimmte Fettsäuren, z. B. Omega-3-Fettsäuren, die unser Körper nicht selbst herstellen kann, benötigen wir unbedingt. Besonders reich an Omega-3-Fettsäuren sind fette Kaltwasser-Fische wie Lachs, Hering und Makrele, aber auch pflanzliche Öle wie Rapsöl, Walnussöl und Leinöl. Diese fettreichen Lebensmittel sollten daher unbedingt oft auf Ihrem Speiseplan stehen. Auch die mediterrane Ernährung, die nachweislich gesund ist und vor vielen Erkrankungen schützt, ist reich an Olivenöl. Bei den ▶ Fetten ist also eine differenziertere Betrachtung angebracht.

Fettarme Ernährung und Typ-2-Diabetes

In einer Untersuchung wurde bei 3541 Probanden der Einfluss fetthaltiger Ernährung auf die Diabetesentstehung untersucht (Salas-Salvado et al. 2014). Eine Gruppe ernährte sich fettarm, eine mediterran mit sehr viel extra-nativem Olivenöl (1 l/Woche) und eine mediterran plus 30 g Nüsse/Tag. Nach rund vier Jahren hatte sich bei insgesamt 273 Teilnehmern ein Typ-2-Diabetes entwickelt, wobei die Diabetesrate in der fettarmen Ernährungsgruppe mit etwa 24 Fällen im Vergleich zu 16 in der Olivenölgruppe und 19 in der Nussgruppe am höchsten lag (jeweils pro 1000 Personenjahre). Die statistische Auswertung ergab, dass sich das Diabetesrisiko tatsächlich durch die Olivenöl-Ernährung signifikant gesenkt hatte; in der Nussgruppe war es, wie unschwer anhand der Zahlen erkennbar ist, auch gesenkt, jedoch ohne statistische Signifikanz. Das stellt die noch immer oft gehörte Meinung »Fette sind generell schädlich« auf den Kopf – mehrfach ungesättigte Fettsäuren scheinen vielmehr vor Typ-2-Diabetes zu schützen.

1.6.5 Irrtum 5: Ich muss zuerst abnehmen

Es stimmt, es ist definitiv von Vorteil, wenn Sie Ihr – vermutlich zu hohes – Körpergewicht reduzieren. Aber Ihre Blutzuckerwerte werden sich mit der hier vorgestellten Ernährungsumstellung drastisch verbessern, noch bevor eine sichtbare Gewichtsreduktion eintritt. Höchstwahrscheinlich werden Sie im Rahmen des 12-wöchigen Programms auch an Gewicht verlieren, dies ist jedoch aus medizinischer Sicht nur ein angenehmer Nebeneffekt. Hauptziel ist die Verbesserung Ihrer Stoffwechseleinstellung. Die Annahme, dass sich der Blutzuckerspiegel erst dann verbessert, wenn Sie deutlich abgenommen haben, ist daher ein großer Irrtum, der leider auch von Ärzten verbreitet wird. Das kann dazu führen, dass ein Übergewichtiger, der vergeblich versuchte abzunehmen, viel zu schnell frustriert aufgibt und sich nur noch auf die Medikamente verlässt.

Es ist wichtig für Sie zu wissen, dass Ihre Leber – die Stoffwechselzentrale des Körpers – bereits in den ersten Tagen Ihrer Ernährungsumstellung aufatmet und entlastet wird. Auch Ihr Blutzucker wird zügig sinken und sich in Richtung gesunder Werte begeben, ohne dass Sie diese maßgeblich Verbesserung an Ihrer Waage erkennen könnten.

1.6.6 Irrtum 6: Typ-2-Diabetes ist nicht so gravierend

Das ist ein gefährlicher Irrtum, dem vor allem die betroffenen Patienten gern aufsitzen. Genauso wie beim Bluthochdruck bemerkt man in den ersten Jahren nach der Diagnose gar keine gesundheitlichen Einschränkungen. Man fühlt sich nicht krank, es tut nichts weh; da ist es natürlich nachvollziehbar, wenn man unbedarft meint, zu hoher Blutzucker könne nicht so schlimm sein und man müsse nichts ändern. Mit den möglichen Einstellungen zur Gesundheit und auch den oft vorkommenden Verdrängungsmechanismen bei Diabetes werden wir uns im Kapitel zur Motivation noch eingehender beschäftigen. Zum Wachrütteln nur so viel: Die Folgen von langjährig entgleistem Blutzucker sind gravierend, schmerzhaft und extrem einschränkend. Plakativ ausgedrückt: Ihr jetziger »süßer Lebenswandel« wird Ihnen das Alter zur Tortur machen. Wenn Sie meinen, die Folgen seien nicht so schlimm, schauen Sie sich zum Beispiel in Wikipedia die Liste der Folgeerkrankungen bei schlecht eingestelltem Diabetes an; da gruselt es einen: Von Erblindung bis zu offenen Füßen ist alles dabei.

Bitte machen Sie sich bewusst, dass Ihr hoher Blutzuckerspiegel keine Lappalie ist; wenn Sie nichts dagegen unternehmen, wird sich das bitter rächen; nicht heute oder morgen, sondern in mehreren Jahren.

1.6.7 Irrtum 7: »Zucker kommt vom Zucker«

Viele Menschen glauben, bei der Zuckerkrankheit sei lediglich alles Süße schädlich, aber die anderen Lebensmittel wie Döner, Currywurst, Pommes, Pizza, Burger etc. könne man ruhig weiter essen. Dem ist nicht so! Zwar lassen kohlenhydratreiche Lebensmittel den Blutzucker schnell und über einen längeren Zeitraum ansteigen; aber alle Ernährungsweisen, bei denen die Kalorienaufnahme den Kalorienverbrauch übersteigt, sind ungünstig. Die richtige ▶ Ernährungsweise lernen Sie noch ausführlich kennen.