Das Papa-Handbuch - Robin (ehemalig Robert) Richter - E-Book
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Das Papa-Handbuch E-Book

Robin (ehemalig Robert) Richter

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Beschreibung

Männer nehmen ihre Vaterschaft heute aktiv an: Fast alle sind bei der Geburt dabei, über ein Viertel nimmt die Elternzeit in Anspruch. Das bereits hunderttausendfach bewährte Das Papa-Handbuch unterstützt werdende Väter dabei, ihr Kind von Anfang an aktiv zu begleiten und ihre neuen Rolle positiv zu nutzen und zu gestalten. Die Autoren, selbst engagierte Väter und Experten für Männer- und Väterthemen, unterstützen Sie pragmatisch und praktisch mit vielen konkreten Tipps und Hilfen: Sie erfahren, wie Sie Ihre Partnerin bei Schwangerschaft und Geburt optimal unterstützen  - aber auch, wie Sie selbst den Übergang gut meistern können. Wenn Ihr Baby da ist, helfen Ihnen zahlreiche Spiele, Anregungen sowie alltagspraktische Informationen, Ihr Kind gut zu bevatern und eine liebevolle, enge Bindung aufzubauen. Schließlich erfahren Sie, wie es Frauen und Männern gelingt, auch als Eltern ein Liebespaar bleiben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 248

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Impressum

© eBook: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2020

© Printausgabe: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2020

Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung und öffentliche Zugänglichmachung, auch auszugsweise, sowie die Verbreitung durch Film und Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeder Art nur mit schriftlicher Zustimmung des Verlags.

Projektleitung: Petra Bradatsch, Nadine Widl

Lektorat: Margarethe Brunner

Covergestaltung: independent Medien-Design, Horst Moser, München

eBook-Herstellung: Yuliia Antoniuk

ISBN 978-3-8338-7450-5

1. Auflage 2020

Bildnachweis

Coverabbildung: Getty Images

Illustrationen: Stefan Bachmann

Fotos: Autorenfotos: Nicole Dietzel www.dinias.de (Robert Richter), privat (Eberhard Schäfer); Getty Images, Plainpicture, Stocksy, iStock

Syndication: www.seasons.agency

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wir wollen Ihnen mit diesem E-Book Informationen und Anregungen geben, um Ihnen das Leben zu erleichtern oder Sie zu inspirieren, Neues auszuprobieren. Wir achten bei der Erstellung unserer E-Books auf Aktualität und stellen höchste Ansprüche an Inhalt und Gestaltung. Alle Anleitungen und Rezepte werden von unseren Autoren, jeweils Experten auf ihren Gebieten, gewissenhaft erstellt und von unseren Redakteuren/innen mit größter Sorgfalt ausgewählt und geprüft.Haben wir Ihre Erwartungen erfüllt? Sind Sie mit diesem E-Book und seinen Inhalten zufrieden? Haben Sie weitere Fragen zu diesem Thema? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung, auf Lob, Kritik und Anregungen, damit wir für Sie immer besser werden können. Und wir freuen uns, wenn Sie diesen Titel weiterempfehlen, in ihrem Freundeskreis oder bei Ihrem online-Kauf.

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GRÄFE UND UNZER VERLAG LeserservicePostfach 86 03 1381630 MünchenE-Mail: [email protected]

Telefon: 00800 / 72 37 33 33*Telefax: 00800 / 50 12 05 44*Mo-Do: 9.00 – 17.00 Uhr

Wichtiger Hinweis

Die Gedanken, Methoden und Anregungen in diesem Buch stellen die Meinung bzw. Erfahrung der Verfasser dar. Sie wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt und mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für persönlichen kompetenten medizinischen Rat. Jede Leserin, jeder Leser ist für das eigene Tun und Lassen auch weiterhin selbst verantwortlich. Weder Autoren noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

EIN NEUES LEBEN MIT NEUEN HERAUSFORDERUNGEN

Sie werden Vater, wie wunderbar! Sie sind voller Vorfreude, gehen nun aber auch mit zahlreichen Fragen und Gedanken schwanger? Viele werdende Väter wollen ihre Vaterschaft von Anfang an bewusst gestalten und ihr Kind und ihre schwangere Partnerin verantwortlich und gleichberechtigt begleiten. Das erleben wir als Väter, als Familienforscher und als langjährig erfahrene Praktiker in der Beratungs- und Bildungsarbeit mit Vätern, Familien und Kindern immer wieder.

Wie Sie Ihren eigenen, ganz persönlichen Weg als aktiver Vater finden, erfahren Sie in diesem Buch, in dem wir Ihnen viele Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit Ihrem Kind beantworten.

Wir wünschen Ihnen von Herzen alles Gute und viel Freude auf Ihrem Weg als Vater.

BEWUSST VATER WERDEN, AKTIV VATER SEIN

Väter von heute wollen ihrem Kind ein liebevoller Begleiter und präsenter Ansprechpartner sein. Sie wollen von Anfang an eine intensive Beziehung zu ihm aufbauen und diese aktiv gestalten. Das ist großartig, aber nicht immer leicht. Vor allem dann, wenn man sich zwischen den Herausforderungen in der Familie einerseits und denen im Beruf andererseits hin- und hergerissen fühlt. Trotzdem: Das Leben mit einem Baby macht (fast immer) richtig Spaß.

ENGAGIERTER VATER – GLÜCKLICHES KIND

Dabei sein von Anfang an – das ist für Väter heute eine Selbstverständlichkeit. Über neunzig Prozent aller Väter sind bei der Geburt ihrer Kinder dabei. Werdende Väter informieren sich eingehend über alle Fragen rund um die Geburt und die erste Zeit mit ihrem Kind – und das ist auch gut so!

Es lebe der Wandel!

Der grundlegende Wandel in den Rollen von Vätern hat sich zum Großteil innerhalb der letzten 50 Jahre vollzogen: Früher warteten die Väter vor dem Kreißsaal nervös darauf, ihr Kind »begrüßen« zu können. Das eigene Baby zum ersten Mal im Arm zu halten war eine Zitterpartie und Bewährungsprobe. Und spätestens am Tag nach der Geburt ging es meist gleich wieder zurück zur Arbeit.

Heute ist das zum Glück ganz anders! Väter interessieren, informieren, kümmern und engagieren sich. Sie wollen einen frühen, intensiven Kontakt zu ihrem Kind. Viele werdende und frischgebackene Väter denken über eine Elternzeit nach. Auch hier schreibt die Generation der neuen Väter eine Erfolgsstory: 24 Prozent der elterngeldberechtigten Väter in Deutschland nahmen im Jahr 2018 Elternzeit mit einer durchschnittlichen Dauer von 3,8 Monaten.

Der Trend zur aktiven oder »fürsorglichen« Vaterschaft wird ganz überwiegend positiv bewertet. Er kommt dem Wunsch vieler Väter und Mütter nach einer ausgewogenen Verteilung von Familien- und Berufsarbeit entgegen. Noch wichtiger: Das Baby – Ihr Baby – gewinnt durch Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Engagement. Ihre intensive Zuwendung als Vater ist ungemein wichtig für die Entwicklung Ihres Kindes!

Was brauchen Männer, um aktiv Vater sein zu können? Sie brauchen das Selbstvertrauen, den Mut und die Chance, einen eigenen Weg im Umgang mit Kindern gehen zu können. Mit diesem Buch möchten wir Sie ermutigen, diese Haltung innerhalb und außerhalb der Familie auch bei möglichem Gegenwind zu vertreten. Denn eins ist sicher: Väter bringen eigene Qualitäten, Fähigkeiten und Herangehensweisen in die Erziehung ein. Väter fördern ihre Kinder anders als Mütter. Kinder gewinnen durch diese Unterschiedlichkeit.

VÄTERFORSCHUNG: FAKTEN, FAKTEN …

Väter wurden lange Zeit in Familienforschung und Entwicklungspsychologie kaum beachtet. Der Vater war der Ernährer der Familie, und das war’s. Die Vater-Kind-Beziehung schien weder der Rede noch der Forschung wert zu sein. Wie wichtig Väter über die materielle Versorgung hinaus für die gesamte Familie sind, damit befasst sich die Forschung seit etwa 40 Jahren und die Ergebnisse sind bemerkenswert (siehe >).

Wenn beide Eltern sich um das Kind kümmern, kann und muss es sich von Anfang an mit zwei verschiedenen Menschen auseinandersetzen – mit zwei verschiedenen Arten, versorgt und gefördert zu werden sowie Grenzen gesetzt zu bekommen. In der Forschung setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass der Einfluss des Vaters auf das Kind größer ist, wenn sich sein Verhalten in Erziehung und Versorgung von dem der Mutter unterscheidet. Versuchen Sie deshalb erst gar nicht, die »bessere Mutter« zu sein. Entwickeln Sie Ihren eigenen Stil. Trauen Sie sich! So wurde zum Beispiel in Untersuchungen nachgewiesen, dass Väter von ihrem neugeborenen Baby emotional ebenso bewegt sind wie Mütter: Herzfrequenz, Blutdruck und Hautreaktionen, etwa die Schweißproduktion, verändern sich bei Vätern beim Anblick ihres weinenden oder lächelnden Babys genauso wie bei Müttern (>).

Wenn Väter ihr Baby füttern, sind sie sehr aufmerksam. Sie reagieren »richtig« auf sein Bedürfnis, eine kurze Pause beim Trinken zu machen, und erfassen ebenso gut, wann das Baby genug getrunken hat. Auch wenn Babys spucken müssen, reagieren Väter fast immer rechtzeitig.

Wenn ihr Baby weint, nehmen Väter es intuitiv auf den Arm, tragen es und sprechen mit ihm. Väter tun das übrigens häufiger, wenn die Mutter des Kindes nicht dabei ist.

Väter, denen Forscher im Rahmen von Studien die Augen verbunden hatten, erkannten ihr eigenes Baby unter vielen anderen innerhalb einer Minute, indem sie seine Hände ertasteten und erspürten. Dass andererseits doppelt so viele Mütter wie Väter ihr Baby erkannten, indem sie sein Gesicht berührten, lag daran, dass die Mütter doppelt so viel Zeit mit ihrem Baby verbracht hatten.

Kurz zusammengefasst: Kinder brauchen Väter, um sich optimal entwickeln zu können. Sie brauchen Väter, die eine enge emotionale Bindung zu ihnen aufbauen, und das möglichst früh. Das heißt: Je mehr Sie sich mit Ihrem Kind beschäftigen, je mehr Zeit Sie mit ihm verbringen, desto besser kennen Sie es und desto intensiver wird Ihre Beziehung sein!

Scheinbar naturgegebene Unterschiede zwischen Vätern und Müttern müssen relativiert werden. Wenn ein Vater sich längere Zeit mit seinem Baby beschäftigt, sinkt sein Testosteronspiegel. Der Spiegel des Bindungshormons Oxytocin dagegen steigt. Das heißt, der Hormonhaushalt von Vätern verändert sich ähnlich wie der von Müttern – sie werden fürsorglicher, suchen von sich aus eine engere Bindung zum Kind, sind altruistischer. Und dies wirkt auf das Baby zurück: Es wendet sich dem Vater mehr zu. So entsteht eine engere Bindung zwischen Kind und Vater.

GUTE VORAUSSETZUNGEN SCHAFFEN

Natürlich helfen Ihnen gute Rahmenbedingungen dabei, eine intensive Beziehung zu Ihrem Kind aufzubauen:

Väter, die sich gut auf die Geburt ihrer Kinder vorbereitet haben, kümmern sich später auch mehr um sie. Die Geburt des eigenen Kindes mitzuerleben und mit vorzubereiten ist ein prägendes Erlebnis. Es schafft eine sehr innige, starke Verbindung sowohl zwischen Vater und Kind als auch zwischen Vater und Mutter.

Väter und Mütter brauchen gegenseitige Unterstützung, um sich um ihr Kind kümmern und Zeit mit ihm verbringen zu können. Wenn sich beide Eltern viel gemeinsam um das Kind kümmern, beschäftigt sich der Vater auch öfter allein mit ihm.

Sind beide Elternteile berufstätig, fördert das die Vater-Kind-Beziehung: Väter in diesen Familien haben eine engere Beziehung zu ihren Kindern als Väter, die allein für den Lebensunterhalt der Familie sorgen.

Last, but not least: Es ist erwiesen, dass Väter, die in ihrer Paarbeziehung glücklich sind, eine bessere Beziehung zu ihren Kindern haben. Was Sie für eine glückliche Paarbeziehung und Ihre Balance zwischen Familie und Beruf tun können, lesen Sie ab >.

WARUM IHR KIND SIE BRAUCHT

Ihre emotionale Beteiligung, Ihre Zuwendung, Ihre ganz persönliche Art des Umgangs prägt Ihr Kind nachhaltig. Ihr väterliches Engagement wirkt sich auch eine Generation später positiv aus, wenn Ihr Kind eigene Kinder hat. Sogar für weitere Generationen ist Ihr Einsatz bereichernd, wenn intensive Vater-Kind-Beziehungen zu einer »guten Tradition« in der Familiengeschichte werden. Doch zunächst einmal bieten Sie Ihrem eigenen Kind einen guten Start, von dem es lebenslang profitiert, wie auch Studien belegen (siehe >).

Väter spielen – tendenziell – wilder und mit mehr Körpereinsatz mit ihren Kindern. Sie überraschen Kinder mit unvorhergesehenen (Spiel-)Situationen und konfrontieren sie mit Neuem. So lernen Kinder, mit ungewohnten Situationen schnell zurechtzukommen.

Kinder von engagierten Vätern sind im Alter von neun Monaten anderen Kindern in der Entwicklung deutlich voraus.

Fünfjährige Kinder mit einer sehr vertrauensvollen Beziehung zu ihrem Vater sind selbstständiger, kompetenter und weniger ängstlich als Kinder, denen diese Beziehung zum Vater fehlt.

Kinder von Vätern, die sich um deren schulische Belange kümmern, haben bessere Noten und eine positivere Einstellung zur Schule.

Söhne, die mit ihren Vätern viel körperlich spielen und deren Väter einen partnerschaftlichen Erziehungsstil pflegen, werden später sehr beliebte Jungen. Sie finden leichter Freunde und sind sozial anerkannter als Söhne von autoritären Vätern – diese sind weniger beliebt.

Töchter von aktiven Vätern werden selbstbewusster, eigenständiger und entwickeln mehr Freude an Sport.

Kinder, deren Vater von Anfang an als Bezugsperson aktiv ist, sind selbstständiger. Wenn der Vater häufig für das Baby präsent ist, baut es eine eigenständige Beziehung zu ihm auf. Wenn nicht, suchen Babys bei der Mutter, meist per Blickkontakt, das Einverständnis, ob es okay ist, dass Papa es jetzt auf den Arm nimmt oder mit ihm in Babysprache spricht.

Kinder mit enger und vertrauensvoller Beziehung zum Vater tendieren als Jugendliche weniger zu Drogenkonsum.

Kinder, die eine intensive Vater-Kind-Beziehung erleben, sind in ihren späteren Paarbeziehungen deutlich zufriedener als Kinder, die eine solche Beziehung nicht hatten.

INFO

Aktive Väter leben gesünder

Im Vergleich zu anderen Männern leben aktive Väter vergleichsweise gesund, denn sie toben mit ihren Kindern herum und sind viel an der frischen Luft. Da Kinder genau spüren, wann sie Entspannung brauchen, entdecken auch Väter wieder die Lust daran, im Gras zu liegen und gar nichts zu tun. Sie wollen ihren Kindern ein gutes Vorbild sein – auch in Sachen gesunder Ernährung oder beim Verzicht aufs Rauchen. Väter, die sich viel mit ihren kleinen Kindern beschäftigen, haben seltener den Anspruch an sich selbst, das Bild des »harten Mannes« zu erfüllen. Als aktiver Vater haben Sie also nicht nur viel mehr Spaß, auch Ihre Gesundheit profitiert vom Zusammensein mit Ihrem Kind!

NEUN MONATE, DIE ES IN SICH HABEN

Vater werden ist eine der schönsten und vielleicht auch größten Herausforderungen im Leben! Während der Schwangerschaft ihrer Partnerin sind auch viele Männer gedanklich und emotional »schwanger« und ihre Gefühle fahren Achterbahn. Fahren Sie mit! Wir begleiten Sie und zeigen Ihnen, wie Sie sich optimal und mit Freude auf die Ankunft Ihres Kindes vorbereiten können.

HIMMELHOCH JAUCHZEND – ZU TODE BETRÜBT

Kaum haben Sie verstanden, dass Sie Vater werden, verändert sich auch schon alles ... Nicht nur der Bauch Ihrer Partnerin wächst. Alles gerät in Bewegung – ALLES, das ganze Leben. Sie beginnen mit dem »Nestbau«, räumen Wohnung oder Haus um, richten vielleicht ein Kinderzimmer ein. Neben diesen äußeren Veränderungen sind die 40 Wochen bis zur Geburt auch eine Zeit der emotionalen Achterbahnfahrten – zwischen freudiger Erwartung und sorgenvollen »Bauchschmerzen«.

Wenn Sie dieses Buch lesen, wissen Sie wahrscheinlich bereits seit einiger Zeit, dass Sie Vater werden. Männer berichten oft von ganz unterschiedlichen Zeitpunkten, an denen sie wirklich gespürt haben, dass sie Vater werden.

Einige haben bereits beim Sex das intensive Gefühl, jetzt gerade ein Kind zu zeugen. Andere sind beim Blick auf den positiven Schwangerschaftstest zutiefst berührt. Wieder andere Männer sind bei den ersten Ultraschallbildern hin und weg – »Das ist mein Kind? Genial!«.

Viele werdende Väter erleben die Bewegungen ihres Kindes im Bauch der Mutter als den entscheidenden »Kick« zu ihrem Vater-Bewusstsein. Spätestens bei der Geburt ihres Kindes platzt auch bei den letzten der Knoten endgültig.

Ob Sie nun bereits den großen Aha-Effekt hatten, ob Sie in Bezug auf Ihr zukünftiges Baby emotional schon tief bewegt waren oder vielleicht auch skeptisch auf die neue Situation blicken: Nehmen Sie sich Zeit, sich auf Ihr Vaterwerden und -sein einzustimmen, und seien Sie, wo es möglich ist, mit Gefühl und Verstand ganz nah bei Ihrem Baby und Ihrer Partnerin. Wir möchten Sie dabei begleiten, die Schwangerschaft und das Wachsen Ihres Kindes aktiv mitzuerleben, sich auf seine Geburt und Ihr Vatersein vorzubereiten.

Männer auf Wolke sieben

Für sehr viele Männer ist es ein fantastisches Gefühl, Vater zu werden. Ein Kind bringt mehr Bedeutung und Verbindlichkeit für die Paarbeziehung und das ganze Leben. Oft gibt es dem Le-ben einen tieferen Sinn. Es macht Sie unendlich wichtig. Und es ermöglicht Ihnen, etwas von sich weiterzugeben.

Viele werdende Väter freuen sich darauf, mit ihrem Kind zu spielen, auf allen vieren durch die Wohnung zu krabbeln, zu schmusen, zu toben und zu kuscheln. Aber auch für diejenigen, denen kein bestimmter Grund einfällt, sich für Kinder zu ent- scheiden, gehören sie doch irgendwie zum Leben dazu.

Doch klar ist auch: Nicht immer ist alles eitel Sonnenschein. Vor allem bei ungeplanten Schwangerschaften oder außerhalb einer festen Partnerschaft kommen häufig Unsicherheiten und viele Fragen auf – ab > bieten wir Hilfen an. Wenn sich immer wieder einmal Bedenken einschleichen oder Sie sich bange Fragen stellen, dann ist das ganz normal.

»Kinder sind die wirklichen Lehrmeister des Lebens.«

PETER ROSEGGER | ÖSTERREICHISCHER HEIMATSCHRIFTSTELLER (1843–1918)

»BAUCHSCHMERZEN« WERDENDER VÄTER

Viele werdende Väter tragen sich teilweise auch mit weniger erfreulichen Gedanken, die sie mit dem Übergang vom Mannsein zum Vatersein verbinden – vor allem, wenn sie sich nicht bewusst fürs Vaterwerden entschieden haben. Angesichts der großen und lebenslangen Aufgabe, die wir mit der Entscheidung für ein Kind oder für mehrere Kinder eingehen, wäre es auch eher verwunderlich, wenn sich nicht auch Fragen und Sorgen einschleichen würden.

Vaterschaft heißt verbindlich sein. Vaterschaft ist eine Bindung, die – anders als ein Arbeitsverhältnis – unkündbar ist. Einmal Vater, immer Vater. Väter tragen große Verantwortung, die sie mit einer Reihe von Fragen konfrontieren kann:

Vatersein gehörte nicht zu meiner Lebensplanung – wie viel Verantwortung will ich für mein Kind übernehmen?

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für mich, Vater zu werden?

Bin ich nicht noch zu jung für Kinder?

Bin ich nicht schon zu alt dafür?

Wie sehr wird ein Kind meine Freiheiten einschränken?

Wird mein Kind gesund zur Welt kommen?

Werden meine Partnerin und mein Kind die Schwangerschaft und die Geburt gut überstehen?

Kann ich mir/können wir uns Kinder überhaupt leisten – sowohl in zeitlicher als auch finanzieller Hinsicht?

Wie werden sich unsere Beziehung und meine Persönlichkeit sowie die meiner Partnerin verändern?

Wird sich meine Partnerin körperlich verändern?

Wird sich unsere Sexualität anders entwickeln?

Passt ein Kind wirklich in unser Leben?

Zwischen großer Freude, Bedenken und Befürchtungen ist das Vaterwerden also eine spannungsreiche Lebensphase, die auch als »Rushhour des Lebens« bezeichnet wird: Berufsausbildung und Karriere, Familiengründung und die Koordination persönlicher und partnerschaftlicher Interessen und Aufgaben müssen gleichzeitig bewältigt werden.

Reden ist Silber, Schweigen ist Schrott!

Zwischen Freude und Sorgen hin- und hergerissen zu sein ist ganz normal. Ihrer Partnerin wird es wahrscheinlich ähnlich gehen wie Ihnen. Sprechen Sie miteinander über die Dinge, die Sie bewegen! Ärzte, Hebammen, Paar- und Familienberater stellen immer wieder fest, dass Paare, auch werdende Elternpaare, zu wenig voneinander wissen, weil sie zu wenig miteinander sprechen. Reden hilft – fast immer, vor allem in Zeiten von Veränderung und bei der Vorbereitung auf die Geburt.

Es entlastet, befreit und eröffnet Ihnen als (Eltern-)Paar neue Horizonte. Viele Anregungen, wie Sie die Geburt Ihres Kindes als Chance für sich und Ihre Beziehung zu Ihrer Partnerin nutzen können, bekommen Sie im Kapitel 6 ab >. Sie können jedoch schon in der Schwangerschaft beginnen, Ihre Freuden, Wünsche, Erwartungen und Befürchtungen zu teilen. Manchmal ist es auch gut, sich zunächst mit Freunden, Verwandten oder vertrauten Kollegen zu besprechen, die vielleicht schon Väter sind. Bei größeren Zweifeln oder Ängsten kann es hilfreich sein, sich an Beratungsstellen für Männer und Väter beziehungsweise für Familien- und Sexualberatung zu wenden (Adressen: www.familienplanung.de).

TIPP

Austausch innerhalb und außerhalb der Beziehung

Reden Sie mit Ihrer Partnerin über Ihre Gedanken und Gefühle zu Ihrer Vaterschaft.

Suchen Sie den Austausch mit Männern, die bereits Väter sind. Was hat sich für sie verändert, wie haben sie die Herausforderungen des Vaterwerdens gemeistert?

Sprechen Sie mit Ihrem eigenen Vater darüber, wie er Ihre Geburt damals empfunden hat. Für werdende Eltern kann sich die Beziehung zu den eigenen Eltern auf wunderbare Weise verändern (>).

Wenn Sie mit der Mutter Ihres Kindes nicht zusammenleben, besprechen Sie, wie Sie sich an Schwangerschaft, Geburt und Betreuung Ihres Kindes beteiligen können (siehe auch Kapitel 7 >).

IHR KIND ENTSTEHT – UND SIE SIND LIVE DABEI!

Ihre Partnerin ist schwanger – so viel ist klar! Aber wie funktioniert es eigentlich, dass aus einem Ei und einer verschwindend kleinen Samenzelle ein Mensch wird? Verfolgen Sie die Reise Ihres Kindes. Hier ist Ihr Schwangerschaftsfahrplan:

So entwickelt sich das Baby

1. MONAT: SIE WERDEN VATER!

Wenn Ei und Samenzelle zueinandergefunden haben, teilt sich die befruchtete Eizelle unaufhörlich. Sie nistet sich in der Gebärmutter ein und ist so mit ihr verbunden. An dieser Verbindung entsteht die Nabelschnur, die in der Plazenta (Mutterkuchen) endet. Über die Plazenta wird der Embryo mit Nährstoffen versorgt, die Blutkreisläufe von Mutter und Kind bleiben dabei getrennt. Hat sich die »Zellkugel« eingenistet, bleiben die Regelblutungen aus – oft das erste Signal für eine Schwangerschaft. Herzlichen Glückwunsch!

Sobald Sie wissen, dass Sie Vater werden, sollten Sie Ihre Partnerin bei körperlichen Tätigkeiten entlasten. Alles, was über fünf Kilo wiegt, ist nun für die nächsten Monate Ihr Job! Gerade in den ersten Schwangerschaftswochen kann Überanstrengung zu Fehl-, in den späteren Monaten zu Frühgeburten führen. Versuchen Sie auch, unnötigen Stress zu vermeiden. Denn bereits jetzt ist Ihr Kind sehr empfänglich und empfindlich für Gefühlsschwankungen seiner Mutter.

Wenn Sie das Wachstum Ihres Kindes im Bauch seiner Mutter als »Daumenkino« festhalten möchten, machen Sie mit Beginn der Schwangerschaft jede Woche ein Profilfoto von Ihrer Partnerin, etwa seitwärts im Türrahmen stehend. Sie können die Bilder später aneinanderlegen und so die Schwangerschaft im »Zeitraffer« nacherleben. Mit Selbstauslöser könnten Sie sich sogar dazustellen.

2. MONAT: ES WÄCHST UND WÄCHST ...

Zellteilung und Wachstum gehen mit rasanter Geschwindigkeit weiter. Ihr Kind ist jetzt etwa fünf Millimeter groß. Aus der »Zellkugel« entwickelt sich erkennbar ein Mensch: Wirbelsäule, Nervensystem und Gehirn wachsen, das Herz beginnt zu schlagen. Auch die Anlagen für Arme und Beine haben sich gebildet. Die Ansätze von Fingern und Zehen und die Konturen des Gesichts sind bereits zu erkennen.

Im zweiten Schwangerschaftsmonat haben viele Frauen mit Übelkeit zu kämpfen. Sie wird durch das Schwangerschaftshormon Progesteron ausgelöst. Bei den meisten Frauen legt sich die Übelkeit gegen Ende des dritten Monats, bei manchen aber erst später. Mit dieser unangenehmen Begleiterscheinung kann sich die Schwangerschaft bereits jetzt auf die Paarbeziehung auswirken. Rücksichtnahme und Unterstützung sind angesagt, auch wenn’s manchmal schwerfällt.

3. MONAT: KLEINE AUSSERIRDISCHE

Ihr Kind ist jetzt etwa so groß wie eine Kirsche – und: Es kann sich schon bewegen! Alles, was ein Mensch an Organen und Körperteilen braucht, ist bereits vorhanden. Das Baby hat jetzt noch viel Platz in der Fruchtblase, von der es umgeben ist, und es turnt lebhaft in der Schwerelosigkeit des Fruchtwassers herum. Bei einer Ultraschalluntersuchung ist Ihr Kind nun schon gut zu sehen; es mutet wegen des sehr großen Kopfes etwas außerirdisch an.

4. MONAT: ZEIT FÜR EINEN BAUCHNAMEN

In den ersten drei Monaten hieß Ihr Kind medizinisch »Embryo«, ab jetzt wird es »Fötus« genannt – beides keine wirklich schönen Namen. Seien Sie kreativ und suchen Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin einen schönen »Bauchnamen« für Ihr Kind! Es ist jetzt ungefähr so groß wie ein Tischtennisball. Auf dem Ultraschallbild sind die Geschlechtsorgane bereits zu erkennen. Entscheiden Sie gemeinsam, ob Sie über die Junge-oder-Mädchen-Frage Bescheid wissen wollen. Eventuell beginnen die Brüste Ihrer Partnerin schon in der frühen Schwangerschaft Vormilch zu produzieren.

5. MONAT: REDEN SIE MIT IHREM KIND

Spätestens jetzt wird der »Bauchname« aus Monat 4 wichtig. Das Gehör bildet sich aus: Ihr Kind nimmt Stimmen, Geräusche und Musik von außen wahr. Es ist auch sehr empfänglich für Stimmungen und reagiert auf Stress und Entspannung seiner Mutter. Eine gute Zeit, Ihr Kind aktiv ins Familienleben einzubeziehen! Reden Sie mit ihm. Auch wenn es Ihre Worte noch nicht verstehen kann, hört es Ihre Stimme und merkt, dass Sie in Gedanken bei ihm sind. Wenn Sie schon jetzt beginnen, auf diese Weise Kontakt zu Ihrem Kind aufzubauen, dann gelingt Ihnen auch der Beziehungsaufbau zu Ihrem Baby nach der Geburt leichter: Ihr Kind ist nicht »plötzlich« da, denn Sie kennen es ja aus seiner Zeit im Bauch!

6. MONAT: TURNSTUNDE, DIE ERSTE!

Meist beginnen jetzt die ersten »Turnstunden«. Ihr Kind wird richtig aktiv und hat mittlerweile eine Größe, die Ihre Partnerin die Bewegungen mal mehr, mal weniger deutlich spüren lässt. Wer sich viel bewegt, muss auch viel schlafen – und das tut Ihr Baby meist dann, wenn Ihre Partnerin sich bewegt. Ruht sie sich aus, kann es sein, dass Ihr Baby sich selbst bewegt. Eine gute Gelegenheit für Sie, die Hände auf den Bauch Ihrer Partnerin zu legen und mit Ihrem Kind Kontakt aufzunehmen. Es sieht übrigens schon aus wie ein kompletter Mensch: mit einem dünnen Haarflaum auf dem Kopf und zarten Augenwimpern. Es kann am Daumen lutschen, husten und niesen.

7. MONAT: TURNSTUNDE, DIE ZWEITE!

Ihr Kind wächst schnell, legt an Größe und Gewicht zu. Der Bauch Ihrer Partnerin wird immer runder. Ihr Kind hat da drinnen aber noch genügend Platz, um sich zu bewegen und Purzelbäume zu schlagen. Manchmal drückt es einen Arm oder ein Bein so stark nach außen, dass Sie das deutlich sehen können. Oft ist es nachts aktiv, sodass Ihre Partnerin wenig Schlaf bekommt und sich wohl auch tagsüber öfter ausruhen muss.

8. MONAT: LANGSAM WIRD’S ENG!

Ihr Kind kann zu diesem Zeitpunkt bereits gut zwischen hell und dunkel unterscheiden. Es macht die Augen auf und zu. Aufgrund seiner Größe hat es von nun an in der Gebärmutter deutlich weniger Platz, sodass auch seine Bewegungsfreiheit immer mehr eingeschränkt ist.

Die meisten Babys liegen kopfüber mit dem Po in der Nähe der Rippen ihrer Mutter. Anatomisch ragt auf der rechten Seite der Frau die Leber etwas in Richtung Gebärmutter, sodass Mütter den Po oben rechts spüren können. Das Baby »stemmt« sich gegen diese Platzeinschränkung: Das ist schon die günstigste Position für die Geburt. Aber auch jetzt kann es seine Lage noch ändern. Die Brüste Ihrer Partnerin sind bereits jetzt auf das Stillen eingestellt. Sie werden größer und produzieren Vormilch, die in kleinen Tropfen austritt.

9. MONAT: VON DER LÄNGE IN DIE BREITE

In den letzten Wochen der Schwangerschaft nimmt Ihr Kind nicht mehr an Länge, dafür aber an Gewicht zu. Es bilden sich Fettpolster und Wassereinlagerungen, die es bei und nach der Geburt schützen. Das angesammelte Fett dient außerdem als Kraftreserve für die erste Zeit nach der Geburt, bis die Muttermilch in ausreichendem Maß produziert wird. So hat die Evolution bereits für die vorübergehende Gewichtsabnahme der Babys nach der Geburt vorgesorgt.

In den letzten Schwangerschaftswochen setzen die Senkwehen ein. Eine bis drei Wehen pro Stunde, verteilt über den ganzen Tag, helfen, das Kind in die richtige Geburtsposition zu bringen. Dabei rutscht der Babybauch Ihrer Partnerin weiter nach unten und sie kann wieder besser atmen. Dafür wird sie aber häufiger zur Toilette gehen müssen, da das Kind nun verstärkt auf ihre Blase drückt.

Dann ist es bald so weit – Ihr Kind wird geboren. Übrigens: Die meisten Kinder wiegen bei der Geburt zwischen 2 800 und 4 000 Gramm und sind zwischen 48 und 54 Zentimeter groß.

Wie sich die nahende Geburt ankündigt, was dabei genau passiert und welche Rolle Sie dabei übernehmen können, erfahren Sie ausführlich ab >.

TIPP

Spiel mit Ihrem Baby vor der Geburt

Mit dieser Übung können Sie durch den Bauch Ihrer Partnerin Kontakt mit Ihrem Kind aufnehmen, es kennenlernen und mit ihm spielen. Sie kann außerdem eine Wohltat für Ihre Partnerin sein, besonders wenn sie an Rückenschmerzen leidet.

Setzen Sie sich bequem aufs Bett und lehnen Sie sich an. Ihre Partnerin setzt sich mit ausgestreckten Beinen zwischen Ihre Beine und lehnt sich mit ihrem Rücken an Ihren Bauch. Legen Sie nun von hinten Ihre warmen Hände unten an ihren Bauch. Stellen Sie sich Ihr Kind im Bauch Ihrer Partnerin vor und versuchen Sie, gedanklich eine Verbindung herzustellen – schicken Sie ihm in Gedanken Ihre ganze Liebe.

Nehmen Sie nun ganz langsam und vorsichtig das Gewicht des Bauches und Ihres Kindes in Ihre Hände auf, indem Sie den Bauch Ihrer Partnerin sehr vorsichtig anheben. Gehen Sie nur so weit, wie es Ihrer Partnerin und Ihnen angenehm ist. Versuchen Sie nun, mit leichtem Druck der ganzen Handflächen zu spüren, wie Ihr Kind liegt. Ist der Kopf rechts oder links, oben oder unten? Spüren Sie den Rücken oder die Beine?

Beginnen Sie nun den Druck einer Ihrer Hände leicht zu verstärken. Sie drücken Ihr Kind auf diese Weise ein wenig Richtung Körpermitte Ihrer Partnerin. Nach etwa zehn Sekunden lassen Sie mit dem Druck nach und geben Ihrem Kind wieder Raum, ohne jedoch den Kontakt zu ihm zu verlieren. Reden Sie dabei mit Ihrem Kind – in Gedanken oder auch laut. Laden Sie es ein, Ihrer Hand zu folgen. Mit ein wenig Aufmerksamkeit und Übung werden Sie bald merken, dass Ihr Kind auf die Bewegungen Ihrer Hände reagiert, dass es mit Ihnen spielt.

Lassen Sie Bauch und Kind nun ebenso langsam wie beim Anheben wieder herab – je langsamer und gleichmäßiger, desto besser.

RISIKOSCHWANGERSCHAFT – WAS IST DAS?

Im Lauf der letzten Jahre ist der Anteil der sogenannten Risikoschwangerschaften deutlich angestiegen. Heißt das auch, dass das Risiko für Mutter und Kind, bei der Geburt Schaden zu nehmen, gestiegen ist? Mitnichten: Immer weniger Mütter und Babys kommen während der Geburt zu Schaden. Doch jede Schwangere über 35 Jahren wird automatisch als »risikoschwanger« eingestuft. Weil Frauen in den letzten Jahrzehnten – durchschnittlich gesehen – immer später ihr erstes Kind bekommen, also auch immer mehr Frauen in ihrer (ersten) Schwangerschaft 35 Jahre oder älter sind, geraten immer mehr in diese Gruppe.

Gewiss steigt das Risiko, dass es dem Kind im Mutterleib nicht gut geht, dass es nicht gesund ist oder zu früh geboren wird, mit zunehmendem Alter der Schwangeren leicht an. Daher werden diese Schwangerschaften meist besonders »gründlich« kontrolliert. Oft werden zusätzliche Untersuchungen empfohlen, wobei das Mehr an Kontrolle in vielen Fällen zu einem Mehr an Verunsicherung führen kann. Auch wird diesen Frauen nahegelegt, Methoden der Pränataldiagnostik in Anspruch zu nehmen, die zu vermehrtem Stress und Ängsten führen können. Lassen Sie sich genau erläutern, welchen Vorteil welche Untersuchung bringen soll. Informieren Sie sich bei Bedarf zusätzlich bei Beratungsstellen (zum Beispiel pro familia, www.bzga.de), wenn umfangreichere (Pränatal-)Diagnostik empfohlen wird. Und: Informieren Sie sich vor den Untersuchungen, was deren Ergebnisse bedeuten und wie Sie mit ihnen umgehen möchten.

Zunehmendes Alter ist jedoch nur einer von mehreren Risikofaktoren – und bei Weitem nicht der schwerwiegendste! Viel stärker steigt beispielsweise die Gefahr einer Frühgeburt, wenn die Schwangere raucht oder Alkohol trinkt.

Weitere Risikofaktoren:

chronische Krankheiten der Mutter, etwa Diabetes

vorausgegangene Kaiserschnittgeburten

weitere Operationen an der Gebärmutter

Mehrlingsschwangerschaften

Komplikationen bei einer früheren Schwangerschaft

Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind

vorhandene Allergien (Medikamente und Lebensmittel)

Blutarmut

zu hoher oder zu niedriger Blutdruck

Quer- oder Steißlage des Kindes bei nahendem Geburtstermin

Alter der werdenden Mutter unter 18 Jahren

Ihre Partnerin und Sie sollten mit Ihrer Hebamme und/oder Ihrer Ärztin besprechen, welches Risiko besteht und welche Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll sind.

Gehen Sie möglichst gemeinsam zu den Vorsorgeuntersuchungen, verkürzen Sie gegebenenfalls in Absprache mit den Fachpersonen die Abstände.

Helfen Sie Ihrer Partnerin, einen kühlen Kopf zu bewahren, indem Sie ihre Sorgen ernst nehmen und versuchen, die passenden sachlichen und fachlichen Informationen einzuholen.

Fragen Sie bei Ärzten so lange nach, bis Sie wirklich wissen, was Sache ist!

Wenn Ihnen die Diagnosen oder empfohlenen Verhaltensregeln für Schwangerschaft und Geburt über- oder untertrieben vorkommen und Sie unsicher sind, holen Sie eine weitere Meinung von Hebamme oder Ärztin ein.