Das programmierte Subjekt - Helmut Hoppe - E-Book

Das programmierte Subjekt E-Book

Helmut Hoppe

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Beschreibung

Mit welchen Mitteln wurden Menschen abgerichtet, die hemmungslos um einen begehrten Platz in unserem ausbeutenden Verwertungssystem kämpfen? Denn diejenigen, die kritiklos die Aufforderungen der neoliberalen Konzepte zur Selbstzurichtung frühzeitig in ihr Gehirn einweben, haben die besten Aussichten den Kampf zu gewinnen. Die erhoffte Zustimmung, das Betteln um Anerkennung, und die quälende Angst in eine Bedeutungslosigkeit abzusinken, ist das Einfallstor der Programmierer. So entsteht die feine Verführung, um gefügige ArbeiterInnen und tüchtige Konsumenten reglos in den Markt einzuordnen. Wer jedoch das Zurichten ablehnt, sich nicht einfügt, dem gleitet der Boden unter den Füßen weg. Ziel der Vermögensbesitzer ist die Herrschaft über alle Lebensprozesse der Menschen. Dieses Buch beschreibt die verschleierten vielseitigen Manipulationen, die in uns wirken, und die wir entdecken müssen. Auch das Regime der Geldelite ist in uns, und durchtränkt herrschaftlich soziale Sphären.

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Müssen wir in diesem wirtschaftlichen Gehäuse leben?

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Die gelenkten Konsumenten

2. Das Regime der Ausbeutung

3. Die kalte Logik des Marktes

4. Das Spiel mit der Angst

5. In die Klassenzimmer kommt die digitale Welt

6. Konzernherren lenken die Auslese

7. Die ökonomische Identifikation

8. Die Symbole der verborgenen Macht

9. Kritik trocknet aus

10. Eine wichtige Illusion

11. Der virtuelle Reichtum

12. Das Disziplinierungsregime

13. Die Denkschranken der Programmierten

Schluss: Die Auswege sind jenseits unserer Denkmuster

Einführung

Mit welchen Mitteln wurden Menschen abgerichtet, die hemmungslos um einen begehrten Platz in unserem ausbeutenden Verwertungssystem kämpfen? Denn diejenigen, die kritiklos die Aufforderungen der neoliberalen Konzepte zur Selbstzurichtung frühzeitig in ihr Gehirn einweben, haben die besten Aussichten den Kampf zu gewinnen. Sie wollen sich deshalb in einem schmeichelhaften Verhalten, in einer für sie und andere besonders gehorsamen Art, als verfügbar und verwertbar anpreisen.

Dem Einzelnen, dessen Verwertung vom Unternehmer eingekauft wird, erscheint jedoch seine erfolgreiche Selbstdarstellung als Ergebnis seiner eigenen, ganz privaten Geschicklichkeit. Bevor er jedoch die Prüfung bestanden, die erstrebte soziale Belohnung ergatterte, musste er sich in eine nutzbare Markenware verwandeln. Diese Lenkungen sind Teile von neoliberalen Programmen, die von Handlangern der Vermögensbesitzer ausgeführt wurden.

Mit solchen programmierten Denkweisen, über diese Individualisierungen, in denen der Einzelne als seines Glückes Schmied erscheint, schraubt sich das Gedankengut einer besonderen Gesellschaftsschicht in das Bewusstsein der breiten Masse und in die Persönlichkeitsentwicklung Jugendlicher. Dieses genormte Bewusstsein soll auch verhindern, das wirklichen Machtgefüge unserer Gesellschaft zu erkennen. Denn diese Programme führen wir besonders zielgerichtet aus. Wir sollen vorgefertigte Lebenswege gehen.

Das Erlebnis ein geachteter Konsument zu sein und die weggeworfenen leeren Hülsen vom Arbeitsmarkt am Rande liegen sehen, diese Signale geben eine angstfreie Sicht der eigenen Lebenslage.

Der gefügige Arbeitsmensch wird wie eine Ware angefertigt, um selbst zum nützlichen Werkzeug einer Konsumindustrie zu werden. Dieser innige Gebrauch des vorsortierten Denkens stellen wichtige Übereinkünfte her, die vorgeben, wie verkümmerte Geldsucher und der Arbeitsmarkt zu funktionieren haben.

Wir müssen einen Blick in die Programme wagen, in denen ein ökonomisches Weltbild entworfen wurde, in dem Solidarität nicht enthalten ist, sondern nur reibungslose einheitsstiftende Kauflust, um mehr Profit für eine besondere Elite zu erzeugen.

Die versteckten vielseitigen Manipulationen, die in uns wirken, müssen wir entdecken. Auch das Regime der Vermögensbesitzer ist in uns, es durchtränkt herrschaftlich alle Sphären. Der Zynismus zugerichteter Menschen ist erschreckend, er zeigt uns die Wirkungen. Denn welch bittere Kunst ist es, auf einem drehbaren Bürostuhl mit feinem Tuch thronend viele Jahre hoffnungsvolle Menschen in ungesicherte Arbeitsverhältnisse zu locken. Doch wenn sie dann für Unternehmer nutzlos geworden sind, sie einfach wie Abfall wegzuwerfen. Eine erfolgreich programmierte Dressur, die kritisches Denken ausgeschaltet hat.

Es muss etwas geben was sich hinter dieser Abrichtung, hinter dem Antrainierten verbirgt. Was versteckt sich hinter der beseelten feinen Bekleidung, dem vergötterten Mittelklassewagen und hinter den geradlinigen Beeten der Vorgärten? Was verbirgt sich unter dem Anerkennungshunger und der Anhäufung von Besitz? Wer bietet hier diese Symbole? Diese erhoffte Zustimmung, das Betteln um Anerkennung, und die quälende Angst in eine Bedeutungslosigkeit abzusinken, ist das Einfallstor der Programmierer. So entsteht die Verführung, um gefügige Arbeitsmenschen und tüchtige Konsumenten reibungslos einer Marktmacht zu unterwerfen. Wer jedoch das Zurichten ablehnt, sich nicht einfügt, dem gleitet der Boden unter den Füßen weg. Wichtiges Ziel der Vermögensbesitzer ist die Herrschaft über alle Lebensprozesse der Menschen.

Erstes Kapitel

Die gelenkten Konsumenten

In der Architektur einer globalen Profitwirtschaft ist der Konsument ein wichtiges Bauteil. Nicht nur, dass er zum Spielball mächtiger Konzerne hergerichtet wird, wenn er deren Produkte in Regalen liegen sieht, sondern weil ihm auch beim Kauf vorgegaukelt wird, er sei ein wertvolles Mitglied einer Konsumentenschicht. Er ist einfach Ziel von Bewusstseinsmanipulationen, die ihn das Angebotene freiwillig akzeptieren lässt. Die Entwicklung vieler kleiner Unternehmen hin zur Machtstellung der Großkonzerne macht einen Sachverhalt sichtbar, der unserem Bewusstsein entglitten ist. In unserer wirtschaftlich organisierten Gesellschaft wird die Kauflust durch Werbeprogrammen der Konzerne in die Konsumenten installiert. Denn die Konzerne mit ihren Kommunikationstechnologien produzieren nur Wünsche die sich für sie profitieren.

Diese stetig steigenden produzierten Wünsche schwimmen in Containern zu uns übers Meer, werden in Häfen auf große Lastkraftwagen verladen und rollen dann über Autobahnen zu den Konsummärkten. Ein stöhnendes unendliches Band von hergestellten Wünschen fließt Tag für Tag über die Straßen. Gleichzeitig reiben sich Lkw-Hersteller und Treibstoffgiganten verzückt die Hände. Zuletzt belagern aufgescheuchte Konsumenten Parkplätze und irren verträumt vor voll gestopften Regalen umher.

Sobald wir mutig hinter die Bühne schauen, erleben wir, dass Werbefeldzüge mit Symbolen an Triebstrukturen appellieren, um Kaufentscheidungen der Konsumenten zu beeinflussen. Die Kosten der Werbefeldzüge schlagen sich natürlich in den Verkaufspreisen nieder. Alle Ausgaben, die von Unternehmern und Konzernen getätigt werden, um Menschen zum Kauf bestimmter Waren zu ermuntern, liegen über den Summen die der Staat für Bildung ausgibt. Profitmaximierung der Unternehmen ist wichtiger als Investitionen in die Bildung junger Menschen. Die Wirtschaftspolitik in einem solchen System richtet sich auf dieses Ziel: Die Umworbenen zu Konsumhandlungen zu veranlassen, um die Profite im guten Plus zu halten. Unverhüllter kann man die Abhängigkeit einer ganzen Gesellschaft von einer kleinen aber bestimmenden Geldelite und die Funktion der Politik in diesem System schwerlich in einem Bühnenbild darstellen. Um die Unternehmer geneigt zu machen, ist es nötig, ihre Gewinnerwartung zu steigern. Zu diesem Zwecke muss der Staat ihnen nun mal Steuererleichterungen einräumen, als Tribut dafür, dass sie ungehemmt ihre Ziele verfolgen können.

Es schwang sich da eine Gruppe zu den Göttern des Wirtschaftsmechanismus auf, doch diese beherrscht wie schon immer das Leben der abhängigen Masse unserer Gesellschaft.

In diese Abhängigkeiten wird hineingeboren, mit ihnen wird sozialisiert, und später können sich Erwachsene nicht mehr von ihnen distanzieren. Natürlich bringt das Gehirn sehr viele Vorinformationen mit, deutet ausgehend von genetisch verankertem Vorwissen und stellt Fragen, aber die Überformung der ursprünglichen Architektur hängt von der Verfügbarkeit der Umwelt und von deren Struktur ab.

Was geht da verschleiert vor sich?

Ein riesiger Saal, gefüllt mit aufgereihten Menschen, alle reglos, nur ihre Hirne schalten und speichern, vorne ein sichtbares und lautes Geschehen, das sich vor ihnen abspult. Das Geschehen wiederholt sich beliebig. Zur gleichen Zeit sitzen unzählige andere in kleinen Räumen zu Hause vor den Bildschirmen und lassen Sehbares und Hörbares vor sich abspielen. Auch tagsüber sitzen Schüler, große und kleine, viele Jahrgänge auf Stühlen und empfangen die Informationen, die man ihnen zugedacht und zugemessen hat. Wer sitzt hinter den Kulissen und formt? Sinnbotschafter arbeiten als Beleuchter, spielen auf Tastaturen, denn sie sind verantwortlich für die öffentliche Meinung. Ständig werden die Kulissen hin und her geschoben, neue digitale müssen entworfen werden.

So serviert man uns tagtäglich die uns zugedachten Neuigkeiten. Herren in feinen maßgeschneiderten Anzügen kommen und gehen, steigen breite Treppen hinauf, automatisiertes Lächeln, schütteln Hände, dann wird Papier unterzeichnet, Kameras blitzen. Ein Unternehmen soll in Stücke geschnitten werden. Das ganze läuft unter der Herrschaft vom Streben nach Profit, das sich zum Beispiel in, Exporte, Gewinne, Konsumnachfrage, Lohnkürzungen, Milliarden, Entlassungen und Steuergeldern ausdrückt.

Nächstes Bild: Damen und Herren mit harten Gesichtszügen, sitzen an langen Tischen, verhandeln um Teile von Prozenten, um Entlassungen, um Lohnkürzungen und um Subventionen. Das Ganze spielt sich ab wegen eines Systems, das sich mit Bezeichnungen wie Lohnzurückhaltung, Wachstumsbremsen, Wettbewerb, Investitionen und Kapazitätsauslastung schmückt. Dabei benennen weder die Vordenker noch die Damen und Herren an den langen Tischen das Machtgefüge dem sie dienen, denn die schmückenden Begriffe sind einfach da, werden im regungslosen Publikum gedacht, sind in allen Hirnen fest eingeschrieben. Nicht ein Gedanke zündet im Zuschauersaal, ob nicht langfristig diese Systeme zu unserem Untergang führen, ja führen müssen. Solche Gedanken überhaupt zu fassen ist den Gehirnen der Anwesenden kaum mehr möglich. Durch einen Berg von Informationen, über Prioritäten, über Wachstumsschlager, über Exporterlöse und über politische Absprachen sind alle Speicherkapazitäten und Netzwerkverschaltungen der Gehirne voll oder verstopft – mit anderen Worten, besetzt von Programmen der Botschafter. Und die Blockierten können nicht das Neue denken, nur das Bekannte verknüpfen.

Manchmal, viel zu selten, blitzt ein neuer Gedanke oder doch eine neue Erkenntnis – ein hoher Beamter gesteht im privaten Gespräch, er und seine Kollegen seien Gefangene des Systems. Nach dem Gespräch fährt er mit dem Dienstwagen wieder in sein großes Büro zurück und nimmt die Sechzigstundenwoche im System wieder auf. Er sitzt, etwa vor der Fernsehkamera und erklärt, die Regierung dürfe nicht so pingelig mit den Wirtschaftsprogrammen sein, besonders bei einer drohenden Rezession nicht, sie müsse den Konsum ankurbeln. Abends ist dieser Mensch dann rechtschaffen müde, nach der völligen Abwesenheit von Skrupel bei einer Tätigkeit am Tage, die sinnlos wäre, hätte sie nicht die Billigung des Herrschers über die Hirne.

Wählen wir ein weiteres Theaterstück aus: Eine öffentliche Diskussion. Laut tönt es: Wir brauchen Wirtschaftswachstum, Exportüberschuss, Armut steigt, Schere tut sich auf, Reiche, Linke, Konsumkrise und rettet den Sozialstaat. Bis weit in die Kreise der Gehirngrößen hinein wird nach wie vor dieser Sprachgebrauch verwendet, der längst untauglich geworden ist um die verdeckte Herrschaft der Vermögensbesitzer zu beschreiben. Da wird beredt mit Wörtern gehandelt, ohne das sie noch mehr vermitteln würden als alte, wohlvertraute und damit neuen Denkprozessen behindernde Illusionen. Der schönste Begriff ist „Wohlstandsgesellschaft“. Er verzaubert buchstäblich die Klassengesellschaft in der wir uns befinden. Die Hälfte der Menschen in unserer Gesellschaft lebt nicht in einem wohligen Stand. Doch die Hinwendung zu tröstenden Glaubensgebäuden die Hoffnung versprechen ist auch der Masse eingeimpft worden.

Schweigen im Zuschauerraum, vereinzelt tropft Angstschweiß. Botschafter aus Politik und Wirtschaft betreten nun die große Bühne, Kapitalismuskritik wird laut beiseite geschoben, und dann laut: Wir brauchen Wachstumsimpulse, und spannt jetzt Rettungsschirme über das Reichengeld. Eine Kontroverse über unser Wirtschaftssystem ist entfacht. Aber eine notwendige Kritik verblasst sofort mit der mehr oder weniger verhüllten Anerkennung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status quo. Alle großen Vorträge in wissenschaftlichen Räumen oder in Vorstandsetagen haben eine neoliberale Richtschnur, die auf Befehle des Kapitals schon in den geglätteten Hochschulen geknüpft wurde, und nun können die teilnehmenden Hirne kein anderes Denken zulassen.

In der Tiefe ist diese Unfähigkeit von alten Begriffen und Mustern loszukommen, einer der schrecklichsten und gefährlichsten Ausweise der Kolonialmacht alter Denkmuster, die sich nicht überschreiben lassen wollen. Gegen eine Kontroverse kann ein gutsituierter Ideologe eigentlich gar nichts haben. Im Gegenteil, Kontroverse ist der Kraftdünger für seine Gehirn-Äcker. Denn solange darüber gestritten wird, ob ein längst überfälliger Mindestlohn oder eine Reichensteuer eingeführt werden soll, solange kann das System selber, das ein System von Klassenverhältnisse ist, überhaupt nicht in Frage gestellt werden, und der Ideologe gedeiht und wird fetter. Im Bankensektor werden die innovativsten Finanzprodukte entworfen, doch in der Politik begnügt man sich mit einem Sparpaket gegen Arbeitslose, in dem die Prioritäten signalisieren, dass die eigenen Sympathisanten bedient werden. Man spart eher bei den wertlosen Konsumenten.

Welche Rolle spielen nun die Meinungsbotschafter der Medienindustrie auf der Bühne? Wenn ein Hof-Blatt irgendeine Scheinkontroverse entfacht, um seine Leser zu unterhalten, dann gibt es die große Schlagzeile. Diese Wirbel um etwas, ist, natürlich ohne dass der naive Leser es weiß, eine perfekte Beschreibung eines Rituals. Und diese Wirbel bedürfen der Diener, die sie erzeugen – eben der Diener der Meinungsindustrie, der Journalisten. Je scheinbar scharfsinniger sie ihren Geschäften nachgehen, so eleganter der Wirbel, desto geschützter die Identität der Ideologen, denen sie verpflichtet sind.

Auf geschickte Weise verknüpfen Arbeitgeber und Meinungstransporter, die gemeinsam Programme entwarfen, ihren Pragmatismus und ihre Ideologie zu einem Konzept. Dieses trifft bei den bürgerlichen Schichten, die für ökonomische Fragen besonders empfänglich sind, zugleich aber uneingeschränkt an den Hauptströmungen ihrer Wohlstandsgesellschaft festhalten wollen, auf eine begehrliche Stimmungslage. Einige populistisch aufgeladene Stichworte stechen besonders hervor, und sehnsüchtige Gehirne versammeln sich gerne hinter ihre Botschaften.

Erstens: Die Ursachen für die wirtschaftlichen Krisen werden neoliberal interpretiert. So seien die Gewerkschaften, der ausufernde Sozialstaat, starre Vorschriften und zu hohe Löhne verantwortlich. Und diejenigen, die selbst in Gefahr sind in die Arbeitslosigkeit abgestoßen zu werden, glauben, noch aus eigener Kraft die Inanspruchnahme des Sozialamtes entrinnen zu können. Die Empfehlungen von Eigenverantwortung und Selbstaktivierung, als die tragenden Prinzipien der sozialen Sicherheit, die nicht auf den Samariter-dienst des Staates setzt, knüpft an den illusorischen Glauben individueller Stärke, und verhehlt vorzüglich die verschlungene Macht von großen Industrieunternehmen und Politik, wodurch sich LohnarbeiterInnen im Arbeitsprozess weitgehend wie Untertanen beugen müssen.

Allein schon durch die strukturelle Arbeitslosigkeit, die in unserem Staat gefährlich hoch ist, sich verfestigende Spaltung unserer halb blühenden Gesellschaft in einen durch Besitztum ergatterten Kernbereich und einen abgedrängten Kranz von Besitzlosen, müsste doch die hartnäckigsten Ideologen zur Umkehr anregen. Nichts, nur inneres klatschen. Zu verführerisch die begehrten Einkommen und die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten. Nur unbewegliche Hirne auf den Rängen. Keinen zaghaften Schritt des Gewissens zu den Rändern der Gesellschaft.

Zweitens: Eine völlig grobe Kritik der linken Politik, die in ihr ein diktatorisches Modell sieht und auf den blanken Verrat aller mit diesem Begriff verknüpften Alternativen hinausläuft, setzt auf die ewig gleichen, immer wieder neu geschürten Ängste vor Enteignung und Einkommenseinbußen. Diese Position bedient das Kapital, denn nichts wäre schlimmer als das Schwinden der Konsumneigung. Und es gibt noch genügend geschäftliche Gefühle im Lande, die sich gerne bereichern möchten.

Drittens: Die bejahende Betonung der Normalität mit ihrer prahlenden Feier der Leistungsträger entwertet alle Menschen, die aus Arbeitsverhältnissen aussortiert wurden. Für die rechten und liberalen Positionen ist es das einheitsstiftende Motiv. Die Ökonomisierung des sozialen Lebens wird vorangetrieben. Der Sozialstaat muss eingeäschert werden. Eine Profitorientierung mit ihren gnadenlosen Herrschaftsinstrumenten nimmt Einzug in die Neuronenverschaltungen der Gehirne und feiert dort durch Überschreibungen zahlungskräftige Bedürfnisse. In den Konsumsphären der Kreuzschiffsfahrten bis hinauf zu den teuren Sportwagen und Yachten wird angestoßen. Auf den Jahreshauptversammlungen vieler Aktiengesellschaften bewegen sich reibend einige Hände, da bewegt sich Geld in weit geöffneten Schatullen.

Die hier aufgeführten Botschaften, die für die Position einiger Gruppierungen von elementarer Bedeutung sind, lassen sich auch im Rezeptbuch neuerer Institute für Gesellschaftspolitik wiederfinden. Denn im unbarmherzigen Wettbewerb um die knappe Aufmerksamkeit zukünftiger Konsumenten suchen die Anbieter der Konsumgüter, einschließlich ihrer Werbeindustrie, verzweifelt nach noch unbearbeiteten Konsumenten. Denn Konsumgüter und Konsumenten sind nur Werkzeuge, sie sollen das eingesetzte Kapital der Geldelite in der Industrie vermehren.

Wie kann man nur die unwillkommene Opposition in unserer Gesellschaft ausbremsen? Durch eine gezielte Isolierung aller Störfaktoren unserer Konsumgesellschaft. Hierfür einerseits die Akzeptanz technischer Neuerungen und anderseits die Förderung beliebter Konsummuster. So wird Arbeitslosigkeit einfach mit einer größeren Programmauswahl der Fernsehsender, mit Flachbildschirmen und kleinen Ersatzeinkäufe im H&M Shop gemildert. Diese angebotenen Ersatzmittel besänftigen kurz das Gefühl der Leere und man kann sich für wenige Tage mit den Kleinhabenden messen. Hochwertigere Schichten erfreuen sich am Abend in feinen Restaurants, in Fahrzeugen der Premium-Klasse und in ihren privaten Winkeln schöner Bausubstanz. Die gesellschaftlichen Konflikte werden so kritiklos eingedämmt, sowie die aufflammenden Risiken, wie die Entwicklung radikaler Gruppen, in die armen Wohnsilos der Städte verschoben. Dort sollen sie für den gehobenen Bundesbürger ungesehen bleiben. Nur nicht rütteln am geliebten Standort, am hochwertigen Konsum und Dienstwagen, nur nicht zweifeln an besonderen wirtschaftlichen Anreizwerkzeugen. Gleichgültig wie andere leben müssen. Aber die Anderen werden noch gebraucht, die Untüchtigen, die Verlierer, als Sündenböcke.

Zweites Kapitel

Das Regime der Ausbeutung

Es gibt keine andere Wahl, als uns in dem System zu bewegen, dass die Steuerung unserer Handlungen übernommen hat. Überall rufen uns Botschafter aus der Politik und Wirtschaft zu: Seid aktive Marktwesen und wertvolle Konsumenten, dann seit ihr frei und selbstständige Menschen!