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Die Werkzeuge unseres entfesselten Wirtschaftssystems beugen Menschen zu funktionierenden Dienern und nutzlosen Geschöpfen. Gigantische Konzerne beherrschen uns und Märkte. Wir haben uns ihren Ketten und Gesetzen unterworfen. Die Haltung, zu der wir gezwungen werden. um unsere sittliche Eignung für diese Wirtschaftsform unter Beweis zu stellen, ist ein mächtiger Ritus. Wir werden nur so weit geduldet, wie unsere rückhaltlose Identität mit dem System außer Frage steht.
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Wir haben uns den Ketten und Gesetzender Geldelite unterworfen
Einleitung
1. Die feinen Herrschaftsinstrumente
2. Strategien für die Ausrichtung der Menschen
3. Die Schleichwege des Marktes
4. Das System der Unterdrückung
5. Schulen als Zulieferbetriebe für die Industrie
6. Im Würgegriff der Wirtschaftslenker
7. Die Eroberung der Köpfe
8. Die Außenausstattung der Mittelschicht
9. Kritik hat sich verabschiedet
10. Die Funktion der Ängste
11. Der verehrte Reichtum
12. Wichtige Sündenböcke
13. Die Denkschranken der Verzweifelten
Zum Schluss:
Jenseits unserer Denkschablonen sind Auswege
Wie entsteht die Abrichtung der Menschen, die hemmungslos um eine begehrte Position in unserer rasenden Leistungsgesellschaft kämpfen? Denn diejenigen, die gläubig und kritiklos ihre Individualität für einen ökonomischen Wahnsinn mobilisieren, und diese unsozialen Konzepte frühzeitig in ihr Gehirn einweben, haben die blühenden Aussichten den gnadenlosen Wettlauf zu gewinnen. Sie wollen deshalb mit einer verinnerlichten Disziplin, in einer besonders gehorsamen und zynischen Artigkeit, ihre Verfügbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit anbieten.
Wer seine Tauglichkeit für unser Wirtschaftssystem signalisiert hat, dem erscheint seine Selbstdarstellung als Ergebnis seiner eigenen, ganz privaten Geschicklichkeit. Doch bevor er die Anerkennung und die erstrebte Belohnung von Arbeitgebern ergatterte, musste er sich wie die Massenware in Regalen aufstellen. Er hat sich fit gemacht für die Verwertungsketten des Marktes.
Mit diesen übernommenen Denkmustern, die eine Individualität verheißen, in denen der Gewinner als etwas besonderes erscheint, schraubt sich das Gedankengut einer besonderen Gesellschaftsschicht in das Bewusstsein der breiten Masse und in die Persönlichkeitsentwicklung Jugendlicher. Dieses genormte Bewusstsein soll verhindern, das wirklichen Machtgefüge unserer Gesellschaft zu erkennen. Menschen sollen für die sich stetig ausweitende Warenproduktion planmäßig genutzt werden können. Wir sollen vorgefertigte Lebenswege gehen.
Das Erlebnis ein geachteter und untertänige Angestellter zu sein, und die unbrauchbaren leeren Hülsen vom Arbeitsmarkt am Gesellschaftsrande liegen sehen, sind angebotene Symbole für eine sorglose und angstfreie Sicht der eigenen Lebenslage.
Der gefügige Arbeitsmensch wird wie ein Instrument angefertigt, um dann zum nützlichen Werkzeug einer Marktmaschinerie zu erblühen. Dieses vorgefertigte Verhalten stellen wichtige Übereinkünfte für die Masse her, damit sie darüber hinweg schaut, wie verzweifelte Lohnsucher und der Arbeitsmarkt funktionieren. Wir müssen einen Blick in die Strategien der Konzerne wagen, in denen nur ökonomische Ziele verfolgt werden, die eine reibungslose Kauflust erzeugen und das Menschliche ausradieren, um mehr Profite für eine besondere Elite zu erzeugen.
Die alltäglich vorgetragenen Rituale, die uns manipulieren, müssen wir entschlüsseln. Denn das Regime der Vermögensbesitzer ist in uns eingesickert und beherrscht alle sozialen Sphären. Der Lebensweg abgerichteter Menschen ist erschreckend, er zeigt uns die Wirkungen. Denn wenn sie für den Markt nutzlos sind, werden sie einfach wie leere Flaschen am Straßenrand entsorgt.
Es muss etwas geben was sich hinter dieser Abrichtung, hinter dem Antrainierten versteckt. Was verbirgt sich hinter der beseelten feinen Bekleidung, dem vergötterten Mittelklassewagen und hinter den geradlinigen Beeten der Vorgärten? Was gärt unter dem Anerkennungshunger und der Anhäufung von Besitz? Jeder wird gezwungen seine Eignung für dieses System unter Beweis zu stellen. Die erhoffte Zustimmung, das Betteln um Anerkennung, und die quälende Angst in einen Krater der Armut abzusinken, ist das Einfallstor der Herrschenden. So entstehen gefügige Marktmenschen und fleißige Konsumenten, die sich reibungslos der neoliberalen Gesellschaftsumgestaltung unterwerfen. Wer jedoch das Zurichten ablehnt, sich nicht einfügt, dem gleitet der Boden unter den Füßen weg. Die Verzweiflung der Masse ist der Dünger für die Herrschaft der Vermögensbesitzer.
In der Architektur der globalen Konzerne ist der dienende Konsument ein wichtiges Bauteil. Nicht nur, dass er zum Spielzeug mächtiger Herren hergerichtet wird, wenn er deren Produkte in Regalen liegen sieht, sondern weil ihm auch beim Kauf vermittelt wird, er sei ein wertvolles Mitglied einer Konsumentenschicht. Er ist einfach Ziel von Bewusstseinsmanipulationen, die ihn das Angebotene freiwillig akzeptieren lässt. Die Wege vieler Unternehmen hin zur Machtstellung auf Märkten, macht etwas sichtbar, die unserem Bewusstsein verborgen bleiben soll. Denn in unserer wirtschaftlich organisierten Gesellschaft wird die Kauflust durch Werbeprogramme der Konzerne in die Konsumenten installiert. Die Kommunikationstechnologien der Konzerne erschaffen Wünsche die sich für die Geldelite in Profite umwandeln.
Diese stetig steigenden Wünsche schwimmen in Containern zu uns übers Meer, werden in Häfen auf große Lastkraftwagen verladen und rollen dann über Autobahnen zu den Konsummärkten. Ein stöhnendes stinkendes Band von hergestellten Wünschen fließt Tag und Nacht über unsere Straßen. Gleichzeitig reiben sich Lkw-Hersteller und Treibstoffgiganten verzückt die Hände. Zuletzt belagern aufgescheuchte Konsumenten Parkplätze und irren verträumt vor voll gestopften Regalen umher.
Sobald wir mutig hinter die Bühne schauen, erleben wir, wie Werbemärsche mit Symbolen an Triebstrukturen appellieren, um Kaufentscheidungen der Konsumenten zu beeinflussen. Die Kosten der Werbezüge finden sich natürlich in den Verkaufspreisen wieder. Alle Ausgaben, die von Unternehmern und Konzernen getätigt werden, um Menschen zum Kauf bestimmter Waren zu ermuntern, liegen über den Summen die der Staat für Bildung ausgibt. Profitmaximierung der Unternehmen ist wichtiger als Investitionen in die Bildung junger Menschen. Die Wirtschaftspolitik in einem solchen System richtet sich auf ein Ziel: Die umworbene Masse zu Konsumhandlungen zu bewegen, damit dicke Gewinne sprudeln. Unverhüllter kann man die Abhängigkeit einer ganzen Gesellschaft von einer kleinen aber bestimmenden Elite und die Funktion der Politik in diesem System schwerlich in einem Bühnenbild darstellen. Die Konzerne brauchen für ihr rasantes Wachstum Menschen, die sich in ihre Strukturen einfügen. Sie brauchen Körper die funktionieren, die nicht ihren eigenen Impulsen, sonder dem äußeren Takt der Giganten folgen.
Es schwang sich da eine Gruppe zu den Göttern der Wirtschaftsmaschinerie auf, doch diese beherrscht wie schon immer das Leben der abhängigen Masse unserer Gesellschaft.
In diese Abhängigkeiten wird hineingeboren, mit ihnen wird sozialisiert, und später können sich Erwachsene nicht mehr von ihnen distanzieren. Natürlich bringt das Gehirn sehr viele Vorinformationen mit, deutet ausgehend von genetisch verankertem Vorwissen und stellt Fragen, aber die Überformung der ursprünglichen Architektur hängt von der Verfügbarkeit der Umwelt und von deren Struktur ab.
Welche Rituale schmieren unser Gehirn?
Ein riesiger Saal, gefüllt mit aufgereihten Menschen, alle reglos, nur ihre Hirne schalten und speichern, vorne ein sichtbares und lautes Geschehen, das sich vor ihnen abspult. Das Geschehen wiederholt sich beliebig. Zur gleichen Zeit sitzen unzählige andere in kleinen Räumen zu Hause vor den Bildschirmen und lassen Sichtbares und Hörbares vor sich abspielen. Auch tagsüber sitzen Schüler, große und kleine, viele Jahrgänge auf Stühlen und empfangen die Informationen, die man ihnen zugedacht und zugemessen hat. Wer sitzt hinter den Kulissen und formt? Sinnbotschafter arbeiten als Beleuchter, spielen auf Tastaturen, denn sie sind verantwortlich für die öffentliche Meinung. Ständig werden die Kulissen für neue Marktteilnehmer hin und her geschoben.
So serviert man uns tagtäglich die uns zugedachten Neuigkeiten. Damen und Herren in feinem maßgeschneiderten Tuch kommen und gehen, steigen breite Treppen hinauf, automatisiertes Lächeln, schütteln Hände, dann wird Papier unter blitzenden Kameras unterzeichnet. Ein Unternehmen soll in Stücke geschnitten werden. Das ganze läuft unter der Herrschaft vom Streben nach Profit, das sich in Symbole wie Exporte, Absatzmärkte, Unternehmenserträge, Konsumnachfrage, Lohnkürzungen, Milliarden, Entlassungen und Steuerbegünstigung ausdrückt.
Nächstes Bild: Menschen mit harten Gesichtszügen sitzen an langen Tischen, verhandeln um Teile von Prozenten, um Kündigungen, um Lohnkürzungen und um Subventionen. Das Ganze spielt sich ab wegen eines Systems, das sich mit Bezeichnungen wie Lohnzurückhaltung, Kapitalerträge, Wettbewerb, Investitionen und Kapazitätsauslastung schmückt. Dabei benennen weder die Vordenker noch die Damen und Herren an den langen Tischen das Machtgefüge dem sie dienen. Die schmückenden Begriffe sind Werkzeuge, die dem regungslosen Publikum nützlich in ihre Hirne fest eingeschrieben werden. Nicht ein Gedanke zündet im Zuschauersaal, ob nicht langfristig diese Systeme zu unserem Untergang führen, ja führen müssen. Solche Gedanken überhaupt zu fassen ist den Gehirnen der Anwesenden nicht mehr möglich. Durch ein Gebirge von Informationen, über Prioritäten, über Wachstumsschlager, über Exporterlöse und über politische Absprachen sind alle Speicherkapazitäten und Netzwerkverschaltungen der Gehirne voll oder verstopft – mit anderen Worten, besetzt von Programmen der Botschafter. Und die Blockierten können nicht das Andere denken, sie funktionieren nur gut für eine Elite.
Manchmal, viel zu selten, blitzt ein neuer Gedanke oder doch eine neue Erkenntnis – ein hoher Beamter gesteht im privaten Gespräch, er und seine Kollegen seien Räder des Systems. Nach dem Gespräch fährt er mit dem Dienstwagen wieder in seine schöne Amtsstube zurück und nimmt die Sechzigstundenwoche im Räderwerk wieder auf. Er sitzt dort oft vor Fernsehkameras und erklärt, die Regierung dürfe nicht so pingelig mit den Wirtschaftsprogrammen sein, besonders bei einer drohenden Rezession nicht, sie müsse den Konsum ankurbeln. Abends ist dieser Mensch dann rechtschaffen müde, nach der völligen Abwesenheit von Skrupel bei seiner Tätigkeit am Tage, die sinnlos wäre, hätte sie nicht die Billigung der Herrschenden über die Hirne der Masse.
Wählen wir ein weiteres Theaterstück aus: Eine öffentliche Diskussion. Laut tönt es: Wir brauchen Wirtschaftswachstum, Exportüberschuss, Armut steigt, Schere tut sich auf, Reiche, Linke, Konsumkrise und rettet den Sozialstaat. Bis weit in die Kreise der Gehirngrößen hinein wird nach wie vor dieser Sprachgebrauch verwendet, der längst untauglich geworden ist um die unsichtbare Herrschaft der Vermögensbesitzer zu beschreiben. Da wird beredt mit strapazierfähigen Sätzen gehandelt, ohne das sie noch mehr vermitteln würden als alte wohlvertraute Illusionen die neue Denkprozesse behindern. Der blühendste Begriff ist „Wohlstandsgesellschaft“. Er verzaubert buchstäblich die neuadelige Klassengesellschaft in der wir uns befinden. Denn die Hälfte der Menschen in unserer Gesellschaft lebt nicht in einem wohligen Stand. Doch die wunderbaren Mythen und die tröstenden Glaubensgebäude die Hoffnung versprechen, sind in die Masse eingesät worden.
Schweigen im Zuschauerraum, vereinzelt tropft Angstschweiß. Statthalter aus Politik und Wirtschaft betreten nun die große Bühne, Kapitalismuskritik wird laut beiseite geschoben, und dann laut: Wir brauchen Wachstumsimpulse, und das Reichengeld muss gesichert werden. Eine Kontroverse über unser Wirtschaftssystem ist entfacht. Aber eine notwendige Kritik verblasst sofort mit der mehr oder weniger verhüllten Anerkennung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status quo. Alle großen Vorträge in wissenschaftlichen Räumen oder in Vorstandsetagen haben eine neoliberale Richtschnur, die auf Befehle des Kapitals schon in den geglätteten Hochschulen geknüpft wurde, und nun können die teilnehmenden Hirne kein anderes Denken zulassen.
In der Tiefe ist diese Unfähigkeit sich von alten Anschauungen und Denkmustern loszureißen, einer der schrecklichsten und gefährlichsten Ausweise der Kolonialmacht alter Denkschablonen, die sich nicht überschreiben lassen wollen. Gegen eine Kontroverse kann ein gutsituierter Ideologe eigentlich gar nichts haben. Im Gegenteil, Kontroversen ist der Kraftdünger für seine Gehirn-Äcker. Denn solange darüber gestritten wird, ob ein längst überfälliger Mindestlohn oder eine Reichensteuer eingeführt werden soll, solange kann das System selber überleben, das ein System von Klassenverhältnisse ist, also überhaupt nicht in Frage gestellt werden. Die feine Ideologie gedeiht und wird fetter. Im Bankensektor werden die innovativsten Finanzprodukte entworfen und ausgeführt, doch in der Politik begnügt man sich mit einem Sparpaket gegen Arbeitslose, in dem die Prioritäten signalisieren, dass die eigenen Sympathisanten bedient werden müssen. Die Mächtigen sparen eher bei den ausgeschiedenen Wertlosen.
Welche Rolle spielen nun die Meinungsbotschafter der Medienindustrie auf der Bühne? Wenn ein Hof-Blatt irgendeine Scheinkontroverse entfacht, um seine Leser zu unterhalten, dann gibt es die große Schlagzeile. Diese Wirbel um etwas, ist, natürlich ohne dass der naive Leser es weiß, eine perfekte Beschreibung eines Rituals. Und diese Wirbel bedürfen der Diener, die sie erzeugen – eben der Diener der Meinungsindustrie, der Journalisten. Je scheinbar scharfsinniger sie ihren Geschäften nachgehen, so eleganter der Wirbel, desto geschützter die Identität der Machthaber, für die sie zu funktionieren haben.
Auf geschickte Weise verknüpfen Arbeitgeber und Meinungstransporter, die gemeinsam Ziele haben, ihren Pragmatismus und ihre Ideologie zu einem Konzept. Dieses trifft bei den bürgerlichen Schichten, die für ökonomische Fragen besonders empfänglich sind, und sich uneingeschränkt an den Trögen ihrer Wohlstandgemeinschaft versammeln wollen, auf eine begehrliche Stimmungslage. Einige populistisch aufgeladene Stichworte stechen besonders hervor, und sehnsüchtige Gehirne versammeln sich gerne hinter ihre Botschaften.
Erstens: Die Ursachen für die wirtschaftlichen Krisen werden neoliberal interpretiert. So seien die Gewerkschaften, der ausufernde Sozialstaat, starre Vorschriften und zu hohe Löhne verantwortlich. Und diejenigen, die selbst in Gefahr sind in die Arbeitslosigkeit abgestoßen zu werden, glauben, noch aus eigener Kraft die Inanspruchnahme des Sozialamtes entrinnen zu können. Die Empfehlungen von Eigenverantwortung und Selbstaktivierung, als die tragenden Prinzipien der sozialen Sicherheit, die nicht auf den Samariter-dienst des Staates setzt, knüpft an den illusorischen Glauben individueller Stärke, und verhehlt vorzüglich die verschlungene Macht von großen Industrieunternehmen und Politik, wodurch sich LohnarbeiterInnen im Arbeitsprozess weitgehend wie Untertanen beugen müssen.
Allein schon die strukturelle Arbeitslosigkeit, die sich in unserem Staat immer weiter ausdehnt, vertieft die Spaltung unserer halb blühenden Gesellschaft in einen durch Besitztum ergatterten Kernbereich und einen abgedrängten Kranz von Besitzlosen. Dies müsste doch die hartnäckigsten Ideologen zur Umkehr anregen. Nichts, nur inneres klatschen. Zu verführerisch die begehrten Einkommen und die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten. Nur unbewegliche Hirne auf den Rängen. Keinen zaghaften Schritt des Gewissens zu den Rändern der Gesellschaft.
Zweitens: Eine völlig grobe Kritik der linken Politik, die in ihr ein diktatorisches Modell sieht und auf den blanken Verrat aller mit diesem Begriff verknüpften Alternativen hinausläuft. Sie setzt auf die immer wieder neu geschürten Ängste vor Enteignung und Einkommenseinbußen. Diese Position bedient das Kapital, denn nichts wäre schlimmer als das Schwinden der Konsumneigung. Und es gibt noch genügend geschäftliche Gefühle im Lande, die sich gerne bereichern möchten.
Drittens: Die bejahende Betonung der Normalität mit ihrer prahlenden Feier der Leistungsträger entwertet alle Menschen, die aus Arbeitsverhältnissen ausgespült wurden. Für die rechten und liberalen Positionen ist es das einheitsstiftende Motiv. Die Ökonomisierung des sozialen Lebens wird vorangetrieben. Der Sozialstaat muss eingeäschert werden. Eine Profitorientierung mit ihren gnadenlosen Herrschaftsinstrumenten nimmt Einzug in die Neuronenverschaltungen der Gehirne und feiert dort durch Überschreibungen zahlungskräftige Bedürfnisse. In den Konsumsphären der Kreuzschiffsfahrten bis hinauf zu den teuren Sportwagen und Yachten wird mit Bejahenden angestoßen. Auf den Jahreshauptversammlungen vieler Aktiengesellschaften bewegen sich reibend einige Hände, da bewegt sich Geld in weit geöffneten Schatullen.
Diese hergestellten Deutungsmuster, die für die Position einiger Gruppierungen von elementarer Bedeutung sind, lassen sich auch im Rezeptbuch neuerer Institute für Gesellschaftspolitik wiederfinden. Denn im unbarmherzigen Wettbewerb um die knappe Aufmerksamkeit zukünftiger Konsumenten suchen die Anbieter der Konsumgüter, einschließlich ihrer Werbeindustrie, verzweifelt nach noch unbearbeiteten Konsumenten. Denn Konsumgüter und Käufer sind wichtige Öle für das eingesetzte Kapital der Geldelite.
Wie kann man nun die kritische Opposition in unserer Gesellschaft ausbremsen? Durch eine gezielte Einführung von Existenzbedrohungen in unserer Wettbewerbsgesellschaft. Hierfür einerseits die Akzeptanz magerer Löhne und anderseits die Angst vor dem Abrutsch in die Erwerbslosigkeit. Angst wird auch mit einer größeren Programmauswahl der Fernsehsender, mit Flachbildschirmen und kleinen Ersatzeinkäufe im H&M Shop gemildert. Diese angebotenen Ersatzmittel besänftigen kurz das Erleben der Leere und man kann sich für wenige Tage mit den Kleinbürgerlichen messen. Hochwertigere Schichten erfreuen sich am Abend in feinen Restaurants, in Fahrzeugen der Premium-Klasse und in ihren privaten Winkeln schöner Bausubstanz. Die gesellschaftlichen Konflikte werden so kritiklos eingedämmt. Denn aufflammende Risiken, wie die Entwicklung radikaler Gruppen, sind in die armen Wohnsilos der Vorstädte verschoben. Dort sollen sie für den gehobenen Bundesbürger unsichtbar bleiben. Nur nicht rütteln am geliebten Standort, am hochwertigen Konsum und Dienstwagen, nur nicht zweifeln an besonderen Anreizgeräten. Es ist doch unwichtig wie andere Menschen leben müssen. Und die Ausgesonderten werden auch noch gebraucht, die Wertlosen, die Verlierer, als vorzeigbare Sündenböcke.
Die übergeordneten Menschen die über andere verfügen, lassen ihre Macht nicht offen hervortreten und fördern so auch ihre Ansehen. Erst an den Reaktionen auf Macht wird deutlich, worin die Probleme der Verfügung über die Individualität der Arbeitnehmer besteht. Der wirtschaftliche Nutzen, den man aus ihnen ziehen will, ist jedoch nur möglich, wenn sie veranlasst werden, sich in ökonomische Zwecke einzutauchen.
