Die gelenkte Masse - Helmut Hoppe - E-Book

Die gelenkte Masse E-Book

Helmut Hoppe

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Beschreibung

Kein anderes Thema beherrscht das Alltagsbewusstsein von Millionen Menschen so stark wie die Ungleichheit in unserer Gesellschaft. Doch eine gespaltene Gesellschaft gehört zur Strategie der Wirtschaftselite. Ein hohes Maß an Ungleichheit ist notwendig um die Unterwerfung der ängstlichen Menschen zu gestalten. Die Verängstigung dient als feines Werkzeug, mit dem Menschen, die um ihr Ansehen bangen, sich im Markt lenken lassen. Und die Profite der Konzerne können üppig steigen.

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Die Beutejäger locken mit feinem Tuch, um die ängstliche Herde in Konsumhallen zu locken.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Der Konsument ist die Beute

Die Lenkung der Herde

Die Eliten dirigieren

Das System der Züchtigung

Die Produzenten von Egoismus

Im Würgegriff der Konzerne

Die Straßen der Armen

Die soziale Auslese

Der Personenmarkt

Die Funktion der Ängste

Der verehrte Reichtum

Wichtige Sündenböcke

Die Denkschranken der Abgerichteten

Zum Schluss:

Jenseits unserer Denkmuster

Vorbemerkung

Was treibt Menschen an, die kritiklos um eine begehrte Stellung in unserer verwahrlosten Bereicherungsgesellschaft kämpfen? Denn diejenigen, die zukunftsgläubig ihre Menschlichkeit für ökonomische Zwecke aufgeben, und unsoziale Konzepte frühzeitig in ihr Gehirn einweben lassen, haben die schönsten Aussichten in einem gnadenlosen Wettkampf zu gewinnen. Diese Menschen müssen deshalb mit einer verinnerlichten Ordnung sich besonders darbieten, und mit feinem Äußeren ihre Verfügbarkeit anbieten.

Wer seine Verwertbarkeit in unserem jetzigen Wirtschaftssystem verkauft, dem erscheint seine Konkurrenzfähigkeit als Endprodukt seiner eigenen privaten Geschicklichkeit. Doch bevor er die Anerkennung und die erstrebte Belohnung ergatterte, musste er seine Individualität als Ware verkaufen. Er hat sich ausgerüstet für seine Verwertung in einem gnadenlosen Markt.

Die fein gewobenen Denkschablonen, die einen Aufstieg verheißen und in denen die Sieger als etwas besonderes erscheinen, schrauben das Gedankengut einer besonderen Gesellschaftsschicht in das Bewusstsein der breiten Masse und in die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Diese genormten Spielregeln sollen das wirklichen Machtgefüge in unserer Gesellschaft verschleiern. Menschen sollen sich in der stetig wachsenden Warenproduktion zielbewusst nützlich und heimisch fühlen. Sie sollen wehrlos vorgefertigte Lebenswege abstrampeln.

Die Erfahrung ein geachteter und untertänige Angestellter zu sein, und die unbrauchbaren leeren Hülsen vom Arbeitsmarkt am Gesellschaftsrande liegen sehen, sind angebotene Symbole für eine sorglose und angstfreie Sicht der eigenen Lebenslage.

Der geführte und gefütterte Marktmensch wurde als Instrument angefertigt, um zum nützlichen Werkzeug einer Marktmaschinerie zu erblühen. Diese gelenkten Lebenspfade stellen wichtige Übereinkünfte für die Masse her, damit sie nicht erkennt, wofür auch die Angst der Menschen gesteuert wird. Wir müssen einen Blick in die Strategien der Konzernmanager wagen, in denen diese Konzepte der Angst ersonnen werden. Eine reibungslose Kauflust formt Menschen und ihr Ansehen bei anderen. Mehr Profite für eine besondere Elite als hohes Ziel wird jedoch verschleiert.

Die alltäglich vorgetragenen Mythen, die uns manipulieren, müssen wir entschlüsseln. Denn das Regime der Vermögenden ist schon in uns, und es beherrscht alle sozialen Sphären. Der Lebensweg abgerichteter Menschen, besonders im oberen Gesellschaftsraum ist erschreckend, er zeigt uns den maskierten Wahnsinn.

Es muss etwas geben was sich hinter dieser Maskerade, hinter dem Antrainierten versteckt. Was verbirgt sich hinter der beseelten feinen Bekleidung, dem vergötterten Reichtum und hinter den lackierten schnellen Prothesen? Was brodelt unter dem Anerkennungshunger und der Anhäufung von Besitz? Menschen lassen sich überwältigen ihre Tauglichkeit für dieses System mit Tarnkleider zu bestätigen. Die erhoffte Zustimmung, das Betteln um Anerkennung, und die quälende Angst in den Abgrund der Besitzlosigkeit abzusinken, ist das Einfallstor der Herrschenden. So züchtigen sie gefügige Komplizen und fleißige Konsumenten, die sich reibungslos der neoliberalen Gesellschaftsordnung ausliefern. Wer jedoch dieses Zurichten ablehnt, sich nicht einfügt, dem gleitet der Boden unter den Füßen weg. Die Verängstigung der Masse ist der Dünger für die Herrschaft der Vermögensbesitzer.

Erstes Kapitel

Der Konsument als Beute

In den oberen Etagen der globalen Großkonzerne ist der freudige Konsument das wichtigste Bauprojekt. Nicht nur, dass er zum Spielzeug mächtiger Herren hergerichtet wird, wenn er deren Produkte aus den Regalen nimmt, sondern weil ihm auch beim Kauf vermittelt wird, er sei ein wertvolles Mitglied einer Konsumentenschicht. Das Ziel dieser Bewusstseinsmanipulationen ist ein Konsument, der das Angebotene erfreut in den Warenkorb legt. Die Wege vieler Unternehmen hin zur Machtstellung auf Märkten, teilen jedoch etwas mit, dass unserem Bewusstsein verborgen bleiben soll. Denn in unserer marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaft wird die Kauflust durch Werbeprogramme der Konzerne in die Konsumenten installiert. Diese gezielte Kommunikation erschaffen Wünsche die sich für die Geldelite in Profite umwandeln.

Stetig wachsende Wünsche benebelter Käufer schwimmen in Containern zu uns übers Meer, werden in Häfen auf große Lastkraftwagen verladen und rollen dann über Autobahnen zu den Konsummärkten. Ein stöhnendes stinkendes Band von hergestellten Wünschen fließt Tag und Nacht über unsere Straßen. Gleichzeitig reiben sich Lkw-Hersteller und Treibstoffgiganten verzückt die Hände. Am Tage belagern dann aufgescheuchte Käufer Parkplätze und irren verträumt vor voll gestopften Regalen umher.

Sobald wir mutig hinter diese Bühne schauen, sehen wir, wie Dirigenten mit Symbolen an Triebstrukturen appellieren, um Kaufentscheidungen der Konsumenten herbeizuführen. Die Kosten des Werbeorchesters findet sich natürlich in den Verkaufspreisen wieder. Alle Ausgaben, die von Unternehmern und Konzernen getätigt werden, um Menschen zum Kauf bestimmter Waren zu ermuntern, liegen über den Summen die der Staat für Bildung ausgibt. Profitmaximierung der Unternehmen ist wichtiger als Investitionen in die Bildung junger Menschen. Die Wirtschaftspolitik in einem solchen System richtet sich auf ein Ziel: Die umworbene Masse zu Konsumhandlungen zu bewegen, damit dicke Gewinne für Unternehmer sprudeln. Unverhüllter kann man die Abhängigkeit einer ganzen Gesellschaft von einer kleinen aber bestimmenden Elite und die Funktion der Politik in diesem System schwerlich in einem Bühnenbild darstellen. Die Konzerne brauchen für ihr rasantes Wachstum Menschen, die sich in ihre Strukturen einfügen. Sie züchten Körper die nicht ihren eigenen sozialen Impulsen, sonder dem äußeren Takt der Giganten folgen.

Es schwang sich da eine kleine Gruppe zu den Göttern der Wirtschaftsmaschinerie auf, sie beherrschen wie schon immer das Leben der abhängigen Masse unserer Gesellschaft.

In diese Abhängigkeiten wird hineingeboren, mit ihnen wird sozialisiert, und später können sich Erwachsene nicht mehr von ihrer Abhängigkeit distanzieren. Natürlich bringt das Gehirn sehr viele Vorinformationen mit, deutet ausgehend von genetisch verankertem Vorwissen und stellt Fragen, aber die Verformung der ursprünglichen Architektur hängt von der Einspeisung der Umwelt und von deren Strukturen ab.

Welche Symbole engen unser Bewusstsein ein?

Ein riesiger Saal, gefüllt mit aufgereihten Menschen, alle reglos, nur ihre Hirne schalten und speichern, vorne spult sich ein sichtbares und lautes Geschehen ab. Das Geschehen wiederholt sich beliebig. Zur gleichen Zeit sitzen unzählige andere in kleinen Räumen in Häusern vor Bildschirmen und lassen Sichtbares und Hörbares vor sich abspielen. Auch tagsüber sitzen Schüler, große und kleine, viele Jahrgänge auf Stühlen und empfangen die Informationen, die man ihnen zugedacht und zugemessen hat. Wer dirigiert da hinter den Kulissen und formt? Sinnbotschafter arbeiten als Beleuchter, spielen auf Tastaturen, denn sie sind die Macher der öffentliche Meinung. Ständig werden die Kulissen für neugierige Marktmenschen hin und her geschoben.

So serviert man uns tagtäglich die uns zugedachten Neuigkeiten. Damen und Herren in feinem maßgeschneiderten Tuch kommen und gehen, steigen breite Treppen hinauf, automatisiertes Lächeln, schütteln Hände, dann wird Papier unter blitzenden Kameras unterzeichnet. Ein Unternehmen soll in Stücke geschnitten werden. Das ganze läuft unter der Herrschaft vom Streben nach Profit, das sich in Symbole wie Exporte, Absatzmärkte, Unternehmenserträge, Konsumnachfrage, Lohnkürzungen, Reformen, Entlassungen und Steuerbegünstigung ausdrückt.

Nächstes Bild: Menschen mit harten Gesichtszügen sitzen an langen Tischen, verhandeln um Teile von Prozenten, um Kündigungen, um Lohnkürzungen und um Subventionen. Das Ganze spielt sich ab in einem Systems, das sich mit Bezeichnungen wie Lohnzurückhaltung, Kapitalerträge, Wettbewerb, Investitionen und Privatisierung schmückt. Dabei benennen weder die Vordenker noch die Damen und Herren an den langen Tischen das Machtgefüge dem sie dienen. Die schmückenden Begriffe sind Werkzeuge, mit denen dem regungslosen Publikum ein System in ihre Hirne fest eingeschrieben wird. Nicht ein Gedanke zündet im Zuschauersaal, ob nicht langfristig dieses System zu unserem Untergang führt, ja führen muss. Solche Gedanken überhaupt zu fassen ist den Gehirnen der Anwesenden nicht mehr möglich. Durch ein Gebirge von Informationen, über Prioritäten, über Wachstumsschlager, über Exporterlöse und über politische Absprachen sind alle Speicherkapazitäten und Netzwerkverschaltungen der Gehirne voll oder verstopft – mit anderen Worten, besetzt von Programmen der Botschafter. Und die Blockierten können nicht das Andere denken, sie funktionieren nur gut für eine Elite.

Manchmal, viel zu selten, blitzt ein neuer abtrünniger Gedanke oder doch eine neue Erkenntnis – ein hoher Beamter gesteht im privaten Gespräch, er und seine Kollegen seien Räder des Systems. Nach dem Gespräch fährt er jedoch mit dem Dienstwagen wieder in seine feine Amtsstube zurück und nimmt die Sechzigstundenwoche im Räderwerk wieder auf. Er sitzt dort oft vor Fernsehkameras und erklärt, die Regierung dürfe nicht so pingelig mit den Wirtschaftsprogrammen sein, besonders bei einer drohenden Rezession nicht, sie müsse den Konsum ankurbeln. Abends ist dieser Mensch dann rechtschaffen müde, nach der völligen Abwesenheit von Skrupel bei seiner Tätigkeit am Tage, die sinnlos wäre, hätte sie nicht die Billigung der Masse.

Wählen wir ein weiteres Theaterstück aus: Eine öffentliche Diskussion. Laut tönen die Botschaften: Wirtschaftswachstum, Exportüberschuss, Armut steigt, Schere tut sich auf, Reiche, Linke, Konsumkrise und rettet den Sozialstaat. Bis weit in die Kreise der Gehirngrößen hinein wird nach wie vor dieser Sprachgebrauch verwendet, der längst untauglich geworden ist um die unsichtbare Herrschaft der Vermögensbesitzer zu beschreiben. Da wird beredt mit strapazierfähigen Sätzen gehandelt, ohne das sie noch mehr vermitteln würden als alte wohlvertraute Denkmuster die neue Denkprozesse behindern. Der blühendste Begriff ist „Wohlstandsgesellschaft“. Er verzaubert buchstäblich die neuadelige Klassengesellschaft in der wir uns befinden. Denn die Hälfte der Menschen in unserer Gesellschaft lebt nicht in einem wohligen Stand. Doch die zauberhaften Mythen, die Trost erzählen und Hoffnung versprechen, sind in die Hirne der Masse eingesät worden.

Schweigen im Zuschauerraum, vereinzelt tropft Angstschweiß. Statthalter aus Politik und Wirtschaft betreten nun die große Bühne, Kapitalismuskritik wird laut beiseite geschoben, und dann laut: Wir brauchen Wachstumsimpulse, und das Reichengeld muss gesichert werden. Eine kleine Kontroverse über unser Wirtschaftssystem ist entfacht. Aber eine notwendige Kritik verblasst sofort mit der mehr oder weniger verhüllten Anerkennung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status quo. Alle großen Vorträge in wissenschaftlichen Räumen oder in Vorstandsetagen haben eine neoliberale Richtschnur, die auf Befehle des Kapitals schon in den geglätteten Hochschulen geknüpft wurde, und nun können die teilnehmenden Hirne kein anderes Denken zulassen.

In der Tiefe ist diese Unfähigkeit sich von alten Anschauungen und Denkmustern loszureißen, einer der schrecklichsten und gefährlichsten Ausweise der Kolonialmacht neuer Denkschablonen, die sich nicht überschreiben lassen wollen. Gegen eine Kontroverse kann ein gutsituierter Ideologe eigentlich wenig haben. Im Gegenteil, Kontroversen ist der Kraftdünger für seine Gehirn-Äcker. Denn solange darüber gestritten wird, ob der Mindestlohn angehoben oder eine Reichensteuer eingeführt werden soll, solange kann das System selber überleben. Dieses System von Klassenverhältnisse wird eher gestärkt, und überhaupt nicht in Frage gestellt. Die feine Ideologie gedeiht und wird fetter. Im Bankensektor werden die innovativsten Finanzprodukte entworfen und ausgeführt, doch in der Politik begnügt man sich mit einem Sparpaket gegen Arbeitslose, in dem die Prioritäten signalisieren, dass die eigenen Sympathisanten bedient werden müssen. Die Mächtigen sparen eher bei den ausgeschiedenen Nutzlosen.

Welche Rolle spielen nun die Meinungsbotschafter der Medienindustrie auf der Bühne? Wenn ein Hof-Blatt irgendeine Scheinkontroverse entfacht, um gläubige Leser in die Irre zu führen, dann ist es die große Schlagzeile. Diese Wirbel um etwas ist, natürlich ohne dass der naive Leser es weiß, eine perfekte Art um Unwissenheit in die Masse zu verstreuen. Und diese Wirbel brauchen Diener, die sie erzeugen – eben der Diener der Meinungsindustrie, der gesteuerte Journalist. Je scheinbar scharfsinniger sie ihren Geschäften nachgehen, so eleganter der Wirbel, desto geschützter die Identität der Machthaber, für die sie zu funktionieren haben.

Auf geschickte Weise knüpfen die Arbeitgeber und Meinungstransporter, die gemeinsam Ziele haben, ihren Pragmatismus und ihre Ideologie zu einem Konzept. Dieses trifft bei den bürgerlichen Schichten, die für ökonomische Fragen besonders empfänglich sind, und sich uneingeschränkt an den Trögen ihrer Wohlstandgemeinschaft versammeln wollen, auf eine begehrliche Stimmungslage. Einige populistisch aufgeladene Stichworte stechen besonders hervor, und sehnsüchtige Gehirne versammeln sich gerne hinter ihre Botschaften.

Erstens: Für die Ursachen der wirtschaftlichen Krisen werden neoliberal die Gewerkschaften beschuldigt, sowie der ausufernde Sozialstaat, starre Vorschriften und zu hohe Löhne verantwortlich gemacht. Und diejenigen, die selbst in Gefahr sind in die Arbeitslosigkeit abgestoßen zu werden, glauben noch aus eigener Kraft die Inanspruchnahme des Sozialstaates entrinnen zu können. Die Empfehlungen von Eigenverantwortung und Selbstaktivierung, als die tragenden Prinzipien der sozialen Sicherheit, die nicht auf den Samariter-dienst des Staates setzt, knüpft an den illusorischen Glauben individueller Stärke. Dieser Glaube verhehlt vorzüglich die verschlungene Macht von großen Industrieunternehmen und Politik, wodurch sich LohnarbeiterInnen im Arbeitsprozess weitgehend wie Untertanen beugen müssen.

Allein schon die strukturelle Arbeitslosigkeit, die sich in unserem Land immer weiter ausbreitet, vertieft die Spaltung unserer halb blühenden Gesellschaft in einen durch Besitztum ergatterten Kernbereich und einen abgedrängten Kranz von Arbeitslosen. Dies müsste doch die hartnäckigsten Ideologen zur Umkehr anregen. Nichts, nur freudiges inneres klatschen. Zu verführerisch die begehrten Einkommen und die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten. Nur unbewegliche Hirne auf den Rängen. Keinen zaghaften Schritt des Gewissens zu den Rändern der Gesellschaft.

Zweitens: Eine völlig überzogene Kritik an der linken Politik, die in ihr ein kommunistisches Modell sieht und auf den blanken Verrat aller mit diesem Begriff verknüpften Alternativen hinausläuft. Sie setzt auf die immer wieder neu geschürten Ängste vor Enteignung und Einkommenseinbußen. Diese Position bedient das Kapital, denn nichts wäre schlimmer als das Schwinden der Konsumfreudigkeit. Und es gibt noch genügend geschäftliche Gefühle im Lande, die sich gerne bereichern möchten.

Drittens: Die prahlende Feier der Leistungsträger entwertet alle Menschen, die aus Arbeitsverhältnissen ausgespült wurden. Für die rechten und liberalen Positionen ist es das einheitsstiftende Motiv. Die Ökonomisierung des sozialen Lebens muss vorangetrieben werden. Die Einäscherung des Sozialstaats muss endlich gelingen. Eine Profitorientierung mit ihren gnadenlosen Herrschaftsinstrumenten nimmt Einzug in die Neuronenverschaltungen der Gehirne und feiert dort durch Überschreibungen zahlungskräftige Bedürfnisse. In den Konsumsphären der Kreuzschiffsfahrten bis hinauf zu den teuren Sportwagen und Yachten wird mit Bejahenden angestoßen. Auf den Jahreshauptversammlungen vieler Aktiengesellschaften bewegen sich reibend einige Hände, da bewegt sich Geld in weit geöffneten Schatullen.

Diese produzierten Deutungsmuster, die für die Position einiger Gruppierungen von elementarer Bedeutung sind, lassen sich auch im Rezeptbuch neuerer Institute für Gesellschaftspolitik wiederfinden. Denn im unbarmherzigen Wettbewerb um die Aufmerksamkeit zukünftiger Konsumenten suchen die Anbieter der Konsumgüter, einschließlich ihrer Werbeindustrie, verzweifelt nach noch unbearbeiteten Konsumenten. Denn Konsumgüter und Käufer sind wichtige Öle für das eingesetzte Kapital der Geldelite.

Wie konnte man jede kritische Opposition in unserer Gesellschaft ausbremsen? Durch eine gezielte Einführung von Existenzbedrohungen in unserer Wettbewerbsgesellschaft. Hierfür diente vorzüglich die Einführung magerer Löhne und auch die Angst vor dem Abrutsch in die Erwerbslosigkeit. Diese Ängste werden dann mit einer größeren Programmauswahl der Fernsehsender, mit Flachbildschirmen und kleinen Ersatzeinkäufe in Shops gemildert. Diese angebotenen Ersatzmittel besänftigen kurz die Ängste und das Erleben der Leere. Man kann sich für wenige Tage mit den Kleinbürgerlichen messen. Hochwertigere Schichten erfreuen sich am Abend in feinen Restaurants, in Fahrzeugen der Premium-Klasse und in ihren privaten Winkeln schöner Bausubstanz. Die gesellschaftlichen Spalten werden so kritiklos über pinselt. Dicke Risse in unserer Gesellschaft, wie die Entstehung verarmter Gruppen, wurden in die Wohnsilos der Vorstädte abgeschoben. Dort sind sie für den gehobenen Bundesbürger unsichtbar. Nur nicht rütteln am geliebten Standort, am hochwertigen Konsum und Dienstwagen, nur nicht zweifeln an besonderen Vorzeigegeräten. Es ist nicht so wichtig wie andere Menschen leben müssen. Und die vielen Ausgesonderten werden immer gebraucht, diese Wertlosen, diese Verlierer, als Sündenböcke.

Zweites Kapitel

Die Lenkung der Herde

Der übergeordnete Mensch der über andere verfügt, verschleiert seine Macht, indem er Untergeordnete anfeuert ihm nachzueifern. Erst an den Symptomen seine Macht wird erkennbar, welches Elend durch die Verfügung über die untere Masse entsteht. Den wirtschaftliche Nutzen, die Unternehmer aus Arbeitnehmern ziehen können, ist jedoch nur möglich, wenn Lohnabhängige dazu erzogen werden, sich nur in ökonomische Zwecke einzunisten.

Diese Anregung wird in Selbstverwirklichung umgedeutet. Sie entfaltet sich besonders in Machtverhältnisse, die darauf angelegt sind, die Einwilligung der abhängig Beschäftigen in die Fremdverfügung voran zu treiben. Der private Mensch und sein Wille, frei zu wählen, ist von Anbeginn eine Selbsttäuschung. Die Inhalte seiner Wahl gehorchen eher den Gesetzen der Konkurrenz und nicht den eigenen verborgenen Hoffnungen und Bedürfnissen. Menschen werden zu nützlichen Konsumenten umgestaltet, damit sie sich als Mitglieder der Tüchtigen fühlen können.