Das Schweigen der Männer - Dasa Szekely - E-Book

Das Schweigen der Männer E-Book

Dasa Szekely

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13,99 €

Beschreibung

Deutschland diskutiert über die Frauenquote, dabei ist das eigentliche Problem unserer Gesellschaft Das Schweigen der Männer! Und dabei geht es um weit mehr als Männer, die nicht reden. Schweigen meint: Probleme verdrängen, aussitzen, auf andere schieben. Dieses »unreife Männerverhalten« führt nicht nur privat zu Konflikten und Trennungen. Heerscharen solcher »Scheinerwachsener« sitzen nach wie vor in Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft und bestimmen über unser aller Leben.

Szekely hat keinen Ratgeber geschrieben, sondern sie zeigt auf, welche weitreichenden, uns alle betreffenden Folgen Das Schweigen der Männer hat – auch monetär. Sie betrachtet biologische, psychologische und historische Ursachen und gibt anhand vieler Beispiele aus ihrer Praxis Einblick in die männliche Seele.

Ihr Fazit: Die Zeit ist reif für eine neue Gender-Debatte, die meisten Männer sind es noch nicht.

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Seitenzahl: 363

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Buch

Deutschland diskutiert über die Frauenquote, dabei haben das eigentliche Problem in unserer Gesellschaft die Männer! Der Mann steckt in der größten Identitätskrise seit Menschengedenken, er weigert sich, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen, und das hat schlimme Folgen, denn: Heerscharen solcher »Scheinerwachsener« sitzen noch immer in allen signifikanten Schlüsselpositionen und bremsen notwendige Entwicklung.

Dasa Szekely will die emotionalen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verluste nicht länger hinnehmen. Sie fordert: Männer, bewegt euch endlich!, und zeigt auf, was Männer und Frauen tun müssen, um Rollenbilder neu zu definieren.

Autorin

Dasa Szekely ist zertifizierte systemische Beraterin und Transaktionsanalytikerin. Seit zehn Jahren coacht sie zu privaten und beruflichen Themen, mittlerweile vor allem Männer. Sie hält eigene Seminare, hat zwei Bücher veröffentlicht und leitet Kurse für Kreatives Schreiben bei der HERTIE-Stiftung. Dasa Szekely lebt in Frankfurt und hat einen 18-jährigen Sohn, für den sie sich in unserer Gesellschaft eine Zukunft wünscht.

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Warum der Mann in der größten Krise seines Bestehens ist und wie er wieder herauskommt

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Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

Das Zitat auf stammt aus: »Nur ein Wort« (Text: Judith Holofernes)

aus dem Album »Von hier an blind« von WIR SIND HELDEN.

Mit freudlicher Genehmigung von Freudenhaus MV/Wintrup MVDas Zitat stammt aus: Erich Kästner »Ein Mann gibt Auskunft« © Atrium Verlag, Zürich 2015 (ISBN 978-3-85535-385-9)

1. Auflage

Copyright © 2016 by Blanvalet Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung und -motiv: semper smile, München

WR · Herstellung: kw

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-16681-6V001

www.blanvalet-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Liebe Männer

Liebe Frauen

Die Lage der Nation

Es waren einmal zwei Planeten

Frauenbewegung, Männerbremsen

Der Krieg der Geschlechter

Scheinerwachsene an der Macht

Angst is in the House

Die Zeit ist reif, die Männer sind es nicht

Warum der Mann ist, wie er ist

Wie die Natur den Mann geschaffen hat und wie ihm das zu schaffen macht

Wie die Geschichte den Mann kleingekriegt hat

Wie der Vater, so der Sohn: Die Never Ending Story der abwesenden Väter

Wie Mütter aus erwachsenen Männern Babys machen

Mannsbilder

Funktioniert (noch): Der Old-School-Mann

Auf dem absteigenden Ast: Der Patriarch

Die perfekte Täuschung: Der moderne Despot

Bloß nicht erwachsen werden: Der ewige Junge

Wenn du willst, bin ich eine Frau: Der zahnlose Tiger

Babyboomer in den Wechseljahren: Der alte Wolf

Das große Bild

Strategien für eine schlechtere Welt

Strategie 1: Einfach nichts tun

Strategie 2: Ein entschiedenes Jein

Strategie 3: Ich kann nicht

Strategie 4: Kommunikationskondome benutzen

Strategie 5: Arbeiten wie ein Tier

Strategie 6: Ich habe kein Problem, x hat eins

Strategie 7: Ich habe kein Problem, ich habe einen Coach

Strategie 8: An Wunder(heilung) glauben

Strategie 9: Ich bin nicht alt, meine Freundin ist erst 28

Strategie 10: Ich trinke, also geht es mir gut

Zehn Strategien – ein Fazit

Schweigen ist teuer

Konsequenz 1: Steigende Gesundheitskosten

Konsequenz 2: Burnout

Konsequenz 3: Trennung

Konsequenz 4: Trennungskinder

Konsequenz 5: Abwesende Väter

Konsequenz 6: Zu wenige Kinder

Konsequenz 7: Staatskosten

Was jetzt geschehen muss

Was Männer jetzt tun müssen

Was Frauen jetzt tun müssen

Was Politiker jetzt tun müssen

Are you strong enough to be weak?

Nachsitzen oder Sitzenbleiben?

What’s in it for me?

Die Zukunft kann beginnen

Nachwort

Danke

Quellen

Für Lino

Bezogen auf unsere Epoche würde ich hervorheben, dass eine Gesellschaft in dem Maße untergeht, wie sie das Leben ihrer Mitglieder nicht mehr ordnen, strukturieren, berechenbar machen kann.

Wolfgang Streeck, Direktor Emeritus am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln

»Er redet nicht!«, klagen meine Klientinnen (und Freundinnen) unisono.

Liebe Männer,1

wir müssen reden.

Und zwar darüber, dass Sie nicht reden.

Ich verstehe das – Sie befinden sich derzeit in einer Krise, vielleicht in Ihrer ersten überhaupt. Krisen sind unangenehm, sie zu leugnen und nicht darüber zu reden ist eine nachvollziehbare Strategie. »Problem? Ich? Nee, ich hab keins, meine Frau hat eins.«

Ihr Schweigen, Vermeiden und Verdrängen macht die Sache allerdings komplizierter, als sie ohnehin schon ist, und tief in Ihrem Innern wissen Sie das auch. Nur bleibt es leider meistens erst mal bei der Selbsterkenntnis. Und das gerade jetzt, da es zwischen Ihnen und uns Frauen so viel zu besprechen gäbe: Wie wollen wir unser Zusammenleben gestalten, das sich im Laufe der Zeit so stark verändert hat?

Sie treten auf der Stelle, liebe Männer, während sich um Sie herum alles bewegt. Die Frauen machen zusehends Boden gut und drängen Sie ganz schön in die Ecke. Da stehen Sie nun und schweigen – keine gute Idee, wenn Sie in Zukunft noch mitreden wollen.

Die Konsequenzen Ihres Verhaltens sind schon seit Langem sichtbar: kaum noch funktionierende Beziehungen, eine geradezu grotesk unmenschliche Arbeitswelt, alarmierend hohe (und stetig steigende) Fälle psychischer Erkrankungen, skandalöser Machtmissbrauch, Umweltkatastrophen und exorbitante Staatsschulden dank einer stagnierenden Blabla-Politik, die zusehends an Glaubwürdigkeit verliert.

Ihr Schweigen, liebe Männer, kostet uns alle eine Menge Zeit, Nerven und Geld.

Bei aller Kritik, was Sie hier in der Hand halten, ist keine Abrechnung mit Ihnen. Im Gegenteil!

Ich will Sie vielmehr mit diesem Buch unterstützen, indem ich darüber rede, warum Sie nicht reden und wie Sie damit beginnen können. Denn ich mag Sie! Ich mag Ihre Kraft, Ihre Ausdauer, Ihre Risikobereitschaft – ich mag sogar, dass Sie nicht so viel reden. Nur gar nicht, das geht nicht. Ich mag, dass Sie anders sind als Frauen. Ohne Sie, davon bin ich überzeugt, wäre unser Leben trist. Ich erkenne an, dass Sie bereits viel Gutes getan haben, aber Sie können noch so viel mehr tun! Ich hätte Sie künftig gerne dabei, und zwar mit all Ihren männlichen Gedanken, Ecken und Kanten.

Ich schreibe dieses Buch, weil ich mir wünsche, dass wir, Männer und Frauen, einander wieder näherkommen. Ich wünsche mir, dass wir unsere Gemeinsamkeiten genießen und gegenseitig von unseren Unterschieden profitieren, denn wir sind sehr unterschiedlich, und das ist auch gut so.

Was bedeutet Männlichkeit im 21. Jahrhundert?

Zum Beispiel Freiheit. Die hat Ihnen doch mal so viel bedeutet, liebe Männer. Wollen Sie wieder frei sein? Dann brechen Sie Ihr Schweigen.

Möge dieses Buch Sie zum Reden bringen!

1 Wenn ich »Liebe Männer« schreibe, dann meine ich natürlich nicht alle Männer. Aber durchaus eine Anzahl, die groß genug ist, dass man sich Sorgen machen muss. Ich beziehe mich vor allem auf in Deutschland sozialisierte Männer, wobei vieles von dem, was ich in diesem Buch beschreibe, bestimmt auch für andere Kulturkreise gilt. Ich beziehe mich außerdem auf gut ausgebildete Männer aus der Mittel- und Oberschicht, die theoretisch die Intelligenz, das Potenzial und die Möglichkeiten hätten, unser Land lebenswerter zu machen. Ich wünschte mir, sie täten es auch praktisch.

»Ich weiß nicht, was ich sagen soll, also sage ich lieber nichts«, sagen meine Klienten (und Freunde) und schauen mich traurig an.

Liebe Frauen,

wir müssen auch reden.

In den letzten Jahrzehnten haben Sie – völlig zu Recht – viel Aufmerksamkeit und Unterstützung erfahren. Nur leider wurde die Seele der Männer darüber schlicht vergessen. Deshalb braucht sie jetzt mehr denn je unser aller Aufmerksamkeit. Keine Sorge, das bedeutet keineswegs, dass Sie gleich wieder zurückstecken müssen – natürlich nicht! Aber ein bisschen mehr Verständnis für das andere Geschlecht wäre schon schön. Die Männer haben es nämlich gerade nicht leicht mit Ihnen. Wir Frauen sind stark geworden, weshalb es der Mann nun nicht mehr sein muss. Nur was soll er stattdessen sein oder tun?

Frauen erobern den Arbeitsmarkt. Die Männer fürchten Sie als Konkurrenz, und sie haben auch allen Grund dazu, denn Frauen haben die besseren Abschlüsse und damit die besseren Karrierechancen. Noch dazu verfügen Sie über genau jene Fähigkeiten, die in der Arbeitswelt derzeit gefragt sind: allen voran soziale und kommunikative Kompetenzen. Ihr Marktwert steigt täglich, auch wenn man das Ihrem Gehalt leider noch nicht anmerkt. Sie sind gefährlich, liebe Frauen, da können Sie noch so nett lächeln!

Dennoch haben Sie es gerade nicht leicht mit den Männern, die es im Gegenzug nicht leicht mit Ihnen haben. Privat wie beruflich tragen Sie schwer an den Konsequenzen, und oft tragen Sie die schwachen Männer noch mit. Ich weiß, Sie leiden unter dem schweigenden Stillstand, denn Sie wollen sich endlich bewegen. Man hat ja lange genug am Herd gestanden.

Genug haben viele von Ihnen mittlerweile auch von den Männern. »Dann lieber alleine!«, heißt es immer öfter. Aber mal ehrlich, eine Lösung ist das nicht. Die Männer müssen sich bewegen, da sind wir uns wohl alle einig. Nur: Sie müssen es auch!

Wie genau, erfahren Sie später, an dieser Stelle kann ich Ihnen aber schon mal verraten, wie Sie Männer garantiert nicht unterstützen: indem Sie davon ausgehen, dass Männer »einfach gestrickt« sind und man sie manipulieren kann à la »Gib ihm Sex, dann kommt er früher nach Hause«, oder: »Sag ihm, wie toll er ist, dann fühlt er sich bestätigt und tut alles für dich«, oder: »Mach ihn eifersüchtig.«

Wer sich derart über die Männer stellt und sie abwertet, liebe Frauen, der braucht sich über mangelnde Kooperationsbereitschaft nicht zu wundern. Solche Plattitüden dürfen Sie getrost Mario Barth und Konsorten überlassen, die noch im letzten Jahrhundert leben. Als moderne Frau haben Sie das nicht nötig!

Ja, auch Sie müssen sich bewegen, liebe Frauen, und zwar in Richtung »Ich bleib dann mal sitzen«, denn nur so werden die Männer lernen, sich zu bewegen. Ein bisschen weniger reden wäre auch gut, damit die Männer es mehr tun müssen.

Möge dieses Buch Sie also (hin und wieder) zum Schweigen bringen!

»Eine gute Ehe ist ein Interview, das nie geendet hat.«Gregory Peck, amerikanischer Schauspieler

Liebe Männer, liebe Frauen,

ich wünsche Ihnen allen viel Spaß beim Lesen und viele Erkenntnisse, über die Sie im Anschluss miteinander reden.

»Die Natur, meine Damen, hat Ihrem Geschlecht so viele Vorteile gegeben, dass wir frauenfeindliche Gesetze schaffen mussten, um sie wieder auszugleichen.«Samuel Johnson (1709–1784), britischer Gelehrter

Die Lage der Nation

Es waren einmal zwei Planeten

Lange, lange Zeit lebten Männer und Frauen fein säuberlich voneinander getrennt auf zwei verschiedenen Planeten. Auf dem Männerplaneten war die Businesswelt, es gab Bars, Clubs und Puffs, Sport und jede Menge Hobbys – gerne in Bezug auf die Instandhaltung des Hauses.

Auf dem Frauenplaneten dagegen gab es den Haushalt, die Kinder, vielleicht noch ein kleines Ehrenamt und ebenfalls Hobbys – gerne in Bezug auf die Dekoration des Hauses.

Der Mann repräsentierte die Außenwelt, führte ganz selbstverständlich beim Walzer und allem anderen, versorgte die Familie mit Geld und die Gesellschaft mit moralischen do’s and don’ts. Er kämpfte fürs Vaterland und beschützte Frau und Kinder (na ja, zuerst einmal brachte er sie in Gefahr, aber das ist eine andere Geschichte). Die Frau repräsentierte die Innenwelt. Sie versorgte die Familie mit Liebe, Gemütlichkeit und lecker Selbstgekochtem. Sie kümmerte sich um das soziale Leben der Familie, organisierte Gartenpartys für Freunde und Abendessen für den Chef ihres Ehemannes nebst dessen Gattin.

Neu: Jetzt mit 50 Prozent mehr Frau!

Vor etwa einem halben Jahrhundert begannen die beiden unterschiedlichen Planeten zu einem zu verschmelzen. Der Mann musste fortan damit leben, dass sich auf seinem Planeten immer mehr Frauen niederließen. Daraus entstanden naturgemäß Konflikte, die bis heute bei weitem noch nicht gelöst sind. Viele Männer wollen offenbar immer noch nicht wahrhaben, dass sie nicht mehr alleine auf ihrem Planeten sind, und versuchen daher, die Verschmelzung aufzuhalten. »Ihr Frauen habt hier nichts zu suchen«, signalisieren sie dem anderen Geschlecht mit erstaunlicher Beharrlichkeit, »das ist unser Planet.«

Noch ist dem so. Noch ist der Männerplanet überwiegend mit Männern bevölkert, vor allem im oberen Management. Wir befinden uns derzeit in einer Übergangsphase, wenn auch mit einem klaren Trend: Die Frauen kommen. Aus den vielen Männern werden immer weniger, und zwar alleine deshalb, weil aus den anfangs wenigen Frauen immer mehr werden.

Für die friedliche Erschließung des Männerplaneten zahlen die Frauen einen hohen Preis. Während die Männer die meiste Zeit auf ihrem Planeten verbringen, pendeln Frauen zwischen beiden Planeten hin und her. Diese Pendelei und der Versuch, beiden Planeten gerecht zu werden, bringen viele Frauen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Warum ist das so? Ganz einfach: Weil die Männer an der alten Planetenordnung festhalten, damit sie weiter in Ruhe arbeiten können.

Kurz gesagt hat der Mann in dem Maße seine Ruhe, in dem die Frau bereit ist, hin und her zu switchen.

Wie lange diese Übergangszeit noch dauert, kann keiner mit Sicherheit sagen, aber die vor etwa 50 Jahren in Gang gekommene Entwicklung schreitet voran. Die Bereitschaft der Frauen zum einseitigen Pendeln nimmt ab, und die Konflikte auf beiden Seiten verschärfen sich – weil Männer nicht bereit sind, sich mit der Entwicklung zu entwickeln.

Frauenbewegung, Männerbremsen

Die Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten immens weiterentwickelt, sei es beruflich, sei es privat. Angesichts dieser umfassenden Frauenbewegung, so möchte man meinen, müssten sich doch auch die Männer bewegt haben. Aber dem ist nicht so. Derzeit hat es viel eher den Anschein, als wären sie stehen geblieben. Je mehr die Frauen sich bewegen, desto mehr stagnieren die Männer. Das kann man in privaten Beziehungen beobachten – und in der Politik. Dort sitzen schließlich dieselben Männer, die zu Hause auf dem Bremspedal stehen. Wieso sollten sie im Bundestag auf einmal Gas geben?

Die Gründe hierfür sind nachvollziehbar: Mit Frauen zu Hause und ohne Frauen im Beruf war das Männerleben deutlich angenehmer. Keine Frage, es ist anstrengend, sich Hausarbeit und Kindererziehung zu teilen. Angenehmer ist es, abends nach Hause zu kommen, und wirklich Feierabend zu haben. Ein Blick hinter die Beziehungskulissen zeigt, dass noch sehr viele Vulkane aus den 50er Jahren aktiv sind. Hingegen laut auszusprechen, dass man es gerne hätte, wenn die eigene Frau nicht mehr arbeitet, ist nach wie vor ein Tabu. Irgendwie merkwürdig …

Natürlich gibt es auch in der heutigen Zeit Frauen, die das alte Rollenschema als entlastend empfinden, und das sei ihnen unbenommen. Als eine Klientin, die ihren Job verloren hatte, mir erzählte, wie schön ihr Eheleben nun wieder sei, da sie sich in Ruhe um den Haushalt kümmern und ihren Mann abends mit etwas Selbstgekochtem verwöhnen könne, habe ich mich für sie gefreut, ehrlich!

Sofern die Frauen das wollen, funktionieren die guten alten Zeiten noch immer. Für alle anderen darf diese Rollenverteilung jedoch kein Muss sein. Damit gibt es kein flächendeckendes Zurück mehr, denn ob wir wollen oder nicht, die Zeiten ändern sich – wer kommt mit?

Die Männer offenbar nicht. Statt sich zu bewegen, klammern sie sich an ihre alten Rollen – Ernährer, Beschützer, Bestimmer – und wollen sich nicht damit abfinden, dass sie sich künftig alles mit den Frauen teilen müssen: den Arbeitsmarkt und die Führungsetagen ebenso wie die Rolle des Familienoberhaupts und Versorgers.

Nur wie? Leider gibt es dafür derzeit so gut wie noch keine Vorbilder, an denen die Männer sich orientieren könnten, und wenn die Väter von heute nicht langsam mit diesem Thema umgehen, wird es auch für deren Söhne noch lange Zeit keine geben. So führt die Unbeweglichkeit in der einen Generation zur Unbeweglichkeit in der nächsten.

Bisher sieht der Umgang damit so aus: Auf vermeintlich großer Fahrt stehen wir mit dem einen Fuß auf dem Gaspedal und dem anderen auf der Bremse. Wie anstrengend, eine Frau zu sein! Wie anstrengend, ein Mann zu sein!

Geht das nicht anders? Leichter? Schöner?

Doch!

Aber nur, wenn die Männer sich bewegen. Nur wenn sie sich an die eigene Nase fassen und endlich den Mund aufmachen. Leider tun die meisten Herren der Schöpfung derzeit weder das eine noch das andere. Deshalb herrscht in unserer Nation vielerorten derzeit Krieg, und zwar zwischen Mann und Frau.

Der Krieg der Geschlechter

Beziehung ist nicht mehr, was sie mal war – der Mann schon

I want a girl, just like the girl that married dear old Dad.

She was a pearl and the only girl that Daddy ever had.

A good old fashioned girl with heart so true,

One who loves nobody else but you.

I want a girl, just like the girl that married dear old Dad.

Alexander’s Ragtime Band, »I want a girl« (1911)

»Wenn ich abends nach Hause komme, will ich einfach nur meinen Frieden haben.«

Diesen Satz sagen viele der Männer, die in meine Coaching-Praxis kommen. Offenbar herrscht im heimischen Wohnzimmer oft eine Art Krieg, sonst wäre sie sicher nicht so groß, die Sehnsucht nach Frieden – ihrem Frieden.

Oft seufze ich dann mit ihnen und sage: »Jaja, war schon schön früher.«

Darauf erschallt dann meist bedauerndes Gelächter. »Ja, damals war die Welt noch in Ordnung.«

Zur Erinnerung an diese schönen ruhigen Zeiten hier ein paar Regeln für die gute Ehefrau aus dem britischen Magazin Housekeeping Monthly von 1955:

Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag.Hören Sie ihm zu. Sie mögen ein Dutzend wichtiger Dinge auf dem Herzen haben, aber wenn er heimkommt, ist nicht der geeignete Augenblick, darüber zu sprechen.Der Abend gehört ihm. Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder ohne Sie zum Abendessen oder irgendeiner Veranstaltung ausgeht. Zweifeln Sie nicht an seinem Urteilsvermögen oder seiner Rechtschaffenheit. Er ist der Hausherr, und als dieser wird er seinen Willen stets mit Fairness und Aufrichtigkeit durchsetzen. Sie haben kein Recht, ihn in Frage zu stellen.

Das ist gerade mal 60 Jahre her!

Nur allzu verständlich, dass die Frauen ihre Rolle irgendwann in Frage stellten und die alte Ordnung zwischen Mann und Frau zu wanken begann. Der »Krieg der Geschlechter« begann mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Frauen zwangsläufig Männerarbeit verrichten mussten, weil die Männer vermisst, gefallen oder in Gefangenschaft waren. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Coco Chanel ihre Geschlechtsgenossinnen vom Korsett befreit und ihnen Hosen angezogen. Wenige Jahre später war es keine Frage von Stil mehr, sondern Notwendigkeit geworden: Ein langer Rock war beim Wiederaufbau der zerbombtem Städte doch sehr hinderlich.

Die Hosen haben Frauen seitdem nicht mehr ausgezogen. Fortan stellten sie das Patriarchat in Frage, und damit begannen die Probleme für die Männer. Zunächst nur für einzelne arme Seelen, aber spätestens in den 80er Jahren war es für die meisten mit dem häuslichen Frieden vorbei, wie er in Housekeeping Monthly so schön beschrieben ist. Denn die Frauen waren nun nicht mehr ausschließlich zum Wohlergehen ihres Gatten auf der Welt, sondern auch zu ihrem eigenen.

Die Frauen hielten in die Universitäten und die Berufswelt Einzug und hatten demzufolge nicht nur weniger Zeit für Haushalt und Kinder, sondern auch für den Mann, der am Feierabend wie gewohnt nach seinen Friedenspantoffeln verlangte. Statt eines devoten Weibchens erwartete ihn eine Frau, die mit ihm Haushalt und Kinder organisieren und sich mit ihm austauschen wollte. Das empfanden nicht wenige Männer als belastend – und vielen geht es auch heute noch so.

Ich bin dann mal weg!

Theoretisch hätte ein jeder Mann die Möglichkeit, sich konstruktiv mit der Situation und damit auch seiner Frau auseinanderzusetzen. Mit ihr zu reden. Praktisch aber löst er einen Beziehungskrieg aus, indem er sich zumeist destruktiv verhält, je nach Charakter entweder aggressiv oder passiv-aggressiv. Da geht es nicht um Lösungen auf Augenhöhe. Die Aggressiven fordern dann lautstark ihren Frieden, aber das ist mittlerweile politisch nicht mehr korrekt. Daher tun die meisten Männer Letzteres: Sie treten den Rückzug an.

Dafür steht ihnen mittlerweile eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung: Computer (»Ich muss dringend noch arbeiten«), Playstation und Facebook sind willkommene moderne Alternativen zu Hobbykeller, Modelleisenbahn und fordernden Frauen. Auf diese vermeintlich pazifistische Weise verschaffen sich die Männer ihren Frieden. Vermeintlich deshalb, weil sie mit ihrem Rückzug in Wahrheit nur Briketts in den bullernden Kriegsofen werfen. Solange sich der Mann auf seinem persönlichen Friedenskongress befindet, ist er nicht angreifbar, und alle Versuche seiner Frau, ihn zum Austausch zu bewegen, laufen ins Leere. Da sich die Frau damit aber nicht zufriedengibt, beginnt eine neue Angriffsrunde. Über einen längeren Zeitraum, auch »Ehe« genannt, werden so aus vielen einstmals netten Mädchen fürchterliche Drachen, die »bloß noch herumzicken und ständig was von einem wollen«.

Dies ist eine Spielart des Beziehungskrieges, wie ich ihn seit Jahren sowohl in meinem privaten Umfeld als auch in meiner Coaching-Praxis beobachte.

Der gemeinsame Frieden

Halten wir noch mal kurz fest: Seinen Frieden aus alten Tagen wird der Mann nicht mehr bekommen. Das ist ihm zwar dunkel bewusst, aber er tut einfach so, als wäre alles wie früher. Das ist seine Friedenspolitik: den Krieg ignorieren. Beilegen lässt dieser sich dadurch natürlich nicht. Vielmehr tobt er im Untergrund weiter, und genau das ist das eigentliche Problem. Der Krieg wird nicht ausgetragen, sondern vermieden.

Dazu tragen übrigens nicht nur die Männer bei. Statt die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen einander offen und ehrlich mitzuteilen, schreiben beide Beteiligten heimlich To-do-Listen für den anderen. Ist das Blatt irgendwann voll, kommt es zum großen Streit, weil alle beide unzufrieden sind. Läuft die Auseinandersetzung dann noch nach den üblichen destruktiven Regeln ab, führt sie letztlich dazu, dass beide eine neue Liste beginnen.

Ich schlage vor, lieber gleich ein neues Buch zu beginnen: das Buch von Mann und Frau, die einander zum jeweils Besten des anderen ergänzen, statt sich in zerstörerischen Streitereien gegenseitig zu verletzen. Die auf diese Weise eingesparte Energie könnte man in ein faires Gespräch auf Augenhöhe stecken. Das wäre ein Quantensprung in der menschlichen Evolution!

Beide Seiten werden dabei Federn lassen müssen – die Männer sicherlich etwas mehr als die Frauen, weil sie sich schon so lange nicht mehr bewegt haben –, aber am Ende winkt der gemeinsame Frieden.

Arbeit ist nicht mehr, was sie mal war – der Mann schon

Auf dem Männerplaneten steht nichts mehr an seinem Platz, auch die Arbeit nicht. Die Invasion der Frauen ins Berufsleben hat den Mann in seinen Grundfesten erschüttert. Das gilt vor allem für Akademiker im mittleren und oberen Management sowie in der Politik. Die Männer in diesen Bereichen und Positionen sind insofern am interessantesten, weil sie den größten Einfluss haben.

Noch.

Frauen gucken nämlich neuerdings den Männern bei der Arbeit zu. Sie hinterfragen kritisch, fordern, bemängeln, decken Missstände auf und machen Vorschläge. Frauen sind so anders als die ursprünglichen Bewohner des Planeten und neuerdings so selbstbewusst. Nichtsdestotrotz gilt es mit ihnen zu arbeiten. So ein Ärger! Natürlich beeinflussen Frauen auch die Art und Weise, wie gearbeitet wird. Und ihre Ideen können nicht schlecht sein, denn weibliche Verhaltensmuster, Lösungsstrategien und Wertesysteme setzen sich in jüngster Zeit mehr und mehr durch.

Noch finden in Konferenzräumen Balztänze statt – oder auch simple reaktionäre Unterdrückung unter Zuhilfenahme peinlicher Altherrenwitze à la: »Das sind aber saubere Layouts. Sie sollten mal zu mir nach Hause zum Putzen vorbeikommen.« Auch der Kampf um Wortbeiträge wird derzeit noch häufiger von den Männern gewonnen, unter anderem deshalb, weil sie vor allem in den oberen Etagen in der Mehrzahl sind. Leider verhalten sich zudem nicht wenige Frauen in Spitzenpositionen wie Männer, weil sie es anders nicht nach oben schaffen.

Aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Frauen auch ohne Quotenschubs mehrheitlich in Spitzenpositionen vertreten sein werden. Denn Frauen haben mittlerweile nicht nur wie erwähnt die besseren Abschlüsse, sondern ihre sozusagen von Haus aus mitgelieferten sozialen Kompetenzen korrespondieren besser mit den Anforderungen der modernen globalen (Berufs)welt.

Aufruhr auf dem Männerplaneten

Konkurrenz! Katastrophe!, schreien die Männer.

Das ist durchaus nachvollziehbar, vor allem wenn man bedenkt, wie wichtig ihnen die Arbeit ist. Nach wie vor betrachtet sich der Großteil der Männer laut diverser Studien als Versorger. Das tun sie nicht ohne Grund, denn nimmt man ihnen die Arbeit weg, beraubt man sie nicht nur ihrer Lieblingsrolle. Vielmehr nimmt man ihnen Struktur, Anerkennung, Sinn, Selbstwert, Status und, nicht zu vergessen, auch die außerfamiliären sozialen Kontakte. Letztere sind zurzeit besonders wichtig, und zwar wegen der gerade oft problematischen Beziehungen zur Partnerin.

Was bleibt dem Mann da noch? Nicht viel. Vielleicht ein bester Freund. Für Beziehungspflege hatte er als Versorger nun mal keine Zeit, abgesehen davon, dass das sowieso in den Aufgabenbereich seiner Frau fiel. Ohne Hedwig keine Gartenpartys, ohne Gartenpartys keine Freunde, und überhaupt: Wo soll man künftig grillen?

Sie sehen: Keine Arbeit ist eine Katastrophe.

Hinzu kommt, dass die Jobs auch unabhängig von den Frauen unsicherer geworden sind. Der immer höhere Leistungs- und Wettbewerbsdruck als Folge der Globalisierung, gesteigerte Anforderungen an Flexibilität, Mobilität und Anpassungsfähigkeit und ein insgesamt höheres Tempo durch E-Mail & Co. tragen dazu bei. Hinzu kommt der ständige Druck durch Rationalisierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen, die in der Regel zu Personalabbau führen. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust treibt derzeit Männer und Frauen mit scharlachroten Schnupfennasen und Schlimmerem zur Arbeit, um nur ja keinen Kündigungsgrund zu liefern. Dieser Trend findet immer mehr Anhänger, nicht zuletzt weil Männer so nebenbei ihre Männlichkeit zur Schau stellen können. »Krank, ich? Nee!«

Ein Klient mit Eheproblemen sagte mal zu mir: »Ich bin zuverlässig im Job, nicht im Privatleben.«

Ganz gegen meinen Willen habe ich volles Verständnis für diese Aussage.

Ich verstehe den Aufruhr auf dem Männerplaneten, nicht nachvollziehen kann ich hingegen, wie man angesichts all dieser Veränderungen einfach stehen bleiben kann. Das ist in meinen Augen die wahre Katastrophe. Noch dazu haben die Männer sie selbst fabriziert, indem sie nach wie vor an einer Arbeitswelt festhalten, die es so nicht mehr gibt.

Top Down ist out

Top Down ist ein Prinzip, das jahrhundertelang praktiziert wurde, schon lange bevor es CEOs und Vorstände gab. Ganz oben stand Gott, gefolgt von diversen Halbgöttern, Engeln, Adligen, »einfachen« Menschen, Tieren, Bakterien usw. Vor gar nicht allzu langer Zeit funktionierten auch die meisten Ehen nach diesem Prinzip: oben Mann, unten Bakterie.

Top Down bedeutet: oben Macht, unten Ohnmacht.

In einer nach diesem Prinzip strukturierten Organisation ist klar, wer das Sagen hat. Das Gute daran ist, dass jeder weiß, woran er ist, das Schlechte … Nun ja, Bakterien verdienen heutzutage im Schnitt immer noch 22 Prozent weniger als Männer, die den gleichen Job machen. Anders gesagt: Das System ist so fair wie der Gott, der an der Spitze steht.

Aus diesem linear-hierarchischen Denken wird seit einigen Jahren zunehmend vernetztes Denken. Es gilt also, in alle Richtungen zu schauen, statt nur von oben nach unten und umgekehrt, und zwar aus den folgenden Gründen:

Wir leben in einer Wissensgesellschaft.Aus einzelnen Ländern ist eine globale Welt geworden.Auf dem Männerplaneten gibt es immer mehr Frauen in Top-Positionen. In einer vernetzten Welt sitzen Frauen quasi in Gott-Nähe und steuern das Schiff in eine neue Richtung.

Diese neue Richtung sieht so aus: klar definierte Funktionen, feste Rollenbilder, Hierarchien? Alles passé!

Das alte Männer-Arbeitsparadies mit seiner maximalen Orientierung, den zahlreichen Vorgaben und Kontrollen verändert sich gerade zugunsten eines flexiblen Miteinanders. Während früher der autoritäre Chef sagte, was zu tun ist, sind die Mitarbeiter heute vermehrt selbst für die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit verantwortlich. Das heißt, der Mann muss sich neuerdings selbst organisieren und eine große Anzahl Projekte eigenverantwortlich steuern. Er muss für seine Firma durchaus auch mal ökonomisch Verantwortung übernehmen und sowohl das eigene Handeln als auch die Entwicklung und Vermarktung seiner Fähigkeiten selbst kontrollieren.

Die Grenzen der einzelnen Aufgaben verschwimmen, sind oft gemeinschaftlich zu definieren und damit zu diskutieren. Wer hier schweigt, verliert!

Es genügt als Chef nicht mehr, auf den Tisch zu hauen – und gern gesehen wird es auch nicht mehr. Heutzutage muss man seine Mitarbeiter »kooperativ« oder »auf Augenhöhe« führen. Wo früher ein kurzes Knurren oder Bellen ausreichte, muss der Vorgesetzte nun diese lästigen Mitarbeitergespräche führen und dabei einfühlsam sein UND »chefig rüberkommen«. Da ist es wenig hilfreich, dass Kommunikation für die meisten Männer ein Minenfeld ist, das sie lieber erst gar nicht betreten.

Wirklich zu dumm: Wer es genauso macht wie zu Hause – die Augen zumachen und hoffen, dass sich der Konflikt auf wundersame Weise von selbst auflöst –, der hat zum privaten bald auch noch beruflichen Stress.

Die neue Arbeitswelt verlangt nicht nur Kommunikation und ein gerüttelt Maß an sozialen Kompetenzen, sondern auch Autonomie und Eigenverantwortung. Das ist schlicht das Gegenteil von dem, was Hänschen vom alten Hans gelernt hat. Katastrophe! Die Folgen: Stress und Burnout – aber nur, wenn Hänschen sich weiter an alte Arbeits- und Rollenmodelle klammert.

Dann wird es vom modernen beruflichen Tsunami schlicht überrollt und über kurz oder lang auf der Strecke bleiben.

Vor allem aber kann der Mann das Gute an der veränderten Arbeitswelt nicht nutzen, nämlich den deutlich größeren Gestaltungsspielraum und die damit verbundene größere Selbstbestimmtheit.

Schade! All das würde auch seinem Privatleben zugutekommen.

Beziehung ist in

Der Übergang von der Top-Down-Industriegesellschaft zur vernetzten Wissensgesellschaft ist gleichzeitig der Übergang von Funktion zu Persönlichkeit, also vom »Management Director« zu »Hans Meier«. Wichtiger als sein Titel ist heutzutage, wie Herr Meier so als Mensch ist.

Es menschelt also zunehmend in den Unternehmen. Damit gewinnen Beziehungen an Bedeutung – jene zu sich selbst und die zu anderen. Ein klarer Trumpf für die Frauen also, immerhin ist Beziehungspflege traditionell ihre Angelegenheit. Das war schon immer ihr Ressort, nur eben im privaten Bereich, auf dem Frauenplaneten.

In Beziehung zu anderen muss man gehen, und dazu muss man sich bewegen. Wenn man das tut, denkt und handelt man in Bezug zu anderen Menschen, zu seinem Umfeld, zur Umwelt. Man öffnet das eigene Blickfeld für das, was außerhalb der eigenen Person ist, und bedenkt die Auswirkungen seines Handelns. Das ist gelebte Verantwortung.

In Beziehung gehen heißt auch, sich untereinander vernetzen und übergreifend denken, und zwar in alle Richtungen. Das ist das Ende des Spezialistentums – und damit auch des Spezialisten, der in seinem hermetisch von allen anderen Spezialisten abgetrennten Raum vor sich hin arbeitet. Dieser Raum hat neuerdings Fenster, der Spezialist könnte hinausschauen und wahrnehmen, was es außer ihm und seinem Gebiet noch alles gibt.

Wie es ist, wenn dieser Blick aus dem Fenster nicht funktioniert, durfte ich unlängst miterleben, als die Großmutter meines Sohnes wegen eines schlimmen Ausschlags ins Krankenhaus kam, in die Dermatologie. Dort erlitt sie einen leichten Schlaganfall, woraufhin man sie in die Neurologie verlegte. Nach ein paar Tagen sprach ihre Tochter den Chefarzt der Station darauf an, dass der Ausschlag keineswegs besser, sondern schlimmer geworden sei. Daraufhin hob der Chefarzt beide Hände auf Brusthöhe, um anzudeuten, dass er damit nun wirklich nichts zu tun habe, und sagte: »Ich bin kein Dermatologe.«

In der alten Welt kann er als Spezialist für neurologische Erkrankungen den Ausschlag mit Fug und Recht ignorieren, schließlich trägt er dort keine Verantwortung dafür. In der neuen Welt hätte die Patientin wesentlich weniger Schmerzmittel nehmen müssen, und der Ausschlag wäre schneller abgeheilt.

Welche Welt ist nun besser?

Das war eine rhetorische Frage und eine obsolete dazu: Denn genau da geht es derzeit hin, in eine neue, vernetzte Welt. Der Fenstereinbau läuft auf Hochtouren.

Das wird auch höchste Zeit! Denn wenn man durch die Räume unserer Gesellschaft schlendert, entdeckt man darin jede Menge Beziehungs- und Bezugslosigkeit. Die Schulen sind ein anderes gutes Beispiel, denn dort wird immer noch Wissen um des Wissens willen gelehrt. Wozu? »Wofür brauche ich das?«, fragen die Schüler völlig zu Recht.

Lernen ohne Bezug ergibt keinen Sinn, da bleibt PISA eine Stadt in Italien – und die gleichnamige Studie ohne positive Auswirkungen. Die Hirnforscher pfeifen es übrigens schon lange von den Dächern: Bezugloses Lernen weckt in unserem Gehirn keine Begeisterungsstürme, der Lernerfolg im alten Bildungssystem tendiert demzufolge gegen null. Hören will das keiner. Wie dick ist eigentlich die Wand zwischen Hirnforschung und Bildungssystem? Fenster scheint es darin jedenfalls keine zu geben.

Positiv nimmt sich dagegen das in Managerkreisen vielgepriesene »Story Telling« aus, das nach eben diesem Bezugsprinzip funktioniert. Wer von jemandem eine Geschichte erzählt bekommt, versucht sofort eine Beziehung zu sich selbst herzustellen: Was hat das mit mir zu tun? Wer bin ich in dieser Geschichte, wer sind die anderen? Dagegen können Balkendiagramme nur verlieren!

Egal ob wir ins Kino gehen oder ein Buch lesen, immer setzen wir uns in Bezug zu den Personen, die in den Geschichten vorkommen, und zwar ganz automatisch. Unser Gehirn, behaupten Wissenschaftler, ist ein soziales Organ, ein »Ich ohne Wir« wird es nicht geben, solange es Menschen gibt. Die Vermeidung von Beziehung widerspricht unserer Natur! Ein Leben ohne Bezug zu anderen Menschen oder einer Sache, der wir uns leidenschaftlich widmen, ist sinnlos. Schneller, höher, weiter ohne Bezug zu irgendetwas ist ebenso sinnlos.

Und Macht ohne Bezug ist gefährlich.

Die letzte Bankenkrise war nichts anderes als das Ausblenden der Tatsache, dass die verantwortungslose Entscheidung eines einzigen verantwortungslosen Bankers Auswirkungen auf viele andere Menschen haben kann. Der Berliner Flughafen hingegen zeigt sehr eindrucksvoll, was passiert, wenn ein paar Entscheider vollkommen beziehungslos vor sich hin planen. In diesem Fall bezogen sich die »Verantwortlichen« noch nicht einmal auf die bereits vorhandenen Pläne, sondern machten lieber gleich alles neu.

Für wen eigentlich? Und warum? Was macht das mit der Umwelt? Lohnt sich das Ganze überhaupt noch?

Sie sehen: Keine Fenster weit und breit in der alten, beziehungslosen Top-Down-Arbeitswelt.

In der neuen Arbeitswelt dagegen schon. Die Frauen sind da, die Fenster sind da – die moderne Arbeitswelt ist fast bezugsfertig. Jetzt müssen sich nur noch die Männer an die neuen Umstände anpassen. Ob sie wollen oder nicht.

Scheinerwachsene an der Macht

Einem gestandenen Mannsbild sieht man nicht an, ob es psychisch noch in die Hose macht. Oft verstärken Anzüge – und neuerdings sehr viele Vollbärte – den durchaus gewollten Eindruck, es handle sich bei dem jeweiligen Träger um eine reife Person mit Verantwortung. Bei zu vielen Männern ist meines Erachtens genau das Gegenteil der Fall, und kindliches Verhalten ist an der Tagesordnung.

Im Gegensatz zu Kindern verfügen diese »Scheinerwachsenen«, wie ich sie nenne, über wichtige Positionen, Geld, Macht und die entsprechenden Netzwerke. Sie haben großen Einfluss auf das Geschehen – und nutzen diesen verantwortungslos.

Sie »spielen« mit Fonds, staatlichen Geldern, nicht zuletzt auch mit unseren Ressourcen und tun dabei, als gäbe es kein Morgen – und als wären sie alleine auf dem Planeten.

Die Lebensmittelindustrie zeugt zum Beispiel in vielerlei Hinsicht von Verantwortungslosigkeit, denn die Hersteller dürfen Lügen auf Verpackungen schreiben oder die Wahrheit verschweigen. So werden immer noch vermeintlich gesunde »Frühstücks-Cerealien« angeboten, die in Wirklichkeit ungesunde Zuckerbomben sind. Noch dazu richtet sich die Werbung für diese Produkte gezielt an Kinder, die naturgemäß gar nicht einschätzen können, was sie da essen – Hauptsache ein lustiges Tier ist auf der Packung. Haben die Verantwortlichen alle keine Kinder? Haben die noch Zähne im Mund?

Der ganz normale Größenwahnsinn

Scheinerwachsene »führen« nicht nur Beziehungen, sondern auch Unternehmen und Regierungen. Sie planen kurzsichtig und verantwortungslos, treffen egozentrische, größenwahnsinnige Entscheidungen und verschwenden das Geld anderer. Konflikte sitzen sie aus, indem sie sich in ihre Komfortzone zurückziehen und wie ein Kleinkind auf ein Wunder hoffen. Trotzig schmollen und schweigen sie, obwohl es dringenden Redebedarf gibt. Mit ihrem ichbezogenen Starrsinn setzen sie sich selbst Denkmäler und verhindern alles, was ihnen nicht in den Kram passt. Sie gehen unorganisiert und unstrukturiert ihrer Arbeit nach und laden ihr Chaos einfach bei anderen ab. Ungeachtet der ethischen Grundsätze, die sie in ihren »Mission Statements« publikumswirksam formulieren, stellen sie den Profit ins Zentrum ihrer Handlungen.

Im Grundgesetz steht der Satz: »Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.« Das klingt erst mal gut, aber wo keiner die Verantwortung für sein Handeln trägt, kann jeder tun und lassen, was er will. Machthunger, Habgier und Selbstverherrlichung scheren sich jedoch nicht ums Grundgesetz und treiben ihr Unwesen unter anderem an den Finanzmärkten. Das Finanzwesen ist die sensibelste Stellschraube einer Marktwirtschaft – können wir es uns leisten, dass ausgerechnet die Unternehmen in dieser Branche überwiegend von Kindern in Anzügen geführt werden?

Offensichtlich ja, denn wenn die Sache schiefgeht, was zuletzt 2008 vorgekommen ist, finden sich ja genügend Schäfchen, die dafür zahlen. Nur leider sind das nicht diejenigen, die das Ganze zu verantworten haben. »Banken kann man doch nicht ins Gefängnis schicken«, hört man in dem Zusammenhang oft. Mit der Folge, dass es den damaligen Hauptakteuren immer noch prima geht. Der Scheinerwachsenen-Wahnsinn ist international und hat Methode. Der eine deckt den anderen, und in der heutigen Zeit deckt die Männer-Politik vor allem die Männer-Wirtschaft.

Die Entscheider können sich noch so unverantwortlich verhalten, eine Strafe haben sie nicht zu erwarten. Im Gegenteil, oft erhalten sie sogar noch Unterstützung in Form von neuen Gesetzen, unterlassenen Gesetzen oder Subventionen. Denken Sie nur mal an die Pharmaindustrie, an Energiekonzerne, an die FIFA oder TTIP. Werden Sie wütend, falls Sie es nicht schon sind.

Im Zuge der Globalisierung werden politische Entscheidungen zunehmend außerhalb der einzelnen Länder getroffen. Globale Firmen, Großinvestoren, Banken, finanzstarke Lobbyverbände und supranationale Organisationen wie die EU haben an Macht hinzugewonnen und bestimmen, was am Ende jeden einzelnen Bürger betrifft. Unethisches Verhalten ist demnach kein rein deutsches Thema, ebenso wie es unter den Scheinerwachsenen etliche nicht deutsche Männer gibt. Wie man den Planeten ruiniert oder, besser, wie man ihn rettet, ist eine Aufgabenstellung, die Deutschland nicht alleine lösen kann. Allerdings sind wir eine starke Wirtschaftsmacht und könnten mit gutem Beispiel vorangehen. Mit einem klaren Standpunkt für eine ethisch vertretbare Zukunft.

Frauenquote für Männerstarrsinn

Die Frauenquote für Aufsichtsräte wird den Wandel hin zu mehr Verantwortungsbewusstsein hoffentlich beschleunigen. Übrigens: Dass ein solches Gesetz überhaupt notwendig war, zeigt die mangelnde Flexibilität der Männer (oder deren Unlust), sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen mit zu entwickeln. Die bereits vor 14 Jahren von der Regierung eingeführte »Selbstverpflichtung zur Förderung von Chancengleichheit« brachte bisher nämlich nichts. Die Unternehmen, pardon, die Männer, haben es einfach ausgesessen. Das war auch nicht weiter schwierig, denn noch sitzen sie in der Mehrzahl in den Schaltzentralen der Macht und drücken die Knöpfchen, wie es ihnen in den Kinderkram passt. Und solange sie in der Überzahl sind, werden sie auch noch eine Weile dort verbleiben. Ich fürchte, da helfen auch die ganzen Gender-Maßnahmen für Frauen nichts, denn Männer in Führungspositionen produzieren Männer in Führungspositionen und stabilisieren so ihre Old-School-Männer-Kultur. Hier greift das Prinzip der therapeutischen Gruppen: Die Homogenität der Gruppe schafft Vertrauen, Sicherheit, Stabilität sowie gegenseitige Anerkennung und Akzeptanz. Heterogenität hingegen schafft Verunsicherung, und die gilt es zu vermeiden.

Nichtsdestotrotz: Der Widerstand der Frauen wird von Tag zu Tag größer, ebenso wie die Zahl an hoch qualifizierten Kolleginnen. Der dringend notwendige Paradigmenwechsel hin zu mehr Beziehung und Verantwortungsübernahme ist bereits angelaufen.

All jene Männer, die da nicht mitmachen, werden mittelfristig auf der Strecke bleiben. Umdenken ist also angesagt. Zum Beispiel ließen sich die homogenen Gruppen zur psychischen Hygiene nutzen, um dort jene Kompetenzen zu erlernen, die es für eine funktionierende Heterogenität braucht.

Damit aus den vielen Scheinerwachsenen endlich verantwortungsbewusste Erwachsene werden.

Angst is in the House

Unfertige Milliardenprojekte, monetär zugrunde gerichtete Unternehmen und unethisches Verhalten haben etwas gemeinsam: Angst.

Scheinerwachsene verhalten sich oft deshalb so verantwortungslos, weil sie Angst haben. Die einen behelfen sich, indem sie die Verantwortung abgeben, die anderen, indem sie damit Schindluder treiben. Beides wird geduldet, schließlich leben wir in einem System, das darauf basiert, auch wenn dieses System mehr schlecht als recht funktioniert – auf Kosten anderer, Frauen zum Beispiel.

Angst macht blind. Es gibt ein Gemälde, das für mich sehr treffend die aktuelle Lage der Nation beschreibt: Pieter Bruegels »Der Blindensturz«. Darauf führen Blinde andere Blinde – direkt in die Grube.

Männer und Angst?

Viele Männer wirken nach außen selbstbewusst und stark. Stimmt, so wirken sie. Doch unter ihrer harten Schale liegt zumeist ein ängstlicher (nicht nur ein weicher!) Kern. Viele Männer haben mehr Angst, als man glaubt, als man glauben soll, und genau das macht sie zu Marionetten.

Ihr ständiges Streben nach Anerkennung, Aufmerksamkeit und Liebe macht sie abhängig von anderen, denn ihre Selbstliebe und ihr Selbstwert reichen nicht aus. Diese Problematik wird derzeit durch den weiblichen »Angriff« auf den Männerplaneten verstärkt. Die Männer sind nicht mehr automatisch Gott. Sie müssen jetzt anderweitig dafür sorgen, dass sie die Besten, die Tollsten sind. Dafür brauchen sie andere Menschen, die ihnen dieses Gefühl geben, und das macht sie enorm abhängig von ihrem Umfeld. Genau das macht sie seelisch labil und damit anfällig für unerwachsenes Verhalten.

Wer abhängig ist, kann sich nicht autonom verhalten, sondern reagiert immer auf die Außenwelt. Wie finden mich die anderen? Sind sie der Meinung, dass ich das gut gemacht habe?

Alphatiere und Pantoffeltierchen

Derzeit kristallisieren sich zwei Varianten des angstgesteuerten Mannes heraus, die ich kurz und plakativ skizzieren möchte. Nicht zufällig haben sie eine Menge mit dem alten Top-Down-Prinzip gemein. Der eine spielt Gott, während es sich der andere in seinem Bakterien-Universum gemütlich macht. Der eine ist oben, der andere unten – Begegnungen auf Augenhöhe sucht man hier vergeblich.

Der unten Stehende, nennen wir ihn den »Angepassten«, traut sich nicht, Position zu beziehen oder seine Meinung zu vertreten. Weil er fürchtet, dass die anderen ihn dann nicht mehr mögen, duckt er sich weg und entzieht sich, passt er sich bestmöglich an die äußeren Umstände und andere Menschen an. Er bleibt klein, damit andere sich groß fühlen können. Sein Fähnchen weht immer in die Richtung, aus der er sich die meiste Anerkennung erhofft.

Der oben Stehende, nennen wir ihn den »Größenwahnsinnigen«, pocht bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf seinen Status und seinen Erfolg. Er braucht die Aufmerksamkeit anderer, um sich geliebt und anerkannt zu fühlen. Deshalb tut er alles dafür, damit die Menschen in seinem Umfeld das von ihm denken – wirklich alles. Er geht nicht selten über Leichen (und Anleger), hortet Statussymbole wie ein Imker Bienen und bevorzugt sehr alte Autos sowie sehr junge Frauen. Alles an ihm schreit: »Ich! Bin! Super!«, vor allem aber: »Ich!«

So unterschiedlich das jeweilige Verhalten der beschriebenen Typen ist, sie handeln alle beide aus der Angst heraus, nicht zu bekommen, was sie so dringend benötigen: Anerkennung (beruflich) und Liebe (privat). Das ist ihre Nahrung, und sie müssen ständig dafür sorgen, dass ihr Umfeld sie ausreichend damit versorgt. Angstgetriebene Männer sind im Grunde ständig auf »Futtersuche« und leben im permanenten Stress, nicht genug »zu essen« zu bekommen. Kommt dann noch Stress von außen dazu, verfallen sie noch mehr in ihre destruktiven Verhaltensmuster.

Der Angepasste passt sich noch mehr an, der Größenwahnsinnige wird noch (größen)wahnsinniger. »Wir haben kein Geld mehr? Die ganzen fünf Milliarden schon ausgegeben? Mal überlegen, wen könnten wir wie bestechen? Wer schuldet uns noch einen Gefallen?« Da wird’s schnell kriminell, schließlich hängt nichts weniger als der Selbstwert davon ab, dass die Finanzierung funktioniert.

Der Angepasste ist nicht minder gefährlich, denn er macht oft bei diesen gefährlichen Spielen mit. Er beherrscht die Kunst der Mimikry perfekt – abgeleitet von dem altgriechischen Wort mímos, was so viel bedeutet wie Nachahmer, Imitator, Schauspieler.

Aber nicht nur der Angepasste ist nicht echt, sondern auch der Größenwahnsinnige, denn beide haben das Gleiche zu verbergen: ihren Angstkern.

Egal ob Selbstunter- oder Selbstüberschätzung, beide Männertypen stehen nicht ihren Mann. Das können sie auch gar nicht, denn dazu bräuchten sie einen seelisch sicheren Boden, und den haben sie nicht. Stattdessen wanken und wabern sie sich durchs Leben, auch wenn es vor allem bei dem Größenwahnsinnigen so gar nicht danach aussieht.

Vielleicht halten sie deshalb auch so oft aneinander fest. Der Angepasste hat so einen Gott, dem er sich unterordnen kann, und der Größenwahnsinnige hat ein Opfer, das alles für ihn tut. Eine perfekte Symbiose, die sich durchaus nicht nur im Tierreich häufig beobachten lässt. Wobei dieser Vergleich hinkt, denn im Tierreich findet Symbiose zum Besten von beiden und damit zum Besten des Tierreiches statt. Im Menschenreich profitieren ausschließlich zwei Tiere, nämlich das Alphatier und das Pantoffeltierchen.

Die anderen dürfen hinterher die Scherben zusammenkehren. Also wehe dem, der in einem Top Down geführten Unternehmen einen seelisch labilen Gott oben sitzen hat, und erst recht dem, der von einem seelisch Labilen abhängig ist …

Keine Eier oder zu viele

Mit diesem Satz brachte eine wütende Freundin die Misere mal auf den Punkt. Sie hatte sich unlängst von einem Mann mit zu vielen Eiern getrennt und wurde gerade von einem hofiert, der gar keine hatte. Von beiden war sie gleichermaßen genervt, denn beide konnten ihr nicht bieten, was sie sich sehnlichst wünschte: Augenhöhe.