Das sieht aber gar nicht gut aus - Werner Bartens - E-Book

Das sieht aber gar nicht gut aus E-Book

Werner Bartens

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Beschreibung

Wenn der Arzt uns krank macht

Für den Arzt ist der Umgang mit Kranken Alltag, Routine. Für Patienten ist es hingegen immer ein Ausnahmezustand, wenn sie zum Doktor oder in die Klinik müssen. Patienten sind beim Arzt hoch konzentriert und achten auf jede Geste und jede Äußerung. Ein Stirnrunzeln, eine gehobene Augenbraue, eine unachtsame Bemerkung können eine Welt zusammenbrechen lassen und die Chance auf Heilung oder Genesung zum Teil dramatisch mindern. Der Arzt bekommt davon meist gar nichts mit. Der Patient bleibt mit seinen Ängsten und Irritationen allein zurück.

»Das sieht aber gar nicht gut aus« – »Sie sind ein Risikopatient« – »Wir können im Augenblick nichts mehr für Sie tun« oder auch an Schwangere adressiert »Oh, der Kopf ist ein bisschen groß« oder »Ich kann den Magen nicht finden«. Wenn Ärzte solche Sätze sagen, ist das wie ein K.o.-Schlag. Der Patient ist am Boden zerstört, sieht sich am Ende oder zumindest für den Rest seines Lebens dahinsiechen oder das ungeborene Leben in höchster Gefahr. Die wenigsten Ärzte sind bösartig, aber manche doch ziemlich gedankenlos in ihren Äußerungen. Sie ahnen nicht, wie sich ein nebenbei dahingesagter Satz auf Patienten auswirken kann.
Denn ungeheurer Schaden entsteht, wenn Ärzte ihre Patienten entmutigen und ihnen die Hoffnung nehmen. Die Nocebo-Forschung, aber auch Untersuchungen zur Arzt-Patienten-Kommunikation haben gezeigt, dass sich die Heilung verzögert und die Prognose verschlechtert, wenn Ärzte sich ungeschickt verhalten und Patienten im Gespräch vor den Kopf stoßen. Manche verzweifeln so sehr, dass sie immer kränker werden und sterben.

Dieses Buch versammelt, thematisch sortiert, 99 Sätze, die wir aus Patientensicht von Ärzten nie mehr hören wollen. Werner Bartens zeigt, was der Arzt eigentlich meint und was der Patient stattdessen hört. »Das sieht aber gar nicht gut aus« ist ein Plädoyer für eine richtige Wahrnehmung der Kranken durch die behandelnden Ärzte und für eine bessere Kommunikation zwischen Doktor und Patient.

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Werner Bartens

Das sieht aber gar nicht gut aus

Was wir von Ärzten nie wieder hören wollen

Pantheon

Der Pantheon Verlag ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH

Erste Auflage

Oktober 2013

Copyright © 2013 by Pantheon Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: Büro Jorge Schmidt, München

Satz: Ditta Ahmadi, Berlin

ISBN 978-3-641-11290-5

www.pantheon-verlag.de

Inhalt

Einleitung

Der bedürftige Mensch in der Medizin

Die Ängste der Patienten

Die individuelle Bedeutung des Leidens

Was Kranke belastet

Was Patienten angeblich wollen

Die richtigen Worte und Gesten finden

Dr. med. Gedankenlos

»Er hat mich nicht mal angeschaut«

Unbedachte Äußerungen

Ausgeliefert und verunsichert

Blutwerte ohne Wert: Fetisch Tumormarker

Gute Hoffnung, schwer enttäuscht

Gesund auf Probe

Die Schwangerschaft als Risiko

Gesunde Kinder als geplante Projekte

Hier können wir nichts mehr tun

Schonungslose Aufklärung

Moralischer Rückzug

Wie lange noch?

»Es war ihr Tod, nicht meiner«

Jeder, was er braucht

Unheilbar krank – was heißt das schon?

Die richtigen Worte finden

Das geht nicht mehr weg

Ärztedummquatsch

Beleidigung statt Betreuung

Gemeinheiten auf Fachchinesisch

Risiken des Ärzte-Lateins

Verachtung für Patienten

Ökonomischer Druck – wenn Patienten auf der Strecke bleiben

Beziehungen wie im Bordell?

Der Nächste bitte, aber dalli: Deutsche Ärzte haben besonders wenig Zeit

Rettet die Medizin vor der Ökonomie

Das lohnt sich doch nicht

Hohe Preise, gute Besserung

Aufgehübscht – über die Farbe und Größe von Spritzen und Tabletten

Die Kraft des schönen Scheins

Neue Geschäftsmodelle

Schluss mit dem schlechten Gewissen

Wo bleibt die Fürsorge in der Vorsorge?

Krankgeschrieben: Ärzte und Pharmafirmen erklären Gesunde zu Patienten

Mediziner halten sich nicht an das, was sie empfehlen

Ärzte sollten Kranke nicht mit eigenen Problemen behelligen

Sprechende Medizin – falsch verstanden

Die Macht negativer Gedanken

Moderne Hexenmeister

Die Wege von Hoffnung und Enttäuschung im Körper

Düstere Prognosen

Der Schmerz der schlechten Nachricht

Die Erwartung bestimmt die Pein

Was Patienten brauchen

Die Kunst des Weglassens

Ausreden lassen

Der Patient, das unbekannte Wesen

Nachwort

11 Tipps für den Arztbesuch

Anmerkungen

Literatur

Einleitung

»Sie sind ein Risikopatient!« »Wir können im Augenblick nichts mehr für Sie tun.« »Damit werden Sie noch lange zu kämpfen haben.«

Wenn Ärzte solche Sätze sagen, ist das für die meisten Patienten wie ein Schlag in die Magengrube. Eben noch war er guten Mutes – jetzt ist der hilfesuchende Mensch am Boden zerstört und fühlt sich aller Hoffnung beraubt. Er sieht sich am Ende oder zumindest für den Rest seines Lebens dahinsiechen, auch wenn der Arzt seine Bemerkung vielleicht gar nicht so gemeint hat. Die wenigsten Ärzte sind bösartig, aber manche doch ziemlich gedankenlos in ihren Äußerungen. Sie ahnen nicht, wie sich ein nebenbei gesagter Satz auf ihre Patienten auswirken kann und was er alles zerstören kann. Und manchmal reden sie auch einfach nur Dummquatsch.

Für den Arzt ist der Umgang mit Kranken Alltag, Routine. Er sieht täglich Kummer, Leid und Tod. Für Patienten ist es hingegen immer ein Ausnahmezustand, wenn sie zum Doktor oder in die Klinik müssen. Das trifft zu, egal, ob sie nur zu einem Routinebesuch in die Sprechstunde kommen oder an einer schweren Krankheit leiden und regelmäßig im Krankenhaus sind. Die meisten Patienten sind beim Arzt daher ängstlich und hoch konzentriert. Sie achten auf jede kleine Geste und jede Äußerung des Doktors – und interpretieren viel hinein, oft zu viel. Schon ein kleines Stirnrunzeln und das skeptische Heben der Augenbrauen des Arztes können sie irritieren und eine eben noch heile Welt zusammenstürzen lassen.

Natürlich ist der Arzt auch nur ein Mensch, der mal spontan, mal aufbrausend, mal herzlich und eben manchmal auch ungeschickt agiert. Aber er sollte sich immer vergegenwärtigen: Die Situation in der Arztpraxis oder Klinik ist für die meisten Menschen ungewohnt. Sie ist mit großer Unsicherheit verbunden, das Gegenteil von normal. Als Patient ist man gespannt, extrem aufmerksam, sensibel und wohl auch überempfindlich – und registriert daher jede noch so kleine Schwingung. Das Schlimme daran: Weil viele Patienten so erwartungsvoll, aufmerksam, reizbar und empfindlich sind, beziehen sie die Regungen des Arztes schnell auf sich. Auch wenn der Doktor gerade nur schlechte Laune hat, seine Gedanken kurz woanders sind oder er von einer Mitarbeiterin abgelenkt ist.

Ärzte wissen theoretisch, dass sich ihre Patienten in einer besonderen Situation befinden. Ein Arzt kann und muss zwar nicht perfekt sein, aber die gröbsten Fehler in der Kommunikation mit den Menschen, die sich ihm anvertrauen, die sollte er schon zu vermeiden wissen. Er ist schließlich in der stärkeren Position, er ist ja nicht der Bedürftige. Im asymmetrischen Verhältnis zum Patienten ist der Arzt derjenige, der nicht aus Angst, Wut oder Verzweiflung handelt, sondern der dabei helfen soll, den Kranken aufzufangen, und der ihm begleitend zur Seite stehen muss in all seinen Nöten, Ängsten und Sorgen.

In diesem Brevier werden viele derjenigen Sätze und Bemerkungen beschrieben, die Patienten von ihren Ärzten nie wieder hören wollen. Etliche dieser Äußerungen geschehen nicht in böser Absicht: »Das ist eine typische Folge von ...«, stellt für den Arzt nur einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang her. Doch jeder Patient fühlt sich einmalig und will nicht als Teil einer Kranken-Gemeinschaft wahrgenommen werden. Was haben zehn Diabetiker schon gemeinsam außer einem entgleisten Blutzuckerspiegel?

»Das kann Sie ein Leben lang begleiten«, ist ebenfalls ein Satz, der aus ärztlicher Sicht nur den oftmals chronischen Verlauf eines Leidens umschreibt. Sagt so etwas aber beispielsweise ein Hautarzt zu einem Jugendlichen, sieht der sich für den Rest seines Daseins als Opfer seiner Akne.

Auch die Aussage »Sie sind ein Risikopatient!« mag für den Doktor nur zusammenfassen, dass der Patient nicht nur raucht und übergewichtig ist, sondern auch keinen Sport treibt und erhöhte Blutwerte aufweist. Manche Patienten denken dann jedoch, dass sie besonders schlecht dran sind und ihre Heilungschancen besonders mies – das bewahrheitet sich manchmal auch in Form einer schlechteren Wundheilung und eines ungünstigen Krankheitsverlaufs.

Solche Missverständnisse in der Kommunikation gibt es oft: Der Arzt sagt etwas, was der Patient falsch oder viel negativer versteht, als es eigentlich gemeint ist. In diesem Buch sind deswegen 99 Beispiele im Text hervorgehoben, in denen anhand von typischen Äußerungen von Ärzten gezeigt wird, wie sie beim Patienten ankommen können – und was der Arzt eigentlich damit gemeint hat. Manche dieser Bemerkungen sind aufmunternd und positiv gemeint, werden aber anders – und das heißt zumeist: negativ oder abschätzig – verstanden. Andere sind schlicht einem gedankenlosen Umgang mit den Patienten geschuldet. In einigen Fällen spricht auch blanker Zynismus aus diesen Äußerungen.

Wenn sich Kranke in Zukunft kränkende, irritierende oder schlicht missverständliche Äußerungen von ihren Ärzten verbitten, geht es nicht nur darum, dass sie die mangelnde Höflichkeit oder die schlechten Manieren nicht länger erdulden wollen. Es geht auch um die Gesundheit der Patienten. Denn es ist längst bekannt, welcher ungeheure Schaden entsteht, wenn Ärzte ihre Patienten entmutigen – und auf diese Weise auch den Krankheitsverlauf entscheidend negativ beeinflussen.

Zahlreiche Untersuchungen zur Arzt-Patienten-Kommunikation haben gezeigt, dass sich die Heilung verzögert und die Prognose verschlechtert, wenn Ärzte sich ungeschickt verhalten und Patienten im Gespräch vor den Kopf stoßen. Manche verzweifeln sogar so sehr, dass sie immer kränker werden und sterben. Aus der Fachliteratur ist beispielsweise der Fall eines Patienten bekannt, der nicht an einem Tumor starb, sondern daran, dass er glaubte, an einem Tumor zu sterben – nachdem ihm sein Arzt seine ungünstige Prognose mitgeteilt hatte. Neben diesen extremen Fällen zeigen auch alltägliche Beispiele, wie schädlich es ist, wenn der Arzt die falschen Worte wählt. Die Macht und die Wirkung schlechter Gedanken und negativer Äußerungen können gar nicht überschätzt werden. Dieses Buch hilft Patienten – und das sind wir irgendwann alle –, sich die ärztlichen Äußerungen zu übersetzen und damit umzugehen.

Der bedürftige Mensch in der Medizin

Medizin ist unmittelbarer Dienst an Patienten und solchen, die es womöglich bald werden. Ärzte wie Pflegekräfte kommen den Kranken nahe, sie dringen in sie ein, und zwar physisch wie psychisch. Sie horchen die Kranken ab, fassen sie an, betrachten sie aufmerksam von oben bis unten – aber sie sind auch invasiv und schneiden die Haut auf, schieben Schläuche in Hohlräume, bebildern das Körperinnere und bohren Nadeln in Gewebe. Diese intimen Verrichtungen von anderen an uns sind ungewohnt – und sie befremden. Die Distanz, die Menschen üblicherweise zu anderen Menschen und deren Körpern einhalten, wird in der Medizin aufgehoben. Körperlich, aber oft auch seelisch.

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