3,99 €
Doktor Gordon Digby kam nach Stone Ridge, um geretteten Wandlern zu helfen, sich nach der Gefangennahme durch Wilderer zu erholen. Einen Gefährten zu finden kam ihm dabei nicht einmal in den Sinn, doch das Schicksal macht ihm einen Strich durch seine Pläne in Form des sexy Tigerwandlers Grady Stryker. Der Mann bringt Gordons Blut in Wallung und seine Gedanken durcheinander. Doch Grady ist ein Cop, und der Arzt hat Geheimnisse, die er nicht lüften will, wie zum Beispiel die Vergehen seines eigenen Tieres. Detective Grady Stryker glaubt, dass seinen Gefährten zu finden das größte Geschenk ist, das ein Wandler erhalten kann, also versteht er Gordons Zaudern nicht, bis ein Freund ihm ein wenig Einblick in Gordons Vergangenheit gibt. Fest entschlossen, ihn für sich zu gewinnen, ist Grady überzeugt, dass der beste Weg, sein Ziel zu erreichen, auch jede Menge Spaß machen kann: Verführung. Gradys Pläne landen auf Eis, als weitere Wilderer in Stone Ridge auftauchen. Nur sind diese Menschen nicht wirklich Wilderer. Sie wissen über Wandler Bescheid, und wenn sie sie fangen können, vernichten sie sie. Kann Grady Gordon überzeugen, ihn anzunehmen, bevor die Menschen noch weiteren Freunden Schaden zufügen? Oder sind sie zu abgelenkt um zu sehen, was sich direkt vor ihrer Nase befindet? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 32.800 Wörter
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Epilog
ÜBER CHARLIE RICHARDS
LESEPROBE:
Das Tier in ihm
Doktor Gordon Digby kam nach Stone Ridge, um geretteten Wandlern zu helfen, sich nach der Gefangennahme durch Wilderer zu erholen. Einen Gefährten zu finden kam ihm dabei nicht einmal in den Sinn, doch das Schicksal macht ihm einen Strich durch seine Pläne in Form des sexy Tigerwandlers Grady Stryker. Der Mann bringt Gordons Blut in Wallung und seine Gedanken durcheinander. Doch Grady ist ein Cop, und der Arzt hat Geheimnisse, die er nicht lüften will, wie zum Beispiel die Vergehen seines eigenen Tieres.
Detective Grady Stryker glaubt, dass seinen Gefährten zu finden das größte Geschenk ist, das ein Wandler erhalten kann, also versteht er Gordons Zaudern nicht, bis ein Freund ihm ein wenig Einblick in Gordons Vergangenheit gibt. Fest entschlossen, ihn für sich zu gewinnen, ist Grady überzeugt, dass der beste Weg, sein Ziel zu erreichen, auch jede Menge Spaß machen kann: Verführung.
Gradys Pläne landen auf Eis, als weitere Wilderer in Stone Ridge auftauchen. Nur sind diese Menschen nicht wirklich Wilderer. Sie wissen über Wandler Bescheid, und wenn sie sie fangen können, vernichten sie sie. Kann Grady Gordon überzeugen, ihn anzunehmen, bevor die Menschen noch weiteren Freunden Schaden zufügen? Oder sind sie zu abgelenkt um zu sehen, was sich direkt vor ihrer Nase befindet?
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Länge: rund 32.800 Wörter
CHARLIE RICHARDS
Das Tier in ihm
Die Wölfe von Stone Ridge 3
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „Accepting His Animal“: Charlie Richards
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2017
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Sage Marlowe
URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:
Dieses Buch darf ohne vorherige eindeutige schriftliche Zustimmung des Urheberrechtsinhabers in keinerlei Form, weder ganz noch auszugsweise, vervielfältigt und / oder vertrieben werden. Dies beinhaltet auch die elektronische und fotografische Vervielfältigung sowie zukünftig entwickelte Methoden. Ebenso ist die kostenlose Weitergabe dieses Buches, beispielsweise über sogenannte File-Sharing Sites ausdrücklich untersagt.
Mit dem Erwerb eines E-Books erhält der Käufer die Lizenz zur persönlichen Nutzung, ist jedoch nicht zur Weitergabe des Inhaltes an Dritte, weder gegen Entgelt noch kostenlos, berechtigt.
Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.
Bitte beachten:
Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.
Widmung
Für meine Lektoren bei eXtasy Books!
Für Anjela – Danke für dein ehrliches Feedback. Deine Fähigkeit, problematische Stellen auszumerzen, beeindruckt mich. Für Latrisha – Danke für deine Überschwänglichkeit, sie bringt mich immer zum Lächeln. Und für Jay – deine Unterstützung und deine aufmunternden Worte inspirieren mich weiterzumachen.
Gordon Digby öffnete die Tür und sah zu, wie die Elchkuh an ihm vorbei aus dem Raum ging. Als der Alpha des Stone Ridge Wolfsrudels ihn kontaktiert hatte, war er sehr neugierig gewesen. Die meisten Wandler verbrachten ihr Leben in ihrer menschlichen Gestalt und ließen ihre Tiere nur heraus, um zu laufen oder um jemanden zu beschützen, den sie liebten. Doch jetzt hatte er es mit zwei Wandlern zu tun, die sich weigerten, ihre Tiergestalten loszulassen. Als Psychiater wusste Gordon, dass sie es zu ihrem eigenen Schutz taten. Sie waren misshandelt worden, geschlagen und eingesperrt, während sie sich in ihrer tierischen Gestalt befanden. Sie waren in dieser Form geblieben, um sich dem emotionalen Trauma nicht stellen zu müssen und ihrer geistigen Gesundheit zuliebe.
Er hatte sich bereits mit Robbie getroffen, einem Pumawandler, der davon überzeugt war, dass die Elchkuh seine Gefährtin war. Wenn es ihrem Gefährten schon nicht gelang, sie zur Verwandlung zu bewegen, was wäre dann nötig? Diese Tatsache steigerte Gordons Glauben an gute Paarungen genauso wenig, wie es das Beispiel seiner Mutter getan hatte.
Gordon erhob sich und ging in seinem Büro auf und ab. Er nahm sein Telefon und scrollte durch die Kontakte, bis er den Alpha des Wolfsrudels gefunden hatte. Nachdem er die Anruftaste gedrückt hatte, lehnte er sich gegen seinen Schreibtisch und wartete.
„Declan hier.“
„Hallo, Declan. Hier ist Gordon Digby.“
„Oh, hallo, Doc. Womit kann ich helfen?“
Gordon lächelte, belustigt von der permanenten Fröhlichkeit des Mannes. Natürlich war es angesichts des niedlichen Twinks, den der Alpha zum Gefährten hatte, gut nachvollziehbar. Lark war hinreißend, wenn auch nicht Gordons Typ. Warum bloß rammelten verpaarte Wandler wie die Kaninchen? „Ich würde mir gerne ansehen, wo die Wilderer diese Leute gefangen hielten. Gibt es jemanden im Rudel, der bereit wäre, mich dort hinzuführen?“
„Ich fürchte nicht.“ Declans Antwort überraschte ihn, aber der Wolf sprach weiter. „Soweit ich gehört habe, ist es immer noch ein Tatort. Ich kann dich mit Detective Stryker in Kontakt bringen. Der ist für diesen Fall zuständig. Er sorgt dafür, dass diese Wilderer auch wirklich für alles zur Verantwortung gezogen werden.“
Gordon verkniff sich ein Seufzen. Na toll. Eine Polizeiabsperrung, die es zu überwinden galt. „Ein Detective?“, erwiderte er. „Und du denkst, er wäre bereit, mir zu helfen?“ Er konnte seinen Unglauben nicht verbergen.
„Ja. Grady ist ein guter Mann. Ein Wandler. Er wird dir helfen.“
Gordon rollte die Schultern, um die Spannung in ihnen zu lösen, und verzog das Gesicht. „Danke. Ich wäre froh, wenn du mich ihm vorstellen könntest.“
„Mache ich. Hast du einen Stift?“
Er drehte sich zur Seite und nahm Stift und Papier. „Ja.“
Nachdem er eine Nummer heruntergerattert hatte, die Gordon notierte, fügte Declan hinzu: „Ich werde ihn jetzt sofort anrufen und ihm sagen, dass du dich bei ihm meldest.“
„Das ist nett. Noch mal danke, Declan.“
„Hey. Du hast meinem Gefährten geholfen. Ich schulde dir was.“
Gordon schnaubte. Er hatte einen Wolf abgewehrt, der Lark angriff, womit er Carson, dem Vollstrecker des Rudels, ermöglicht hatte, den Mann rechtzeitig zu erreichen. „Du hättest für mich dasselbe getan. Wir reden später.“
Nachdem er aufgelegt hatte, stieß er einen Seufzer aus. Er ließ seine große Gestalt in den Bürostuhl aus schwarzem Leder sinken. Bei dem Gedanken an Declan lächelte er, als er sich daran erinnerte, wie er dem Wolf zum ersten Mal begegnet war. Nicht nur seine Größe hatte den Mann überrascht, sondern auch sein Duft. Gordon hatte die ersten fünfzig Jahre seines Lebens damit verbracht zu erlernen, wie er seinen Geruch verbergen konnte.
Als Kind war er von den Menschen in der Schule gehänselt worden, weil er mehr Speck als Muskeln hatte, und da seine Mutter menschlich war, war er der einzige Wandler in der Gegend gewesen. Dann war er zu einer Größe von einem Meter achtzig herangewachsen und hatte genug Fett angesetzt, um weiterhin etwas übergewichtig auszusehen. Er hatte versucht, abzunehmen, doch sein Tier brauchte diese Masse.
Dann war er älter geworden, und Gordon hatte keine anderen Wandler seiner Art gefunden, weshalb er oft gefürchtet oder ins Lächerliche gezogen worden war. Seinen Duft zu verbergen hatte ihm etwas Erleichterung verschafft, da andere Wandler eher dazu neigten, vorsichtig zu sein, anstatt ihn zu beleidigen. Es war eine akzeptable Alternative.
Den Alphawolf hatte es definitiv überrascht, einen schwergewichtigen Wandler zu treffen. Aber man musste dem Mann lassen, er war wesentlich offener als die anderen Wandler, mit denen Gordon zu tun gehabt hatte.
* * * *
„Ja, wer ist es denn?“ Im Tippen seines Berichts innehaltend, starrte Grady das Telefon an, als könnte er seinen Hass auf dieses Gerät mit einem giftigen Blick zum Ausdruck bringen. Er hasste Technologie.
Er konnte beinahe hören, wie Michelle die Augen verdrehte. „Ein Doktor Gordon Digby. Er sagt, dass du auf seinen Anruf wartest.“
Der Seelenklempner. Natürlich. „Ja, stell ihn durch.“
Sekunden später hörte er: „Hallo, Detective Stryker. Danke, dass Sie meinen Anruf annehmen.“
Sein Atem stockte und sein Penis schwoll an. Grady fiel es schwer, ein Stöhnen zu unterdrücken. Oh Götter, Gordon klingt gut.
Der Geschmack von Blut auf seiner Lippe, wo seine Zähne sie durchstochen hatten, riss Grady aus seinen Gedanken und er zwang sich zu einem Lächeln. „Hallo, Doktor Digby. Kein Problem. Declan sagte, dass Sie anrufen würden.“ Er hielt den Mund, da er die Stimme des Onkel Doktors wieder hören wollte.
„Ja. Ich muss mit Ihnen über den Vorfall in dem Lagerhaus sprechen. Haben Sie Zeit zum Mittagessen?“
Oh ja! Er wollte den Mann mit der sexy Stimme kennenlernen. „Sicher. Wo?“
Gordons leises Lachen ließ seinen Schwanz pulsieren. „Ich bin erst seit ein paar Wochen in der Stadt. Schlagen Sie etwas vor.“
Richtig. Richtig. Er hatte seinem Schwanz das Denken überlassen. „Natürlich. Treffen wir uns im Caribou’s. Sagen wir um elf Uhr dreißig?“
„Caribou’s. Einverstanden. Bis dann.“
Die nächste Stunde zog sich dahin, aber Grady gelang es, seinen Bericht zu Ende zu tippen. Um elf konnte er nicht länger warten. Er nahm seinen Mantel und verließ das Polizeirevier. Er betrat das Lokal fünfzehn Minuten zu früh und suchte sich einen Tisch. Die Hände um seine Kaffeetasse gelegt, um sie ruhig zu halten, beobachtete er die Tür.
Zehn Minuten später erweckte ein großer, etwas kräftig gebauter Mann Gradys Aufmerksamkeit. Sein stahlgraues Haar war zu einem niedrigen Pferdeschwanz zusammengebunden, was seine breite Stirn, die hohen Wangenknochen, eine gerade Nase und schmale Lippen betonte. Er trug schwarze Jeans und ein hellblaues Hemd, das er in die Hose gesteckt hatte, sodass man seine silberne Gürtelschnalle, in die ein kompliziertes Savannenmotiv eingraviert war, gut erkennen konnte. Grady konnte eine Giraffe, ein Zebra und einen Elefanten in hohem Gras erkennen. Der Mann verharrte direkt an der Tür und sein Blick wanderte durch das Lokal. Schwarz. Die Augen des Mannes waren schwarz und ihr Fokus richtete sich auf Grady.
Er kam auf Grady zu, wobei seine Schritte für einen solch großen Mann erstaunlich leichtfüßig waren. Als er drei Meter vom Tisch entfernt war, bemerkte Grady seinen Geruch. Er spürte, wie sein Herz schneller schlug und sein noch immer halberigierter Penis weiter anschwoll und gegen seinen Reißverschluss drückte. Gefährte! Heilige verdammte Scheiße. Ich begegne gerade meinem Gefährten! Mit ausdrucksloser Miene und froh darüber, dass er eine enge Jeans trug, die seine Erektion größtenteils verbarg, erhob er sich und streckte seine Hand aus. „Doktor Digby?“
Die schwarzen Augen bohrten sich in Gradys und der Mann nickte einmal. „Nennen Sie mich doch Gordon. Und wollen wir nicht einfach Du sagen?“
Du kannst zu mir sagen, was du willst! „Natürlich. Bitte, setz dich.“ Grady war stolz darauf, dass seine Stimme ruhig klang.
Gordon ließ sich auf die Bank sinken und ergriff die Speisekarte mit einer Hand. Die andere legte er um das Wasserglas vor sich. „Gibt es hier etwas besonders Empfehlenswertes?“
„Eigentlich alles, aber die machen hier einen umwerfenden Cheeseburger mit Speck.“
Der Mann betrachtete wieder die Speisekarte, dann legte er sie weg. „Danke, dass du dich mit mir triffst. Ich brauche –“ Die Kellnerin erschien und Gordon verstummte.
Ein vorsichtiger Wandler. Lag das daran, dass er Psychiater war oder an seiner Erziehung? Gordon überraschte ihn erneut, als er einen Caeser Salad mit Hühnchen und eine Tasse heißen Schwarztee bestellte. Grady bestellte den Cheeseburger mit Speck und lehnte sich zurück, um den Mann zu begutachten, der ihm gegenübersaß. Falls Gordon die gleiche magische Anziehungskraft spürte wie Grady, ließ er es sich nicht anmerken. Eine weitere besondere Fähigkeit eines Psychiaters? Seine Reaktionen vor Patienten verbergen zu müssen würde diese Fähigkeit sicherlich fördern.
Da er herausfinden musste, ob er dem Mann irgendeine Reaktion entlocken konnte, schnurrte er geradezu: „Wonach suchst du, Gordon?“
Gordon öffnete den Mund, doch dann schloss er ihn wieder und räusperte sich.
Gut. Ich bin nicht der Einzige, der etwas spürt.
Der Doktor schluckte und versuchte es wieder. „Du weißt, dass Declan mich hergebeten hat, um den … Verletzten zu helfen.“
Grady nickte einmal. „Das habe ich gehört.“ Er hob seinen Kaffee an die Lippen und wartete. In seiner Laufbahn als Detective hatte er früh gelernt, andere die Pausen füllen zu lassen. Die meisten taten es aus Nervosität. Grady glaubte nicht, dass dies bei Gordon der Fall sein würde, aber Gewohnheiten ließen sich nur schwer ändern. Während Gordon einen Schluck von seinem Tee trank, betrachtete er Grady und der Detective konnte erkennen, dass der Mann sich seinen nächsten Schritt überlegte. Offenbar tat er nichts, ohne zuerst gründlich darüber nachzudenken. In sich hineinlächelnd fragte Grady sich, ob er dies ändern konnte.
„Ich habe einige schwierige Fälle“, gestand Gordon. „Ich würde gerne das Lagerhaus sehen, um zu wissen, wie sie untergebracht waren. Ich muss eine Vorstellung davon bekommen, was sie durchgemacht haben, damit ich ihnen helfen kann.“
„Und du glaubst, das Lagerhaus zu sehen, wird dir dabei helfen?“
Gordon seufzte, nippte an seinem Tee und runzelte die Stirn. „Es ist einen Versuch wert.“
Der Psychiater war sich nicht sicher. Vielleicht griff er auch nach Strohhalmen, aber Grady war das egal. Der Versuch hatte Gordon zu ihm geführt, also war er dankbar. „Es ist kein hübscher Anblick“, fühlte er sich verpflichtet zu warnen.
„Daran hege ich keinen Zweifel.“
Die Unterhaltung geriet einige Momente ins Stocken, als ihr Essen kam und sie sich beide darüber hermachten. Grady ließ die Stille andauern, zufrieden damit, seinen Gefährten zu riechen und sein Essen zu genießen. Plötzlich kam ihm der Gedanke, dass Gordon die Anziehungskraft zwischen ihnen vielleicht deshalb nicht eingestand, weil er nicht schwul war. Oder vielleicht war er nicht geoutet. Grady würde es herausfinden müssen, aber nicht an einem so öffentlichen Ort. Er war nicht schüchtern, wollte den Mann jedoch nicht in Verlegenheit bringen. Wenn er mit ihm alleine war, würde er einen Vorstoß wagen.
„Wann willst du dir das Lagerhaus ansehen?“
Gordons Gabel verharrte auf halbem Weg zu seinem Mund, als er darüber nachdachte. „Ich habe heute Nachmittag einige Termine. Kann mich heute Abend jemand dorthin begleiten?“
Der Gedanke, dass jemand anderer Gordon durch den Wald begleitete, ließ Gradys Nackenhaare kribbeln. Er konnte nicht verhindern, dass seine Augen schmal wurden, doch er sorgte dafür, dass seine Stimme nicht gereizt klang. „Natürlich. Sag mir wann und wo, dann werde ich dich abholen.“
„Oh. Ich wollte nicht, dass du deinen vollen Tagesplan durcheinanderbringen musst, um mich zu begleiten. Sicher kann jemand anders –“
„Unsinn, Gordon“, unterbrach Grady ihn. „Ich war dort, als wir die Wilderer dingfest gemacht haben. Es macht doch nur Sinn, dass ich dich hinführe. Also, wann und wo?“ Er lächelte Gordon charmant an und sah, wie der seufzte.
Dann nickte der Mann. „Also gut. Ich wohne im Motel Six am Stadtrand. Zimmer drei-eins-fünf. Passt dir heute Abend um sieben?“
„Ich könnte dich um sechs abholen, dann könnten wir zuerst noch zu Abend essen“, bot Grady an.
„Nein, danke. Das wird nicht nötig sein.“ Gordons Lächeln wirkte gezwungen, eine Botschaft an Grady, sich verdammt noch mal zurückzuhalten.
Er hatte nicht die Absicht, seinen Gefährten in die Flucht zu schlagen. Grady lächelte und nahm seine Rechnung, ließ dabei Gordons auf dem Tisch liegen, damit der nicht dachte, dass er dieses Essen zu einem Date zu machen versuchte. „War nur ein Vorschlag.“ Er erhob sich, ging um den Tisch herum und beugte sich vor. „Zieh etwas Bequemes zum Wandern an. Die Wilderer haben Quads benutzt, um hin und zurück zu gelangen, und ich habe keins.“ Er zögerte, als würde er nachdenken, dann sagte er: „Es sei denn, du möchtest dich verwandeln.“
Ohne dem Psychiater die Gelegenheit zu einer Antwort zu geben, ging Grady zur Kasse, um sein Essen zu bezahlen.
Als er zurück auf dem Revier war, griff er nach dem Telefon. Er wählte eine Nummer, dann wartete er darauf, dass sich der Anrufbeantworter meldete. Zu seiner Überraschung antwortete stattdessen eine Stimme mit starkem englischem Akzent. „Zwölf Jahre. Womit verdiene ich die Unterbrechung?“
Die glatte, tiefe Stimme schnurrte geradezu ins Telefon und brachte Grady zum Lächeln. „Ich hätte eine Nachricht hinterlassen, Tanis. Warum bist du rangegangen?“
„Ich schulde dir etwas und hatte schon geglaubt, du wärst gestorben. Rufst du an, um die Schulden einzutreiben?“
Als er sich an sein Problem erinnerte, wurde Grady ernst. „Ja. Ich habe einen Namen. Ich muss alles wissen, was du finden kannst.“
„Wird erledigt. Schick alles, was du hast, auf mein Fax.“
Grady nickte. „Du bekommst es in weniger als dreißig Minuten. Noch etwas.“ Obwohl ihm Stille entgegenschlug, wusste er, dass sein Gesprächspartner noch da war. „Die Daten werden vermutlich falsch erscheinen. Das sind sie aber wahrscheinlich nicht.“
„Ah … Jemand wie du?“
Grady erinnerte sich, dass er sich hatte verwandeln müssen, um sich selbst und Tanis zu retten. Nun, er hatte es getan, um sich vor den Aufständischen zu retten, die ihn in Bagdad gefangen genommen hatten. Tanis war mit ihm in diesem Loch gelandet, also hatte Grady ihn entweder zu Verschwiegenheit verpflichten oder töten müssen. Da Grady aus den wirren Worten des Mannes während dessen Fieberträumen erfahren hatte, dass Tanis ein Auftragskiller war, nahm er an, dass er ein Geheimnis bewahren konnte. Außerdem konnte es recht praktisch sein, bei jemandem etwas gut zu haben, der mit Informationsbeschaffung und Auftragsmorden zu tun hatte. „Ja. So in der Art.“ Ein stiller Moment verging und Grady konnte sich das abschätzende Leuchten in Tanis’ braunen Augen gut vorstellen.
„Deine Art ist nicht die einzige?“, fragte er, langsam und ruhig.
„Nein.“
„Also gut. Das wird interessant.“ Grady hörte die Belustigung in Tanis’ seidiger Stimme. „Ich denke, ich fühle mich geehrt, dass du dich damit mir anvertraust.“
„Ich weiß, dass du diskret sein kannst“, erwiderte Grady gelassen.
„Ja. Ich werde dich bald kontaktieren.“
Die Verbindung wurde beendet. Verdammt, er hätte nie gedacht, dass er diesen Gefallen tatsächlich einmal einfordern müsste, aber Grady hatte so eine Ahnung, dass er ein wenig Hilfe brauchen würde, um etwas über seinen geheimnisvollen Gefährten zu erfahren.
VerdammteverfickteScheiße! Nein. Nein, das durfte nicht passieren. Er würde es nicht zulassen. Er brauchte keinen Gefährten, wollte keinen Gefährten. Und ganz bestimmt wollte er keinen Gefährten, der ein Cop war. Die Erinnerung an viel zu viele Leichen im Keller drohte ihn zu ersticken, und Gordon bemühte sich, sein rasendes Herz zu beruhigen. Er schloss die Augen und konzentrierte sich darauf, lange und tief durchzuatmen. Schließlich hatte er sich wieder unter Kontrolle, öffnete die Augen und bemerkte, dass das Glas in seiner Hand einen Sprung hatte.
