Der Duft nach Heu - Roswitha Gruber - E-Book

Der Duft nach Heu E-Book

Roswitha Gruber

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Beschreibung

Wie war eigentlich das Leben früher, als unsere Großmütter noch jung waren? Roswitha Gruber ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Sie hat mit zahlreichen Frauen gesprochen, die ihre berührenden, spannenden, manchmal traurigen, aber immer faszinierenden Geschichten erzählen. Wir erfahren, wie das Leben auf dem Land, die Schulzeit und das Erwachsenwerden in einer Großfamilie zur damaligen Zeit waren. In ihrem vierten Buch aus der Reihe "Großmütter erzählen" gibt die Autorin einen Bericht von unschätzbarem Wert, der jedem nahe geht.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2015

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LESEPROBE zu

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Rosenheimer Verlagshaus erschienenen Originalausgabe 2015

© 2015 Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Rosenheim

www.rosenheimer.com

Titelbild: © Andy Dean – Fotolia.com

Lektorat: Christine Weber, Dresden

Worum geht es im Buch?

Roswitha Gruber

Der Duft nach Heu

Großmütter erzählen

Wie war eigentlich das Leben früher, als unsere Großmütter noch jung waren? Roswitha Gruber ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Sie hat mit zahlreichen Frauen gesprochen, die ihre berührenden, spannenden, manchmal traurigen und immer faszinierenden Geschichten erzählen. Wir erfahren, wie das Leben auf dem Land, die Schulzeit und das Erwachsenwerden in einer Großfamilie zur damaligen Zeit waren. In ihrem vierten Buch aus der Reihe »Großmütter erzählen« gewährt uns die Autorin einen Einblick von unschätzbarem Wert.

Roswitha Gruber widmet sich der Schilderung starker Frauen mit außergewöhnlichen Lebensgeschichten. Für jeden ihrer Romane nähert sie sich in intensiven Gesprächen dem Schicksal ihrer Protagonistinnen an. Roswitha Gruber lebt und arbeitet in Reit im Winkl.

Herrn Dr. Florian Hartmann gewidmet

Inhalt

Vorwort

Ein Wildfang wird gezähmt

Großmutters Liebling

Der Jugendschwarm

Die Kuhflüsterin

Ein Leben im Dienste des Wassers

Der Dorfbach

Der Geißenpeter

Klein – aber oho!

Ein dramatischer Transport

Ein Wiener Mädel

Ein Paradies mit Duftnote

Flucht und Vertreibung

Das gerettete Dorf

Vorwort

Es ist schon einige Jahre her, da habe ich mir von vielen Großmüttern aus ihrer Kindheit und Jugend berichten lassen. Daraus sind drei Bücher entstanden, mit dem Titel bzw. Untertitel »Großmütter erzählen«.

Noch heute erfreuen sich diese Bücher großer Beliebtheit, was ich durch zahlreiche Rückmeldungen per Brief, E-Mail oder Telefon erfahre. Da die Leute durchweg den Wunsch anhängen: »Ich würde zu gern weitere solcher Geschichten lesen«, habe ich mich entschlossen, einen vierten Band zu verfassen.

Diesmal kommen Frauen zu Wort, die zwischen 1905 und 1934 geboren sind. Es sind Frauen, die ihre Kindheit in der Großstadt, in einer Kleinstadt oder auf dem Lande verbracht haben und aus verschiedenen Regionen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Luxemburgs kommen. Ihnen allen ist aber gemeinsam, dass ihr Leben durch die beiden Weltkriege in irgendeiner Weise beeinflusst wurde.

Obwohl sie aus sehr unterschiedlichen sozialen Verhältnissen stammen, haben die Frauen weitere Gemeinsamkeiten: Gehorsam, Fleiß und Sparsamkeit waren die Tugenden, die man allen beigebracht hatte und die sie ihr Leben lang beibehielten.

Mit diesem Buch möchte ich Ihnen aber nicht nur Unterhaltung bieten, ich sehe es auch als geschichtlichen Rückblick. Den jungen Leuten möchte ich vermitteln, wie die Menschen in einer Zeit gelebt haben, die noch gar nicht so weit zurückliegt. Ich möchte ihnen die Sitten, Gebräuche und Lebensbedingungen ihrer Groß- und Urgroßmütter vorstellen und damit aufzeigen, dass diese, obwohl sie noch ohne elektrisches Licht oder Wasserleitung, ohne Telefon oder Fernseher, ohne Computer oder Tablet-PC auskommen mussten, durchaus zufriedene Kinder waren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim LesenRoswitha Gruber

Ein Wildfang wird gezähmt

Irma, Jahrgang 1930, aus Schweinberg/Nordbaden

Das Dorf, aus dem ich stamme, war damals ein reines Bauerndorf mit etwa 600 Einwohnern. Es bestand aus einigen größeren Landwirtschaften und vielen kleineren. Unser Anwesen muss für die damalige Zeit ein recht großes gewesen sein, und wir müssen zu den wohlhabenderen Leuten im Dorf gezählt haben. Denn ich erinnere mich, dass in meiner frühen Kindheit oft »arme Leute« aus dem Dorf kamen, um bei uns als Tagelöhner zu arbeiten. Die Frauen halfen im Haushalt und die Männer auf dem Feld. Dort brauchte man viele fleißige Hände, da es noch so gut wie keine Landmaschinen gab. Wir besaßen lediglich eine altersschwache Dreschmaschine. Die war so einfach konstruiert, dass sie das ausgedroschene Stroh lose wieder ausspuckte. Daher war man genötigt, es mühsam von Hand zu Ballen zusammenzubinden.

Aber ab Mitte der Dreißigerjahre kam jedes Jahr eine große Dreschmaschine ins Dorf, die war schon ganz modern. Sie arbeitete wesentlich schneller als unsere, und bei ihr kam das Stroh bereits gebündelt wieder heraus. Für zwei bis drei Tage arbeitete diese Maschine auf unserem Hof, dann fuhr sie weiter zum nächsten Bauern.

In unserer Gegend baute man hauptsächlich Roggen, Weizen, Hafer und Dinkel an. Auf unserem steinigen, kalkhaltigen Boden gedieh der Dinkel besonders gut; daraus wurde Grünkern gemacht. Solange er noch nicht voll ausgereift war – wenn man die Körner quetschte, mussten sie im Innern noch milchig sein –, wurde er mit der Sichel geschnitten, nicht mit der Sense. Dinkel wurde auch nicht gedroschen. Die Körner wurden mittels einer Reffe aus den Ähren gedrückt. Das war ein etwa ein Meter breites Gerät mit dreieckigen Eisenzacken, eine neben der anderen auf einer Holzleiste montiert. Büschel für Büschel wurde der Dinkel per Hand durch die Eisenzähne gezogen, sodass die Körner in die darunterstehende Kiste fielen. Das haben meine Eltern so gemacht, vor ihnen ihre Eltern und davor schon deren Eltern. Es handelte sich also um eine ganz alte überlieferte Technik.

Anschließend wurden die Körner auf die Darren – vielleicht drei Meter breite und fünf bis sechs Meter lange Eisenbleche – geschüttet. Unter diesen entfachte man Feuer, um die Körner zu trocknen. Da diese Bleche rundum offen waren, konnte die Feuchtigkeit ungehindert abziehen. Es gab lediglich als Regenschutz ein Dach darüber, das auf vier Eisenpfosten ruhte. Drei bis vier Stunden dauerte es mindestens, bis der Dinkel gedörrt war. Von der Darre wanderte er in die Mühle. Genauer gesagt, er wurde vom Müller aus dem Nachbardorf abgeholt, in unserem Dorf gab es nämlich keine Mühle. Durch den Nachbarort floss ein etwas größerer Bach, der so reichlich Wasser führte, dass er eine Mühle antreiben konnte. Das hätte unser bescheidener Bach nicht geschafft.

Mit seinen zwei Rössern und einem Wagen hinten dran zockelte der Müller von Dorf zu Dorf, sammelte die Säcke mit Getreide ein und brachte später das Mehl dafür zurück.

Dinkel konnte man vielseitig verwenden: Einen Teil ließ man fein, einen anderen Teil grob mahlen. Eine Grünkernsuppe von grobem Mehl, mit einem Stück Rauchfleisch darin, war nicht nur für uns Kinder eine Köstlichkeit. Heute noch esse ich sie gern; erst gestern habe ich wieder eine Grünkernsuppe gekocht, als zwei meiner Enkel mich besuchten. Welche Freude, zu sehen, wie die beiden Buben gefuttert haben!

Aus dem feiner gemahlenen Grünkern stellte man Grünkernküchli her. Zuerst weichte man das Mehl in Wasser ein, damit es schön aufquoll, dann gab man Eier, etwas Salz und Weizenmehl hinzu, verknetete alles zu einem Teig, formte runde Küchlein und backte sie in der Pfanne, ähnlich wie Kartoffelpuffer (Kartoffelpfannkuchen).

Auch beim Brotbacken wurde immer ein Teil Grünkernmehl dazugegeben. In unserer Küche stand ein großer Ofen, oben befand sich eine Eisenplatte mit herausnehmbaren Ringen, die als Kochherd diente. Darunter befand sich der Backofen, bestehend aus zwei Etagen; in jede passten sechs große Brote. Seitlich befand sich ein Wasserschiff, sodass man jederzeit warmes Wasser vorrätig hatte. Alle acht bis zehn Tage mussten zwölf Laibe Brot gebacken werden, denn von dem Brot aßen ja auch die Frauen mit, die bei uns im Haushalt halfen, und deren Kinder, die oft zu den Mahlzeiten bei uns erschienen. Kurz bevor der neue Dinkel geerntet wurde, verkaufte man den Rest vom Vorjahr. Das war stets eine schöne Einnahmequelle.

Daran, dass in meinem Elternhaus die ersten Wasserleitungen verlegt wurden, kann ich mich noch erinnern, da muss ich gut drei Jahre alt gewesen sein. Vorher hatte man das Wasser mit großen »Stützen« von unserem Brunnen geholt, aus dem sich das halbe Dorf mit Wasser versorgte. Ein zweiter Brunnen versorgte die andere Hälfte der Einwohner. Die Stützen, die man nutzte, bestanden aus Blech. Man muss sie sich ähnlich vorstellen wie die Butten, welche die Winzer heute noch auf dem Rücken haben, um die Trauben aus dem Weinberg zu tragen. Mit diesen Stützen wurde das Wasser in die Küche gebracht und in den dort befindlichen, großen runden Holzbottich geschüttet. Diesen Bottich behielt man ständig im Auge, damit das Wasser nie zur Neige ging. Mit einem kleinen Holzfass konnte man bei Bedarf etwas aus dem Bottich schöpfen – das ist die früheste Erinnerung, die ich habe. Der Dorfbrunnen hatte eine Pumpe, mit der man Wasser nicht nur in die Stützen pumpte, sondern auch in den davor stehenden Trog, der als Viehtränke diente. Einmal täglich trieb jeder sein Vieh dorthin, damit es sich vollsaufen konnte. Die beiden Brunnen waren sehr tief und sind nie versiegt, selbst in den trockensten Sommern nicht.

Nachdem die Wasserleitung gebaut war, gestaltete sich das Leben natürlich viel angenehmer und bequemer. Bald wurde auch die Feldarbeit einfacher. Im Jahre 1936 kaufte mein Vater eine Landmaschine, als Erster im Dorf! Diese diente zum Mähen des Getreides und des Grases, eine enorme Erleichterung gegenüber dem Mähen mit der Sense. Allerdings nahm sie uns nicht die Mühe des Garbenbindens oder des Heuwendens ab, und auch nicht das Aufladen.

Wie alles in der Welt hatte auch das Aufkommen der Landmaschinen seine Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite entlastete es die Feldarbeiter, die sonst schwer schuften mussten, andererseits machte es viele Kleinbauern »brotlos«, denn die großen Bauern brauchten von da an nicht mehr so viele Hilfskräfte. Nur wenige von diesen fanden ein neues zusätzliches Einkommen in den nahe gelegenen Steinbrüchen. Zum Glück entstanden aber kurz darauf in der Umgebung einige Fabriken, die neue Arbeitsplätze boten. Da viele Leute nur nach Dienstschluss ihre kleinen Betriebe bewirtschaften konnten, wurden sie »Feierabendbauern« genannt.

Die ganze Technisierung in der Landwirtschaft habe ich genauestens verfolgen können, das Einsetzen neuer Maschinen ging ja in rasantem Tempo weiter. Man kann sagen, eine Tradition vieler Jahrhunderte ist innerhalb weniger Jahrzehnte völlig umgekrempelt worden. Mein ältester Bruder, der eigentlich dafür vorgesehen war, unseren Betrieb zu übernehmen, heiratete in einen Aussiedlerhof ein, den er in technologischer Hinsicht immer wieder auf den neuesten Stand brachte. Sein Sohn hat diese Entwicklung weitergeführt und besitzt heute einen sehr modernen Bauernhof mit viel Vieh. Fast alles ist heutzutage computergesteuert. In Deutschland schreitet die Entwicklung hin zu solchen Betrieben jedoch nach wie vor eher langsam voran. Es ist für mich noch immer unfassbar, dass sich diese Entwicklung innerhalb einer einzigen Generation vollziehen konnte.

Da meine Eltern immer genügend Helfer hatten, musste ich bis zum Kriegsausbruch nie irgendwie mitarbeiten. Soweit ich zurückdenken kann, besuchte ich den Kindergarten. Der Tagesablauf dort war natürlich ganz anders als heute: Unser Kindergarten war eine reine »Aufbewahrungsanstalt«. Die Bauern waren jedoch froh, dass sie ihre Kinder morgens dort »abgeben« konnten, damit diese den ganzen Tag über »aus den Füßen« waren. Dennoch empfand ich die Jahre dort als eine sehr schöne Zeit. Der Kindergarten wurde von Ordensschwestern geleitet, die sich uns gegenüber sehr gütig verhielten.

Ab Ostern 1937 besuchte ich unsere kleine Dorfschule, in der es zwei Lehrer gab. Der Jüngere von ihnen unterrichtete die ersten vier Jahrgänge, der andere die Oberstufe. Als schon kurz nach Kriegsausbruch der jüngere Lehrer eingezogen wurde, musste sein Kollege achtzig bis neunzig Kinder gleichzeitig unterrichten. Da diese gar nicht alle in einen Raum passten, beließ er sie in den beiden Klassensälen, zwischen welchen er hin- und herpendelte. Während er die eine Gruppe unterrichtete, musste die andere Stillarbeit machen. Die Unterstufe wurde von einem zuverlässigen Schüler der vierten, die Oberstufe von einem der achten Klasse beaufsichtigt. Wenn es dennoch mal laut geworden ist, kam der Lehrer herübergesaust wie ein Donnergott. Dann war es gleich wieder mucksmäuschenstill, und wir saßen da, als könnten wir kein Wässerchen trüben.

Unsere Mutter hat uns sehr sozial erzogen. Sie lehrte uns, gut zu den Armen zu sein und mit ihnen zu teilen. Wenn wir beispielsweise geschlachtet hatten, mussten wir in einige Häuser Wurstsuppe und ein paar Würste bringen. Die Kinder derjenigen, die bei uns arbeiteten, lud meine Mutter immer wieder zum Essen ein. Die Kleinen saßen dann zwischen uns in dem großen Wohnzimmer um den langen Tisch mit der Eckbank. Mutter ermahnte uns stets, dass wir uns nichts darauf einbildeten, bessergestellt zu sein. »Wir gehören alle zusammen«, höre ich noch heute ihre Worte. »Wir sind alle gleich viel wert, und dafür, dass wir mehr haben als andere, müssen wir dankbar sein. Das ist kein Grund, auf andere herabzusehen.«

Auch in der Schule wurde diese Erziehungslinie vertreten. Unsere Lehrer achteten ebenfalls darauf, dass es zwischen den Kindern keine »Klassenunterschiede« gab. Weil ich so erzogen worden bin, versuchte ich später, auch meinen Kinder diese Werte beizubringen: Sie halfen von klein auf im Haushalt mit, nach dem Motto »Früh übt sich«. Sie sollten alles von Grund auf lernen – abgesehen davon, dass man in einer Familie mit sieben Kindern Hilfe gut brauchen kann. Dabei machte ich nie einen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Meine Söhne mussten genauso abspülen, staubwischen und putzen wie ihre Schwestern. Einmal bin ich arg mit meinem Schwiegervater aneinandergeraten. Als er beobachtete, wie die Buben in der Küche mit anpackten, warf er mir vor: »Du ziehst Waschlappen groß.«

Energisch vertrat ich meine Meinung: »Es kann den Buben gar nicht schaden, wenn sie mit den Arbeiten im Haus vertraut sind.«

Das ließ der alte Patriarch nicht gelten. Mit ziemlicher Entrüstung versuchte er, mich umzustimmen: »Nein, was du machst, ist völlig falsch. Einem Mädchen kann man alles zumuten, aber ein Bub muss immer bevorzugt behandelt werden, dem bricht sonst das Herz.«

Auch dadurch ließ ich mich nicht von meinem Standpunkt abbringen. Schließlich konnten sie das, was ich ihnen beibrachte, im späteren Leben mal brauchen. Und wenn nicht, wäre es umso besser.

Noch ein Wort zu meinen Großeltern. Die Eltern meines Vaters lebten mit uns im Hause – genauer gesagt, lebten wir in ihrem Hause, denn mein Vater hatte den Betrieb von seinen Eltern übernommen. An den Großvater erinnere ich mich nur undeutlich, ich war ja erst drei Jahre alt, als er im Alter von neunundsechzig Jahren starb. Die Oma grämte sich so über seinen Tod, dass sie im Jahr darauf im Alter von nur zweiundsechzig Jahren ebenfalls gestorben ist.

An meine anderen Großeltern habe ich noch sehr lebhafte Erinnerungen. Sie wohnten in dem Haus neben unserem, denn meine Mutter hatte direkt ins Nachbarhaus eingeheiratet. Bei diesen Großeltern verbrachten wir viel Zeit. Sie waren sehr gütig zu uns Kindern, und von diesem Großvater lernte ich viel: nicht zuletzt, dass man keine Angst haben soll. Wenn man mal etwas Unbekanntes entdecke, so meinte er, solle man darauf zugehen. Denn oft entpuppe sich das, was man fürchtet, als etwas völlig Harmloses. Wenn man sich aber in die Angst hineinsteigere, würde man für lange Zeit unnötig darunter leiden. Diese Belehrung kommt mir heute noch zugute. Wenn ich nachts durch ein Geräusch aufwache, stehe ich auf und schaue nach, anstatt mich ängstlich in meine Kissen zu verkriechen. Dann ist das vielleicht ein Rollladen, der klappert, oder ein Fenster, das nicht richtig geschlossen ist und an das der Wind peitscht. In dem Fall mache ich es zu und kann beruhigt weiterschlafen.

Mit diesem Rat hat mir der Großvater wirklich etwas Gutes vermittelt, was ich mit Erfolg an meine Kinder weitergegeben habe. Erst kürzlich erzählte mir eine meiner Töchter, sie sei in der Nacht durch einen lauten Schlag aufgewacht. Ihre erste Reaktion sei gewesen, den Kopf in den Kissen zu vergraben. Während sie dann mit wild klopfendem Herzen irgendetwas Schlimmes erwartete, habe sie an mich und meinen Großvater denken müssen, hätte daraufhin all ihren Mut zusammengenommen und sei aufgestanden, um nachzuschauen. Doch es war nur ein Blumentopf, der am Boden lag und aus unerfindlichem Grund von der Fensterbank gefallen sein musste. Erleichtert legte sie sich wieder hin und konnte wohl auch sogleich wieder einschlafen. So wirken also die Lehren meines Großvaters mindestens noch eine Generation weiter.

Ganz besonders schätzte ich an ihm, dass er uns nicht nur trockene Belehrungen mitgab, sondern sie allesamt mit spannenden Geschichten ausmalte. So waren sie leichter verständlich, und man konnte sie besser behalten. An eine seiner Geschichten erinnere ich mich besonders gern.

Als Großvater noch ein junger Bursche war, befand er sich einst in der Nacht, zur Zeit der Schneeschmelze, von einem auswärtigen Bauernhof auf dem Weg nach Hause. Der Mond schien zwar hell, aber der junge Mann musste durch einen dunklen Wald, den das Mondlicht kaum durchdringen konnte. Plötzlich erblickte er auf dem Boden Sternchen, die immer wieder vor ihm her zu huschen schienen. Mit Schrecken fiel ihm ein, dass in der Umgebung allgemein behauptet wurde, in diesem Wald würde eine Hexe ihr Unwesen treiben. Im ersten Moment dachte er daran, diesen Ort des Grauens so schnell wie möglich zu verlassen.

Dann aber gab er sich einen inneren Ruck und sprach sich selbst Mut zu: »Ach, was, das ist doch alles Unsinn.« Entschlossen bewegte er sich direkt auf den Spuk zu, um ihn zu untersuchen.

Und was erkannte er? – Der Mond war an allem schuld. Die wenigen Strahlen, die das Geäst durchdringen konnten, schienen auf das dahinfließende Schmelzwasser, das sich seinen Weg auf dem Waldboden zwischen und über Kieselsteinen hinweg suchte, weswegen die Kieselsteine immer wieder aufblitzten. Erleichtert setzte er seinen Weg fort.

So erklärte uns der Großvater immer wieder Naturphänomene und nahm mir die Angst vor vielem, was mir unbekannt war. Er zeigte sich auch erfahren in anderen Dingen. Wenn die Leute z. B. krankes Vieh im Stall hatten, riefen sie nicht den Tierarzt, sondern unseren Großvater, der sehr oft die richtige Diagnose stellen und sogar eine wirksame Therapie verordnen konnte.

Als die Großeltern nicht mehr in der Lage waren, für sich selbst zu sorgen, verbrachten sie ihre Tage bei uns daheim. Zum Schlafen kehrten sie jedoch jeden Abend in ihr eigenes Bett zurück.

Im Winter hatten wir Schüler es ganz gut, so empfanden wir das damals jedenfalls. Im Winter 1940/41 und im Winter 1941/42, in denen wir mit viel Schnee und lang anhaltender eisiger Kälte zu kämpfen hatten, gab es »Kohleferien«, die stets von Weihnachten bis Fastnacht währten. Diese »Freiheit« wussten wir zu genießen: Jeden Tag gingen wir zum Rodeln oder zum Schlittschuhlaufen auf den gefrorenen Wasserflächen. Ich gehörte zu denen, die immer vorneweg waren. Mein ältester Bruder besaß verstellbare Schlittschuhe, die ich mir immer wieder ausborgen durfte und mit denen ich so schnell sauste, dass mich kaum einer einholte.

Ab Sommer 1944 bekamen wir gar keinen Unterricht mehr, weil Soldaten in unserem Schulhaus einquartiert worden waren. Deshalb verschwand auch der verbliebene Lehrer aus unserem Ort; ob er an eine andere Schule gekommen oder trotz seines fortgeschrittenen Alters noch eingezogen worden ist, habe ich nicht erfahren.

Zu Ostern im Folgejahr sollte mein Jahrgang aus der Schule entlassen werden. Deshalb wurde ein paar Wochen vorher von irgendwoher ein Lehrer entsandt, bei dem wir vierzehn Tage lang täglich zwei Stunden Unterricht im Rathaussaal absaßen. Dann wurden uns die Abschlusszeugnisse in die Hand gedrückt, und man entließ uns mit guten Wünschen hinaus ins Leben.

Schon bald danach merkten wir, dass der viele Unterrichtsausfall, den wir Schüler sichtlich genossen hatten, in Wirklichkeit einen großen Nachteil für uns bedeutete. Überall klafften Lücken in unserem Wissen.

Aber schauen wir zurück in meine unbeschwerte Kindheit. Sämtliche Kinder des Dorfes waren befreundet, und wenn die »Winterspiele« sich mangels Schnee, Eis und Kälte dem Ende zuneigten, gab es genug anderes, was man gemeinsam spielen konnte: Verstecken und Fangen, mit Bällen und Kreiseln, Kästchenhüpfen oder Seilspringen. Ließ es die Witterung mal nicht zu, dass man sich im Freien aufhielt, trieben wir unser Unwesen in Scheunen und auf Heuspeichern, was von den Besitzern allerdings nicht gern gesehen wurde.

Ich war stets ein kleines und zierliches Kind. Selbst auf dem Abschiedsklassenbild ist zu erkennen, dass ich noch einen Kopf kleiner bin als die Schüler von durchschnittlicher Größe. Dieses Manko wusste ich aber immer durch meine Lebhaftigkeit, durch Schnelligkeit und kleine Tricks auszugleichen. Behände wie ein Eichhörnchen kletterte ich auf Bäume, sodass die Buben kaum nachkamen, und auch beim Fangenspielen war ich flink wie ein Wiesel und wurde selten erwischt. Deshalb hatte ich nie Probleme und litt zu keiner Zeit unter meinem »Zwergwuchs«. Anders jedoch meine Mutter – das erfuhr ich aber erst, als ich bereits sechzehn war. In dem Alter steckte ich nämlich mitten in einer Wuchsphase und holte die meisten meiner Alterskameraden ein. Darüber zeigte meine Mutter riesige Freude. Sie gestand mir, dass sie schon befürchtet hätte, ich würde mein Leben lang so klein bleiben.

Innerhalb unserer Geschwisterschar bestand ein guter Zusammenhalt, vor allem fühlten die Älteren sich immer ein wenig verpflichtet, auf die Jüngeren aufzupassen, ihnen Schutz und Geborgenheit zu geben – auf dem Weg zum Kindergarten oder zum Unterricht, in der Schule oder auf dem Pausenhof, aber auch am Nachmittag beim Spielen mit den Nachbarskindern. An den langen Winterabenden saßen wir Geschwister gern zusammen am Küchentisch und vergnügten uns mit allerlei Brett- oder Kartenspielen. Den Eltern blieb leider nur wenig Zeit, sich daran zu beteiligen. Unsere Mutter saß meist dabei, stopfte Strümpfe oder besserte Wäsche aus.

Der Vater saß oft auf der Ofenbank, band Reisigbesen oder drehte Strohseile, mit denen er im nächsten Sommer Garben binden wollte. Das Stroh hatte er vorher mit Wasser bespritzt, damit es geschmeidiger wurde. Immer, wenn er fünfzig fertig hatte, bündelte er sie und lagerte sie in der Scheune in einem Kasten. Kurz vor dem Krieg gab es jedoch eine Neuerung. Ab da brauchte der Vater nicht mehr so aufwendig Strohseile zu drehen. Zum Garbenbinden verwandte man nun »Strickchen«. Das waren dickere Kordeln, die an einem Ende mit einem Hölzchen versehen waren. Die Strickchen legte man um das Strohbündel, wand das freie Ende um das Hölzchen und zurrte das Ganze fest. Zum Schluss wurde das freie Ende zu einer Schleife gebunden; diese ließ sich kurz vor dem Dreschvorgang leicht öffnen, sodass man die Strickchen nicht zu zerschneiden brauchte und sie wiederverwenden konnte.

Unsere Schulentlassung war, wie bereits erwähnt, Ende April 1945, also noch im Krieg. Man hatte es deshalb so eilig mit unserem Abschluss, weil man uns noch einsetzen wollte. Die Buben kamen zum Landsturm, so nannte man das damals, glaube ich. Sie wurden sogleich in eine Ausbildung gesteckt, wo sie lernten, mit Panzergranaten umzugehen. Die Mädchen wurden hauptsächlich in landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt.

Für mich machte das keinen Unterschied. Gleich mit Beginn des Krieges musste ich zu Hause Unterstützung leisten, weil die Arbeitskräfte knapp wurden. Alle wehrfähigen Männer – das waren natürlich die, die auch am besten schaffen konnten – mussten weg. So sind bereits am ersten Kriegstag drei Onkel von mir eingezogen worden, ein Bruder meines Vaters und zwei Brüder meiner Mutter, dazu einer unserer Knechte. Das hieß für mich, dass ich im Alter von neun Jahren von heute auf morgen einen Berg Pflichten zu übernehmen hatte. Meine Hauptaufgaben im Stall waren das Füttern, Misten und Melken; ich musste aber auch mit aufs Feld, um Rüben zu ziehen und zu hacken, Getreide zu ernten, Heu zu machen. Eines muss ich aber zugeben: So schwer wir auch mithelfen mussten, und egal wie viel Arbeit anstand, unsere Mutter hat immer darauf geachtet, dass uns gegen Abend noch zwei Stunden zum Spielen blieben.

Nach meiner offiziellen Schulentlassung durfte ich also auf dem heimischen Hof als vollwertige Arbeitskraft verbleiben. Dass ich auch einen Beruf erlernen konnte oder gar wollte, daran dachte in diesen wirren Zeiten niemand, erst recht nicht, da ich noch so klein und schmächtig war.

Als am 8. Mai der Krieg endlich aus war, ging ein Aufatmen durch den ganzen Ort. Unser Dorf, an einer großen Durchgangsstraße gelegen, hatte während des Krieges jede Menge deutscher Panzer und Lastwagen vorbeirollen sehen. Nach dem Kriege donnerten die Fahrzeuge der Alliierten vorbei. Unser Bürgermeister war zum Glück so clever gewesen, rechtzeitig auf der alten Burgruine, die unser Dorf weithin sichtbar überragte, die weiße Fahne hissen zu lassen. Dadurch ist bei uns im Ort nichts zerstört worden. Im nächsten Dorf aber stürzten sich einige Bewohner mit Panzerfäusten auf die amerikanische Besatzung, woraufhin deren Häuser weitgehend zerschossen wurden.

Nach Kriegsende kamen viele Leute aus der Stadt zum »Quanteln«. So nannte man es, wenn die Städter alles Mögliche anschleppten, was sie noch gerettet hatten, um es gegen Lebensmittel einzutauschen. Sie kamen in solchen Scharen, dass wir gar nicht jedem etwas geben konnten. Wir hatten ja selbst nicht mehr viel, da die Landwirtschaft ziemlich am Boden lag. Die Erträge waren weit zurückgegangen, da trotz all unserer Mühe die Bewirtschaftung nicht wie vorgesehen funktioniert hatte. Zudem musste jeder Landwirt ein festgelegtes Quantum an die Besatzungsmächte abliefern.

Wenn die Bevölkerung auch mehr oder weniger unter der Besatzung litt, so war es doch allemal besser als zur Zeit des Krieges. Jetzt brauchte man wenigstens nicht mehr um Leib und Leben zu fürchten. Nach und nach erschienen die Kriegsgefangenen wieder daheim, womit wieder männliche Arbeitskräfte für die Landwirtschaft zur Verfügung standen.

Aus der amerikanischen Besatzungszeit gibt es eine nette Begebenheit zu erzählen. Im Juli 1945 gingen meine beiden Schwestern und ich mit geschulterten Rechen und Heugabeln vom Feld nach Hause. Plötzlich kam uns ein Jeep entgegen, stoppte vor uns, und zwei Soldaten sprangen heraus. Einer zückte seinen Fotoapparat und fragte in gebrochenem Deutsch, ob er uns fotografieren dürfe. Lächelnd ließen wir es geschehen. Dann legten sie uns einen Zettel vor und baten darum, dass wir unsere Adresse darauf schrieben. Das taten wir unbesorgt. Die Soldaten bedankten sich und brausten wieder davon. Nach einigen Monaten erhielten wir einen Brief aus Amerika. Die Fotos von der Begegnung waren darin, für jede von uns eines. Dieses Bild ist für mich eine wertvolle Erinnerung an meine Mädchenzeit, weil es das einzige aus diesen Jahren ist. Wer hatte damals schon die Möglichkeit, zu fotografieren?

Sobald sich nach dem Krieg die Verhältnisse zu normalisieren begannen, äußerte ich den Wunsch, Wirtschafterin zu werden.

»Das schaffst du ja doch nicht«, beschnitt meine Mutter meinen Ehrgeiz. »Du bist doch heute dümmer als zu der Zeit, da du in die Schule gekommen bist.«

Diese Aussage kränkte mich sehr, bestärkte mich aber eher in meinem Wunsch. Immer wieder hieb ich in dieselbe Kerbe. Endlich, nachdem der Krieg schon zwei Jahre vorbei und ich mittlerweile groß und kräftig geworden war, hatten meine Eltern ein Einsehen. Sie schienen nun überzeugt davon, dass es für mich von Nutzen sei, wenn ich außer Landwirtschaft noch etwas lernte, und bemühten sich um einen angemessenen Ausbildungsplatz.

Im April 1947 brachten sie mich persönlich nach Heidelberg und steckten mich zu Ordensschwestern in ein Internat. Es ist möglich, dass ihr Sinneswandel daher kam, dass ich gegenüber meiner ältesten Schwester nicht benachteiligt werden sollte. Diese hatte noch während des Krieges zwei Winter lang die Bauernschule besuchen dürfen, eine Art Haushaltungsschule für Mädchen.

In Heidelberg bestand unsere Ausbildung aus einem theoretischen Teil und einem praktischen, wöchentlich hatten wir also eine bestimmte Anzahl Unterrichtsstunden zu absolvieren. Darüber hinaus wurden wir in der Küche beschäftigt, im Nähzimmer, im Bügelzimmer, in der Waschküche. Jede von uns musste auch eine gewisse Zeit an der Pforte Dienst tun, oder am Telefon. Wenn Besucher kamen, mussten wir sie beim Essen bedienen. Unsere Ausbildung war also sehr vielseitig.

Neben dieser Haushaltungsschule unterhielten die Schwestern ein großes Gymnasium. Für dessen Schüler sollten wir jeden Tag die »Schülerspeisung« zubereiten, aus Lebensmitteln, die in den ersten Nachkriegsjahren aus Amerika geschickt worden waren. In riesigen Kesseln wurde das Essen gekocht und auf den Hof geschleppt, wo wir es in der großen Pause austeilten. Jedes Kind hatte seinen Napf oder einen Teller und seinen Löffel dabei. Den einen Tag gab es eine Erbsensuppe, den andern Grießbrei mit Rosinen, den dritten Tag belegte Brötchen. Es wurde aber auch mal ein Nudel- oder Reisgericht gekocht. Das Programm wiederholte sich jede Woche.

Zugegeben, anfangs gefiel es mir in dieser Schule überhaupt nicht. Als ein an Freiheit gewöhntes Kind überfiel mich hinter den engen Klostermauern mächtiges Heimweh. Für mich bedeutete es eine riesige Umstellung, mich aus der Lockerheit der Landwirtschaft heraus an das strenge Gefüge der Klosterschule zu gewöhnen. Von zu Hause war ich es gewöhnt, die Treppe herunterzuhüpfen. Das wurde mir im Internat gleich untersagt. Ich war es gewohnt, laut zu sprechen; das wurde so lange gerügt, bis ich den gedämpften Umgangston angenommen hatte. Mit dem freien Herumstreunen durch Feld und Wald war es ebenfalls vorbei, allein durfte man das Schulgelände nicht verlassen. Folglich hatte man so gut wie keine Kontakte außerhalb der Schule. Wenn wir unseren freien Tag hatten, durften wir zwar spazieren gehen, aber immer nur in Gruppen, in Begleitung einer Nonne. Wir gingen also nicht eigentlich spazieren, sondern wurden »ausgeführt«. Dabei hatten wir gesittet zu schreiten und möglichst den Mund zu halten, Unterhaltungen unterwegs waren allenfalls im Flüsterton erlaubt.

Mit der Zeit gefiel es mir dennoch sehr gut bei den Schwestern. Sie waren zwar streng, aber gerecht, das imponierte mir. Außerdem verhielten sie sich uns gegenüber sehr mütterlich, sodass man sich mit jedem Anliegen zu ihnen traute. Ja, und dann gab es die vielen netten Kameradinnen. Mit einigen von ihnen schloss ich Freundschaften, die über Jahrzehnte erhalten geblieben sind. Leider sind die meisten dieser Freundinnen schon verstorben. Eine allerdings, die ich durch ihre Heirat aus den Augen verloren hatte, eine Bauerntochter aus dem Münsterland, habe ich auf wundersame Weise wiedergefunden. Mein ältester Schwiegersohn ist nämlich unmittelbarer Nachbar von ihr gewesen. Zufällig kamen wir auf sie zu sprechen. Das gab vielleicht ein Hallo, als wir uns wiedersahen!

Natürlich war es in dem Internat vorbei mit meinen Kletterpartien. Nur einmal konnte ich nicht widerstehen. Mit meinen Freundinnen Ruth und Erika promenierte ich durch den Park und entdeckte einen Pflaumenbaum, der nicht ganz abgeerntet war. In den höchsten Zweigen hingen noch überreife Pflaumen, auf diese fielen unsere begehrlichen Blicke. Alles, was weiter unten gehangen hatte, war offenbar vom Gärtner längst abgeerntet worden. Ohne jemanden zu fragen, begaben wir uns zum Geräteschuppen und zerrten eine große Leiter heraus. Mühsam schleppten wir diese zu dem Baum und stellten sie mit noch mehr Mühe an.

Die Leiter reichte leider nur bis zu den oberen Ästen, die zusehends dünner wurden, also kletterte ich im Geäst weiter. Als ich glaubte, einen sicheren Stand zu haben, begann ich, den Wipfel zu schütteln, damit die begehrten Früchte hinunterpurzeln konnten. Bedauerlicherweise war mir entgangen, dass der Ast, auf dem ich stand, morsch war. Kaum dass ich mit dem Schütteln angefangen hatte, brach er unter mir, und ich sauste in die Tiefe. Das Letzte, woran ich mich erinnere, war, dass ich auf den Füßen aufkam und dann nach hinten umkippte. Dann wurde es Nacht um mich.

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Ein Bauernleben

eISBN 978-3-475-54441-5 (epub)

Für die Familie Edelhofer steht der Hof über allem. Stets kommen er und die Gemeinschaft vor dem Schicksal des Einzelnen. Die Menschen, die auf ihm wohnen, erleben persönliche Tragödien, aber auch viel Freude und Liebe. So erzählt Roswitha Gruber von einem Leben voll Arbeit und Pflicht. Auf faszinierende Weise berichtet sie von schweren Aufgaben und Entscheidungen genauso wie von den schönen Erlebnissen. Dem Leser wird ein berührender Einblick in das Leben einer Familie auf ihrem Einödhof gewährt.

Die Kinder der Dienstmagd

eISBN 978-3-475-54356-2 (epub)

Die Magd Elisabeth und der Knecht Franz Lichtmannegger träumen davon zu heiraten. Doch beide wissen – zwei Dienstboten haben keine gemeinsame Zukunft. Als sich aber die Möglichkeit ergibt, einen Hof zu pachten, können sie als Bauersleute eine Familie gründen. Sie führen ein erfülltes, arbeitsreiches Leben. Ein großes Unglück zwingt Elisabeth und ihre Kinder jedoch zurück in den dienenden Stand. Einfühlsam und packend erzählt Roswitha Gruber die unterschiedlichen Lebenswege von Elisabeths Kindern und deren Nachfahren, zu denen auch die weltbekannte Jodelkönigin Maria Hellwig zählt.

Hanni

eISBN 978-3-475-54236-7 (epub)

Hanni, eine Magd aus dem Kanton Uri, heiratet den Witwer ihrer Schwester Maria, denn der Bergbauer braucht eine Mutter für sein Kind und eine Bäuerin für seinen Hof. Aus dieser anfänglichen Zweckgemeinschaft entwickelt sich eine tiefe Liebe, aus der im Laufe der Jahre zwölf Kinder hervorgehen, darunter vier Zwillingspaare. Das Leben der Familie ist von großer Armut, harter Arbeit und vielen Schicksalsschlägen geprägt. Doch unerschütterliches Gottvertrauen und die tiefe Zuneigung der Eheleute lassen sie alle Schwierigkeiten meistern.

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