Der dunkle Spiegel - Andrea Schacht - E-Book + Hörbuch
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Der dunkle Spiegel E-Book

Andrea Schacht

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Beschreibung

Fesselnd, originell und wunderbar detailgenau: Andrea Schacht ist eine Meisterin des spannenden historischen Romans!

Köln im Jahr des Herrn 1376. Sind die selbstbewussten Frauen des Beginen-Konvents am Eigelstein etwa Ketzerinnen und Giftmischerinnen? Die junge Begine Almut Bossart, Witwe eines Baumeisters, macht sich kühn an die Aufklärung des Giftmordes im Haus eines Weinhändlers. Doch nicht nur die Neugier treibt sie – es steht zu befürchten, dass die Inquisition sie selbst für die Tat verfolgen wird …

Die historischen Romane um die Begine Almut Bossart bei Blanvalet:
1. Der dunkle Spiegel
2. Das Werk der Teufelin
3. Die Sünde aber gebiert den Tod
4. Die elfte Jungfrau
5. Das brennende Gewand

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Seitenzahl: 432

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Andrea Schacht

Der dunkle Spiegel

Roman

Copyright

PeP eBooks erscheinen in der Verlagsgruppe Random House

Copyright © 2003 by Blanvalet Verlag, Mnchen, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

ISBN 3-89480-875-6

www.pep-ebooks.de

Inhaltsverzeichnis

Dramatis PersonaeVorwort1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel5. Kapitel6. Kapitel7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. Kapitel11. Kapitel12. Kapitel13. Kapitel14. Kapitel15. Kapitel16. Kapitel17. Kapitel18. Kapitel19. Kapitel20. Kapitel21. Kapitel22. Kapitel23. Kapitel24. Kapitel25. Kapitel26. KapitelÜber das BuchÜber die AutorinCopyright

Meinem Vater

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild;

dann aber von Angesicht zu Angesicht.

Jetzt erkenne ich stückweise,

dann aber werde ich erkennen,

wie ich erkannt wurde.

(Kor. 13.12)

Dramatis Personae

Almut Bossart– Begine, Baumeisterstochter, jung verheiratet, früh verwitwet, lebt seit vier Jahren im Konvent am Eigelstein. Mit dem Gehorsam und ihrer eigensinnigen Zunge hat sie allerdings einige Schwierigkeiten.

Die Klerikalen:

Ivo vom Spiegel– ein Benediktiner mit einer bewegten Vergangenheit, Beichtvater des jungen Jean de Champol. Er möchte in vielerlei Hinsicht Licht ins Dunkel bringen.

Johannes Deubelbeiß– ein Inquisitor, der ebenfalls Licht ins Dunkel bringen möchte, aber mit anderen Methoden.

Die Weltlichen:

Jean de Champol– ein junger Franke, der zur Ausbildung bei dem Kölner Weinhändler de Lipa weilt und leider sehr früh und unerwartet verstirbt.

Hermann de Lipa– ein Weinhändler mit großen gesellschaftlichen Ambitionen.

Dietke– seine Ehefrau, die gern den Spiegel konsultiert.

Rudger– das Faktotum, ein Krüppel ohne Zunge, vernarbt und hinkend.

Aziza– die maurische Hure mit den guten Beziehungen und dem kleinen Familiengeheimnis.

Tilmann– ein geschäftstüchtiger junger Mann mit nicht nur modischen Ambitionen, der ebenfalls ein kleines, bitteres Familiengeheimnis hütet.

Heinrich Krudener– ein Apotheker und Alchemist, der das Dunkle auf dem Spiegel erklären kann.

Pitter– ein Päckelchesträger, ein Junge mit einem ewig knurrenden Magen.

Conrad Bertholf– der Vater der Heldin Almut, ein fleißiger, ehrgeiziger Baumeister.

Barbara– die Stiefmutter Almuts, die ihren Gatten Conrad und ihre Stieftochter immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Die Beginen:

Magda von Stave– die Meisterin, eine kluge Diplomatin mit Kaufmannsblut in den Adern.

Rigmundis– die Mystikerin, deren Visionen hin und wieder ausgesprochen lustvoll sind und sich auf seltsame Weise bewahrheiten.

Clara– die Gelehrte, die großes Wissen und einen ebenso großen Hang zur Faulheit auf das Köstlichste miteinander zu verbinden weiß.

Elsa– die Apothekerin, die mit neuen Arzneien experimentiert und von bösen Erinnerungen gequält wird.

Trine– die taubstumme Dreizehnjährige, die der Apothekerin zur Hand geht. Sie sieht und riecht mehr als andere und kann sich durchaus verständlich machen.

Thea– das Klageweib, das sich wundervoll aufs Heulen und Zähneklappern versteht.

Gertrud– die Köchin, eine sauertöpfische Person, die aber ihr Handwerk versteht.

Bela und Mettel– die Pförtnerin und die Schweinehirtin.

Judith, Agnes und Irma– drei Schwestern, die das Seidweben beherrschen.

Historische Persönlichkeiten:

Friedrich III. von Saarwerden– ein 28-jähriger, schlecht beratener Erzbischof, der sich schmollend aus Köln zurückgezogen und dummerweise die Schöffen – und damit die Gerichtsbarkeit – mit sich genommen hat.

Meister Michael– der Dombaumeister, der unter anderem den begnadeten Steinmetz Peter Parler beschäftigt.

Vorwort

Köln ist eine wunderbare Stadt, das vorab. Köln war auch im angeblich so finsteren Mittelalter eine wunderbare Stadt, in der natürlich große Geschichte gemacht wurde, aber in der vor allem die kleinen Leute durch ihren fröhlichen Pragmatismus Geschichte gemacht haben.

Und das zeichnete das Heilige Köln aus: seine Kirchen, Klöster und Reliquien, in denen sich der mächtige Einfluss der Geistlichkeit zeigte; und die Patrizier, Kaufleute und Handwerker, die die Macht des Geldes darstellten. Nicht immer verfolgten diese beiden Gruppen die gleichen Ziele, und im Jahr 1376 tobte – nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal – zwischen dem Erzbischof und der Stadt Köln ein Streit. Dieser ging als der »Schöffenkrieg« in die Annalen ein und zeigt sehr hübsch, wie man mit derartigen Konflikten umging.

Geschäftstüchtig und fromm waren auch die Kölnerinnen, sie hatten regen Anteil am Wirtschaftsleben, und das in fast allen Bereichen. Eine besondere Gruppe stellten die Beginen dar – Frauen, die es vorzogen, in Konventen zu leben, sich jedoch den Regeln eines Ordens nicht unterordnen wollten. Sie lehnten die Prunksucht und die geistliche Bevormundung der Kirche ab, führten deshalb ein Leben in relativer Armut und arbeiteten für ihren Unterhalt. Sie leisteten soziale Dienste, lehrten und übten verschiedene, vor allem textile Berufe aus, machten sich aber auch Gedanken über Gott und die Welt. Dem Klerus waren sie damit ein Dorn im Auge, und andernorts sahen sich die Beginen unnachgiebiger Verfolgung ausgesetzt. Nicht so in Köln – hier hielt der Rat der Stadt schützend die Hand über sie, und der im Text zitierte Verweis an den Inquisitor ist aktenkundig.

Natürlich sind alle handelnden Personen frei erfunden, und ich hoffe, nicht allzu heftig auf die Zehen derjenigen getreten zu haben, die noch heute die Namen der alten Geschlechter tragen, indem ich ihnen einige eigenwillige Vorfahren andichtete.

Friedrich III. von Saarwerden jedoch hat wirklich gelebt. Sie finden ihn lebensgroß im Kölner Dom, gleich rechts beim Eingang. Er hatte in jungen Jahren seine Schwierigkeiten mit der Stadt Köln, doch letztlich regierte er vierundvierzig Jahre lang in stiller Resignation. Und selbstverständlich gab es auch den Dombaumeister Michael.

Im Heiligen Köln des Jahres 1376 der Menschwerdung des Herrn

1. Kapitel

Die Aprilnacht war ungewöhnlich kühl, und feuchter Dunst zog vom Fluss herauf durch die Gassen. Der Mann trug einen langen, schwarzen Umhang, dessen Kapuze sein Gesicht völlig überschattete. Er ging mit eiligen Schritten, doch bemühte er sich, keinerlei Geräusch zu verursachen, um nicht etwa einen rechtschaffenen Bürger aus seinem wohlverdienten Schlaf zu reißen. Auch auf eine Laterne hatte er verzichtet, und dann und wann musste er innehalten, um in den finsteren Gassen seinen Weg zu finden. Endlich erreichte er das Haus, welches das Ziel seines nächtlichen Ausflugs war. Die Wolke, die bisher den Mond verhüllt hatte, war weitergezogen, und das kalte Licht, das nun die graue, steinerne Hauswand erhellte, erleichterte es dem Vermummten, mit dem Schlüssel das Tor zum Hof zu öffnen. Nur ein leises Knarren verriet sein Eindringen. Vorsichtig lehnte er das Tor wieder an, verschloss es aber nicht.

In dem Geviert war es kalt, denn die hohen Mauern legten auch am Tag dunkle Schatten über die Eingänge der Gewölbekeller. Ein Frachtkarren stand an der Wand, Fässer stapelten sich daneben, bereit für die Auslieferung an wohlhabende Kunden. Der Ast eines blühenden Apfelbaums hatte es gewagt, sich vom Nachbargrundstück über die Mauer in den Hof des nüchternen Handelshauses zu neigen, doch konnte selbst sein süßer Duft nicht den säuerlichen Geruch übertrumpfen, mit dem der verschüttete Wein seit Jahrzehnten den Boden des Hofes tränkte. Über diesen Ast balancierte, vorsichtig Pfote vor Pfote setzend, ein schwarzer Kater und sah sich prüfend um. Obwohl seine Sehkraft in der Nacht um vieles besser war als die der Menschen, konnte er den Mann im Umhang kaum ausmachen. Dieser verschwand beinahe in einer der dunklen Mauernischen, nur hin und wieder hörte der Kater seinen aufgeregten Atem.

Die Zeit verstrich, weitere Wolkenschiffe zogen vor den Mond und verschluckten sein Licht, ließen dann aber wieder zu, dass es sich silbern über die Stadt und den Strom ergoss. Die Nacht erschien dem Wartenden nervenzerreißend still.

Endlich knarrte kaum hörbar die Tür, und eine weitere Gestalt schlüpfte lautlos in den Hof. Auch diese trug einen dunklen Umhang, der ein kurzes, gepolstertes Wams und eng anliegende Beinkleider verhüllte. Die Schuhe des Mannes waren aus weichem Leder gefertigt, die langen Spitzen hatte er hochgebunden, um ungehindert laufen zu können. Suchend blickte er sich um, lauschte und ging dann zielstrebig auf den Winkel zu, in dem sich der andere Mann verbarg. Dieser löste sich aus dem Schatten und trat dem Ankömmling entgegen. Flüsternd unterhielten sich die beiden eine Weile, doch besonders freundschaftlich schien das Gespräch nicht zu verlaufen. Der Vermummte gestikulierte mehrfach in heftiger Abwehr, so dass sein Umhang wie Rabenschwingen flatterte. Doch nach und nach erstarb sein Protest, wie Halt suchend lehnte er sich an die Wand und hob nur noch einmal die Hand, als wolle er den anderen beschwichtigen. Schließlich aber zog er resigniert die breiten Schultern hoch und ließ den Kopf hängen. Der andere lachte leise und flüsterte vernehmlich: »Wenn du mir also diesen kleinen Gefallen tust, wird dir und deinem Herrn nichts geschehen! Und der Erzbischof wird’s dir danken.« Dann war er verschwunden, und das Tor fiel hinter ihm ins Schloss.

Der schwarze Kater, der unbeweglich unter dem Ast gesessen hatte, reckte sich und zuckte dann plötzlich zusammen, denn der Mann an der Wand strich mit einer jähen Bewegung die Kapuze vom Kopf, als ob sie ihn unerträglich drückte. Sein junges Gesicht war fahl wie das Mondlicht, und mit vor Entsetzen starrem Blick murmelte er unablässig: »Nom de Dieu, nom de Dieu, nom de Dieu…«

2. Kapitel

Die kleine Pfarrkirche, die sich an das Kloster von Groß St. Martin schmiegte, war gut besucht. Dicht an dicht drängten sich die Gläubigen, überwiegend Handwerkerfamilien und kleine Gewerbetreibende, in ihrem Sonntagsstaat. Die Frauen trugen meist schlichte Hauben, aufwändigen Putz gab es selten, auch bunte Kleider waren nur einige wenige zu sehen. Viele schienen andächtig der Messe zu lauschen, aber an einigen Stellen gab es auch Getuschel und leises Lachen. Durch das strenge Rautenmuster der schmalen, bleiverglasten Fenster drang das Licht in langen Streifen ins Innere der Kirche. Große Helligkeit erzeugte die Sonne allerdings nicht, und die beiden dicken Wachskerzen rechts und links des Altars mussten dem schwarz gewandeten Mönch helfen, die Schrift zu verlesen.

Die sommerliche Wärme, die Weihrauchschwaden, das gedämpfte Licht und die eintönig vorgetragenen Psalmen lullten Almut Bossart in einen wohligen Halbschlaf. Immer wieder sank ihr grau verhüllter Kopf auf die Brust, und ebenso oft weckte sie ein freundschaftlicher Rippenstoß ihrer Nachbarin wieder auf.

Sie hatte die Nacht weitgehend ohne Schlaf verbracht, denn Elsa, die Apothekerin, litt an einem heftig schmerzenden Zahn, und sie, Almut, hatte einen der geheimnisvollen Prozesse überwachen müssen, in denen Elsa ihre Elixiere und Heilmittel herstellte. Natürlich gab es da noch ihre Helferin Trine, eine fleißige und gelehrige Dreizehnjährige, aber aus gutem Grund konnte man ihr nicht die Aufsicht über Arbeiten anvertrauen, in denen Feuer eine Rolle spielte. Sie hatte nämlich die unausrottbare Neigung, alles auf seine Wirkung als Räuchermittel zu untersuchen, von harmlosen getrockneten Kräutern über wertvolle Gewürze bis hin zu den zipfeligen Enden ihrer eigenen Zöpfe. Kurz und gut, Almut hatte vor dem Alambic gesessen und beobachtet, wie sich Tröpfchen für Tröpfchen der klaren Lösung in dem Auffanggefäß sammelte. Hin und wieder gab sie ein Bündel Kräuter hinein – Lavendel, hatte ihr Elsa gesagt – und ließ den Vorgang sich wiederholen. Es war keine unangenehme oder gar schwere Arbeit, sie verlangte jedoch Aufmerksamkeit.

Die Nacht hatte Elsa keine Erleichterung gebracht, am Morgen war die Wange geschwollen, und sie musste sich stöhnend mit einem feuchten Tuch die Gesichtshälfte kühlen. Almut verließ sie mit dem Versprechen, nach der Messe eine Arznei-Phiole bei dem Weinhändler de Lipa am Mühlenbach abzuliefern.

»Dem scheint wirklich das Hirn in den fetten Bauch gerutscht zu sein!«, murrte ihre Nachbarin unwillig.

»Mh?«

Almut schreckte aus einem verträumten Dämmern auf, in dem blühende Felder und ein reiches Mahl unter schattigen Bäumen eine Rolle gespielt hatten, und lauschte widerstrebend der Predigt. Sie war nicht dazu angetan, erhebende Gefühle in ihr zu wecken. Flüsternd wandte sie sich an ihre Nachbarin: »Stimmt, Clara. Pater Leonhard war zwar der langweiligste Prediger unter Gottes Sonne, aber diese Schmalzkugel fängt an, auch mich zu ärgern!«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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