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Als sich die schöne Königstochter nicht an ihr Versprechen hält und sich - wie im gleichnamigen Märchen - mit dem Frosch anlegt, steckt sie bald in ernsthaften Schwierigkeiten: Denn der Frosch verwandelt sich in einen charismatischen Prinzen ... der sich nur durch das strikte Befolgen seiner Regeln beschwichtigen lässt. Doch die zarte Prinzessin ist nur halb so verzärtelt wie befürchtet und weiß ihrem dominanten Meister die Stirn zu bieten.
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Seitenzahl: 53
Veröffentlichungsjahr: 2014
www.Elysion-Books.com
ORIGINALAUSGABE© 2012 BY ELYSION BOOKS GMBH, GELSENKIRCHENALL RIGHTS RESERVED
UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinertwww.dreamaddiction.de
FOTO: © Fotolia/ Maksim ToomeFRONTISPIZ: Hanspeter Ludwigwww.imaginary-world.de
eISBN 978-3-945163-46-7
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Der Froschkönig
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Solitaire hopste die von der Veranda in den Garten führenden Stufen hinab und kicherte über einen Streich, den sie ihrer ältesten Schwester gespielt hatte. Diese und die mittlere Schwester waren verliebt, würden demnächst heiraten und waren vor lauter Aufregung ganz empfänglich für Solitaires Streiche. Böswillig waren diese natürlich nicht, bloß Neckereien – schließlich sollte es bald niemanden mehr zum Necken geben, und dann würde es im kleinen Schlösschen sehr langweilig werden. Solitaires Vater war nämlich alles andere als humorvoll, ganz ähnlich verhielt es sich mit der Köchin, dem Stallburschen und den wenigen anderen Bediensteten, denen er als König eines nur winzigen Reiches Anstellung gab.
Da ihre Schwestern wieder einmal damit beschäftigt waren, vor dem Spiegel zu sitzen, das Haar zu frisieren und Kleider anzuprobieren, musste sich Solitaire die Zeit bis zum Abendessen allein vertreiben, also hatte sie ihr liebstes Spielzeug mitgenommen: Eine goldene Kugel, die sie nun hochwarf und auffing, sich dabei drehte und über Blumenrabatten sprang, was der Gärtner nicht sehen durfte. Am Ende des Gartens befand sich ein Brunnen, auf dessen Rand sie gern saß, um ihrem Spiegelbild im Wasser Grimassen zu schneiden und es dann auszulachen. Heute hopste sie um den Brunnen herum, summte eine Melodie und kicherte mitunter noch, weil sie an die verträumten Mienen ihrer Schwestern denken musste. Wie albern die beiden manchmal aussahen, wenn sie von ihren Liebsten sprachen. Sogar geküsst hatten sie schon, und erzählten sie davon, wirkten sie glatt noch alberner.
Solitaire setzte sich auf den Brunnenrand, beugte sich ein Stück zur Seite, sodass sie ihr Spiegelbild sehen konnte und machte einen Knutschmund. Sie versuchte, ihrem Blick den dazu passenden treuseligen Ausdruck zu verleihen, doch musste erneut lachen und war schon wieder ganz sie selbst. Ihre brünetten Locken kringelten sich bis auf Kinnlänge und in ihren honigfarbenen Augen stand der alte Schalk. Sie rümpfte ihre kleine Nase und verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen. Niemals würde sie sich verlieben und so dümmlich aussehen. Und sie würde nie vorm Spiegel sitzen, um sich stundenlang für einen Mann aufzuhübschen und Gewänder tragen, in denen sie wie ein Blümchen aussah. Ihre Lieblingsfarbe war rot, und so waren ihre meisten Kleider rot. Der Oberrock des heutigen Kleides hatte graue Punkte und teilte sich in der Mitte über dem gleichermaßen dunkelgrauen Unterrock. Da sie keine Korsagen mochte – sie raubten ihr die Atemluft und hinderten sie in ihren Bewegungen – ließ sie die Oberteile ihrer Kleider stets etwas lockerer, wie eine Bluse anfertigen. Ein rotes, um den Kragen der grauen Bluse geschlungenes Band, dessen Enden bis zur Taille hingen, rundete ihre Erscheinung ab.
Solitaire warf ihre goldene Kugel hoch und fing sie, stand vom Brunnenrand auf, warf das Spielzeug nochmals in die Luft und wollte es fangen, doch es schlug einen eigenwilligen Bogen und plumpste – platsch – in den Brunnen. Fassungslos reckte sich Solitaire über den Rand, versuchte die Kugel zu erhaschen, doch musste zuschauen, wie sie tiefer und tiefer sank und ihr goldenes Leuchten mit gewonnener Tiefe erlosch. Von Traurigkeit erfasst, setzte sie sich vor den Brunnen und wischte eine Träne fort, aber der Gedanke an das verlorene Lieblingsspielzeug ließ mehr Tränen aufquellen, und so weinte sie wenig später bitterlich.
»Königstochter, jüngste, du schreist ja, dass sich ein Stein erbarmen möchte«, rief ihr mit einem Mal jemand zu.
Wie sie sich umblickte, entdeckte sie einen Frosch auf dem Brunnenrand. »Ach, du bist es, alter Wasserplatscher«, schniefte sie. »Ich weine über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen gefallen ist.«
»Dann weine nicht länger, denn ich kann sie heraufholen.«
Solitaire sprang auf und klatschte in die Hände. »Oh, das würdest du tun?«
Der Frosch hüpfte ein kleines Stück zu ihr hin. »Das will ich gern tun. Versprich mir jedoch fünf Dinge.«
»Was willst du haben, Wasserpatscher? Perlen, Edelsteine …«
»Nichts davon mag ich«, unterbrach sie der Frosch. »Versprich mir, dass du mich mit in das Schlösschen deines Vaters nimmst, dass ich von deinem Teller essen und von deinem Becher trinken darf. Lass mich in deinem Bett schlafen und gib mir bevor du einschläfst einen Kuss.«
So ein einfältiger Kerl!, schoss es Solitaire durch den Kopf und sie wollte schon zustimmen, denn was sollte er ausrichten, fragte aber doch weiter: »Was geschieht, wenn ich diese Versprechen nicht einhalte?«
Die Antwort abwartend, kroch ein Frösteln über ihre Haut, denn ihr war, als würden sich die Augen des Frosches verdunkeln, sodass er gar nicht mehr drollig aussah.
»Unheil wird über dich kommen«, sagte er und auch seine Stimme schien eine andere zu sein. »Für jedes gebrochene Versprechen, wirst du bestraft und meine Schmerzen als deine akzeptieren.«
Ein gemeiner Frosch war er also! Ein Erpresserfrosch! Aber doch nur ein Frosch. Und sie würde ihn schon lehren, ihr zu drohen.
»Ich verspreche es«, erwiderte sie also und beobachtete, wie er ins Wasser hüpfte, hinabsank und über ein Weilchen wieder heraufgerudert kam. Ihre goldene Kugel hatte er im Maul und ließ sie, nachdem er auf den Brunnenrand gehopst war, ins Gras plumpsen.
Voller Freude hob Solitaire ihr Spielzeug auf und lief zum Schloss. Sie ignorierte die Rufe des Frosches, der sie zum Warten aufforderte, da er schließlich nicht so schnell war. Nur einmal blickte sie über die Schulter zurück, lachte über seine kläglichen Versuche, mit ihr Schritt zu halten, und hatte ihn bald vergessen.
Am Abend, als sie mit ihrem Vater und ihren Schwestern beim Essen saß, hörte sie, wie etwas – plitsch platsch – die Marmortreppe hinaufgepatscht kam. Wenig später rief eine Stimme vor der Tür: »Königstochter, jüngste, mach mir auf!«
Solitaire, der die Stimme durchaus bekannt vorkam, stand vom Tisch auf, lief sie zur Tür und riss sie auf. Tatsächlich saß da der garstige Frosch und glotzte sie an.
»Ein Versprechen hast du bereits gebrochen. Hüte dich, auch die weiteren nicht einzuhalten!«, quakte er.
Solitaire schnaubte, schlug die Tür zu und ging zurück zu ihrem Platz, um lustlos im Gemüse zu stochern. Als ihr Vater sich erkundigte, wer da gewesen sei und was sie so erzürnte, erzählte sie ihm, was sich am Nachmittag zugetragen hatte. Natürlich erhoffte sie sich sein Verständnis und wurde nur verärgerter, da er sie aufforderte, den Frosch hereinzulassen, um zu halten, was sie versprochen hatte.
