König Drosselbart - Luisa Grimaldi - E-Book

König Drosselbart E-Book

Luisa Grimaldi

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Beschreibung

Als Prinzessin Mia bei der Vorstellung ihrer potentiellen Freier über die Stränge schlägt, ist ihr Vater erbost und gibt sie dem erstbesten, der sie haben will. Mia schwört, ihrem Angetrauten, einem schnöden Gaukler das Leben zur Hölle zu machen. Etwas, was sich rasch als unmöglich entpuppt. Doch lieber würde sich Mia die Zunge abbeißen, als Gefühle zuzulassen. Erst als sie in einem fremden Land unter einen schrecklichen Verdacht geraten und ihr Liebster verurteilt werden soll, springt Mia über ihren Schatten. Aber ist sie auch bereit den Preis für das Leben ihres Gatten zu bezahlen?

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EPUB

Seitenzahl: 53

Veröffentlichungsjahr: 2014

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ORIGINALAUSGABE© 2012 BY ELYSION BOOKS GMBH, GELSENKIRCHENALL RIGHTS RESERVED

UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinertwww.dreamaddiction.de

FOTO: © Fotolia/ Maksim ToomeFRONTISPIZ: Hanspeter Ludwigwww.imaginary-world.de

eISBN 978-3-945163-47-4

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Inhalt

König Drosselbart

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KönigDrosselbart

Alle viere von sich gestreckt lag Mia auf dem Bett und starrte an die Zimmerdecke. Um sie herum verteilt waren Blätter, manche noch glatt, die meisten schon zerknüllt. Die letzte Tinte sickerte aus dem umgestoßenen Fläschchen zwischen die Ritzen der Fußbodendielen neben dem Bett. Die Feder war zerknickt und zerrupft. Mia hatte ihr den Garaus gemacht, der dummen Feder, aus der so gar nichts Gutes fließen wollte. Nicht seit Tagen. Nicht seit Wochen.

Sie hob die Hände, um sie zu betrachten. Das Blau klebte an ihren Fingern und unter den Nägeln. Ihr Vater mochte es nicht, wenn sie solche Finger hatte. Mia selbst störte es überhaupt nicht, war es doch für gewöhnlich das Zeichen dessen, was sie schuf – in schlaflosen Nächten und an gedankenverlorenen Tagen. Auch jetzt waren die Nächte schlaflos und die Tage gedankenverloren, doch auf so abscheuliche Weise, dass es ihr Schmerzen bereitete, die bis in ihre Haarwurzeln und die Zehenspitzen drangen. Das einzig wirksame Mittel gegen diese Art von Pein waren Worte, ihre Worte, doch was auch immer sie nun zu Papier brachte, fühlte sich an, wie der Versuch eines Stummen zu sprechen. Keineswegs war es etwas, das auf einer Bühne vorgetragen werden sollte. Nicht einmal annähernd. Nicht einmal Teile davon. Nicht in hundert oder tausend Jahren.

Schuld an allem trug die Muse, dieses flatterhafte Wesen. Die Muse war einfach davon geflattert. Und seitdem konnte Mia nicht nur nicht mehr schreiben, sondern auch nicht mehr essen oder schlafen. Schlief sie doch, dann träumte sie von vergeblichen Versuchen, die Muse zu finden.

Man bezeichnet Mia als hübsch, doch hübsch fand sie sich selbst nicht mehr. Ihr sonst in seinem Rot strahlendes Haar hatte seine Kraft verloren und hing müde über ihre Schultern. Das Blau ihrer Augen war matt und durch nichts zum Leuchten zu bringen. Ihre helle Haut wirkte fahl – als wich das Leben mit jedem Tag ein bisschen mehr aus ihr.

Mia legte die Arme hinter den Kopf und heftete den Blick erneut auf die Zimmerdecke. Vierunddreißig Tage und Nächte war es nun her. Vierunddreißig kleine Briefe fehlten. Vierunddreißig mal Guten Morgen, mein Herz.

Ihr Herz, das hatte die Muse offenbar nicht entbehren können und mitgenommen, denn wo es einst gewesen war, saß nun ein Klumpen, der kalt vor sich hin pumpte und sie zum Atmen zwang, obwohl sie doch am liebsten damit aufgehört hätte. Welchen Sinn machte es noch zu atmen, wenn ihre Muse – er – nicht mehr da war? Wenn er keine kleinen Briefe mehr schrieb und sich nicht mehr heimlich zu ihr stahl, um Küsse auf ihrer Haut auszusäen? Seine Gegenwart, sein Anblick, seine Zeilen – das alles war zu ihrer Atemluft geworden und auch zur Nahrung ihrer Fantasie. Still und heimlich hatte er sich eingeschlichen, sie immer mehr für sich beansprucht, auf die ihm so eigene charmante Weise. In etwas mehr als zwei Jahren war er ein Teil von ihr geworden, und sie von ihm, doch bevor er sich dies eingestanden hatte, war er lieber verschwunden. Und der zuvor nie belegte Platz, den er eingenommen hatte, der Platz, von dessen Existenz Mia vor ihm nicht einmal gewusst hatte, der war nun leer. Die von ihm ausgehende Leere hatte sich wie Gift in ihr ausgebreitet.

Sie wollte ihn verabscheuen. Für seine Feigheit. Für seine Angst um verlorene Freiheit. Für seine Lügen. Dafür, dass er sie glauben gemacht hatte, die eine Besondere zu sein, die Einzige und die Einzigartige. Die hatte sie sein wollen, doch die war sie nicht gewesen. Sie wollte ihn verabscheuen, dafür, dass er ihr die Idee ins Hirn gepflanzt hatte, mit ihm durchzubrennen, um nicht Irgendeinen heiraten zu müssen, wie es ihr Vater seit einer Weile verlangte. Sie wollte ihn verabscheuen, dafür dass er ihr später gesagt hatte, sie würde sich schon damit abfinden, die Frau von Irgendeinem zu sein, wo es doch nicht bedeutete, dass sie einander nicht mehr sehen konnten. Sie wollte ihn verabscheuen für die Blässe, die sich um seine Nase gezeigt hatte, als sie ihm gestanden hatte, dass sie lieber sterben wollte, als die Frau eines anderen zu werden. Eine Wahrheit, für die sie ihn verloren hatte. So einfach hatte er sie verlassen, mit ein paar simplen kühlen Worten und ohne sich davor zu fürchten, sie zu vermissen. Sie wollte ihn verabscheuen … ihn noch lieber vergessen, ihn nicht mehr vermissen. Doch nichts davon gelang ihr. Nicht seit 34 Tagen und Nächten.

Von alldem ahnte ihr Vater natürlich nichts. Ihre Niedergeschlagenheit schrieb er ihrem Unvermögen zu schreiben zu – das er prinzipiell sogar begrüßte, denn natürlich missfiel es ihm als König, dass seine Tochter Theaterstücke verfasste und unter dem Namen eines Mannes veröffentlichte, statt sich endlich Wichtigerem zuzuwenden. Der Wahl eines Ehemanns nämlich.

Seit Wochen schon gingen die Freier in der Burg ein und aus. Sie brachten Geschenke, die Mia nicht wollte, trugen Reime vor, die sie grauenvoll fand, und überschlugen sich vor lauter Gelöbnissen, die sie langweilten. Zum Teufel mit all den öden Prinzen und Königen! Zum Teufel, ja dahin hatte sie erst gestern zwei geschickt. Entsetzlich einfältige Pinsel waren das gewesen.

Der eine dürr wie ein Bohnenstock – und dürr war auch sein Verstand. Als sie ihm die Frage gestellt hatte, warum er sie gern zur Königin nehmen wollte, hatte er zu stottern begonnen und ihren Liebreiz gelobt.

Ihren Liebreiz? Ihren Liebreiz!

Dass sie gerade alles andere als liebreizend war, hatte er gleich darauf erfahren, da sie ihn mit einem Heupferd verglichen hatte.

Der andere, der hatte sie von oben herab gemustert, obwohl er doch unter ihr stand. Offenbar wollte er sich nicht von der Schärfe ihrer Zunge beeindrucken lassen und ihr stattdessen befehlen, seine Gemahlin zu werden. Das alles wäre nicht komisch gewesen, hätte er nicht gelispelt. Seinen Sprachfehler aufgreifend, hatte Mia ihm eine Absage erteilt, die ihn vor Zorn hochrot hatte anlaufen lassen. Aus dem Saal stolzierend, hatte er ihrem Vater den Krieg erklärt, diese Ankündigung im Laufe des Tages und möglicherweise nach Abzählung seiner Soldaten jedoch zurückgezogen.