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Zwischen zwei tollen Männern hin und her gerissen, muss sich Röschen an ihrem Geburtstag entscheiden. Will sie einen idealen Mann, den sie attraktiv finden, nett und lustig und der sie bis an ihr Lebensende lieben und ehren wird - oder möchte sie lieber den anderen? Den, in den sie sich wider jede Vernunft verliebt hat und der trotz ihrer heimlichen Liebesbeziehung keinerlei Anstalten macht, um ihre Hand anzuhalten. In ihrer Verzweiflung triff Röschen eine verhängnisvolle Entscheidung ...
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Seitenzahl: 50
Veröffentlichungsjahr: 2014
www.Elysion-Books.com
ORIGINALAUSGABE© 2012 BY ELYSION BOOKS GMBH, GELSENKIRCHENALL RIGHTS RESERVED
UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinertwww.dreamaddiction.de
FOTO: © Fotolia/ Maksim ToomeFRONTISPIZ: Hanspeter Ludwigwww.imaginary-world.de
eISBN 978-3-945163-49-8
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Dornröschen
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Fünf Paar Schuhe standen dort. Die Zofen hatten sie eben gebracht und das Zimmer kichernd wieder verlassen. »Nimm die Grünen«, hatte eine gesagt. »Denn grün ist die Hoffnung.« Die andere hatte den Kopf noch einmal zur Tür hereingesteckt und ihr zu den Hellblauen geraten. »Weil Blau die Treue ist«, hatte sie mit einem verschmitzten Grinsen angefügt.
Grübelnd stand die Prinzessin nun vor den Schuhen. Natürlich passten sie alle, denn der Schuhmacher kannte die Form ihrer Füße und deren Maße wohl noch im Schlaf, und ohne Zweifel wollte sie alle behalten und irgendwann tragen. Doch welches Paar sollte sie für den Abend auswählen und welches der fünf Kleider, die schon am Morgen gebracht worden waren? Das frühlingsfrische, unschuldige Grüne? Das feierliche, aufwendig verzierte Hellblaue? Auch die Ensembles in Hellrot und Gelb waren sehr hübsch – sie würden Prinz Edward am besten gefallen. Sie sollte Prinz Edward gefallen wollen.
Doch da war noch das Fünfte, auf dessen nachtblaue Seide zahllose silberne Sternchen aufgenäht waren. Sein Dekolleté war tiefer als das der anderen, das Korsett schmaler. Es gab keine Rüschen, keinen anderen Schnickschnack. Es war beinahe schlicht, und als sie es anprobiert hatte, hatte sie nur an einen denken können. An den, dem sie tatsächlich gefallen wollte. Doch nicht durfte.
Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie ein zweites Mal in die nachtblauen Schuhe schlüpfte, vor den Spiegel trat und das Gewand raffte. Noch trug sie eines ihrer gewöhnlichen Kleider, dessen schlichter Stoff und das Beige nicht zu diesem atemberaubend schönen tiefen Blau passten, doch das Augenmerk der Prinzessin lag allein auf den Schuhen.
Sie würde tanzen an diesem Abend, sagte sie sich im Stillen und wartete auf ein Gefühl der Vorfreude. Den ganzen Abend würde sie tanzen und die ganze Nacht, durch den Ballsaal, durch das Schloss, vielleicht sogar über die Terrassen und durch den Garten. Die Vorfreude blieb aus.
Bis ans Ende der Welt würde sie tanzen wollen, wenn der eine sie um diesen Tanz bat, doch es war Edward, der sie aufzufordern gedachte. Eine Tatsache, die sie mit so viel Traurigkeit und auch Bedauern erfüllte, dass ihr Herz schier in ihrer Brust zerspringen wollte. Noch vor dem Spiegel stehend, beobachtete sie, wie sich ihre Augen mit Tränen füllten, die das sonst dunkle Blau verklärten. Als die ersten über ihre Wangen kullerten, wischte sie sie weg und raffte das blonde Haar, um über eine Frisur nachzudenken. Sie wollte es mit einer Spange locker aufgesteckt haben oder doch lieber mit vielen, kleineren Klemmen …
Lustlos ließ sie die Arme sinken, und die blonden Wellen fielen zurück über ihre Schultern. Sie wollte ihr Haar offen tragen – so wie er es am liebsten mochte.
Bis zum Beginn des Balls blieben noch einige Stunden. Ob dies eine zu lange oder zu kurze Zeit war, konnte die Prinzessin nicht sagen, doch ganz sicher wusste sie, dass sie wahnsinnig werden würde in ihren Gemächern. Kurzentschlossen ging sie zur Tür und trat auf den Gang, dessen Innenseite zum Hof hin offen und von hohen Säulen flankiert war. Im Hof wie überall im Schloss war man mit der Vorbereitung des Festes beschäftigt. Mägde trugen Körbe mit Gemüse aus dem Garten in die Küche, Kinder hingen Girlanden auf und alberten dabei herum. Der Duft von gebratenem Fleisch und frisch gebackenem Brot mischte sich mit der würzigen Luft des Sommertages, und spitzte man die Ohren, konnte man die Musiker ihre Instrumente stimmen hören.
Jeder war ausgelassen und auf den Abend gespannt, dem man so lange entgegengeblickt hatte.
Sie hastete den Gang entlang, um zur Treppe zu gelangen und beeilte sich noch mehr, als sie die Stimme ihrer Mutter hörte, doch die Königin hatte sie schon entdeckt. »Rosa, wohin willst du jetzt noch?«
Die Prinzessin unterdrückte ein Schnauben und wandte sich um. »Spazieren im Garten. Die Zeit will nicht vergehen. Mir ist langweilig.«
Im Näherkommen warf die Königin einen Blick auf die Füße ihrer Tochter. »Für das Dunkelblaue hast du dich also entschieden?«
Auf Rosas Nicken runzelte sie die Stirn. »Du willst die Schuhe doch nicht auf einem Spaziergang tragen?«
»Ich trampele ja nicht durch Pfützen«, versuchte Rosa ihre Mutter zu beschwichtigen. »Ich gebe schon acht, dass sie nicht schmutzig werden und will sie außerdem einlaufen, damit ich heute Abend keine Blasen darin bekomme.«
»Nun denn«, lenkte die Königin ein. »Aber bleib nicht zu lange und halte dich vom Turm fern!«
Rosa versprach es. »Natürlich. Wie immer.«
Darauf setzte sie eine fröhliche Miene auf, gab ihrer Mutter einen Kuss und eilte die Turmstufen hinab, über den Hof und durch weitere Gänge, die in den Garten führten. Sie passierte den Brunnen und die vielen Rabatten, mit denen auch heute die Schar der königlichen Gärtner beschäftigt war. Es waren Dahlien und Lilien, die sie pflegten und gossen, Löwenmäulchen und Stiefmütterchen, Margeriten, Nelken und Orchideen, doch keine Rose. Im ganzen Schloss, im weiten Garten und nirgends im Königreich wuchs auch nur eine einzige Rose.
Am zweiten Brunnen, der sich etwas versteckt im hinteren Bereich des Gartens befand, machte Rosa halt. Sie zog die Schuhe aus, raffte den Rock und stieg ins Wasser, das ihre Waden kühl umspülte. Nach ein paar Runden setzte sie sich auf den Rand und ließ den Blick über das dichte Grün hinter der Schlossmauer schweifen. Irgendwo dort stand er, der verbotene Turm. Nie war sie dort gewesen. Ihr Leben lang hatte man sie davor gewarnt, sich ihm zu nähern. Wie man sie auch vor Rosen ihr Leben lang gewarnt hatte.
Rosa schloss die Augen. Das sanfte Plätschern des Wassers wurde von Vogelzwitschern untermalt. Irgendwo im Gras zirpte eine Grille und eine Hummel brummte ganz in der Nähe auf ihrem Flug von Blüte zu Blüte. Die Hände auf dem steinernen Brunnenrand abstützend, lehnte sie sich weiter zurück und ließ ihre Gedanken treiben. An Edward dachte sie – ein wenig.
