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Auf ihre Suche nach dem großen Glück in der Liebe gerät Schneewittchen mit ihrer Stiefmutter aneinander und muss fliehen. Dabei gerät sie in in die Händer von sieben Piraten - muss aber feststellen, dass ihre Stiefmutter auch hinter den Weltmeeren noch hinter ihr her ist. Kann der verführerische Kaptän sie retten?
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Seitenzahl: 63
Veröffentlichungsjahr: 2014
www.Elysion-Books.com
ORIGINALAUSGABE© 2012 BY ELYSION BOOKS GMBH, GELSENKIRCHENALL RIGHTS RESERVED
UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinertwww.dreamaddiction.de
FOTO: © Fotolia/ Maksim ToomeFRONTISPIZ: Hanspeter Ludwigwww.imaginary-world.de
eISBN 978-3-945163-52-8
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Schneewittchen
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Die Gänge des Schlosses lagen still, waren die meisten Bewohner doch damit beschäftigt, sich für den abendlichen Festakt auszustaffieren. Die prächtigsten Kleider und schönsten Anzüge würde man heute, zum Höhepunkt der Woche, tragen und Königin Sophia die Ehre anlässlich ihres Geburtstages erweisen. Wie alt sie war, das wusste niemand, nicht einmal ihre Stieftochter, für die Sophia damals so jung und schön ausgesehen hatte, wie sie es heute tat.
Schneewittchen zog die Tür des Gemaches, in dem ein Graf für die Festwoche untergebracht war, hinter sich zu und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer. Die Enttäuschung hätte sie gern beiseite geschoben, doch kam nicht recht dagegen an. So lange hatte sie die Mägde und Zofen tuscheln hören und geglaubt, dass diese Sache etwas Unvergleichbares, etwas Fantastisches war. So neugierig war sie gewesen und aufgeregt, als sie beschlossen hatte, es endlich auszuprobieren.
Im letzten Moment hatte sie einen Rückzieher gemacht. Nicht ein Augenblick war lustvoll gewesen, sondern viel eher langweilig, unangenehm sogar und irgendwie peinlich. Der Graf hatte dümmlich gesäuselt, sie hier und da betatscht und lüstern gegrinst. Von Begierde hatte er gesprochen, von Verlangen und einem schier unstillbaren Drang. Ahnliches hatte Schneewittchen von den Mägden und Zofen gehört, doch in ihr hatte sich absolut nichts dergleichen geregt. Willkürlich hatte sie den Grafen freilich nicht ausgewählt. Er hatte ihr gefallen, sie gewissermaßen amüsiert und gut unterhalten – bevor er in seinem Zimmer die Hüllen fallen gelassen und sie mit sich ins Bett gezogen hatte.
Bedachte Schneewittchen es recht, dann machte sie ein Spaziergang durch den Garten oder ein gutes Schauspiel glücklicher als dieses nackende Herumalbern mit einem Hampelmann, dieses unbeholfene Aufeinander-Rumrutschen und Grabschen.
Sie war beinahe bei ihren Gemächern angelangt, da entdeckte sie jemanden am anderen Ende des Ganges und versteckte sich im nächsten Türbogen. Um die Ecke linsend, erspähte sie Königin Sophia, die für ihr Fest bereits in ein beeindruckendes Gewand gekleidet war. Immer wieder über die Schulter zurück- und sich umschauend ging sie zur Treppe, die in den Turm führte. Schneewittchen wusste, wohin die Königin wollte. An jedem siebten Tag der Woche begab sie sich dorthin. Zahlreiche Male war sie ihr heimlich gefolgt, hatte sie beobachtet und gelauscht und sich gefragt, ob der unheimliche Spiegel jemals etwas anderes sagen würde. Zu hoffen war, dass dies nicht geschah.
Schneewittchen mochte Königin Sophia nicht als eitel bezeichnen, denn damit würde sie maßlos untertreiben. Die Überheblichkeit, der Egoismus und die Kaltherzigkeit der Frau, die ihr Vater nach dem Tod ihrer Mutter geheiratet hatte, waren schier grenzenlos. Konnte sich Schneewittchen an ihre leibliche Mutter auch nicht erinnern, so war es ihr doch nie eingefallen, Sophia ihre Mutter oder auch nur Stiefmutter zu nennen. Diese Frau war und blieb die Königin, vor der sich alle fürchteten und die für niemanden ein warmes Wort übrig hatte, außer, sie versprach sich etwas davon. Einst hatte sie ihrem Vater gegenüber ausreichend warme Worte gefunden und sich auf diese Weise den Platz an seiner Seite erschlichen. Dahingegen hatte sie über seinen Tod nicht eine Träne vergossen und das Trauergewand abgeworfen, sobald er begraben war. Für Schneewittchen, die das Verblassen ihres Vaters lange beweinte, hatte sie nur Grimassen der Abscheu übrig gehabt und in diesen Momenten ihr wahres, alles andere als schönes Gesicht gezeigt.
Dabei lag Sophia doch so viel daran, schön zu sein. Ihre Schönheit schien die Basis ihres Glücks, ihres Reichtums und letzten Endes ihrer Macht zu sein. Es war die eine Sache, um die sie sich sorgte, die sie lächeln ließ und die es mit Sorgfalt zu überwachen galt – wobei ihr der Spiegel half.
Schneewittchen lauschte, bis die Schritte der Königin verklungen waren, dann schlich sie ebenfalls hinauf in den Turm und zur letzten Tür, hinter welcher der Spiegel aufbewahrt wurde. Durch einen Spalt beobachtete sie, wie Sophia sich davor aufstellte, die Hände vor dem Bauch faltete, die Schultern straffte und die bekannte Frage formulierte: »Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?«
Wann immer Schneewittchen diese Worte hörte, bekam sie eine Gänsehaut, doch ertönte erst das gläserne Summen des Spiegels, zitterte sie gar. Auch heute summte das Ding, das nur verhext sein konnte, in diesem fremdartigen Ton. Ein Blitzen sauste über die Oberfläche und das Bild der Königin erschien im Spiegelglas: Strahlend schön das Antlitz, das blonde Haar aufwendig frisiert, die Haut makellos.
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier«, lautete des Spiegels gleichermaßen bekannte Antwort und Schneewittchen wollte sich auf den Rückweg machen, um nicht von Sophia entdeckt zu werden, da wurde das Surren lauter. Nie zuvor war das geschehen, und tatsächlich sprach der Spiegel weiter. Was er jedoch sagte, ließ das Herz der Prinzessin ein paar Takte aussetzen.
»Aber Schneewittchen ist noch tausendmal schöner als Ihr.«
Hierzu zeigte er ihr Bild. Ihr Haar, schwarz wie Ebenholz, war im Rücken zu einem Zopf geflochten und mit vielen kleinen weißen Blüten geschmückt. Ihre Haut, weiß wie Schnee, war beinahe so hell wie ihr Lieblingskleid – das weiße mit den schwarzen Säumen. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, rot wie Blut, und spiegelte sich im tiefen Blau ihrer Augen wieder. Es war traurig, dieses Lächeln – und Schneewittchen fragte sich, wie es dem Spiegel möglich war, sogar aus der Ferne nicht nur ihr Äußeres, sondern auch ihr Inneres wiederzugeben.
Da sich der Schreck in ihren Gliedern festigte, musste sie sich einen Ruck geben, um sich abzuwenden. In ihrem Zimmer angelangt, war Schneewittchen froh, ihre Zofe vorm Badezuber warten zu sehen, denn nach dem eben Erlebten, würde Sophia nicht lange auf sich warten lassen. Kaum war sie aus dem Kleid geschlüpft und ins Badewasser gestiegen, da flog die Tür schon auf und die Königin betrat den Raum.
»Ich wünsche dich nicht auf meiner Feier zu sehen«, verkündete sie mit einer Stimme, die vor Kälte klirrte. »Du wirst auf deinem Zimmer bleiben.«
Schneewittchen wagte kein Wort der Widerrede und gab ihr stummes Einverständnis. Als die Königin fort war, erboste sich die Zofe über deren schreckliches Wesen, doch Schneewittchen bat sie zu schweigen. Sie fürchtete sich vor Sophias weiteren Reaktionen und wollte nachdenken.
Die Stunde der Feierlichkeit war angebrochen. Die Beine an den Körper gezogen, die Arme darum geschlungen, saß Schneewittchen auf der Fensterbank und träumte sich fort. Von fern klangen die Musik und das Gelächter an ihr Ohr, doch sie war nicht traurig, nicht an der Feier teilnehmen zu dürfen. Sie wollte niemanden sehen, nicht die ganzen Hampelmänner und erst recht nicht die Königin.
Plötzlich vernahm sie Schritte auf dem Gang und hob den Kopf, um zu lauschen. Sie erschrak, als die Tür aufgestoßen wurde und mehrere Soldaten hereinstürmten. Masken trugen sie und sagten keinen Ton, wie um sie ihre Stimmen nicht hören zu lassen, an denen sie sie vermutlich erkannt hätte. Zwei von ihnen ergriffen Schneewittchen, stoppten ihre erschrockenen Ausrufe, indem sie ihr ein Tuch vor den Mund banden, und schleppten sie aus dem Zimmer. Sie nahmen nicht die Hauptwege durch das Schloss, sondern liefen durch kaum benutzte dunkle Gänge, über schmale Stufen bis hinab ins Gewölbe. Schneewittchen kannte alle Wege, die aus dem Schloss und hinein führten, so auch den einen, den man sie jetzt entlang zerrte. Er unterquerte die Schlossmauer und mündete in einem zwischen Felsen verborgenen Ausgang im Wald.
