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Wie sichere ich mein Vermögen oder Unternehmen?
Müssen wir mit einem Crash rechnen? Diese Frage beantworten die beiden Wirtschafts- und Mittelstandsexperten Eberhard und Eike Hamer mit einem klaren »Ja«. Mit diesem Buch möchten sie private Vermögensbesitzer, kleine und mittelständische Unternehmer sowie Freiberufler in die Lage versetzen, noch rechtzeitig ihr Vermögen so umzudisponieren, dass es vor der kommenden Weltwirtschaftskrise gerettet werden kann.
Der Mittelstand hat in allen großen Weltwirtschaftskrisen nämlich stets zu lange den falschen optimistischen Parolen von Medien, Politik, Banken und Beratern geglaubt und wurde deshalb immer überproportional von Krisen getroffen. Allein in der ersten Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre haben mehrere Millionen »gut situierte« Mittelständler alles verloren und sind zu Armen der Gesellschaft geworden. Ebenso sind Millionen mittelständischer Betriebe in Deutschland damals zusammengebrochen, mit entsprechender Massenarbeitslosigkeit und Verarmung der Belegschaft.
Heute stehen wir vor der größten Weltwirtschaftskrise, die die Erde je gesehen hat. Unser Geldsystem wird an seinen inneren Widersprüchen zerbrechen. Die Finanzblase wird platzen. Eine Weltwirtschaftskrise von ungeahntem Ausmaß wird die Folge sein. Sie wird für die meisten zu unbeschreiblicher Armut und Elend führen. Niemand wird sich diesem Desaster der Währungssysteme und dem Zusammenbruch der Börsen entziehen können.
Dieses Buch gibt umfassende und sehr praxisnahe Antworten. Die Analysen sind präzise und fundiert. Sie münden in konkrete Strategien und sind von bestechender Logik:
Dieser Crash-Ratgeber wird Sie aufrütteln. Die Bedingungen und Folgen der vor uns stehenden Währungs-, Wirtschafts- und Gesellschaftskorrekturen werden viel tiefgreifender sein, als viele von uns bisher geglaubt haben. Ein gerade in jetziger Zeit unverzichtbares Buch.
Das Buch zu Crash und Depression: wie Sie jetzt disponieren müssen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2017
Warum dieses Buch?
In den Jahren 2000/2001 setzten sich die im Anhang genannten Freunde und Mitglieder des Mittelstandsinstituts Niedersachsen zusammen, weil sie das Ende der großen Scheinblüte der Jahrhundertwende hatten kommen sehen und darüber nachdenken wollten, wie das Ende dieser Scheinblüte wohl ablaufen würde.
Die Idee dabei war, die mittelständischen Unternehmer, Freiberufler und Vermögensbesitzer in die Lage zu versetzen, ihr Vermögen noch rechtzeitig umzudisponieren, sodass dieses vor der kommenden Weltwirtschaftskrise möglichst gerettet werden konnte.
Als die erste Auflage unseres Vorgängerbuches Was passiert, wenn der Crash kommt? im Jahr 2002 erschien, hatten wir die Wahrscheinlichkeit eines Crashs und einer Depression noch ausführlich begründen müssen, stießen jedoch bei Banken, Beratern, Medien und herrschenden Eliten durchgehend auf Ablehnung unserer Crash-Thesen. Als dann die Finanzkrise von 2008 erste Überraschungen brachte, hatten dagegen alle unsere Kritiker »schon gewusst, dass eine Korrektur kommen müsse«.
Unsere Leser der zehn Auflagen unseres Vorgängerbuches wollten aber mehr wissen, nämlich:
Mit welchen Symptomen wird sich die Krise ankündigen?
Wie wird die Krise ablaufen?
Welche Bereiche werden wie von Crash und Rezession betroffen?
Was können wir jetzt noch tun, um die Krisenfolgen für uns, unseren Betrieb und unser Vermögen möglichst zu reduzieren?
Aus vielen Rückmeldungen haben die Autoren dankbar erkennen können, dass die früheren Crash-Erklärungen Nutzen für die Leser gestiftet haben. Dadurch wurden viele Leser aufgerüttelt, amtlichen und veröffentlichten Darstellungen unseres Wirtschafts- und Gesellschaftslebens zu misstrauen, die politischen Rechtsbrüche, Finanzbetrügereien, Schuldenorgien und Sozialbestechungen als unmittelbare Gefahr für sich selbst zu erkennen und deshalb mit unausweichlichen Krisen zu rechnen. »Ein rechtzeitig gewarnter Mann ist zwei Männer wert«, sagt ein chilenisches Sprichwort. Und: Wer sich rechtzeitig vorbereitet, kommt besser als andere durch die Krise! Dies war das Anliegen und der Erfolg der ersten zehn Auflagen dieses Buches.
Seit der Finanzkrise 2008 sind aber bis heute entscheidende neue Entwicklungen aufgetreten, welche zu einer teilweise neuen Betrachtung von Krisenursachen, Krisenbewältigung und der Krisenfolgen führen müssen. Die Herausgeber mussten deshalb das alte Crashbuch überarbeiten, verändern, zum Teil neu verfassen und der heutigen Situation anpassen. Die Änderungen betrafen sowohl die Ursachen (neu: Krieg), die Voraussetzungen (insbesondere im Finanzwesen) als auch die Bedingungen und Folgen der vor uns stehenden Währungs-, Wirtschafts- und Gesellschaftskrisen. Diese werden wesentlich tiefgreifender sein, als viele von uns bisher geglaubt haben. Es lohnt sich also, die nachstehenden Erklärungen zu den Abläufen und Folgen der kommenden größten Wirtschaftskrise unserer Geschichte zu lesen.
PROF. DR. EBERHARD HAMER
DR. EIKE HAMER VON VALTIER
Deutsche Mittelstandsstiftung e. V.
Mittelstandsinstitut Hannover
Teil 1
Der Crash im historischen Rückblick
Eine 70-jährige tendenzielle – erst echte und dann nur noch künstliche – Wirtschafts- und Wohlstandsphase hat uns den Blick dafür verstellt, dass es permanenten wirtschaftlichen Aufschwung weder wirtschaftstheoretisch noch im Laufe der Geschichte gegeben hat.
Allerdings haben wir in den letzten 70 Jahren einige positive Sonderfaktoren gehabt, welche den vergangenen Boom dauerhaft getragen beziehungsweise verlängert haben:
Eine 70-jährige Friedenszeit in den wichtigsten Industrieländern, sodass Kosten erspart und Wohlfahrtsanliegen dadurch gesteigert werden konnten.
Die wachsende internationale Handelsfreiheit mit gewachsenem Außenhandel und entsprechenden Wirtschaftswachstumsfolgen.
Die Entwicklung neuer technischer Innovationen in neuen Marktbereichen wie zum Beispiel der Informationstechnologie, der Telekommunikation und der Gentechnik, welche neue Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft gegeben haben (Kondratjew-Zyklen).
Über diese echten Wachstumsimpulse hat sich durch hemmungslose Geldmengenvermehrung der Zentralbanken, durch zügellose Kreditschöpfung des Bankensystems, durch Entwicklung des Spekulationsgeldes mit Hedgefonds, Derivatenhandel etc. die Geldmenge der Welt allein in den letzten 40 Jahren verfünfzigfacht, was zu entsprechender weltweiter Überliquidität – einer monetären Blasenbildung – und zu Inflationstendenzen geführt hat.
Unter diesen positiven Zeichen blieben die nominale und sogar die reale Wachstumskurve der Weltwirtschaft trotz kleiner Dellen tendenziell positiv. Ein Dauerwachstum schien also garantiert.
Diese Meinung vertreten vor allem Banker, Finanzdienstleister, Versicherungen und Vermögensanlageberater, weil sie nur bei wachsender Wirtschaft die Kunden in monetäre Anlagen locken können. Das Finanzwesen kann noch so berechtigte Kassandrarufe nicht vertragen und verbreitet deshalb sogar wider besseres Wissen pausenlosen Optimismus, weil nur dieser für sie maximale Umsatz- und Gewinnmöglichkeiten entstehen lässt.
Als dann das Mittelstandsinstitut Hannover im Jahre 2002 mit der Vorgängerausgabe des Crash-Buches herauskam, gaben viele Banker den Autoren hinter vorgehaltener Hand recht, obwohl sie draußen weiterhin verkündeten, die Intelligenz der Notenbanken und Finanzminister sowie die Manipulationsmöglichkeiten der Zentralbankmanager seien mittlerweile so groß geworden, dass Krisen beherrschbar und durch die Kooperation der geballten Weltfinanzkompetenz immer lösbar seien.
Zur These vom »ewigen Boom« hat auch beigetragen, dass als Wachstum nicht mehr reales, sondern immer mehr monetäres Wachstum verstanden wurde, dass es also inzwischen weniger auf das Güterwachstum als auf das Geldwachstum ankomme. Das Wachstum unserer Gütermenge hat sich in den letzten 40 Jahren nur vervierfacht, die monetäre Seite dagegen verfünfzigfacht. Auf einer nur mäßig wachsenden Güterbasis haben sich also die Geldwerte multipliziert.
Es ist vor allem in den letzten 10 Jahren so viel unkontrolliertes Geld in die Welt gepumpt worden, dass sich güterunabhängig die Finanzströme und Finanzwerte dynamisch verselbstständigt haben und dadurch scheinbar grenzenlos wachsen konnten – man musste nur bereit sein, diese monetäre Scheinblüte als wirkliche Wohlstandsvermehrung anzusehen und der Bevölkerung beziehungsweise den Anlegern dies als wirkliches Wachstum aufzuschwatzen, damit nicht nur an die Zahlungsfunktion des Geldes, sondern auch an dessen Werterhaltungsfunktion weiter geglaubt wurde.
Noch immer nehmen die Anleger die monetären Werte als reale Werte, glauben, dadurch reicher geworden zu sein, und zahlen sogar überschuldeten Ländern weiterhin Anleihen, weil die Publizistik ihnen täglich wachsenden Wohlstand durch wachsende Kurse und Finanzströme bescheinigt.
Dass sich das Märchen vom »ewigen Boom« so lange und immer noch verbreiten konnte, hängt auch damit zusammen, dass die heutige Generation Crash und Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre nicht mehr erlebt hat und auch nicht mehr an die normalen Konjunkturbewegungen des Auf und Ab, des Booms und der Rezession gewohnt ist. Die Finanzwelt und Finanzpolitik haben nämlich die normalen Rezessionen durch Geldmengenvermehrung, Zinsregulierung, Kreditpolitik, Wechselkurs, Kooperation der Zentralbanken, Bankenhilfe und Staatsfinanzierung so egalisiert, dass die Bevölkerung selbst in Pleitestaaten wie Griechenland, Italien, Frankreich oder Spanien die aus normalen marktwirtschaftlichen Korrekturen von Allokationen sich ergebenden Einschränkungen nicht mehr dulden und die Politiker für den eigenen Machterhalt ausschließlich Wachstumszahlen – echt oder unecht – gebrauchen können.
Wie aber die Natur Wechsellagen von Sommer und Winter braucht und dann die Herbstkorrektur die neue Wachstumsperiode des Frühjahrs erst ermöglicht, ist auch für Marktwirtschaften eine normale Wechsellage von Aufschwung und Abschwung notwendig.
Wenn der Aufschwung in einzelnen Branchen die Marktnachfrage übersteigt, sorgt der Preisverfall der Überproduktion für Mengenanpassung, also für reduzierte Produktion. Wo umgekehrt erhöhter Bedarf ist, sorgt die Preissteigerung für erhöhte Produktion. Angebot und Nachfrage sollen sich so in Wechsellagen automatisch ausgleichen (Regeneration).
Aber schon geringe Rezessionen sind für die Wiederwahl der jeweils herrschenden Parteien schädlich. Die Regierungen versuchen deshalb immer, Wachstumsimpulse zu schaffen, um Umschwungskorrekturen zu vermeiden. Und wenn echte Wachstumsimpulse wie technischer Fortschritt, neue Technologien oder neue Organisationsstrukturen fehlen, werden künstliche monetäre Wachstumsimpulse geschaffen wie zum Beispiel Geldmengenvermehrung, Erhöhung der Sozialleistungen aus Schulden etc., wird also mangels echten Wachstums statistisch ein monetäres Scheinwachstum mit weiter wachsender Geldmenge, steigenden Aktienkursen, steigenden Preisen (und Renditen) oder auch nur durch umgestellte Statistiken erzeugt.
Normalerweise gleichen sich mittelfristig die Konjunkturwellen einer Marktwirtschaft um die Trendlinie immer aus. Nur, wenn sich die konjunkturellen Regenerationen durch politische oder finanzpolitische Intervention nicht rechtzeitig vollziehen können oder wenn Übermaßentwicklungen durch Interventionen aufrechterhalten werden oder Strukturen gesellschaftlich oder politisch erstarrt sind, kommt es zu größeren Fehlallokationen und Unwirtschaftlichkeitsentwicklungen, welche durch eine ebenso unnormal große Rezession oder sogar Depression wieder zur Normallage zurückfinden, wieder neue Handlungsfreiheit, Chancengleichheit und Wettbewerbsfähigkeit schaffen müssen.
Ein ewiger Boom wäre deshalb in einer dynamischen Marktwirtschaft nicht einmal erwünscht. Er würde zu immer größeren Fehlallokationen und Unwirtschaftlichkeiten der volkswirtschaftlichen Entwicklung führen. Andererseits führt ebenso eine Depression zu übermäßigen Wertevernichtungen. Jede Extrementwicklung ist deshalb wirtschaftlich ebenfalls schädlich. Jede staatliche oder finanzwirtschaftliche Intervention erzeugt solche Fehlentwicklungen, die wiederum zu extremen Korrekturen führen können. Eine gemäßigte Konjunktur mit gemäßigtem Boom und gemäßigter Rezession wäre dagegen das von richtiger Konjunkturpolitik anzustrebende wirtschaftliche Regenerationsmaß.
Wenn also ein mehr als 50-jähriger Dauerboom in diesem Sinne extreme Fehlentwicklungen aufgestaut hat (die zwangsläufig irgendwann korrigiert werden müssen), und wenn die Wirtschafts- und Finanzpolitik ihre Korrekturaufgabe versäumt und die volkswirtschaftlichen Fehlentwicklungen nicht nur geduldet, sondern sogar gesteigert hat, kann nur eine aus der Marktautomatik wieder entstehende Zwangskorrektur die falschen Rahmenbedingungen und die Wirtschaftsblase wieder zerstören – »schöpferische Zerstörung« – und im marktwirtschaftlichen Sinne wieder Gleichgewicht in die Konjunkturentwicklung bringen, ist also zur Regeneration der Marktwirtschaft ebenso notwendig wie wohltätig. Wo eben die Politik falsch interveniert oder mächtige Marktkräfte den Wettbewerb ausgeschaltet oder gestört haben, muss eine marktautomatische Korrektur den Reformstau lösen. Und je stärker eine Fehlentwicklung die Volkswirtschaft deformiert hat, umso stärker muss der automatische Korrekturprozess ausfallen: Crash oder Depression müssen dann die Normalentwicklung wieder erzwingen.
Die Autoren der vorstehenden Untersuchung haben die uns bevorstehende Krise als »Crash« bezeichnet, weil sie einen Absturz aus einer Scheinblüte statt der normalen konjunkturellen Abschwungswelle voraussehen. »Crash« bezeichnet nämlich einen kurzfristigen Zusammenbruch. Der Begriff kommt ursprünglich aus der Börsensprache im Sinne eines unerwarteten Absturzes, eines Kursverfalls der Börsenwerte.
In der Konjunkturliteratur wird das Wort »Crash« oft mit der Bezeichnung »Depression« gleichgesetzt, weil beide einen tieferen volkswirtschaftlichen Zusammenbruch bezeichnen als die bei den üblichen Konjunkturwechsellagen auftretenden Rezessionen. Eigentlich bezeichnet aber »Crash« den Absturzvorgang in der Volkswirtschaft, während die »Depression« einen mittelfristigen Zusammenbruchszustand beschreibt. Dies hat vor allem Folgen für die Anpassungsmöglichkeiten der Wirtschaftsteilnehmer. Ein plötzlicher Crash kommt überraschend und wird deshalb nicht nur härter empfunden, sondern auf ihn auch meist falsch oder zu spät reagiert. Dem Crashvorgang muss man sich drastisch und sofort anpassen. Dagegen ist ein Absturzzustand – Depression – zeitlich elastischer. Die Wirtschaftsteilnehmer können sich also zeitgerechter anpassen und empfinden den gleich tiefen Absturz meist nicht ebenso hart.
Ein Crash beginnt in der Regel mit einem Kurssturz an den Börsen und entwickelt sich dann zum Gesamtabsturz von Währungen, Nachfrage, Produktion, Kapazitäten, Investitionen und Wohlstand auch in der Realwirtschaft und führt dann zu Massenzusammenbrüchen von Betrieben, hoher Arbeitslosigkeit, zurückgehendem Volkseinkommen, sozialem Verwerfen. Er geht sogar über die wirtschaftlichen Bereiche noch hinaus und reißt auch die gesellschaftliche, soziale und politische Ordnung mit in den Absturz, häufig sogar mit der Folge von Revolutionen und Bürgerkriegen. Es brechen also zuerst der Finanzmarkt, die Liquidität, die Geldmenge und der Geldwert zusammen, dann auch die realwirtschaftliche Scheinblüte und der Scheinwohlstand.
Die Geldknappheit führt zu Deflation und in ihrem Gefolge zu Lagerabbau, Investitionsverzicht, Firmenzusammenbrüchen und dadurch wiederum zu Folgezusammenbrüchen mit entsprechender Freisetzung nicht nur von Investitionsgütern, sondern auch von Arbeitskräften (wachsende Arbeitslosigkeit). Im öffentlichen Sektor wirkt sich dies durch sinkende Steuern und Sozialbeiträge aus und führt dadurch zur Krise der öffentlichen Finanzen und der Sozialsysteme.
Ein Crash ist also die korrigierende volkswirtschaftliche Absturzbewegung. Rezession oder Depression sind sein Ergebnis.
Im Unterschied zu den kurz- oder mittelfristigen Konjunkturwellen beziehungsweise normalen Konjunkturkrisen dauern die aus einem Crash entstandenen Rezessionen akut 3 bis 5 Jahre, können aber in ihren Folgewirkungen sogar 10 bis 20 Jahre verminderten Wohlstand für eine ganze Generation nach sich ziehen. Nach der letzten Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre hat es 25 Jahre gedauert, bis das Wohlstandsniveau der 1920er-Jahre statistisch wieder erreicht war.
Schon immer hat es Wirtschaftskrisen in der Welt gegeben – früher meist aus Hungersnot, Fehlernten, Viehseuchen oder Kriegen. Seit dem Ersten Weltkrieg kommen aber neue Krisenarten hinzu: Hyperinflation, Deflation, Zahlungsbilanzkrisen, Wechselkursschwankungen, Finanzspekulationskrisen, Sozialsystemkrisen und Schuldenkrisen.
Die entscheidende Neuerung liegt in der Verselbstständigung der Finanzmärkte gegenüber der Realwirtschaft von Produktion und Güterkreislauf. Die Finanzmärkte führen längst ein Eigenleben. Sie brauchen die güterwirtschaftliche Basis nicht mehr, um sich zu übersteigern. Ein Börsenboom ist auch ohne Produktionsboom möglich. Ein Liquiditätsboom oder eine Liquiditätskrise gehen deshalb auch nur noch selten von der Realwirtschaft aus.
Losgelöst wurde die Geldwirtschaft von der Realwirtschaft dadurch, dass »Geld« nicht mehr wie früher in Gold oder Realwerten bestand und nicht nur zum realen Tausch oder zur Wertaufbewahrung dienen konnte, sondern als Papiergeld selbst keinen Realwert mehr darstellte. Es hatte folglich keine eigene Wertaufbewahrungsfunktion mehr, allenfalls noch einen Tauschwert.
Ursprünglich stand zwar die Banknote beziehungsweise der Geldschein stellvertretend für den realen Metallwert (meist Gold), weil sie jederzeit gegen Gold eintauschbar war. Die Ausgabe von Banknoten wurde aber schnell zu einem ertragreichen Bankgeschäft, weil die Banken nicht damit rechnen mussten, dass alle Noten gleichzeitig von den Inhabern vorgelegt und in Edelmetall umgetauscht würden. So konnten die Banken überproportional mehr Noten ausgeben, als sie Edelmetall besaßen. Der überschüssige Betrag war zinslose Einlage und Gewinn.
Das erste nicht auf Metall basierende staatliche Geld wurde von der französischen Revolutionsregierung in Form von »Assignaten« ausgegeben. Basis dieses Geldes waren die von Kirche und Adel eingezogenen Landgüter. Die Assignaten wurden deshalb auch »Grundstücksgeld« genannt und so hemmungslos ausgegeben, dass sie 1796 schließlich auf 2 Prozent ihres Ausgangswertes fielen und somit praktisch wertlos wurden.
Auch Österreich musste sich für den Krieg gegen Frankreich und die Tribute an Napoleon so sehr verschulden, dass praktisch ein Staatskonkurs stattfand und damit eine Abwertung der »Bancozettel« von 1:5.
Die Aufhebung des Goldstandards (der Verpflichtung der Notenbanken, Papiergeld in Gold einzulösen) nach dem Ersten Weltkrieg führte vor allem in Deutschland zu einer ungehemmten staatlichen Papiergeldvermehrung für die Abdeckung der wachsenden Schulden und Sozialkosten sowie zur Bezahlung der Kriegsanleihen und der Reparationszahlungen. Letztere mussten sogar in Goldmark geleistet werden, für die gar nicht mehr Gold genug vorhanden war. Die Reichsbank versuchte deshalb, Gold für die Reparationszahlungen zu immer höheren Schwarzmarktpreisen aufzukaufen. Der Wertverlust der Währung wurde dadurch immer schneller, als der Druck neuer Banknoten nachkam. Schließlich musste 1923 eine Währungsreform die galoppierende Inflation durch Rückkehr auf eine wieder auf den Goldwert bezogene Rentenmark beenden. Deutschland war jedoch verarmt, der private Sektor ebenso wie der öffentliche.
In den USA verfolgte die FED (Federal Reserve Bank) nach Ende des Ersten Weltkriegs ebenfalls eine expansive Geldpolitik, die zur Überhitzung der Börse infolge hemmungsloser Spekulation führte. Als dann im August 1929 die FED den Diskontsatz von 5 auf 6 Prozent erhöhte, dadurch die auf Niedrigzinsen ausgelegte Spekulationswelle zurückfiel und die englische Firmengruppe »Clarence Hatry« sowie die Darmstädter Nationalbank (Danatbank) im September zusammenbrachen, kam es im September 1929 in den USA und in der ganzen Welt zu massivem Kursverfall (der erst 25 Jahren später wieder egalisiert wurde), zu Liquiditätsknappheit, zu Banken- und Firmenzusammenbrüchen sowie zu Großverlusten privater Kreditnehmer.
Als dann die USA im Oktober 1929 massiv kurzfristige an Firmen in Europa verliehene Gelder zurückriefen, gerieten diese Firmen in Liquiditätsschwierigkeiten, sackten in Verluste ab und mussten zwangsverkaufen, Kapazitäten stilllegen und in vielen Fällen auch Konkurs anmelden. Ein allgemeiner Wettlauf um Liquidität setzte ein. Die Firmen drosselten ihre Ausgaben und ihre Produktion, bauten Lagerbestände ab. Allgemein wurden Kredite gekündigt; es kam zu Zwangsvollstreckungen, die Immobilienpreise und die Bautätigkeit gingen dramatisch zurück. Dies hatte massive Auswirkungen, auch auf den Arbeitsmarkt. Die Löhne wurden auf breiter Front gesenkt. Zusätzlich wurden allein in Deutschland im Laufe der Zeit mehr als 6 Millionen Arbeitnehmer entlassen. Zahlungsverzug, Abwertung, politische Wirren und fallende Preise in den meisten Ländern machten Investitionen für die Anleger zu riskant. Dazu verfielen die Preise der Waren und Rohstoffe weiter, sodass sich die Gewinnchancen noch mehr verschlechterten.
Ab Mitte 1930 führten die USA eine Schutzzollpolitik gegenüber den Exporten ein, was die betroffenen Staaten ihrerseits mit Zollerhöhungen beantworteten, sodass auch der Welthandel drastisch zurückging.
Gleichzeitig betrieben die USA, Frankreich, Großbritannien und Deutschland eine bewusste Deflationspolitik. Deutschland tat dies vor allem wegen der Reparationsverpflichtungen. 1931 geriet das englische Pfund massiv unter Spekulationsdruck, sodass die englische Zentralbank beschloss, den nach dem Weltkrieg wieder eingeführten Goldstandard aufzugeben. Mehr als 25 Länder folgten diesem Beispiel. Auch die USA verboten Goldexporte und hoben dadurch einerseits den Goldstandard des Dollar auf, bewirkten andererseits damit dessen Abwertung.
Erst 1934/35 erholten sich Kurse, Produktion und Preise in der Welt, und es kam zu einem langsamen konjunkturellen Wiederaufschwung. Deutschland hatte sich jedoch durch Zentralverwaltungswirtschaft von der Weltwirtschaft abgekoppelt. Jedes Land versuchte so, auf seine Weise mit den Folgen der großen Rezession fertigzuwerden und seine Wirtschaft, seine Industrie, seinen Arbeitsmarkt und seine öffentlichen Finanzen langsam wieder zu sanieren beziehungsweise aufzubauen.
Die Krise Anfang der 1930er-Jahre war allerdings die erste, die nicht mehr national beschränkt verlief, sondern sich wegen der globalen Vernetzung der Finanzsysteme weltweit auswirkte. Es war die erste Weltwirtschaftskrise.
Die Lehre aus den historischen Krisen der letzten 200 Jahre war immer die gleiche: Zuerst wurde die Geldmenge durch faule Tricks oder durch angeblich neue Finanzinstrumente (Papiergeld) weit über das Wachstum der Realwirtschaft hinaus gesteigert. Dadurch entstand eine Scheinblüte mit allgemeinem Optimismus, mit sich selbst steigernder Spekulation, steigenden Gewinnen, Börsenkursen und Güterpreisen – bis die Finanzspekulation so übertrieben war, dass plötzlich Panik unter den Spekulanten einsetzte. Sie fürchteten, ihre unsoliden Spekulationen nicht mehr realisieren zu können. So kam es zuerst immer zu einem Börsen- und Finanzcrash, dann auch zu einem realwirtschaftlichen Crash.
Die nun im Vorlauf 2007 begonnene zweite große Weltwirtschaftskrise, die jetzt unmittelbar vor uns steht, unterscheidet sich insofern von allen früheren, als nicht mehr Nationalstaaten die Verursacher unverantwortlicher Geldmengenvermehrung sind, sondern das Geldsystem über die private FED und ihre Satellitenzentralbanken in die Hände eines privaten Finanzsyndikats geraten ist, welches zum eigenen Nutzen hemmungslose Geldmengenvermehrung betrieb und bewusst deren Folgen verursachte. Im Übrigen weist die heutige Krisensituation alle Bedingungen früherer Krisen auf:
Die Geldmenge wurde in den letzten 40 Jahren verfünfzigfacht. Das war möglich, weil die FED als Privatbank des US-Finanzsyndikats das alleinige Recht hat, den Dollar als Weltzahlungsmittel auszugeben. Dieses Recht hat die FED-Finanzclique massiv missbraucht, ständig höhere Dollar-Mengen geschaffen (»gedruckt«) und mit diesem Geld Rohstoffe und Industriekomplexe der Welt aufgekauft, die Medien beherrscht, Kriege führen lassen und die ihnen zu Diensten stehenden Staaten hemmungslos kreditiert.
Die Zentralbanken, die ihr bei der FED deponiertes Gold zurückhaben wollten, wurden politisch zur Ordnung gerufen, weil die FED nach Ansicht von Goldexperten dieses fremde Gold inzwischen längst veruntreut, »verliehen« oder verkauft hat, um den Goldpreis und damit den Dollar zu halten. Und Staatschefs, die aus Furcht vor dem Wertverlust des Dollars ihre Rohstoffe (vor allem Öl) mit anderen Währungen zu verkaufen versuchten, wurden sofort als Terroristen gebrandmarkt und vernichtet (Hussein, Gaddafi). Nachdem nun auch Russland wegen der amerikanischen Finanzsanktionen sein Gas auch für Euro oder Yuan verkauft, gilt Putin als neuer »Terrorist« und Gefahr für das Dollar-Imperium. Auf diese Weise haben die USA mit wirtschaftlichem Druck und notfalls militärischem Eingreifen dieses Dollar-Imperium und den Dollar als Weltzahlungsmittel verteidigen können, obwohl jeder weiß, dass dieser Dollar hemmungslos vermehrt (Quantitative Easing) und immer wertloser wird.
Die Geldmengenexplosion erzeugte nicht nur in den USA und Europa, sondern in der ganzen Welt eine Scheinblüte mit wachsender Liquidität, steigenden Börsenkursen, steigenden Gewinnen, steigender Umverteilung, steigenden Sozialleistungen und zum Teil steigender Inflation. Reich werden konnte man nicht mehr durch Arbeit, sondern vor allem durch Spekulation. Die faulen Geldwerte und Geldanlagen wurden in immer größere Bevölkerungskreise, in immer mehr Länder gedrückt und sicherten den Banken, Anlageberatern und eben der Finanzclique entsprechende Provisionsgewinne, den Staaten zusätzliche Kredit- und Umverteilungsmöglichkeiten. Hinzu kamen neue hochspekulative – meist unseriöse – Finanzinstrumente wie Derivate, die das Finanzrad noch weiter drehten und beschleunigten.
Das Glücksgefühl dieser Scheinblüte blieb nicht auf den privaten Sektor beschränkt, sondern erfasste vor allem auch die Staaten, die sich immer hemmungsloser verschuldeten und unsolide finanzieren konnten.
Es war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Finanzblase platzen und den jetzt vor uns stehenden zweiten Weltwirtschafts-Crash beziehungsweise eine Depression nach sich ziehen würde.
Dass es aber nicht schon im Jahr 2007 beziehungsweise 2008 zum Crash kam und die überschuldeten Spekulationsbanken oder Pleiteländer nicht schon damals zusammenbrachen, hing mit einem ebenso unsoliden wie geschickten weltweiten Hilfsprogramm zusammen: Die Zentralbanken gaben fünfstellige Milliardenbeträge zusätzlich in den Markt, mit denen wiederum die Staaten ihre angeschlagenen Banken retten mussten, sodass sich das Verschuldungsrad aus den Zentralbanken FED und EZB zugunsten ständig höherer Verschuldung der Staaten beschleunigte, die angeblichen Hilfsgelder an die Staaten aber gleich wieder in Form von Zinsen und Amortisationen an die Spekulationsbanken zurückgeleitet wurden.
Dadurch hat diese – eigentlich unverantwortliche – Weiterfinanzierung der begonnenen Krise die Ungleichgewichte und Probleme nicht gelöst, sondern nur verstärkt – zum Beispiel durch die unverantwortliche Gesamthaftung Deutschlands über den ESM für die Schulden ganz Europas. Der Zusammenbruch wurde nur verschoben. Hätte man den Crash 2007 entstehen lassen, wäre er halb so schlimm geworden wie nun bald.
Die angebliche Krisenhilfe gleicht den Zusatzspritzen für einen Drogensüchtigen. Weil man ihm die Entzugsschmerzen noch eine Weile ersparen will, gibt man ihm weitere Spritzen, obwohl damit die Sucht nur verstärkt wird. Der Entzugsschmerz und die desaströsen Folgen werden bloß hinausgeschoben und am Ende multipliziert.
Seit 2008 musste diese »Drogenkur« der Schuldenspirale durch immer neue marktfremde Eingriffe und Tricks prolongiert werden:
durch rechts- und systemwidrige Schuldenfinanzierung von Staaten und Unternehmen durch die Zentralbanken (die USA durch die FED, die europäischen Länder durch die EZB);
durch Abschaffung des Zinses mithilfe von Geldschwemme und Kreditüberangebot der Zentralbanken, weil nicht nur die USA, sondern auch europäische Staaten schon so überschuldet sind, dass bereits 1 Prozent Zinsen viele zahlungsunfähig machen würde;
und weil die dem gleichen Finanzsyndikat gehörende beziehungsweise ihm untertänige Weltpresse der Bevölkerung immer noch einzureden verstanden hat, dass die explosionsartig sich vermehrende Geldmenge werthaltig sei, obwohl das Papiergeld seine Wertaufbewahrungsfunktion längst verloren hat und seine Zahlungsmittelfunktion nur noch mühsam behauptet (weshalb die Staaten auch das Bargeld abschaffen und ganz zu Buchgeld übergehen wollen).
Wir stehen also vor und schon bald in der zweiten großen Weltwirtschaftskrise,
deren Ursachen die gleichen sind wie in allen früheren Krisen;
die lange im Voraus erkennbar war;
mit der aber offenbar niemand rechnen wollte, weil die heute lebende Generation so etwas noch nicht erlebt, aber von ihren Vorfahren auch nicht gelernt hat;
deren Krisenfolgen schon jetzt absehbar sind, wie dies im vorliegenden Buch zum Nutzen all jener dargelegt wird, die durch noch rechtzeitiges Handeln den Schaden für sich mindern wollen.
Banken, Vermögensberater und Politiker behaupten so lange wie möglich, es gäbe einen ewigen Boom, weil darin ihr Geschäft liegt. In diesen Kreisen macht man sich mit Krisenszenarien unbeliebt. Dennoch haben in den vergangenen Jahrzehnten auch einige Ökonomen den Crash-Fall vorausbedacht, indem sie aktuelle Fehlentwicklungen theoretisch verlängerten und bis zu einer zwangsläufig daraus entstehenden Crash-Situation vorauszeichneten. 1› Hinweis
Seit der Finanzkrise 2008 mehren sich die Warnungen in der Literatur und in Stellungnahmen von Praktikern, dass man Verschuldungsprobleme bei Banken und Staaten zwar durch hemmungslose Geldmengenvermehrung verlängern, nicht aber heilen kann. Wie bei einem Drogenkranken sind zusätzliche und immer stärkere Drogen nur Verzögerungen und Scheinlösungen; sie heilen die Krankheit nicht, sondern führen unweigerlich zum endgültigen Zusammenbruch.
Ähnlich haben es auch die Zentralbanken mit ihrer Geldschwemme zum Nullzins (Quantitative Easing) in der ganzen Welt gemacht. Sie haben die Banken und Staaten nicht zur Rückkehr in die Solidität der Entschuldung gezwungen, sondern ihnen eine hemmungslose Weiterverschuldung sogar noch erleichtert (Nullzins) und damit übersteigerte Finanzspekulationen, sich entwertende Währungen, einen Scheinboom mit Scheinwohlstand und eine Wechselreiterei auf Kosten der nächsten Generation geschaffen.
Wer aber auf diese gefährlichen Missbildungen hinweist und politische Korrekturen verlangt, wird von den politischen, publizistischen und wissenschaftlichen Schergen des Geldsyndikats diffamiert. Das Syndikat braucht einen dauernden Boom – auch eine Scheinblüte –, um seine Macht möglichst lange zu halten: die USA ihr Dollar-Imperium, die Euro-Funktionäre ihre Zentralmacht, die nationalen Regierungen ihre Regionalmacht. Die Banken fürchten um ihre Liquidität und die internationalen Konzerne um ihren Umsatz.
Alle gemeinsam wollen nicht, dass die für das Weitermachen so bequeme Schuldenorgie gebremst oder gar gestoppt wird, dass die Scheinblüte wieder korrigiert wird. Sie alle trauen sich auch nicht, gegenüber den so lange betrogenen Bürgern das falsche Spiel zuzugeben oder zu beenden. Lieber wollen sie eine Zwangskorrektur durch die Marktkräfte, denn ein solches Szenario würde, so hoffen sie, nicht ihnen zugerechnet oder würde erst nach ihrer Amtszeit eintreten.
Sie weisen deshalb darauf hin,
dass alle Crash-Theorien bisher nur Prognosen geblieben seien;
dass bisher sogar akute Crashs (Finanzcrash) durch politische Maßnahmen »beruhigt« werden konnten;
dass auch viele von den Crash-Theoretikern genannten Zeitpunkte falsch gewesen seien.
Dass jedoch die Wirtschafts- und Finanzentwicklung der vergangenen 30 Jahre gegen jede Theorie anormal mit Falschgeldflutung gestaltet und mit immer größeren Risiken immer gefährlicher geworden sei, wird inzwischen mehrheitlich zugegeben, so im »Brandbrief« der Regierungsberater 2012 und in vielen warnenden Stellungnahmen internationaler Ökonomen. 2› Hinweis Für die Euro-Funktionäre sagt Schachtschneider:
Wir müssen davon ausgehen, dass die politische Klasse die Euro-Rettung bis zum bitteren Ende fortführen wird. Der Grund ist, dass man mit dem Euro und der Euro-Rettungspolitik im Grunde den europäischen Staat erzwingen will. Die politische Union wird gegen Vertrag und Verfassung aufgebaut. Diese Politik wird unvermeidlich in den wirtschaftlichen Niedergang aller Völker führen. Im Süden ist dies bereits deutlich spürbar: Die Rezession und Deflation – und irgendwann haben wir dann die Inflation. 3› Hinweis
Das werde auch Frankreich und Deutschland mit in den Abgrund ziehen, so Schachtschneider. Dabei hat er diskret verschwiegen, dass vor allem die USA und die FED auf dieser europäischen Amokpolitik bestehen, weil sie so bessere Überlebenschancen für sich selbst sehen. Sie alle können nur im Boom überleben, verdienen, die Bevölkerung ruhig halten und an der Macht bleiben. Crash-Theorien können sie nicht gebrauchen, und daher werden sie geleugnet.
Die bisher vorgelegten Crash-Theorien sehen – bis auf den Sozialcrash – vor allem unser monetäres System als nicht nur crashanfällig, sondern auch als zwangsläufige Crash-Ursache an, ganz gleich, ob sie die Staatsverschuldung, die Zinsentwicklung, den Kreditleichtsinn der Banken oder die Kapitalspekulanten dafür verantwortlich machen.
Nach Ansicht der Herausgeber gibt es zurzeit vier besondere, in einen Crash mündende Fehlentwicklungen und Gefahren:
Anlageleichtsinn und Fehlspekulationen der Banken;
den Welt-Geldbetrug, der eine weltweite, nur monetäre Scheinblüte verursacht hat und der nur durch eine Währungsreform und Weltwirtschaftskrise korrigiert werden kann;
viele nationale Aufblähungen der Sozialsysteme, deren Korrektur nicht mehr politisch möglich ist, sondern nur noch vom Markt durch einen Crash erzwungen werden kann;
den Ausbruch eines neuen Weltkrieges.
Jahrzehntelang galt es in Wissenschaft, Wirtschaft und Publizistik – insbesondere aber in der Finanzwirtschaft – als gesicherte Erkenntnis, dass wir weltwirtschaftlich und national mit einer stetigen Boomtendenz rechnen dürften. Die frühere Wechsellagentheorie der sich durch Boom und Baisse selbst korrigierenden Volkswirtschaft schien überwunden, zumindest beherrschbar. Man traute der geballten Intelligenz der Notenbankchefs, der Finanzminister und Bankmanager so viele Steuerungsmöglichkeiten zu, dass tiefer greifende Krisen jederzeit beherrscht werden könnten.
Richtig an dieser Ansicht ist, dass die normalen Rezessionen zwar nicht vermieden, aber doch abgefedert werden konnten. Auch ist man inzwischen in der Lage, mithilfe finanzpolitischer Instrumentarien – wie etwa Geldmengenvermehrung, Zinsregulierung, Kreditpolitik, Wechselkurs oder der Kooperation der Zentralbanken – viele der normalen Schuldenfolgen in den Griff zu bekommen.
Der Weltcrash dagegen wäre eine Situation, die auf solche normalen Instrumentarien nicht mehr reagiert, da sie sich den üblichen Kontrollmechanismen entzieht und eigendynamische, von den Handelnden nicht gewollte Megakorrekturen erzwingt.
Zur These vom »ewigen Boom« hat zudem beigetragen, dass unter Wachstum nicht mehr reales, sondern vor allem monetäres Wachstum verstanden wurde. Die Gütermenge in der Welt hat sich in den letzten 40 Jahren immerhin vervierfacht. Die Geldmenge hat sich jedoch verfünfzigfacht! Auf einer nur mäßig wachsenden Güterbasis wurden also die monetären Werte explosionsartig multipliziert. Das Finanzsystem hat sich mit anderen Worten vom Gütersystem weithin gelöst und sich verselbstständigt. Dadurch konnte es metastasenartig und scheinbar grenzenlos wachsen – man musste nur bereit sein, diese monetäre Scheinblüte als wirkliche Wohlstandsvermehrung anzusehen beziehungsweise der Bevölkerung und den Anlegern dies als angeblich wirkliches Wachstum aufzuschwatzen.
Solange die Bevölkerung und vor allem die Anleger das Märchen glaubten, haben sie ihre Ersparnisse weiter monetär investiert und dadurch aus Eigennutz dazu beigetragen, dass sich der große Luftballon des Weltfinanzwesens immer stärker mit monetären Werten wie Schulden, Krediten, Derivaten, Aktien, Renten und Fonds füllte. Auf dem Höhepunkt der Spekulationswelle war es letztlich ganz egal, was die Finanzinstitute den Anlegern anboten – sofern nur die Kurse stiegen, nahmen die Anleger die monetären Werte als reale Werte an und hielten sich für reicher als zuvor. Sie waren dann zu zusätzlicher Anlage zu höheren Kursen bereit, zumal die Publizistik ihnen täglich wachsenden Wohlstand durch steigende Kurse bescheinigte. Dass diese Wertsteigerungen nur von der Finanzindustrie manipuliert waren, haben die Anleger nicht zur Kenntnis genommen oder nehmen wollen.
Drehscheiben für Geld, Kredit, Währung und Börse sind die Banken. Sie drehen auf einem kleinen Eigenkapital ein ungeheures Umsatzrad – nicht immer nur mit der traditionellen Vorsicht des ordentlichen Kaufmanns, sondern zunehmend mit spekulativem Leichtsinn.
Auch die Finanzkrise 1929 entstand durch Leichtsinn von Banken, die langfristig vergebene Kredite nur mit kurzfristigen Refinanzierungen gegenfinanziert hatten und dadurch in Liquiditätsschwierigkeiten geraten waren.
Hunderte von Geschäftsbanken sind bisher schon irgendwo in der Welt an ihren eigenen Fehlern oder ihrem Leichtsinn zusammengebrochen, ohne dass dies den berühmten Dominoeffekt im gesamten Weltfinanzsystem ausgelöst hat. Obwohl sich besonders die Großbanken in stark spekulative Immobilien-, Kredit-, Derivat- und Termingeschäftsfinanzierungen sowie in eigene Derivat-, Hedgefonds- und Termingeschäfte verstrickt haben, ist die große Krise bislang noch vermieden worden. Dennoch kann sie jederzeit eintreten, wenn eingegangene Engagements nicht mehr erfüllt werden können oder die Marktpreise sich trotz der Notenbank- und Geschäftsbankinterventionen gegen die Erwartungen entwickeln – insbesondere, wenn die Zinsen wieder kräftig steigen und dadurch Kredite nicht mehr zurückbezahlt werden können.
Einen Vorgeschmack davon bekamen wir bereits 2009, als die realwirtschaftliche Krise in den USA zu umfangreichen Ausfällen von Immobilienfinanzierungen führte, weil Kreditnehmer ohne Job und bei sinkenden Immobilienpreisen ihre Darlehen nicht mehr bedienen konnten. Diese Problemkredite sind im vergangenen Jahrzehnt nicht etwa abgeschrieben und abgebucht worden, sondern in halbstaatlichen Finanzmarktinstituten wie Fannie Mae und Freddie Mac eingelagert, mit frisch gedrucktem Zentralbankgeld »eingemottet« worden. Dort dürften von den insgesamt ca. 7 Billionen US-Dollar-Darlehen immer noch über 3 Billionen notleidend und nicht mehr werthaltig sein.
Der Mitautor sieht das Derivaterisiko als Hauptrisiko für einen Crash des Bankensektors an. Bislang war eine Kaskade volumenmäßig größer werdender Spekulationsblasen geplatzt, angefangen von der Technologieblase 2001 über die Immobilienblase 2008/2009 bis zur sich aktuell entwickelnden Anleihenblase.
Während die Technologieblase Verluste im dreistelligen Milliardenbereich mit sich brachte, bewirkte bereits die Immobilienblase Verluste im Billionenbereich; bei der platzenden Anleihenblase jedoch ist mit Verlusten im dreistelligen Billionenbereich zu rechnen. Hier steht dann keine größere Blase mehr zur Verfügung, mit der über das Platzen kleinerer Blasen hinweggetäuscht werden kann.
Der Anleihenmarkt zeigt sich heute ganz ähnlich wie der Immobilienmarkt unmittelbar vor dessen Zusammenbruch. Ab 2006 stagnierten die Immobilienpreise, wodurch die Immobilienspekulationen – basierend auf dem Prinzip überteuert einkaufen und noch teurer weiterverkaufen – nicht mehr funktionierten. Die Höhe der Immobilienpreise im Verhältnis zu ihrer Rendite stand bereits in einem solchen Missverhältnis, dass realwirtschaftlich die Immobilien keinen Preissteigerungsgrund mehr hatten.
Ganz ähnlich ist die Situation 2016 im Anleihenmarkt. Dort sind die Anleihen bereits so überteuert, dass über die gesamte Restlaufzeit für etwa 9,2 Billionen Anleihen ein garantierter Verlust inklusive sämtlicher Zinsen entsteht. Auch hier wird der Zusammenbruch der Anleihenpreise wahrscheinlich nur noch durch die Fantasie der Spekulanten verhindert, die weiter steigende Anleihenpreise und damit größer werdende negative Zinsen vermuten. Genährt wird diese Spekulation von manipulativen Eingriffen durch die Notenbanken, die gegen jede Vernunft die Anleihenpreise weiter anheizen und damit die Zinsen weiter in den Negativbereich drücken.
Die Kehrseite dieser Blasenpolitik ist, dass die Geschäftsmodelle der Lebensversicherer, Sparbanken und großen Kapitalsammelinstitutionen, wie zum Beispiel Rentenfonds, nicht mehr funktionieren. Um also die Derivatspekulanten zu retten, wird das Geschäftsmodell der Sparbanken, Versicherungen und Rentenfonds ad absurdum geführt. Es ist deshalb nur eine Frage der Zeit, wann auch die Anleihenblase platzen wird. Entweder brechen die Kapitalsammelinstitutionen (Sparbanken, Versicherungen und Fonds) unter ihrem eigenen Kostendruck zusammen, oder unvorhersehbare Ereignisse beenden die Manipulation der Notenbanken. Bis dahin wird massenhaft öffentliches Geld in gigantische Spekulationsblasen geleitet, um die notwendigen Korrekturen hinauszuzögern und die Krise nicht zur Depression werden zu lassen. Unbemerkt hat sich so die einstige Marktwirtschaft hier zu einer Zentralbanken-Planwirtschaft gewandelt.
An Warnungen, besonders vor dem Risiko der Derivate, mangelt es nicht. Zu Recht werden die Derivate – eigentlich bloße Wettscheine – inzwischen als »Massenvernichtungswaffen der Finanzindustrie« bezeichnet.
Derivate sind nämlich Kurswetten mit Verfallsdatum. Ihre Problematik liegt darin, dass auf relativ kleiner Eigenkapitalbasis (5 bis 10 Prozent) ein ungeheures Spekulationsrad mit multipliziertem Volumen gedreht werden kann. Deshalb können geringste Fehlentwicklungen oder Ausfälle im einstelligen Prozentbereich das Eigenkapital der Bank übersteigen und die Bank umwerfen. Insofern ist das Verhältnis von Derivaterisiko zu Eigenkapital der Banken ein schwebendes Existenzrisiko, welches seit der Finanzkrise 2008 nicht reduziert, sondern sogar noch verdoppelt beziehungsweise verdreifacht worden ist.
Das Volumen erreicht schon bei den führenden Banken Beträge von etwa 34 000 Milliarden US-Dollar, also ein Vielfaches des Bruttosozialproduktes führender G7-Staaten. Ein Zusatzrisiko besteht auch noch darin, dass die Basiswerte, mit denen spekuliert wird, bei den Beteiligten nicht vorhanden sein müssen, dass die Kursentwicklung eben spekulativ ist. Verändern sich die Preise der Basiswerte zuungunsten der die Derivate emittierenden Bank, muss sie diese Verluste abdecken. Wenn nun das Spekulationsrisiko wie zum Beispiel bei JP Morgan 873,7 Prozent (2000) des Eigenkapitals ausmacht, könnten geringste Fehlentwicklungen die Bank umwerfen. Insofern ist das Verhältnis von Derivaterisiko zu Eigenkapital der Banken gleichsam ihr Existenzrisiko.
