Der große Gebert - Thomas Gebert - E-Book

Der große Gebert E-Book

Thomas Gebert

0,0

Beschreibung

"Der intelligente Investor", "Börsenindikatoren" und "Börsenzyklen" sind Klassiker der Börsenliteratur. Ihr Autor ist der seit vielen Jahrzehnten an der Börse außerordentlich erfolgreiche Physiker Thomas Gebert, dessen "Gebert Börsenindikator" seit Jahren die Fachwelt durch seine Einfachheit und durch seine Outperformance beeindruckt. Nun hat Thomas Gebert seine drei Bestseller komplett überarbeitet, an die heutige Situation angepasst und mit aktuellen Beispielen versehen. "Der große Gebert" ist geballtes Börsenwissen, das dem Leser eine Anleitung gibt, wie er sachlich, unaufgeregt und überaus erfolgreich an den Märkten agieren kann.

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Seitenzahl: 322

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Der große

Gebert

Die Klassiker „Börsenzyklen“,

„Börsenindikatoren“ und

„Der intelligente Investor“ aktualisiert

und komplett überarbeitet

Copyright der deutschen Ausgabe 2015:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Gestaltung Cover: Holger Schiffelholz, Börsenmedien AG

Gestaltung und Satz: Sabrina Slopek, Börsenmedien AG

Herstellung: Daniela Freitag, Börsenmedien AG

Coverfoto: Bildwerkeins, Paul Walther

Lektorat: Egbert Neumüller

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 978-3-86470-254-9

eISBN 978-3-86470-275-4

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach

Tel: +49 9221 9051-0 • Fax: +49 9221 9051-4444 E-Mail: [email protected]

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Inhalt

Einleitung

1. Statistische Indikatoren

Wochentage

Feiertage

Tage des Monats

Monate

November-April

Jahre

Der 10-Jahres-Rhythmus

Der 4-Jahres-Rhythmus

Die ersten fünf Tage im Januar

2. Politische Indikatoren

3. Wirtschaftliche Indikatoren

Der Lohnindikator

Die Inflationsrate

Der Auftragseingangs-Indikator

Der Währungsindikator

4. Stimmungsindikatoren

Das Put/Call-Verhältnis

Das Put/Call-Verhältnis aus DAX-Optionen

5. Zinsindikatoren

Der Diskontsatz

Der Geldmarktsatz

Der Zinsstruktur-Indikator

Der Aktienrendite-Indikator

Der Bonitätsindikator

Der Börsenindikator

6. Die Börsenindikator-Strategie

Die saisonale Strategie

Die Dollarstrategie

Die Zinsstrategie

Die Inflationsstrategie

Die Börsenindikator-Strategie

Fazit

7. Gleitende Durchschnitte

Die 200-Tage-Linie

Die 200-Tage-Linie minus 20 Prozent

Die 200-Tage-Linie minus 10 Prozent

Die 100-Tage-Linie

Die 38-Tage-Linie

Die 20-Tage-Linie

Die 10-Tage-Linie

Die 5-Tage-Linie

Gewichtete gleitende Durchschnitte

8. Die MACD-Methode

9. Das Momentum

10. Die Stochastik

11. Der Williams-Indikator

12. Die Candlestick-Charttechnik

Tageskerzen

Wochenkerzen

Monatskerzen

Verzeichnis der bedeutendsten kerzentechnischen Formationen

13. Die Balkenchart-Analyse

Trendlinien und Trendkanäle

Dow-Theorie

Elliott-Wellen

Häufigste Steigerungsraten

Häufigkeit von Extrempunkten an bestimmten Wochentagen

Doppeltop – Doppelboden

Häufigkeit der prozentualen Kursveränderungen

Serien

14. Ähnlichkeiten

15. Zyklische Aspekte

Der Kondratieff-Zyklus

Der Juglar- und der Kitchen-Zyklus

Zeitliche Auffälligkeiten

16. Weitere tatsächlich wiederkehrende Bewegungen

Der Zins für langfristige US-Staatsanleihen von 1857 bis 2014

Der Dow Jones

Der Dow Jones Index 1986 bis 1987

Der Dow Jones Index 1988 bis 1989

17. Meteorologische Zyklen

Die Sonnenaktivität

Der große Zusammenhang

18. Inflation und Zins

Zinsdifferenz

Inflation

19. Das Instrumentarium

Zusammenfassung

Einleitung

Wenn ich lese, wie jetzt wieder ein bekannter Börsenguru schreibt „Es ist ja nur Geld, das sollte man nicht so wichtig nehmen“, wenn sich mal wieder etwas anders entwickelt hat als geplant, könnte ich auf die Palme gehen. Wenn einem Geld so unwichtig ist, sollte man vorher keine Börsentipps streuen. Ein großer finanzieller Verlust kann eine so schwere traumatische Beeinträchtigung des eigenen Selbstwertgefühls nach sich ziehen, dass man mit dem Thema Geldanlage etwas ernsthafter umgehen sollte. Auch kleinere Einbußen, die einen davon abhalten, sich etwas zu kaufen, auf das man sich schon gefreut hatte, oder einem geliebten Menschen einen Wunsch zu erfüllen, schmerzen sehr. Dagegen lässt eine erfreuliche Entwicklung des eigenen Depots Raum für das eine oder andere, das man sich leisten möchte, und hilft das eigene Leben selbstbestimmter zu gestalten. Deshalb ist es zwingend notwendig, sich so intensiv und umfassend wie möglich mit dem Thema Geldanlage zu befassen. Ich habe in diesem Buch alles zusammengetragen, was aus meiner Sicht für das Thema Börse von Bedeutung und vor allem auch nachprüfbar ist.

Dieses Buch ist im Wesentlichen eine Zusammenfassung und um einige Kapitel erweiterte Aktualisierung meiner drei in den frühen Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts geschriebenen Bücher „Börsenindikatoren“, „Der intelligente Investor“ und „Börsenzyklen“. Ich habe damals, eigentlich als Erster in Deutschland, die quantitative Analyse angestoßen. Bei welcher Verhaltensweise an der Börse in der Vergangenheit hätte ich bei gegebenem Startkapital exakt wie viel Geld heute? Zu diesem Zweck hatte ich nach meinem Physikstudium Anfang der Neunzigerjahre, als die ersten Computer auf den Markt kamen, die historischen täglichen Aktienkurse seit 1962 per Hand eingetippt. Daten aus dem Internet runterladen konnte man damals noch nicht. Schließlich hatte ich eine Excel-Datei mit fast 8.000 Zeilen. Mit der konnte ich dann simulieren, was aus meinem Depot geworden wäre, wenn ich mich seit 1962 an diese oder jene Handlungsanweisung gehalten hätte.

Damals geisterten alle möglichen Indikatoren durch die Börsenbriefe und Anlegermagazine, vom Coppock- bis zum MACD-Indikator. Ich wollte herausfinden, zu welchem Anlageerfolg von 1962 bis 1993 mir diese bekannten Indikatoren verholfen hätten, bevor ich mich selbst für die Zukunft auf einen solchen verlassen würde. Das Ergebnis war ernüchternd. So gut wie keine der bekannten Anweisungen hätte von 1962 bis 1993 den Aktienindex geschlagen. So machte ich mich auf die Suche nach eigenen Indikatoren, mit denen ich in der Vergangenheit ein besseres Ergebnis erzielt hätte als durch das bloße Kaufen der Aktien im Jahr 1962 und das Halten bis 1993. Viele Jahre habe ich daran gerechnet und noch weitere Daten hinzugezogen, etwa die historischen Dollarkurse, die amerikanischen Anleihe- und Aktienkurse seit 1885 und so weiter. Alle Daten mussten bezahlt und eingetippt werden, wie die Jahrbücher der Deutschen Bundesbank für Zinsinformationen und die Monatshefte des Statistischen Bundesamtes für Inflationsdaten. Selbst die Deutsche Post, die damals noch die Fernmeldehoheit in Deutschland hatte, verlangte 50 DM für eine Seite mit Zahlen zur Sonnenfleckentätigkeit, die sie wegen der Übertragungsqualität von Funkstrecken und des Satellitenempfangs verfolgen musste. Ich suchte eine Strategie, die mir nachprüfbar einen statistischen Vorteil versprach, sei er auch noch so klein. Der Spielbank reichen ja sogar 51,5 zu 48,5 wegen der Null im Roulettekessel, um Geld zu scheffeln.

Alles, was ich herausgefunden habe, ist in den folgenden Kapiteln zusammengetragen. Handlungsanweisungen, die von 1962 bis 1993 große Gewinne geliefert hätten, habe ich weiterverfolgt und nachgerechnet, wie die weitere Trefferquote von 1993 bis 2014 verlaufen wäre. Strategien, die sich schon damals wegen Erfolglosigkeit disqualifiziert hatten, habe ich nicht weiter bis 2014 überprüft, sondern nur den Stand von damals mit den Gründen ihres Scheiterns aufgeführt. Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Lektüre – obwohl Spaß eigentlich nicht der Zweck dieses Buches ist, sondern Nützlichkeit. Es soll Ihren zukünftigen Anlageerfolg vergrößern helfen.

1 Statistische Indikatoren

Wochentage

Bei der Betrachtung, wie sich die Aktienbörse, statistisch gesehen, an den einzelnen Wochentagen entwickelt hat, zeigen sich erstaunliche Ergebnisse. So ist der Freitag der freundlichste Tag der Woche. Von 1962 bis 2014 stieg der DAX allein an den Freitagen 345 Prozent. Das entspricht einem durchschnittlichen Tagesgewinn von 0,06 Prozent. Ebenfalls nach oben geht es im Mittel mittwochs und donnerstags. Der DAX legte an Donnerstagen 297 Prozent zu, was einem täglichen Gewinn von 0,05 Prozent entspricht, und für den Mittwoch lauten die Zahlen 155 Prozent insgesamt und 0,03 Prozent pro Tag. Der Montag ist da schon erheblich schlechter dran. Alle Montage seit 1962 brachten zusammen keinen Kursgewinn. Wer also von 1962 bis heute nur montags investiert war, besitzt heute genauso viel Geld wie damals. Der schlechteste Tag der Woche ist jedoch mit Abstand der Dienstag. Hier summieren sich die angehäuften Verluste auf -35 Prozent. Jeder Dienstag bringt also statistisch einen Verlust von 0,02 Prozent.

Durchschnittliche prozentuale Kursveränderung pro Wochentag

Zwei Erklärungsansätze lassen sich für dieses signifikante Kursverhalten angeben: der Liquiditätsansatz und der Stimmungsansatz. Generell ist es möglich, dass Geldzuflüsse vorwiegend innerhalb der Woche stattfinden und dann vor dem Wochenende angelegt werden müssen. Montags und dienstags liegt aufgrund des vorangegangenen Wochenendes etwas seltener Geld zur Anlage bereit. Dies kann sowohl für Privatpersonen als auch für institutionelle Anleger wie Aktienfonds, Pensionsfonds, Versicherungen und so weiter der Fall sein.

Eine andere Möglichkeit, dieses Phänomen zu deuten, ist die Stimmung der Anleger. Dieser Sachverhalt, der auf den ersten Blick nichts mit dem Aktienkursverlauf zu tun zu haben scheint, könnte sich als echte Kausalität herausstellen. Ein Aktienkauf setzt beim Anleger Optimismus voraus und ein Verkauf Pessimismus, was die Einschätzung der künftigen Entwicklung seiner Investition betrifft. Hier greift die Psychologie als kursbeeinflussender Faktor in das Marktgeschehen ein. Oft sind es die äußeren Umstände, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf die Stimmungslage einwirken. So ist der Montagmorgen nicht gerade typisch für Hochstimmung, denn die ganze Arbeitswoche steht bevor. Gedrückte Stimmung und schlechte Laune mögen eine pessimistische Einschätzung und damit ein entsprechendes Verhalten begünstigen. Für den Anleger könnte dies bedeuten, dass er montags frühmorgens wenig motiviert ist, Aktien zu kaufen und Risiken einzugehen. Freitags hingegen beflügelt das bevorstehende Wochenende die gute Laune und somit breitet sich Optimismus aus. Solch ein positiv gestimmter Börsianer mag eher geneigt sein, Aktien zu kaufen. Die Kursverläufe bestätigen eindrucksvoll diesen Zusammenhang, der zwischen der Stimmung der Anleger und ihren Aktivitäten an der Börse besteht.

Für diese Deutung spricht auch die Tatsache, dass, statistisch gesehen, vor Feiertagen die Börse extrem freundlich tendiert. Wahrscheinlich spielen sowohl die Zeitpunkte der Liquiditätszuflüsse als auch die Stimmung der Investoren eine Rolle.

Die statistischen Veränderungen sind vermutlich zu klein, um eine Gewinn versprechende Anlagestrategie daraus zu entwickeln. So ergäbe sich bei einem Kauf am Montag bei Börsenschluss und einem Verkauf am Freitag bei Börsenschluss ein statistischer Gewinn von 0,15 Prozent. Dieser Gewinn wird durch die An- und Verkaufsspesen jedoch mehr als aufgezehrt. Bei einer Investition am Terminmarkt, also beim Kauf eines DAX-Futures, bei dem nur geringe Spesen für Kauf und Verkauf anfallen, oder eines börsengehandelten DAX-Fonds ließe sich nicht mehr als ein marginaler Gewinn einstreichen.

Dennoch sollte der Anleger diese wochentägliche Anomalie im Hinterkopf behalten, um bei anstehenden Transaktionen bevorzugt am Dienstag zu kaufen und am Freitag zu verkaufen.

Feiertage

Eine besondere Bedeutung bekommen bei der statistischen Betrachtung einzelner Tage die Feiertage, obwohl an ihnen gar kein Handel mit Aktien stattfindet. Es stellt sich heraus, dass die Tage vor den Feiertagen zu den freundlichsten des ganzen Jahres gehören.

Der beste Tag des Jahres ist der letzte Handelstag vor Ostern. Dies ist Gründonnerstag, an Karfreitag findet in Deutschland kein Aktienhandel statt. So legte der deutsche Aktienmarkt im Durchschnitt der letzten 52 Jahre jeweils an Gründonnerstagen 0,6 Prozent zu. Er fiel an diesem Tag nur sechsmal: 1961, 1984, 1988, 1994, 1995 und 2000. Der Anstieg von 0,6 Prozent an Gründonnerstagen hat eine Größenordnung, die eine auf diesem Phänomen aufbauende Strategie möglich erscheinen lässt. Mittlerweile kann man ja den DAX als ETF, als börsennotierten Fonds, extrem spesengünstig handeln. Bei einem Discountbroker kosten Kauf und Verkauf solch eines DAX-Fonds im Wert von beispielsweise 100.000 Euro zusammen weniger als zehn Euro. Ein Gewinn lässt sich bei der Gründonnerstag-Strategie mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent erzielen, denn in den letzten 52 Jahren fielen die Aktien nur sechsmal an einem Gründonnerstag.

Die Erklärung hierfür lässt sich wieder auf der Liquiditäts- und auf der Stimmungsebene darstellen. Vor den vielen Feiertagen – die Börse macht ja erst wieder am Dienstag nach Ostern auf – wird offensichtlich das zur Anlage bereitstehende Geld angelegt, damit es nicht über die Feiertage unverzinst auf dem Konto liegt. Auch ergibt sich für den Anleger eine gewisse Klemme, da er erst wieder am Dienstag agieren kann. In der Zwischenzeit könnten positive Ereignisse stattfinden, an anderen Börsen im Ausland zum Beispiel. Dort wird am Karfreitag und am Ostermontag gehandelt.

Durchschnittliche prozentuale Kursveränderungen vor Weihnachten und Ostern 1959-2013

Jahr

Tag vor Ostern

Tag vor Weihnachten

Tag vor Weihnachten bis Tag nach Neujahr

1959

 

1,0

7,5

1960

0,5

1,1

2,2

1961

-0,2

0,2

1,0

1962

0,9

-0,5

-1,5

1963

0,8

0,7

1,9

1964

1,2

0,8

1,4

1965

0,7

0,0

-0,2

1966

0,2

0,6

0,9

1967

0,3

0,8

5,2

1968

0,7

-0,2

1,7

1969

0,5

0,2

2,4

1970

1,3

0,9

0,0

1971

0,4

0,0

-0,2

1972

0,7

0,0

0,8

1973

0,9

1,0

-1,9

1974

1,7

-0,7

2,6

1975

0,6

0,9

2,7

1976

0,7

0,0

1,4

1977

0,0

0,7

0,6

1978

0,4

0,0

0,5

1979

0,4

-0,2

-1,4

1980

0,4

0,6

2,5

1981

0,0

0,6

0,8

1982

0,2

-0,2

2,1

1983

1,7

0,0

4,8

1984

-0,3

0,7

2,3

1985

0,0

1,1

3,3

1986

0,6

1,0

-0,5

1987

0,8

0,1

-10,3

1988

-0,2

0,3

0,8

1989

0,2

1,2

8,0

1990

1,3

0,4

-3,1

1991

0,9

-0,3

3,7

1992

0,6

0,2

0,6

1993

0,4

1,1

3,2

1994

-0,7

-0,3

-1,1

1995

-0,1

0,6

0,9

1996

0,0

-0,3

0,0

1997

0,3

1,9

7,8

1998

0,9

2,6

8,2

1999

0,8

4,2

3,1

2000

-0,8

0,8

1,6

2001

0,8

1,1

4,3

2002

0,9

-0,7

2,7

2003

0,3

0,7

3,8

2004

0,3

0,0

0,9

2005

0,4

0,5

0,9

2006

0,3

1,6

2,7

2007

0,4

1,7

1,0

2008

2,5

-0,2

7,2

2009

3,1

0,2

1,7

2010

1,3

-0,2

-1,1

2011

0,6

0,5

3,9

2012

-0,1

-0,5

1,4

2013

0,4

0,7

0,0

Durchschnitt:

0,6

0,5

1,6

Andererseits mag ein verkaufswilliger Investor es vorziehen, statt am Donnerstag erst am kommenden Dienstag zu verkaufen, denn bei einem Verkauf am Donnerstag bekäme er die Gutschrift erst viele Tage später, was einem Zinsverlust entspricht.

Psychologisch gesehen motiviert vermutlich die Freude auf das Osterfest und auf die freien Tage die Anleger zum Aktienkauf. Der Zusammenhang ist der gleiche, wie er bei den Wochentagen beschrieben wurde. Schlechte Stimmung und Optimismus schließen sich gegenseitig aus. Und Optimismus ist zum Kaufen von Aktien nun einmal unerlässliche Voraussetzung.

Ebenfalls sehr freundlich zeigt sich der letzte Handelstag vor Weihnachten. Er bringt im Durchschnitt einen Kursgewinn von 0,5 Prozent. Nur elf Vorweihnachtstage brachten fallende Notierungen. Auch vor Weihnachten lässt sich die vor Ostern angezeigte Strategie anwenden. Bei einem Kauf zwei Börsentage vor Weihnachten und einem Verkauf am Tag vor Weihnachten kurz vor Börsenschluss sollte mit einer Wahrscheinlichkeit von 78 Prozent ein Gewinn herausspringen.

Noch besser schneidet ein Aktionär ab, der zwei Tage vor Weihnachten gegen Börsenschluss kauft und am Tag nach Neujahr ebenfalls etwa gegen Börsenschluss verkauft. Diese Zeitspanne hat über die letzten 53 Jahre gemittelt einen Gewinn von 1,6 Prozent gebracht. Hierbei ließe sich über die Feiertage mit der vorher skizzierten Strategie mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent ein Gewinn erzielen.

Wenn der Anleger nicht versuchen will, die geringen Kursunterschiede durch kurzfristiges Trading zu nutzen, sollte er sie dennoch bei anstehenden Käufen in der Weihnachtszeit beherzigen. Ebenso sollten Verkäufe bis nach Neujahr aufgeschoben werden. Zur Erklärung dieses Sachverhalts lassen sich wieder die Argumente anführen, die auch schon bei der Betrachtung der Vorosterzeit angesprochen wurden: die Unregelmäßigkeit der Liquiditätszuflüsse und die Stimmung der Börsenteilnehmer.

Tage des Monats

Ebenso wie bei den Wochentagen ergeben sich auch bei den einzelnen Tagen des Monats signifikante Abweichungen von der erwarteten gleichmäßigen Verteilung von Tagen mit steigenden Kursen und Tagen mit fallenden Kursen. Es stellt sich heraus, dass sich die Tage um den Monatsultimo herum deutlich freundlicher präsentieren als die Tage in der Mitte des Monats. So ist der 2. für Aktien der beste Tag des Monats mit einem durchschnittlichen Kursgewinn – Börsenschluss am 2. des Monats gegenüber dem Vortag – von 0,26 Prozent. Ebenfalls gut sind der 1. und der 4. des Monats mit Kursgewinnen von 0,13 Prozent und 0,15 Prozent im Schnitt der letzten 53 Jahre. Das Monatsende mit dem 30. (+0,07 Prozent) und dem 31. (+0,18 Prozent) gehört ebenfalls zu der günstigen Zeit des Monats. Aus dieser Verteilung lässt sich wieder eine Erfolg versprechende Strategie ableiten: Wenn ein Börsenteilnehmer am 28. eines jeden Monats einen Aktienindex kauft und ihn am 8. des Folgemonats wieder verkauft, hat er wahrscheinlich eine Reihe freundlicher Börsentage getroffen. Der statistische Kursgewinn beträgt in dieser Zeitspanne ein Prozent.

Ein Anleger, der nicht kurzfristige Handelsstrategien mit dem DAX-Index ausführt, sondern Transaktionen für die langfristige Aktienanlage plant, sollte berücksichtigen, dass sich vor dem 26. eines Monats in der Regel gute Kaufkurse und nach dem 8. eines Monat gute Verkaufskurse ergeben.

Die Deutung dieser Verteilung von guten und schlechten Börsentagen lässt sich nicht so sehr mit der Stimmung als mit den gehäuft auftretenden Liquiditätszuflüssen um den Monatsultimo herum erklären. So wird vermutlich eine Aktienanlage eher am Monatsanfang getätigt, wenn frisches Geld auf das Konto kommt, oder am Monatsende, wenn noch Geld übrig geblieben ist. Dies gilt sowohl für den Privatanleger als auch für den professionellen Geldverwalter, wie zum Beispiel den Fondsmanager.

Durchschnittliche prozentuale Kursveränderung pro Monatstag

Monate

Die einzelnen Monate zeigen im langjährigen Durchschnitt eine deutliche Ausprägung steigender oder fallender Aktienkurse. Der März ist der freundlichste Monat des Jahres. Im März steigen die Aktien statistisch gesehen 1,4 Prozent. Dies mag damit zusammenhängen, dass zum Jahresanfang neues Geld für die Aktienanlage zur Verfügung steht, durch Prämieneinnahmen der Versicherungen zum Beispiel, durch Steuerrückzahlungen oder durch ausgeschüttete Zinsen von Anleihen. Auch wird der Jahresverlauf am Anfang des Jahres oft optimistischer gesehen als in seiner Mitte.

Der Januar und der April sind ebenfalls gute Monate für die Aktie: In beiden Monaten stiegen die Aktienkurse von 1962 bis 2013 im Mittel 1,2 Prozent pro Jahr und Monat. Die gute Stimmung des Jahresanfangs mag in die ersten Monate des Jahres hineinstrahlen und die zur Anlage bereitstehende Liquidität ist vielleicht noch nicht verbraucht.

Durchschnittliche prozentuale Kursveränderung pro Kalendermonat

Im Mai geht den Aktienkursen dann langsam die Puste aus. Der Mai bringt einen Verlust von -0,4 Prozent. Im Juni und im Juli geht es dann in der Regel wieder leicht bergauf. Möglicherweise ist vor den Sommerferien noch Geld anzulegen oder die generell bei Sonnenschein vorherrschende gute Stimmung schlägt auf den Aktienmarkt durch. Im Spätsommer beginnen dann die Probleme. Der August zeigt sich mit -0,3 Prozent schon ein wenig unfreundlich, doch der Krisenmonat schlechthin ist der September. Im Mittel verlor man in der Vergangenheit in diesem Monat zwei Prozent. Die jüngste Vergangenheit liefert Beispiele für dieses Aktienkursverhalten. Die „Golfkriegsbaisse“ des Jahres 1990 endete im September und der „Schlesingereinbruch“ – die Deutsche Bundesbank leitete mit einer umstrittenen Leitzinserhöhung die bis dahin schwerste Rezession seit dem Krieg ein – von 1992 erstreckte sich über den September und den Oktober. Die Asienkrise von 1998 fand ebenfalls ihren Höhepunkt – und damit den Tiefpunkt der Aktienkurse – gegen Ende September.

Der November mit +1,2 Prozent und der Dezember mit ebenfalls +1,2 Prozent verschaffen den Aktien dann eine deutliche Erholung nach den Einbrüchen der vorangegangenen Monate. Der Oktober bildet mit +0,4 Prozent den Übergang von der stürmischen Septemberzeit zur fröhlichen Vorweihnachtszeit.

Wie kommt es zu den steigenden Kursen im März und den fallenden im September? Diese Rhythmik muss in der Psyche des Menschen begründet sein, denn äußerliche Ereignisse, auf die der Aktienmarkt reagieren könnte, sind ja über die 53 Jahre statistisch gleichmäßig verteilt, ohne Präferenz für bestimmte Monate. Möglicherweise handelt der Mensch gemäß dem ihm seit Jahrtausenden eingeprägten Rhythmus der Aussaat und der Ernte. Im März neigt er eher dazu, zu investieren und Aktien zu kaufen in der Hoffnung auf einen reichen Ertrag im späteren Jahresverlauf, entsprechend der Aussaat des Bauern. Im September dagegen ist die Zeit, die Ernte einzufahren und die Aktien zu verkaufen. Der Winter droht und die Ernte, sprich der Kursgewinn, muss für lange Zeit reichen. Im September wird nicht mehr investiert. Wer dann kein Haus hat, baut sich keines mehr, wie es bei Rilke so schön heißt.

Aus der oben gezeigten Grafik ergibt sich der mittlere Jahresgewinn aus der Summe der einzelnen Monate zu 5,8 Prozent. Diese 5,8 Prozent entsprechen der durchschnittlichen jährlichen Performance, also dem Gesamtertrag, den die Aktienanlage in den letzten 53 Jahren erbrachte.

Der hier verwendete DAX-Index ist ein Performance-Index, da er dividendenbereinigt ist: Bei der Berechnung des DAX wird angenommen, es würden von den ausgeschütteten Dividenden gleich wieder neue Aktien gekauft.

Der DAX wurde zwar erst 1988 eingeführt, aber von der Frankfurter Wertpapierbörse mit historischen Kursen zurückgerechnet. Aus diesem zurückgerechneten DAX ergeben sich dann die 5,8 Prozent als Gesamtertrag der Aktienanlage pro Jahr von 1962 bis 2013.

November-April

Aus der im vorigen Kapitel beschriebenen Tatsache, dass die Monate November, Dezember, Januar, Februar, März und April wesentlich freundlicher sind als die andere Hälfte des Jahres, Mai bis Oktober, lässt sich eine vielversprechende Strategie herleiten. Die Monate November bis April bringen 6,8 Prozent Gewinn, mehr, als das ganze Jahr an Erträgen liefert. Mai bis Oktober verlieren 1 Prozent. Das heißt, ein Anleger verpasst statistisch nichts, wenn er nur vom 1. November bis zum 30. April investiert ist. Er vermeidet mögliche Gefahren eines Kurseinbruchs in der Zeit von Mai bis Oktober und kann sein Geld in dieser Zeit zinsbringend anlegen. Ferner muss auch hier, wie bei allen Strategien in diesem Buch, das Prinzip des „least exposure“ angewendet werden. Das heißt, bei gleichem statistischem Ertrag sollte immer die Strategie bevorzugt werden, die sich am wenigsten dem Aktienmarkt aussetzt. Mit anderen Worten, wenn der Anleger in sechs Monaten des Jahres 6,8 Prozent erzielen kann, warum soll sein Geld dann das ganze Jahr investiert sein für nur 5,8 Prozent?

Die Anlageempfehlung, am 1. November Aktien zu kaufen, sie am 30. April wieder zu verkaufen, bis zum nächsten 1. November zu warten, um wieder Aktien zu kaufen und so weiter, hätte sich in der Vergangenheit außerordentlich gut bewährt. So hätte diese Methode in den letzten 54 Jahren den Einsatz vervierzigfacht. Aus 1.000 D-Mark Ende 1959 wären heute 40.000 D-Mark geworden.

Die umgekehrte Strategie hätte in dieser Zeit Verluste eingebracht: Hätte ein Investor am 1. Mai 1960 Aktien gekauft, sie bis zum 31. Oktober behalten, dann verkauft, gewartet bis zum nächsten 1. Mai, dann wieder Aktien gekauft und so weiter bis heute, würde er heute mit 45 Prozent Verlust dastehen. Von den 1.000 D-Mark im Jahre 1960 wären heute nur noch 550 D-Mark übrig.

Natürlich gibt es Ausnahmen von dieser augenfälligen Struktur der Monatsverteilung. Im Jahr 1985 stiegen die Aktien von Mai bis Oktober von 865 auf 1.301 Punkte, also glatte 50 Prozent, und auch das Jahr 1988 lieferte im Sommerhalbjahr einen Kursgewinn von 25 Prozent. Der DAX stieg damals von 1.051 auf 1.310 Punkte. Doch in der Mehrzahl sind diese Monate für die Aktien von Übel, wie das Jahr 1987 zeigt. Auch 1990 und 1992 fielen große Kursabschwünge in diese Zeit: 1990 fielen die Aktien 23 Prozent von 1.843 auf 1.417 Punkte in der „Golfkriegsbaisse“ und 1992 fiel der DAX 15 Prozent von 1.728 auf 1.472 Punkte in der „Schlesingerbaisse“.

Jahre

Die einzelnen Jahre brachten unterschiedliche Ergebnisse an der Aktienbörse. Im Jahr 1985, dem freundlichsten Jahr seit 1960, legten die Kurse 66,6 Prozent zu. Es war das beste Jahr in den für die Börse goldenen Achtzigern. Es war geprägt von niedrigen Inflationsraten und fallenden Zinsen. Anlagealternativen verloren durch die fallenden Inflationsraten an Bedeutung. Die Immobilienpreise gaben nach und die Festgeldzinsen lagen bei vier Prozent.

Ähnliche Szenarien brachten 1993 mit 46,7 Prozent den dritthöchsten und 1983 mit 40,2 Prozent den vierthöchsten Gewinn. Zusätzlich kam 1983 sowie Ende 1993 die deutsche Wirtschaft gerade aus der Rezession. Auch 1988 und 1989 waren durch niedrige Inflationsraten und fallende Festgeldzinsen mit 32,7 Prozent und 34,9 Prozent außerordentlich günstig für den Aktionär.

Ähnlich gute Resultate lieferten vor 1980 nur 1967 mit 51,1 Prozent und 1975 mit 37 Prozent. Beide Male erholte sich die Wirtschaft gerade von einer Rezession. Die schlechtesten Jahre seit 1960 waren neben dem katastrophalen Einbruch 1987 mit -30,2 Prozent die Jahre 1966 mit -21,1 Prozent, 1970 mit -28,8 Prozent, 1973 mit -26,1 Prozent und 1990 mit -21,9 Prozent. Die letzten vier Verlustjahre waren allesamt geprägt von steigenden Inflationsraten, steigenden Zinsen und, dadurch hervorgerufen oder zumindest beschleunigt, einer sich ankündigenden Rezession. Ebenfalls ins Auge stechen die drei Verlustjahre 2000, 2001 und 2002, in denen der DAX sich fast viertelte und dabei die ganzen Gewinne der Internet- und Telekom-Euphorie der späten Neunziger wieder abgab. Das Jahr 2008, in dem die von den amerikanischen Immobilien ausgelöste Krise die Welt an den Rand des finanziellen Zusammenbruchs brachte, ragt mit -40,4 Prozent auffällig nach unten heraus.

Prozentuale Kursveränderung des jeweiligen Jahres

Der 10-Jahres-Rhythmus

Es fällt bei der Ordnung der Ergebnisse nach der Endziffer des Jahres auf, dass ein Jahr, das mit einer Fünf endet, statistisch gesehen besser abschneidet als die anderen Jahre. Im Mittel liefert ein Fünfer-Jahr 25,25 Prozent Kursplus. Auch die Jahreszahlen, die auf 1, 3 und 7 enden, brachten den Börsianern Glück. In diesen Jahren konnten Gewinne von etwa 20 Prozent eingefahren werden. Jahre mit einer der Endziffern 0, 2, 4, 6, 8 oder 9 liefern bei dieser Aufschlüsselung auf Dauer kein günstiges Resultat. Der Anleger, der nur in den Jahren mit den Endziffern 1, 3, 5 und 7 investiert war, hat von 1960 bis 2013 sogar ein besseres Resultat erzielt als derjenige, der die ganze Zeit deutsche Aktien in seinem Depot hatte. Wenn er sein Geld in den Jahren, in denen er nicht investiert war, verzinslich angelegt hätte, sähe die Bilanz noch besser aus. Ganz übel hätte es den erwischt, der sich für sein Investment die Jahre mit den Endziffern 0, 2, 4, 6, 8 und 9 ausgesucht hätte – er hätte Geld verloren.

Durchschnittliche jährliche Kursveränderung nach Jahresendziffer geordnet

Der 4-Jahres-Rhythmus

Ein in den Vereinigten Staaten auftretender 4-Jahres-Rhythmus, der mit den alle vier Jahre stattfindenden Präsidentschaftswahlen zusammenhängen könnte, lässt sich auch in Deutschland nachweisen. So bringen die US-amerikanischen Wahljahre 1960, 1964, 1968, 1972, 1976, 1980, 1984, 1988 und so weiter in Deutschland im Durchschnitt einen Kursgewinn an der Börse von 7,2 Prozent. Besser noch sind die Vorwahljahre mit je 16,3 Prozent durchschnittlich. Auch die Nachwahljahre bringen noch einen Kursgewinn von 16 Prozent. Die Jahre dazwischen jedoch, zwei Jahre vor einer Wahl und zwei Jahre nach einer Wahl, auch „Midterm“ genannt, bringen Verluste, und zwar -0,5 Prozent pro Midterm. Das Phänomen des freundlichen Vorwahljahres wird in den USA auf die Wahlversprechen der Kandidaten und die angesichts einer nahenden Wahl etwas lockerere Politik der amerikanischen Notenbank zurückgeführt. Diese Anomalie scheint mit der vorherigen der Jahresendziffern zusammenzuhängen. Die positiven Vor- und Nachwahljahre fallen mit den ungeraden Endziffern zusammen, sodass entweder die günstigen Endziffern 1, 3, 5 und 7 vom US-Wahlzyklus her stammen oder der US-Wahlzyklus gar nicht auf die US-Politik zurückgeht, sondern auf die Jahresendziffer. In jedem Fall ließ sich dieses Phänomen über 50 Jahre lang beobachten und sollte in Zukunft auch beachtet werden.

Durchschnittliche jährliche Kursveränderung nach US-Wahlzyklus geordnet

Die ersten fünf Tage im Januar

Als sehr hilfreich für eine Einschätzung des weiteren Verlaufs eines Börsenjahres erweist sich der „Die-ersten-fünf-Tage-im-Januar-Indikator“. Bei diesem Indikator wird aus dem Verlauf der ersten fünf Börsentage auf das Ergebnis des gesamten Jahres geschlossen. Sind die ersten fünf Tage gut, wird auch das Jahr gut, sind sie es nicht, so folgt ein schlechtes Börsenjahr.

In der Vergangenheit hat dieser Indikator in 74 Prozent der Fälle gestimmt. Die ersten fünf Tage sind also ein erster Hinweis auf zu erwartende Gewinne oder Verluste in dem soeben angefangenen Börsenjahr.

Der Januar-Indikator

Jahr

1. bis 5. Tag im Januar

Jahr

Indikator stimmte

1960

0,5

28,1

1

1961

-1,5

-8,4

1

1962

-3,1

-21,1

1

1963

-3,1

13,5

 

1964

3,9

8,9

1

1965

2,9

-11,5

 

1966

1,4

-21,1

 

1967

0,9

51,1

1

1968

3,0

10,3

1

1969

0,7

12,1

1

1970

0,2

-28,8

 

1971

6,3

6,8

1

1972

0,6

13,3

1

1973

3,5

-26,1

 

1974

3,0

3,8

1

1975

3,9

37,0

1

1976

1,1

-9,6

 

1977

2,8

7,9

1

1978

1,1

4,7

1

1979

2,1

-13,6

 

1980

-0,6

-3,4

1

1981

1,9

2,1

1

1982

1,0

12,7

1

1983

0,9

40,2

1

1984

3,4

5,9

1

1985

2,7

66,6

1

1986

7,9

4,8

1

1987

-3,5

-30,2

1

1988

2,5

32,7

1

1989

2,4

34,9

1

1990

3,0

-21,9

 

1991

-1,6

12,8

 

1992

0,1

-2,0

 

1993

-0,9

46,7

 

1994

-2,5

-7,0

1

1995

-2,5

7,0

 

1996

3,1

28,2

1

1997

0,6

47,1

1

1998

2,5

17,7

1

1999

7,8

39,1

1

2000

-0,7

-7,5

1

2001

-0,8

-19,8

1

2002

1,5

-43,9

 

2003

3,5

37,1

1

2004

2,0

7,3

1

2005

1,4

27,1

1

2006

2,4

22,0

1

2007

1,7

22,3

1

2008

-2,7

-40,4

1

2009

1,5

23,9

1

2010

1,4

16,1

1

2011

0,5

-14,7

 

2012

2,7

29,1

1

2013

0,7

25,5

1

Durchschnitt:

 

 

74 Prozent

2 Politische Indikatoren

Welche politische Partei gerade regiert, spielt eine Rolle für den Aktienmarkt. Es hat sich gezeigt, dass Zeiten mit einer CDU/FDP-Regierung besser für die Aktienbörse sind als Zeiten mit einer SPD/FDP-Regierung oder einem rot-grünen Bündnis. Die konservative Regierungszeit seit 1961 brachte 53,2 Prozent Kursgewinn je Wahlperiode, während SPD und Grüne nur mit 14,3-prozentigen Kursavancen bedacht wurden. Die zwei Regierungszeiten der Großen Koalition erwiesen sich als unergiebig für den Aktionär mit 2,6 Prozent pro Regierungszeit. Noch schlechter lief es zu Zeiten der sozialliberalen Koalition. Pro Wahlperiode mussten die Wertpapiere 1,5 Prozent abgeben.

Die signifikant bessere Börsenperformance der CDU/FDP-Zeit lag zum Teil daran, dass die Regierungszeit der Konservativen in ein internationales Umfeld mit niedrigen Inflationsraten, niedrigen Zinsen und international haussierenden Wertpapierbörsen fiel, während die SPD/FDP-Ära von zwei Ölkrisen mit anschließenden Rezessionen überschattet wurde. Außerdem legte auch das Parteiprogramm der CDU mehr Gewicht auf eine blühende Wirtschaft, während sich das SPD-Programm der damaligen Zeit mehr soziale Gerechtigkeit auf die Fahne geschrieben hatte. Die traditionelle Nähe zur Wirtschaft und die größere ökonomische Kompetenz spiegelten sich auch in der besseren Aktienkursentwicklung der jeweiligen Zeit wider.

Aktien bevorzugen eine konservative Regierung

Regierungsperiode

Aktienkursänderung in dieser Zeit

Regierung

17. September 1961 19. September 1965

-2,1

CDU/FDP

19. September 1965 28. September 1969

28,4

CDU/FDP

28. September 1969 19. November 1972

-6,6

CDU/SPD

19. November 1972 03. Oktober 1976

-3,7

SPD/FDP

03. Oktober 1976 - 05. Oktober 1980

-2,0

SPD/FDP

05. Oktober 1980 - 06. März 1983

17,5

SPD/FDP

06. März 1983 - 25. Januar 1987

114,0

CDU/FDP

25. Januar 1987 - 3. Oktober 1990

10,3

CDU/FDP

03. Oktober 1990 - 16. Oktober 1994

46,0

CDU/FDP

16. Oktober 1994 - 27. September 1998

120,2

CDU/FDP

27. September 1998 - 22. September 2002

-33,9

SPD/Grüne

22. September 2002 - 18. September 2005

62,6

SPD/Grüne

18. September 2005 - 27. September 2009

11,9

CDU/SPD

27. September 2009 - 22. September 2013

55,5

CDU/FDP

Der Tag nach der Wahl ließ früher Rückschlüsse auf den weiteren Kursverlauf in der neuen Regierungszeit zu. Von 1960 bis 1987 ließ sich anhand des Nachwahltages die Börsentendenz für die Regierungsperiode korrekt voraussagen. 1961, 1969, 1972 und 1976 fielen die Kurse am Tag nach der Wahl und auch nach Ablauf der Legislaturperiode lagen sie tiefer. 1965, 1980 und 1983 stiegen die Kurse am Tag nach der Wahl und lagen nach Ablauf der Regierungsperiode im Plus. Doch seit 1987 gilt dieser Zusammenhang nicht mehr. Von 1987 bis 2009 lief es genau umgekehrt. Dies ist ein Beispiel dafür, dass manche Zusammenhänge eher statistische Koinzidenzen als echte Kausalitäten darstellen. Alle Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen müssen deshalb immer mit ein wenig Skepsis betrachtet werden.

Interessanterweise lässt sich kein Zusammenhang feststellen zwischen dem Kursverlauf des DAX-Index vier Wochen vor der Wahl und dem Ergebnis der Wahl. In den letzten vier Wochen vor dem Sieg der sozialliberalen Koalition 1972 stieg der DAX 3,2 Prozent. Auch verlor der DAX 1987 in den vier Wochen vor dem Sieg von CDU und FDP 6,1 Prozent. Vor dem Sieg der Konservativ-Liberalen 1990 verlor der DAX gar 9,2 Prozent. Der Kursverlauf der letzten sechs Monate vor der Wahl gibt ebenfalls keinen Hinweis auf den kommenden Gewinner.

Der Tag-nach-der Wahl-Indikator

Kann die Börse das Wahlergebnis vorhersehen?

Das Fazit aus der Betrachtung der politischen Börsen ist, dass eine konservative Regierung für die Aktienanlage besser ist als eine sozialdemokratisch geführte.

Aus dem Börsenkursverlauf der vier Wochen vor der Wahl lässt sich das Ergebnis der Wahl nicht vorhersagen.

3 Wirtschaftliche Indikatoren

Der Lohnindikator

Dieser zuverlässige Langfristindikator mit einer Trefferquote von über 80 Prozent vergleicht den Lohnabschluss im öffentlichen Dienst mit der zu erwartenden Inflationsrate. Liegt der Lohnabschluss mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Inflationsrate, prophezeit dieser sogenannte Lohnindikator eine Baisse, Abschlüsse darunter sind gut für die Aktienbörse. Warum dies so ist, lässt sich leicht nachvollziehen. Bei zu hohen Lohnzahlungen verstärkt sich der Inflationsdruck, den die Bundesbank dann mit höheren Zinsen zu bekämpfen sucht, was wiederum Gift für die Börse bedeutet. Umgekehrt bringen sinkende Zinsen aufgrund des nachlassenden Inflationsdrucks bei moderaten Tarifabschlüssen die Börse in Jubelstimmung. So brachten 1988 und 1989 Lohnabschlüsse etwa in Höhe der Inflationsrate die Aktienkurse 28 Prozent beziehungsweise 17 Prozent nach oben und die Jahre 1982 und 1984 mit Reallohn-Einbußen hatten regelrechte Haussen mit +32 Prozent und +37 Prozent zur Folge. Die Tariferhöhungen 1986 und 1987, die 3,4 beziehungsweise 3,2 Prozentpunkte über der Inflationsrate lagen, wurden mit -13 Prozent und -16 Prozent bei den Aktien quittiert.

Lohnerhöhungen, die zwei Prozentpunkte über der Teuerungsrate liegen, bringen im Durchschnitt einen Verlust von zwölf Prozent, Erhöhungen unterhalb der Teuerungsrate dagegen ein Plus von 15 Prozent.

Lohnerhöhung und Aktienkursentwicklung 1972 bis 1993

In der Tabelle wird unter „Aktien 1 Jahr später“ die Veränderung des Aktienindex des Statistischen Bundesamtes angegeben. „1972 Aktien minus 6 Prozent“ heißt zum Beispiel, dass der Durchschnittskurs des Aktienindex des Statistischen Bundesamtes des Jahres 1973 sechs Prozent tiefer lag als der Durchschnittskurs des Jahres 1972. In den 22 Jahren von 1972 bis 1993 stimmte der Lohnindikator 18-mal.

So weit der Stand im Jahr 1993. Wie ist die Entwicklung nun nach 1993 weitergegangen? Konnte der Lohnindikator, der 1972 bis 1993 so zuverlässig mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Aktienkursentwicklung des nächsten Jahres anzeigte, seine Treffergenauigkeit von 1994 bis zum Jahr 2013 beweisen? Nein, nur noch 65 Prozent der Kursentwicklung wurden vom Lohnindikator korrekt vorhergesagt.

Lohnerhöhung und Aktienkursentwicklung 1994 bis 2013

Vor allem die Baissejahre 2001 und 2002 ließen sich nicht auf zu stark gestiegene Lohnkosten zurückführen und auch das schreckliche Jahr der Finanzkrise 2008 konnte man nicht vorher an der Lohnentwicklung 2007 ablesen. Trotzdem bleibt der Lohnindikator ein hilfreiches Instrument, aber Finanzkrisen oder das Platzen von Spekulationsblasen wie im Jahr 2000 entfalten sich offensichtlich unabhängig von den Lohnabschlüssen in Deutschland. Hinzu kommt, dass die großen DAX-Unternehmen mittlerweile Fertigungsstätten in aller Welt betreiben und so den Löhnen in Deutschland nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher zukommt.

Die Inflationsrate

Einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Bewertung des Aktienmarktes ist die Inflationsrate. Hierbei ist der Wirkzusammenhang so, dass eine hohe oder steigende Inflationsrate mit hoher Wahrscheinlichkeit eine verschärfte Geldpolitik der Bundesbank nach sich zieht mit dem Ziel, die Inflationsrate zu drücken. Eine niedrige, oder besser noch, eine fallende Inflationsrate dagegen eröffnet der Bundesbank Spielraum, die Zinsen zu senken, was wiederum dem Aktienmarkt doppelt zugute kommt: Erstens bedeuten niedrige Zinsen für Anleihen zum Beispiel eine vergleichsweise schlechtere Alternative zur Aktienanlage, zweitens werden viele Unternehmen auf der Fremdkapitalseite durch geringere Finanzierungskosten entlastet, was wiederum den Gewinnen der Firmen zugute kommt. Der Zusammenhang zwischen Inflationsrate und DAX lässt sich in der nachfolgenden Grafik eindrucksvoll zeigen. Die dargestellten Kurven des Aktienindex des Statistischen Bundesamtes und der Inflationsrate sind gegenläufig. Besonders fällt der starke Aktienanstieg von 1982 bis 1985 auf, der damit einherging oder dadurch ausgelöst wurde, dass die Inflationsrate von über sechs Prozent im Jahre 1982 auf null Prozent im Jahre 1985 sank.

Inflationsrate und DAX 1963 bis 1993

Der Auftragseingangs-Indikator

Zwischen der Veränderung des Auftragseingangs im verarbeitenden Gewerbe und der Aktienkursentwicklung lässt sich kein eindeutiger Zusammenhang feststellen. Ein hoher Auftragseingang zieht keine hohen Aktienkurse nach sich, sondern eher das Gegenteil. In den Jahren mit dem höchsten Auftragseingang, 1976 mit 13,5 Prozent und 1979 mit 10,9 Prozent, verlor die Börse 9,6 Prozent beziehungsweise 13,6 Prozent. Dies lässt sich so erklären, dass in Jahren, in denen die Wirtschaft mit hohem Auftragseingang gut läuft, Lohnforderungen entstehen, die die Inflationsrate nach oben treiben und somit die Bundesbank mit Zinserhöhungen auf den Plan rufen, um die Inflationserwartungen zu bekämpfen. So konnten in Jahren mit ermäßigten Auftragseingängen, etwa 1975 mit -1,8 Prozent und 1983 mit 4,4 Prozent, die Aktien 37 Prozent beziehungsweise 40,2 Prozent steigen. Sogar die mit -7,5 Prozent fallenden Auftragseingänge des Jahres 1993 hinderten den DAX nicht daran, 46,7 Prozent zuzulegen.

Auf der nächsten Seite sind die prozentualen Kursveränderungen des DAX und die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe aufgetragen. Es lässt sich erkennen, dass der DAX sich unbeeinflusst von der realen Auftragslage der Wirtschaft verhält.

Auftragseingang der verarbeitenden Industrie (Linie) und jährliche prozentuale Kursveränderung des DAX (Balken)

Der Währungsindikator

In der nachfolgenden Grafik ist der deutsche Aktienindex aufgetragen gegen den Außenwert der DM gegenüber dem Dollar. Dieser Außenwert der DM gegenüber dem Dollar entspricht dem Inversen des Dollarkurses in DM gemessen. Steigt der Dollar, fällt der Außenwert der DM und umgekehrt. Hierbei lässt sich feststellen, dass bei einem fallenden Außenwert der DM, somit bei steigendem Dollar, die Aktien in der Regel steigen, und dass bei einem steigenden Außenwert der DM, somit bei fallendem Dollar, die Aktien bevorzugt fallen. Dies erklärt sich dadurch, dass bei steigendem Dollar deutsche Firmen, die in Deutschland zu deutschen Kosten produzieren, beim Export durch einen steigenden Dollar mehr DM erlösen und somit den Gewinn steigern, was sich positiv auf den Aktienkurs auswirkt. Da ein großer Teil der deutschen Aktien, die im DAX vertreten sind, ausgesprochene Exportwerte sind, wird auch der gesamte Aktienindex durch die Bewegungen des Dollar beeinflusst.

So wird oft von einer Abwertungshausse gesprochen, wenn die Aktien aufgrund der fallenden eigenen Währung steigen. Die Industrieunternehmen werden wettbewerbsfähiger und profitabler, wenn die eigene Währung schwächer gegen die Währungen der Handelspartner tendiert. Umgekehrt lässt ein sinkender Dollar die Erlöse aus Exporten in den Dollarraum schrumpfen.

Nun ist die Aktienkursprognose durch die Korrelation von Dollar und Aktien nicht viel einfacher geworden, denn der zukünftige Kurs des US-Dollar ist schwer vorherzusehen. Generell lässt sich jedoch sagen, dass sich eine gut laufende amerikanische Wirtschaft mit einem deutlich steigenden Bruttosozialprodukt längerfristig gut auf die deutsche Aktienkursentwicklung auswirkt. Ein steigendes Bruttosozialprodukt in Amerika bringt steigende Exporte deutscher Lieferfirmen mit sich, und der durch den hohen Kapitalbedarf des Booms zulegende Dollar sorgt zusätzlich für steigende Gewinne. Eine gute US-Wirtschaftslage sollte also durchaus noch für längere Zeit steigende Aktienkurse in Deutschland bringen.

Realer Außenwert der DM und DAX

4 Stimmungsindikatoren

Das Put/Call-Verhältnis

Stimmungsindikatoren versuchen den Grad an Optimismus oder Pessimismus der Börsenteilnehmer zu messen. Das Put/Call-Verhältnis, der Quotient aus der Anzahl der gehandelten oder neu abgeschlossenen Verkaufs- und Kaufoptionen, ist ein solcher Stimmungsindikator. Wenn viele Puts, also Verkaufsoptionen, gehandelt werden, sind viele Anleger skeptisch, denn sie rechnen ja mit sinkenden Kursen. Werden viele Calls, also Kaufoptionen, gehandelt, herrscht Optimismus vor.

Vor 40 Jahren wurde von dem amerikanischen Börsenbrief-Herausgeber und Fondsverwalter Martin Zweig das Put/Call-Verhältnis als Stimmungsindikator und Prognoseinstrument entdeckt und erstmalig berechnet. Die zugrunde liegende Idee dabei ist einfach: Wenn zu viele Marktteilnehmer positiv gestimmt sind, haben diese in der Regel schon Aktien gekauft, es fehlt also an neuen Käufern, die die Kurse nach oben treiben könnten. Sind dagegen zu viele Börsianer negativ gestimmt,