Der Holzfäller und 15 weitere erotische Geschichten - B. J. Hermansson - E-Book

Der Holzfäller und 15 weitere erotische Geschichten E-Book

B. J. Hermansson

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  • Herausgeber: LUST
  • Kategorie: Erotik
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2022
Beschreibung

"Wie er sanft über ihre Schamlippen fuhr, hin und her, vor und zurück. Ihr war heiß und sie wurde feucht und verspürte eine unbändige Lust, sich an ihn ranzuschmeißen und ihn auf der Stelle ins Bett zu zerren ..."Nach einer Woche, die Rina alleine in ihrem Sommerhaus verbracht hat, steht ein Holzfäller vor der Tür. Er ist groß und blond, und sie überlegt spontan, ob sie ihn hereinbitten soll. Sie hat das Bedürfnis nach einem echten Mann, der sie berührt. Und es ist über einen Monat her, dass Henrik und sie das letzte Mal miteinander geschlafen haben. In den letzten Monaten hat sich einiges verändert in ihrer Beziehung, aber Rina kann nicht genau benennen, was es ist. Ob sie es mit Hilfe des attraktiven Holzfällers herausfinden kann ...?Die Kurzgeschichten-Sammlung enthält:Der Holzfäller Das Polizeiverhör Das Klassentreffen Striptease Verlangen Eine offene Beziehung Das Feuer im Leib Gigolo Der Fotograf Ein gewagtes Spiel Das Sexspiel La dolce vita HaremUnterwerfung Die Umkleidekabine Alle zwei Wochen -

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Der Holzfäller und 15 weitere erotische Geschichten

Lust

Der Holzfäller und 15 weitere erotische Geschichten

 

Übersezt von LUST Translators

 

Titel der Originalausgabe: Der Holzfäller and 15 other hot erotic stories

 

Originalsprache: Dänisch

 

Coverbild/Illustration: Shutterstock

Copyright © 2022 LUST, an imprint of SAGA Egmont

 

Alle Rechte vorbehalten

 

ISBN: 9788728180150

 

1. E-Book-Ausgabe

Format: EPUB 3.0

 

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit der Zustimmung vom Verlag gestattet.

Der Holzfäller - Erotische Novelle

Es goss. Rina schaute in den im Wind wogenden Wald. Die letzten Blätter des Sommers wirbelten durch die Luft, ehe sie wie geschlagene Soldaten zu Boden gingen. Einen Sommer lang hatten sie die hohen Bäume mit ihren saftig grünen Farben geschmückt. Ihre Mission war jetzt beendet. Sie hörte ein Klopfen an der Tür und fuhr zusammen. Wer verirrte sich hier raus zu ihrer einsamen Hütte? Auf der anderen Seeseite lag noch ein Haus, aber sie hatte nie einen Menschen dort gesehen. Ab und zu sah man Leute in der Nähe des Gatters, besonders in der Blaubeer- und Pilzsaison. Aber bis zum Haus kam eigentlich nie jemand. Sie holte tief Luft und öffnete die Tür einen Spaltbreit. Auf der Fußmatte stand ein beeindruckend großer Mann.

„Hallo, ich bin Pelle und komme vom E-Werk.“ Er streckte ihr seine Hand entgegen, die sie zögernd ergriff. Ihre Hand fühlte sich sicher und gut an in seiner Pranke, wie eine Maus, die sich im Fell eines Elchs versteckt.

„Ich wollte nur Bescheid sagen, dass ich morgen am Weg hierher Äste entfernen werde, um dafür zu sorgen, dass die Stromleitungen zum Haus nicht beschädigt werden.“ Er hatte ein warmes Lächeln, und sie überlegte spontan, ob sie ihn ins Haus bitten sollte. Etwas an ihm brachte ihren Unterleib zum Pochen. Sie zog eilig die Hand weg. Das musste daran liegen, dass sie jetzt schon eine Woche ganz allein im Sommerhaus war. Und dass sie an einem erotischen Roman schrieb und Lust auf einen Mann hatte, der sie berührte. Sein Blick war intensiv, und war da nicht auch ein verführerisches Funkeln in seinen Augen? Oder bildete sie sich das nur ein?

„Schönes Haus, das Sie hier haben.“ Er lächelte wieder.

„Ich … Wir sind auch sehr froh darüber.“ Die Worte kamen schnell und sie schnappte nach Luft.

„Bis morgen dann.“

Sollte sie ihn auf eine Tasse Kaffee einladen? Oder war das irgendwie schräg? Ehe sie eine Entscheidung treffen konnte, hatte er sich umgedreht und ging den Weg hinunter. Sie begab sich zurück an den Tisch, auf dem ihr MacBook stand. Sie schaute sich die letzten zwei Zeilen an, die sie geschrieben hatte. Die Worte flossen ihr leicht in die Tastatur. Die Figuren in der Geschichte hatten inzwischen Persönlichkeit bekommen und sie hatte noch jede Menge ungeschriebene Handlung im Kopf. Aber als sie nun auf den Bildschirm schaute, schob sich ständig das Gesicht des Holzfällers dazwischen.

Ihr Handy klingelte. Sie nahm es in die Hand und sah lange auf den Namen. Erst im letzten Augenblick ging sie ran.

„Hallo, Schatz, wie geht es dir?“ Beim Klang von Henriks tiefer Stimme stellte sich augenblicklich ein Spannungskopfschmerz ein.

„Mir geht’s gut.Und euch?“ Sie lehnte sich im Stuhl zurück und schaute raus zu dem verspielten Wind.

„Dennis vermisst dich. Er hat schon mehrmals gefragt, wann du nach Hause kommst.“

„Und was hast du gesagt?“

„Dass es bis dahin nur noch drei Tage sind. Also, das hab ich gesagt, als er das letzte Mal gefragt hat.“

„Ihr habt doch bestimmt auch ohne mich Spaß?“ Das Schweigen dauerte einen Tick zu lange und erinnerte sie daran, wie froh sie war, alleine im Sommerhaus zu sein.

„Willst du mit ihm sprechen?“, fragte Henrik mit neutraler Stimme.

„Vermisst Line mich auch?“ Rina sah ihre Tochter vor sich. Ihren zwischendurch anklagenden Blick, gepaart mit jugendlicher Verwirrung.

„Doch, das wird sie wohl …“ Sie registrierte, wie er die Worte in die Länge zog.

„Hier kommt Dennis. Dann verabschiede ich mich mal. Ich hab einen Topf auf dem Herd mit dem Essen für die Kinder.“

„Hallo, Schatz. Hast du Spaß zusammen mit Papa und Line?“

„Ja, aber Line hat versprochen, mich mit ins Hallenbad zu nehmen, und das hat sie nicht getan.“ Dennis Stimme zitterte ein wenig und sie hatte Lust, ihn in die Arme zu nehmen, seinen warmen Jungenkörper zu spüren und ihm durch seine wilde Mähne zu wuscheln.

„Ich versprech dir, mit dir ins Hallenbad zu gehen, wenn ich wieder zu Hause bin.“

Sie unterhielten sich noch ein paar Minuten, in denen sie merkte, wie sehr sie den kleinen Burschen vermisste. Dieses Vermissen kam von ganz allein. Es stieg vom Bauch in den Brustkorb. Sie stand auf und putzte sich die Nase mit einem Blatt der Küchenrolle. Warum empfand sie dieses Vermissen so deutlich und fühlte nichts, wenn sie mit Henrik sprach? Gab es überhaupt irgendetwas, das sie an ihm vermisste? Seine Küsse, seine Umarmungen oder ihren Sex? Der Gedanke an Henrik löste irgendwie nichts in ihr aus. Sie konnte gut alleine sein und genoss die Abende auf dem Sofa mit einem Glas guten Rotwein. Sie bestimmte selber, was sie sehen wollte und aß, wann und worauf sie Lust hatte. Sex? Der Gedanke an Sex war an sich gut, aber es musste nicht zwingend mit Henrik sein. Sex mit sich selbst hatte auch seine Vorteile. Heutzutage gab es ganz wunderbares Spielzeug, das einem gute Orgasmen bescherte. Sie hatte schon immer den Duschkopf dafür benutzt. Es gab keinen Stress oder Hetze. Es dauerte so lange, wie es dauerte, und endete immer mit einem befriedigenden Orgasmus. Mit Henrik kam sie längst nicht immer zum Höhepunkt. In ihrer Anfangszeit, vielleicht, als sie noch frisch verliebt waren und Sex ihr Universum füllte. War ihr der Sex langweilig geworden? Weil Henrik die Dinge immer auf die  gleiche Art machte.

Sie schenkte sich ein Glas Wein ein, weil sie deutlich fühlte, dass sie heute nichts mehr schreiben würde. Das Telefonat mit den Daheimgebliebenen hatte sie von den Personen in ihrem Buch entfernt. Sie machte den Kühlschrank auf und nahm das Hähnchen von gestern raus. Dann schrubbte sie eine Ofenkartoffel und legte sie in die Mikrowelle. Da wurde sie nicht so gut wie im Ofen, aber es ging schneller und einfacher. Es gab für alles einen Ersatz. Und sei es die Zubereitungsweise einer Ofenkartoffel. Manchmal war das Original das Beste, aber ab und zu musste es halt hinter der Kopie zurücktreten. Im letzten Jahr hatte ihr Sexspielzeug es auf einen klaren ersten Platz geschafft. Sie lächelte vor sich hin und freute sich schon, nachher alleine ins Bett zu gehen. Sie hatte nicht vor, Henrik zu verlassen, immerhin hatten sie die Kinder zusammen, und das bedeutete ihr viel. Aber sie wollte gerne Teile ihres Zusammenlebens durch andere ersetzen. Nicht, dass sie sich gar keinen Sex mehr mit Henrik vorstellen konnte, aber eben nicht mehr mehrmals die Woche. Ein Lächeln zuckte in ihren Mundwinkeln, sie gluckste leise. Mehrmals die Woche war auch schon ein paar Jährchen her. Inzwischen waren sie eher bei einem Mal im Monat gelandet.

Beim Essen versuchte sie, den letzten geschriebenen Absatz noch einmal zu überarbeiten, aber ihre Gedanken schweiften ab. Also klappte sie den Bildschirm runter und schaute raus in den Wald. Die Farben waren in dieser Jahreszeit unglaublich, alle Nuancen von Gelb bis Glutrot. Bald war der Wald kahl und trist. Ein bisschen wie das Zusammenleben mit einem anderen Menschen. Ein ständiges Auf und Ab. Die jüngere Generation tauschte inzwischen alles aus, was nicht mehr funktionierte. Wohnung, Job und Partner. Sie hatte sich entschieden, zu kämpfen, auch wenn ihre Beziehung im Moment trist, farblos und ohne Überraschungen war. Henrik mit dem gebügelten blauen Hemd, den dunklen Hosen und der perfekt geschnittenen Kurzhaarfrisur.

Ihre Gedanken wanderten zu Pelle mit den blonden, wilden Locken. Sein auf sehr sexy Weise zerwühltes Haar saß alles andere als perfekt. Mit zackigen, aggressiven Bewegungen stellte sie den Teller in die Spüle und schenkte sich Wein nach. Das brauchte sie jetzt. Die Fantasie von Pelles nacktem Körper, seinen Händen auf ihrem Körper, machte sie nervös. Sie war Henrik nie untreu gewesen und wollte es auch nicht werden.

„Reiß dich zusammen“, sagte sie laut. „Kaum klopft ein Mann an deine Tür, träumst du davon, ihn anzuspringen.“

Normalerweise war sie wenig empfänglich für so etwas. Das musste daran liegen, dass sie hier im Wald so isoliert wohnte. Oder weil Sex mit einem warmen, weichen Körper einfach nicht durch Gummispielzeug ersetzt werden konnte. Wie lange war es her, dass Henrik und sie miteinander geschlafen hatten? Sie rechnete angestrengt nach und als sie bei mehr als vier Wochen angekommen war, gab sie seufzend auf. Wer war schuld daran? Ihre Kinder? Nicht direkt, aber sie verschlangen schon einen Großteil ihrer Zeit und Energie. Bevor die Kinder da waren, hatten sie Zeit und Energie im Überschuss füreinander gehabt, und sie erinnerte sich an das merkwürdige und zugleich schöne Empfinden, das ihr Körper immer nach ihm roch. Als wäre er immer an ihr dran oder in ihr drin, selbst wenn er weit weg war. Jetzt war er weit weg, selbst wenn er direkt neben ihr saß.

 

Als sie später im Bett lag, versuchte sie sich Henrik vorzustellen. Aber immer und immer wieder schob sich Pelles Gesicht davor. Sie strengte sich an, ihn wegzuwischen, aber er hatte sich festgebissen. Und das Peinlichste daran war, dass der Gedanke an ihn sie total erregte. Die Bilder seiner Hände auf ihren Brüsten und ihrem Bauch füllten ihre Fantasie. Seine Finger, die mit ihrer Klitoris spielten.

Zu den Bildern eines fremden Mannes zu onanieren, fühlte sich an wie ein Seitensprung. Dachte sie sonst immer an Henrik, wenn sie sich selbst befriedigte? Sie kramte in ihrem Gedächtnis nach, konnte sich aber nur an die Male erinnern, in denen sie sozusagen aus sich herausgetreten war und ganz entspannt war. Ohne irgendeinen Gedanken oder Bilder im Kopf. Sie löschte das Licht und legte die Hände auf die Decke. Heute kein Alleinsex, aber vielleicht morgen? Was würde passieren, wenn Pelle zurückkam? So wie sie sich in diesem Moment fühlte, konnte sie sich gut vorstellen, Pelle zu sich ins Haus einzuladen. Sie biss sich fest auf die Lippe und zwang ihre Gedanken zu ihren Kindern. Die Kinder waren normalerweise erfolgreiche Lustkiller.

Aber jetzt war sie so randvoll von Lust auf Sex, dem Bedürfnis, berührt zu werden und eine Wildheit zu spüren, in der alle Sinne nur auf ein Ziel ausgerichtet waren. Nimm mich, berühr mich. Sie fühlte sich fast wie besessen und wand sich unter ihrer Decke. In ihrem Hals wuchs ein Kloß, weil sie sich in diesem Moment wie der einsamste Mensch auf der Welt fühlte. Das Spielzeug in der Schublade konnte nicht den körperlichen Hunger nach Wärme und Zärtlichkeit stillen. Wie waren sie und Henrik an diesen Punkt gekommen? Im letzten halben Jahr hatte sie sich dezent aber bestimmt entzogen, wenn er sie küssen wollte. Und wenn sie mitbekam, dass er sie umarmen wollte, war sie ihm ausgewichen. Warum tat sie das? Liebte sie ihn nicht mehr? Aber warum vermisste sie ihn dann so, wenn sie ihn gedanklich aus ihrem Leben herausschob? Seinen liebevollen Blick, dass sie immer auf ihn zählen konnte. Seine große Geduld mit ihren Kindern, und dass er sie freigab, wenn sie schrieb. Aber all diese Dinge waren Teil ihres Zusammenlebens und in gewisser Weise nicht Henrik selbst. Es waren die Dinge, die er tat, die sie vermisste, nicht der Mensch Henrik. War es tatsächlich so? Das letzte Jahr war hart gewesen. Line war in einem schwierigen Alter, und die Freunde, mit denen sie abhing, hatten ein ganz anderes Mädchen aus ihr herausgekehrt. Die Streitereien und ihre verletzenden Kommentare ließen den Rest der Familie verstummen. Früher hatten sie zusammen gelacht, gesungen und getanzt, aber jetzt hatte Line sie dazu gebracht, auf Zehenspitzen durchs Haus zu schleichen. Der Spaß an gemeinsamen Familienaktivitäten gehörte der Vergangenheit an. Ehrlich gesagt war sie fast erleichtert, wenn Line ankündigte, dass sie abends wegging. Und trotzdem vermissten die drei Line, wenn sie weg war. Henrik und sie hatten immer am Freitagabend oder Samstagmorgen Sex gehabt. Als einen guten Start ins Wochenende. Aber das letzte halbe Jahr hatten sie sich Freitagabend Rücken an Rücken eine gute Nacht gewünscht, und sie war am Samstagmorgen aufgestanden, bevor Henrik wach wurde. Daran konnte sie Line keine Schuld geben. Sie waren die Erwachsenen und sollten zusammenhalten, in guten wie in schweren Zeiten. Ihr Leben war eine Fabrik geworden, die, so hatte sie das Gefühl, kurz vor der Insolvenz stand. Der Gedanke an die Stimmung zu Hause hatte das körperliche Verlangen nach Sex getötet. Sie gab nach, und die Tränen kamen wie eine Befreiung.

 

Am nächsten Morgen wachte sie mitten aus einem Traum auf, in dem Pelle auf ihr lag und sie eine Hand fest um seinen harten Schwanz gelegt hatte. Benommen war sie aufgestanden und hatte sich ihre Laufsachen angezogen.

Jetzt saß sie mit einem Kaffee vor dem Haus und schaute in den Wald. Über den hohen Baumspitzen zogen sich Wolken zusammen, sie roch den nahenden Regen. Ein Vogel flog krächzend durch den Wald, ansonsten war es still. Ob der Holzfäller wirklich wie angekündigt heute kam? Und wenn ja, was würde sie dann tun? Gestern war sie nicht sie selbst gewesen, und sie befürchtete, dass die leidenschaftliche Frau vom Vortag wieder das Ruder übernehmen könnte. Aber sie wollte Henrik, und nicht einen völlig Fremden, warum also löste der Gedanke an Pelle dieses Kribbeln in ihr aus?

Sie stand auf und begab sich an den Tisch, um ihre Fantasie textlich umzusetzen. Sie schloss die Tür und zog die Gardinen vor. Damit der Holzfäller glaubte, sie sei nicht zu Hause, und nach dem Bäume beschneiden wieder ging.

Die Worte rieselten wie Blätter an einem windigen Herbsttag aus ihr heraus. Die Stunden vergingen wie im Flug, und erst, als ihre steifen Gliedmaßen nach Bewegung verlangten, stand sie auf.

Rina wagte einen vorsichtigen Blick nach draußen. Es goss in Strömen und der Wind zerrte an den Bäumen. Aus dem Regen schälte sich ein Geräusch heraus, das Dröhnen einer Motorsäge. Und dann entdeckte sie ihn. Hatte er sie auch gesehen? Wäre es unhöflich, nicht zu ihm rauszugehen? Andererseits regnete es draußen Katzen und Hunde. Er hatte angekündigt, dass er kommen würde, um die Bäume am Weg zu beschneiden. Es gab nichts mehr zu besprechen. Er brauchte keine Rechnung bei ihr abzugeben oder sich eine Unterschrift von ihr zu holen. Er konnte einfach wieder verschwinden. Aber sie wollte nicht die einsame Frau im Sommerhausbett sein. Sie wollte zum Leben erweckt werden, das Blut durch ihre Adern rauschen spüren und mit wilder Lust ihre steifen Muskeln lockern. Sie wollte nach Strich und Faden durchgevögelt werden wie eine junge Frau. Sie konnte hinterher nicht sagen, wie lange sie noch so aus dem Fenster gestarrt hatte und wann ihr Gesicht plötzlich regennass gewesen war.

Langsam näherte sie sich dem großen Körper, der unter schützenden Stofflagen versteckt war. Sie wollte Pelle nicht erschrecken, und beobachtete ihn darum ein Stück entfernt, wie er die große Kettensäge schwang. Das dicke Seil am Gürtel war vermutlich zu seinem Schutz, wenn er auf die hohen Bäume kletterte. Sie hielt die Luft an. Was sollte sie jetzt machen? Was wäre ihr nächster Schritt?

Plötzlich verstummte die Motorsäge und der Holzfäller drehte sich um, als hätte er ihre Anwesenheit gespürt.

„Hallo.“ Sie versuchte zu lächeln.

„Hi, ich bin fast fertig.“

Er zeigte auf die Stromleitung, die neben dem Waldweg entlanglief.

„Was für ein Wetter.“ Etwas Geistreicheres fiel ihr nicht ein.

„Ja, nicht so toll. Aber das stört mich nicht. Ich hab wetterfeste Kleidung. Ein heißer Sommertag kann viel unangenehmer sein. Sind Sie ganz allein?“ Er schaute zum Haus.

„Ja. Ich bin Schriftstellerin und komme oft zum Schreiben hierher.“

Der Holzfäller war sehr freundlich, aber irgendwie kam er ihr, jetzt, wo sie sich mit ihm unterhielt, gar nicht mehr so aufregend vor. Sie fühlte sich wie ein Ballon, aus dem die Luft entwich, und war plötzlich ganz erschöpft und frustriert. Die Vorstellung, ihn zu sich einzuladen und vielleicht einen wilden Freitagabend zu verbringen, war sehr reizvoll gewesen, aber jetzt fühlte sie sich schwer und irgendwie leer. Sie wünschte dem Holzfäller noch einen guten Tag und ging zurück zum Haus.

 

Später saß sie am Tisch und starrte auf den Text auf ihrem Bildschirm, aber der Wortstrom war versiegt. Sie dachte an Henrik und seufzte. Er und Dennis wollten am nächsten Tag kommen und am Sonntagabend wollten sie zusammen nach Hause fahren. Aber hatte sie überhaupt Lust, zu all den Problemen zurückzufahren? Kalt und unlebendig neben Henrik zu liegen? Sie brauchte Luft und öffnete die Tür, um nachzuschauen, ob es noch regnete. Es hatte aufgehört zu regnen, aber die Luft war noch sehr feucht. Sie zog ihren alten Wollpullover an und schloss die Tür hinter sich. Beim Gehen dachte sie darüber nach, ob sie wirklich Lust auf Pelle gehabt hatte? Oder war es nur ihr allgemeines, von ihrer Fantasie angeregtes Bedürfnis nach Berührung und Nähe gewesen? Der Holzfäller war nicht mehr da, und in ihrer Erinnerung war der große Mann längst nicht mehr so sexy wie in ihrer Fantasie. Unter den vielen Kleiderschichten war schwer zu sagen, wie sein Körper eigentlich aussah. Seine Augen, seine offene Art und sein Beruf hatten ihr das Gefühl gegeben, einen echten Mann vor sich zu haben, aber sie hätten es vermutlich niemals bis ins Bett geschafft, um sich davon zu überzeugen. Sie wollte Henrik nicht betrügen. Fantasieren war okay, aber niemals in die Tat umsetzen. Sie wollte Henrik. Die große Frage war nur, ob er sie auch wollte.

Sie machte kehrt und ging langsam zum Haus zurück. Es war lange her, dass Henrik und sie allein Zeit zusammen verbracht hatten. Sie hatten bald Hochzeitstag, vielleicht sollten sie ein Wochenende zusammen wegfahren? Der Gedanke an Henrik und sie zusammen an einem schönen Ort machte sie ruhig und gab ihr den Glauben daran zurück, dass sie gemeinsam schon ihre Krise meistern würden.

Sie blieb abrupt stehen, als sie Henriks Wagen vor dem Haus stehen sah. Was machte er hier? War etwas passiert? Ihr Blut gefror zu Eis und sie befürchtete das Schlimmste. Sie riss die Tür auf und wäre fast mit Henrik zusammengestoßen, als sie hineinstürmte.

„Was ist passiert?“ Ihre Stimme klang scharf und schrill.

„Ganz ruhig. Ich wollte dich einfach gerne sehen.“

Sie merkte, wie ihre Lungen sich leerten. Die Freude, dass er gekommen war, breitet sich aus.

„Als ich das Auto gesehen hab, dachte ich, es wäre was passiert …“ Sie sah in sein ernstes Gesicht und fuhr fort. „Mit unseren Kindern.“

„Denen geht es gut. Ich würde nur gerne mit dir reden.“ Er senkte den Blick und biss sich auf die Lippe. Sie beugte sich vor und wollte ihm einen Kuss geben, aber er zog den Kopf weg. Sie sah ihn fragend an. Er sah erschöpft aus, als ob ihn etwas drückte.

„Wollen wir was zu essen machen? Oder ich kann auch was machen, wenn du müde bist nach der Fahrt und dich ausruhen willst?“

Sie stieg aus ihren Gummistiefeln, behielt den Pullover aber an. Nicht, weil sie fror, aber sie brauchte das Gefühl von Sicherheit und Wärme.

Er folgte ihr wortlos in die Küche. Sie ging zum Kühlschrank und nahm den Karton Roséwein heraus. Sie sah ihn fragend an, aber er war zur Glastür gegangen und schaute hinaus in den Wald.

„Magst du auch ein Glas?“

Sie sah auf seinen stummen Rücken und trank hastig einen Schluck Wein.

„Henrik?“

Ihre Stimme klang merkwürdig hoch, fand sie.

Er drehte sich langsam um. Sie hielt ihm ihr Glas hin und er nickte langsam, ohne etwas zu sagen. Sie stellte das Glas auf den Tisch und ging zurück zum Kühlschrank. War noch was für eine gemeinsame Mahlzeit da? Sie hätte sich selbst einen Salat mit Shrimps gemacht. Die meisten Lebensmittel, die sie für die Schreibwoche eingekauft hatte, waren verbraucht, und für die Familie morgen hätten sie für die zwei Tage eingekauft, die sie da waren. Aber nun war Henrik alleine gekommen. Um mit ihr zu reden. Oder für ein Schäferstündchen mit ihr? Sie stellte sich vor, dass sie im Bett aßen, Musik hörten und redeten. Und wie sie sich wild und zärtlich immer und immer wieder liebten. Henrik, der sie am ganzen Körper leckte und an ihrem Ohr knabberte, während seine Finger mit ihrer Klitoris spielten. Wie er sanft über ihre Schamlippen fuhr, hin und her, vor und zurück. Ihr war heiß und sie wurde feucht und verspürte eine unbändige Lust, sich an ihn ranzuschmeißen und ihn auf der Stelle ins Bett zu zerren, aber als sie sein versteinertes Gesicht sah, verpuffte die Lust schnell wieder. Sie redeten nicht, als sie das Essen auf den Tisch stellte. Das Schweigen war schwer. War das schon länger so? War er krank? Hatte er eine andere Frau? Liebte er sie nicht mehr? Sie schielte immer wieder zu ihm rüber, und der Gedanke, dass ihr gemeinsames Leben vielleicht hier endete, wurde von seinem finsteren Blick bestärkt. Sie goss sich Wein nach. Das hier brauchte ein paar Promille, hatte sie das Gefühl. Ihr war schrecklich warm in dem dicken Pullover, aber sie wollte ihn nicht ausziehen, weil er sie vor der Einsamkeit schützte, die folgen würde, wenn er ihr den Grund für sein Kommen sagte.

Der Beschluss, zu dem sie bei ihrem Spaziergang im Wald gekommen war, hatte sich in Luft aufgelöst. Der Wunsch, ihre Ehe zu kitten, war unter großen, braunen Blätterhaufen begraben.

 

Als sie fertig gegessen hatten, ergriff Henrik das Wort und sah sie zum ersten Mal an. Sie hatte mindestens vier Gläser Wein getrunken und schenkte sich schnell nach.

„Es tut mir leid, Rina, aber ich kann so nicht mehr weitermachen.“

„Was heißt das? Hast du eine andere?“

Sie hatte nicht vorgehabt, die Worte auszusprechen, die ihn ihr nagten, sie kamen einfach angeflogen wie eine Nachteule auf der nächtlichen Jagd im Wald. Er rieb sich die Stirn und biss sich auf die Lippe, schlug den Blick nieder und legte seine Handflächen aneinander. Jetzt kamen die Worte, die sie am allermeisten fürchtete, und die sich für immer zwischen sie schieben würden.

„Ist es meine Schuld? Weil ich mehr Mutter als Geliebte und Ehefrau geworden bin?“

Das Weinen steckte ihr im Hals und wollte raus, aber das würde sie nicht zulassen. Sie leerte ihr Glas in einem Zug.

„Ich habe keine andere, Rina.“

Sie starrte das leere Glas an. „Wer ist sie?“

„Rina. Hör doch zu, was ich sage. Es gibt keine andere Frau, aber ich ertrage unser Leben nicht mehr. Ich will keine Beziehung ohne Liebe und Sex. Wir reden miteinander wie Geschäftspartner und nicht wie zwei Menschen, die sich lieben.“ Er stand auf und nahm eine Flasche Rotwein aus dem Regal. Mit zielgerichteten Handgriffen öffnete er sie und sah sie fragend an. Sie nickte stumm.

„Deine Mutter hat schon immer gesagt, dass du ein sehr sensibles Kind warst.“

„Willst du damit sagen, dass mit mir was nicht stimmt, Rina?“

„Du hast schließlich eine andere.“

Er schüttelte den Kopf und trank einen Schluck von der roten Flüssigkeit. Seine Augen glänzten müde. Am liebsten hätte sie ihn in den Arm genommen und ihm gesagt, dass sie das gemeinsam schon schaffen würden. Aber der Wein hatte sich wie dicker Samtstoff über ihre Gedanken gelegt.

„Ich habe auch darüber nachgedacht, dass wir an unserer Beziehung arbeiten müssen, aber das ist ja jetzt egal.“ Sie versuchte, normal zu sprechen, aber der Wein verlieh ihrer Stimme einen komischen Klang. Henrik sah sie müde an und stand auf.

„Ich gehe eine Runde, brauche dringend Luft. Und du solltest vielleicht besser schlafen gehen.“ Er trug seinen Teller und sein Glas zur Spüle. Sie blieb handlungsunfähig am Tisch sitzen und nippte an ihrem roten Getränk. Lange, nachdem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, stand sie auf. Sie ließ alles stehen und liegen und ging ins Schlafzimmer. Als sie sich hinlegte, drehte sich das Bett und sie verfluchte das letzte Glas Wein.

 

Das Hämmern des Türklopfers drang in ihr Unterbewusstsein. Sie setzt sich im Bett auf. Es war dunkel im Raum und sie kam unsicher auf die Beine. Wie eine Schlafwandlerin ging sie zur Tür und öffnete sie. Die Außenbeleuchtung brannte und beleuchtete Pelles männliches Gesicht.

„Ich dachte mir, dass du vielleicht nichts gegen ein wenig Gesellschaft hättest, also, hier bin ich!“

Sie trug nur eine dünne Bluse und einen Slip, aber sie merkte eine Hitzewelle bis in den letzten Winkel ihres Körpers ausströmen. Sie machte einen Schritt nach hinten, damit er eintreten konnte. Ihr Blick fiel auf den Tisch, auf dem noch ihr Teller und das Weinglas stand. Warum hatte sie das nicht weggeräumt. Sie drehte sich um und sah Pelle an. Fest und bestimmt zog er ihr Gesicht an seins. Seine Zunge fuhr spielerisch über ihre Lippen, ehe er sie in ihren Mund schob. Der leidenschaftliche Kuss verschlug ihr vor Lust und Geilheit den Atem. Seine Hände strichen über ihre nackte Haut, und ihre Hand fuhr an seinem harten Schwanz auf und ab. Er trug sie ins Bett und kniete sich rittlings über sie. In der Dunkelheit konnte sie ihn nicht mehr sehen, aber das machte das Ganze nur mystischer und erregender. Sie zog ihn runter auf ihren Körper und explodierte vor Genuss, als er in sie eindrang. Normalerweise hatte sie auf diese Weise nie einen Orgasmus, aber die Art und Weise, wie er seinen Schwanz in sie stieß, vertrieb die Dunkelheit in einem millionenfachen Sternenregen.

 

Sie wachte nach einem tiefen und erholsamen Schlaf auf. Sie lag im Halbdämmer da und genoss den Nachklang einer richtig guten Nacht. Als sie etwas wacher wurde, stellte sie fest, dass sie nackt war und entspannt, wie nach einem befriedigenden Orgasmus. Sie drehte ihren Kopf zur leeren Bettseite und rief sich den gestrigen Abend ins Gedächtnis. Ihre Scheide brannte. Das sichere Zeichen, dass sie in der Nacht Sex gehabt hatte und es kein Traum war. War im Zimmer ein anderer Duft als der von Henrik? Henrik, Wein, Rausch und Pelle schwirrten durch ihren Kopf. Sie setzte sich benommen auf. War Pelle heute Nacht tatsächlich hier gewesen und hatte Sex mit ihr gehabt? Unterm gleichen Dach wie Henrik? Ihr Herz begann zu hämmern. Oder hatten Henrik und sie miteinander geschlafen? Sie erinnerte sich, wie wild und innig es gewesen war, bevor sie kam und als sie kam. Als sie aus dem Bett stieg, entdeckte sie ihren Slip auf dem Boden. Sie konnte ums Verrecken nicht sagen, ob Henrik oder Pelle ihr mitten in der Nacht einen Besuch abgestattet hatte.

Ihr Spiegelbild im Badezimmer starrte sie mit wildem Blick und einer darunter verborgenen Sehnsucht an. Nackt wie sie war schlich sie ins Kinderzimmer. Es war noch dunkel, und sie stand still und lauschte. Als sie Henriks gleichmäßigen Atemzüge hörte, ging sie zu dem Bett, in dem er lag und kniete sich davor. Als ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah sie seinen Körper. Vorsichtig strich sie mit den Händen über seine Arme. Sie merkte, dass er wach wurde, und hielt die Luft an. Sie hatte Angst vor dem nächsten Schritt. Würde er sie abweisen oder sich freuen? Ihre Hände strichen über seinen Bauch, sie sehnte sich nach einer Wiederholung von dem heißen Sex der Nacht. Er legte eine Hand um ihren Unterarm und signalisierte ihr, dass sie aufstehen sollte. Jetzt stand sie nackt vor ihm, ängstlich und voller Lust. Er zog sie zu sich runter und küsste energisch ihre Lippen. Ein Zittern lief durch ihren Körper, sie stöhnte.

„Nimm mich“, bat sie.

Er sah sie an. Sie war geil wie selten zuvor, und er lächelte sie aufreizend an. Dann fühlte sie seine Hände über ihrer glühenden Möse. In diesem Augenblick war es absolut unwichtig, mit wem sie in der Dunkelheit der Nacht Sex gehabt hatte. Vielleicht war es ja doch nur ein heißer Traum gewesen. Aber eins war sicher: Es fühlte sich absolut richtig an, jetzt hier in Henriks Armen zu liegen.

Das Polizeiverhör - Erotische Novelle

Ein Polizist. Ein Staatsdiener. Jemand, der das Gesetz in seinen Händen hält. Eine Autorität. Jemand, der zweifellos sagen kann, was richtig und was falsch ist. Jemand, der entscheiden kann. Jemand, der entscheiden kann, ob eine Konsequenz droht oder nicht. Jemand, der die Möglichkeit, und die Befugnis hat, mich zu bestrafen.

Aber auch die Uniform. Die dunkelblaue, fast schwarze. Die sich an seinen Körper schmiegt. Einen Körper, der übrigens immer durchtrainiert zu sein scheint. Zumindest in der Realität – im Film ist das anders. Groß, meistens. Bartstoppeln, die scheinen viele Polizisten zu haben. Ich finde das sexy. Lippen, Augen, Nase, Wangen – wie bei uns anderen. Aber gerade die Uniform. Sie ist es, die für die ultimative Besonderheit sorgt. Das Emblem. Die beiden Dinge sagen aus, was er ist. Wer er ist: ein Polizist.

Habe ich schon immer diese Faszination für diese Berufsgruppe gehabt? Ich denke nach. Vielleicht nicht immer. Oder vielleicht doch. Zumindest seit vielen, vielen Jahren. Soviel ist sicher. Ich weiß nicht genau, wann es anfing.

Ich erinnere mich an ein Mal in der Grundschule, als Polizisten kamen und von ihrer Arbeit berichtet haben. Ich saß fast ganz vorn im Klassenzimmer. Vielleicht war das Absicht, ich erinnere mich tatsächlich nicht. Ich erinnere mich hingegen, wie aufregend ich es fand. Und wie neugierig ich auf sie wurde. Es waren ein Mann und eine Frau. Die Frau erzählte von der Ausbildung. Der Mann erzählte vom Berufsleben. Ich hörte mit unvergleichlicher Konzentration und großem Interesse zu. Aber vor allem beobachtete ich sie. Vor allem ihn. Das zweite Mal, als ich auf die Polizei traf, war auf dem Gymnasium. Damals war es bei einer Hausparty, die ausgeartet war. Die Polizei kam, zwei an der Zahl, Männer, und beendeten die Party. Sie waren bestimmt, aber nicht wütend. Ein paar versuchten zu protestieren, lenkten aber nach einer Weile ein. Die meisten gehorchten sofort. Es waren ja schließlich Polizisten.

Ich war einer von denen, die gehorchten.

Das war wahrscheinlich der Zeitpunkt, an dem es begann. Die tatsächliche Faszination. Und die sexuelle Anziehung von Männern in Uniform. Besonders Polizisten.

Meine Faszination wurde mit der Zeit so stark, dass ich aktiv begann, nach Polizisten zu suchen. Sah ich welche auf der Straße, blieb ich immer stehen und beobachtete sie. Nicht so, dass ich ihnen nachgeschlichen wäre und sie fotografiert hätte oder so. Nein. Gewisse Grenzen hatte ich. Und ich glaube, die habe ich noch immer. Aber immer, wenn ich einem Polizisten auf der Straße begegne, blicke ich in seine Richtung. Bleibe stehen, tue so, als würde ich auf mein Handy schauen. Lausche und versuche, ihn so lange wie möglich zu beobachten, ohne entdeckt zu werden. Manchmal schaute er zurück. Begegnete meinem Blick. Und ich fragte mich immer, ob es ihm klar war. Ob er verstand, dass ich dort stand und nur ihn beobachtete.

Und warum.

Einmal datete ich sogar einen Polizisten. Oder fast jedenfalls. Er war ein so genannter Aspirant. Das heißt, dass er seine Ausbildung noch nicht vollständig abgeschlossen hatte, aber dass er dennoch draußen auf der Straße war – in der harten Realität. Wir hatten unser erstes Date in einem Schwulenclub. Er fühlte sich unwohl, mochte Clubs im Allgemeinen nicht so. Ich mochte es. Den Ort, meine ich, nicht die Tatsache, dass er sich unwohl fühlte. Wir tranken Bier und beobachteten, abgesehen voneinander, die anderen Personen im Raum. Er hieß Andreas. Er war zwei Jahre älter als ich. Ich wusste nicht, dass er Polizist war, nicht am Anfang. Wir hatten erst wenige Stunden zuvor begonnen, miteinander zu schreiben. Für derartige Fragen war einfach noch keine Zeit gewesen, die kamen erst jetzt. Ich war bei einem Abendessen gewesen, er auf einer Geburtstagsfeier. Wir befanden uns jeweils in der Nähe des anderen und ich fragte: „Was hältst du davon, wenn wir uns treffen?“ Andreas war von Anfang an attraktiv. Ohne, dass ich seinen Beruf kannte. Er trug weiße Sneaker und schwarze Chinos. Er hatte durchtrainierte Schenkel, das war deutlich zu sehen. Ein weißes T-Shirt. Er war muskulös und er roch frisch nach einem Parfüm, das ich erkennen, aber nicht zuordnen konnte. Auch er hatte Bartstoppeln. Eine gerade Nase und helle, graue, fast funkelnde Augen. Genau mein Geschmack. Wir redeten. Wir lachten. Andreas war locker, lustig. Er verstand die Witze und Anspielungen die ich machte sofort. Und andersherum genauso. Ich fühlte mich geborgen bei ihm. Sicher. Und beachtet.

Nach einer Weile fragte ich, was er arbeitete. Und da erzählte er es. Ich fand ihn wie gesagt bereits vorher attraktiv, wirklich. Ein Typ, der in jeder Beziehung exakt meinem Geschmack entsprach. Aber jetzt war es, als würde noch etwas darüber hinaus passieren. Es war wirklich so. Ich konnte mich nicht zurückhalten. Ich konnte nicht denken, vernünftig sein – überhaupt nicht normal sein. Nein, ich wurde so geil. Ich wurde mit einem Mal so verdammt geil, als er das erzählte. Und ich konnte ihn mir vorstellen – in seiner Uniform. Im Beruf. Sofort konnte ich das. Er war nett und lustig, wie gesagt. Charmant. Aber er hatte auch eine Autorität an sich. Eine Selbstsicherheit. Das hatte ich bereits bemerkt, als er mich draußen vor dem Club traf. Die Haltung, der gerade Rücken. Sein Blick, der nicht flackerte. Ich konnte ihn direkt in seinem zukünftigen Beruf sehen. Ich hatte bereits da beschlossen, dass ich ihn wollte. Wirklich, wirklich. Aber jetzt wollte ich ihn umso mehr. Nein, jetzt musste ich ihn sogar haben. So fühlte ich. Mein ganzer Körper fühlte so. Ich hatte keine andere Wahl. Ich musste, musste ihn bekommen. So dachte ich. Es war, als würde man einen Knopf bei mir drücken. Der Funke in mir wurde entzündet. Der Wille, ihn zu bekommen. Der Wille, ihn zu spüren. Ihn zu schmecken. Aber auch, und vielleicht vor allem: ihn in dieser Uniform zu sehen, zu bekommen. Ich überlegte, ob ich es ihm sagen sollte oder nicht. Ich fragte ihn stattdessen, ob er bemerkt hätte, dass der Beruf irgendeine besondere Wirkung hatte, wenn es um das Daten ging. Andreas nickte. Und er lächelte. Alles an ihm strahlte. Und ich verstand, dass ich es ihm erzählen konnte, ohne dass er mich verurteilen würde. Oder mich zurückweisen, für meine sexuelle Vorliebe. Er würde es verstehen. Er würde es sogar, mögen, dachte ich,.

Und ich hatte Recht.

Andreas war mein Erster. Mein erster Polizist.

Wir kamen nie zusammen. Aber wir hatten Sex. Viel Sex. Und ich liebte jeden Moment davon. Das Einzige, was ich mir gewünscht hätte, was Andreas aber nicht wollte, war die Einbindung seiner Uniform in unsere sexuellen Abenteuer. Er sagte, dass es eine Sache des Prinzips wäre. Dass wir gerne so tun könnten, als wäre er Polizist, Rollenspiele spielen und so weiter. Aber die Uniform durfte nie dabei sein.

Irgendwann hörten wir auf uns zu treffen. Und ich glaube wirklich, dass die Uniform die Sache hätte ändern können. Vielleicht hätten wir uns weiter getroffen. Vielleicht hätte Andreas mich weiter gefickt. Ich weiß es nicht, aber vielleicht.

Nach Andreas traf ich mehrere Polizisten. Ich fühlte mich weiterhin aufgrund ihres Berufes von ihnen angezogen. Man kann sich selbstverständlich fragen, ob das richtig oder falsch ist. Derart auf eine Berufsgruppe anzuspringen. Aber ich habe nicht danach gefragt. Ich mochte es ja. Daher machte ich weiter. Es resultierte darin, dass ich mehrere Polizisten traf. Aber wir verstanden uns nie auf die gleiche Weise wie Andreas und ich es getan hatten. Ich hatte Sex mit drei weiteren Polizisten. Auch diese Treffen fanden komplett ohne die Beteiligung der Uniform statt. Ich datete noch ein paar weitere. Aber es wurde nie mehr daraus als ein Bier, vielleicht zwei. Oder ein Hamburger. Eine Beobachtung, die ich übrigens gemacht habe: viele Polizisten scheinen den Hamburger auf Platz eins ihrer Favoriten-Liste stehen zu haben, wenn es um Essen geht. Ich habe einen Polizisten einmal danach gefragt und warum dies seiner Meinung nach ein gemeinsamer Nenner zu sein schien. Er hatte eine gute Antwort darauf. Er erzählte, dass dies tatsächlich etwas mit dem Job zu tun habe. Nicht die Burger im Speziellen, aber Fast Food. Ich fragte natürlich, wie es dazu kam. Da erzählte er, dass es um den Zeitfaktor ging. Dass sie oftmals nicht wussten, wie lang die Mittagspause oder Rast sein würde. Und dass, wenn sie draußen unterwegs waren und patrouillierten, dann schnell in einem Fast Food-Restaurant oder Burger-Laden vorbeischauen konnten. Einen Burger im Auto essen. Wurden sie zum Einsatz gerufen, konnten sie schnell weiterfahren. Und das Essen mitnehmen.

Ja, das klingt natürlich vernünftig, wenn man das so sieht.

*

Der Verhörraum ist klein. Eng. Aber es ist nicht so dunkel wie im Film und in TV-Serien. Hier gibt es einen weißen und scheinbar stabilen Tisch und zwei Stühle. Aber auch ein kleines Sofa für zwei Personen. Ebenso ein Bücherregal, das außer einigen Notizblöcken und ein paar Stiften auch eine Wasserkanne und ein paar Pappbecher enthält.

- „Weißt du, warum du hier bist, Johan?“, fragt er mich.

- „Ich wurde zu einem Verhör eingeladen“, antworte ich wahrheitsgemäß.

- „Weißt du, was dir vorgeworfen wird?“

- „Nein“, antworte ich.

- „Plagiat“, antwortet der Polizist. „Dir wird vorgeworfen, abgeschrieben zu haben.“

- „Was denn abgeschrieben?“, frage ich.

- „Texte“, antwortet er.

- „Texte?“

- „Wie viele erotische Kurzgeschichten hast du bisher eigentlich schon geschrieben?“

- „59“, antworte ich.

- „59 erotische Kurzgeschichten?“

- „Ja“, sage ich. „Aber ich arbeite an mehr.“

- „Das ist…nicht wenig“, antwortet er.

- „Nein“, sage ich. „Das ist schon was.“

- „Woher bekommst du deine Inspiration?“

- „Von allen möglichen Seiten“, antworte ich. „Manchmal habe ich einfach nur eine Idee. Oder einen Titel. Oder jemand erzählt mir etwas. Etwas, das ich dann als Inspiration verwenden kann, wenn ich die Geschichte schreibe. Manchmal schaue ich auch auf Pornoseiten nach, was gut ankommt. Nach den Kategorien. Oder jemand schreibt mir und sagt, was seiner Meinung nach an erotischen Kurzgeschichten fehlt.“

- „Du schaust Pornos, um Ideen zu bekommen?“

- „Manchmal“, antworte ich.

- „Magst du Pornos?“

- „Was hat das mit der Sache zu tun?“

- „Antworte auf die Frage!“

- „Ja“, antworte ich. „Ich mag Pornos. Mögen Sie Pornos?“

- „Ich verhöre dich, Johan. Nicht umgekehrt.“

- „Natürlich.“

- „Kommt es vor, dass du die Texte von jemand anderem abschreibst?“

- „Niemals“, antworte ich. „Ich habe viel zu viel Fantasie um das nötig zu haben.“

- „Du weißt vielleicht, dass das illegal ist.“

- „Selbstverständlich.“

- „Wenn ich dir also sage, dass wir einen Tipp bekommen haben, dass du eine bereits geschriebene Kurzgeschichte kopiert haben sollst, dann meinst du, dass da nichts Wahres dran ist?“

- „Wirklich“, antworte ich. „Ich würde so etwas niemals tun.“

*

Und jetzt sitze ich also hier. In einem Verhörraum. Beschuldigt, dass ich die Kurzgeschichte eines anderen abgeschrieben und unter meinem Namen veröffentlicht haben soll. Ha! So bescheuert.

Auf der Polizeimarke steht sein Name: Tobias. Er ist einige Jahre älter als ich, würde ich schätzen. Irgendwas zwischen 35 und 40. Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen. Er ist groß, aber ich muss dennoch etwas größer sein als er. Tobias hat kurze, dunkelbraune Haare. Er hat hellblaue Augen. Keine Bartstoppeln, weshalb sein Alter so schwer einzuordnen ist. Tobias strahlt Ruhe aus und er ist ernst. Er lächelt nicht. Er lacht nicht. Nein, er ist konzentriert. Sein Blick ist intensiv. Es fühlt sich an als versuche er, mich zu durchschauen. Versucht wohl zu erkennen, ob ich etwas verberge. Will herausfinden, ob ich lüge oder ob ich die Wahrheit sage.

Bin ich nervös? Ich sollte es natürlich sein. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man bei einem Polizeiverhör sitzt. Fragen gestellt bekommt. Aber nein, ich bin nicht nervös. Ich habe nichts zu befürchten. Nicht, solange ich mich an die Wahrheit halte.

Tobias sitzt mir gegenüber. Es sind vielleicht 60 Zentimeter zwischen uns. Er trägt seine Uniform – selbstverständlich. Nicht die, die die Polizisten tragen, wenn sie draußen unterwegs sind, auf Streife. Dann ist es eher eine Jacke. Jetzt trägt Tobias ein Hemd. Ein hellblaues. Das schwarze Emblem leuchtet auf seiner Brust, mit seiner Berufsbezeichnung in goldenen Buchstaben darauf. Das Hemd ist bis zum obersten Knopf zugeknöpft. Er trägt außerdem eine Krawatte. Seine Hose ist schwarz, sitzt mit Hilfe eines Gürtels an seinem Platz. Das habe ich bereits bemerkt, als er in den Raum kam. Tobias beobachtet mich. Ich beobachte ihn. Was denkt er? Was glaubt er, was ich denke?

- „Ich habe ein paar deiner Kurzgeschichten gelesen“, sagt Tobias nach einer Weile.

Er hat noch immer die gleiche Ernsthaftigkeit, als er das sagt. Kein Lächeln, nicht einmal eine Andeutung davon.

- „Ach so?“, sage ich und lächle. „Wie fanden Sie sie?“

- „Ich habe die gelesen, in der es um ein Rollenspiel geht.“

- „Räuber und Gendarm“, sage ich fröhlich. „So heißt sie.“

- „Genau“, sagt er.

- „Wie fanden Sie sie?“

- „Du musst besser recherchieren. Ein Teil der Sachen stimmt nicht. Die Dialoge wirken unrealistisch.“

- „Es war doch ein Rollenspiel. Keine Abbildung der Wirklichkeit.“

Ich lächle. Und zum ersten Mal erahne ich auch bei ihm den Anflug eines Lächelns. Es ist nicht offensichtlich, absolut nicht. Aber einer seiner Mundwinkel hat sich nach oben bewegt. Etwas, ein wenig. Doch, ich sehe es. Das ist ausreichend.

- „Sie haben also meine erotischen Kurzgeschichten gelesen?“, sage ich.

- „Ich bin es, der das Verhör führt. Nicht umgekehrt.“

- „Natürlich. Aber Sie stellen mir Fragen. Mehrere. Beschuldigen mich sogar für etwas, das ich nicht getan habe. Ist es da nicht angebracht, dass ich Sie auch mal etwas frage?“

- „Nein.“

- „Doch.“

- „Schluss jetzt. Ich bestimme hier.“

- „Ist das so?“

Ich stehe auf.

- „Hinsetzen!“, sagt Tobias in bestimmtem Ton.

Ich setze mich nicht hin. Stattdessen gehe ich einige Schritte um den Tisch herum. Stelle mich neben Tobias. Er sitzt dort mit geradem Rücken. Hat den Kopf und den Blick auf mich gerichtet. Strahlt Selbstsicherheit aus. Aber in seinem Blick sehe ich auch eine Unsicherheit. Was habe ich vor? Was werde ich tun? Ich setze mich auf den Tisch, meinen Körper ihm zugewandt. Mein rechtes Bein streift seinen linken Schenkel.

- „Darf ich ihnen etwas erzählen?“, frage ich.

Tobias antwortet nicht.

- „Ich habe wirklich eine Schwäche für Polizisten“, sage ich.

- „Das kann ich mir gut vorstellen“, sagt Tobias, den Blick fest auf mich gerichtet.