Der letzte Scheißkerl - Roman Maria Koidl - E-Book

Der letzte Scheißkerl E-Book

Roman Maria Koidl

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Beschreibung

Es ist das perfekte Paar: die Angst und die Liebe. Doch warum macht uns eigentlich kaum etwas so viel Angst wie die Liebe? Mehr noch: Was haben Ängste damit zu tun, dass uns Menschen immer wieder magisch anziehen, mit denen wir dann doch keine langfristige Beziehung führen können? Roman Maria Koidl hat sich mit mehr als viertausend Frauen darüber ausgetauscht und wiederkehrende Beziehungsmuster erkannt. Hier erklärt er, warum Mutter-Theresa-Frauen gern den Privatpatienten suchen oder sich unbezahlte Teilzeit-Erzieherinnen irgendwann erschöpft von ihren Kindkerlen trennen. Ist es doch ein Irrglaube zu meinen, man könnte sich den eigenen Partner passend machen oder ihn gar verändern. Das Besondere an diesem Buch: Es bietet ein praktisches Modell, Ängste als Schlüssel zur Lösung von Beziehungsproblemen zu begreifen und entsprechend zu handeln. Auf dass sich Der letzte Scheißkerl für immer verabschiede.

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Das Buch

Es ist das perfekte Paar: die Angst und die Liebe. Doch warum macht uns eigentlich kaum etwas so viel Angst wie die Liebe? Mehr noch: Was haben Ängste damit zu tun, dass uns Menschen immer wieder magisch anziehen, mit denen wir dann doch keine langfristige Beziehung führen können? Roman Maria Koidl hat sich mit mehr als viertausend Frauen darüber ausgetauscht und wiederkehrende Beziehungsmuster erkannt. Hier erklärt er, warum Mutter-Theresa-Frauen gern den Privatpatienten suchen oder sich unbezahlte Teilzeit-Erzieherinnen irgendwann erschöpft von ihren Kindkerlen trennen. Ist es doch ein Irrglaube zu meinen, man könnte sich den eigenen Partner passend machen oder ihn gar verändern. Das Besondere an diesem Buch: Es bietet ein praktisches Modell, Ängste als Schlüssel zur Lösung von Beziehungsproblemen zu begreifen und entsprechend zu handeln. Auf dass sich Der letzte Scheißkerl für immer verabschiede.

Der Autor

Der Start-up-Entrepreneur und Publizist Roman Maria Koidl, Jahrgang 1967, ist u.a. Autor der Spiegel-Bestseller Scheißkerle und Blender. Darüber hinaus ist er Initiator der gemeinnützigen Kunsthalle Koidl in Berlin, einem Sammlerforum für zeitgenössische Kunst. Er lebt in Zürich.

ROMAN MARIA KOIDL

Der letzte Scheißkerl

Wie aus dem Falschen der Richtige wird

ullstein extra

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ISBN 978-3-8437-1566-9

© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2017Covergestaltung: semper smile, MünchenCoverabbildung: © shutterstock/Panptys

E-Book: Pinkuin Satz und Datentechnik, Berlin

Alle Rechte vorbehalten

Inhalt

Über das Buch und den Autor

Titelseite

Impressum

Widmung

Prolog – oder warum es eine Fortsetzung von Scheißkerle gibt

Geliebt werden immer die anderen

Love Coach

Mangelmänner und ihre Frauen

King Koitus und seine Objekte

Doktor Nö und die Krankenschwester

Narzisst und Vielleichtchen

Der Softboy und die Powerfrau

Warum uns die Liebe Angst macht

Einfach kompliziert

Von Haien und Delphinen

Vier Angsttypen, die Sie kennen sollten

Der General

Macker oder: Die Furcht des Fallenlassens

Der General und die Liebe

Der Analyst

Nerds oder: Der Horror vor Veränderung

Der Analyst und die Liebe

Der Sonnyboy

Blender oder: Die Scheu vor der Verantwortung

Der Sonnyboy und die Liebe

Der Diener

Fürsorgliche oder: Die Angst vor dem Verlassenwerden

Der Diener und die Liebe

Das »Dawendi«-Modell – Dreh es um!

Erkennen und behandeln

Verstehen und verhandeln

Ihre Beantwortung und seine Verbindung

Der letzte Scheißkerl

Literaturverzeichnis

Feedback an den Verlag

Empfehlungen

Den drei Mädels,toujours

Prolog – oder warum es eine Fortsetzung von Scheißkerle gibt

Sieben Jahre ist es her, dass drei junge Damen anlässlich eines »Mädelsabends« meiner damaligen Freundin bei mir auf dem Sofa saßen und mir, einem Mann (!), tränenreich erklärten, warum es wieder mal nicht geklappt hat, den Mann fürs Leben zu finden. Schlimmer noch: Diese gutaussehenden, bestens ausgebildeten, attraktiven jungen Frauen glaubten nicht einmal daran, einen adäquaten Partner zum Eheversprechen bewegen zu können – das anscheinend wichtigste Ziel im Leben einer Frau um die dreißig.

Nach einer kurzen Alice-Schwarzer-Gedenkminute wurde mir ganz blümerant: Die Frauenbewegung rührt sich offenbar kaum noch, ging es doch in vielen Gesprächen mit Frauen immer um die gleichen Fragen: »Wie oder wo finde ich den Richtigen?«, »Wie halte ich ihn?«, »Wie gefalle ich?«, »Was mache ich falsch?«. So lernte ich sie indirekt kennen: die Alle-zwei-Wochen-Männer, die Bad Boys, die Sadisten, die Parallel-Leben-Inhaber, die Betrüger und Beziehungsgestörten, die Muttersöhnchen, Freaks, verheirateten Männer, Sexmuffel und Kuschelhasen, die »Nicht bereit«-Experten, die »Komme gerade aus einer Beziehung«-Typen oder »Meine Ehe ist die Hölle«-Schwätzer und natürlich die unvermeidlichen Doktor-Kimbles-auf-der-Flucht … vor was auch immer.

Langsam fing ich an, ein Phänomen zu erkennen, wollte verstehen, wie es so weit kommen konnte. Das war der Moment, in dem die Idee zu Scheißkerle geboren wurde. Paarungsbereite Frauen um die dreißig subsummieren das Thema in der schmerzhaft ungelösten Formel »Warum immer ich?«. Da die Emanzipationsdebatte mangels Relevanz wegfiel, blieben drei Herangehensweisen, die es genauer zu betrachten galt: erstens die psychologische, warum es aus Sicht der Frauen immer die falschen Kerle sind; zweitens die soziologische, warum Männer sich zunehmend der Verantwortung als Väter und Versorger entziehen respektive nicht erwachsen werden wollen; und drittens die gesellschaftliche, warum immer weniger Männer und Frauen einer hoffnungsvollen Generation eigene Gefühle artikulieren und stattdessen versuchen, die kollektive Soap-Opera, also das Stereotyp eines sentimentalen Rosamunde-Pilcher-Ideals, zu leben.

Meine These zu Scheißkerle war, dass in unserer Mediengesellschaft das Gefühl zur Sentimentalität respektive die Emotion zum Pathos verkommt. Verkitschter Nährboden für Populismus einer auf Bilder fixierten Öffentlichkeit, die möglicherweise schneller wertet, als sie denken kann. Das mag auch früher schon so gewesen sein, wurde aber seinerzeit durch den sogenannten moralischen Kompass ersetzt. Ein Gerät, bestehend aus Gefühl und Anstand oder wenigstens gefühltem Anstand. Sein gegenwärtiger Verlust macht orientierungslos, weshalb solche Bücher wie das vorliegende überhaupt Chancen haben, gelesen zu werden.

Darüber hinaus spürte ich, dass das alles mit dem Selbstverständnis einer Generation von jungen Frauen zu tun hat, die gefangen ist zwischen den tradierten Werten ihrer Großeltern und Eltern auf der einen Seite – sprich: Mann, Haus, zwei Kinder – und der politisch korrekten Welt einer aufgeklärten, emanzipierten, berufstätigen Frau auf der anderen Seite – kurzum: einem selbstbestimmten Leben.

Der Spannungsbogen für das Buch wurde frei Haus geliefert. Je attraktiver und je gebildeter die Frauen, desto größer die Probleme. Nicht nur, dass die Ansprüche an Mr Right ins geradezu Unermessliche steigen, diese Frauen glauben auch, einen quasi eingebauten Anspruch auf einen »tollen Kerl« zu haben, und stellen die Suche auf dem Beziehungsmarkt viel schneller ein als weniger attraktive Frauen, wie der Wiener Evolutionsbiologe Prof. Karl Grammer in Studien immer wieder nüchtern nachweist. Dabei müssten die sogenannten Superweiber ihre Bemühungen – aufgrund erschwerter Bedingungen – eigentlich verstärken.

Abenteuerlich, wie sich die individuellen Geschichten, die mir erzählt wurden, ähneln, wie sich die Sprüche der Männer gleichen und wie stereotyp die Erlebnisse dieser Generation sind. Eine Journalistin, die mich nach der Veröffentlichung von Scheißkerle interviewte, gestand mir, dass sie Angst vor dem Treffen mit mir hatte, weil sie dachte, ich würde ihren Exfreund kennen. Sie hatte in meinem Buch Sätze entdeckt, die dieser wortwörtlich zu ihr gesagt hatte. Ich konnte sie beruhigen: Den Kerl kannte ich nicht, aber die Sätze hatte ich immer wieder gehört. »Sie haben genau meine Lebensrealität getroffen! Ihr Buch hat mich so aufgeregt und wütend gemacht, dass sich meine Menstruation um acht Tage verschoben hat«, schrieb mir eine Leserin.1 Ich habe mich darum bemüht, auf die unzähligen Zuschriften mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zu antworten.

Auch in meinen Alltag hielten die »Scheißkerle« Einzug. Heute noch begrüßen mich Menschen am Telefon gern mit »Hallo, du Scheißkerl!«, ich weiß nicht, wie oft ich die Frage beantworten musste, ob es sich bei Scheißkerle »um meine Autobiographie handelt« (hö, hö!), wieder andere glauben zu erkennen, »der schreibt doch über sich selbst«, und einige halten mein Buch offenbar für die längste Kontaktanzeige der Welt.

Bis heute erreichen mich Zuschriften und Mails zum Thema Liebe, Partnerschaft und Beziehung. Es besteht also noch Gesprächsbedarf. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, nach der Analysephase in Scheißkerle ein praktisches Buch zu schreiben, das Antworten auf die Frage gibt, wie man denn den Richtigen findet und, wichtiger noch, wie man mit ihm eine dauerhafte und langfristige Beziehung aufbaut.

Der Natur solcher Bücher ist es geschuldet, dass hier Ereignisse und Erfahrungen verallgemeinert werden. Dennoch hat mich erstaunt, wie oft ich Zuschriften erhalten habe, in denen über ähnliche Erlebnisse berichtet wurde. Und so ist es statthaft, allgemeine Beziehungsstrukturen aufzuzeigen und zu hinterfragen. Ich sage das, weil der überaus naheliegende Einwand »Das sind doch alles nur Klischees!« durch die Vielzahl der teilweise wortgleichen Sprüche, Versatzstücke, Ausreden, Lügen und Betrugsmaschen widerlegt wird. Männer sind schlichter gestrickt, als so mancher wahrhaben will, und zwar vertikal durch alle sozialen Schichten. Außerdem findet sich in der Wiederholung ähnlicher Strukturen auch Trost, mit der eigenen Geschichte nicht allein zu sein.

Ich danke den mehr als viertausend Leserinnen, die mir geschrieben haben, und insbesondere jenen Frauen, die in persönlichen Gesprächen bereit waren, ihre Geschichten mit mir zu teilen. Manches von dem, was sie mir erzählt haben, erwies sich als haarsträubender als jede Fiktion.

Seit der Veröffentlichung von Scheißkerle sind ein paar Jahre vergangen, der Autor ist mit den Themen seiner Figuren gewachsen, und so geht es in meinem neuen Buch um die Probleme von Paaren. Im Vordergrund stehen, wie schon angedeutet, unsere Emotionen. Doch nicht unsere Gefühle sind das Problem, sondern wie wir sie deuten. Ein Gefühl sticht dabei besonders stark heraus: die Angst. Liebe und Angst bilden ein bekanntes Paar. Von ebendiesem berichtet der vorliegende Text. Er handelt vom Einander-Erkennen, -Auswählen und -Behalten. Auf dass sich Der letzte Scheißkerl für immer verabschiede.

Roman Maria KoidlMärz 2017

Anmerkung zum Kapitel

1 Den hier in diesem Buch erwähnten Leserzuschriften liegen reale Mitteilungen zugrunde. Sie sind jedoch zum Schutz der Betroffenen verfremdet.

Schon mein erster Kontakt zu einem Mann

war eigentlich zum Scheitern verurteilt.

Entjungfert hat mich mein Nachhilfelehrer,

natürlich habe ich die 15 DM trotzdem entrichtet,

wenngleich mir keine Mathematik nähergebracht wurde.

(Ricarda, 30)

Geliebt werden immer die anderen

Dieses Buch beschäftigt sich vornehmlich mit der Frage, warum uns kaum etwas mehr Angst macht als die Liebe. Und warum wir immer wieder Menschen auswählen, die uns alles andere als guttun. Da gibt es die Angst vor der Verbindung, die Panik, das Selbst zu verlieren, die Sorge vor der Hingabe, den Horror vor der Veränderung, die Peinlichkeit zu versagen, die Not, ungenügend, und die Furcht, nicht attraktiv genug zu sein. Nicht selten ist die Angst in ihr Gegenteil verkehrt, und manchmal wissen wir gar nicht, dass eine Entscheidung unterbewusst – nämlich aus Furcht – getroffen wurde. Denn oft kommt die Angst perfekt maskiert, verwandelt, als vermeintliche Stärke, Fürsorge, Bedachtsamkeit oder gar in einem lustigen Gewand daher.

Grenzenlose Verliebtheit ist keine Widerlegung dieser These, sie ist ihre bestätigende Ausnahme. Der ultimative Rausch ist nichts anderes als eine temporäre Abwesenheit all unserer Ängste, ein psychedelischer Ausnahmezustand, eine neurotische Trunkenheitsfahrt. Gäbe es den Effekt nicht, würde es bei den meisten mit der Fortpflanzung gar nichts mehr werden. Das ständige Grübeln »Ist er der Richtige?« würde auch die resistenteste Eizelle nicht überstehen.

Wer verliebt ist, der ist im wahrsten Sinne des Wortes »von Sinnen«, hierbei werden vor allem unsere Ängste ausgeschaltet. Eine Droge, deren Trip zuverlässig nach acht bis zwölf Wochen nachlässt. Dann sind sie alle wieder da, die kleinen Macken, Phobien und Neurosen. Jene, die uns einigermaßen bekannt sind, und jene, die seit Jahren unser Unterbewusstsein dazu bringen, Entscheidungen zu treffen, die uns an anderen, vor allem aber an uns selbst zweifeln lassen. Jeder, der einmal so richtig verliebt war, kennt diesen Effekt. In der Hochphase unendlicher Verliebtheit gelingt uns auf einmal alles, die Menschen sind freundlich, im Job klappt es, Aufträge sprudeln. Ein unmittelbarer Beleg dafür, wie stark wir durch unser Verhalten in der Lage sind, unser Umfeld und damit unser Leben zu prägen. Einzig, die wenigsten ziehen die richtigen Schlüsse aus diesem bedeutenden Erlebnis.

So ist es ein Irrglaube zu meinen, man könne den eigenen Partner verändern, ihn sich »passend machen« oder gar zum Guten wenden. Der ultimative Kapitulationssatz lautet: »Ihr müsst ihn nur einmal mit meinen Augen sehen, in Wirklichkeit ist er ganz anders.« Ist er nicht. Er ist genau so, nur mit den Augen stimmt was nicht. Da fragt man sich in stillen Stunden schon einmal, warum sich jemand immer wieder auf einen Partner einlässt, der offenbar mehr als einen kleinen Webfehler im Muster hat: wie viele Frauen, die immer wieder Mutter-Teresa-mäßig versuchen, ihre beziehungsgestörten »Kindkerle« zu einem besseren Leben zu coachen. Wie ja überhaupt »coachen« das ganz große Thema unserer Gegenwart ist. Jeder meint, den anderen coachen zu müssen, doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass insbesondere jene diese Hilfe anbieten, die sie selbst am nötigsten bräuchten.

Echte Veränderung kann man indessen am besten bei sich selbst bewirken. Dass damit nicht die Forderung einhergeht, ausschließlich Frauen müssten für eine gesunde Partnerschaft Sorge tragen, sollte sich von selbst verstehen. Dass dies hier zu Beginn des Buches mehrfach hervorgehoben wird, liegt ganz einfach daran, dass mich nach der Veröffentlichung von Scheißkerle so viele Zuschriften erreicht haben, die sinngemäß mit der Frage begannen: »Mein Freund ist gestört, wie kann ich ihn ändern?« Noch einmal: Es ist eben gerade nicht so, dass man seinen Partner verändern kann. Aussichtslos. Aber man kann das System ändern, in dem man mit ihm lebt, und damit die Grundlagen, auf denen die Beziehung fußt.

Auf den kommenden Seiten geht es also darum herauszufinden, welche Ängste das Verhalten auf beiden Seiten der Partnerschaft prägen. Komischerweise ist es ja so, dass wir alle in erster Linie mit unseren Ängsten und Nöten beschäftigt sind und die des Gegenübers gar nicht im Blick haben.

Eine prominente TV-Moderatorin hat mir einmal gestanden, dass sie darunter leide, dass ihr neuer Partner sie möglicherweise nicht attraktiv genug finden könnte. Deswegen steht sie jeden Morgen um vier Uhr auf, um sich zu schminken, und legt sich dann wieder ins Bett, damit der Prinz beim Aufwachen nicht erschrickt! Darüber mag man schmunzeln. Richtig lustig wird die Sache, wenn man von besagtem Kerl erfährt, dass ihm das gar nicht aufgefallen ist. Er war einfach viel zu sehr darauf konzentriert herauszufinden, ob die attraktive TV-Frau seine Qualitäten im Bett als ausreichend befunden hat.

So ist eben jeder hauptsächlich mit seinen Belangen beschäftigt und übersieht dabei schnell, dass das Gegenüber gerade selbst alle Hände voll damit zu tun hat, die eigenen Defizite zu kontrollieren. Das Verständnis für Ängste, die Frage, woher sie rühren, welche Gestalt sie haben, warum wir uns – mit unbewusster Sehnsucht – immer wieder jemanden suchen, der mit einer entsprechenden Disposition – wie zufällig – genau zu uns passt (oder eben auch nicht), wirft nach der Lektüre dieses Buches hoffentlich ein gänzlich neues Licht auf die eigene Paarbeziehung. Im besten Falle das Licht der Akzeptanz.

Wie kommen wir raus aus der Nummer?

Wie lernen wir, unsere Schemata hinter uns zu lassen

oder zumindest mit ihnen umgehen zu können,

wie lernen wir, sie zu akzeptieren?

(Helena, 32)

Love Coach

Der letzte Scheißkerl fängt da an, wo sein Vorgänger endet. Deshalb möche ich die ganzen »Scheißkerle« noch mal kurz Revue passieren lassen. Nichts ist besser dafür geeignet, als entsprechende Passagen aus den zahlreichen Zuschriften meiner Leserinnen zu zitieren. Ich bin weder Psychologe noch Therapeut, sondern verstehe mich als Berichterstatter mit Anteilnahme, aber ohne Teilhabe. Die folgenden Tipps sind also als allgemeine Hinweise zu verstehen, auch die beste Freundin oder der schwule Kumpel dürfte sie so geben. Der Unterschied ist nur, dass sie konkreter sind. Man könnte auch sagen: ungeschminkter.

Denn eines ist mir in den Gesprächen mit Betroffenen ganz besonders aufgefallen: Wenn die Wahrheit zu sehr »verpackt« wird, um der ohnedies schon leidenden Freundin nicht noch größere Schmerzen zuzufügen, kann man es auch gleich lassen. Die Message kommt nicht an. Der Klassiker geht so: Kerl verlässt Freundin, die sitzt jetzt heulend auf dem Sofa, allen ist klar, »er« wollte nur vögeln, »sie« war hingegen verliebt. Antwortet man auf die Frage »Glaubst du, er ruft noch mal an?« mit »Wahrscheinlich eher nicht«, hört die Leidende auf dem Sofa das »wahrscheinlich« zehnmal lauter als das »eher nicht«. Die richtige Antwort lautet: »Sorry, der wollte nur ficken, vergiss ihn, und zwar sofort!« Es ist eben, wie Oma schon immer sagte: »Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.«

Besonders tragisch gefangen sind Frauen, die dem Typ »Wärmeplatte« verfallen, dem Induktionsherd unter den Männern. Man kann ein Stück Küchenrolle drauflegen, da brennt nichts an. Aber bei den Mädels kochen förmlich die Töpfe über, wenn er in ihre Nähe kommt. Das hängt mit seiner nicht greifbaren Persönlichkeit zusammen, die innerhalb von Minuten zwischen unglaublicher Aufmerksamkeit und vollständigem Desinteresse changiert. Ist die Betriebstemperatur einmal erreicht, geht die Herdplatte aus, ohne dass man an den Knöpfen gedreht hat. Kühlt sich die Sache hingegen ab, springt die Platte von selbst wieder an. Dieser Bauknecht weiß, was Frauen wünschen. Faszinierend.

Die Triebfeder, bei solchen Typen zu bleiben, ist stets die gleiche: Hoffnung. Ein starkes Gefühl, das noch nie zum Besten einer nicht funktionierenden Beziehung gewirkt hat. Jedes Wort, jedes Zeichen, jeder Hinweis wird in Hoffnung und damit in ein Signal umgemünzt, es könnte vielleicht doch noch klappen. Solches Verhalten hat tatsächlich ähnlich strukturelle Merkmale wie Drogensucht und muss auch so behandelt werden. Da hilft nur eines: gnadenlose Ehrlichkeit.

Aber Achtung: Sich im Freundeskreis als Love Coach zu präsentieren kann gewaltig in die Hose gehen und schlimmstenfalls langjährige Freundschaften nachhaltig zerstören. Am Ende ist der Übermittler der schlechten Nachricht immer der Schuldige. Angst, Verzweiflung, Wut und Trauer werden Sie treffen, wenn Sie versuchen, mit klaren Worten zu helfen. So geschehen bei Helga, einer 62-jährigen Leserin, die zu ihrer Freundin Magda nach der Lektüre meines Buches sagte: »Ich weiß jetzt Bescheid, dein Mann Klaus ist ein Schwein.«

Solche Direktheit empfehle ich daher nicht zur Nachahmung. Freundschaft beginnt eben auch dort, wo man bereit ist, die Unzulänglichkeiten des anderen, seine Ausbrüche, Schwächen und Schmerzen mitzutragen. Grundsätzlich sollte man Liebeskummer und Beziehungsprobleme einer nahestehenden Person als das sehen, was sie sind: echte Not. Damit richtig umzugehen ist eine ähnlich große Herausforderung, wie den Schmerz von Menschen zu begleiten, die einen Todesfall zu verarbeiten haben. Emotional ist die Gefühlslage absolut vergleichbar. Deshalb genügt es, anwesend zu sein, zuzuhören, Zuneigung zu zeigen, abzulenken oder einfach nur schweigend dabeizusitzen.

Die Dinge sind eben oft komplexer, als sie scheinen. Wir alle neigen dazu, den Horizont unserer Erfahrungen zum Maßstab für andere zu machen, und übersehen dann, dass beispielsweise die Freundin, die wir für ein Opfer halten, in Wahrheit eine gutmaskierte Täterin ist. Verschieben, verkehren, projizieren, all das sind Handlungen, die man nur schwer durchschaut, deshalb: Packen Sie nicht den Werkzeugkoffer aus, ein warmer Tee genügt.

Die nachfolgenden Geschichten von Leserinnen wurden mir so oder so ähnlich Hunderte Male erzählt. Schauen wir uns noch einmal den Typ »Wärmeplatte« genauer an:

Auf einer Party habe ich einen tollen Mann kennengelernt und die Nacht mit ihm verbracht, wobei es – auf meinen Wunsch hin – beim Küssen blieb. Seitdem antwortet er mir zwar, wenn ich ihm eine SMS oder Mail schreibe, trifft sich auch mal mit mir. Von ihm kommt allerdings gar nichts. Langsam frage ich mich, ob er überhaupt etwas von mir will. Soll ich den Typen lieber vergessen?

Der Alle-zwei-Wochen-Mann hat so viele Optionen bei Frauen, dass er Sie darüber schlicht und einfach vergessen hat. Der will nix, der will nur spielen. Viele dieser Typen brauchen daher auch keinen Sex, denn sie sind schon damit zufrieden zu wissen, dass es theoretisch klappen könnte. Ein bei Frauen in der Kategorie »Restebumsen« äußerst erfolgreicher 32-jähriger Barkeeper sagte mir einmal: »Sex ist ja auch irgendwie immer gleich: weich, feucht, vorbei.« Diesen Männern geht es mehr um Bestätigung als um Eroberung. Deswegen müssen sie die Sache auch nicht notwendigerweise zum »Abschluss« bringen. Auf dem »Treppchen« seiner Bedürfnisse stehen Sie damit ganz unten. Nur eines kann der tolle Mann, den Sie getroffen haben, nicht: Sie von der Treppe stoßen, das erträgt sein Ego nicht. Denn eigentlich gehören alle Frauen ihm. So hält er Sie in einer imaginären Liste ein wenig warm, denn man weiß ja schließlich nicht, ob noch eine »Dürreperiode« kommt. Den Alle-zwei-Wochen-Mann erkennt man daran, dass er in unregelmäßigen Abständen, eben alle paar Wochen, eine SMS schreibt, gern auch unvermittelt nach mehreren Jahren der Kontaktlosigkeit. Wenn ein Mann Interesse hat, dann zeigt er das deutlich: Er schickt Blumen, ist euphorisch und kann die Finger nicht von Ihnen lassen. Der Nächste bitte!

Auf einem Klassentreffen traf ich meine große Liebe wieder. Er erzählte, er sei verheiratet und habe Kinder. Aber wie’s eben manchmal so geht, begannen wir trotzdem eine Affäre. Nach einigen Wochen trennte er sich von seiner Frau und zog bei mir ein. Ein Dreivierteljahr ging alles gut, wir waren glücklich. Doch eines Morgens gestand er mir plötzlich unter Tränen, er würde zu seiner Familie zurückkehren. Muss man bei allen verheirateten Männern letzten Endes damit rechnen?

Der »Meine Ehe ist die Hölle«-Schwätzer ist so attraktiv, weil er unerreichbar bleibt. Nichts ist so stark wie die Bindung an eine eigene Familie, darüber muss sich jede Affäre im Klaren sein. Merke: Die Geliebte verliert immer. Ausnahmen bestätigen dabei nur die Regel. Aber Liebhaberinnen verheirateter Männer sind weder dumm noch naiv. Sie sind einfach hoffnungsfroh und wünschen sich selbst ein Familienleben. Sie glauben allzu gern jemandem, der das perfekt vorgaukeln kann, höchstwahrscheinlich dabei aber nur Abwechslung sucht.

Sind es immer wieder verheiratete, also unerreichbare Männer, an die Sie geraten, dann stellt sich die Frage nach der eigenen Geschichte. Das trifft übrigens auch auf Fernbeziehungen zu. Das Wesen einer solchen Partnerschaft liegt schon im Namen begründet: Man ist sich fern. Das kann durchaus im Interesse der Betroffenen sein, auch wenn man sich das Gegenteil schwört. Zufällig ist es jedenfalls nicht. In den meisten Gesprächen, die ich geführt habe, kam es am Ende zu einem Bekenntnis: »Ich ertrage dauerhafte Nähe nicht.« Ein Satz, den man nicht gern über sich sagt. Er widerspricht dem gängigen Rollenmodell von Partnerschaft und Beziehung und löst Unverständnis aus. So suchen sich die Betroffenen immer wieder Situationen, in denen eine temporäre, sehr intensive Nähe hergestellt wird, die aber ein klares Ende hat.

Zum Wochenende hin herrscht dann Stoßverkehr in diesen wahrhaft abgefahrenen Beziehungen. Die Geliebten verheirateter Männer reisen ab, weil ihr Kerl zu Mutti und den Kindern muss. Die Millennials hingegen reisen an, weil sie meinen, in den Luftraum Kopenhagen–Berlin passt auch noch eine junge Liebe zwischen zwei Karrierewünschen. Und am Ende reisen minderjährige Kinder mit traurigen Augen und einer großen gelben UM-Tasche um den Hals von Berlin nach München, weil ihre Eltern zu große Nähe und Konflikte in Beziehungen nicht ertragen können. Die Frage, warum Personen zu diesen Gefühlen nicht fähig sind, liegt oftmals in der gegengeschlechtlichen Prägung unserer Kindertage. Bei Frauen vielfach in der fehlenden Beantwortung, also der emotionalen oder physischen Abwesenheit des Vaters, bei Männern eher in einer mangelnden Verbindung zur Mutter. Beantwortung und Verbindung sind für mich die beiden zentralen Begriffe, wenn es um das Verständnis unserer eigenen Entwicklung wie auch der Beziehung zu anderen Menschen geht.

Kim (29) beklagte mir gegenüber, dass die Männer, mit denen sie zusammenkommt, nach spätestens sechs Monaten wieder aus ihrem Leben verschwinden. Alles Scheißkerle! Etwas näher befragt, stellte sich heraus, dass sie es ist, die eigentlich nicht mehr will, und die Jungs kraft ihrer Intelligenz herablassend behandelt, weil sie sich von ihnen irgendwie »bedrängt« fühlt. Kurzum, Kim schickt ihre Kerle in die Wüste, hält sich selbst aber für das verlassene Opfer. Auf meine Frage, was denn ihr Vater früher beruflich gemacht habe, sagte sie: »Kapitän auf einem Containerschiff.«

»Und wie oft kam der nach Hause?«

»Alle sechs Monate.« Kim sah mich an wie eine Glühlampe, bei der gerade das Licht eingeschaltet wurde. Darüber mag man schmunzeln, klar war Kim dieser überaus naheliegende Zusammenhang jedoch nicht. Sie selbst arbeitet heute für eine Containerreederei und auf meinen diesbezüglich fragenden Blick sagte sie: »Nee, das ist echt nur Zufall!«

Ach, wirklich? Einsamkeit hat eben viele Gesichter. Je bekannter dieses Gesicht ist, desto schwerer ist es, sich von ihm zu lösen, auch, wenn der Schmerz darin kein Glück erkennen lässt.

Seit fünfzehn Jahren führen mein Freund und ich eine harmonische, glückliche Beziehung. Doch sobald es ums Heiraten geht, blockt er ab. Warum scheut er sich nur, Verantwortung zu übernehmen? Liebt er mich nicht?

Dr. Kimble ist immer auf der Flucht. Gerade jüngere Männer haben in unserer Gesellschaft offenbar ein echtes Problem, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Mit »Circus HalliGalli« zieht diese Lebenshaltung ins Hauptabendprogramm des deutschen Fernsehens ein, auf dass die Pubertät nie enden möge. Geil, Alter!

Die Weigerung junger Männer, Verantwortung zu übernehmen, hängt mit mehreren Faktoren zusammen: den unglaublichen Möglichkeiten des Internet-Datings, der Tatsache, dass Single zu sein heutzutage keinen Malus mehr darstellt, und schließlich dem Selbstverständnis moderner Frauen, Männern zu signalisieren: Wir sind unabhängig, im Zweifel besser ausgebildet und verdienen mitunter besser. Damit können viele Männer schlecht umgehen. Sie wollen lieber eine Frau, die sie anhimmelt und sagt: »Keiner kann so gut einparken wie du.« In Deutschland leben über zwei Millionen alleinerziehende Mütter. Davon sind fast die Hälfte auf Hartz IV. Wir haben offenbar vergessen, dass Ehe nicht zuletzt ein ökonomisches Modell ist. In diesem Zusammenhang haben sich allerdings die jungen Männer der Generation Y schon weitgehend abgemeldet oder tun sich mit Frauen zusammen, denen es keinen Abscheu bereitet, dass der Mann ihrer Wahl sie nach Kriterien ausgesucht hat, die er auch beim Kauf eines neuen Sportwagens im Autohaus anlegen würde. Wie Pit, der schwäbische Schwerenöter, dessen hauptsächliche Anforderung an eine neue Partnerin lautet: »Ha, weisch, es muss halt eine Einlaufkatze sein.« Wem die Meinung der Kumpels im Hinblick auf eine neue Partnerin wichtiger ist als die Frage nach Gemeinsamkeiten, Verbindungen und Gefühlen, der darf sich bei der Scheidung nicht wundern, wenn die Ehefrau das Ganze vollkommen zu Recht als Geschäft begriffen hat und nun die Auszahlung ihres Bonus erwartet.

Die zunehmende Kommerzialisierung von Liebe und Partnerschaft durch Tinder & Co. in Kombination mit der Verantwortungsverweigerung junger Männer ist zu einem ökonomischen Problem geworden, das eine vollkommen neue Form der Teilprostitution zutage gebracht hat: das sogenannte Sugar-Daddy-Phänomen. Dabei suchen in der Regel junge Mütter mit Mitte zwanzig nach älteren Herren jenseits der fünfzig mit Geld. Die Internetportale wie seekingarrangement oder sugardaddy funktionieren wie Hedgefonds bei einem Finanzarbitragegeschäft: Je älter der Mann oder je hübscher und jünger das Mädchen, desto höher die »monatliche Unterstützung«. Diese Zahlung steht im Vordergrund, und so geben junge Frauen ganz unverhohlen an, welchen monatlichen Betrag sie sich als Budget wünschen. Unter den suchenden Frauen befinden sich überdurchschnittlich viele Mütter, deren Kerle sich schlicht vollständig entziehen, also weder emotional noch finanziell zur Verfügung stehen – »Prostitution Light« als Nebenwirkung einer narzisstischen Gesellschaft, die meint, ein »RIP« auf Facebook sei eine angemessene Trauerbekundung und das Urlaubserlebnis zu »sharen« sei wichtiger, als es mit dem anwesenden Partner zu teilen. Rette sich, wer kann!

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