Der Ruf des Dämon - Solveig Kern - E-Book

Der Ruf des Dämon E-Book

Solveig Kern

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Beschreibung

Dorwald fühlt sich berufen, die Welt vom Erain Maur zu befreien, und verbündet sich mit Mauros Feinden. Als er Mauro ungeschützt wähnt, wagt er einen Überfall. Im Zuge der Kämpfe erbeutet Malwin ein Faustpfand von hohem Wert. Ehe er es gegen den Erain Maur einsetzen kann, ist es verschwunden. Uki hat seinen Preis geholt. Mauro erkennt, dass die Konfrontation mit dem Dämon des Landes nun keinen Aufschub mehr duldet. Überall im Lande gärt es. Die Bürger weigern sich, die dem Untergang geweihte Stadt Mandrilar zu räumen. Das Elvellon versinkt im Bürgerkrieg. Ein wirbelnder Strom aus Wut und Leid hat sich angesammelt – der Lohn für den Dämon. Sobald dieser Kreisel in sich zusammenbricht, hat Mauro die Chance, den Pakt des Feuerkönigs aufzukündigen. Nur wenn sich König, Königin und Jäger einig sind, werden sie vor dem Dämon bestehen. Noch ist nicht sicher, auf welcher Seite Yerion steht. Auch die Loyalität von Yvo und Feren, die beileibe keine Friedenstäubchen sind, wird auf eine harte Probe gestellt. König Mauro selbst ist voller Wut und Zweifel. Besinnt er sich rechtzeitig auf seine Friedensmission? Oder startet er einen neuen Kreislauf des Schreckens? Die Zeichen stehen auf Sturm!

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Seitenzahl: 456

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Solveig Kern

Der Ruf des Dämon

Furuks Erbe Band 8

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1: Gewitterwolken im Norden

Kapitel 2: Zeit der Entscheidung

Kapitel 3: Fünf Tage bis Neumond

Kapitel 4: Die Reise ins Nichts

Impressum neobooks

Kapitel 1: Gewitterwolken im Norden

Gunwald

Während Yvo in Passar Hochzeit feierte, unternahm Gunwald einen neuen Anlauf, die kethischen Thing-Fürsten für sich zu gewinnen. Bereits nach Herzog Eginors Tod hatte Gunwald sich um dessen Nachfolge als oberster Heerführer beworben. Er konnte die Delegierten der Stämme nicht überzeugen. Der Sohn des Eisfürsten war kein Kethe und damit keiner von ihnen. Er hatte sich die Herrschaft über Brig durch Hinrichtung von Fürst Ord, dem Großonkel seiner Gattin Morriell, gesichert. Zauberer waren den Kethen suspekt. Also zeigten sich die Thingfürsten loyal gegenüber ihrem verstorbenen Heerführer und wählten dessen ältesten Sohn zum Nachfolger.

Eginors Sohn war bekannt für seine Streitlust. Er stachelte die Kethen zu einem Feldzug gegen das Elvellon auf, indem er sie an die Schmach seiner Schwester Bryna erinnerte. König Thorn hatte die ungeliebte Gattin unter dem Vorwand des Ehebruches davongejagt, um frei zu sein für die Ehe mit der Halbelfin Innath. Gunwald riet damals von einem Angriff auf Glancanas ab. Militärisch sah er keine Erfolgschancen. Stattdessen empfahl er, Thorns Regierung durch subversive Aktionen zu destabilisieren. Das Elevellon war mehrheitlich von Kethen bewohnt. Durch Einschleusen von Agitatoren sollten sie die Bevölkerung gegen die nicht-kethische Elite aufhetzen.

Diese Art zu denken war den streitlustigen Hitzköpfen zu kompliziert. Strategische Manöver langweilten die Kethen, und einem Eiszauberer vertrauten sie sowieso nicht. Sie stimmten mehrheitlich für Krieg und folgten Eginors Sohn nach Glancanas.

Gunwald zog sich schmollend nach Brig zurück und verfolgte voller Häme, wie Herzog Eginors Sohn scheiterte.

Ein Jahr war seither ins Land gezogen. Gunwald fand die Zeit günstig für einen neuen Versuch, die kethischen Fürsten unter seiner Führung zu einen. Zu dieser Reise veranlassten ihn nicht nur seine eigenen Machtgelüste, sondern auch die wirtschaftlichen Interessen des Eispalastes. Die erhoffte Belebung des Handels war nicht eingetreten. Es kamen sogar weniger Güter über den Sund als zuvor.

Dorwald, der Herr des Eispalastes, drängte seinen jüngeren Bruder, eine Lösung herbeizuführen. Sobald es das Wetter erlaubte, machte Gunwald sich auf die Reise. Auf halbem Weg nach Dunlox begegnete er einem Vertrauten Dorwalds, der mit seinem Treck unterwegs nach Norden war. „Ihr kehrt zurück aus Furukiya? Warum habt Ihr mich nicht informiert? Ich hätte Euch selbstverständlich Geleit gegeben!“ Gunwald war alarmiert, dass er von Dorwalds Auftrag nichts wusste.

Der Mann wiegelte ab: „Das Salz ist knapp geworden. Euer Bruder wollte Euch nicht mit Geringfügigkeiten belästigen. Deshalb bin ich losgezogen.“

Der Import von Salz war lebenswichtig für den Eispalast. Die Situation musste kritisch sein, wenn Eisfürst Dorwald einen seiner Gewährsleute beauftragte, für den Nachschub dieses lebenswichtigen Gutes zu sorgen. Eigentlich war das Gunwalds Aufgabe. Er überspielte sein schlechtes Gewissen und gab sich betont jovial: „Ich sehe, Ihr seid voll beladen. Die Reise war ein Erfolg. Erzählt, wie Ihr heil durch Furukiya gekommen seid!“

„Von Unsicherheit in Furukiya ist mir nichts bekannt. Ich war nicht so weit im Süden. Schon in Dunlox konnte ich kaufen, was der Eispalast braucht“, erwiderte der Händler knapp.

„Wie seltsam. Ich hörte schlimme Geschichten….“

„Nichts davon fand ich bestätigt. Im Gegenteil, der Handel mit den Furukim läuft prima. Die Händler rissen mir die Felle aus den Händen. Wir bekamen gute Preise und kauften dafür exzellente Ware. Euer Bruder wird zufrieden sein!“

Gunwald konnte den Tadel hören, der sich hinter den Worten verbarg. Offenbar lastete der Eispalast ihm ein Versagen an. Das bedeutete Ärger. Einen Moment lang erwog Gunwald, den Mann bis an den Hafen zu geleiten, um seine wohlbehaltene Rückkehr sicherzustellen. Dann verwarf er den Gedanken. Seine Mission in Dunlox war wichtiger. Der Treck würde bald die Grenze des Fürstentums Brig erreichen. Dort waren sie sicher. So verabschiedete er sich und setzte seinen Weg nach Süden fort.

Ein mulmiges Gefühl begleitete ihn über den Tag. Deshalb konferierte Gunwald noch in derselben Nacht telepathisch mit Dorwald. Er berichtete über die erfolgreiche Handelsmission und kündigte an, dass sich der Tross in wenigen Tagen Richtung Eispalast einschiffen würde.

Bald darauf erreichte Gunwald die Stadt Dunlox. Staunend schlenderte er über den Markt. Dort gab es tatsächlich alles, was das Herz begehrte, und zwar reichlich.

Fürst Xavier begleitete seinen Gast. Er war zufrieden mit der Entwicklung des Handels: „Der Erain Maur hat sein Versprechen gehalten. Beide Handelsrouten sind offen – nach Osten und nach Süden. Die Wege durch Furukiya sind in gutem Zustand. Eine eigens dafür eingerichtete Truppe sorgt für Sicherheit und Ordnung. Dunlox hat sich als Warenumschlagplatz etabliert. Das letzte Jahr war gut, dieses wird noch besser.“

Gunwald mochte sich nicht die Blöße geben, die zentrale Frage zu stellen: warum kam nichts von diesem Reichtum im Norden an? Stattdessen wechselte er das Thema: „Wie kommen wir im Elvellon voran?“

„Nicht gut“, bekannte Xavier. „König Thorn ist über die Maßen misstrauisch. Einige unserer Agitatoren sind aufgeflogen. Das führte zu Strafaktionen gegen Kethen. Schon im letzten Jahr haben sich bedeutende Clans ins Nadhras abgesetzt. Die Plünderungen während des Feldzuges gegen Glancanas lösten eine zweite Abwanderungswelle aus. Mittlerweile sind ganze Landstriche verödet. Auf der furukischen Seite hingegen blühen die Felder. Wir liefern ihnen das wichtigste Rohmaterial: Menschen, die den Boden bestellen. Bald ist das Nadhras wieder die Kornkammer, die es vor vielen Jahrzehnten war.“

Gunwald grinste hinterhältig: „Wenn wir schon Menschen liefern, sollten wir ein paar Agitatoren mitschicken…“

„Dafür gibt es keinen Nährboden. Den Einheimischen geht es zu gut, und die Zuwanderer sind froh, mit dem Leben davongekommen zu sein.“

Als sie später in Fürst Xaviers Burg zusammensaßen, fragte Gunwald ohne Umschweife nach dem Status seines Lieblingsprojektes: „Stehen die kethischen Stämme noch hinter Eginors Sohn? Ich meine, nach dem verpatzten Feldzug hat er gewiss Unterstützung eingebüßt….“

„Im Moment gibt es keinen Grund für eine Ablösung. Wir haben Frieden. Alle, die entlang der Handelsrouten leben, spüren den Aufschwung. Die Fürsten sind beschäftigt, sich um ihren neuen Reichtum zu kümmern. Erst wenn sie untereinander das Streiten beginnen, rufen sie nach einem starken Mann.“

Gunwald schwieg. Was er hier hörte und sah, gefiel ihm nicht. In Brig beurteilte man die Situation anders. Hatte ihn seine Gattin Morriell bewusst getäuscht? Oder erzählte ihr Netzwerk nur, was sie hören wollte? Wie sollte er mit den neu gewonnenen Erkenntnissen umgehen?

Auch Xavier überlegte. Wie offen konnte er mit Gunwald reden? Er traute dem ehrgeizigen Eiszauberer von allen potenziellen kethischen Anführern am meisten zu. Deshalb hatte er ihn bislang gestützt. Doch er sah auch Gunwalds Schwächen. Die gravierendste davon hieß Morriell. Xavier wählte sorgfältig seine Worte: „Ihr hofft immer noch, von den Thingfürsten zum obersten Heerführer gewählt zu werden. Der Zeitpunkt dafür ist denkbar ungünstig. Betet darum, dass Eginors Sohn dieses Amt noch lange innehat. In der momentanen Situation hättet Ihr keine Chance, gewählt zu werden!“

Das waren deutliche Worte. Gunwald schluckte. „Ihr habt gewiss Gründe für Eure Einschätzung…“

„Überall im Kethenland geht es aufwärts. Bloß nicht in Brig. Von dort kommen Flüchtlingsströme. Menschen, die zwei- bis dreimal ausgeraubt wurden. Die nicht mehr haben als die Kleider am Leibe – einige nicht einmal das. Für einen Leib Brot nehmen sie jegliche Arbeit an. Einige Händler, die nach Norden aufbrachen, sind spurlos verschwunden. Andere berichten, dass die Fürstin ihnen ihre besten Waren abnahm – ohne Lohn. Die Felder liegen brach, weil die Bauern sich vor Überfällen fürchten. Längst haben sie das Saatgut aufgegessen. Sie fliehen vor einem weiteren Hungerwinter und bringen ihre Geschichten mit – nach Dunlox, nach Jülkox, ja bis nach Sexten. Jeder einzelne der Thingfürsten hat solche Geschichten gehört…“

„Es sind Lügen!“ ereiferte sich Gunwald.

„Es sind zu viele, als das man sie als Lügner vom Tisch wischen könnte. Wer würde ohne Not seine Heimat verlassen?“ Xavier sah das Unverständnis in Gunwalds Augen und begriff: „Ihr seid so versessen darauf, König der Kethen zu werden, dass Ihr Augen und Ohren verschließt für die Probleme vor der eigenen Haustür. Ihr wisst gar nicht, wie es Eurem Volk geht und was Eure Gattin hinter Eurem Rücken treibt!“

Gunwald setzte zu einer scharfen Entgegnung an, doch er beherrschte sich. Xavier war sein Feind nicht. Was, wenn er Recht hatte? In der Tat war es Morriell, die sich um die Belange des Fürstentums kümmerte. Sie hielt Gunwald den Rücken frei für große Politik. Jetzt holte ihn sein Versäumnis ein.

Xavier erhob sich: „Bringt Euren Laden in Ordnung. Wie sollen die Kethen einem Mann vertrauen, der sein eigenes Weib nicht im Griff hat?“

Gunwald kam ins Grübeln. Ob Morriell tatsächlich die Bevölkerung ausplünderte und die Händler beraubte? Gierig genug war sie. Wahrscheinlich machte sie mit den Räuberbanden gemeinsame Sache. Durchaus vorstellbar, dass sie ihren Anteil an der erbeuteten Ware forderte. Dafür nahm sie ihre Wächter an die Leine. Oder ließ sie die Leute gar von ihrer Garde ausrauben? Xavier hatte so etwas angedeutet. Plötzlich kam ihm der Treck des Eispalastes in den Sinn. Er selbst hatte Dorwald informiert, dass sein Vertrauter die Grenze von Brig erreicht hatte. Was, wenn ihm danach ein Leid geschah? Dorwald würde seinen Bruder zur Rechenschaft ziehen. Aber konnte Morriell so dumm sein, sich an einem Boten ihres Lehrers und Mentors Dorwald zu vergreifen? Sie vielleicht nicht, doch hatte sie ihre Handlanger unter Kontrolle? Ein Leben war schnell ausgelöscht, die Konsequenzen unabsehbar. Er musste schnellstmöglich telepathisch Kontakt mit ihr aufnehmen.

Kurz darauf verließ Gunwald Dunlox. Er befolgte Xaviers Rat, erst daheim aufzuräumen, ehe er seine Begehrlichkeit in die Ferne richtete. Der telepathische Austausch mit Morriell hatte ihn überzeugt: sie war die Wurzel allen Übels.

Auf dem Rückweg legte er sich seine Vorgehensweise zurecht. Zuerst würde er seine Frau entmachten. Sie durfte seinen Ambitionen nicht länger im Wege stehen. Danach galt es, die Abwanderung der Bevölkerung zu stoppen. Dazu mussten die Räuberbanden unschädlich gemacht werden, die das Land terrorisierten. Da war doch dieser Bandit, dem der Übergriff auf Sigrun zugeschrieben wurde? Wie es schien, trieb er immer noch sein Unwesen. Gab es zwischen Morriell und dem Banditen eine Verbindung? Wenn ja, würde er beide hinrichten lassen. Gunwald fluchte leise vor sich hin. Was hatte ihn bewogen, sich diese intrigante Hexe ins Ehebett zu holen? Ohne sie wäre er längst am Ziel.

Während er so seinen Gedanken nachhing, stolperte er knapp vor Tolox in eine Keilerei. Am Fuße des Hügels, den er soeben überquert hatte, schlugen Männer mit Schwertern und Äxten auf einander ein. Anhand der Wimpel erkannte er, dass zwei bedeutende Clans miteinander in Fehde lagen.

Kethische Clans hatten die Angewohnheit, sich für Blutrache gegenseitig auszurotten. Den Tod seiner besten Männer konnte Gunwald als künftiger Heerführer nicht hinnehmen. Deshalb schritt er energisch ein. Mit einem Zauber paralysierte er die Streithähne und zwang sie auseinander.

Angesichts der zahlenmäßigen Übermacht der Reiter aus Brig erklärten sich beide Parteien bereit, Gunwalds Richterspruch als verbindlich zu akzeptieren. Die Verhandlung sollte öffentlich sein. Gunwald legte Wert darauf, von möglichst vielen in seiner Richterfunktion wahrgenommen zu werden. So lud er alle zum Versammlungsplatz.

Zuerst ließ er sich den Tathergang schildern. Eginors ältester Sohn hatte im Suff die Gattin eines Rivalen belästigt. Je heftiger die Frau sich wehrte, je zudringlicher wurde er.

Der herbeigerufene Ehemann sah den Angreifer mit heruntergelassener Hose über seiner Frau knien. Da packte ihn die Wut. Es kam zu einem Handgemenge. Schließlich bekam er den Knieenden am Haarschopf zu fassen und schlug seinen Kopf mit voller Wucht mehrfach auf den Boden.

Beide Clans waren seit Generationen verfeindet. Als die Streithähne sich trennten, atmete Eginors Sohn noch. So begnügte man sich mit Drohgebärden. Am Morgen allerdings fanden ihn seine Brüder tot im Bett. Der gesamte Clan zog aus, um Rache zu nehmen.

Der andere Clan erwartete sie schon. Beide Gruppen waren bis an die Zähne bewaffnet. Die Atmosphäre heizte sich auf. Heftige Schmähworte wurden gewechselt. Dann sprachen die Schwerter. Als Gunwald intervenierte, lagen bereits mehrere Tote im Gras.

Nun galt es, einen Richterspruch zu fällen. Gunwald betrachtete die streitenden Parteien und überlegte. Bei Eginors Clan hatten nur Jünglinge und Alte überlebt. Unter deren Gegnern waren gestandene Männer, die im Kriegsfall gute Dienste leisten konnten. Die Entmachtung von Eginors Sippe war ohnedies überfällig. Eginors Nimbus als erfolgreichster Kethenführer aller Zeiten behinderte Gunwalds Ambitionen. Also musste Eginors Sohn die alleinige Verantwortung treffen.

Gunwald war ein brillanter Redner. Er wendete die Wut der Menschen gegen Eginors Sippe. Wortgewaltig überzeugte er sie, dass Thorn Bryna zu Recht verstoßen hatte. Was konnte sie anderes sein als eine Ehebrecherin, wenn sie jetzt offiziell mit dem Mann lebte, mit dem sie des Ehebruches beschuldigt worden war? „Volk von Tolox, ich frage euch: war dieses liederliche Weibsstück es wert, für sie gegen Glancanas ins Feld zu ziehen? Ich sage euch: nein. Ihr habt euch vor den Rache-Karren eines Mannes spannen lassen, dem kein Eheweib heilig ist. Der sich einfach nimmt, was ihm gefällt. Genau wie seine Schwester sich den Mann nahm, der ihr besser gefiel. Ihr seid auf ihn hineingefallen und habt ihm Gefolgschaft geschworen. Seht, wohin es euch gebracht hat. Korrigiert euren Irrtum und sprecht ihn schuldig!“

Das Volk brüllte Zustimmung. Gunwald beglückwünschte sich. Welch treffliche Fügung, dass sein Rivale sich ausgerechnet mit versuchtem Ehebruch aus dem Leben katapultiert hatte!

Wohl wissend, dass die Blutrache sonst nie zu einem Ende käme, verhängte er Verbannung über Eginors gesamte Sippe. Sie durften nur mitnehmen, was sie tragen konnten. Damit waren sie am Ende gut bedient, denn der aufgewiegelte Mob hätte sie bereitwillig gelyncht.

Gunwald zog Eginors beträchtliches Vermögen ein. Das Vieh ging als Wiedergutmachung an die Geschädigten. Das Anwesen und die Ländereien behielt er für sich. Er ließ sich in Tolox häuslich nieder. Da die Clans einander zutiefst misstrauten, empfahl er sich als neutrale Lösung. Ein bisschen Überzeugungskraft von Seiten der neu gewonnenen Verbündeten, ein bisschen Drohgebärden der Reiter aus Brig – bald darauf war Gunwald Fürst von Tolox.

Morriell

Morriell saß mit geballten Fäusten in ihrem Schlafzimmer. Soeben hatte sie telepathisch Gunwalds Nachricht empfangen, dass sein Besuch in Dunlox fruchtlos geblieben war. Der Gatte ließ keinen Zweifel, dass er Morriell für sein Scheitern verantwortlich machte. In drastischen Bildern verlieh er seiner Wut Ausdruck. Zum Abschluss schickte er ihr eine unmissverständliche Warnung: Morriell sah sich selbst einen voll beladenen Treck zum Hafen eskortieren. Dort stand sie und winkte dem ablegenden Boot. Der Auftrag war deutlich: >Sorg dafür, dass der Treck des Eispalastes heil heimkommt. Sonst gibt es Ärger!<

Morriell schluckte. Dass die Nordland-Trecks, die sie überfallen ließ, dem Eispalast gehörten, hatte sie übersehen. Dorwald war ihr Lehensherr, sie war auf sein Wohlwollen angewiesen. Ihn zu bestehlen konnte sie den Kopf kosten. Sofort nahm sie mit Malwin Kontakt auf: „Ein Treck des Eispalastes hat vor wenigen Tagen unsere Grenze passiert. Unter allen Umständen müsst Ihr ihn unbehelligt passieren lassen!“

„Ein Nordland-Treck?“ fragte Malwin. „Der müsste längst in Brig angekommen sein.“ Auf Morriells Nachfrage erwiderte er übellaunig: „Ja, doch, wir wollten ihn überfallen. Ein starker Zauberer schlug uns in die Flucht.“

„Dann ist ja nichts passiert!“ Morriell atmete auf. Nun erinnerte sie sich an den Händler, der ihr vor zwei Tagen die Aufwartung gemacht hatte. Sie war überrascht gewesen, dass sein Treck nicht ausgeraubt worden war. Sie hatte nicht bemerkt, dass er ein Zauberer war. Allerdings weigerte er sich, ihr die Hälfte seiner Waren abzutreten. Was geschah danach? Morriell bekam einen roten Kopf. Sobald er gegangen war, hatte sie ihren Wächtern befohlen, ihn samt Gefolgschaft einzukerkern und seine Ware zu beschlagnahmen. Wie dumm.

Was sollte sie nun tun? Den Mann frei lassen und an den Sund geleiten, wie Gunwald es verlangte? Dann würde Dorwald erfahren, dass Morriell selbst seine Trecks plünderte. Das durfte nicht passieren.

Nach einigem Überlegen entschied sie, die Zeugen zu beseitigen.

Wenig später warfen die Wachen ihr einen Mann vor die Füße: „Hier ist der Händler, den Ihr sprechen wollt!“

„Ich will den Mann nicht sprechen, sondern tot sehen, ihr Vollidioten. Macht ihn weg!“ schalt die Fürstin ihre Wächter.

Die Männer rührten sich nicht von der Stelle.

„Gebt Euch keine Mühe, Prinzesschen“, grinste der Eiszauberer. „Meine Macht reicht aus, den Willen Eurer Wächter zu lähmen. Sie gehorchen euch nicht!“

Erst jetzt erkannte Morriell Dorwalds Vertrauten. Einen Moment lang dachte sie daran, ihn mit dem vergifteten Dolch zu töten, den sie stets unter ihrem Rock trug. Dann wurde ihr klar, dass es zum Handeln zu spät war. Dieser Mann war viel zu mächtig, um sich mit ihm anzulegen.

Entsprechend selbstbewusst gebärdete sich der Besucher. Er schüttelte die Wächter ab: „Vergesst die Idee, mich zu töten. Der Eisfürst weiß bereits, dass Ihr hinter den Überfällen auf unsere Trecks steckt. Ich habe Eurem Meister telepathisch berichtet, dass Ihr mich einkerkern ließet. Kehre ich nicht zurück, holt sich Dorwald Euren hübschen Kopf!“

Das würde Dorwald ohne Zögern tun. Nun war es höchste Zeit, einzulenken. Mit zuckersüßen Worten umgarnte Morriell den Mann, stellte sich als schwaches Weib dar und betonte ihre Unschuld. Schließlich entschuldigte sie sich in aller Form für den Irrtum und gelobte Wiedergutmachung.

Der Eiszauberer ließ sich zum Schein von ihrem Getue beeindrucken. Unterschwellig beeinflusste er Morriell, sodass sie ihm alle Gefangenen übergab, die er haben wollte. Darunter waren neben seinen eigenen Männern auch Überlebende anderer Trecks und gewöhnliche Leute aus Brig. Morriell händigte ihm die gestohlene Ware aus und geleitete den Tross zum Hafen. Dort winkte sie dem ablegenden Schiff nach, wie Gunwald es befohlen hatte.

Dorwald

Eisfürst Dorwald schäumte vor Wut. Die Geschichten der Gefangenen aus Morriells Kerker warfen kein gutes Licht auf das Herrscherpaar in Brig. Skrupellos plünderte Morriell die Menschen aus, und Gunwald scherte sich nicht darum. Die Gattin raffgierig und der Bruder inkompetent. Welch ein Ärgernis.

Umgehend schiffte Dorwald sich ein nach Brig.

Sobald er vor Morriell stand, brach ein Donnerwetter los, wie es die junge Frau niemals erlebt hatte. Dorwald traktierte sie mit schmerzhaften Blitzen, während er sie aufs übelste beschimpfte. „Du willst meine Schülerin sein? Meine Schande bist Du! Was hast Du Dir dabei gedacht, meine Leute einzukerkern und meine Ware zu stehlen? Glaubst Du wirklich, Du kommst damit durch? Nicht einmal ein Hund beißt die Hand, die ihn füttert. Ist Dir bewusst, dass Du hier von meinen Gnaden regierst? Hast Du Dir jemals Gedanken gemacht, wie lange Du und Dein Gatte ohne den Schutz meiner Nordmänner in Brig überleben könnten?“

Morriell wand sich und winselte um Gnade: „Ich gebe die beschlagnahmte Ware zurück. So wahr ich hier stehe – alles, was ich noch habe, gehört Euch!“

Das reichte dem wütenden Dorwald nicht: „Ich habe erhebliche Mittel in die Ausrüstung der Handelsexpeditionen gesteckt. Das noch übrige Diebesgut macht nicht einmal einen Bruchteil meines Verlustes wett. Außerdem habe ich die Witwen und Waisen der Getöteten zu versorgen. Ich dachte, der Erain Maur verletzt seine Wegesicherungspflicht. Von ihm hätte ich nichts anderes erwartet. Dass mich jedoch die eigene Familie bestiehlt, bringt mich zur Weißglut.“

„Verzeiht mir. Meister. Das wollte ich nicht…“ wimmerte Morriell.

„Was wolltet Ihr nicht? Mich bestehlen oder die Konsequenzen Eures Verhaltens tragen?“ fragte Dorwald. „Als meine Vasallin unterliegt Ihr meiner Gerichtsbarkeit. Noch ehe der Morgen graut, hole ich mir Euren Kopf. Gunwald wird den Verlust schnell verschmerzen!“

Morriell begriff, dass es ihr an den Kragen ging. Deshalb griff sie zu ihrem letzten verzweifelten Mittel: „Haltet ein, Meister. Ich mag Euch enttäuscht haben. Doch was ich tat, geschah nicht zur persönlichen Bereicherung. Der Plan dahinter findet gewiss Euren Gefallen...!“

Morriell weihte Dorwald in ihren Pakt mit Malwin ein. Erst war Dorwald entsetzt. Schließlich gewann sein Hass auf den Erain Maur die Oberhand gegenüber politischer Vernunft. Er willigte ein, sich mit Malwin zu treffen. Am nächsten Morgen machten sich beide auf den Weg nach Falkenberg, wo der Bandit residierte.

Malwin empfing den Herrn des Eispalastes mit ausgesuchter Höflichkeit. Er zeigte Dorwald die Daughûi, die seine Gespielin Ortrud aus Barrens Palast mitgebracht hatte.

Dorwald war fasziniert: „Alte Sagen erzählen von Orks, die auf dem Rücken der Daughûi in die Schlacht ritten. Ich dachte, beide Spezies wären ausgestorben. Fürwahr, es gibt sie noch. Habt Ihr auch einen Trupp Orks in der Hinterhand?“

Malwin lachte: „Mit Orks kann ich nicht dienen. Doch die Viecher sind überaus wirkungsvoll. In der Schlacht macht jeder Daughû 10 Männer wett!“

Dorwald begriff, welch gefährliche Waffe ihnen zugespielt worden war. Lebhaft diskutierte er mit Malwin über deren Haltung: „Wie ernährt ihr sie?“

„Sie fressen ausschließlich Menschenfleisch. Soweit verfügbar, füttern wir sie mit Leichen. Wir versetzen das Fleisch mit einem Gift, das sich im Körper der Hunde anreichert. Damit ist jeder Biss tödlich.“ Malwin machte eine kleine Pause und zog ein Gesicht, als wollte er sich entschuldigen: „Da sie auf Befehl Menschen jagen sollen, müssen wir sie trainieren. Wir treiben sie in die umliegenden Dörfer und lassen sie auf die Bauern los.“

Dorwald zuckte mit keiner Wimper. Eine so wirkungsvolle Waffe musste auf ihren Einsatz vorbereitet werden. Ihn interessierte viel mehr, was Malwin mit den Tieren vorhatte.

„Wir wollen sie im südlichen Rigland gegen den Erain Maur einsetzen“, erläuterte Malwin. „Mit Hilfe der Tiere attackieren wir seine Grenzforts. Wenn die Opfer zu groß werden, räumt er das nördliche Gilgorufer vielleicht freiwillig. Wenn nicht, werden wir ihn von dort vertreiben.“

Dorwald legte den Kopf schief: „Dafür braucht ihr eine Armee!“

Malwin nickte: „Die rekrutiere ich gerade. Die jungen Almanen haben wir alle ausgehoben. Nun werben wir in Brig.“

Dorwald wusste, was Malwin unter >werben< verstand. Er hatte gehört, dass Banditen Söhne und Töchter der Bauern verschleppten. Was er bis vor kurzem für schändlich erachtet hatte, schien ihm nun legitim. Der Zweck heiligte die Mittel. „Die Rückeroberung des südlichen Riglandes käme meinem Bruder Gunwald zu pass. Wenn er Mauro von dort vertreibt, machen die Kethen ihn zu ihrem obersten Heerführer!“

„Das reicht mir nicht!“ ließ sich Morriell vernehmen. „Ihr erinnert Euch, wie schmählich wir beide beim Ithrynmaeth ausgetrickst wurden? Ich will den Königsthron von Mandrilar!“

Dorwald lachte hellauf. Morriell in Mandrilar? Ein guter Witz. Dann stutzte er: „Gewiss habt ihr beide euch Gedanken gemacht, wie ihr dieses Ziel erreichen wollt?“

„Allerdings.“ Malwin und Morriell berichteten von ihren Überlegungen

„Das könnte klappen!“ Dorwald war Feuer und Flamme. „Wie viele Zauberer habt Ihr?“

„Alle, die Ihr hier seht, und ein paar mehr!“ Malwin wies auf die jungen Männer, die ihn umgaben.

Dorwald winkte ab: „Das reicht nicht gegen Mauro. Ihr braucht Verstärkung.“

Malwin lachte: „Wo soll die herkommen? Wir sammeln seit Jahren jeden begabten Jungzauberer im weiten Umkreis auf. Mehr gibt es nicht!“

Dorwald überlegte: „Wenn es nicht anders geht, wird euch der Eispalast helfen.“

Malwin verneigte sich: „Wenn Ihr an unserer Seite kämpfen wollt, gerne!“ Mit den Eiszauberern an seiner Seite fühlte er sich unbesiegbar. Bloß, wie bekam er den Bundgenossen hinterher wieder los?

„Ich werde darüber nachdenken.“ Dorwald ließ sich den Plan nochmals durch den Kopf gehen: „Wir brauchen die Unterstützung der Kethen. Ist Gunwald inzwischen vorangekommen?“

Morriell wusste, dass Gunwalds Mission gescheitert war. Ihr tönte noch das Wutgeschrei des Gatten in den Ohren. „Es wird schwer, die Stämme neuerlich gegen Thorn zu einen. Fürst Xavier von Dunlox bezweifelt, dass Gunwald bei der Wahl eine Mehrheit bekäme. Die Schauermärchen der Flüchtlinge haben seinem Ruf geschadet. Den Kethen geht es zu gut. Derzeit sehen sie keinen Grund für die Wahl eines neuen Heerführers. Erst im nächsten Jahr soll wieder ein Thing stattfinden.“

Malwin wollte von Abwarten nichts hören: „Dann lasst uns für einen Grund sorgen!“ Leise flüsterte er in Ortruds Ohr: „Schließlich haben wir Uki als Bundgenossen!“

Ortrud lächelte bedeutungsvoll und schwieg.

Plötzlich ging Dorwald ein Licht auf: „Ihr hattet nie die Absicht, mich einzuweihen. Ohne mein plötzliches Auftauchen hätte ich von Euren Plänen nichts erfahren. Wahrscheinlich weiß nicht einmal Gunwald Bescheid!“

„Selbstverständlich genießt unsere Vorgehensweise die uneingeschränkte Billigung meines Gatten“, betonte Morriell.

Schon die umständliche Formulierung signalisierte Dorwald, dass Gunwald nur zum Teil eingeweiht war. „Lügnerin!“ Das Mädel war erschreckend dumm. Bildete sie sich ein, Malwin zu kontrollieren? Oder plante sie bereits, Gunwald gegen den Almanen auszutauschen? Beides würde ihr schlecht bekommen.

Morriell zog ein schuldbewusstes Gesicht.

„Lass es dabei bewenden. Je weniger Gunwald mir ins Handwerk pfuscht, desto besser.“ Dorwald betrachtete Morriell fast mitleidig. Er konnte ihr nicht böse sein. Ihr Ende war vorprogrammiert. Immerhin hatte sie ihm ein lohnendes Ziel eröffnet. Anders als Gunwald, der nur den eigenen Nutzen im Visier hatte, hasste Dorwald Mauro aus tiefstem Herzen. Als Ringträger fühlte er sich verpflichtet, die Welt vor dem Erain Maur zu retten.

Doch da waren auch Zweifel. Was, wenn Mauro tatsächlich der Auserwählte war? Konnte Dorwald sicher sein, dass ihn edle Motive antrieben? Folgte er dem Ruf der Lichtgestalten, oder hörte er längst auf die Kräfte der Finsternis? Ehe er sich entschied, wollte er Zwiesprache mit seiner inneren Führung halten. Er zog sich zurück zur Meditation.

Dorwald merkte bald, dass Malwins Burg kein guter Ort zum Meditieren war. Zu viele destruktive Schwingungen störten seine Fokussierung. Es dauerte lang, bis er den gewohnten Zustand der Versenkung erreicht hatte. An der Grenze zwischen den Welten bat er seine Begleiter um Rat.

Keiner der vertrauten Geistführer mochte sich an jenem Abend zeigen, doch Dorwald bemerkte eine fremdartige Präsenz. Das Wesen wartete geduldig im Hintergrund, bis Dorwald seine Aufmerksamkeit darauf fokussierte. Dann kam es näher. Seine dunkle, machtvolle Aura schien den Raum auszufüllen. „Warum zweifelt Ihr?“ Die Worte fanden ein dröhnendes Echo in Dorwalds Kopf. „Haben Euch die Geister, die Euch begleiten, jemals fehl geleitet? Reistet Ihr nicht in Einklang mit Eurer Bestimmung, wäret Ihr nicht hier!“

In Einklang mit seiner Bestimmung. Seit er den dritten Ring in Besitz genommen hatte, war Dorwald besessen von der Idee, Mauro zu vernichten. Der Erain Maur war so mächtig geworden, dass ihn kein lebender Zauberer besiegen konnte – außer Dorwald. Er war der Stärkste von Mauros Gegnern, und damit der einzige, der es vollenden konnte. Er fühlte in sich hinein: ja, das war sein Weg, seine Bestimmung.

Dennoch rief etwas in seinem Bewusstsein nach Vorsicht. Dieses Wesen war ihm fremd. Konnte er ihm vertrauen? „Warum ist keine der Lichtgestalten, die mich üblicherweise begleiten, an meiner Seite?“

„Gebt Euch die Antwort selbst. Gegen einen düsteren Gegner wie Mauro braucht Ihr einen Verbündeten, dem nichts Dunkles fremd ist.“ Ein kehliges Lachen ertönte: „Eure Licht-und-Liebe-Engel verspeist er doch zum Frühstück!“

Das leuchtete Dorwald ein. Doch ehe er den neuen Verbündeten willkommen hieß, sollte er herausfinden, mit welcher Art Wesenheit er es zu tun hatte. Als gelernter Zauberer wusste er, dass das Wesen die Wahrheit sagen musste. Also fragte er: „Wer bist Du und was ist Deine Mission?“

„Die Menschen nennen mich Uki. Ich bin ein Bote des großen Furuk. Er schickt mich zu Euch, weil er sein Werk vollendet sehen möchte.“ Uki neigte sich zu Dorwald und hauchte ihm ins Ohr: „Furuk will sein Opfer!“

Der grausame furukische Gott forderte also ein Menschenopfer. Dorwald zweifelte keinen Moment, dass Mauros Leben geopfert werden sollte. Er, Dorwald, würde der Schlächter sein. Genauso hatte er es sich gewünscht. Doch was war der Preis? Uki gab gewiss nichts umsonst.

„Folge Deiner Bestimmung. Sei mutig und geh den Weg bis zum Ende. Mehr verlange ich nicht“, erwiderte die Wesenheit.

„Woran merke ich, dass ich auf dem richtigen Wege bin?“ Dorwald war noch nicht überzeugt, dass dieser dunkle Bote sein Bestes wollte.

„Orientiere Dich an bedeutungsvollen Fügungen. Höre auf Deine innere Stimme!“

Diese Anweisung fand Wiederhall in Dorwalds Brust. Immer, wenn er auf seine innere Weisheit gehört hatte, war er erfolgreich gewesen.

„Was wünschst Du Dir von mir?“ Uki signalisierte, dass er nicht nur fordern, sondern auch geben wollte.

Dorwald wurde nun kecker: „Sorge dafür, dass unser Plan gelingt!“

„Das ist keine präzise Anweisung“, rügte Uki. „Was genau soll gelingen?“

Dorwald dachte nach. Die Schwachstelle in ihrem Plan war die Passage durch das Elvellon. Sollte er dafür um Unterstützung bitten? Nein, auf das Ergebnis kam es an: „Sorge dafür, dass wir siegen!“

Uki lachte: „Das müsst ihr schon selber tun!“

Dorwald überlegte. Dass er auf das Ergebnis keinen Einfluss nahm, sprach für den Boten. So argumentierte kein rachsüchtiger Dämon, dem es um mutwillige Vernichtung ging. Also suchte Dorwald nach einer ergebnisoffenen Formulierung: „Sorge dafür, dass wir zur rechten Zeit an der richtigen Stelle stehen, um unser Werk zu vollenden!“

„Ihr werdet zur rechten Zeit an der richtigen Stelle stehen, um euer Werk zu vollenden!“ Uki bestätigte den Auftrag und verschwand.

Am nächsten Morgen teilte Dorwald Malwin mit, dass er mit Unterstützung der Eiszauberer rechnen konnte. Der richtige Zeitpunkt für den Angriff würde sich finden. Dorwald zweifelte keinen Moment, dass alle zur rechten Zeit am richtigen Ort versammelt sein würden, um den Erain Maur zu vernichten. Mit Uki an seiner Seite fühlte er sich stark.

Wenig später traf die erste wunderbare Fügung ein: die Todesnachricht von Eginors Sohn. Gunwald teilte seinem Bruder mit, dass er die Herrschaft über Tolox zu übernehmen hoffte.

Dorwald sah sich bestätigt: „Jetzt müssen wir Xavier von Dunlox überzeugen, dass die Kethen noch in diesem Jahr einen neuen Heerführer brauchen!“

Grenzlandwölfe

Als der Sommer in voller Blüte stand, überquerte Mauro mit seiner berittenen Begleitung das Graue Gebirge. Sie genossen die frische Bergluft und die Stille über den Wipfeln.

In Moringart angekommen überzeugte Mauro sich, dass in seiner Stadt alles zum Besten stand. Aus der vergessenen Burgruine war längst ein lebhafter Marktflecken geworden. Die Kethen begrüßten ihren König so enthusiastisch wie eh und je.

Eryndîr, der schon länger dort weilte, machte ein besorgtes Gesicht. „Dunkle Wolken ballen sich zusammen über Glancanas“, berichtete er. „König Thorn wittert überall Verrat. Kürzlich hat er einen hochgeschätzten Vertrauten seines Vaters aufgrund fadenscheiniger Anschuldigungen hinrichten lassen. Damit bringt er die Elvellim gegen sich auf. Viele edle Familien sind zu seinem Schwager Mallorn nach Burg Tîrhaered geflüchtet. Nun misstraut Thorn auch Mallorn. Er zieht Truppen zusammen, um den Schwager zu disziplinieren. Mallorn ist bereit, Euch den Vasalleneid zu schwören und das Landstück zwischen Jülgor und Morgor, das bislang zum Elvellon gehörte, unter Euren Schutz zu stellen. Ihr gabt der Elfenkönigin Euer Wort, ihre erdgebundenen Kinder zu schützen!“

„Das habe ich nicht vergessen“, erwiderte Mauro grimmig. „Wir sollten Mallorn umgehend unserer Unterstützung versichern. Arrangiert ein Treffen. Ich möchte die neuen Wehranlagen besichtigen, die wir gemeinsam mit seinen Leuten in den Bergen hinter Tîrhaered errichtet haben. Kein feindliches Heer darf von dieser Seite ins Morgortal vorrücken!“

Während der zwei Wochen, die Mauro sich auf seiner Burg gönnte, blieb alles ruhig. Er ritt mit seiner Gattin über blühende Wiesen und badete in den heißen Quellen, die sie beide so sehr liebten. Es war eine fröhliche, unbeschwerte Zeit.

Die kleine Nauriell hatte mittlerweile die Wirkung ihres Lachens erkannt und zeigte es mit Wonne bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sie entwickelte sich zu einem wahren Sonnenschein. Viele meinten, noch nie ein fröhlicheres Kind gesehen zu haben. Die Damen wetteiferten, wer die Kleine beaufsichtigen durfte, wenn ihre Mutter sie für kurze Zeit aus der Hand gab.

Unter den Frauen, die sich um Nauriell bemühten, tat sich Ingrams Gattin Tellia besonders hervor. Sie hatte kürzlich ihr eigenes Kind verloren. Nun diente sie sich Sigrun als Amme an: „Ich kann nicht daheim an der leeren Wiege sitzen. Zu schmerzlich ist der Verlust. Mein Kind, das eben noch friedlich schlief, hörte plötzlich zu atmen auf. Rettet mich vor der Stille und den bohrenden Fragen. Gebt mir eine Aufgabe, eine Chance für einen Neubeginn!“

Die beiden Frauen kannten einander, denn gemeinsam mit Sigrun war auch Tellia in die Hände von Malwins Banditen geraten. Nun hatte Sigrun Mitleid. Obgleich sie meinte, auf eine Amme verzichten zu können, schlug sie die Bitte nicht ab. So wurde Tellia zu ihrer ständigen Begleiterin.

Während Mauro überlegte, ob sie abreisen oder noch eine Woche bleiben sollten, erreichte ihn ein Bericht von Iorghe, dem Standortkommandanten von Sigrunsburg: „Eines unserer neuen Wehrdörfer im südlichen Rigland wurde überfallen – gestern, am helllichten Tage. Es war das Werk von Zauberern. Sie brachten die noch nicht fertig gestellten Befestigungsanlagen zum Einsturz.“

„Zauberer? Das kann nur Malwins Bande gewesen sein“, schlussfolgerte Mauro. „Ich bin wiederholt mit Goswins missratenem Sohn aneinander geraten. Es ist höchste Zeit, diesem Burschen ein für alle Mal das Handwerk zu legen!“

„Das ist noch nicht alles“, berichtete Iorghe. „Die Angreifer setzten Riesenhunde ein – Daughûi, auf denen vor Urzeiten die Orks in ihre Schlachten ritten. Sie wüteten fürchterlich unter der Besatzung des Forts. Einige Zivilisten, die beim Aufbau mitgeholfen hatten, wurden regelrecht zerfetzt. Ihr habt angedeutet, dass Ortrud die Hunde zu Malwin bringen könnte. Offenbar hat sie das getan. Auf diesen Schrecken waren wir nicht gefasst.“

„Es war eine Frage der Zeit, bis Malwin das widerliche Viehzeug gegen uns einsetzt“, knurrte Mauro. „Wir brauchen eine Abwehrstrategie. Alle, die dazu beitragen können, treffen sich in Sigrunsburg. Wir brauchen Yvo – er hat die Daughûi gefüttert, als er noch Barrens Leibsklave war – und Feren. Er hat schon einmal gegen die Viecher gekämpft. Mobilisiert den daheim gebliebenen Teil meiner Garde. Im Kampf gegen Malwin brauchen wir jeden Mann!“

Mauro wollte sofort nach Sigrunsburg aufbrechen und sich persönlich um die neue Bedrohung kümmern. Eryndîr meldete Zweifel an: „Ich fürchte, das ist erst der Anfang. Der Überfall auf den Grenzposten zum jetzigen Zeitpunkt ist gewiss kein Zufall. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit nach Osten, während sich hier im Westen etwas zusammenbraut. In Kürze könnte Gunwald zum obersten Heerführer der Kethen gewählt werden. Seine Gattin Morriell hat sich schon öfters Malwins zweifelhafter Dienste bedient – zuletzt, als sie Eure Braut entführen ließ!“

„Die Kethen fürchte ich nicht“, erwiderte Mauro. „Moringart ist stark befestigt. In Sigrunsburg werde ich nötiger gebraucht.“

Als Eryndîr immer noch ein sorgenvolles Gesicht machte, legte Mauro ihm die Hand auf die Schulter: „Die unsichere Situation in Eurer alten Heimat macht Euch zu schaffen. Ich verzichte ungern auf Eure Begleitung, doch ich sehe ein, dass Ihr hier gebraucht werdet. Rüdiger unterstützt Euch beim diplomatischen Umgang mit König Thorn und den Ostkethen.“

Eryndîr dankte seinem König für das Verständnis.

„Kehrt mit unserer kleinen Tochter nach Mandrilar zurück“, bat Mauro Sigrun. „Ich will euch beide nicht den Gefahren der Reise aussetzen!“

Sigrun bestand darauf, Mauro zu begleiten: „Ich bin Königin der Rigländer. Das kleine Kind soll mich nicht hindern, meinen Verpflichtungen nachzugehen. Schließlich sind es meine Stammesbrüder, die unter Malwins Übergriffen zu leiden haben.“

Sigrun konnte ziemlich stur sein, wenn sie ihren Kopf durchsetzen wollte. Sie lenkte nicht ein, so sehr Mauro sie auch bat. „Eine Almanen-Königin läuft nicht davon“, sagte sie entschlossen. „Soll ich mich von räudigen Banditen abhalten lassen, meinem Volk in der Not beizustehen?“

Am Ende gab der König nach und setzte die Reise mit Frau und Tochter fort.

Da Feren und Yvo eine längere Anreise hatten, erreichte Mauro Sigrunsburg vor ihnen. Dort traf er auf Menschen, die den Angriff der Daughûi überlebt hatten. Der Schock stand in ihren Gesichtern, während sie ihre Geschichten erzählten. Ein Mann berichtete: „Das neue Wehrdorf war beinahe fertig. Wir arbeiteten gerade an der äußeren Schutzmauer. Mit Körben transportierten wir Erde und Steine zum Auffüllen des Pfostengerüsts. Plötzlich waren wir umringt von Zauberern. Sie stimmten ein Summen an und brachten damit die Erde zum Beben. Der eben erst errichtete Mauerteil sackte in sich zusammen und begrub einen Teil der Arbeiter. Gleich darauf hörten wir das Hecheln der Hunde!“

„Wir verschanzten uns hinter den Trümmern und machten uns zum Kampf bereit“, erzählte ein anderer weiter. „Plötzlich standen die Daughûi auf den Steinbrocken und blickten auf uns herab. Wir rannten, so schnell wir konnten. Die Viecher machten Jagd auf alles, was sich bewegte. Einige entkamen, während die Menschen neben uns in Stücke gerissen wurden!“

„Ein riesiger Daughû sprang über die Mauertrümmer hinweg mitten ins Fort hinein. Den Pfostenzaun, der das Innerste der Wehranlage absichern soll, überwand er mühelos“, erzählte einer der Wächter. „Wir griffen den Hund mit Speeren an, doch sie drangen nicht durch die Haut. Der Daughû schüttelte die Speere ab, als wären es Zahnhölzer.“

„Ich war gerade am Gemüseputzen, als das Tier plötzlich vor mir stand“, berichtete eine Frau atemlos. „Mit blutroten Augen hielt es nach Beute Ausschau. Niemals vergesse ich diesen wilden Blick. Das Tier nahm mich ins Visier. Ich war so gut wie tot, doch beherzte Wächter kamen mit Pfostenstangen. Sie versuchten, das Tier in die Enge zu treiben. Der Daughû wurde wütend. Es zerbrach einen armdicken Pfosten mit einem einzigen Tatzenschlag. Dann griff es den Träger des Pfostens an, brachte ihn zu Fall und biss ihm die Kehle durch.“

„Danach kam das merkwürdigste von allem“, berichtete eine weitere Augenzeugin. „Die umstehenden Menschen interessierten den Daughû plötzlich nicht mehr. Ohne Hast verzehrte er seine Beute. Das Untier riss Fleischstücke aus dem Körper des Toten. Es dauerte eine Weile, bis wir begriffen, dass wir nun fliehen konnten.“

„Die meisten kamen allerdings nicht weit“, klagte die erste. „Hinter den Daughûi drangen Malwins Krieger in das Fort ein und erschlugen jeden, dessen sie habhaft werden konnten. Was sie nicht plündern konnten, brannten sie nieder. Uns ließen sie am Leben, um die Schreckensnachricht zu verbreiten!“

Gegen Iorghes Ratschlag bestand Mauro darauf, die neu errichteten Grenzanlagen zu besichtigen. Seine Leute hatten die Befestigungswälle ergänzt und Wehrdörfer angelegt, in die Krieger und Zivilisten sich bei Angriffen zurückziehen konnten. Eines dieser Wehrdörfer hatte Malwin für seinen Angriff ausgesucht. Nun wollte Mauro sich persönlich ein Bild von der Lage machen.

Wohin Mauro auf seiner Grenzlandreise auch kam, überall hörte er Schauergeschichten über Malwins Schreckensherrschaft. Von seinem Fürstensitz Falkenberg aus terrorisierte der ehemalige Bandit die gesamte Region. Menschen waren für ihn ein nachwachsender Rohstoff. Die einzige Ausnahme waren seine jungen Zauberer, unter denen sich Barrens ehemalige Zöglinge besonders hervortaten. Da er nur eine begrenzte Zahl von ihnen hatte, hütete er sie wie seinen Augapfel. Alle anderen litten unter seiner ausufernden Grausamkeit.

Flüchtlinge aus dem nördlichen Rigland berichteten: „Malwin füttert seine Daughûi ausschließlich mit Menschenfleisch. Hat er gerade keines vorrätig, lässt er sie in die umliegenden Dörfer treiben. Wer sich gerade auf der Straße befindet, ist eine willkommene Mahlzeit für die Hunde.“

Mauro sah nur eine Lösung: „Wir müssen Malwin finden und endgültig vernichten – und zwar noch ehe die Daughûi sich unkontrollierbar vermehren!“

Shui rechnete: „Neun Tiere hat Ortrud in Barrens Palast erbeutet. Sechs davon waren nach Yvos Bericht weiblich. Wenn jede davon jährlich einen Wurf mit nur vier Welpen hat, ergibt das in fünf Jahren – eine Daughûi-Armee!“

„Eile ist geboten. Je schneller wir Malwin das Handwerk legen, je besser für das Land“, pflichtete ihm Mauro bei. „Verstreicht zu viel Zeit, können wir die Bewohner am Ende nicht mehr schützen. Sie werden zu – Hundefutter!“

Mit dieser grauenhaften Vorstellung im Kopf erreichte Mauro das zerstörte Wehrdorf.

Zu seinem Erstaunen traf er dort Menschen an, die mit dem Wiederaufbau beschäftigt waren. Es waren nicht dieselben, die Malwin vertrieben hatte. Nur wenige hatten den Angriff überlebt. Es waren Almanen aus dem Norden – Menschen, die vor Malwins Grausamkeit geflohen waren und die sich im südlichen Rigland eine neue Heimat erhofften.

„Habt ihr nicht Angst vor einem neuerlichen Angriff?“ fragte Mauro die Leute.

„Schon“, erwiderte der Anführer der Sippe. „Doch wo sollen wir hin? Daheim waren wir tagtäglich Malwins Willkür ausgesetzt. Weiter südlich leben andere Stämme. Dort ist kein Platz für uns.“

„Kämpfen müssen wir überall“, meinte sein Sohn. „Hier entlang der Grenze gibt es freies Weideland für unsere Herden. Und einen gerechten König, dessen Gesetz für alle gilt. Er schützt die Almanen, wie die anderen Völker auch. Mit den Banditen werden wir schon fertig.“

Mauro staunte. Gesetz und Ordnung in Furukiya – waren das die Früchte seiner Arbeit? Der Lohn der Quälerei der vergangenen Jahre? War selbst hier im wilden Grenzland ein bisschen Normalität angekommen? Durfte er das als Verdienst verbuchen?

Die Leute kannten Mauro offenbar nicht. Deshalb setzte der König sich, wie er es früher so gerne getan hatte, zu den Almanen ans Feuer. Er teilte mit ihnen die mitgebrachten Speisen und lauschte ihren Geschichten. Mehr und mehr bewunderte er ihren unerschütterlichen Lebensmut. Sie hatten herbe Verluste erlitten, doch sie waren stets wieder aufgestanden und hatten neu begonnen.

Eine Patrouille tauchte aus dem Nirgendwo auf. Mauros Wächter wollten sie abweisen, doch Mauro bedeutete ihnen, die Späher durchzulassen.

Der Anführer wurde aus den uneinheitlichen Hoheitszeichen von Mauros Begleitern nicht schlau. Mauro hingegen hatte er schnell klassifiziert: >Superfeiner Oberstallhengst aus der Hauptstadt<. Er grüßte nachlässig und sagte: „Ich nehme an, Ihr seid der Ranghöchste hier. Dann werde ich Euch mal Meldung machen. Hauptmann Matsû und seine Grenzlandwölfe melden sich vom Spähgang zurück.“

Matsû berichtete: „Ich habe mit meinen Leuten die Spur der Daughûi verfolgt. Sie führte erst geradewegs nach Norden. Dann knickte sie plötzlich nach Westen ab. Am Oberlauf des Birkenbaches verlor sie sich. Meine Männer haben das Gelände gründlich abgesucht. Wir fanden kein Anzeichen, dass Malwin zu seiner Burg zurückgekehrt ist. Daraus schließe ich, dass er sich noch in der Gegend aufhält – möglicherweise jenseits des Flusses im Elvellon.“

„Wir werden früh genug erfahren, wo sie sind. Ihre Viecher müssen bald wieder fressen“, meine Shui sarkastisch.

Mauro dankte dem Hauptmann für seine Meldung und lud ihn ein, am Feuer Platz zu nehmen. Während die Männer sich labten, beobachtete er sie. Grenzlandwölfe – die wildeste Truppe Furukiyas. Ihr Verhalten war durch und durch wölfisch, von ihren Essmanieren ganz zu schweigen. Sie jagten im Rudel, weit hinter den feindlichen Linien. Unter König Curon sicherten sie die Westgrenze. Nun hatten sie im Rigland eine Heimat gefunden. Sie waren so anders als die Krieger, die sonst an seiner Seite ritten. Diese wilden Burschen brauchten wildes, ungezähmtes Land. Sie passten zu den furchtlosen Siedlern, die mit Mut und Entschlossenheit das Fort neu aufbauten.

Wo würden sie hingehen, wenn es plötzlich keinen Krieg und keine Herausforderung in Furukiya mehr gäbe? Würden sie dann zu Räubern werden, die sich ihren gesetzlosen Raum selbst schufen? War es nötig, dass es immer irgendwo eine unsichere Grenze gab, an der diese Menschen sich bewähren konnten? War das gnadenlose Grenzland-Dasein nichts weiter als eine zusätzliche Spielwiese für menschliche Entwicklung? Eine Herausforderung, die manche Typen brauchten wie die Luft zum Atmen? War es wirklich seine Aufgabe als König, hier ein für alle Mal aufzuräumen? Sollte er vielleicht besser den Menschen, die hier leben wollten, die Mittel zur Verfügung stellen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen? Die Entschlossenheit auf ihren harten Gesichtern ließ Mauro annehmen, dass sie es vermochten. Viele würden sterben, doch ebenso viele würden nachrücken. Am Ende würden sie siegen, denn Malwins Ressourcen waren begrenzt – die ihren nicht. In jener Nacht formulierte Mauro den Auftrag für seine Leute neu: >Was müssen wir den Menschen hier an die Hand geben, damit sie sich gegen Malwins Bedrohung erfolgreich zur Wehr setzen können?<

Nachdem Matsûs Männer ihren Wolfshunger gestillt hatten, rollten sie sich ganz selbstverständlich am Feuer zum Schlafen ein. Mauros Wächter reagierten irritiert und versuchten, sie zu verscheuchen.

Matsû wandte sich an Mauro: „Heute Nacht bleiben wir hier, wenn Ihr gestattet. Ihr habt reichlich Wachen aufgestellt. Meine Männer sollen mal wieder ungestört durchschlafen!“

Mauro bedeutete ihm, dass es in Ordnung war. „Was habt Ihr morgen vor?“ wollte er wissen.

„Wir bleiben in der Gegend. Unser Auftrag ist, das Gelände entlang der Grenze zu sichern. Unser Togwed meint, der König will vielleicht persönlich hierher kommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Wir sollen dafür sorgen, dass es keine Zwischenfälle gibt. Als ob wir nichts Besseres zu tun hätten.“

Shui ärgerte sich über das respektlose Benehmen des Hauptmanns. „Was meint Ihr, wen Ihr vor Euch habt?“ fragte er ungehalten.

„Na, ihr seid doch wohl die Vorhut. Ihr sichert die Umgebung, damit dem hohen Herrn nichts passiert, wenn er hier durchspaziert. Mandrilanische Stallrösser, die keine Ahnung haben, wo sie hinschauen müssen! Ihr wäret uns beinahe auf die Pfoten getreten, als ihr an uns vorbeimarschiert seid!“ schimpfte Matsû.

Mauro fand Matsûs Ehrlichkeit erfrischend. Mit seinem unüberhörbaren kethischen Akzent sagte er: „Mandrilanische Stallrösser sind wir in der Tat. Wir machen gerade einen kleinen Ausflug ins wilde Rigland. Ich bin Euer König!“

Nun wollte Matsû am liebsten im Boden versinken. Er warf sich vor Mauro auf den Bauch, wie er es von König Curons Zeiten her kannte und bat stammelnd um Vergebung: „Ich konnte nicht ahnen dass Ihr … großer Furuk, der König persönlich … mit so wenig Leuten … bloß vierhundert Mann …“

„Ihr habt richtig gezählt“, bestätigte Mauro. „Vierhundert ausgezeichnete Krieger schützen mein Leben. Das erscheint mir nicht gerade wenig.“

„Das ist viel zu wenig“, widersprach Matsû. „So viele hatte Malwin allein, um dieses Fort zu überfallen, plus die Daughûi, die jeder für ein Dutzend Krieger stehen. Ihr kennt ihn von früher, als er noch Räuberhauptmann war. Ihr musstet Eure Braut aus seiner Gewalt befreien. Die Geschichte kennt hier jeder. Inzwischen befehligt Malwin eine Armee. Er presst die Söhne der Almanen zum Dienst und setzt sie ein, um ihre Väter zu terrorisieren. Wenn er will, kommt er morgen mit tausend Almanischen Kriegern über diesen unzulänglichen Wall. Die vierhundert >ausgezeichneten Kämpfer< nutzen Euch gar nichts!“ Matsû machte keinen Hehl daraus, dass ihn die Qualität von Mauros Garde nicht überzeugte. Nach den Maßstäben der Grenzlandwölfe waren die Gardisten engagierte Amateure.

Matsû weckte seine Männer mit Fußtritten: „Los, kommt auf die Beine. Heute wird nicht geschlafen. Schwärmt aus ins Gelände und haltet die Augen offen. Wenn Ärger unterwegs ist, möchte ich es frühzeitig erfahren!“ Zu Mauro sagte er: „Ihr könnt hier nicht friedlich lagern, als ob Ihr daheim in Moringart wäret. Ihr seid fette Beute für Eure Feinde. Kommt fort von hier. Ich zeige Euch einen Lagerplatz, den Eure Garde im Notfall verteidigen kann!“

„Wir sollten auf Hauptmann Matsû hören“, meinte nun auch Togwed Shakir, der Dienst habende Kommandant der Garde. „Das unfertige Fort bietet tatsächlich wenig Schutz gegen Angriffe.“

„Er hat verdammt Recht“, knurrte Shui, dem schon die ganze Zeit über mulmig zu Mute war. Wenn Malwin tatsächlich über eine so große Streitmacht verfügte, sollte der König nicht vor seiner Nase spazieren gehen.

Widerwillig fügte Mauro sich dem Ratschlag seiner Wächter und zog sich weiter ins Hinterland zurück. Die Bilder der Männer und Frauen, der Hirten und Krieger, denen er in jener Nacht begegnet war, trug er noch lange mit sich. Hier im Grenzland lebten Menschen, die erfüllt waren vom Vertrauen in die Kraft ihres Willens und ihrer starken Arme. Sie waren keine Kinder, für die man denken und handeln musste. Sie brauchten bloß ein wenig Unterstützung, dann würden sie jedem Feind die Stirne bieten.

Matsû brachte sie sicher zurück nach Sigrunsburg. Als er sich verabschieden wollte, bat ihn Mauro, noch ein Weilchen zu bleiben. Seine Erkundungsergebnisse könnten bei den Beratungen von Nutzen sein.

Matsû blieb gerne. Er stolzierte umher, als wäre er der persönliche Wächter des Königs und quatschte auf seine respektlose Art jeden an, der ihm über den Weg lief. Damit machte er sich nicht nur Freunde.

„Wir sollten dem Kerl auf den Zahn fühlen!“ Es war Shuis Aufgabe, die Leute in des Königs Umgebung auf Zuverlässigkeit zu überprüfen.

Matsû hatte gar nicht die Absicht, etwas zu verheimlichen. Im Gegenteil: er bat Shui, noch tiefer zu bohren. „Zu den Grenzlandwölfen wurde ich strafversetzt für ein Verbrechen, das ich nicht begangen habe. Seit fast zehn Jahren kämpfe ich vergeblich um meine Rehabilitierung. Wenn Ihr in meinem Gedächtnis lest, wisst Ihr, dass ich es nicht war!“

„Klar kann ich das herausfinden.“ Shui stieg tiefer in Matsûs Bewusstsein ein und rief die Bilder aus seinem Gedächtnis ab. Deutlich konnte er Matsûs Entsetzen fühlen, als er aufgrund falscher Zeugenaussagen Ehre, Stellung und Freiheit verlor. „Der Mann ist sauber“, konstatierte er.

„Ja“, bestätigte Sascha, der zum gleichen Ergebnis gekommen war. Sie berichteten es Mauro, der stets über die Arbeit seiner Ithryn informiert sein wollte.

„Du hast fast zehn Jahre um Deine Rehabilitierung gekämpft und keiner hat Dir zugehört. Jetzt bekommst Du von den Ithryn des Königs volle Vertrauenswürdigkeit bescheinigt. Das ist mehr, als Du erwarten konntest. Wirst Du jetzt die Grenzlandwölfe verlassen?“ wollte Mauro wissen.

„Ich passe doch nirgends anders mehr hin. Ich bin kein Stallross. Außerdem hab ich mich an mein Rudel gewöhnt“, meinte Matsû mit einem verlegenen Grinsen.

Mauro fand sein Bild von Matsû bestätigt. „Warum hast Du dann so verbissen für die Wahrheit gekämpft? Du selbst wusstest ja, dass Du es nicht getan hast. Wirst Du von den anderen mehr respektiert, bloß weil wir Dir glauben?“

Matsû dachte nach: „Früher wäre das so gewesen. Die Verurteilten hatten keinen Anspruch auf Wehrsold und wurden schlechter gehalten als das Vieh. Seit Ihr die Macht übernommen habt, fragt kaum einer nach alten Geschichten. Als mein Togwed mich zum Truppführer beförderte, meinte er, er hätte mich nie für einen Chorknaben gehalten. Wenn ich gute Arbeit mache, interessiert ihn meine Vergangenheit nicht. Er stielt auch nicht meinen Wehrsold. Seit die Wölfe Teil Eurer Reichstruppen sind, geht es mir richtig gut. Ich werde anständig ausgerüstet und fair entlohnt. Was will ein alternder Wolf mehr?“

Bald darauf trafen Yvo und Feren ein. Torrens Rat gehorchend demonstrierte Feren in eindrucksvoller Manier, dass Tolego auf der politischen Landkarte eine Rolle spielte. Erhobenen Hauptes ritt er an der Spitze von fünfzig bestens ausgerüsteten Kriegern, die die Löwen von Tolego auf ihrem Überwurf trugen.

Die Bewohner von Sigrunsburg liefen auf den Straßen zusammen, um den Einzug mitzuerleben. Neben den ortsansässigen Almanen fanden sich Händler und Handwerker jedweder Herkunft. Auch die unvermeidbaren Wüstenstromländer hatten längst das Rigland für sich entdeckt. Ihre reich bestickten, wallenden Gewänder stachen in der Menge hervor. Alle bestaunten die Löwen aus Tolego, die in Furukiya einen legendären Ruf genossen.

Da die Größe der Eskorte ein wichtiges Statussymbol war, hatte auch Yvo dafür gesorgt, dass ihn fünfzig fürstliche Reiter aus Passar begleiteten. Jeder von ihnen trug sein neues Wappen mit Seerose und Sonnenrad. Yvo hatte eine brandneue Eskorte für sich zusammengestellt, die so bunt zusammengewürfelt war, wie es der Bevölkerung von Passar entsprach. Da waren olivhäutige Rhûn-Maiyar mit blauen Augen, schwarz gelockte Wüstenstromländer, schlitzäugige Steppenreiter und einige wenige hellhäutige Alicandos. Sogar ein rabenschwarzer Kerl war darunter. Es gab nur eine Gemeinsamkeit: alle waren sehr jung. Die Truppe insgesamt wirkte chaotisch und undiszipliniert. Dennoch war Yvo überglücklich. Sie waren zu 100% >seine< Leute.

Hinter Yvos Garde folgten die Ithryn Lucca und Hussim. Lucca hatte das Land der Kojotim bereist. Hussim war von Hussa weiter nach Süden gezogen, um die angrenzenden Länder auszukundschaften. Mit großem Stolz präsentierte er seine Gaukler-Truppe. Ein Teil von ihnen waren Artisten, die anderen bestens ausgebildete Kombat-Zauberer. Wie man es von Gauklern erwarten würde, unterhielten sie die Gaffer im Vorbeiziehen mit Jonglier-Einlagen, Salti und Feuerspucken.

Den Abschluss bildeten Serghey mit seinen Alicandos und Segur, der aus der Hauptstadt alle noch verfügbaren Gardisten mitgebracht hatte. Alles in allem hatte Mauro nun zusätzliche 350 Mann zur Verfügung. Bloss Jorid war noch in ihres Königs Auftrag anderenorts unterwegs.

Mauro, Shigat von Yian Mah, Sigruns Vetter Wolfram und Standort-Kommandant Iorghe empfingen die Ankömmlinge. In den darauf folgenden Tagen entwarfen sie Pläne, die neue Provinz gegen die Begehrlichkeiten ihrer Nachbarn zu verteidigen.

Feren übte mit den Kriegern, wie sie einen Daughû zur Strecke bringen konnte. Zu diesem Zwecke entwickelte er Paraplagues, die den echten Daughûi täuschen ähnlich sahen. Er zeigte ihnen, wo die empfindlichen Stellen für die Lanzen waren und mit welchem Zauber sie die Hunde ablenken konnten. Sie testeten geeignete Waffen: wie dick durfte ein Speer sein, damit ein Mann ihn noch tragen und ein Daughû ihn nicht brechen konnte? Wie groß musste ein Wurfnetz sein, das einen Daughû gefangen hielt?

Matsû beteiligte sich mit seinen Leuten am Training. Ihre Patrouillen waren gefährdet, denn die Daughûi konnten sie mühelos in ihren Verstecken aufspüren. Interessiert lauschte Matsû, was Yvo über Lebensgewohnheiten und Haltung der Daughûi berichtete.

„Habt Ihr nichts Besseres zu tun?“ fragte Feren barsch.

„Wir tun das Beste. Meine Leute werden die Viecher bekämpfen, lange nachdem ihr abgereist seid.“ Matsû war nie um eine Antwort verlegen.

Feren sah Matsû von oben herab an und rümpfte die Nase: „Hier stinkt’s nach Wolf.“

„Bin Dir wohl nicht fein genug!“ Die Blicke der beiden Männer verhakten sich ineinander.

„Nimm es ihm nicht krumm. Du solltest wirklich mal baden“, beschwichtigte ihn Hussim, der Ferens Bemerkung wörtlich genommen hatte.

Matsû strubbelte Hussim durchs Haar und feixte: „Mach ich doch gern für Dich!“ Am Abend nahm er tatsächlich ein warmes Bad und rückte dem Ungeziefer zu Leibe, das sein ständiger Begleiter war.

Feren redete auf Segur und Yvo ein: „Beteiligt euch an den Übungen. Der Kampf gegen Malwin geht uns alle an. Wir könnten die nächsten sein, die sich gegen seine Daughûi verteidigen müssen!“

Yvo blieb stur. Er wollte seine Leute selbst ausbilden. Segur lenkte ein: „Es schadet unseren Männern nicht, sich an den Übungen zu beteiligen. Solange sie in Bewegung bleiben, kommen sie nicht auf dumme Gedanken.“

Unter Ferens Anleitung erarbeiteten sie, wie eine Truppe sich aufstellen muss, wenn die Angreifer, wie bei Malwin zu erwarten, aus unterschiedlich starken Zauberern, Fußvolk und Kampfhunden bestanden.

Feren war kein geduldiger Lehrmeister. Wenn etwas nicht auf Anhieb funktionierte, blaffte er die Männer an. Stellte sich einer gar zu ungeschickt, wurde er mitunter handgreiflich.

Die Kämpfer fluchten vor sich hin, doch sie ließen es geschehen. Feren war gut, er brachte ihnen etwas bei. Etwas, das im Ernstfall den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten konnte.

Selbst Matsû entwickelte im Laufe der Zeit so etwas wie Hochachtung gegenüber Feren. Als er einen der Männer murren hörte, schnauzte er ihn an: „Halts Maul und beweg Deinen Hintern. Der Mann weiß, was er tut!“

Da er mit jedem ins Gespräch kam, wusste Matsû bald über Mauros Truppe Bescheid. Irgendwann sprach er Segur an: „Deine Garde ist gar nicht so übel, Togwed. Sind etliche Krieger mit Grenzlanderfahrung dabei. Das kann ich riechen.“

„Deine Nase ist in Ordnung, Matsû“, lachte Segur. „Auch ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, mit Pado zu reiten. Was immer man von ihm hält – seine Leute hat er gut ausgebildet. Wir profitieren heute noch davon.“

„Mal ehrlich, Togwed, der andere, Dein Fürst, ist doch auch einer von uns. War er nicht Pados Kombat-Zauberer?“ testete Matsû.

„Feren? Sprich ihn nicht darauf an. Die Zeit würde er am liebsten aus seiner Erinnerung löschen“, erwiderte Segur.

„Verstehe. Deswegen verhält er sich mir gegenüber so ruppig.“ Pados Bestrafungsaktionen waren auch an Matsû nicht spurlos vorübergegangen. Er hatte allerdings erfahren, dass andere Togweds ihre Leute noch schlechter behandelten. Als Pado ihn an den Herzog von Passar überstellte, begann die schlimmste Zeit seines Lebens.

Mauro blieb länger als beabsichtigt im Rigland. Es war ihm ein persönliches Anliegen, die Menschen, die sich wacker gegen Malwins Bedrohung stemmten, seiner Unterstützung und Anteilnahme zu versichern.

Für Sigrunsburg bedeutete die Anwesenheit des Königs ein nicht enden wollendes Fest. Händler, Gaukler, Spielleute und was sonst auf den Spuren der Truppe unterwegs war, strömte in die Stadt. Auch einige Ehefrauen, die gemäß furukischer Tradition die Männer zum Stationierungsort begleiteten, waren im Tross der Gardisten mitgekommen. Lilya und Sayah hatten als einzige Hofdamen die Reise mitgemacht. Sie waren beide ausgezeichnete Reiterinnen und weder durch Schwangerschaft noch durch kleine Kinder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt.

Yvo hatte seine mütterliche Gefährtin mit auf die Reise genommen. „Lore wollte gerne reisen und lernte das Reiten. Dadurch kann ich jetzt meine Sexualverpflegung mit mir führen“, erklärte er mit breitem Grinsen. „Die Nächte sind weniger kalt, wenn ich mich an menschlichem Fleisch wärme!“

„Es ist in Ordnung, wenn Du das Leben genießt. Es ist kurz genug.“ Mauro schmunzelte. Yvos Unbekümmertheit hatte etwas Erfrischendes. „Ich versteh bloß nicht, warum ausgerechnet Lore Dein Herz erwärmt!“