Der Stuhl im Meer - Tom Beutlin - E-Book

Der Stuhl im Meer E-Book

Tom Beutlin

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Beschreibung

Einfach mal in die Karibik fahren und wissen wollen, wie es sich dort jenseits von pauschal organisierten Reisen und Ferienanlagen reisen lässt. Ein informativer und vergnüglicher Bericht über eine Reise nach Curacao, Aruba, Bonair, Trinindad, Tobago, St. Martin und Anguilla, bei der wenig geplant war und viel gefunden wurde. Wer schon immer mal die festen Bahnen pauschal organisierter Reisen verlassen und auf eigene Faust fremde Welten erkunden will, findet hier viele Anregungen, Hinweise und nützliche Informationen.

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Tom Beutlinhat, unterstützt von der Frau seines Herzens,all dies aufgeschrieben

Inhaltsverzeichnis

Prolegomena

Tag 1 - Dienstag

Von Frankfurt nach Amsterdam

Tag 2 - Mittwoch

Flughafen Amsterdam

Regenzeit

Free Concert

Das Hotel SCHARLOO

Papiamento

Die Königin-Emma-Brücke

Tag 3 - Donnerstag

Punta

Die Mikve Israel Emanuel Synagoge

Otrobanda

Das Museum Kura Hulanda

Im Cafe Brionplein

Vom Gelde

Das Curacao North Sea Jazz Festival I

Tag 4 - Freitag

Zur Phänomenologie des öffentlichen Nahverkehrs – ein Feldversuch

Das Curacao North Sea Jazz Festival II

Tag 5 - Samstag

Auf dem Weg nach Aruba

Aruba

Das Highlight des Tages

Tag 6 - Sonntag

Sammeltaxis

Das See-Aquarium

Endlich - die Karibik

Tag 7 - Montag

THE LODGE, Bonaire

Kralendijk

„THE WORLD ON YOUR SPOON“

Kleine Entdeckungen

Tag 8 - Dienstag

Eine kleine Geschichte am Rande

Radtour

Der Stuhl im Meer

Tag 9 - Mittwoch

Auf Bonaire

Tag 10 - Donnerstag

Die Vespa

Tag 11 - Freitag

Der Weg nach Trinidad

Ankunft

Auf Trinidad

Tag 12 - Samstag

PAR-MAY-LAS INN, Port of Spain

Port of Spain

Ankunft in Tobago

Das CONRADO BEACH RESORT

Tag 13 - Sonntag

Pigeon Point

Der Pigeon Point Heritage Park

Sunday School Lime in Buccoo

Tag 14 - Montag

Crown Point

HOUSE OF PANCAKES

Tag 15 - Dienstag

Tobago-Rundfahrt

Tag 16 - Mittwoch

Tag 17 - Donnerstag

Tag 18 - Freitag

Auf dem Weg nach Sant Maarten

RIU PALACE in Anse Marcel

Tag 19 - Samstag

RIU PALACE II

Tag 20 - Sonntag

Am Strand

Tag 21 - Montag

Irgendwie doch exotisch hier…

Tag 22 - Dienstag

Anguilla

In Blow Point, dem Hafen von Anguilla

Shoal Bay East

Die Fähre nach Marigot

Marigot

Zuckerrohrsaft

Tag 23 - Donnerstag

It’s A Long Way Home…

Tag 24 - Freitag

It Is Still A Long Way Home…

Tag 25 - Samstag

Still On Our Way Back Home

Tag 26 - Sonntag

In Paris

Prolegomena

Ich möchte nach Curacao. Warum, weiß ich nicht, aber irgendwie möchte ich gerne dorthin fahren. Curacao ist die größte Insel der Niederländischen Antillen und ziemlich weit weg – ungefähr 60 Kilometer vor Venezuela und 8.000 Kilometer hinter Frankfurt.

Ich nehme meine Wünsche ernst. Die Frage ist jetzt nur, was wir denn eigentlich in Curacao dann so machen sollen – außer am Strand liegen. „To make a long story short“ – die Frau meines Herzens stimmt trotz dieser Ungewissheit nach ganz kurzem Überlegen der Idee zu und wir beginnen mit der Planung.

Die Planung beeinflusst hat zum einen der Umstand, dass ich ungern eine einmal bereiste Strecke wieder zurück fahre; die Fahrt hat dann oft etwas melancholisches – man ist noch der Mühsal der Reise ausgesetzt, entdeckt aber kein neues Land, keine andere Welt mehr, sondern versucht sich an den Moment zu erinnern, als man das erste Mal hier hinkam. Der Zauber der Entdeckung und des Neuen (aha – so sieht es also hier aus!), der die manchmal tristen und unangenehmen Situationen während einer Reise ertragen hilft, fehlt dann vollständig. Statt dessen Melancholie und Wehmut!

Um dieser Melancholie zu entgehen, brauchen wir also unbedingt einen Gabelflug.

Für die, die den Begriff nicht kennen:

ein Gabelflug ist ein Flug, der zwar an ein und demselben Flughafen beginnt und endet, aber bei dem man zum Flughafen A hin fliegt und den Rückflug vom Flughafen B antritt.

Und nach einigen Mühen und Hin und Her finden wir tatsächlich ein Reisebüro, das uns einen Flug Amsterdam – Curacao und Sint Maarten – Amsterdam mit Umstieg in Paris zu einem im Vergleich zu einem normalen Hin- und Rückflug nur unwesentlich höheren Preis vermittelt.

Als diese Entscheidung gefallen ist, entwickelt sich der weitere Reiseplan nach einem Blick auf die Landkarte quasi von selbst:

Frankfurt – Amsterdam – Curacao – Aruba – Bonaire – Trinidad – Tobago – St. Martin/ Sint Maarten – Saba – Paris – Amsterdam – Frankfurt.

Aruba und Bonaire sind die Schwesterinseln von Curacao und liegen nur ein paar Dutzende Kilometer auseinander. Und wenn man schon einmal soweit im Süden ist, liegt es nahe, auch Trinidad und Tobago zu besuchen, die nur knapp eintausend Kilometer entfernt liegen. Sint Maarten ist klar – von da aus geht es nach Hause -, und da Saba in der Nähe liegt und man dort von dem Hotel auf dem Vulkangipfel aus einen traumhaften Blick über die Karibik haben soll, wäre es ja blöde, sich das bei der Gelegenheit nicht auch noch anzusehen. Und außerdem soll das Hotel eine sehr gute Küche haben.

Jetzt wissen wir natürlich noch nicht, wie uns die einzelnen Inseln gefallen werden. Die Reise schon vor Antritt auf den Tag durchzutakten, d.h. alle Hotels und Flüge und Fähren im Voraus zu buchen, ist dann natürlich kontraproduktiv. Was, wenn man feststellt, dass man hier eigentlich schon nach einem Tag genug hat und es dort so toll ist, dass man noch ein paar Tage länger bleiben möchte? Dann kann man nicht oder nur schwer oder nur zu absurd hohen Stornogebühren umbuchen. So etwas kann einem dann schon den Tag vermiesen.

Also beschließen wir, nur für die ersten Tage auf Curacao und die letzten Tage auf Sint Maarten ein Hotel zu buchen, wobei die Frau meines Herzen mir bei der Auswahl der Hotels grundsätzlich freie Hand lässt, solange unsere Unterkunft am Ende der Reise ein angenehmes Ressort ist, indem sie die letzten Tage am Strand entspannen kann. Alles Weitere organisieren wir unterwegs.

Tag 1 - Dienstag

Von Frankfurt nach Amsterdam

Unser Flieger startet morgens um 09.50 h in Amsterdam und kommt nach neuneinhalb Stunden aufgrund des Wechsels der Zeitzonen bereits um 13.25 h nachmittags auf Curacao an – eine sehr angenehme Flugzeit.

Um einen stressigen Reiseanfang zu vermeiden - klappt der Anschluss? reicht die Zeit zum Einchecken oder hasten wir rekordverdächtig mit unserem Gepäck durch einen uns beiden unbekannten Flughafen, um dann doch den Flieger zu verpassen? - fahren wir bereits am Vortag mit dem ICE nach Amsterdam.

Erstaunlicherweise ist es mir gelungen, in Amsterdam, einer Stadt, wo man schon mal für ein Bett in einem 16-Betten-Schlafraum mit Gemeinschaftsdusche auf dem Flur 35 € für eine Nacht zahlt; es ist mir also gelungen, in dieser Stadt ein Doppelzimmer direkt am Flughafen in einem Haus der HILTON - Gruppe für deutlich unter 100 € zu ergattern.

Da der Zug erst um 13.29 h in Frankfurt abfährt, packe ich meinen Koffer morgens in Ruhe – im Gegensatz zu der Frau meines Herzens, die schon am Vorabend abfahrbereit ist.

Und dann, Murphy lässt grüßen, der Schreck beim Aufwachen am Abreisetag:

Mein Handy hat sich nicht aufgeladen. Entweder das Ladekabel oder das Handy ist kaputt. Katastrophe!, denn die Hotelbuchungen in Amsterdam und Willemstad, die Flüge nach Curacao und Aruba sind dort exklusiv gespeichert und eine zweite externe Kamera natürlich nicht eingeplant und dementsprechend auch nicht vorhanden.

Und wenn tatsächlich das Handy defekt sein sollte, müssen wir auf dem Weg zum Bahnhof mit dem ganzen Gepäck noch schnell beim Telekom-Laden auf der Hauptwache vorbei und ein neues Handy kaufen. Ob das in einer Stunde zu schaffen ist? Bei der Personaldichte in diesen Läden keine sichere Bank..

(Die jetzt möglichen und vielleicht auch gebotenen Reflektionen über die Ambivalenz des technischen Fortschritts und den Umstand, dass man früher höchstens die Tickets auf dem Schreibtisch hätte liegen lassen können, erspare ich mir jetzt)

Erfreulicherweise ist es nur das Ladekabel, das seinen Geist aufgegeben hat; und so sitzen wir pünktlich und mit aufgeladenem Handy auf unseren reservierten Plätzen im Zug und erörtern ganz entspannt die Frage, ob meine Zeitplanung wieder wie üblich zu knapp kalkuliert war (so die Frau meines Herzens) oder ob die Planung ausreichend war, um ohne allzu große Hektik notfalls noch ein neues Gerät kaufen zu können (so meine Position).

In Amsterdam angekommen, stellen wir fest, dass die Amsterdamer Fahrkartenautomaten ohne praktische Einweisung nicht zu benutzen und die Holländer grundsätzlich sehr freundliche Menschen sind:

Es gelingt nämlich uns beiden (!) nicht, eine Karte in den offensichtlich dafür vorgesehenen Schlitz zu stecken, weil eine seltsame Metallkonstruktion dies verhindert. Wenn uns nicht der Herr hinter uns ausgesprochen freundlich erklärt hätte, dass man die Karte schräg einführen müsse und die seltsame Metallsperre ein effektiver Schutz vor „Spamming“ sei, stünden wir entweder jetzt noch da oder – und das wäre wahrscheinlicher – wir wären nolens volens schwarz zum Flughafen gefahren.

Tag 2 - Mittwoch

Flughafen Amsterdam

Von all den großen Flughäfen, die wir kennen - Frankfurt, London-Heathrow, New York, Los Angeles, Bangkok, Philadelphia, um die wichtigsten zu nennen, ist Amsterdam-Schiphol tatsächlich der angenehmste und freundlichste.

Man findet sich gut zurecht, es gibt angenehme Restaurants, in denen man ordentliches Essen zu nur leicht überhöhten Preisen bekommt und – das ist wirklich ein Knaller – in der Abflughalle, also nach dem Zoll und der Sicherheitskontrolle, gibt es tatsächlich eine Bibliothek!

Die Bücherei im Flughafen:

So etwas habe ich noch in keinem anderen Flughafen gesehen. Warum eigentlich nicht?

Regenzeit

Die Monate August/ September sind in der Karibik Nebensaison – dann ist nämlich Regenzeit. Und als ob sie es uns demonstrieren möchte, regnet es in Strömen, als wir auf Curacao endlich den Flughafen verlassen.

Für uns wie für alle anderen Bewohner geographischer Zonen jenseits eines Wendekreises bedeutet Regen im Sommer Abkühlung, klamme Nässe und Ende des Strandvergnügens. Sommer vielleicht wieder am nächsten Tag.

Ganz anders dagegen auf Curacao und überhaupt überall in den Tropen:

Der Regen hat keinen Einfluss auf die Lufttemperatur, sie ändert sich nicht ein bisschen, bleibt konstant bei den auch vor dem Regenguss gemessenen 30°C, das Thermometer zuckt nicht einmal. Und auch wenn der Himmel nur grau ist und es den Anschein hat, jetzt regnet es sich ein, der Regen dauert maximal fünf Minuten (meistens weniger) und nach einer Viertelstunde sind auch die wenigen Pfützen wieder restlos verschwunden. Es lohnt sich meistens nicht einmal, einen Schirm oder einen Unterstand zu suchen, so schnell ist alles wieder vorbei.

Free Concert

Offensichtlich ist das „Curacao Northsea Jazzfestival“, das in dieser Woche stattfindet, mehr wie eine Konzertveranstaltung unter vielen.

In der Halle, wo wir auf unser Gepäck warten, also zwischen der Pass- und der Zollkontrolle, ist eine kleine Bühne aufgebaut. Auf der Bühne ein Saxophonspieler, dem man durchaus zu den guten seines Faches zählen kann. So entspannt und - ihm wahrsten Sinne des Wortes - beschwingt haben wir noch nie auf unser Gepäck gewartet.

Und draußen steht ebenfalls eine Bühne, auf der aber ein Gitarrist sitzt.

Das Hotel SCHARLOO

Für die ersten Tage haben wir ein Zimmer im Hotel SCHARLOO reserviert. Eine gute Wahl, wie wir feststellen, denn wenn man mit den Worten „Schön, dass Ihr da seid – wir haben schon auf Euch gewartet“ begrüßt wird, kann es doch nur ein angenehmer Aufenthalt werden.

Und so ist es auch. Die Lage ist einfach optimal, in einer ruhigen Seitenstrasse im Stadtteil „Scharloo“ (Weltkulturerbe der UNESCO), ein paar Gehminuten vom benachbarten Viertel „Punta“ entfernt, wo sich Cafés, Restaurants, Geschäfte, ein Busbahnhof, ein Supermarkt, der „schwimmende Markt“ und, last but not least, die weltberühmte „Königin-Emma-Brücke“ befinden.

Das Hotel besteht aus mehreren original restaurierten Kolonialbauten. Sowohl die Zimmer als auch die Bäder sind groß und sauber, die Klimaanlage und die wunderbaren Deckenventilatoren funktionieren einwandfrei, man kann gegen kleines Geld seine Wäsche waschen und in einem separaten Bereich trocknen, der kleine tropische Garten mit dazu passendem Swimming Pool ist erholsam und erfrischend, die liebevoll eingerichteten Aufenthaltsräume verfügen über einen PC mit Internetzugang und eine kleine Bibliothek. Die Inhaberin Ine, eine vor 10 Jahren auf die Insel ausgewanderte Niederländerin, und ihre Mitarbeiter sind freundlich und hilfsbereit, das Frühstück lecker und die Preise moderat und angemessen.

Bei unserem nächsten Besuch werden wir wieder hier hingehen.

Und so sieht hier das Frühstück aus.

Papiamento

Papiamento, eine Kreolsprache, ist Amts- und Umgangssprache auf Curacao, Aruba und Bonaire (neben dem Niederländischen natürlich, da diese drei Inseln als „besondere Gemeinden“ Bestandteil des Königreichs der Niederlande sind).

Aber keine Angst - man muss deswegen als Tourist keinen Sprachkurs besuchen oder ein Wörterbuch kaufen. Mit Englisch und/oder Spanisch kommt man wunderbar zurecht. Wer sich allerdings mit dem Gedanken trägt, hierhin auszuwandern, sollte sich schon mit dieser Sprache vertraut machen. Sonst wird er beim ersten amtlichen Formular, das auszufüllen ist, ein Problem haben. Ganz zu schweigen beim täglichen Umgang mit Nachbarn, Kollegen und Bekannten.

Obwohl Papiamento nur von rund 260.000 Menschen gesprochen wird, ist es eine der wenigen Kreolsprachen, die sich weiterentwickelt, an Bedeutung gewinnt und in den nächsten Jahren vermutlich offizielle Nationalsprache auf den Inseln wird.

Dushi, das ist das schönste Wort in Papiamento. Es bedeutet Liebling, Schatz‚ Schmuckstück, wunderbar, fantastisch, süß, zauberhaft, großartig….

Die Königin-Emma-Brücke