Der Todes Park  - Günter Dönges - E-Book

Der Todes Park  E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Josuah Parker genoß die milde Nacht und die entzückend geschwungenen Waden einer jungen blonden Frau. Der Butler saß auf einer der vielen Bänke im nördlichen Teil des Central Parks von New York. Abseits vom Leben und Treiben dieser riesigen Stadt gab er sich ganz dem Genuß der geliebten Zigarre hin. Massenohnmachten, die seine spezialangefertigten Zigarren sonst hervorriefen, waren hier nicht zu befürchten. Dazu war es bereits viel zu spät. Um diese Stunde mieden die Bürger den riesigen Park auf Manhattan. Zu viel lichtscheues Gesindel trieb sich dann hier herum. Parker fürchtete dieses Gesindel natürlich nicht. Ja, ihm wurde überhaupt nicht bewußt, auf welch gefährlichem Boden er sich zu dieser Nachtstunde befand. Er lauschte dem Gequake der Enten auf dem Harlem-Meer, einem der Seen des Parks, sog an der pechschwarzen Zigarre und schaute immer wieder der jungen Dame nach. Sie war im Licht der Parkbeleuchtung recht gut zu erkennen, und da sie dicht an seiner Bank vorbeigekommen war, hüstelte sie etwas, als sie von den bereits stark verdünnten Rauchschwaden der Zigarre angeweht wurde. Eilig schritt sie weiter. Sie wiegte sich in den Hüften und strebte einem unbekannten Ziel zu. Parker wunderte sich insgeheim darüber, daß eine junge Frau den Mut aufbrachte, allein durch den nächtlichen Central Park zu gehen. Der Butler hatte für seinen jungen Herrn, Anwalt Mike Rander aus Chikago, wertvolle Akten nach New York gebracht. In den Morgenstunden wollte er zurück in die Stadt am Michigan See fliegen. Vor diesem Flug atmete er die kühle Luft des Parks und die beizenden Schwaden seiner Zigarre. Er war durchaus mit sich und der Welt zufrieden. Ja, er hatte inzwischen sogar wieder die hübschen Waden vergessen. Obwohl allein und ohne Beobachter, hielt er auf Haltung und Würde.

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Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Der exzellente Butler Parker – 85 –Der Todes Park 

Günter Dönges

Josuah Parker genoß die milde Nacht und die entzückend geschwungenen Waden einer jungen blonden Frau.

Der Butler saß auf einer der vielen Bänke im nördlichen Teil des Central Parks von New York. Abseits vom Leben und Treiben dieser riesigen Stadt gab er sich ganz dem Genuß der geliebten Zigarre hin. Massenohnmachten, die seine spezialangefertigten Zigarren sonst hervorriefen, waren hier nicht zu befürchten. Dazu war es bereits viel zu spät. Um diese Stunde mieden die Bürger den riesigen Park auf Manhattan. Zu viel lichtscheues Gesindel trieb sich dann hier herum.

Parker fürchtete dieses Gesindel natürlich nicht. Ja, ihm wurde überhaupt nicht bewußt, auf welch gefährlichem Boden er sich zu dieser Nachtstunde befand. Er lauschte dem Gequake der Enten auf dem Harlem-Meer, einem der Seen des Parks, sog an der pechschwarzen Zigarre und schaute immer wieder der jungen Dame nach.

Sie war im Licht der Parkbeleuchtung recht gut zu erkennen, und da sie dicht an seiner Bank vorbeigekommen war, hüstelte sie etwas, als sie von den bereits stark verdünnten Rauchschwaden der Zigarre angeweht wurde.

Eilig schritt sie weiter. Sie wiegte sich in den Hüften und strebte einem unbekannten Ziel zu. Parker wunderte sich insgeheim darüber, daß eine junge Frau den Mut aufbrachte, allein durch den nächtlichen Central Park zu gehen.

Der Butler hatte für seinen jungen Herrn, Anwalt Mike Rander aus Chikago, wertvolle Akten nach New York gebracht. In den Morgenstunden wollte er zurück in die Stadt am Michigan See fliegen. Vor diesem Flug atmete er die kühle Luft des Parks und die beizenden Schwaden seiner Zigarre. Er war durchaus mit sich und der Welt zufrieden. Ja, er hatte inzwischen sogar wieder die hübschen Waden vergessen.

Obwohl allein und ohne Beobachter, hielt er auf Haltung und Würde. Stocksteif saß er auf der Bank. Der altväterlich gebundene schwarze Universalregenschirm stand zwischen seinen beiden Beinen. Die Kleidung war ohne jeden Tadel. Parkers Hände staken in schwarzen Zwirnhandschuhen. Das glatte, volle Pokergesicht leistete sich nicht den Luxus einer Gefühlsregung. Bei flüchtigem Hinsehen hätte man Parker für eine Bronzestatue halten können, die Zigarren rauchte.

Der Butler winkelte gerade den Arm an, um die Zigarre aus dem Mund zu nehmen, als er glaubte, einen unterdrückten Aufschrei gehört zu haben.

Er rührte sich zwar nicht, doch seine Ohren verwandelten sich augenblicklich in empfindliche Radarantennen, die die nähere Umgebung orteten. Er glaubte sicher zu sein, daß nicht die Enten auf dem Harlem-Meer dieses Geräusch verursacht hatten.

Nein, er hatte sich nicht getäuscht. Ein zweiter, erstickter Laut alarmierte ihn. Josuah Parker schritt augenblicklich auf die kleine Brücke zu, die den Wasserarm The Loch überspannte. Er schritt zwar gemessen aus, doch er kam dennoch schnell voran. Dichte Sträucher und Büsche verwehrten ihm die Sicht. Er sah aber das Schimmern des Wassers im Mondlicht.

Ein leiser Pfiff durchbrach die unheimliche Stille. Schnelle Schritte entfernten sich. Parker sah zwei Schatten, die über den breiten Weg stoben, um dann hinter einer Biegung zu verschwinden. Sie hatten sich von einem dichten Gebüsch rechts des Weges gelöst.

Der Butler schritt schneller aus, hielt auf das Gebüsch zu. Lange brauchte er nicht zu suchen. Neben dem Gesträuch entdeckten seine grauen prüfenden Augen eine Gestalt, die regungslos auf dem kurz geschorenen Rasen lag.

Es war die junge blonde Frau.

Ihre Beine sahen nicht mehr hübsch oder entzückend aus. Die Strümpfe waren zerrissen, der enge Rock hatte sich hochgeschoben. Vom Oberkörper und dem Kopf der Frau war im Moment nichts zu sehen. Die Zweige nahmen die Sicht.

Mit der Spitze seines Universalregenschirms schob der Butler den Strauch etwas zur Seite. Gleichzeitig griff er in seine Rocktasche und holte eine kleine, aber stark leuchtende Taschenlampe in der Form eines Kugelschreibers hervor.

Der gebündelte Lichtstrahl schnitt den Kopf der jungen Frau aus der Dunkelheit heraus. Parker sah die Platzwunde am Hinterkopf, sah das austretende Blut und die zerrissene Bluse des Opfers.

Mitfühlend ließ Parker sich auf die Knie nieder, drehte den Oberkörper der Frau etwas herum und erinnerte sich im letzten Moment seiner Zigarre. Er warf sie in hohem Bogen in die Dunkelheit. Mit dieser Handlungsweise schuf er alle Voraussetzungen dafür, daß die überfallene Frau nicht zusätzlich in Ohnmacht fiel.

Parker, in allen Sätteln gerecht und auch als Laienhelfer im Sanitätswesen ausgebildet, bemühte sich um die Ohnmächtige. Er hielt es für durchaus erlaubt, die an sich schon zerfetzte Bluse der Frau weiter zu öffnen. Er wollte helfen, und die vermutlich Überfallene sollte in kurzer Zeit möglichst viel frische Luft schnappen.

Schon nach wenigen Sekunden stutzte der Butler. Seine geschickten und schnellen Finger hatten eine Entdeckung gemacht, die selbst einen so stoischen Mann wie Parker in Erstaunen versetzte.

Betroffen, überrascht, an sich zweifelnd, untersuchte Parker die junge blonde Frau weiter.

Doch dann richtete der Butler sich plötzlich steil auf. Scharf sog er die Luft ein. Zweifelnd sah er die junge Frau an. Und da er seinen Augen nicht trauen wollte, bemühte er noch mal seine Kugelschreibertaschenlampe.

Er schüttelte ratlos den Kopf. Parker war konsterniert. Sein sonst so beherrschtes Pokergesicht zeigte Trefferwirkung. Das war auch weiter nicht verwunderlich. Schließlich präsentierte ihm diese hilflose Frau eine behaarte Männerbrust.

*

Parker faßte sich sehr schnell.

Er schluckte seine Überraschung hinunter, beugte sich wieder über das hilflose Opfer und untersuchte die Kopfverletzung. Blut sickerte aus einer großen Platzwunde am Hinterkopf.

Als Josuah Parker diese Wunde näher untersuchte, erwartete ihn eine neue Überraschung. Das üppige blonde Haar verschob sich, rutschte schließlich vom Schädel dieser Mannfrau und gab den Blick auf eine kurze Bürstenfrisur frei.

Der Butler faßte nach und zog den blonden Haarschopf zur Seite. Er hielt eine gut gearbeitete Perücke in der Hand.

Ihm war inzwischen längst ein Licht aufgegangen. Die Frau war ein Mann, der Damenkleidung trug. Warum dieser Mann sich verkleidet hatte, blieb allerdings rätselhaft.

Mit der kleinen Kugelschreiberlampe leuchtete Parker das Gesicht des jungen Mannes noch mal an. Dabei fiel ein Widerschein auf das kurz geschorene Gras. Der Butler entdeckte nicht weit von dem überfallenen Mann entfernt eine große weiße Damenhandtasche. Sie mußte sich beim Fall zu Boden geöffnet haben. Lippenstift, Rougedöschen und sonstige Utensilien, die eine Dame eben so mit sich führt, lagen im Gras.

Parker schickte sich gerade an, die Handtasche aufzuheben, als er plötzlich leise Schritte hörte. Sie erklangen ganz in seiner Nähe und verhielten auf der anderen Seite des Gesträuchs.

Sollten die beiden Schatten zu ihrem Opfer zurückgekehrt sein?

Er ließ sich nichts anmerken, nahm aber seinen Universalregenschirm wie absichtslos in die Hand. Wie gesagt, es war Nacht, und hier im Central Park war es wirklich nicht geheuer.

Seine Vorsichtsmaßnahme trug Früchte. Als der Butler sich niederbeugte, um die Handtasche aufzunehmen, wurde er überraschend angefallen. Zwei Gestalten stürzten sich auf ihn und schwangen kurze Bleikabel in den Händen.

Jeder normale Durchschnittsbürger hätte kaum eine Chance gehabt, sich erfolgreich zur Wehr zu setzen. Doch Parker war eben kein Durchschnittsbürger. Zudem besaß er einen Regenschirm, der es in sich hatte.

Bevor die zum Schlag erhobenen Bleikabel ihn erreichen und treffen konnten, langte der Butler bereits mit seinem Regenschirm zu. Er stieß, wie ein Florettfechter ausfallend, die Spitze des Schirms in den Leib des links von ihm stehenden Strolches.

Der Mann quiekte auf, schnappte verzweifelt nach Luft und fiel in das dornige Gesträuch. Als die langen, spitzen Domen ihn zerkratzten, schrie er gellend und ließ das gefährliche Bleikabel aus der Hand fallen.

Josuah Parker widmete sich seinem zweiten Gegner.

Geschickt wich er dem Schlag aus, wirbelte seinen Regenschirm durch die Luft und drosch damit auf den Gangster ein. Hart, schnell und gut placiert kamen die Schläge. Der Strolch wußte sich nicht zu helfen. Er versuchte zwar, den Butler zu unterlaufen. Doch damit erreichte er gar nichts. Josuah Parker stemmte die Spitze des Schirms fest in den Rasen und hielt den Stock samt Griff schräg nach vorn.

Der Gegner konnte nichts mehr rückgängig machen. Er rammte hart den nun schräg stehenden Schirm und prellte mit der Brust gegen den Griff.

Der Butler brauchte nur noch seinen stahlgefütterten, steifen, runden Hut vom Kopf zu nehmen und die Melone auf den Schädel des Angreifers zu legen.

Wie von einem unsichtbaren Blitz getroffen, sackte auch dieser Angreifer zu Boden. Im Gegensatz zu seinem Partner durfte er noch von Glück sagen, daß er nicht in das dornige Gesträuch fiel.

Der Butler säuberte die schwarz behandschuhten Hände, wischte sich ein unsichtbares Stäubchen vom Revers seines schwarzen Jacketts und nahm sich die Freiheit, die Taschen der beiden Strauchdiebe genau zu durchsuchen.

Erregend war die Beute nicht. Sie bestand aus Klappmessern, einigen wenigen Dollarscheinen und Kleingeld. Parker wollte diese Gegenstände schon wieder zurück in die Taschen der beiden Strolche schieben, als er stutzte.

Es waren zwei gleich aussehende Gegenstände, die sein Interesse erregten. Es handelte sich um etwa einen Zentimeter große vergoldete Kegel, Miniaturausgaben jener Kegelhölzer, wie sie auf Bowlingbahnen anzutreffen sind.

Josuah Parker, der stets einen wachen Sinn für Skurrilitäten und Geheimnisse hatte, leuchtete diese beiden Miniaturkegel genau an. Er fand kleine Gravuren auf der Unterseite, die sich als die Nummern 18 und 24 entpuppten.

Der Butler steckte diese beiden Kegel ein und tat etwas Überraschendes. Er holte seinen Hotelschlüssel aus der Rocktasche und ließ ihn ins Gras fallen. Dann lud er sich mit einer erstaunlichen Leichtigkeit den jungen Mann auf die Schulter, der sich als Blondine verkleidet hatte. Leichtfüßig und geschmeidig verschwand er dann mit seiner Last in der Dunkelheit des Parks.

Um jeder Fragerei aus dem Weg zu gehen, vor allen Dingen aber auch, um pünktlich in dem kleinen Hotel an der Westseite des Parks zu sein, lud er den immer noch ohnmächtigen Mann in der Nähe eines Taxistandes ab und machte wenig später einen Fahrer auf den Überfallenen aufmerksam.

Natürlich ließ der Butler sich dabei nicht sehen. Er begnügte sich damit, einige Male laut zu stöhnen und mit der Spitze seines Regenschirms gegen das Blech eines Papierkorbs zu hämmern.

Diese Lärmerzeugung hatte sofort Erfolg. Der Fahrer rief einige Kollegen herbei. Gemeinsam suchten sie nach dem Urheber, dieser seltsamen Geräusche und fanden den Ohnmächtigen. Parker konnte sich daraufhin zurückziehen. Innerhalb weniger Minuten würde die Polizei alarmiert werden. Sie konnte alles weitere dann in die Hand nehmen.

Parker schritt würdevoll und gemessen wie ein pensionierter Herzog weiter die Straße hinunter. Seine Hand steckte in der Rocktasche, seine Finger spielten mit den beiden vergoldeten Kegeln.

*

Parker ging methodisch zu Werk.

Im Hotelzimmer angekommen, bereitete er sich auf ein paar Stunden Schlaf vor. Doch er legte sich nicht ins Bett. Aus Kissen und einer Decke baute er eine Art Attrappe, die bei flüchtigem Hinsehen einem Menschen glich. Er legte sie ins Bett und schlug die leichte Daunendecke darüber. Er schritt zurück zur Tür, schaltete das Licht aus und prüfte die Scheingestalt unter der Daunendecke.

Sie sah verblüffend echt aus. Selbst als Parker die kleine Taschenlampe einschaltete und das Bett vorsichtig anleuchtete, ging die Illusion nicht verloren. Ja, im Halblicht verstärkte sich die Täuschung sogar noch.

Der Butler entledigte sich seines Rocks, hängte ihn vorsichtig über den Bügel, rückte sich die schwarze Melone zurecht und trug einen bequemen Sessel in den eingebauten Wandschrank. Besonders viel Platz war darin zwar nicht, doch Parker konnte sich, wenn es sein mußte, durchaus bescheiden. Er zog die Schranktür bis auf einen schmalen, unveränderten Spalt zu und schloß die Augen. Es war erstaunlich, wie er trotz seiner steifen und aufrechten Haltung tatsächlich zu schlafen vermochte. Er besaß die glückliche Gabe, auf Kommando schlafen zu können. Dabei entspannte er sich wie im Tiefschlaf.

Sein besonders ausgeprägter und fein entwickelter Instinkt, aber auch ein feines Scharren an der Tür weckten ihn.

Parker war ohne Übergang hellwach. Ohne sich zu rühren, sah er durch den schmalen Spalt der nur angelehnten Tür. Der Widerschein der Lichtreklamen erhellte nur notdürftig das Zimmer. Aber es reichte aus, um eine Bewegung an der Zimmertür feststellen zu können.

Parker war sich klar, daß der Zimmerschlüssel, den er im Central Park zurückgelassen hatte, seine Wirkung tat. Er war von den beiden Strolchen gefunden worden. Nur sie allein konnten ihm jetzt einen ungebetenen Besuch abstatten. Daß sie nach den beiden vergoldeten Kegelhölzern fahndeten, war dem Butler klar, Für die beiden Gangster stellten sie gewiß nicht nur einen Geldwert dar.

Langsam, Zentimeter um Zentimeter, öffnete sich die Zimmertür. Der Schatten eines Mannes hob sich gegen das gedämpfte Licht im Korridorgang ab. Der Eindringling schob den Kopf durch den Türspalt und warf einen Blick in das Zimmer.

Er vergewisserte sich, daß alles in Ordnung war, drückte die Tür dann etwas weiter auf und schlüpfte ins Zimmer. Ihm folgte ein zweiter Mann.

Bevor sie sich weiter hinein getrauten, schlossen sie die Tür hinter sich. Das Licht einer Taschenlampe flammte auf, wanderte blitzschnell durch das Zimmer und blieb auf dem Bett an der Wand haften.

Parker war gespannt, ob sein Trick auch Erfolg haben würde. Es mußte sich innerhalb weniger Sekunden erweisen. Doch er baute auf sein Werk. Schließlich hatte er sich alle Mühe gegeben.

Die beiden Eindringlinge, deren Gesicht Parker natürlich nicht erkennen konnte, ließen sich prompt täuschen. Sie hatten eine Gestalt im Bett ausgemacht. Mehr wollten sie gar nicht sehen.

Nacheinander pirschten sie sich an das Bett heran. Die Lichtverhältnisse wurden günstiger. Parker konnte Einzelheiten unterscheiden. Einer der beiden Nachtschwärmer trug einen kleinen, handlichen Sandsack von der Größe eines mittleren Kürbis. Er hob ihn und ließ ihn auf den vermeintlichen Kopf des Schlafenden niedersausen.

Der zweite Mann warf sich augenblicklich quer über das Bett, um etwaigen Widerstand im Keim zu ersticken. Dabei merkte er, daß er sich nur mit einer Deckenrolle abmühte. Er rief seinem Partner eine Warnung zu, die dieser aber gründlich mißverstand.

Der Gangster riß seinen handlichen Sandsack noch mal hoch und schlug erneut zu. Das geschah in dem Augenblick, als sein Partner sich nach vorn warf und nach einem Kopf suchte.

Mit voller Wucht traf der Sandsack sein Ziel und tat seine Wirkung. Der Gangster blieb weich und schlaff auf dem Bett liegen. Er fand keine Möglichkeit mehr, den Irrtum richtigzustellen.

Der zuschlagende Gangster war irritiert. Er beugte sich vor, um besser sehen zu können. So entging seinen Augen, daß der Butler längst den Wandschrank verlassen hatte und nun zur Tür ging.

Licht flammte auf.

Überrascht wandte der Strolch sich um, erkannte den Butler, riß entsetzt die Augen auf, und war im ersten Augenblick nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen.

»Ich möchte nicht verfehlen, mich für Ihr Entgegenkommen zu bedanken«, sagte Parker und deutete eine höfliche Verbeugung an. »Dank Ihres schnellen Zuschlagens entheben Sie mich des Zwangs, Ihren Partner außer Gefecht zu setzen.«

Der Gangster blinzelte in das Licht. Er war geblendet und wußte nicht, was er von dieser höflichen Stimme halten sollte. Doch er spürte, daß ihm der Angstschweiß ausbrach.

»Es dürfte sich empfehlen, den kleinen Sandsack fallenzulassen«, redete Josuah Parker weiter. »Ich möchte doch nicht annehmen, daß Sie die Feindseligkeiten fortsetzen.«

Der Eindringling hatte sich inzwischen an die Lichtverhältnisse gewöhnt. Er sah den Butler, sah in ihm nur einen älteren Mann, dem er sich vollkommen überlegen fühlte. Und da der Butler keine Waffe in der Hand hielt, fühlte der Gangster sich erst recht stark.

»Ganz raffinierter Trick«, meinte er mit heiserer schleppender Stimme. Er löste sich vom Bett und kam langsam auf den Butler zu. Parker sah wirklich recht harmlos aus. Er! schien keiner Fliege ein Haar krümmen zu können.

»Darf ich fragen, was Sie in meinem Zimmer suchen?« erkundigte sich Parker.

»Das werde ich dir gleich sagen!« Der Gangster, breit und stämmig aussehend, blieb dicht vor dem Butler stehen und nahm bereits insgeheim Maß. »Wo sind die beiden Kegel, die du dir unter den Nagel gerissen hast.«

»Wovon reden Sie, sofern ich diese Frage stellen darf?«

»Wo sind die beiden vergoldeten Kegel?« wiederholte der Gangster noch mal. »Rück sie raus, und schon werden wir verschwinden.«

»Haben Sie sich vielleicht in der Adresse geirrt?« Parker blieb freundlich und höflich.

»Den Teufel habe ich! Raus mit den beiden Kegeln!«

»Ihren Worten entnehme ich, daß es sich um kleine Kostbarkeiten handeln muß.«

»Für Sie sind sie wertlos.« Der Gangster wurde etwas höflicher. Doch Parker ließ sich nicht täuschen. Er spürte, daß die neue Tonart nur Mache war. Der Gangster wollte ihn in Sicherheit wiegen, um ihn dann plötzlich anzufallen.

»Ich räume ein, daß ich diese beiden kleinen Kegel besitze«, erwiderte Parker plötzlich. »Doch sie haben eine Geschichte. Ich fand sie in den Taschen zweier Strauchdiebe, die eine junge Frau im Central Park anfielen.«

»Fein, genau diese Kegel meine ich!«