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Ein idyllischer Ort mit einer dunklen Seele: In Marienheim scheint die Zeit der Albträume niemals zu enden. Als die junge Sandy plötzlich in eine unerklärliche, starre Lethargie verfällt, beginnt für ihren Vater Arnold ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit. Während die moderne Medizin vor einem Rätsel steht, erkennt Arnold die schreckliche Wahrheit: Ein rachsüchtiges Wesen aus den alten Legenden der Küste hat nach der Seele seiner Tochter gegriffen. Um Sandy aus den Klauen des "Sandmanns" zu befreien, muss er alles riskieren und eine Reise in eine Welt antreten, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegt. Doch in der Finsternis der Zwischenwelt wartet nicht nur ein uralter Fluch, sondern auch die Erkenntnis, dass mancher Weg in eine Richtung führt, aus der es kein Zurück mehr gibt. Ein fesselnder Mystery-Thriller über väterliche Liebe, dunkle Dimensionen und das Grauen, das in den Schatten der Realität lauert.
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Seitenzahl: 63
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Titelblatt
STEFAN LAMBOURYDER UNTOTESANDHÄNDLERMYSTERY-THRILLER
Impressum
»Der untote Sandhändler« © 2025 Stefan Lamboury, alle Rechte vorbehalten.Umschlaggestaltung und Satz: Perpicx Media Design, www.perpicx.deVeröffentlichung: © 2026 Suspense VerlagInhaber: Jens Peter ConradiHöhenstraße 18, D-61267 Neu-AnspachE-Mail: [email protected]
Zwei Jahre sind vergangen, seit meine Tochter Sandy um ein Haar von einem Piraten namens Black Barty getötet worden wäre. Der Schock sitzt noch immer tief, aber meine Frau und ich versuchen die Geschehnisse mit Hilfe von Psychotherapeuten zu verarbeiten. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.
Wenn ich an die letzten viereinhalb Jahre zurückdenke, so hat uns Marienheim neben neuen Freunden nicht gerade viel Glück gebracht. Zuerst wäre meine Frau um ein Haar wegen eines unruhigen Geistes von den Inselbewohnern geopfert worden und ein paar Jahre später wurde unsere Tochter von einem ruhelosen Piraten entführt, um von uns Lösegeld zu erpressen. Sandy scheint sich an diesen Moment nicht zu erinnern. Meine Tochter glaubt, dass dies alles nur ein Traum gewesen ist. Meine Frau und ich sind erleichtert, dass unsere Tochter trotz der Schrecken, die sie erleben musste, keinen bleibenden Schaden davongetragen hat.
Trotz dieser Ereignisse fühlen wir uns in Marienheim wohl; hier haben wir unseren Job, hier hat Sandy Freunde gefunden und hier haben wir echten Zusammenhalt kennengelernt. In welcher Gemeinde opfern wildfremde Menschen ihre Ersparnisse, um das Leben eines fremden Kindes zu retten?
Und dann war da noch Daimian, ein Trinker, der von der Gesellschaft verachtet wurde. Aber es war jener Trinker, der die Wahrheit kannte und mir geholfen hat, das Leben meiner Tochter zu retten. Manchmal denke ich, dass wir zu schnell ein Urteil über andere fällen, weil sie nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen. Dabei war es der Trinker gewesen, der sein Leben für das Leben meiner Tochter geopfert hatte. Egal, was alle anderen über Daimian sagen oder denken, in unseren Herzen wird Daimian immer einen besonderen Platz haben, gleich neben unserem Sohn.
Unsere Tochter Sandy ist in der Schule; sie scheint den Schrecken vor zwei Jahren sehr gut verkraftet zu haben. Sie spricht nie über das Erlebte. Denkt sie immer noch, es sei nur ein Albtraum gewesen? Meine Frau und ich sind dankbar dafür, dass Sandy denkt, das Erlebte auf dem Piratenschiff hätte sich nur in ihren Träumen abgespielt. Ich weiß nicht, was geschehen wäre, wenn wir Sandy ebenso wie unseren Erstgeborenen Sven verloren hätten? Trotz der Schrecken, die uns hier in Marienheim heimgesucht haben, sind wir dankbar, hier sein zu dürfen und am Leben in Marienheim teilhaben zu können. Immer wenn ich auf das Meer hinausblickte, zuckte ich leicht zusammen. Noch immer träumte ich ab und an von diesem Piratenschiff aus dem 16. Jahrhundert.
Wenn ich daran zurückdachte, wie unsere Tochter ganz allein dort draußen auf dem offenen Meer gefangen gehalten worden war, wird mir ganz schlecht. Aber in dieser Zeit habe ich auch den größten Zusammenhalt erlebt, den man so nur an Orten wie diesen findet. Ich war ganz in meine Arbeit versunken, als meine Frau zu mir herüber schlenderte und mir ins Ohr trötete. Vor Schreck über die Neckerei fiel mir fast das Glas aus der Hand, doch gelang es mir, einen Scherbenhaufen zu verhindern.
»Ich glaube, wir haben alles für heute, mein Schatz, wir sollten nach Hause gehen«, sagte ich.
»Papi, Mami, was gibt es zum Essen? Ich habe einen Bärenhunger«, sagte Sandy, als sie zur Tür hereinstürmte. »Wir haben unsere Mathearbeit zurückerhalten. Es ist eine Zwei Minus.«
»Heute Abend kommt Annabel, Sandy, die wird ein paar Stunden auf dich aufpassen, denn Mama und ich müssen heute Abend arbeiten«, sagte ich.
»Annabel, das wird sicher wieder ganz lustig«, sagte Sandy.
Am Abend war die Kneipe gerappelt voll. Ein dicker Mann grölte durch den Raum: »Ey, verdammte Scheiße, was macht der denn da für einen Mist? Warum gibst du den Ball nicht ab, du Penner? Hey Arni, bringst du mir noch ein Bier und einen Roten?«
Ich nickte ihm zu.
Es war gegen halb zwölf, als das Telefon klingelte.
»Ihr müsst kommen, du und deine Frau, ihr müsst sofort nach Hause kommen«, hörte ich Annabel rufen. »Sandy, Sandy ist ...«
Ich schluckte, Schweiß lief meinen Nacken hinab und mein Herzschlag beschleunigte sich. Ich griff mit einer Hand an die Theke und spürte, wie mir die Beine wegsackten. Ich brauchte einige Sekunden, ehe ich antwortete: »Was ist mit Sandy?«
»Ich weiß es nicht, sie liegt im Bett und rührt sich nicht«, sagte Annabel mit brüchiger Stimme.
»Wir kommen sofort.« Mit diesen Worten legte ich auf und wandte mich an meine Frau: »Schatz, komm mit, irgendwas stimmt mit Sandy nicht. Das war unser Kindermädchen. Manfred, tut mir leid, aber du musst jetzt gehen.«
»Ich begleite euch, in dieser Sekunde werde ich den Teufel tun und euch allein lassen«, sagte Manfred.
Meine Frau und ich rannten, so schnell uns unsere Füße trugen, zu unserem Haus, welches nicht weit entfernt von unserer Kneipe lag. Wir hetzten den Strand entlang, vorbei an Manfreds Strandkorb- und Bootsverleih, vorbei an Gretas Fischimbissbude und an der Cocktailbar. Wir bogen rechts in den Muschelweg ein. Unser kleines Haus lag am Ende der Straße; es war zwar noch nicht ganz abbezahlt, aber so wie meine Kneipe lief, würde dies in ein paar Jahren der Fall sein.
Noch im Laufen griff ich nach dem Schlüssel in meiner Hosentasche und stürmte auf die dunkelbraune Eichentür zu. Ich übersprang die Marmorstufen mit einem Satz, während ich hinter mir den Atem meiner Frau hörte. Ich fummelte nach dem Schloss, doch gelang es mir in meiner Panik nicht, sofort den Schlüssel ins Schloss zu bekommen. Dann fiel mir der Schlüssel aus meinen schweißnassen Händen.
»Verdammte Scheiße«, sagte ich, während ich mich bückte, um den Schlüssel aufzuheben. Wendy hatte in der Zwischenzeit die Klingel betätigt und klingelte wie eine Wahnsinnige.
Noch während ich dabei war, meine Schlüssel aufzuheben, kam Annabel zur Tür gestürmt. Ihr Haar war zerzaust und ihre Augen verweint.
»Tut mir leid, irgendwas stimmt mit Ihrer Tochter nicht. Sie reagiert nicht. Es scheint, als wenn sie ihre Umgebung und alles, was um sie herum geschieht, überhaupt nicht mehr wahrnimmt. Ich habe den Krankenwagen verständigt, der müsste jede Minute hier eintreffen«, sagte Annabel, völlig außer sich.
Ich packte unser Kindermädchen an den Armen und sagte: »Beruhige dich, Annabel. Wenn wir jetzt hysterisch oder in Panik geraten, ist niemandem geholfen. Du hast getan, was du konntest, und du hast richtig gehandelt. Und jetzt sag mir: Wo ist meine Tochter?«
Ich hatte die Worte kaum ausgesprochen, als ich über mir den Schrei meiner Frau hörte, die an uns vorbeigestürmt war.
Annabel deutete nach oben; sie konnte nicht mehr sprechen. Ich ließ Annabel stehen und eilte ins Zimmer meiner Tochter. Doch was ich erblickte, verschlug mir den Atem. Sandy lag in den Armen meiner Frau, völlig regungslos. Die Augen geöffnet, aber ausdruckslos. Sie schien sich überhaupt nicht zu regen. Sie sagte nichts, als meine Frau und ich in ihr Zimmer kamen; sie kam uns nicht entgegengerannt, wie sie es sonst immer zu tun pflegte. Sie saß einfach nur auf ihrem Bett und sagte nichts. Kein Ton, kein Hallo, kein »Schön, dass ihr wieder da seid«. Nichts. Ihr Gesicht war blass und Sandy schien von ihrer Umgebung nicht das Geringste zu bemerken. Sie schien weder Annabel noch Wendy noch mich überhaupt wahrzunehmen.
