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In dieser Veröffentlichung wird erstmalig die Entwicklung der Kinderzeichnung auf einer anerkannt wissenschaftlichen Basis dargestellt. Die sich entwickelnden neurologischen Fähigkeiten werden mit einbezogen. Sie sind für die erstaunliche Wandlung der Bildgestaltung beim Kind verantwortlich. Beim Kind beobachten wir die Veränderung innerhalb von sechs Jahren. Beim frühzeitlichen Menschen verlief eine Wandlung wohl über Jahrzehntausende hinweg. Dieses Buch schlägt den großen Bogen von der Frühzeit des Menschen bis zum Kind heute. Dabei steht die Entwicklung von Bildgestaltung und Sprache im Mittelpunkt unserer Beobachtungen. Ausgang hierfür war eine vermutete Ähnlichkeit der grundsätzlichen neuronalen Entwicklung des Menschen, die sich auch im Zusammenspiel von Bildgestaltung und Sprache zeigt. Die typisch menschliche Ausdrucksfähigkeit über das Abbilden von Gefühl und Wahrnehmung steht in Konkurrenz zur zweiten, nur dem Menschen gegebenen Fähigkeit, nämlich zu sprechen. Ob Bild oder Sprache, steuerndes Organ ist immer das Gehirn. In der Entwicklung der Kinderzeichnung kann man ganz konkret eine auffallende Wandlung feststellen, die direkt mit der Entwicklung des Großhirns zusammenfällt. Die Trennung der beiden Hirnhälften, Lateralisierung genannt, die während der frühen Kindheit erfolgt, spielt dabei die entscheidende Rolle. Durch diese Trennung entwickeln sich in jeder Hälfte spezifische Fähigkeiten. Ganzheitliches Formenerkennen und Darstellen obliegt der rechten Hirnhemisphäre zusammen mit dem Sprachverständnis. Der linken Hemisphäre verdanken wir unter anderem das logische Denken und Sprechen, das immer nur sequentiell (im Nacheinander) erfolgen kann. Zwischen beiden Hirnhälften entwickelt sich eine faszinierende Zusammenarbeit, abgebildet und damit erkennbar in der Entwicklung der Kinderzeichnung. Dieses Buch ist ein Plädoyer zur Förderung einer ganzheitlichen Entwicklung von Kindesbeinen an, der gleichwertigen Anerkennung von Bild und Sprache. So wird die Basis für die Kreativität des Menschen gegeben. Diese war und ist das wahre Kapital für ein anpassungsfähiges Leben im Überlebenskampf. Kreatives Finden von Lösungen wird heute mehr denn je gesucht.
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Die Entwicklung der Kinderzeichnung in der Individualentwicklung des Menschen (Ontogenese)
ca. 1-3 Jahre
ca. 3 – 4 Jahre
ca. 4-6 Jahre
ca. ab 7 Jahre
Die Entwicklung der Höhlenmalerei in der Stammesgeschichte des Menschen (Phylogenese)
bis ca. 20 000 v.Chr.
ca.12 000 - 9000 v.Chr.
ca. 4000 v.Chr.
Freies entspanntes Malen in meinem Förderprogramm PRO KREATIV für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
„Als ein unbekannter Mensch seine Hand an die Wand der Höhle El Castillo hielt, war die Gegend um das heutige Berlin von Gletschern bedeckt. Man konnte zu Fuß von Dänemark nach Schottland gehen.“ Sie gelten seit Kurzem als die ältesten Kunstwerke der Welt: Die Hände aus der spanischen Höhle El Castillo sollen 40.000 Jahre alt sein – Zeugnisse von Homo sapiens oder gar des Neandertalers?
Quelle: AFP
BERUF UND BERUFUNG
DANK
VORWORT
Bildgestaltung und Sprache zwei Ausdrucksmittel des Menschen
Die Basis: Gefühl - Bewegung – Spur
Das paarig angelegte Großhirn
Hemisphärentheorie zum menschlichen Gehirn
Bildgestaltung und Sprache
Das Kritzeln des Kleinkindes
Das Kritzeln des 1–3-jährigen Kindes
Die Forschung zur Kritzelphase
Einblick in die Welt der Kritzelmuster
Der Kritzelmusterkatalog
Kritzelzeichnung als Ausdruckselement
Ergebnisse zur Basisforschung
In Abhängigkeit vom Alter und Geschlecht des Kindes
Puzzle aus Kritzelmustern
Das Ende der Kritzelphase
Die Welt der ganzheitlichen Formen im Dienst der Sprache
Training zum Denken
Der malende Affe
Bilder bauen in der Schemaphase
Zur Entwicklung der Schemaphase
Der Musterkatalog der Schemaphase
Zeichnen, malen, formen, träumen im Kindergarten
Die Fortsetzung der Langzeitbeobachtung: „Zur Entwicklung der Zeichenfähigkeit im Kindergartenalter“
Ergebnisse der Forschung zur Schemaphase
Motorische Entwicklung
Bildgestaltung
Vorlieben zum Mustereinsatz, Mädchen und Buben
Der Einfluss sprachlicher und optischer Steuerung
Die Strichdichte
Der Detailreichtum der Bedeutungsträger
Verbale Äußerungen
Optische Kontrolle beim Zeichnen
Wege aus der Sackgasse „Schemaphase“-wozu?
PRO KREATIV – Förderprogramm Kreativität für Kinder und Jugendliche
Beispiele der Förderung ganzheitlicher Bildgestaltung aus PRO KREATIV
„Mein Gesicht“
„Meerestiere“
„Vogel“
„Haustiere“
„Pelztiere“
„Wer oder was kann fliegen?
„Menschlicher Körper“
„Krustentiere“
„Meerestiere“
„Insekten“
„Was dreht sich?“
„Im Tierpark“ Alter 6 Jahre aufwärts
„Zeichnen im Freien“
„Wohnungen“
„Pelztiere“
„Blumen“
„Haustiere“
„Kunstausstellung“
„Zeichnen in der Natur“
„Schwungkritzel“ und „Mandala zeichnen“
„Reptilien“ - Tonarbeit
„Zeichnen und Malen im Freien“
„Trinkgefäße“
„Haus bauen“ - Tonarbeit
„Früchte des Waldes“ – Tonarbeit
„Wirbellose Tiere“
„Zeichnen in der Natur“
„Überkopfzeichnen“
Hypothese zu folgendem Vergleich
Ontogenese zur Entwicklung von Bildgestaltung und Sprache in der Kinderzeichnung
Phylogenese zur Entwicklung von Bildgestaltung und Sprache des Menschen der Frühzeit
Hypothese zur „Biogenetischen Grundregel“
Zusammenfassung
Literatur
Anhang
Mein Leben lang interessierte mich die Förderung des nichtsprachlichen Ausdrucks des Menschen. Dabei waren Zeichnungen und Malereien von Kindern immer präsent.
Nach dem Studium zur Kunstpädagogik folgte die Promotion. Die Entwicklung der Bildgestaltung des Kindergartenkindes unter dem Einfluss seiner neuronalen Entwicklung standen im Mittelpunkt. Nach langjähriger Arbeit als Kunstpädagogin an Schulen, entschloss ich, mich mit dem Förderprogramm PRO KREATIV selbständig zu machen. Dabei motivierte ich Kinder ab drei Jahren, Jugendliche und Erwachsene zu einer entwicklungsgerechten Bildgestaltung. Ich stärkte spielerisch die ganzheitliche Wahrnehmung und das Vertrauen auf den nicht sprachlichen Ausdruck.
Die Beobachtung und Erforschung nonverbaler Spuren von Gefühl und Bewegung begann mit dem Studium der Kritzelmuster des Kleinkindes. Dr. Almut Clausen forschte dazu mit Kindern von ein bis drei Jahren.
Darauf konnte ich aufbauen. Es folgte die Langzeitbeobachtung zur Schemaphase mit Kindern von drei bis sechs Jahren. Dies führte zu meiner Promotion in Kunstpädagogik, Entwicklungs- und Wahrnehmungspsychologie und Kunstgeschichte mit dem Titel:
„Der formale Bestand der Schemazeichnung und der Aufbau von Bedeutungsträgern aus definierten Grundmustertypen“.
An der Universität in München trafen wir uns:
Dr. Almut Clausen plante eine Langzeitforschung zur Entwicklung der Kinderzeichnung. Mein Promotionsstudium wurde ein Teil der Forschung. Es begann eine lange Zeit der wissenschaftlichen Beobachtung und Diskussion zur Kinderzeichnung. Dies war der Anfang unseres gemeinsamen Lebens- Freundschafts- und Forschungswegs.
Liebe Almut, eine große Anerkennung für Deine zukunftsweisenden Forschungsideen. Mit Überzeugung verfolgtest Du Dein Ziel. Die digitale Auswertung des sensiblen Objektes „Kinderzeichnung“ war neu. Deine Ergebnisse zur Kritzelphase der Kleinkinder waren so anregend, dass sie für mich eine sehr gute Basis für die Fortsetzung der Beobachtung bildeten. Mein Ziel war die nachfolgende Entwicklung der Kinderzeichnung über weitere drei Jahre zu beobachten. Dies betraf den faszinierenden Wandel von der Kritzelphase zur Schemaphase.
Vielen Dank für Dein Vertrauen, dass ich die Forschung fortsetzen durfte. Wir wünschen uns, dass unsere Forschung eine komplette und klar verständliche Mitteilung an den Leser ist.
Ich danke den Eltern und Kindern, die über insgesamt sechs Jahre an den Zeichensitzungen zur Langzeitstudie teilnahmen.
Eine Anerkennung und großen Dank meinem Mann für seine Geduld mit meinem Streben zur Vollendung meines Werdeganges.
Von klein auf erlebte meine Tochter Pola die Beachtung ihrer zeichnerischen Entwicklung. Interessiert am Thema und mit viel Verständnis steht sie mir bis heute mit Rat und Tat zur Seite. Auch ihre Kinder Leopold und Rosalie profitierten von unserer Aufmerksamkeit zu deren Zeichen- und Malentwicklung. Einige ihrer Werke finden sich im Buch wieder.
Danke an meine Familie.
Hirsch, Mädchen, 5 Jahre
„Steinbock mit ausgestreckten Beinen…..“ aus: Die Höhle „Grotte Chauvet“, Abb. 74, jüngere Altsteinzeit, ca. 30.000 v.Chr. Jan Thorbecke Verlag. 1995
Alle Kinder lieben es zu zeichnen und zu malen. Was geht da in ihrem Gehirn vor? Die Zeichenspuren verraten uns die neuronale Entwicklung.
Gedanken und Erkenntnisse zur Entwicklung der typisch menschlichen Bildgestaltung sind zwar nicht neu. Aber aus unserer Sicht doch, da wir neue Zusammenhänge über unsere Forschung entdeckten. Neuronale Prozesse, in denen die Hirnhemisphären zusammenarbeiten, steuern die Entwicklung der Bildgestaltung des Menschen (S.27).
Betrachtet man die Bildgestaltung in der Menschheitsgeschichte, den Zeichenspuren des frühzeitlichen Menschen, so zeigt sich auch hier möglicherweise, wie sich die Kreativität der Spezies Mensch entwickelte.
Heute gerät die Erde durch die Industrialisierung und die effektive Ausbeutung der Erdressourcen in einen Notzustand. Es ist umso drängender, neue Technologien in Industrie und Wirtschaft zu entwickeln. Hier ist ein Umdenken erforderlich. Es bedarf kreativer und experimenteller Leistungen.
Könnten wir diese neuronalen Prozesse schon während der Entwicklung des Kindes anerkennen und fördern? Dazu muss zunächst das Verständnis dieser Entwicklung zum schöpferischen Prozess, zur Kreativität, erworben werden.
Mit diesem Buch übergebe ich Leserinnen und Lesern einen Schlüssel zum Verständnis dieser Vorgänge.
Wir fördern verantwortungsvoll die aktive Zusammenarbeit von rationalen, ordnenden Prinzipien und ganzheitlich erfahrener Wahrnehmung. Das sichert einen Vorteil im Leben.
So würde ein kreativer, achtsam handelnder Mensch für unsere Gesellschaft heranwachsen.
Denn nicht der Stärkste überlebt und auch nicht der Intelligenteste. Es ist derjenige, der sich am ehesten den ständigen Veränderungen anpasst.
Die individuelle Entfaltung und Erhaltung des schöpferischen Potentials fördern ein erfolgreiches kreatives Leben. Dadurch wird jeder zum sprichwörtlichen Lebenskünstler. In diesem Sinne ermunterte Joseph Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler“. (Zitate.eu)
Das bedeutet, das Verständnis von Kunst - als Ergebnis von Kreativität - aus seinem elitären Rahmen zu nehmen und zu einem sinnvollen, wertvollen Allgemeingut werden zu lassen. Unsere Forschung zeigt:
KREATIV sein bedeutet: Begrifflich – analytisches Denken und komplex – ganzheitliches Denken sich ergänzend einzusetzen.
Die Zusammenarbeit der Fähigkeiten von rechter und linker Hirnhemisphäre ist der erstrebenswerte Zustand.
„Das Schöpferische ist die größte evolutionäre Kraft“, erkannte Josef Beuys (zugeschriebenes Zitat).
Kreatives Denken und Handeln zum Wohle der Gesellschaft entwickelt sich, braucht aber die vertrauensvolle Anerkennung und Förderung durch das soziale Umfeld. Für ein verantwortungsvolles, gemeinsames Leben auf unserer Erde ist eine ganzheitliche Entwicklung des Individuums wichtig.
Diese schöpferische Urkraft aller Individuen auf Erden, seien es Pflanzen, Tiere und Menschen, bewegt, erregt und erfindet neu. Das ist auch der Schlüssel zum Verständnis der Kinderzeichnung. Erste sichtbare Spuren der Bewegung sind Kritzel, aus der Kombination dieser Spuren wächst die Zeichnung. Dabei steuert unser Gehirn, in Abhängigkeit von der Auffassungsgabe und Bewegung, die Bildgestaltung und erfindet so, ganz von selbst, neu.
Zeichnungen, Malereien und Formen sind sichtbar gewordene Spuren von Gefühl und Bewegung, erregte Reaktionen nach dem Erleben über Fühlen, Hören, Sehen, Riechen und Schmecken.
Erleben beginnt im Mutterleib schon vor der Geburt. Es wirkt weiter über den Zeitpunkt der Geburt und hinüber ins eigenständige Leben.
Individuelle Wahrnehmungserfahrungen formen unser Wesen mit.
In den Spuren der Zeichnung zeigen sich von Anfang an unsere Anlagen. Sie lassen Stärken und Zögern erkennen. Die vergänglichen Luftspuren von Bewegung, als nonverbaler Ausdruck des Menschen, werden in bleibende Spuren einer Bewegung auf vielerlei Oberflächen festgehalten.
Den Anfang im nichtsprachlichen Ausdruck macht bei 1-3-jährigen Kleinkindern das ganzheitlich gesteuerte Kritzeln.
Im Dienst der Sprachentwicklung wird beim 4–6-jährigen Kind die Wahrnehmung abstrakt mit Grundformen dargestellt.
Das Ziel der Weiterentwicklung wäre das Zeichnen, das wieder ganzheitlich erfahren, der Naturform folgt.
Dieses Buch möchte Ihnen Zusammenhänge und Wege aufzeigen, wie dieses Ziel gelingt. Die Anerkennung und Förderung des nichtsprachlichen Ausdrucks, wie Zeichnen, Malen, Formen und Bauen schafft die Basis für ganzheitliche Wahrnehmung und kreatives Denken.
Nach der Studie zur Zeichenentwicklung von 1-3 Jahren von Dr. Almut Clausen, wurde die Langzeitstudie bis zum Alter von 6 Jahren von mir fortgesetzt. Wissenschaftliche, neurologische Erkenntnisse zur Hemisphären-Theorie, der Spezialisierung unserer Großhirnhälften, weckten unser Interesse zur Planung und Ausarbeitung dieser weiteren Erhebung. (Hirnhemisphären im Folgenden mit HH bezeichnet) (Sperry, Cazzaniga, 1967. Sperry, 1972).
Die Auswertung der Beobachtungen erfolgte nun unter dem Aspekt, dass sich in dieser Zeit die sich entwickelnden Hirnfunktionen zur Ausbildung von Bildgestaltung und Sprache parallel zeigen.
Zeichnen, Malen und Formen ist ein für den Selbstwert des Kindes wichtiges, nonverbales Ausdrucksmittel, welches sich nahezu zeitgleich zum Sprachverständnis entwickelt. Im Folgenden zeigen unsere Forschungsergebnisse:
Beide Hirnhemisphären, mit ihren spezifischen Fähigkeiten, arbeiten zusammen für einen entwicklungsentsprechenden Formenausdruck und beeinflussen sich gegenseitig.
Die rechte Hemisphäre steht für ganzheitliches Formerkennen, Bilderkennen, Raum und Sprachverständnis und die linke Hemisphäre für aufeinanderfolgende Wahrnehmung und Planung, wie Logik, Linearität, Reihungen und expressive Sprache. (siehe S. →)
Diese Wechselwirkung und Zusammenarbeit wird direkt sichtbar in der Entwicklung der Kinderzeichnung.
Die nächsten Kapitel erklären diese Schlüsselaussage zum Verlauf der Entwicklung der Kinderzeichnung. Schritt für Schritt werden der Wandel und die Hintergründe dazu in ihrem Verlauf belegt, Irrwege und Sackgassen aufgezeigt.
Das Vertrauen in eigene Wahrnehmungen und die Fähigkeiten zur Darstellung ist im Menschen angelegt. Bei behutsamer Beachtung wird dieses Selbstvertrauen fürs Leben erhalten bleiben. So kann dies für den erfolgreichen Lebensweg durch kreatives Lernen, Handeln und Erfinden genutzt werden.
Als eine Basis menschlicher Ausdrucksmittel wird das Kritzeln vorgestellt, emotionale Bewegungsspuren der Kleinsten im Alter von eins bis drei Jahren. Weiter entwickelt das Kind im Alter von drei bis sechs Jahren die Schemaphase. Das ist die Umsetzung der inneren und äußeren Wahrnehmung in ihrem neuronalen Zusammenhang zur Sprachentwicklung.
Wir fangen klein an und betrachten die emotionalen Spuren der Kleinkinder im Alter von 1-3 Jahren.
Kritzeln ist der sichtbare Ausdruck einer Bewegung und Emotion
Kritzeln ist die direkte Umsetzung von Gefühl und Bewegung auf einen Untergrund und damit die erste Möglichkeit für das Kleinkind, sich durch eine Bewegungsspur sichtbar auszudrücken.
Pola, 8 Monate, mit Rohrfeder und Tusche
Große raumgreifende Spiralen mit sattem Anfang, schwungvollem Verlauf und zartem Auslauf wurden übereinandergelegt. Ein oben entstandener Freiraum wurde mit vielen Punkten besetzt. Dies zeigt die Freude an der eigenen Entscheidung zur Gestaltung.
Zugegeben, Tusche und Rohrfeder ist eine doch ungewöhnliche Technik für ein Kleinkind. Pola ist meine Tochter. Durch mein Interesse an der frühen Kinderzeichnung und über die Planung und Durchführung meiner Forschung, war sie immer dabei und somit von klein auf in die Materie eingebunden.
Mit den ersten Fähigkeiten zu greifen bekam sie Bleistift oder Kreide in die Hände. So erlebte sie schon früh die Freude am Zeichnen über das Erfahren einer selbst hinterlassenen Spur. Das ist eine sehr gute Übung zur Förderung der Auge-Hand-Koordination für das Kind.
Gefühl und Bewegung sind beim Kleinkind eng verbunden. Die Bewegungen des ganzen Körpers zeigen uns das Gefühlsleben des Kindes. Alle Spuren der Bewegungen hinterlassen aber nur Luftwirbel und sind flüchtig.
Kritzeln machen diese Spuren der Bewegung sichtbar, schon früh, z.B. mit Fingern oder Zehen in weichem Untergrund, wie in Brei, Matsch oder Sand.
Es zeigen sich spiralartige Muster von wirbelnden Armbewegungen, mit Tempo gestoßene Punkte und Striche und große Bögen mit runden und spitzen Kehren, als Ausdruck von Freude, Übermut oder Ärger. Sie können auch als wertvolle Übung der Motorik gesehen werden.
Mädchen, 3 Jahre
Dieses Bild macht Bewegung sichtbar. Auf einen bemalten Untergrund wurden mit Ölpastellkreiden flächig und dicht kraftvolle Spiralen in Braun gelegt. Diese überzeichnete das Kind mit schwungvollen Spitzendern und Krakel in Blau. Darüber liegen, dunkle, raumgreifende bewegungsstarke Spiralen.
Konzentriert wird eine neue Spur mit einem weichen Graphitstift B9 gezogen.
Große Spiralartige wurden vorher mit vielen geschlagenen Punkten gefüllt.
Unser Großhirn ist paarig angelegt in zwei Hirnhälften, Hemisphären (HH) genannt. Sie sind auf bestimmte Aufgaben zur Steuerung von Körper und Geist spezialisiert. Wunderbar anschaulich, im Kleinen wie im Großen, ist das Vorbild der Natur, die Walnuss in der Schale, als komprimierte Lebensinformation für den Baum. Der Kern der Walnuß ähnelt verblüffend unserem Gehirn unter der harten Schädeldecke.
Bilder aus dem Netz
Das „Spuren hinterlassen“ der Kinder im Laufe von eins bis sieben Jahren wandelt sich auffallend. Dies geschieht von Anfang an nicht zufällig, sondern folgt einer allen Menschen eigenen Entwicklungsphase.
Um diesen entwicklungsgerechten Verlauf zu erkennen und zu verstehen, sehen wir uns die Schaltzentrale an, die unsere Fähigkeiten steuert:
Erler Hirnmodell 2013 zum menschlichen Gehirn heute.