Die drei ???, SMS aus dem Grab (drei Fragezeichen) - Ben Nevis - E-Book

Die drei ???, SMS aus dem Grab (drei Fragezeichen) E-Book

Ben Nevis

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5,99 €

  • Herausgeber: Kosmos
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2011
Beschreibung

Als Rubbish George, der schrullige Tramp aus Rocky Beach, von einem Tag auf den anderen verschwindet, ahnen Justus, Peter und Bob sofort, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Zwischen den wenigen Habseligkeiten des wunderlichen Mannes fnden die drei Detektive einen rätselhaften Brief. Die Spur führt zu den Pyramiden in Ägypten! Welches Geheimnis aber will Rubbish George dort lüften? Die drei ??? begeben sich in das dunkle Reich der Sphinx - und geraten in die Falle!

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MOBI

Seitenzahl: 158

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SMS aus dem Grab

erzählt von Ben Nevis

Kosmos

Umschlagillustration von Silvia Christoph, Berlin

Umschlaggestaltung von eStudio Calamar, Girona, auf der Grundlage

der Gestaltung von Aiga Rasch (9. Juli 1941 - 24. Dezember 2009)

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele weitere Informationen zu unseren Büchern, Spielen, Experimentierkästen, DVDs, Autoren und Aktivitäten finden Sie unter www.kosmos.de

© 2002, 2008, 2011 Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten.

Mit freundlicher Genehmigung der Universität Michigan

Based on Characters by Rober Arthur.

ISBN 978-3-440-12888-6

Satz: DOPPELPUNKT, Stuttgart

eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Verschwunden!

Irgendetwas stimmte nicht. Die Drehtür war mit Gewalt geöffnet worden und hing zersplittert in den Angeln. Ein Einbruch? Aber warum? Hier gab es doch wahrlich nichts zu stehlen! Peter überwand seine Angst und drückte die Reste der Tür zu Rubbish Georges einfacher Behausung zur Seite. Dann trat er in den Holzverschlag ein. Den Stadtstreicher hatte Unordnung noch nie gestört. Doch was sich Peter hier bot, war ein Bild des Chaos’! Die Matratze war aufgeschlitzt und der Schaumstoff hing in Fetzen vom Bett. Ein wildes Durcheinander aus Zeitschriften, Bechern, Flaschen, Büchern und zerschlissenen Kleidungstücken bedeckte den Boden. Jemand hatte das Holzregal brutal umgerissen und die Bretter lagen im ganzen Raum verteilt. In der Ecke plärrte ein Taschenradio leise vor sich hin. Von Rubbish George fehlte jede Spur, obwohl er Peter gesagt hatte, er sei um diese Zeit zu Hause.

Was war bloß passiert? Peter schob mit den Füßen ein paar Büchsen zur Seite und bahnte sich den Weg zum Bett, um sich auf das rostige Gestell zu setzen. Entweder hatte Rubbish George einen Ausraster gehabt oder es war jemand bei ihm eingebrochen. Doch was sollte man bei einem Stadtstreicher schon groß stehlen? Hatte hier jemand seine Wut ausgelassen, oder war es pure Rache? Peter traute George eigentlich nicht zu, sein eigenes Zuhause zu zerstören. Er lungerte in der Gegend herum, klar, er war immer etwas unberechenbar, doch er hatte sich mit seiner Schlagfertigkeit bei den drei ??? Respekt verschafft und ihnen auch das eine oder andere Mal aus der Not geholfen. Schon seit einiger Zeit wohnte er in seiner flüchtig zusammengezimmerten Hütte auf dem Hinterhof eines Wohnblocks – erst immer wieder vertrieben, später zähneknirschend geduldet, und jetzt gehörte er sozusagen zum Inventar dieser Gegend. Eigentlich wussten die drei ??? fast nichts über den Mann. In seinem früheren Leben hatte er wohl bei einer Bank gearbeitet.

Peter steckte den Zehn-Dollar-Schein, den die drei ??? Rubbish für eine verlorene Wette schuldeten, und den er die ganze Zeit über in seiner Hand gehalten hatte, zurück in seine Hemdtasche. Das Geld wurde er hier nicht los. Im Radio lobte irgendein Quatschkopf von Moderator mit einem albernen Reim den sonnigen Tag. Peter verpasste dem Gerät einen leichten Tritt. Für solche aufgesetzt gute Laune hatte er jetzt nichts übrig. Hoffentlich war Rubbish George nichts Schlimmes passiert! Wenn er in Not war, dann mussten sie ihm helfen. Justus, Bob und er. Genannt die drei ???. Zuständig für Rätsel aller Art. Und diese Angelegenheit hier war eindeutig sehr mysteriös!

Peters Blick hatte sich gerade auf eine seltsame Maske geheftet, die an die Holzwand genagelt war und den Angriff unbeschadet überstanden hatte, als ein Schatten auf ihn fiel. Er zuckte zusammen und fuhr herum. Ein Mädchen stand in der Tür. Schlank, etwa so groß wie er selbst. Eine Tasche hing über ihrer Schulter. Die lockigen braunen Haare hatte sie zurückgebunden. Ihre Augen waren zu Schlitzen verengt und sie warf Peter einen scharfen Blick zu. Seine Anwesenheit schien ihr nicht sonderlich zu gefallen. Sie zog die rechte Hand vor, die sie bis jetzt auf dem Rücken versteckt gehalten hatte. In der Hand blitzte ein Messer. Sie richtete es auf Peter und ging langsam auf ihn zu. Wollte sie ihn angreifen? Er selbst war unbewaffnet. Reflexartig sah sich Peter um – kein Ausweg. Wenn sie ihm an den Kragen wollte, dann saß er in der Falle.

Unwillkürlich wich Peter zurück. Hatte das Mädchen das Chaos hier angerichtet? War sie irgendwie verrückt? Dann war mit allem zu rechnen. Ihr Mund bewegte sich, doch es kamen nur unverständliche Laute heraus. Er musste irgendetwas tun, möglichst etwas Vernünftiges …

»Ganz ruhig«, sagte Peter und hob beschwichtigend die Hände, »wenn du das Durcheinander hier angerichtet hast, mach dir nichts draus, ist nicht schlimm …«

Sie kam näher.

Peter spürte die Wand an seinem Rücken. »Wir bekommen das schon in Ordnung! Ich verrate dich nicht, ehrlich! Leg bitte das Messer weg! Ich bin kein Freund von roher Gewalt!«

Ihr Mund bewegte sich und ihr Gesichtsausdruck veränderte sich plötzlich. Sie warf einen fragenden Blick auf Peter und deutete auf irgendetwas am Boden.

Peter rutschte ein Stück vor und folgte ihrer Geste. »Das hier? Die Pfanne?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Der Zettel?«

Heftiges Nicken. Die junge Frau wagte sich gerade so nahe heran, dass Peter ihr das Blatt reichen konnte.

Ohne das Messer wegzustecken, wich sie zurück, bis sie neben dem umgestoßenen Campingtisch war. Mit einiger Mühe gelang es ihr, ihn mit der freien Hand aufzustellen. Dann zog sie einen Stift aus der Tasche, tauschte ihn mit dem Messer und schrieb, immer wieder unterbrochen von argwöhnischen Blicken auf Peter, mit hastigen Bewegungen eine Notiz auf das Blatt. Sie hielt es hoch. Peter entzifferte: Du warst es auch nicht?

»Du … du kannst nicht sprechen!«, rutschte es Peter heraus. »Und du dachtest, ich hätte all das hier … Nein, ich habe hier nichts zerstört! Rubbish George ist ein guter Bekannter von uns und ich wollte ihm etwas vorbeibringen.« Zur Bestätigung zog er den Dollarschein aus der Hemdtasche. »Das Geld schulden wir Rubbish«, erläuterte Peter. »Ich und meine Freunde. Wir sind Detektive, keine Einbrecher! Wir sind auf der richtigen Seite … Warte, hier!« Er durchforstete seine Taschen und fand endlich eine zerknitterte Visitenkarte des Detektivbüros, die er dem Mädchen mit einem auffordernden Blick entgegenhielt.

Sie nickte, wagte aber nicht, die Karte zu nehmen. Also behielt er sie in den Händen und sagte ihr den Text der Karte auswendig auf:

Dann sah er das Mädchen an. Er spürte an seinem Blick, dass es ihm glaubte. Sie legte das Messer auf den Tisch und suchte etwas in ihrer Umhängetasche. Heraus kam ein kleiner rötlicher Apparat, der aussah wie ein Handy mit einem angedockten Lautsprecher. Ihr Daumen flog über die Tastatur des Handys, und der Lautsprecher blinkte auf. Das Mädchen sah auf und hielt das seltsame Gerät hoch. Plötzlich erklang eine angenehme weibliche Stimme. »Mein Name ist Layla!«

Vor Schreck ließ Peter die Visitenkarte fallen. »Du … du sprichst über dieses Gerät da?«, stotterte er.

Sie drückte eine Taste. »Ja.«

»Und du bist Layla.«

Sie nickte.

»Peter. Ich bin Peter Shaw. – Das ist ja irre!«

Wieder tippte sie. Sie brauchte dabei gar nicht auf die Tastatur zu sehen. »Wo ist George?«

»Ich weiß es nicht, Layla. Ich bin genau so ratlos wie du! Ich hoffe nicht, dass ihm etwas passiert ist. Und du? Was wolltest du hier?«

Sie überlegte einen kurzen Moment. Dann tippte sie die Antwort ein. »Ich kann es dir nicht sagen. Ein Geheimnis.«

»Das Geheimnis wirst du aber lüften müssen, wenn ich dir helfen soll! Kann es sein, dass dein Geheimnis etwas damit zu tun hat, dass hier jemand die ganze Bude auf den Kopf gestellt hat?«

»Ich weiß es nicht.«

»Wer bist du überhaupt?«, fragte Peter. »Und was hast du mit Rubbish George zu tun?«

Sie erwachte aus ihren Gedanken, sah ihn an, nahm ihren Apparat und tippte die Antwort hinein. »George Cooper war der Freund meiner Mutter! Damals in Ägypten!«

Das Geheimnis der Sphinx

Für einen Moment starrte Peter das Mädchen sprachlos an. Wer war sie? Warum war sie hier? Was für eine Geschichte ging hier vor sich? Plötzlich spazierte Layla auf die Bretterwand zu, hinter der sich das Wohnhaus befand, vor das Rubbish George seine Bude zusammengenagelt hatte. Sie schien etwas entdeckt zu haben. Das weckte Peter endgültig auf. Warum hatte er nicht gleich daran gedacht! Dort befand sich eine geheime Drehtür, die Peter selbst schon einmal aus einer brenzligen Situation geholfen hatte. Ein Klappmechanismus, mit dessen Hilfe man in das Wohnhaus verschwinden konnte. Vielleicht war Rubbish George vor der Gefahr geflohen und hatte sich dort versteckt?

»Warte!«, rief Peter und hielt Layla zurück, die einen Spalt in der Wand unter die Lupe nehmen wollte. »Eine Geheimtür! Ich kenne den Mechanismus!« Er taxierte die Wand. Als er sicher war, die richtige Stelle gefunden zu haben, drehte er ihr den Rücken zu und ließ sich nach hinten fallen. Es gab einen scharfen Knall, wie wenn der Luftzug eine Tür zuwirft, und Peter fiel rückwärts ins Dunkel. Hinter ihm war die Drehtür sofort wieder zugeschlagen. Langsam richtete er sich auf. Er wusste, wo er sich befand. Hier war das Untergeschoss des anliegenden Wohngebäudes. Ein Gang und ein paar Treppen weiter wartete das bunte Leben von Rocky Beach. Gerade als sich Peter in Bewegung setzen wollte, hörte er ein Geräusch. Es kam seitlich aus dem Dunkeln und klang wie ein unterdrücktes Luftholen. Als ob jemand absichtlich seinen Atem zurückhalten wollte. Und es war ganz nahe.

»Rubbish George? Bist du es?« Peter tastete sich vorwärts.

Keine Antwort.

»Rubbish?«

Wieder dieses erstickte Atemgeräusch. Dicht vor ihm. Warum sagte Rubbish nichts? »Ich bin es, Peter Shaw! Sie brauchen keine Angst zu haben, Rubb…«

Peter konnte den Satz nicht zu Ende sprechen. Ein Schlag traf ihn, doch er glitt an seiner Schläfe ab. Peter hob schützend die Arme, da kam schon der zweite Angriff auf seinen Kopf, und jetzt saß er. Peter sackte in sich zusammen, versuchte noch, sich vor dem ungebremsten Aufprall auf den Boden zu schützen, dann schlug er auf. Schritte entfernten sich, eine Tür wurde aufgerissen, ein Lichtstrahl traf Peter, der zusammengekauert am Boden lag und sich den Kopf hielt, in dem das Blut pochte. Doch er blieb bei Bewusstsein. Die Tür fiel ins Schloss und alles war dunkel wie vorher. Mühsam rappelte sich Peter auf. Schritt für Schritt stolperte er vorwärts, dem Ausgang entgegen. Nie im Leben war das Rubbish George gewesen! Es musste der Einbrecher sein! Er hatte Peter kommen sehen und war durch die Geheimtür geflüchtet. Vielleicht konnte Peter ihn noch erwischen, wenn er sich beeilte!

Mit zitternden Händen suchte Peter den Türgriff, dann fand er ihn endlich. Wenige Sekunden später hatte er sich die Treppe hinaufgekämpft und stürzte sich, immer noch am ganzen Leib zitternd, auf die Straße. Die helle Sonne blendete ihn. Sein Kopf schmerzte. Irgendwo entfernten sich rasch Schritte. Peter wandte sich in die Richtung und prallte gegen eine Frau. »Kannst du nicht aufpassen!« Eine Tasche fiel auf den Boden und eine Ladung Süßigkeiten kullerte über den Gehweg. »Entschuldigung!« Peter bückte sich und half, Bonbons und Schokolade einzusammeln. Jetzt war sowieso alles egal. Der Schläger war längst über alle Berge. Nur ein Stadtstreicher grinste ihn verschroben an. Die Frau plapperte etwas von einem Kindergeburtstag und Peter drückte ihr mit weiteren Worten des Bedauerns ein paar zur Seite geflogene Lutscher in die Hand. Sie lächelte und schenkte ihm eine Tüte mit süßen Gummimonstern. Peter riss sie auf der Stelle auf. Nach dem Schrecken konnte er Stärkung gebrauchen. Doch bei jeder Kaubewegung schmerzte seine Schläfe. Trotzdem joggte er um den Häuserblock, um über den Hinterhof zu Rubbish Georges Behausung zu kommen. Er wollte dringend das Mädchen sprechen. Auf dem Hof flog ihm ein Basketball entgegen. Selbst zwischen dem ganzen Gerümpel fanden die Kinder Platz für ihr Spiel. Mit einem gezielten Tritt kickte Peter den Ball zurück. Kurz darauf erreichte er die Tür des Bretterverschlags und trat ein.

»Layla!«

Der Raum war leer.

»Layla!« Peter stieg über die auf dem Boden liegenden Gegenstände auf die andere Seite, drückte vorsichtig gegen die Drehtür und lugte in die Dunkelheit. »Layla!«

Nichts.

»Verdammt! Sie ist weg!«

Er setzte sich wieder auf die Bettkante. In was für eine Geschichte war er da bloß hineingeraten? Wieder spürte er den rasenden Schmerz in seinem Kopf. Er fasste sich an die Schläfe. Dort bildete sich bereits eine dicke Wölbung. »Was für ein Überraschungsei«, dachte er und versuchte zu lächeln, doch das verursachte nur weitere Qual. Sein Blick streifte über das Chaos in Rubbish Georges Bleibe. Da lag wirklich nichts mehr an seinem ursprünglichen Ort. Bücher, Kleidungsstücke, dazwischen eine Dose Linsen. Falls Rubbish George von dem Überfall nichts mitbekommen hatte, würde ihn der Schlag treffen, wenn er nach Hause kam.

Ächzend stand Peter auf. So ging das nicht. Er beschloss, das Gröbste in Ordnung zu bringen. Als Erstes stellte er Tisch und Regal auf. Dann kümmerte er sich um den alten CD-Player, den die Stromschnur gerade noch vor dem endgültigen Absturz bewahrt hatte. Zur Probe drückte er die Starttaste. Das Gerät lief. Peter schloss die Lautsprecherkabel an und augenblicklich dröhnte wilde Surfmusik los. Erschrocken drehte er den Ton leiser. Das hielt sein Kopf jetzt nicht aus. Dann hob Peter den Gaskocher auf und stellte ihn in das Regal – damit war die Küche bereits wieder betriebsbereit. Zufrieden platzierte er die Dose Linsensuppe dazu.

Nach einigen Minuten sah es in der Behausung bereits wieder recht wohnlich aus, für Georges Verhältnisse zumindest. Als Letztes kümmerte sich Peter um die Bücher und Zeitschriften, die wild auf dem Boden verstreut worden waren. Unter einem Stapel Zeitungen kam ein altes Vereinswappen von Manchester City zum Vorschein. Dass Rubbish sich für Fußball interessiert hatte, war nicht ungewöhnlich für einen Mann, dessen Spitzname ›rubbish‹ auf eine englische Herkunft hinwies. Peter hängte das Wappen sorgfältig an die Wand. Dann hob er die Bücher auf. Ein paar zerlesene Krimis, ein alter Busfahrplan, ein großformatiger Bildband über Ägypten. Layla hatte ja angedeutet, dass Rubbish in Ägypten gelebt hatte. Neugierig geworden, suchte Peter weiter, doch er fand keine anderen Hinweise mehr auf das Land der Pyramiden und Pharaonen. Stattdessen ein Kochbuch, ein paar Romane … Peter schob alles zu einem Stapel zusammen und stellte ihn auf das nächstbeste Regalbrett. Da fiel sein Blick auf ein schmales Heftchen über Manchester City, das noch auf dem Boden lag. Für Fußball hatte sich Peter schon immer interessiert. Er hob das Heft auf, setzte sich auf das Bett und begann zu lesen. Es war eine Vereinsgeschichte, schon einige Jahre alt. Peter blätterte sich durch sichtbar vergilbte Erfolge, als er stutzte: Er war auf einen vollkommen anderen Text gestoßen, mit Handschrift geschrieben, der sich gleichwohl mitten in der Broschüre befand. War das ein Bindefehler? Sein Blick fiel auf einzelne Worte.

Schatzkammer … Kairo … Noch nie hat ein Mensch die

Kammer lebend verlassen …

Auf was war er da gestoßen? Aufgeregt blätterte Peter zurück auf die Seite, auf der der merkwürdige Text begann. Es gab einen Titel.

Meine Suche nach dem Grabschatz des Al Bastra –

Von Sir Leonard Dempsey. Für Cathrin.

Das Schreiben war mit einem Datum versehen, das wenige Jahre zurücklag. Peter rückte sich zurecht und las mit wachsender Faszination weiter.

Dies ist die Geschichte meiner Suche des Grabschatzes von Al

Bastra. Liebe Cathrin, morgen werde ich diesen Schatz finden! Seit ich von seiner Existenz erfahren habe, kann ich an nichts anderes mehr denken. Ich habe seltene Schriften studiert, verborgene Orte besucht, geheime Quellen erforscht, fremde Menschen befragt. Ich will ihn finden und ich werde ihn finden! Schließlich ist es der Schatz der Weisheit, die Quelle des Wissens. Mit einem Schlag werde ich die Erkenntnisse von hunderten Jahren Forschung auf den Kopf stellen. Denn ich glaube, sie gefunden zu haben: die Kammer, die das Geheimnis der Sphinx birgt. In der es tausende von Jahren verborgen war. Die alles erklärt: warum die Sphinx gebaut wurde. Von wem. Und welches Geheimnis sie hütet. Es ist der Raum der Erkenntnis.

Peter unterbrach seine Lektüre. Natürlich hatte er schon von der Sphinx gehört. Ein riesiger Löwe aus Stein mit menschlichem Kopf, der die Pyramiden bei Kairo in Ägypten bewachte. Niemand wusste genau, warum sie gebaut worden war. Und der Verfasser dieser Schrift war offensichtlich dem Geheimnis auf die Spur gekommen. Er las weiter.

Ich nenne ihn den Schatz des Al Bastra. Warum? Nachdem ich jahrelang zahllose Quellen fand und entschlüsselte, haben mich letztlich die Entdeckungen eines Mannes namens Al Bastra auf die entscheidende Spur geführt. Morgen in der Frühe wird mich ein Vertrauter zur Kammer führen. Meinen Weg dorthin werde ich jetzt aufschreiben, in dieser Nacht vor dem großen Tag. Ich tue das, falls ich den morgigen Tag nicht überlebe. Denn auf dem Grab liegt der Fluch der Sphinx. Der Fluch soll das Geheimnis schützen. Noch kein Mensch soll je die Kammer lebend verlassen haben. Denn der Schatz wird bewacht von einer Sphinx – ein verkleinertes, exaktes Abbild der großen Sphinx, deren Geheimnis sie bewahrt. Die kleine Sphinx ist tödlich. Hüte dich vor ihren Augen. Die roten Augen künden den Tod. So sagt Al Bastra. So hat er gesagt. Denn er selbst ist längst gestorben, allerdings eines normalen Todes. Er hat sich nicht getraut, die Kammer zu betreten, vielleicht wollte er das Geheimnis nicht stören, oder er hatte Angst vor dem Fluch. Aber seine Entdeckung sollte nicht verloren gehen und er hat sie an einige Vertraute weitergegeben. Jeder erhielt nur einen Teil der Information. Der Kreis der Eingeweihten wurde durch ein Geheimwort geschützt. Wo man die Kammer findet, erzählte er einem engen Freund. Dem Mann, der mich morgen zu der Kammer führen wird. Dem die Bedenken Al Bastras fremd sind, zumal er an Geld kommen will. Und ich kenne aus Al Bastras Aufzeichnungen das geheime Wort! Eigentlich ist es ein Satz.

Morgen ist es so weit. Ich glaube nicht an den Fluch der Sphinx. Und ich bin sicher, dass ich nach Jahrtausenden als erster Mensch das Rätsel der Sphinx lösen und in den Raum der Erkenntnis vordringen werde. Aber wenn mir doch etwas zustoßen sollte, dann, geliebte Cathrin, dann sollst wenigstens du von diesem Brief zur Kammer der Sphinx geleitet werden. Du sollst das geheime Wort wissen. Doch hüte dich vor Frank, meinem Konkurrenten, der ebenfalls auf der Spur der Kammer ist. Du weißt: Er schreckt vor nichts zurück! Er würde dir etwas antun. Darum verstecke ich es in einem Rätsel. Aber auch wenn Frank diesen Brief in die Hände bekommen und einiges lösen sollte: Ohne deinen zusätzlichen Vornamen wird er dem Boten den Satz nicht vollständig sagen können!

Draußen hörte er Schritte. Peter schlug das Heft zu und versteckte es schnell unter seinem T-Shirt. Er musste hier verschwinden. Vielleicht kam der mysteriöse Besucher zurück. Oder war es George? Peter schlich zur aufgebrochenen Tür und stellte erleichtert fest, dass es nur einer der größeren Jungen war, der den Basketball suchte. Trotzdem hatte ihm die Unterbrechung klar gemacht, dass es wohl besser war zu gehen. Eine Beule am Kopf reichte fürs Erste. Mit eiligen Schritten durchquerte Peter wenige Sekunden später den Hinterhof.

Überraschender Besuch