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Fabeln und Geschichten haben nicht nur die Kraft, unsere Fantasie anzuregen, sie helfen uns auch, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen - indem wir über das Gelesene nachsinnen. Sie geben uns Denkanstöße - und eignen sich auch bestens, Menschen die uns wichtig sind, gezielt, aber auch dezent, Tipps, Hinweise und Lösungshinweise für Probleme mitzuteilen. Seit Jahrtausenden gehören Geschichten zu unserem kulturellen Erbe - sie sind Teil unseres Lebens. Schamane und Älteste sorgten - und sorgen auch heute noch - so dafür, dass uraltes Wissen und Brauchtum, Rituale und Kulturelles an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird. Aber nicht nur bei Naturvölkern zählen Geschichten, Fabeln und Erzählungen schon seit langer Zeit zum kulturellen Erbe. Die Gute-Nacht-Geschichte ist bei uns auch heute noch eine sehr schöne und wichtige Tradition. Jede Weisheit und jede Erzählung, die dich berührt, hat die Kraft dich zu verändern, dich wachsen zu lassen, dir zu helfen, dir selbst zu helfen - kurz dich und dein Leben zu bereichern. Jedes Mal, wenn du ein Buch fortgelegt hast und beginnst, den Faden eigener Gedanken zu spinnen, hat das Buch seinen beabsichtigten Zweck erreicht. (Janusz Korczak)
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Seitenzahl: 149
Veröffentlichungsjahr: 2019
Von Jörg Banisch sind bereits folgende Titel bei Tredition erschienen:
Mein Pfad des Erwachens – eine Reise zurück zu mir selbst
Memento Mori – Lebe nicht zu spät
Jörg Banisch
Die erleuchteten Orangen
Geschichten und Sprichwörter zum Nachdenken aus aller Welt
© 2019 by Jörg Banisch
Umschlag, Illustration: Jörg Banisch
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
978-3-7497-7701-3 (Paperback)
978-3-7497-7702-0 (Hardcover)
978-3-7497-7703-7 (e-Book)
Printed in Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Für die drei Schwestern…
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Die erleuchteten Orangen
Der 20 Euro Schein
Einzigartig und kostbar
Sprung in der Schüssel
Die Frösche in der Milch
Wer aufgibt hat schon verloren
Auch dies geht vorbei
Alles ist vergänglich
Ist das so?
Die Kunst der Gleichgültigkeit
Der Mann, der Tiger und die Traube
Der jetzige Moment
Der Holzfäller
Hausgemacht?
Wohin du auch gehst
…Du nimmst dich mit
Du kannst nicht vor dir selbst weglaufen
Was wäre, wenn
Der Saal der Tausend Spiegel
Unser Spiegelbild
Die Muschel und der Adler
Wie willst du leben?
Du hast die Wahl!
Jeder nach seiner Fasson
Der Adler und die Hühner
Wer sind wir wirklich?
Die zwei Wölfe
Welchen Wolf willst du füttern?
Was du nicht willst
Die drei Siebe des Sokrates
Denken – drücken – sprechen!
Der Professor und das rote Buch
Perspektivwechsel
Eine wundervolle Liste
Unsere netten Seiten
Raupe oder Schmetterling
Eine alte Zen-Geschichte
Das Eisberg-Prinzip
Der kleine Bach
Entscheidungen treffen
Der weise Hofnarr
Veränderung ist gut
So ein Unglück.
Veränderung als Chance
Wessen Geschenk ist es?
Eine sehr weise Frage!
Die letzten Worte des Meisters
Keine Angst vor dem Tod
Gibt es ein Leben nach der Geburt?
Still sein
Wozu brauchen wir die Zeit?
Der Tag war noch ganz
Der Fischer und der Geschäftsmann
Arme Leute
Arme Leute …?
Die sieben Weltwunder
Mehr als eine Wahrheit
Und hatte ich recht…?
Weißt du, warum sie mir so gefällt?
Mit Gott zu Mittag gegessen
Tu was
Ich tue was ich kann
Mut und Entschlossenheit
Bewerberglück?
Bewusst vs. unbewusst
Das Versteck der Weisheit
Offen bleiben und frei machen
Der schwarze Punkt
Eine Geschichte die aus dem Herzen spricht
UBUNTU
Was das Wasser uns lehren kann
Bausteine für ein glückliches Leben
Der König und der Flickschuster
Ein gesundes Selbstwertgefühl
Das Leben auf Wanderschaft
Dankbarkeit
Dankbar sein
SELBER WISSEN WAS RICHTIG IST
Wissen, was für mich richtig ist
Die Wünsche des Bauern
Zwei Samenkörner
Wir alle sind wie Samenkörner
Zwei mangelhafte Backsteine
Seine Fehler akzeptieren
Der verkrüppelte Schmetterling
Schmerz ist notwendig
Später kann zu spät sein
Schlusswort
Eigene Notizen
Danksagung
Weiterführende Literatur
„Jedes Mal, wenn du ein Buch fortgelegt hast und beginnst, den Faden eigener Gedanken zu spinnen, hat das Buch seinen beabsichtigten Zweck erreicht.“
Janusz Korczak
Vorwort
Geschichten und Sprichwörter – seit Urzeiten werden durch sie Wissen, Weisheiten und Regeln weitergegeben.
Ob, wie bei mir, durch meine Oma und meine Mutter, oder wie in der antike durch den Philosophen im Atrium oder in der Wandelhalle.
Ob bei den Indianern, den Pfadfindern, Jägern oder Cowboys am Lagerfeuer.
„Nicht der Bote ist wichtig,sondern die Botschaft!“
frei nach dem Film „Stigmata“
Seit Jahrtausenden gehören Geschichten zu unserem kulturellen Erbe – sind Teil unseres Lebens.
Schamane und Älteste sorgten – und sorgen auch heute noch - so dafür, dass uraltes Wissen und Brauchtum, Rituale und Kulturelles an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird.
Aber nicht nur bei Naturvölkern zählen Geschichten, Fabeln und Erzählungen schon seit langer Zeit zum kulturellen Erbe.
Die Gute-Nacht-Geschichte ist bei uns auch heute noch eine sehr schöne und wichtige Tradition.
Nicht nur, dass sie die lieben Kleinen sanft ins Land der Träume bringt, sie dient auch dazu unseren Kindern (und auch uns selbst) die Welt entdecken und erklären zu helfen.
Oft regen eine gute Erzählung, eine passende Geschichte oder ein treffendes Zitat mehr zum Umdenken an, als ein gut gemeinter Rat - was sie zu einem wunderbaren und wertvollen Begleiter durch unser Leben macht.
Fabeln und Geschichten haben nicht nur die Kraft, unsere Fantasie anzuregen, sie helfen uns auch, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen – indem wir über das Gelesene nachsinnen.
Sie geben uns Denkanstöße – und eignen sich auch bestens, Menschen die uns wichtig sind, gezielt, aber auch dezent, Tipps, Hinweise und Lösungshinweise für Probleme mitzuteilen.
Und das ohne als „Oberlehrer“ oder „Besserwisser“ zu erscheinen…
Mir persönlich helfen Sprichwörter und Geschichten die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, neue Sichtweisen und somit neue Möglichkeiten für mich zu entwickeln…
Sie haben die Kraft dich aus einem Tief zu holen, dich zu motivieren, wenn du „down“ und lustlos bist, dich zu inspirieren, wenn dir die Ideen fehlen.
Sie können dir weiterhelfen, wenn du mit „deinem Latein am Ende bist“.
Jede Weisheit und jede Erzählung, die dich berührt, hat die Kraft dich zu verändern, dich wachsen zu lassen, dir zu helfen, dir selbst zu helfen – kurz dich und dein Leben zu bereichern.
Zumindest haben sie bei mir diese Wirkung – ich nutze sie, um mich zu puschen, aufzubauen und zu motivieren.
Sie helfen mir mein Handeln und mein Denken zu reflektieren, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern.
Wenn du bereits das ein oder andere Buch von mir gelesen hast, weißt du, dass ich immer versuche in meinen Werken anhand von Erzählungen, Zitaten und Übungen meine Leserinnen und Leser dazu anzuregen, sich wieder mehr mit sich selbst und ihrem Leben auseinandersetzen.
Um ein Leben zu leben, das ihnen wirklich gefällt.
Dieses Buch ist auf Wunsch und Anregung einiger meiner Leser entstanden, die sich ebenfalls gerne anhand von Sprichwörtern und Geschichten zum Be-, Um- und Nachdenken inspirieren lassen.
Ich hoffe, ich kann auch dich ein wenig zum Perspektivwechsel inspirieren und wünsche dir viel Spaß beim Lesen und anschließendem „Nachgrübeln“…
Die erleuchteten Orangen
Eine erleuchtete Geschichte
Ein Schüler war von seinem Meister in die Stadt geschickt worden, um dort die Orangen zu verkaufen, die sie am Vortag geerntet hatten.
Als der Schüler am Abend ins Kloster zurückkehrte, wunderte sich der Meister, dass der Korb mit den Orangen immer noch ganz voll war – der Schüler schien nicht eine einzige verkauft zu haben!
Von seinem Meister befragt, maulte der Schüler leicht verärgert: „Ich konnte nichts verkaufen, da mich die Leute in der Stadt schlecht behandelten. Sie beschimpften mich, und meinten boshaft, die Orangen wären viel zu teuer…!“
Der Meister nahm eine Frucht in die Hand und erwiderte: „Leider bist du nicht so klug und so weise wie diese Orange.
Was passiert, wenn ich diese Orange auspresse?“
Nun noch mehr verärgert zischte der Schüler mit zusammengekniffenen Lippen: „Natürlich Orangensaft – was sonst!“
„Richtig“, entgegnete der Meister ruhig, „wenn ich nun aber mit dem Hammer draufschlage, was wird dann dabei herauskommen?“
„Natürlich auch wieder Orangensaft“, knurrte der Schüler.
„Und wenn dein Maulesel auf die Frucht tritt, was wird dann herauskommen“ hakte der Meister weiter nach.
„Natürlich wieder Orangensaft – es wird immer Orangensaft herauskommen“ erwiderte der Schüler nun schon fast zornig.
„Ganz genau“ erklärte der Meister in ruhigem Ton.
„Die Orange wird immer mit dem Antworten, was in ihr ist – egal was ihr zugefügt oder wie sie behandelt wird.
Sie lehrt uns, dass es in unserer Macht liegt, wie wir auf eine Situation reagieren. Du aber hast anderen die Schuld und damit die Macht über dich gegeben…!“1
Wir neigen in schwierigen Situationen oder wenn Dinge für uns nicht so laufen, wie wir uns das erhofft und gewünscht haben, dazu, anderen die Schuld für unsere momentane Lage und unsere negativen Resultate zu geben.
Unseren Eltern, die uns nicht auf´s Leben vorbereitet haben, unserem Lebenspartner, der uns nicht genug unterstützt, dem Chef, der zu viel fordert.
Oder wir suchen nach Umständen, die es uns unmöglich machen, anders zu handeln. Die wirtschaftliche Lage ist zu schlecht, unsere Gesundheit spielt nicht so richtig mit, unsere derzeitige Lebenssituation ist momentan nicht so rosig, der Bus hatte Verspätung, der Verkehr war wieder mörderisch…
Die Liste ließe sich noch um etliche Punkte ergänzen – vielleicht wieder mal eine Gelegenheit für dich zur Selbstreflexion…?
Was uns diese kleine Zen-Geschichte vermittelt, ist die Wahrheit, dass schlussendlich nur wir selbst für uns und unser Verhalten verantwortlich sind.
Und deshalb können auch nur wir selbst an einer uns betreffenden Situation etwas ändern.
Wenn wir die volle Verantwortung für unser eigenes Leben, Tun und Handeln übernehmen heißt das natürlich nicht, dass ab jetzt alles nur noch glatt läuft – nee, nee…
So einfach ist es denn dann auch nicht.
Aber keine Angst, auch wenn es mal nach hinten losgeht…
Denn Fehler sind nichts Schlechtes oder schlimmes – ganz im Gegenteil – sie sind Chancen!
Die Chance es beim nächsten Mal besser zu machen, die Chance zu wachsen, die Chance zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
Sie machen uns stark, wenn wir sie richtig zu nutzen wissen…
Frei nach Rocky Balboa:
„… Wenn du weißt, was du Wert bist, dann geh raus und hol es dir! Aber nur wenn du bereit bist, die Rückschläge einzustecken. Und zeige nicht mit dem Finger auf andere und sage: Du bist nicht da, wo du hingehörst wegen ihm oder ihr, oder sonst jemanden…“
Auch die folgende kleine Geschichte zeigt uns, dass es in unserer Macht steht wie beziehungsweise ob wir überhaupt darauf reagieren, wie andere Menschen uns behandeln oder was uns passiert.
Wir können unser Leben und das unserer Mitmenschen glücklicher und zufriedener machen, indem wir uns wieder darauf besinnen, dass wir mehr sind als unsere vermeintliche Lebensgeschichte.
Wir sind keine Maschinen, die nur nach einem Programm laufen, keine „toten“ Gegenstände ohne eigenen Willen und ohne eigene Meinung.
Wir können reflektieren, wie wir behandelt werden und uns dann überlegen, wie wir darauf reagieren wollen.
Und eines sollten wir niemals vergessen – egal wie unsere Umwelt und unsere Mitmenschen uns behandeln, unseren Wert als Mensch können sie uns nicht nehmen.
Wie folgende Geschichte aus dem Coaching-Business zeigt…
Der 20 Euro Schein
Eine moderne Geschichte
Am Ende seine Vorträge hielt ein Redner immer einen 20 Euro Schein in die Höhe.
Zum Publikum gewannt fragte er dann stets: „Wer möchte diesen 20 Euro Schein haben?“
Egal wie viele Menschen in seinen Seminaren waren – jedes Mal waren nach kurzer Zeit die meisten Hände oben – niemand wollte sich das Geld entgehen lassen.
„Okay – ich werde einem im Publikum diesen 20 Euro Schein geben. Doch bevor ich das tue, werde ich folgendes machen.“
Mit diesen Worten zerknüllte er den Schein in seinen Händen, bis es nur noch wie ein Knäuel Papier aussah.
„Wer möchte den Schein immer noch haben?“ Wieder gingen die meisten Hände nach oben. „Okay – sehr gut! Mal sehen was passiert, wenn ich Folgendes tue…“
Er warf den Schein zu Boden und trampelte mit seinen Füßen darauf herum. Wieder hob er den Schein, welcher jetzt arg mitgenommen aussah, in die Höhe.
Der Schein war verdreckt, zerknittert und an manchmal stellen schon leicht eingerissen.
„Wer will ihn immer noch haben?“
Wieder gingen die Hände nach oben.
Mit einem Lächeln übergab er nun, wie versprochen, den Schein einem Zuhörer im Publikum.
„Diejenigen, die den Schein nicht bekommen haben, brauchen nicht traurig sein – ganz im Gegenteil!“ entgegnete er den restlichen Seminarteilnehmern. „Denn sie haben gerade etwas gelernt, dass man mit Geld nicht kaufen kann!
Es ist völlig egal, was ich mit diesem Geldschein anstelle, sie wollen ihn trotzdem haben, weil er nichts von seinem Wert verliert. Egal was ich mit ihm tue oder besser ihm antue.
Daran sollten wir in unserem Alltag denken. Denn auch wir werden aufgrund von Entscheidungen, Umständen und verschiedener Gegebenheiten fallen gelassen, zerdrückt und durch den Dreck gezogen.
Oft fühlen wir uns dann auch so – dreckig und wertlos.
Und ich möchte, dass sie dann an dieses kleine Experiment denken.
Egal was uns passiert ist, was uns angetan wird oder was uns noch geschehen mag. Wir werden immer unseren Wert behalten – wir bleiben weiterhin einzigartig und kostbar!“2
Einzigartig und kostbar
Trotz meiner kleinen Abwandlung der Geschichte bleibt die Botschaft doch die Selbe: Wir dürfen unseren Wert nicht dadurch definieren, wie wir behandelt werden!
Sonst begeben wir uns in eine Opferrolle hinein und meinen, wir sind nicht mehr „Herr“ über unser eigenes Leben.
Wir geben anderen Menschen nicht nur die Schuld an unserer Lebenssituation, unseren Gefühlen, unseren Gedanken – wir nehmen uns dadurch auch, vielleicht unbewusst, die Möglichkeit etwas daran ändern zu können.
Weil wir uns mit so einer Haltung einreden, dass wir nichts wert sind, zu unserem Leben nichts beitragen können und immer auf das Wohlwollen anderer angewiesen sind – aber dem ist nicht so!
Wir alle sind einzigartig, kostbar und wertvoll – jeder auf seine Art und Weise.
Die anschließende Erzählung aus dem alten China zeigt uns das sehr anschaulich…
Sprung in der Schüssel
Aus China
Eine alte Frau trug eine Stange über ihren Schultern, an deren Enden zwei große Schüsseln hingen.
Eine der Schüsseln hatte einen Sprung. Die andere war makellos und fasste stets eine volle Portion Wasser.
Am Ende der Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau, war die Schüssel mit dem Sprung nur noch halb gefüllt.
Zwei Jahre lang ging die Frau täglich mit ihren beiden Schüsseln zum Fluss, um Wasser zu schöpfen. Und jeden Tag brachte sie eine und eine halbe Schüssel Wasser mit nach Hause.
Die makellose Schüssel war natürlich stolz auf ihre Leistung.
Die Schüssel mit dem Sprung aber schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.
Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: „Ich schäme mich so, wegen meines Sprungs, durch ihn verliere ganzen Weg bis zu deinem Haus die Hälfte meines Wassers.“
Die alte Frau aber lächelte und sprach weise: „Das Wasser im Haus genügt mir. Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, auf der anderen Seite aber nicht? - Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumen ausgesät, weil ich mir deines „Fehlers“ bewusst war.
Nun wässerst du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. In diesen zwei Jahren konnte ich wunderschöne Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und könnte nicht mein Haus beehren.“3
Diese schöne Erzählung aus dem Reich der Mitte zeigt uns nicht nur, dass man auch mit sogenannten „Fehlern“ zum Wohl und zum Gelingen beitragen kann.
Ganz im Gegenteil - manchmal ermöglichen solche „Fehler“ erst Dinge, die ohne sie gar nicht zustande gekommen wären…
Deshalb sollten wir uns immer fragen, bevor wir jemand wegen seiner putativen Unvollkommenheit oder wegen einer vermeintlichen Mangelhaftigkeit kritisieren, ob es sich überhaupt um eine solche handelt…
Es ist also manchmal gar nicht so verkehrt, einen Sprung in der Schüssel zu haben…
Er macht uns nicht nur liebenswert, er kann uns auch lehren, unsere vermeintlichen Defizite als Stärken zu erkennen, vielleicht sogar als einmalige Stärken…
Und auf gar keinen Fall und unter keinen Umständen sollten wir jemals den Glauben an uns selbst und unsere eigenen Fähigkeiten, unsere Stärken verlieren…
Die Frösche in der Milch
Fabel nach Aesop
In einem Tümpel lebten einst zwei Frösche. Sie waren mit sich und der Welt zufrieden und genossen ihr Dasein im herrlichen Nass – ganz besonders an sonnigen Tagen fühlten sie sich in ihrem Tümpel pudelwohl.
Doch eines Tages, nach einer längeren Trockenperiode ohne Regen, war das Wasser im Tümpel soweit verdunstet, dass sie ihren geliebten Teich verlassen mussten…
Also machten sich die beiden Frösche schweren Herzens auf, um sich ein neues zu Hause zu suchen. Doch wie weit sie auch liefen und sprangen – es kam und kam kein neuer Tümpel in Sicht.
Die Sonne brannte heiß und sie wollten schon aufgeben, als sie, bereits halb verdurstet, einen Krug voll frischer fetter Milch in der Scheune eines Bauernhofs entdeckten.
Dankbar und Glücklich hüpften sie sofort hinein und tranken und schlürften die köstliche Milch, bis sie nicht mehr durstig waren.
Als sie wieder heraus wollten, bemerkten sie jedoch, dass sich der Rand des Kruges durch ihr gieriges Trinken zu weit entfernt hatte, um einfach so hinausspringen zu können.
Bei jedem Versuch rutschen sie an der glatten Wand des Kruges immer wieder ab.
Sie probierten es wieder und wieder, Stunde um Stunde, ja fast den gesamten Tag lang, aber alle Mühen schienen vergeblich.
Schließlich waren sie so erschöpft, dass sie ihre Beine kaum noch bewegen konnten.
Da meinte der eine Frosch: "Was hilft es, wenn wir uns plagen. Es ist aus!" Damit hörte er auf zu strampeln, ließ sich zu Boden sinken und ertrank.
Der zweite Frosch gab jedoch die Hoffnung nicht auf. Er schwamm und strampelte die ganze Nacht weiter.
Als es endlich Morgen wurde und die Sonne in die Kammer schien, saß der Frosch auf einem dicken Butterklumpen.
Er nahm all seine Kraft zusammen, sprang aus dem Krug und war gerettet…4
Wer aufgibt hat schon verloren
Diese Fabel von Äsop wird oft so interpretiert, dass wer nicht aufgibt, auch wenn alles hoffnungslos zu sein scheint, dafür belohnt wird.
Aber ich glaube nicht, dass Äsop wirklich gemeint hat, dass man nur lange genug durchhalten muss und dann wird grundsätzlich dafür belohnt und alles wieder gut.
Dass das nicht stimmt, hast du vielleicht auch bereits erfahren dürfen.
Ich lese und verstehe die Geschichte eher so, dass nur jemand der immer gleich aufgibt, sobald er sich in oder mit einer schwierigen Situation konfrontiert sieht, bereits verloren hat.
Wer aber auf sich selbst vertraut, seine Möglichkeiten nutzt und eben nicht sofort kapituliert, sich selbst nicht aufgibt, der hat zumindest eine große CHANCE, sich aus der misslichen Lage zu befreien!
Die schlechte Nachricht: Nichts währt ewig. Die gute Nachricht: Nichts währt ewig.
Chinesisches Sprichwort5
Denn oft ist es nicht die Situation selbst, sondern unsere Reaktion darauf, was die entscheidende Wende bringt!
Ich wünsche dir den Mut, die Beharrlichkeit und die Ausdauer des zweiten Frosches und seinen unbedingten Willen…
