Totentanz - Frank Callahan - E-Book

Totentanz E-Book

Frank Callahan

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Beschreibung

Nun gibt es eine exklusive Sonderausgabe – Die großen Western Classic Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). Dieser Traditionstitel ist bis heute die "Heimat" erfolgreicher Westernautoren wie G.F. Barner, H.C. Nagel, U.H. Wilken, R.S. Stone und viele mehr. Bremsen kreischten, Funken sprühten. Die Lok kam langsam zum Halten und spie riesige Dampfwolken aus. Sam Higgins im Führerstand der Baldwin-Lok und der Heizer Bill Miller starrten ungläubig auf den Schienenstrang, der einige Dutzend Yard vor ihnen jäh endete. Die Brücke über den Little Colorado gab es nicht mehr. »Heiliger Bimbam«, ächzte Bill. »Da hat uns jemand 'nen üblen Streich gespielt. Well, die Bosse der Atlantic Pacific werden Bescheid wissen wollen. – Laß uns nachsehen gehen, Bill.« Die beiden sprangen von der Lok und gingen noch immer verwirrt auf den Abgrund zu. Da tauchten vier Hartgesottene neben dem Schotterdamm vor der zerstörten Brücke auf. Sie richteten die Revolver auf Bill und Sam, die zusammenzuckten, stehenblieben und langsam die Hände in Schulterhöhe nahmen. »Ausgezeichnet, Jungs«, rief ein breitschultriger Mann. Ein spöttisches Lächeln teilte seine Lippen. Auch die drei anderen Banditen grinsten verwegen. »Tadellose Leistung, Jungs«, meinte der Bandit. »Ich hatte fast damit gerechnet, daß ihr die Lok nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen würdet. Ihr habt gut reagiert.«

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Die großen Western Classic – 7 –

Totentanz

… für Erpresser und Halunkenpack

Frank Callahan

Bremsen kreischten, Funken sprühten. Die Lok kam langsam zum Halten und spie riesige Dampfwolken aus.

Sam Higgins im Führerstand der Baldwin-Lok und der Heizer Bill Miller starrten ungläubig auf den Schienenstrang, der einige Dutzend Yard vor ihnen jäh endete.

Die Brücke über den Little Colorado gab es nicht mehr. »Heiliger Bimbam«, ächzte Bill.

»Da hat uns jemand ’nen üblen Streich gespielt. Well, die Bosse der Atlantic Pacific werden Bescheid wissen wollen. – Laß uns nachsehen gehen, Bill.« Die beiden sprangen von der Lok und gingen noch immer verwirrt auf den Abgrund zu.

Da tauchten vier Hartgesottene neben dem Schotterdamm vor der zerstörten Brücke auf.

Sie richteten die Revolver auf Bill und Sam, die zusammenzuckten, stehenblieben und langsam die Hände in Schulterhöhe nahmen.

»Ausgezeichnet, Jungs«, rief ein breitschultriger Mann.

Ein spöttisches Lächeln teilte seine Lippen. Auch die drei anderen Banditen grinsten verwegen.

»Tadellose Leistung, Jungs«, meinte der Bandit. »Ich hatte fast damit gerechnet, daß ihr die Lok nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen würdet. Ihr habt gut reagiert.«

Sam und Bill entspannten sich und nahmen die Hände herunter.

Drei der vier Banditen schoben ihre Revolver ins Leder. Sie hatten mitbekommen, daß die beiden Männer der Bahngesellschaft unbewaffnet waren.

»Was wollt ihr von uns?« fragte Sam Higgins. »Soll ich euch loben, weil ihr die Brücke in die Luft gesprengt habt? Das gibt ’ne Menge Ärger für euch. So was läßt sich die Bahngesellschaft nicht gefallen.«

Der schnurrbärtige Banditenboß winkte grinsend ab.

»Du spuckst ganz schöne Töne, Mister. Sei doch froh, daß wir heute unseren friedlichen Tag haben, sonst hätten wir euch beide schon längst weggepustet. Ich gebe euch einen Brief mit, den ihr eurem Boß überreichen werdet. Verstanden?«

Die Bahnleute atmeten auf.

»Klar übergeben wir Trevor Houston den Brief. Können wir jetzt verschwinden? Wir müssen den nächsten Bahnhof benachrichtigen, damit kein Unglück geschieht. In zwei Stunden kommt ein Personenzug hier vorbei.«

Der Bandit griff in die Innentasche seiner Lederjacke und zog einen Briefumschlag hervor, den er Sam Higgins reichte.

»Jetzt könnt ihr Leine ziehen, Jungs. Schwingt euch auf das Feuerroß und dampft ab. Aber vergeßt nur nicht den Brief zu übergeben, sonst gibt’s eine Menge Ärger für euch.«

Die Bahnleute nickten und gingen zur Lok zurück. Kurze Zeit später fuhren sie in Richtung Sunset City davon.

*

»Rod Cammeron und Larry Westbury sind aus dem Staatsgefängnis von Yuma ausgebrochen, Burt«, berichtete Tom Dalton. Er schaute den schlanken und großgewachsenen Mann forschend an, der vor seinem Schreibtisch saß.

US Marshal Burt Sullivan runzelte die Stirn und zuckte mit den Schultern. Er blieb gelassen.

»Die beiden Kerle werden bestimmt nicht weit kommen. Haben Sie mich nur aus diesem Grund zu sich gerufen, Sir?« fragte er seinen Vorgesetzten.

»Nein, Burt. Es gibt noch ein anderes Problem, über das wir reden müssen. Vorher möchte ich Sie aber warnen. Westbury und Cammeron haben Ihnen doch vor drei Jahren blutige Rache geschworen, als sie zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurden. Haben Sie das vergessen?«

Burt Sullivan winkte ab.

»Ach was, Sir. Ich trage seit fünf Jahren das US-Marshal-Abzeichen und habe genug Banditen an den Galgen und hinter Gitter gebracht. Die meisten von ihnen stießen Drohungen aus. Hin und wieder hat auch ein entlassener Strafgefangener versucht, sich zu rächen. Ich habe die Kerle bisher immer gestoppt. Aber ich danke Ihnen für die Warnung und werde mich vorsehen. Larry Westbury und Rod Cammeron sind zwei gefährliche Höllenhunde, die nur mit viel Glück dem Galgen entgangen sind.«

Tom Dalton nickte.

»Sie hatten einen ausgezeichneten Anwalt, dem es gelang, die Kerle vor dem Strick zu retten. Wir beide wissen aber ganz genau, daß Cammeron und Westbury skrupellose Mörder sind. Nehmen Sie die Drohungen der beiden Geflüchteten nicht auf die leichte Schulter.«

»Das werde ich nicht tun, Sir«, antwortete Burt Sullivan. »Und wenn sich die Mistkerle wirklich rächen wollen, mache ich sie fertig. Darauf können Sie sich verlassen.«

»Jetzt möchte ich zum eigentlichen Grund kommen, warum ich Sie nach Phoenix gebeten habe.«

Tom Dalton deutete auf eine Whiskyflasche und zwei Gläser, doch der Marshal lehnte dankend ab. Sein fragender Blick ruhte auf dem etwa fünfzigjährigen Mann, der sich die Unterlippe leckte.

»Auf Sie wartet ein neuer Auftrag, Burt. Die Atlantic-Pacific-Bahngesellschaft steckt in großen Schwierigkeiten. Sie braucht dringend Hilfe und hat deshalb einen Bundesmarshal angefordert. Ich bin davon überzeugt, daß Sie der richtige Mann für diesen Auftrag sind.«

»Und was beunruhigt die Bosse der Atlantic Pacific so sehr?«

»Haben Sie schon einmal etwas von einem gewissen James McQuire gehört?« gab Dalton zurück.

»Mit dem Bastard haben sich meine Kollegen in Texas und Neumexiko herumgeschlagen. Ist der Halunke jetzt im Arizona-Territorium aufgetaucht?

»So ist es, Burt«, antwortete Tom Dalton. »Er und seine Bande haben in den vergangenen Wochen mehrere Züge überfallen. Später sprengten sie zwei kleinere Brücken über den Little Colorado River. Die Brücken wurden inzwischen provisorisch repariert.«

Burt Sullivan lächelte bitter und deutete auf die Whiskyflasche.

»Jetzt könnte ich doch einen Drink gebrauchen, Tom.«

Die beiden Männer prosteten sich zu.

»Was ist mit dem zuständigen Sheriff oder den Bahnmarshals der Atlantic Pacific? Haben sie die Sache nicht in den Griff bekommen?«

»Leider nicht, Burt«, sagte Dalton. »Sie konnten zwar einige Erfolge erzielen, doch James McQuire hat über zwei Dutzend knallharte Strolche um sich versammelt, die für ihn durchs Feuer gehen. Zwei Bahnmarshals wurden erschossen, und auch der Sheriff von Sunset City lebt nicht mehr. Ihn traf eine Kugel aus dem Hinterhalt.«

Dalton hob die Schultern. »Und nun drohen die Banditen, eine sehr wichtige Brücke in die Luft zu sprengen. Sie erpressen die Railway Company und fordern hunderttausend Dollar. Das Ultimatum läuft in acht Tagen ab. Wenn die Outlaws das Geld nicht erhalten und die Brücke in die Luft jagen, entsteht der Gesellschaft ein riesiger Schaden. Die Bahnlinie wäre für viele Wochen und Monate unterbrochen. Sie sind unsere letzte Hoffnung.«

Burt Sullivan stellte das leere Glas auf den Schreibtisch und grinste Tom Dalton an.

»Dann bleibt mir nicht viel Zeit, um McQuire zur Strecke zu bringen und seine Bande zum Teufel zu jagen. Bis nach Sunset City sind es über zweihundert Meilen. Ich nehme die nächste Postkutsche. An wen muß ich mich dort wenden?«

»Beauftragter der Atlantic Pacific ist Trevor Houston. Ich schicke ihm ein Telegramm, daß Sie in spätestens zwei Tagen in Sunset City ankommen werden. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihnen alles Glück dieser Welt zu wünschen. Es erwartet Sie ein harter Kampf. McQuire läßt sich so leicht nicht in die Knie zwingen.«

Tom Dalton stand auf und reichte US Marshal Burt Sullivan die Hand. »Achten Sie gut auf sich, Burt. Sie sind einer unserer besten und fähigsten Männer. Ich würde Sie nur ungern verlieren. Und denken Sie dabei an Larry Westbury und Rod Cammeron.«

Burt Sullivan lächelte hart. Er nahm den Stetson vom Schteibtisch und stülpte ihn auf die blonde Lockenpracht.

»Viel Feind – viel Ehr, Sir!« sagte er. »Ich werde mich schon meiner Haut zu wehren wissen.«

*

Peitschende Schüsse übertönten das Rumpeln und Ächzen der Postkutsche.

Die Pferde wieherten schrill, als der Kutscher hart in die Zügel griff und den Bremshebel hochriß.

Die vier Passagiere wurden hart durchgeschüttelt. Einer fluchte, weil er sich den Kopf angeschlagen hatte. Die Stage-Coach kam in einer riesigen Staubwolke zum Stehen.

Hufschlag erklang. Zwei Reiter jagten heran. Sie hatten Halstücher bis über die Nase gezogen und hielten Revolver in den Fäusten.

»Ein Überfall, Gents«, rief der Kutscher vom Bock. »Nicht weit von hier entfernt befindet sich ein weiterer Strolch. Er wird die Kutsche in Fetzen schießen, wenn wir etwas riskieren.«

Burt Sullivan nahm die Hand vom Revolvergriff. Er wußte, daß der Kutscher recht hatte. Der Halunke im Hinterhalt würde bestimmt sofort das Feuer eröffnen, würden seine Kumpane angegriffen werden.

Die drei anderen Passagiere zogen ängstliche Gesichter und schienen sich nicht sehr wohl in ihrer Haut zu fühlen. Einer tastete in die Innentasche seiner Jacke, zog eine Brieftasche hervor und schob sie unter den Sitz.

Die beiden maskierten Banditen ritten heran und zügelten die Pferde.

»Rauskommen!« befahl einer der Outlaws. »Vorwärts. Bleibt schön friedlich, sonst seid ihr schneller in der Hölle, als euch lieb sein mag!«

»Ruhe bewahren, Gentlemen«, riet Burt Sullivan den Mitreisenden. »Es bringt nichts, den Helden spielen zu wollen. Diese Kerle würden uns gnadenlos über den Haufen schießen.«

Der US Marshal, der sein Abzeichen nicht angesteckt hatte, kletterte ins Freie und blieb mit erhobenen Händen vor der Stage-Coach stehen. Die drei Passagiere folgten ihm. Eingeschüchtert starrten sie auf die beiden Outlaws, die von den Rücken ihrer Pferde sprangen.

Kutscher und Beifahrer hockten auf dem Bock und hatten ebenfalls die Hände in der Luft.

»Nun rückt eure Wertsachen heraus!« rief einer der Banditen. »Und wenn einer von euch zufällig sein Geld im Innern der Postkutsche vergessen haben sollte, dann rate ich ihm, es schnell zu holen. Ich sehe später nach. Wenn ich was finden werde, geht’s dem Besitzer an den Kragen.«

Der dickbäuchige Mann neben Burt Sullivan zuckte zusammen. Schweiß rann ihm über das bleiche Gesicht, und die Nasenflügel bebten vor Nervosität.

Burt griff langsam in die Jackentasche und zog seine Brieftasche hervor, die er den Banditen vor die Füße warf. Auch seine drei Leidensgefährten räumten ihre Taschen.

Der schwergewichtige Bursche neben dem Gesetzeshüter schnaufte schwer, obwohl er das Kunststück fertiggebracht hatte, eine weitere Brieftasche hervorzuholen.

»Ich sammle alles ein«, sagte einer der Kerle. »Bleibt weiter so friedlich und laßt die Pfoten von den Eisen!«

Aus einem nahen Gebüsch tauchte der dritte Postkutschenräuber auf und ritt langsam heran. Er hielt das Gewehr im Anschlag und hatte sein Gesicht ebenfalls zur Hälfte mit dem Halstuch bedeckt.

Burt Sullivans schlanker Körper straffte sich. Ein Funkeln trat in seine Augen.

Der Bandit vor ihm bückte sich, um Wertgegenstände und Brieftaschen aufzuheben.

Darauf hatte der US Marshal gewartet!

Sein rechter Fuß schnellte nach vorn und traf den Halunken hart am Kopf.

Der Outlaw brüllte auf, taumelte zurück und geriet vor die Revolvermündung des Komplizen.

Das hatte der Bundesmarshal eingeplant.

Er zauberte seinen Revolver aus dem Leder und schoß zuerst auf den Outlaw auf dem Pferd, der die Winchester in seine Richtung schwenkte.

Ehe der Kerl abdrücken konnte, stieß ihn Sullivans Kugel aus dem Sattel.

Das zweite Geschoß traf den Postkutschenräuber, der den abgeschlagenen Partner vorher hart zur Seite gestoßen hatte. Der Bandit taumelte zur Seite, schrie auf und drehte sich halb um die eigene Achse. Dann knickte er ein und fiel aufs Gesicht.

Der dritte Mann des Trios blieb gekrümmt stehen und wirkte sehr benommen. Der Tritt des Marshals war nicht von schlechten Eltern gewesen.

»Laß das Eisen fallen, sonst gibt’s Durchzug in deinem Schädel!« rief Burt.

Der Outlaw starrte Burt Sullivan entsetzt an. Anscheinend kapierte er nur langsam, daß der Überfall in die Hose gegangen war.

Dann ließ er den Colt fallen und hob die Hände in Schulterhöhe.

Die drei Mitreisenden atmeten auf.

Die beiden Kutscher sprangen vom Bock und nickten zufrieden.

»Mann, o Mann«, brummte der bärtige Driver anerkennend. »Gut gemacht, Mister. Du hast wie ein Tiger um seine Brut gekämpft. Ich kann’s noch immer nicht glauben.«

Er trat zu den beiden Banditen, die im Staub der alten Poststraße lagen, und untersuchte sie flüchtig.

»Sie sind tot«, ächzte er.

Er kniete sich nieder und zog den Toten die Halstücher vom Gesicht.

Dann nickte er.

»Die Mistkerle gehören zur Mc-Quire Bande. Einige dieser Strolche terrorisieren die Umgebung von Sunset City seit vielen Wochen. Es ist nicht ihr erster Postkutschenüberfall. Außerdem gehen einige Zugüberfälle auf ihr Konto. Die Bande soll sogar zwei Brücken der Bahngesellschaft in die Luft gesprengt haben. Endlich hat jemand es diesen Kerlen gezeigt.«

Burt Sullivan nickte nur, ersetzte die verschossenen Patronen in der Trommel des Revolvers und schob die Waffe ins Leder.

Die drei Mitreisenden bedanken sich bei ihm, während die beiden Kutscher die Toten auf das Dach der Stage Coach legten und dort festbanden. Der Gefangene wurde gefesselt und ins Innere der Kutsche verfrachtet.

Dann ging die Fahrt weiter.

*

»Das war ein großartiger Einstand, Marshal«, freute sich Trevor Houston, einer der Bosse der Atlantic Pacific Railway, und schüttelte Burt Sullivan kräftig die Hand. »Herzlich willkommen in Sunset City.«

»Danke für den freundlichen Empfang, Sir«, antwortete der US Marshal und setzte sich. »Ich hatte keine andere Wahl, als mich meiner Haut zu wehren. Niemand nimmt mir ungestraft auch nur einen Hosenknopf weg. Das war aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. McQuire wird den Verlust dieser drei Männer leicht verschmerzen. Wie ich hörte, soll er über zwanzig hartgesottene Banditen um sich versammelt haben.«

»Stimmt leider«, sagte der Bahnboß.

Er lächelte bitter. »Die Banditen haben sich in den vergangenen Tagen ruhig verhalten, warten anscheinend darauf, ob die Bahngesellschaft die hunderttausend Dollar zahlen wird. Ich nehme sogar an, daß diese drei Halunken auf eigene Faust gehandelt haben.«

»Werden Sie zahlen?«

»Ich habe noch eine Galgenfrist von sechs Tagen. Wenn Sie bis dahin die Bande nicht in die Knie gezwungen haben, bleibt mir nichts anderes übrig, als zu zahlen.«

»Es wird ein Faß ohne Boden werden«, meinte Burt Sullivan. »McQuire wird kurze Zeit später einen neuen Erpressungsversuch starten. Dieser Bursche scheint unersättlich zu sein. Ich will alles tun, um meinen Auftrag zur Zufriedenheit aller auszuführen.«

Der Bahnboß nickte.

»Ich bin davon überzeugt, daß Sie es schaffen werden, Marshal. Von Ihnen habe ich bereits eine Menge gehört. Sie sind wohl der richtige Mann für diesen harten Job.«

Der Bahnboß strich über das an den Schläfen ergraute Haar und nahm ein Blatt Papier vom Schreibtisch. Er gab es dem US Marshal.

»Das ist ein Steckbrief mit James McQuires Konterfei. Sehen Sie sich den Halunken gut an. Vielleicht läuft er Ihnen zufällig über den Weg. Dann wissen Sie gleich, mit wem Sie es zu tun haben.«

Burt Sullivan sah ein schmales Gesicht mit einer wuchtigen Nase. Eine Narbe zog sich über die rechte Stirnseite. Stechende Augen und aufeinandergepreßte Lippen paßten zum Bild des Banditenbosses.

»Danke für den Tip, Sir«, sagte Burt Sullivan. »Haben Sie einen Verdacht, welche Brücke die Bahnbanditen in die Luft sprengen wollen?«

Trevor Houston zuckte hilflos mit den Schultern.

»Es gibt mehrere große Brücken, die meist über den Little Colorado River führen. Zwei von ihnen werden rund um die Uhr von meinen Männern bewacht. Ich glaube aber nicht, daß die Jungs die Halunken aufhalten können, falls die angreifen. Eine der größten Brücken befindet sich zwanzig Meilen von hier. Sie ist sicher am meisten gefährdet. Ich beschreibe Ihnen den Weg, falls Sie sich dort einmal umsehen wollen, Marshal.«

»Gut, Mister Houston. Noch eine andere Frage. Wissen Sie, wo das Versteck der Bahnbanditen sein könnte?«

»James McQuire und seine Meute ziehen sich nach ihren Überfällen in ein verborgenes Camp in den Ausläufern der Mogollon Mountains zurück. Das Gebiet ist riesig. Bisher sind alle Nachforschungen gescheitert. Den Outlaws ist es immer wieder gelungen, ihre Fährten gut zu verwischen.«

Der US Marshal nickte bestätigend. »Ich muß irgendwie an die Kerle rankommen, sonst stehe ich auf verlorenem Posten. Die Hunde würden mich sonst nur als Zielscheibe benutzen. Gegen eine Kugel aus dem Hinterhalt bin auch ich machtlos.«

»Die Outlaws werden natürlich alles daran setzen, um Sie auszuschalten«, sagte Trevor Houston. »Der neue Sheriff von Sunset City ist Ihnen keine große Hilfe. Es ist ein noch junger Mann, der nicht viel riskiert und kaum die Stadt verläßt. Es war nicht leicht, einen Nachfolger für den Ermordeten zu finden.«

Burt Sullivan stand auf.