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Aaron erkennt, dass das Alpha-Dasein auch unschöne Seiten hat. Sobald er aus seinem Koma erwacht, muss er sich plötzlich mit politischen Intrigen und Rudel-Querelen auseinandersetzen, obwohl er feststellt, dass es noch einen viel wichtigeren Grund gibt, für den es sich zu leben lohnt. Dieser hat rote Haare, grüne Augen und ein umwerfendes Lächeln; außerdem hört er auf den Namen Mona. Für Aaron steht fest, dass er nicht nur neue Allianzen schmieden muss, es lohnt sich auch, an anderen Fronten zu kämpfen, damit sein Leben die wahre Erfüllung erfährt.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Copyright: © 2024 Sophia Beli
Eine Portion Liebe
Coverfoto:
© Coverhexe (Alannah Kottenstede) unter Verwendung von Motiven von Adobe Stock und Creative Fabrica
Korrektorat:
Veros Wa(h)re Worte – Veronika Schlotmann-Thiessen
Sophia Beli
c/o Sebastian Münch
Rechtsanwalt / Steuerberater
Großenbaumer Weg 8
40472 Düsseldorf
Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder eine andere Verwertung ist nachdrücklich nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Sämtliche Personen in diesem Text sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Danksagung
Die Dunkelheit war allumfassend, beinahe wohltuend und einnehmend. Ich fühlte mich gelassen wie lange nicht mehr. Wieso war das so? Ich wusste es nicht, aber es war auch gleichgültig. Die Hauptsache für mich lag darin, dass es sich nie änderte.
Hier war alles in Ordnung, mein Herz war leicht und ich liebte diesen Zustand der Unbeschwertheit. Er tat mir gut. Er war wie Balsam für meinen Körper, der geschunden von jahrelanger Arbeit einen Ort zum Ausruhen gefunden hatte.
Mein Wolf hatte sich ebenfalls am Grund meiner Seele eingerollt und hob träge den Kopf, ehe er die Luft durch die Nase ausstieß und ihn wieder auf den Vorderpfoten bettete.
Er war ebenso zufrieden mit unserem Dasein in dieser sanften Dunkelheit, die sich wie ein schwerer Mantel um uns gelegt hatte. Beruhigend und erdend. So gelassen war ich niemals zuvor gewesen.
Ein Schmunzeln legte sich auf meine Lippen, weil ich an unser Rudel dachte. Alle waren in Sicherheit, ich spürte ihre Liebe zu mir. Jeder Einzelne war in meiner Nähe, schenkte mir seine Kraft. Ihnen verdankte ich alles. Sie waren immer da, an meiner Seite und glaubten an mich.
Doch eine Stelle in mir fühlte sich nicht richtig an, rau und geschunden. Wie damals, als ich mir als Kind die Knie aufgeschlagen hatte. Nur waren es nicht die Knie, es war mein Herz. Wie konnte sich das kraftvolle Organ, das mich am Leben hielt, so angeschlagen anfühlen?
Das Seufzen, das mein Wolf ausstieß, war lang, ehe er die Augen schloss. Er hatte recht. Schlaf war gut, heilte. Ich tat es ihm gleich und driftete immer wieder weg, schwankte zwischen Lethargie und Vollkommenheit.
Irgendwann schreckte ich hoch, sah mich suchend um. In der Dunkelheit war es schwer, mich zu orientieren. Nichts gab es, woran ich die Zeit ausmachen konnte. Alles war so im Schatten verborgen wie zuvor. Kein Licht, kein Tageszyklus, nur ich und die Schwärze.
Etwas hatte mich geweckt, mein Wolf war aufgesprungen und hielt seine Nase auf den Grund. Er witterte eine Spur, folgte ihr. Doch der Geruch passte nicht hierher. Es roch nach warmer Milch mit Honig. Wie die herzliche Umarmung meiner Mama, wenn ich erkältet gewesen war. Allerdings lebte meine Mutter nicht mehr. War sie gekommen, um mich zu holen?
Nein, das glaubte ich nicht. Es fühlte sich nicht nach dem Tod an. Vielmehr nach einem Neuanfang. Aber lag er in der Dunkelheit verborgen oder musste ich sie verlassen, um diese Empfindung des Beginns zu genießen?
Die Schwärze ebenso wie die Ruhe, die diese mit sich brachte, war plötzlich nicht mehr so wohltuend wie kurz zuvor. Mit einem Mal wirkte meine Umgebung beängstigend und verschreckend. Irgendetwas verriet mir, dass ich mich daraus zu befreien hatte. Es war wie ein Sog, den ich hinter mir lassen musste. Als wäre ich in einen Strudel geraten, der mich unter Wasser zog. Die Luft wurde knapp, mein Herz raste. Immer wieder griff ich mir an den Hals und versuchte, erneut an den lebensnotwendigen Atem zu gelangen. Vergebens. Obwohl um mich herum sowieso eine undurchdringliche Dunkelheit herrschte, wusste ich, dass ich in eine andere Art der Schwärze hinabglitt. Der rasende Herzschlag wurde immer langsamer, bis er schließlich verstummte.
Etwas traf mich wie ein Faustschlag mitten auf die Brust. Ich schreckte hoch und rang nach Atem, riss die Augen auf und blinzelte kurz darauf gegen die Helligkeit, die sich schmerzhaft auf meine Netzhaut einbrannte.
»Alles ist gut, beruhige dich«, bat mich eine leise Stimme, die mir unbekannt war. Ich fühlte eine zarte Hand, die sanfte Kreise über meinen Rücken strich, sodass ich mich entspannter zurücklehnte. Da ich dadurch den Kontakt unterbrach, suchte ich blindlings nach Hautkontakt, er war mein Anker in der Realität. Sobald ich die Finger auf die warme Haut legte, beruhigte sich mein rasender Herzschlag weiter.
Ich atmete erneut durch, holte tief Luft und stockte.
Mein Wolf hatte sich in Lauerstellung gelegt, jeden Moment bereit, seine Beute mit einem Sprung zu erledigen.
Milch mit Honig, wie eine tröstende Umarmung. Das war keine Einbildung gewesen, nicht so wie die trügerische Dunkelheit. Nun roch ich auch andere Dinge: Desinfektionsmittel und Ciaras unverkennbare Note, die stets einen Hauch von Pfeffer mit sich brachte, lag kaum wahrnehmbar in der Luft. Sie war hier gewesen.
»Lass mich los, ich hole den Arzt.« Die Fremde berührte mich auffordernd an der Hand.
Das Knurren, das mir ohne Zurückhaltung aus der Kehle entsprang, war nur eine Warnung. Ich ließ nicht mit mir verhandeln, benötigte die Nähe, sie war mein Fixpunkt und hielt mich hier. Die Panik, dass ich mich wieder in der Dunkelheit verlor, saß mir im Nacken. Das bedrohliche Gefühl spürte ich noch am ganzen Körper.
»Schon gut.« Ein zärtliches Streicheln auf meinem Handrücken, daraufhin raschelte Stoff und ich spürte, wie meine Hand verdreht wurde. Vermutlich sollte ich nachschauen, was los war. Dabei sehnte ich mich einfach danach, die Ruhe zu genießen.
Ein weibliches Ächzen ertönte, rieselte über meinen Rücken wie eine Liebkosung.
Doch das Piepsen, das daraufhin ertönte, erklärte die Unruhe. Mir lief ein Schauer über den Körper. Jemand hatte den Alarmknopf auf einer Krankenstation betätigt. Jedes Mal, wenn ich diesen grellen Laut vernahm, hing ein Leben an einem seidenen Faden. Das bedeutete, dass ich auf der Krankenstation lag. War mein Leben in Gefahr und wer sorgte sich hier um mich?
Dieser Gedanke war Antrieb genug, weshalb ich all meine Kraft zusammennahm und neugierig die Lider hob. Dieses Mal war ich auf das grelle Tageslicht vorbereitet, blinzelte daher nur.
Grüne Augen betrachteten mich. Sie lagen in einem herzförmigen Gesicht, das von roten Haaren umrundet war. »Hey Aaron.«
Woher kannte sie mich? Meinem Wolf war es egal, er rang mit meinem Verstand, weil er hinauswollte, um sich ihr zu zeigen. Etwas hielt mich davon zurück.
»Wer … Wo …?«
Die Tür wurde aufgerissen, Matthew, unser Heiler, betrat mit großen Schritten den Raum. Er wirkte erstaunt, als er mich sah. »Willkommen zurück, mein Freund. Wir haben uns Sorgen gemacht.« Seine Stimme war sanft wie sein Wesen. Genauso hatte ich ihn in Erinnerung, doch eine Kleinigkeit hatte sich verändert. Niemals zuvor hatte ich die Angst in seinem Blick gesehen und sie zeitgleich durch unsere Verbindung gefühlt.
»Was ist passiert?« Meine Stimme klang rau, ich klammerte mich an die zierliche Hand und drückte sie fester.
Matthew leuchtete mir mit einer Lampe in die Augen, sodass ich zurückschreckte. »Du wärst beinahe ausgebrannt.«
Erinnerungsfetzen drangen zu mir, ich hatte mich und diese junge Alphaverbindung eindeutig überschätzt. Ich hatte meinem Körper zu viel zugemutet. Durch die frische Bindung als Alpha war mein Körper bereits strapaziert gewesen. Die Distanz, die ich mit der Reise in den Norden aufgebaut hatte, hatte ihm den Rest gegeben. Mein Organismus war damit überfordert gewesen, hätte beinahe die gesamte Energie in den Erhalt des frischen Alpha-Bands gelegt.
Mein Blick glitt von Matthew zu der Frau. Sie war mir fremd, obwohl sie mir auf gewisse Weise vertraut war. »Sam?«
Sie riss die Augen auf, ehe sie ihre Hand entschlossen aus meiner zog. »Nein, ich bin ihre Schwester. Mona.«
»Dieser jungen Dame hast du es zu verdanken, dass du noch bei uns bist.«
Überrascht sah ich sie an. »Wieso? Was hast du gemacht?«
»Etwas, das jeder getan hätte.«
Matthew kontrollierte den Blutdruck. Als er die Manschette löste, schüttelte er den Kopf. »Das stimmt nicht. Besonders, wenn man bedenkt, aus welchem Rudel du stammst.«
Ich verstand nichts von dem, was sie sagten. Die ganzen Worte verwirrten mich und meine Gedanken waren zu nebulös, um sie klar zu erkennen. »Du bist im DarKing-Rudel aufgewachsen.«
Sie nickte, deutete dann sofort mit dem Daumen hinter sich. »Ich lasse euch jetzt mal allein. Soll ich Ciara Bescheid geben?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Gerne«, erwiderte Matthew im gleichen Moment, als er mich tadelnd ansah. »Sie ist außer sich vor Sorgen.«
Als ich Mona zusah, wie sie zu der Tür ging, wollte ich meine Stimme erheben, damit die Fremde sich ein letztes Mal zu mir umdrehte. Nur einen Blick wünschte ich nochmals auf ihre faszinierenden Augen zu werfen. Als Matthew mir jedoch die Sicht auf die Tür versperrte, entspannte ich stöhnend alle Muskeln.
»Hast du Schmerzen?«
Im Herzen. Ich wollte nicht, dass sie Abstand zwischen uns brachte. Was merkwürdig war. Mona war eine Fremde für mich.
Doch es war unbestreitbar, meinem Wolf ging es ebenso. Er hatte sich abwartend auf den Grund meiner Seele gesetzt und seine Ohren zuckten, um Geräusche aufzufangen, die von ihr stammten.
Die Zeit dehnte sich, während ich Tränen trocknete und mehrfach versicherte, dass es mir gut ging. Immer mehr Rudelmitglieder kamen, um nach mir zu sehen. Sogar Jules grinste leicht, als er mir seine Pranke auf die Schulter legte und zudrückte.
Während ich mir vorkam, als befände ich mich in einem Traum, fragte ich mich, ob ich mir die Anwesenheit der rothaarigen Schönheit nur eingebildet hatte. Niemand sprach von ihr und ich verschwieg lieber, dass meine Gedanken um sie kreisten. Egal welche Unterhaltung ich führte, ich sah ihre Augen vor mir. Monas.
Mein Herz begann zu rasen und mein Wolf stellte sich auf, blickte wachsam zur Tür des Krankenzimmers.
Kam sie wieder zu mir? Warum war sie gegangen? Ich sehnte mich nach der fremden Nähe.
Milch und Honig.
Doch ich sagte nichts.
Wie auch? Alle würden mich für verrückt halten, schließlich war ich nicht der Typ, der hinter dem Rockzipfel einer Frau herrannte.
