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Jörg Klinger bietet eine kompakte, gut lesbare Einführung in die Geschichte einer der bedeutendsten Kulturen Vorderasiens. Er erläutert die Ursprünge hethitischer Sprache und Kultur, beschreibt den Aufstieg der Hethiter im 2.Jahrtausend v. Chr. unter ihren Herrschern Hattusili I. und Mursili I. und bietet einen Überblick über den Verlauf der hethitischen Geschichte. Dabei werden die Wesenszüge hethitischer Herrschaft, Gesellschaft, Wirtschaft sowie des Rechts und der Religion ebenso erhellt wie das Nachleben der Hethiter und die kulturellen Kontinuitäten.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Jörg Klinger
DIE HETHITER
C.H.Beck
Cover
Inhalt
Textbeginn
Titel
Inhalt
Karte: Das Hethiterreich
Karte: Stadtplan von Hattusa
1. Die Wiederentdeckung der hethitischen Kultur
1.1. Die Wiederentdeckung der Hethiter und ihrer Hauptstadt
1.2. Die naturräumlichen Bedingungen und die Ruine von Hattusa
1.3. Die Entschlüsselung der hethitischen Sprache
1.4. Das Hethitische und die Sprachwissenschaft
1.5. Die schriftlichen Quellen
2. Kleinasien bis zur Entstehung einer hethitischen Großmacht
2.1. Die erste Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.
2.2. Die Phase vor der Entstehung des hethitischen Großreiches
2.3. Die politische Situation in Vorderasien im 15. Jahrhundert v. Chr.
Der hurritische Staat von Mittani.
Die Entwicklung in Anatolien bis zu Suppiluliuma I.
Suppiluliuma I. und der Aufstieg zur Großmacht.
3. Aspekte der hethitischen Kultur
3.1. Königtum und Herrschaft
3.2. Literatur
3.3. Götterwelt und Kult
3.4. Gesellschaft und soziale Strukturen
3.5. Wirtschaft und landwirtschaftliche Produktion
4. Von der Weltmacht zum Ende der hethitischen Geschichte
4.1. Herrschaftssicherung und Großmachtpolitik (ca. 1320–1270)
Mursili II.
Muwatalli II.
4.2. Außenpolitische Erfolge und innenpolitische Krise (ca. 1270–1240)
Mursili III.
Hattusili III.
4.3. Vor dem Zusammenbruch (ca. 1240–1190)
Tuthalija IV. und Kurunta.
Suppiluliuma II. und die Katastrophe.
5. Spätphase und Nachwirkungen
Literaturhinweise
Bildnachweis
Königslisten und Chronologie
Von den Anfängen bis zum Beginn der Großreichszeit
Vom Beginn der Großreichszeit bis zum hethitischen Untergang
Register
Zum Buch
Vita
Impressum
Im Unterschied zu anderen großen Kulturen der vorgriechischen Antike wie jener der Ägypter oder auch der Assyrer war die der Hethiter weitestgehend aus dem historischen Bewusstsein der Nachwelt verschwunden. So schrieb Herodot, von dem die erste Beschreibung des Felsreliefs am Karabel stammt, dieses Relief dem ägyptischen Pharao Sesostris (III.) (1872–1852 v. Chr.) zu. Dabei zeigt es, ganz in hethitischer Tradition gehalten, mit Tarkasnawa von Mira einen Vasallen eines hethitischen Großkönigs aus dem 14./13. Jahrhundert v. Chr. Als die Darstellung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von dem französischen Reisenden Charles Texier wiederentdeckt wurde, teilten die zeitgenössischen Ägyptologen nach wie vor die Meinung Herodots.
Lediglich die Bibel bewahrte einige wenige, allerdings kaum aussagekräftige Erinnerungen an die hethitische Kultur. David lässt Urias, den Hethiter, töten, aber einer seiner Krieger war selbst Hethiter, und mit den «Hethitern» des späthethitisch-luwischen Fürstentums Hamat war David verbündet. Aber alle diese «Hethiter» der Bibel waren nicht Angehörige der Kultur, an die wir heute zuerst denken, wenn wir den Begriff Hethiter hören, die zunächst die Geschichte Zentralanatoliens, dann die des größten Teils Kleinasiens bis in die Anfänge des 12. vorchristlichen Jahrhunderts hinein prägte. Die biblischen Hethiter waren vielmehr Vertreter der späthethitisch-luwischen Kultur Nordsyriens des 1. Jahrtausends, gewissermaßen die Erben des hethitischen Großreiches, auf die unsere heutige Bezeichnung «Hethiter» oder «hethitisch» durch Luthers Übersetzung zurückgeht, da sie in den Völkerlisten der Bibel knapp zwei Dutzend Mal genannt sind. Die Hethiter selbst sprachen in ihren Texten nur vom KURURUḪATTI dem «Land HATTI», womit das Land um die Stadt Hattusa gemeint war. Eine Volksbezeichnung im eigentlichen Sinne existierte nicht; «Hethiter» war, wer Untertan des Königs in Hattusa war. Und die eigene Sprache bezeichneten die Hethiter mit einem vom Namen der alten Metropole des altassyrischen Handels Kanes (bei der heutigen türkischen Stadt Kültepe gelegen), das auch Nesa hieß, abgeleiteten Adverb, das in Hethitisch nesili, d.h. also «(ka)nesisch» lautete.
Als sich im Laufe des 19. Jahrhunderts im Zuge des wachsenden Interesses an Geschichte und Kultur des Vorderen Orients und Ägyptens die Aufmerksamkeit zunehmend dem Bereich des östlichen Mittelmeers zuwandte, waren es zuerst die materiellen Hinterlassenschaften der späthethitischen Staaten Nord- und Mittelsyriens, die Aufmerksamkeit hervorriefen. Nichts lag näher, als diese Fundstücke wie Stelen, Reliefs, Tierdarstellungen usw., die teilweise mit unentzifferbaren Schriftzeichen bedeckt waren, mit den in der Bibel erwähnten Hethitern in Verbindung zu bringen, die ja die nördlichen Nachbarn Kanaans sein sollten.
Zeitlich parallel zu den Versuchen, die Keilschrift und die ägyptischen Hieroglyphen zu entschlüsseln, wurden im Jahre 1812 durch den Schweizer Johann L. Burckhardt in Westeuropa auch die ersten «hethitischen» Hieroglypheninschriften bekannt, die man nach ihrem Fundort als «Hama-Steine» bezeichnete. Schon damals registrierte man allerdings ganz richtig, dass diese Schrift nichts mit den Schriftzeichen der altägyptischen Inschriften zu tun hatte. Als in den Jahrzehnten nach 1850 die ägyptischen und auch die mesopotamischen Quellen immer intensiver ausgewertet werden konnten, entstand allmählich das Bild einer «hethitischen» Großmacht, die als ebenbürtiger Gegner der vorderasiatischen Großmächte des 2. Jahrtausends gelten musste und deren Zentrum man aufgrund des damaligen Wissensstandes nach wie vor im syrischen Raum vermutete.
Unklar blieb deshalb lange die Beziehung dieser hethitischen Großmacht mit unbekanntem Zentrum zu den Entdeckungen, die verschiedene Forschungsreisende in Kleinasien gemacht hatten. Im Sommer 1834 hatte der im offiziellen Auftrag tätige französische Architekt Charles Texier auf der anatolischen Hochebene die antiken Ruinen einer Stadt von beträchtlicher Größe wiederentdeckt, die er freilich noch für die Reste des von Herodot beschriebenen Pteria hielt. Die Veröffentlichungen Texiers erregten in Europa große Aufmerksamkeit, und so wurden zunehmend auch Zentral- und Ostanatolien auf der Suche nach Resten antiker Kulturen zu Reisezielen verschiedener Forscher und Abenteurer. Zeichnungen der teilweise monumentalen Gebäudeüberreste, die Reliefs eines benachbarten Felsheiligtums und ein erster Plan der Ruinenstadt, den Texier erstellt hatte, sowie vor allem die ersten Photographien fokussierten das immer größere Interesse auf diesen bedeutenden Fundplatz bei dem türkischen Dorf Boğazköy, heute Boğazkale. Das Hauptaugenmerk der archäologischen Forschung in Frankreich lag aber, trotz dieser vielversprechenden Funde, nicht auf Kleinasien, sondern vielmehr auf dem mesopotamischen Raum, wo seit der Mitte des 19. Jahrhunderts französische Konsularbeamte schließlich aktiv werden konnten und mit Ausgrabungen begannen. Mit dem wachsenden wirtschaftlichen Engagement des deutschen Kaiserreiches auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches, vor allem im Bereich der Rüstung und des Eisenbahnbaus, bot sich Anatolien als Feld für eine kulturelle Zusammenarbeit für die deutsche Seite geradezu an, zumal die alten Kolonialmächte in den anderen Regionen des Vorderen Orients in dieser Hinsicht einen großen Vorsprung hatten. Doch nicht nur in Berlin richtete sich das Interesse besonders auf die Ruinen von Boğazköy, auch in London war man aufmerksam geworden. Archibald H. Sayce, ein britischer Archäologe, der sich besonders mit den nordsyrischen Funden beschäftigt hatte, verfocht die These, dass zwischen diesen «hethitischen» Hinterlassenschaften und den Funden in Kleinasien eine Verbindung bestehen musste. Im Jahre 1882 hatte der deutsche Gelehrte Carl Humann, der eigentlich im Auftrag des bedeutenden Altertumswissenschaftlers Theodor Mommsen das Monumentum Ancyranum dokumentieren sollte, auf dem Kaiser Augustus (27 v. Chr.–14 n. Chr.) bis 10 n. Chr. seinen Tatenbericht hinterlassen hatte, auch einen Abstecher nach Boğazköy unternommen. Bei dieser Gelegenheit fertigte er, auf eine Anregung des englischen Archäologen William M. Ramsays hin, Gipsabgüsse der hethitischen Reliefs von Yazılıkaya an, die wiederum in Berlin große Aufmerksamkeit erregten. Und so entstand in beiden Ländern parallel der Plan, Ausgrabungen an diesem Ort durchzuführen, doch zunächst gelang aus den verschiedensten Gründen keiner Seite, dies auch in die Tat umzusetzen.
In der Zwischenzeit wurden immer mehr Ruinen und vor allem Felsreliefs in Kleinasien entdeckt und publiziert, so dass schließlich in den Jahren 1893/4 wiederum von französischer Seite durch Ernest Chantre, der auch in Alaca Höyük und Kültepe tätig war, erste Versuchsgrabungen an den zentralen Punkten der Stadtruine von Boğazköy wie dem Bereich des Großen Tempels oder des Burgberges Büyükkale unternommen wurden. Dabei stieß er auf die ersten Tontafelfragmente, doch noch immer galt es als wahrscheinlicher, dass etwa das am Euphrat in Nordsyrien gelegene Karkemisch die Hauptstadt eines Hethiterreiches gewesen sein mochte, als die rätselhafte Stadtruine in Anatolien. In Frankreich sah man zudem den wachsenden Einfluss Deutschlands, das die Konzessionen für den Bau einer Eisenbahn in Anatolien erhalten hatte, mit großer Skepsis. So unterstützten offizielle französische Stellen die archäologischen Unternehmungen zunächst mit namhaften Finanzmitteln, doch schon die zweite Expedition musste Chantre dann zum größten Teil privat finanzieren. Durch einige unbedachte Äußerungen – so klagte er über die bürokratischen Hemmnisse, die seine Arbeit unnötig verzögern würden – kam es aufgrund dieser Vorwürfe zu einer Verstimmung auf türkischer Seite, so dass man in Frankreich zu dem Entschluss gelangte, die anatolischen Unternehmungen lieber nicht weiterzuverfolgen, um andere auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches nicht dadurch zu gefährden.
Um 1900 waren Keilschrifttafeln für einen geübten Philologen in der Regel lesbar, Chantres Boğazköy-Texte entzogen sich jedoch dem Verständnis, da sie zwar lesbar, aber in einer bisher völlig unbekannten Sprache abgefasst waren. Noch einige Jahre vor den Funden Chantres waren bei den Ausgrabungen im ägyptischen Tell el-Amarna (vgl. S. 50) im Jahr 1887 unter den zahlreichen Briefen aus den Resten eines diplomatischen Archives u.a. auch zwei Briefe entdeckt worden, die ebenso unverständlich waren, da sie nicht in akkadischer Sprache abgefasst waren, wie es im diplomatischen Verkehr des 2. Jahrtausends v. Chr. eigentlich üblich war. Den Berliner Keilschriftforscher Hugo Winckler ließ der Gedanke nicht los, dass zwischen dem Absender dieser Briefe, die man in Ägypten gefunden hatte, dem König eines Landes Arzawa (damals noch Arsapi gelesen), das man in Kleinasien vermutete, und den Keilschrifttafeln, die Chantre entdeckt hatte, ein Zusammenhang bestehen musste. Er suchte im Jahre 1905 die Unterstützung des Direktors des Archäologischen Museums in Istanbul, Osman Hamdi Bey, und des Kurators des Museums, Theodor Makridi Bey, um nach Boğazköy reisen zu können, wo er die Hauptstadt des Königs von Arzawa vermutete. Zur gleichen Zeit hielt sich A. H. Sayce ebenfalls in Istanbul, damals noch Konstantinopel, auf und versuchte von dort aus, in England die finanziellen Mittel zur Umsetzung seiner Ausgrabungspläne in Boğazköy aufzubringen, benötigte aber zuerst von den türkischen Stellen eine offizielle Genehmigung. Lange war man der Meinung, dass zunächst nach mühevollen Verhandlungen das Archäologische Institut der Universität Liverpool, das von dem bedeutenden englischen Gelehrten John Garstang geleitet wurde, auf den diese Darstellung zurückgeht, im Jahre 1905 die Erlaubnis für eine Ausgrabung in Boğazköy erhalten habe. Kurz darauf sei aber auf eine direkte Intervention des Sultans hin die bereits schriftlich erteilte Genehmigung widerrufen und stattdessen der deutschen Seite zugeteilt worden. Neueste Archivforschungen, sowohl im Auswärtigen Amt in London wie in der Universität Liverpool, liefern aber keinerlei Belege für diese Version.
Im Herbst desselben Jahres war dann tatsächlich Hugo Winckler in Konstantinopel erfolgreich und reiste von dort aus mit Theodor Makridi Bey, dem Vertreter des Ottomanischen Museums, für einige Tage nach Boğazköy. Er hatte etwas mehr Glück als seine Vorgänger, denn unter den Tontafeln, die er in den Ruinen aufsammeln konnte, fanden sich einige wenige Exemplare in akkadischer Sprache, die unschwer als Teile der diplomatischen Korrespondenz eines Großkönigs zu erkennen waren. Daraufhin erreichte er es, eine Vereinbarung mit den türkischen Behörden zu schließen, die die Aufnahme der Arbeit in Boğazköy ermöglichte, deren Leitung vor Ort Th. Makridi Bey selbst übernehmen sollte. Damit konnten die Untersuchungen der Ruinen beginnen, was man freilich in England mit einiger Verärgerung zur Kenntnis nahm; auch die Versuche Garstangs in den Jahren 1908 und 1911, doch noch eine Grabungslizenz zu erhalten, sollten scheitern.
Hugo Winckler aber kehrte schon 1906 wieder nach Boğazköy zurück, diesmal auf einen längeren Aufenthalt und eine gründlichere Untersuchung des Platzes vorbereitet. Doch obwohl Winckler nicht das fand, was er eigentlich gesucht hatte, nämlich die Hauptstadt von Arzawa, war er von fast unglaublichem Glück begünstigt. Nicht nur stieg die Zahl der Tontafeln und Tontafelfragmente binnen kurzer Zeit auf über 2500 an, die allein in der ersten Kampagne im Jahre 1906, dem eigentlichen Beginn der Ausgrabungen, gefunden wurden, sondern unter den vielen Texten, die zu diesem Zeitpunkt noch völlig unverständlich waren, entdeckte er einige ganz besondere Tontafeln, davon eine, deren Inhalt ihm sogar bereits bekannt war. Es handelte sich um ein Fragment des Friedensvertrages zwischen Ramses II. von Ägypten und dem hethitischen Großkönig Hattusili III. von Hatti, der in seiner ägyptischsprachigen Fassung jedem Altorientalisten bestens vertraut war. Damit aber konnte es kaum mehr einen Zweifel geben, dass die Ruinen von Boğazköy mit der hethitischen Hauptstadt Hattusa identisch waren, dem Zentrum des hethitischen Großreiches, das man lange in Nordsyrien, aber nicht im Norden der anatolischen Hochebene, rund 200 km von der heutigen Hauptstadt der Türkei, Ankara, entfernt, gesucht hatte. Winckler und Makridi setzten ihre von der Deutschen Orientgesellschaft finanzierten Ausgrabungen auch 1907 fort, gleichzeitig arbeitete ein Team des Deutschen Archäologischen Instituts unter Otto Puchstein vor Ort; weitere Kampagnen folgten in den Jahren 1911/12. Durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, konnten die Arbeiten erst 1931 wieder aufgenommen werden, bis sie 1939 neuerlich kriegsbedingt stoppten, bevor dann ab 1951 die Grabungen unter der Leitung des Deutschen Archäologischen Instituts bis heute fortgesetzt werden konnten. Damit ist es eines der ertragreichsten Ausgrabungsprojekte im Bereich der altorientalischen Kulturen.
Die Gegend, in der sich die Ruinen der alten hethitischen Hauptstadt befinden, weist heute ein Klima auf, das durch sehr heiße und trockene Sommer geprägt ist und im Winter sehr kalt sein kann, so dass Schnee keine Seltenheit darstellt. Die Landschaft ist steppenartig, und der wenige Wald in unmittelbarer Nachbarschaft verdankt sich rezenten Aufforstungsbemühungen. Vor vier bis fünf Jahrtausenden war dies nachweislich ganz anders; damals wies die Landschaft eine viel reichere Vegetation auf, ausgedehnte Wälder bedeckten die Höhen, und für Ackerbau und Viehzucht herrschten gute Voraussetzungen, so dass auch größere Menschenansammlungen die Möglichkeit hatten, sich zu ernähren.
Weitaus bedeutender jedoch als die spätere Hethiterhauptstadt war zunächst in der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends, d.h. in der anatolischen mittleren Bronzezeit, das nur rund 25 km entfernt gelegene Alaca Höyük, das der Engländer William J. Hamilton im Jahre 1837 wiederentdeckte. Die reich mit den verschiedensten Metallgegenständen ausgestatteten Steinkistengräber der lokalen Fürsten, die in die Zeit von ca. 2200 bis 2000 v. Chr. datiert werden können, belegen den kulturellen Aufschwung der gesamten Region. Im Museum der Provinzhauptstadt Çorum finden sich heute eindrucksvolle Nachbildungen der Grabanlagen. Auf den Abdeckungen der Gräber lagen Stierköpfe, Hunde waren direkt neben den Menschen bestattet. Für die Beigaben wurden überwiegend Gold, Silber, Kupfer und Bronze, ganz selten Eisen verwendet, aus denen tiergestaltige – meist Stier- oder Hirschfiguren – Standartenaufsätze geformt wurden oder aus geometrischen Formen gebildete Scheiben oder Bögen, an denen Anhänger befestigt waren. Ein Prunkstück der Bronzefunde aus Alaca Höyük stellt einen von Stieren flankierten Hirsch unter einem Bogen dar. Selten sind dagegen menschengestaltige Darstellungen. Vergleichbare Funde sind auch aus den Ausgrabungen von Horoztepe, Eskiyapar oder Mahmatlar bekannt.
