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Ihr Freund liegt in der Vergangenheit, ein neues Leben in einer anderen Stadt vor ihr. Unterwegs entdeckt sie einen verlassenen Bauernhof, wo sich ein paar Typen mit Motorrädern einquartiert haben. Anscheinend kann sie dort eine Weile wohnen - doch das hat einen hohen Preis.
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Seitenzahl: 37
Veröffentlichungsjahr: 2022
Ihr Freund liegt in der Vergangenheit, ein neues Leben in einer anderen Stadt vor ihr. Unterwegs entdeckt sie einen verlassenen Bauernhof, wo sich ein paar Typen mit Motorrädern einquartiert haben. Anscheinend kann sie dort eine Weile wohnen – doch das hat einen hohen Preis.
Lilly blieb am Ende des schmalen Gehweges stehen und blickte auf den rissigen Asphalt. Vielleicht ging es auf dieser Straße weiter, die sich locker zwei Kilometer einen Berghang hinaufzog. Die lag schon fast in der Abenddämmerung, und dort vorne schien wegen einer Baustelle eine komplette Straßensperre zu sein. Sie hätte in dem Bahnhof fragen sollen, wo auch wegen Bauarbeiten vorzeitig Endstation gewesen war. Sie hätte … aber sie hatte gar nichts, und jetzt stand sie allein hier.
Vielleicht gab es hier wenigstens einen Gasthof, aber hier in der Nähe sah sie nur eine Lagerhalle, oder was immer das war. Die großen Buchstaben an der Fassade waren von der Sonne ausgebleicht und kaum noch zu lesen, das große Tor stand zur Hälfte offen und die Farbe blätterte ab. Vielleicht gab es dort Wasser, dann konnte sie auch gleich ihr T-Shirt auswaschen. Es war ziemlich abgerissen, aber ihr Ex-Freund hatte ihr kaum Zeit gelassen, andere Sachen zu suchen. Nur diese kurze Hose, die ebenfalls recht abgerissen war, gefiel ihr. Er hatte immer nur herumgenörgelt, wie sie herumlief.
Ein dumpfes Geräusch schreckte sie auf, anscheinend kam es von dieser Bergkuppe. Arbeitete doch jemand auf der Baustelle, oder zog ein Gewitter auf? Sie musste weiter in diese Richtung, da sollte doch eine Bushaltestelle oder so sein. Aber vor ihr erstreckten sich nur weite Felder links und rechts. Lilly ging weiter und trug den Rucksack nur noch auf einer Seite, weil die andere Schulter schon zu verspannt war. Sie stellte sich vor, dass ihr die jemand massieren konnte, am besten auch ihren Nacken und seinen Rücken. Ihr Freund hatte das nie machen wollen.
Sie lachte, um gleich wieder tief Luft zu holen. Irgendwas ließ sie husten, und sie nahm sich etwas für diesen Abend vor, falls sie wenigstens eine anständige Unterkunft fand. Wo wollte sie überhaupt in einer anderen Stadt wohnen, wenn es nicht einmal auf der Durchreise klappte? Schon am letzten Abend hatte sie Lust gehabt, wenn es sonst schon niemand machte. Aber sie war viel zu müde gewesen und hatte trotzdem kaum schlafen können. Sie blickte in die Halle, legte ihre Hände auf das kühle Metall und versuchte das Tor weiter aufzuschieben. Natürlich bewegte sich da nichts, und natürlich funktionierte auch der Lichtschalter hier drin nicht.
Ihre Augen passten sich immer mehr an das Halbdunkel an, und ein paar Reihen mit mehrere Meter hohen Regalen zeichneten sich vor ihr ab. Eines war umgefallen, und ein paar Bauteile und aufgerissene Verpackungen lagen auf dem Boden herum. Gleich hier war ein Tisch – oh, und das waren ein paar Getränke. Niemand war hier und sie hörte auch nichts. Dann nahm sie einmal einen Schluck – und sprühte ihn gleich wieder über den Boden. Sie entdeckte noch ein paar Flaschen Wasser, in dem anscheinend noch keine Algen wuchsen. Mit einer davon ging sie hinaus und ja, das sah noch gut aus und war sogar halbwegs kühl.
Schwüle Hitze stand in dem hohen Raum, in den von irgendwo Licht drang. Das Dach schien intakt zu sein, und vielleicht gab es am anderen Ende noch einen Eingang. Metallteile lagen auf dem Boden, die wohl nur noch Schrott waren. Das hier … war geschmolzenes Eis in einer kaputten Kühltruhe, toll. Wieder ließ sie ein dumpfes Geräusch von irgendwo da draußen zusammenzucken.
Der Lichtschein wurde heller … und da waren ein paar Quadratmeter des Daches eingebrochen. Da war eine Zwischenwand, daneben lag eine Campingmatte auf dem Boden und ein paar Sachen daneben. Vielleicht hatte das jemand gerade erst aufgebaut und war gestört worden. In der Matte war sogar noch Luft drin, und sie drückte sich nicht bis zum Boden durch, als sich Lilly nur so einmal drauflegte. Eine Tür, viel kleiner als dieses Tor aus Metall, stand zur Hälfte offen. Auf dieser Seite führte ein gerade so erkennbarer Feldweg zu einem Waldstück, und die Sonne schimmerte durch, bevor die Wolken wieder zuzogen.
