3,99 €
Madain, die einzige Tochter des Pharaos, begeistert ihre Familie von Kindheit an mit ihrer liebenswerten Art. Sie ist aber auch sehr empfindsam und gerät häufig in Krisen. Als ihr die Zwillingsbrüder einen üblen Streich spielen, weiß sie sich nicht anders zu helfen, als mit ihrem ältesten Bruder Dedumose fortzulaufen. Da sich Madain von der keltischen Heimat ihrer Mutter magisch angezogen fühlt, gehen die beiden an Bord eines Schiffs, das sie in den Norden bringt. Dort müssen sie sich großen Herausforderungen stellen und kehren ein Jahr später völlig verändert nach Ägypten zurück. Zuvor fühlten sie sich innig verbunden, doch die Erlebnisse Madains mit einem Nordmann haben sie entzweit. Die ganze Familie leidet unter ihrem Zerwürfnis und hofft, dass es irgendwann zu einer Versöhnung kommt. Aber wie kann das gelingen?
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 570
Veröffentlichungsjahr: 2024
Selma Nemo
Madain, die einzige Tochter des Pharaos, begeistert ihre Familie von Kindheit an mit ihrer liebenswerten Art. Sie ist aber auch sehr empfindsam und gerät häufig in Krisen. Als ihr die Zwillingsbrüder einen üblen Streich spielen, weiß sie sich nicht anders zu helfen, als mit ihrem ältesten Bruder Dedumose fortzulaufen. Da sich Madain von der keltischen Heimat ihrer Mutter magisch angezogen fühlt, gehen die beiden an Bord eines Schiffs, das sie in den Norden bringt. Dort müssen sie sich großen Herausforderungen stellen und kehren ein Jahr später völlig verändert nach Ägypten zurück. Zuvor fühlten sie sich innig verbunden, doch die Erlebnisse Madains mit einem Nordmann haben sie entzweit. Die ganze Familie leidet unter ihrem Zerwürfnis und hofft, dass es irgendwann zu einer Versöhnung kommt. Aber wie kann das gelingen?
Dies ist der zweite Teil der Pharaonen-Familiensaga von Selma Nemo. Der erste Teil trägt den Titel »Die Keltin und der Pharao«.
Copyright © 2024 by Selma Nemo
c/o autorenglück.de
Franz-Mehring-Str. 15
01237 Dresden
Lektorat: Susanne Rauchhaus
Cover: Ria Raven, www.riaraven.de
Verwendete Grafiken: @shutterstock: 2447657867 Shutterstock.AI, 157227299 Fedor Selivanov, 2257942641 Jade ThaiCatwalk, 1734081989 Philip Majevsky
All rights reserved.
No part of this book may be reproduced in any form or by any electronic or mechanical means, including information storage and retrieval systems, without written permission from the author, except for the use of brief quotations in a book review.
Erstellt mit Vellum
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
Nachwort
Danksagung
Selma Nemo
Die Keltin und der Pharao
Immer nach dem Mittagessen, wenn es still wurde im Palast, schlich der älteste Sohn des Pharaos in den Garten. Zuerst wandte er sich nach rechts zum Laubengang, der an das Ufer des Nils führte und voller Weinranken hing. Dieser Teil wurde sorgfältig gepflegt, weil er das Erste war, was Besucher von dem weitläufigen Areal zu sehen bekamen. Sobald die Ankömmlinge von den Leibwächtern seines Vaters kontrolliert worden waren und das große Eingangstor hinter sich ließen, verharrten sie für gewöhnlich staunend angesichts der Blumenpracht zu beiden Seiten. Doch Dedumose hatte keinen Blick dafür, denn er war auf der Suche nach seiner Schwester.
Zielstrebig wandte er sich dem mittleren Garten und dem Teich zu, auf dem duftende Lotusblüten schaukelten. Zwischen hohen Palmen, Akazien und Sykomoren sah er linkerhand die lehmfarbenen Mauern des Palasts. Als sein Blick über die Fenster seines Arbeitszimmers schweifte, seufzte er. Dort warteten so viele ungelesene Schriftrollen auf ihn, dass er bis zum Abend damit beschäftigt sein würde.
Doch diese eine Stunde, in der er sich davonstahl, war ihm heilig, und lieber arbeitete er bis zum Abend, als dass er auf ein Treffen mit seiner Schwester Madain verzichtet hätte. Doch wo steckte sie? Gestern hatte er sie in der Nähe des Teichs gefunden, ziemlich gut verborgen hinter einem Granatapfelbaum. Nachdem er hier alles durchstöbert hatte, wandte er sich dem hinteren Garten zu, der zum größten Teil wild vor sich hin wucherte. Hier würde Madain am schwersten zu finden sein. Warum tat sie ihm das an? Mit einem Blick auf die Sonnenuhr hätte sie erkennen müssen, dass er nicht mehr viel Zeit hatte.
Endlich sah er etwas Weißes hinter einem blühenden Strauch aufblitzen. Sofort duckte er sich und schlich in einem Bogen um zwei Akazien herum. Das Weiß entpuppte sich als Leinenkleid, und er lächelte, weil Madain diese Farbe gewählt hatte. Sie verriet selbst das beste Versteck. Lautlos pirschte er sich an. Jetzt sah er sie von hinten, ihre langen schwarzen Locken, die bis zu den Hüften reichten. Noch ein Schritt, dann griff er nach ihren Händen und brachte sie dazu, sich hinzusetzen.
Als sie sein Gesicht über sich sah, lachte sie: »Ich ergebe mich, großer Bruder!«
Jetzt mussten beide grinsen, denn dieser Satz war Bestandteil ihres Spiels. Madain war für ihre dreizehn Jahre immer noch ausgesprochen zierlich. Ihr kleines, ovales Gesicht wurde von großen, dunklen Augen beherrscht, einer schmalen Nase und einem Mund, der immer verriet, was sie gerade dachte oder fühlte, jetzt gerade diebische Freude.
Dedumose war erheblich größer und besaß aufgrund täglicher Waffenübungen einen athletischen Körper. Er trug die schwarzen Haare kurz und hatte ein recht markantes Gesicht, das nicht so weich war wie Madains und trotzdem ihrem so ähnlich, dass jeder sie sofort als Geschwister erkannte.
Nun, da er vor ihr kniete, hielt er mit einer Hand sein Pektoral fest, damit es nicht gegen ihr Kinn schlug. Genau das war vor ein paar Monaten geschehen und hatte ihr eine Narbe verpasst, die man heute noch sah. Auf der Vorderseite des quadratischen Schmuckstücks aus Gold und Lapislazuli waren die beiden Götter Osiris und Isis abgebildet. Das Gegengewicht des Pektorals hing auf seinem Rücken und stellte ein Horus-Auge dar.
»Wie lautet die erste Regel?«, erkundigte er sich streng.
Sie fing an zu kichern und kämpfte darum, die richtigen Worte zu finden. Schließlich erklärte sie tapfer: »Ich darf dich nicht ärgern.«
Er grunzte zustimmend und hakte nach: »Was noch?«
Wieder rang sie um die richtige Antwort. »Du hast immer recht.«
»Und weiter?«
»Du kriegst die Hälfte von meinem Nachtisch.«
Jetzt musste er lachen: »Wieso klaust du mir dann jedes Mal meinen Honigkuchen?«
Und in dem Augenblick, da er seinen Griff um ihr Handgelenk lockerte, schlüpfte sie geschickt unter seinem Arm hindurch und setzte sich ein Stück entfernt an einen Baumstamm. Dann begann sie mit ernster Miene von ihrem Lehrer zu erzählen, der sie mit seiner Pedanterie in den Wahnsinn trieb, was ihr den Unterricht zutiefst verleidete.
Dedumose schaute sie mitleidig an. Er konnte sich erinnern, dass es ihm in ihrem Alter ähnlich ergangen war. Doch rückblickend betrachtet, fragte er sich, was mühseliger war, lesen und schreiben zu lernen, Mathematik, Geschichte und Götterkunde – oder das, was ihm als siebzehnjährigem Thronfolger täglich blühte: Steuerlisten zu vergleichen, Kornspeicher zu kontrollieren und sich mit Beschwerdebriefen herumzuplagen.
Jetzt streckte er eine Hand aus, hob ihr Kinn, damit sie ihm in die Augen sehen musste und fragte sanft: »Du kannst doch sonst jeden um den kleinen Finger wickeln, warum gelingt dir das nicht bei ihm?«
Heftig erwiderte sie: »Er ist furchtbar kleinlich und lässt mich alle Übungen zehnmal wiederholen!«
Dedumose wusste, dass sie übertrieb. Sie ärgerte sich vor allem darüber, dass sie gleich zwei Schriften lernen musste, die der Hieroglyphen und eine vereinfachte, die im Alltag zum Briefeschreiben diente. Aber weil er sie liebte, bot er an: »Soll ich mal mit Mutter reden? Vielleicht hat sie ein paar Aufgaben für dich, die aus irgendeinem triftigen Grund am Vormittag erledigt werden müssen.«
»Oh ja, Dedu!«, lachte sie und fing an, sein Gesicht mit lauter kleinen Küssen zu bedecken.
Das genoss er und hätte ihre Küsse am liebsten erwidert, getraute sich aber nicht, denn es gab eine Sache zwischen ihm und seiner Schwester, die wunderbar und schrecklich zugleich war. Er erinnerte sich an den Tag ihrer Geburt, als wäre es gestern gewesen. Etwas Großes und Mächtiges war mit ihm, dem damals Vierjährigen geschehen, denn er wusste so sicher wie die Sonne im Osten aufging, dass er Madain seit tausend Jahren kannte. Ein paar Tage nach ihrer Geburt hatte sein Vater ihn zu sich gebeten und ihm erklärt, dass dies einerseits ein wunderschönes Erlebnis wäre und ein Versprechen auf eine gemeinsame Zukunft mit Madain. Doch dann kamen Anweisungen, die ihn bis heute schmerzten.
»Nur du, deine Mutter und ich wissen, dass dir Madain bestimmt ist. Deinen Brüdern werden wir kein Wort verraten. Nicht einmal deiner Urgroßmutter oder den Priestern will ich davon berichten. Und jetzt schwöre mir, Dedumose, dass auch du niemandem davon erzählst, vor allem nicht Madain. Sie muss selbst entscheiden, ob dein Wunsch in Erfüllung geht. Du weißt, dass in den Herrscherfamilien eine Heirat zwischen Bruder und Schwester möglich ist. Aber lass dir jetzt gesagt sein, dass du selbst und deine Geschwister nie geboren worden wäret, wenn ich seinerzeit meine eigene Schwester geheiratet hätte.«
Voller Schrecken hatte Dedumose die Geschichte von Sitamun vernommen, die sich zwei Monate, bevor sie ihren Bruder Nehesi heiraten sollte, in einen anderen Mann verliebte. Er konnte die Pein seines Vaters nachempfinden, der sich verraten fühlte. Doch bezeichnenderweise hatte es Anzeichen dafür gegeben, dass Sitamun nicht die richtige Frau war, was von einer Weissagung des Tempels bestätigt wurde, in der es hieß, dass ihm keine Bluts- sondern eine Seelenverwandte bestimmt sei.
Nehesi hatte sich damals auf die Suche nach dieser einen gemacht und Keena in der bittersten Stunde ihres Lebens gefunden, als sie irrtümlicherweise wegen Mordes angeklagt worden war. Diesen Teil der Geschichte kannte Dedumose zur Genüge, denn er war ihm von seinen Eltern schon oft erzählt worden.
Inzwischen hoffte er, dass Madain von sich aus entdecken würde, was sie und ihn verband. Immerhin stahl sie sich jeden Mittag davon und spielte dieses Spiel, bei dem sie sich erobern ließ. Aber es brachte ihn fast um, dass er nicht einmal die kleinste Andeutung über seine Liebe zu ihr fallen lassen durfte, geschweige denn darüber, dass er sie in drei Jahren, wenn sie volljährig sein würde, heiraten wollte.
Er liebte sie so sehr, dass es schmerzte. Durch ihre pure Gegenwart verlieh sie dem Palast Glanz. Wenn sie einen Raum betrat, zog sie sofort alle Blicke auf sich, nicht nur die der Männer, auch aller Frauen, Kinder, Diener und Sklaven. Das schien ihr aber nicht bewusst zu sein, denn sie verhielt sich unbefangen und freundlich zu jedermann.
Nachdem jetzt das Thema Lehrer erledigt war, erzählte sie in ihrer lebhaften Art von allem, was ihr sonst noch im Kopf herumspukte, und Dedumose genoss auch dies, denn er war der Einzige, dem sie alles anvertraute. Natürlich hatte die Warnung des Vaters eine gewisse Wachsamkeit in ihm hervorgerufen. Am schlimmsten war der Gedanke, dass sich Madain, genau wie Sitamun, in einen anderen verlieben könnte. Immerhin hatte sie drei weitere Brüder. Er beobachtete jene daher aufmerksam, ob es irgendwelche Anzeichen gab, die seiner Befürchtung Nahrung verliehen hätten.
Die Zwillinge Scharek und Schenes waren jetzt sechzehn Jahre alt und so umtriebig, dass sie manchmal den Leibwächtern entschlüpften und zum größten Entsetzen der Eltern einen halben Tag lang wie vom Erdboden verschluckt blieben. Aber dann tauchten sie jedes Mal lachend und mit erhitzten Gesichtern wieder auf, saßen stoisch ihre Strafe ab und heckten ein paar Tage später neue Streiche aus. Als Dedumose sie dabei erwischte, wie sie Madain mit Kieselsteinen bewarfen, ohrfeigte er zuerst den älteren Scharek, dann Schenes. Seines Wissens ließen sie sie seitdem in Ruhe.
Trotz allen Misstrauens liebte er die Zwillinge für ihre überbordende Fantasie und Lebendigkeit. Faszinierend war die Geheimsprache, für die sie sich neue Wörter ausdachten. Das hatte ihn inspiriert, etwas Ähnliches mit Madain zu pflegen. Sie waren die einzigen Kinder, die die keltische Sprache ihrer Mutter gelernt hatten; nicht einmal ihr Vater beherrschte sie.
Blieb noch Intef, der jüngste Bruder, ein Jahr vor Madain geboren. Vom Charakter her ähnelte er Dedumose, war genauso ruhig und bedacht. Er ertrug die Streiche der Zwillinge tapfer, verpetzte sie nie und gab sich so viel Mühe im Unterricht, dass er von seinem Lehrer als lobendes Beispiel gepriesen wurde.
Was die Beziehung zu Madain betraf, so glaubte Dedumose herausgefunden zu haben, dass sich als einziger Bruder Schenes zu ihr hingezogen fühlte. Er spürte es an dessen nachdenklichen Blicken und kleinen Gesten. Doch Madain ermunterte ihn nie, und Dedumose glaubte, sie so gut zu kennen, dass ihre Wahl niemals auf einen der Zwillinge fallen würde, denn das könnte die beiden entzweien.
Er und Madain waren inzwischen aufgestanden und schlenderten zu den Gebäuden zurück. Die eine gestohlene Stunde war vorbei und Dedumose dachte mit Grauen an die Steuerlisten, die er zusammen mit Vaters Schreiber durchgehen musste. »Wie wirst du den Nachmittag verbringen?«, erkundigte er sich.
»Ich sollte Urgroßmutter Nihotep einen Besuch abstatten. Sie erwartet das jedenfalls. Aber vielleicht schläft sie genauso lang wie gestern. Da wurde sie erst kurz vorm Abendessen munter. Ich gehe erst mal zu Mutter und frage, ob ich weiter im Gemüsegarten helfen kann. Gestern haben wir angefangen, das Gurkenbeet zu jäten.«
Jetzt glitt ein stolzes Lächeln über sein Gesicht. Bevor seine Mutter Keena im Palast aufgetaucht war, hatten sich die adligen Damen des Hauses höchstens mit dem Besticken von Leinenstoffen beschäftigt. Alle anderen Arbeiten wären unter ihrer Würde gewesen. Doch Keena war Handwerkerin, hatte fleißig Hunderte von Langbogen gebaut, und als das nicht mehr nötig war, half sie den Dienern in Haus und Garten. Ein Leben ohne Arbeit konnte sie sich nicht vorstellen. So war sie es von ihrer Heimat her gewöhnt. Dafür wurde sie jetzt von allen vergöttert.
Genau diesen Fleiß hatte Madain geerbt, und sämtliche Bewohner des Palastes kannten die Geschichte, wie sie als Dreijährige eines Nachmittags in das Arbeitszimmer des Pharaos marschiert war und ihn zur Rede gestellt hatte mit den Worten: »Mutter plagt sich seit einer Stunde mit Brotbacken. Jetzt frage ich dich, was tust du eigentlich den ganzen Tag lang, Vater?«
Nehesi musste sich damals ein Lachen verkneifen und bat seinen Schreiber, Madain die Schriftrollen zu zeigen, die eingetroffen waren und von denen er bis jetzt erst ein Drittel gelesen und beantwortet hatte. Verständnislos starrte sie auf die dicht beschriebenen Papyrusblätter. Da ließ er seinen Schreiber einzelne Briefe und deren Beantwortung vorlesen. Anfangs hörte Madain konzentriert zu, weil sich aber bestimmte Formulierungen dauernd wiederholten, vor allem die komplizierten Titel, die ihr Vater besaß und die in jedem Brief als Anrede genannt werden mussten, fing sie irgendwann an zu gähnen. Und eine halbe Stunde später wanderte ihr Daumen ganz von selbst in den Mund und ihr Oberkörper sank an Nehesis Schulter.
Der Satz, den Nehesi damals zu seinem Schreiber Gran sagte, war in die Anekdotensammlung der Familie eingegangen. »Wenn meine Kleine nicht einschlafen kann, soll man ihr Beschwerdebriefe vorlesen.«
Doch damals war noch etwas anderes geschehen, was Auswirkungen bis zum heutigen Tag hatte. Nach dem Abendessen im kleinen Empfangssaal war es üblich geworden, dass Nehesi und Keena ihren Kindern Geschichten aus ihrer Vergangenheit erzählten. Sie hatten viele abenteuerliche Dinge erlebt, darunter eine Schiffsreise in Keenas Heimat und zwei Kriege an den Grenzen Ägyptens.
Eines Abends hatte Nehesi es satt, immer nur von den Wäldern im Norden zu berichten, von Brombeeren, die die Zunge blau färbten oder von dem Sandsturm, den er im Krieg gegen die Kuschiten nur mit Müh und Not überlebt hatte. Da zog er Madain auf seinen Schoß und begann: »Weißt du, was ich tun musste, damit wir endlich ein Mädchen bekamen? Zuerst bat ich lauter Ärzte um Rat – leider erfolglos. Dann wurde mir ein Händler empfohlen, der seltene Arzneien aus dem Ausland anbot. Von jenem erhielt ich das ekelhafteste Getränk, das ihr Kinder euch vorstellen könnt, etwas Schleimiges und Bitteres, bei dessen bloßem Geruch mir speiübel wurde. Das musste ich eine Woche lang trinken – und siehe da – neun Monate später wurdest du geboren, Madain!«
Dedumose wusste noch, dass alle bis auf Madain in schallendes Gelächter ausgebrochen waren. Seine kleine Schwester aber war mit einem Schreckensschrei von Nehesis Schoß gesprungen und hatte geklagt: »Etwas Ekliges steckt in mir! Ich bin hässlich und stinke!«
Keine noch so gutgemeinten Beschwichtigungen vermochten sie damals zu beruhigen, und Nehesi machte sich schreckliche Vorwürfe, weil er diese Geschichte zum Besten gegeben hatte. Von jenem Tag an wurde Madain von Albträumen geplagt, die alle mit schleimigen Ungeheuern zu tun hatten, die sich nachts anschlichen, um kleine Mädchen zu fressen. Der Palastarzt Antef sah sich gezwungen, ihr nach dem Abendessen Mohnsaft zu verabreichen, der sie betäubte. Aber solch eine starke Medizin durfte man nur kurze Zeit nehmen. Alle Familienmitglieder fingen damals an, sie nicht mehr bei ihrem Namen, sondern nur noch »Süße« zu nennen. Doch auch das konnte ihre Not nicht lindern. Irgendwann war es dann soweit, dass sie nur einschlafen konnte, wenn Dedumose bei ihr war und das war bis zum heutigen Tag so geblieben.
Dieser Gedanke tröstete ihn, als er sich mit einem Wangenkuss von ihr verabschiedete. Er würde sie beim Abendessen wiedersehen und später mit in seine Räume im Männerflügel nehmen. Das kleinste Zimmer hatte man für Madain hergerichtet. Aber sie schlief nie dort, sondern schlüpfte Nacht für Nacht in sein Bett. Das durfte natürlich niemand wissen. Es war ohnehin ein Unding, dass ein Mädchen im Männertrakt übernachtete, und wurde vor allem von Urgroßmutter Nihotep scharf kritisiert. Daher weckte er Madain jeden Morgen, sobald die Hymne zu hören war, die von den Amun-Priestern zu Ehren seines Vaters gesungen wurde. Dann torkelte sie schlaftrunken in das kleine Zimmer, sodass Dedumoses Leibdiener, der kurze Zeit später auftauchte, um seinen jungen Herrn ins Badehaus zu geleiten, dessen Schwester in ihrem eigenen Bett vorfand.
Irgendwann fliegt mir dieses Geheimnis um die Ohren, dachte Dedumose niedergeschlagen, als er auf dem Weg zu seinem Arbeitszimmer war. Ständig überlegte er, wie er es dem Rest der Familie erklären könnte, dass das gemeinsame Schlafen ein völlig unschuldiger Vorgang war. Seine Eltern würden ihm glauben, weil er von Kindheit an verantwortungsbewusst gehandelt hatte. Doch Urgroßmutter Nihotep würde sofort verlangen, dass Madain in den Frauenflügel zog, und sie würde dafür sorgen, dass Dedumose empfindlich bestraft wurde.
Auf der mit Blumengirlanden geschmückten Empore des kleinen Empfangssaals waren beim Abendessen fünf Tische für die Familie gedeckt worden. Am mittleren nahmen stets Nehesi und Keena Platz, rechts von ihnen die Matriarchin Nihotep und ihre nicht minder betagte Cousine. Links vom Herrscherpaar speisten Moks und Ori. Moks war Nehesis Neffe, seine Frau Ori eine Prinzessin aus Kreta. Hinter dem Herrscherpaar saßen Dedumose und Madain und daneben die anderen drei Brüder.
Gegenüber der Empore, gleich neben dem Eingang, standen Musiker, die angefangen hatten, Melodien zu spielen, aber so leise, dass sie während des Essens nicht störten. Dann waren nacheinander, von Oberhofmeister Raneb mit knappen Gesten dirigiert, Diener mit vollen Tabletts hereinmarschiert, die sie zuerst der Urgroßmutter und deren Cousine und dann dem Herrscherpaar darboten, gefolgt von Moks und Ori und zum Schluss den Kindern.
An diesem Abend bestand das Angebot aus Entenbraten, geräuchertem Nilbarsch, gedünstetem Lauch, Radieschensalat, Ziegenkäse und Gerstenbrot. Alles duftete so köstlich, dass einem das Wasser im Mund zusammenlief. Als Nachtisch würde es Datteln und Sesamkuchen geben. Die damit gefüllten Teller standen bereits auf einem Anrichtetisch. Außerdem wurden roter und weißer Wein gereicht und Keena zuliebe ein starkes Bier, das mit Minze gewürzt war.
»Bis das Essen bei uns ankommt, fängt es an zu schimmeln«, hörte man den älteren Zwilling maulen, der sich darüber aufregte, wie lange die beiden alten Damen brauchten, ehe sie gewählt hatten.
Dedumose und Madain starrten angestrengt in eine andere Richtung, um nicht laut loszuprusten. Als sie gegessen hatten, begann Madain ihren neuesten Plan zu erläutern, der eine der Lieblingsbeschäftigungen der Geschwister betraf. Vor ein paar Jahren hatten ihre Brüder angefangen, die abenteuerlichen Geschichten, die sie von ihren Eltern gehört hatten, zusammen mit den Kindern der Diener und Sklaven im Garten nachzuspielen.
Ganze Schlachten zwischen Ägyptern und Kuschiten und zwischen Ägyptern und Hethitern wurden mit selbstgebastelten Holzschwertern geschlagen. Dedumose und seine Brüder verkörperten selbstverständlich die siegreichen Landsleute, während Diener- und Sklavenkinder erobert wurden. Oft ging es mit Blessuren und blauen Flecken einher. Etwas richtig Schlimmes passierte zum Glück nie.
Doch nach einiger Zeit hatten die Diener- und Sklavenkinder genug davon, immer die Unterlegenen zu spielen. Da hatte Madain andere Geschichten vorgeschlagen. Jetzt wandte sie sich mit verschwörerischer Miene an Dedumose: »Ich weiß, dass du morgen Nachmittag ein paar ausländische Gesandte begrüßen sollst, aber ich brauche dich für unser neues Spiel. Wenn die Besucher nicht allzu lange bleiben, kommst du in den hinteren Garten.«
Er grinste über ihren Eifer. Bis jetzt hatte er immer ganz selbstverständlich seinen Vater, den Pharao, gespielt, während Madain genauso selbstverständlich die Rolle ihrer Mutter übernahm. Doch heute erklärte sie mit wichtiger Miene: »Ich will das Kräuterweib spielen! Das ist die bessere Rolle. Damit kann man viel mehr anfangen. Wie sie unseren Vater ausgetrickst hat, war einmalig.«
Dedumose runzelte die Stirn. »Du meinst doch nicht etwa das, was unsere Eltern auf dem Rückweg von ihrer Nordlandreise mit der Hebamme erlebt haben?«
»Doch, genau das!«
»Aber da war es umgekehrt! Vater hat das Kräuterweib reingelegt! Er wollte nicht, dass sie unsere Mutter mit ihren dreckigen Fingern untersucht und tat deswegen so, als wenn es in Ägypten ein Ritual gibt, bei dem eine Schwangere nur dann berührt werden darf, wenn die Hebamme ihre Hände zuvor in einer kostbaren Lotion badet.«
Madain widersprach heftig: »Das sehe ich anders! Als die Alte merkte, dass Vater den ganzen Aufwand nur betreibt, weil er Mutter so sehr liebt, wollte sie die Fingernägel nicht nur geschnitten, sondern auch noch rot lackiert haben! Damit hat sie ihn verspottet! Ganz abgesehen von dem Essen und Trinken, das sie im Gasthaus genossen, und von dem vielen Geld, das sie verdient hat!«
Dedumose dämmerte allmählich, dass das Kräuterweib tatsächlich die bessere Rolle war, gab jedoch zu bedenken: »Und wer spielt unsere Mutter?«
»Heket, die hübsche Sklavin. Du weißt schon, die mit den schrägen Augen.«
* * *
Die erste Probe für das neue Stück »Der Pharao und das Kräuterweib« wurde am anderen Tag mit Spannung erwartet. Es traf sich günstig, dass Dedumose schon bald von dem Termin mit den Gesandten erlöst wurde, und da er sich für den Anlass ohnehin in sein bestes Hüfttuch gekleidet hatte, das bis zu den Waden reichte und von einem breiten, mit Edelsteinen geschmückten Gürtel gehalten wurde, war er schon allein von seiner Aufmachung her bestens für seine Rolle als Pharao geeignet.
Die Anfangsszenen hatten bereits stattgefunden, und Dedumose erschien, als sich das Stück seinem Höhepunkt näherte. Er staunte, als er Madain in einem löchrigen Umhang sah, barfuß, die Haare wirr zerzaust und das Gesicht mit Asche verschmiert. Es gelang ihr, die Körperhaltung einer alten Frau zu imitieren, indem sie einen Buckel machte und beim Gehen schlurfte. Alle anderen Akteure beobachteten sie hingerissen, vorneweg Scharek, der den Arzt spielte, und Schenes, der den Wirt des Gasthauses gab.
Dedumose floss das Herz über vor Stolz. Niemand konnte so gut spielen wie Madain, weil sie den Erzählungen der Eltern viel konzentrierter lauschte als ihre Brüder und sich jedes noch so kleine Detail merkte. Dadurch bekamen ihre Darbietungen eine hohe Glaubwürdigkeit und eine Intensität, die man einem jungen Mädchen eigentlich gar nicht zugetraut hätte.
Bemerkenswert war aber auch die hübsche Sklavin Heket, die sich mit einem grünen Leinenkleid herausgeputzt und von Madain jede Menge Schmuck geliehen hatte. Unter das Kleid hatte sie ein Kissen geschoben. Jetzt lag sie auf einer Strohmatratze und schaute bang dem Kräuterweib entgegen, das vom Arzt, der eine furchtbar skeptische Miene aufsetzte, herbeigeführt wurde.
Dedumose stockte der Atem, als Madain sich über Heket beugte, aber dann musste er lächeln, weil sie ihr Ohr auf deren Bauch legte und eine ganze Weile so tat, als würde sie lauschen. Schließlich richtete sie sich wieder auf und verkündete mit krächzender Altweiberstimme: »Gratuliere! Du bist im vierten Monat. Gebt mir jetzt meinen Lohn!«
Die anderen Akteure johlten, und die Diener- und Sklavenkinder, die als Zuschauer eingeladen worden waren, applaudierten begeistert. Alle glaubten, dass das Stück jetzt zu Ende wäre, doch da richtete sich Heket auf, rückte ihre Halsketten zurecht und erklärte: »Also ich finde, wir müssten noch zeigen, wie sehr sich das Herrscherpaar über die Schwangerschaft freut. Die Geschichte kann nicht mit dem Triumph des Kräuterweibs enden.«
Sofort richteten sich alle Blicke auf Madain. Man merkte ihr an, dass sie einen inneren Kampf ausfocht. Schließlich gab sie nach: »Du hast recht.« Und dann an Dedumose gewandt: »Du musst sie küssen!«
Er sträubte sich anfangs. Doch da er kein Spielverderber sein wollte, beugte er sich über Heket und gab ihr einen Kuss.
»Das war nichts!«, behauptete Madain. »Unsere Eltern küssen sich richtig, nicht so zaghaft, wie du es getan hast.«
Jetzt wurde er langsam sauer. Wenn er ehrlich gewesen wäre, hätte er schon längst damit aufhören müssen, bei so etwas mitzumachen. Als Thronfolger hatte er einen Ruf zu verlieren, und das hier war eher etwas für Vierzehnjährige. Doch plötzlich kam ihm der Gedanke, dass dies eine hervorragende Gelegenheit wäre, Madain auf die Probe zu stellen. Da beugte er sich erneut über Heket, umfasste diesmal ihr Gesicht mit beiden Händen und küsste sie so leidenschaftlich, dass ihr die Luft wegblieb.
Dann richtete er sich wieder auf und schaute Madain in die Augen. Er sah, dass sie bestürzt war. Sie musste sich furchtbar anstrengen, um seinen Blick zu erwidern. Schließlich drehte sie sich um und lief in Richtung Teich davon. Da er jetzt von den Zwillingen belagert wurde, die noch Fragen zum Stück hatten, konnte er ihr nicht gleich hinterhergehen. Als er es endlich tat, war sie verschwunden.
* * *
Erst beim Abendessen sah er sie wieder. Sie hatte eine furchtbar ernste Miene aufgesetzt und wich seinem Blick aus. Außerdem hatte sie ihre Haare zu einer strengen Frisur hochgesteckt, obwohl sie genau wusste, dass er das nicht mochte. Doch er tat erst einmal so, als wäre alles in Ordnung, und unterhielt sich mit Esro, der heute eingeladen worden war und einen Ehrenplatz unterhalb der Empore einnahm.
Esro stammte aus dem Land Zahi, das zusammen mit den Hethitern Krieg gegen Ägypten geführt und verloren hatte. Als Sohn des Herrschers von Zahi stellte er ein Unterpfand des Sieges dar und lebte seitdem als Geisel in Ägypten. Die ersten Monate hatte er in einer anderen Stadt verbracht, dann hatte er ein Jahr lang hier im Palast gewohnt.
Dieser Zeitraum war für Dedumose eine Offenbarung gewesen. Endlich gab es einen Mann im Haus, der älter war und mit dem er ganz andere Gespräche führen konnte als mit seinen Brüdern. Doch dann fing Esro Liebschaften mit den Dienerinnen an, was in einem schrecklichen Chaos endete. Pharao Nehesi sah sich daraufhin gezwungen, Esro im Botschaftsgebäude der Zahi einzuquartieren. Das Stadtviertel der Hauptstadt Waset, in dem die Repräsentanten der Nachbarländer lebten, wurde so gut bewacht, dass Esro nicht einmal im Traum an Flucht denken konnte.
Der junge Mann schien Ägypten inzwischen als seine Heimat zu akzeptieren. Er kleidete sich und sprach wie ein Ägypter. Nur sein Bart bewies, dass er aus einer anderen Kultur stammte. Lächelnd lehnte er sich jetzt zu Dedumose hinüber und stellte ihm Fragen zu seinem letzten Angelausflug. Doch immer wieder glitt Esros Blick zu Madain, und wenn er zurück zu Dedumose schaute, zog er die Augenbrauen hoch. Ihm war natürlich sofort aufgefallen, dass die Tochter des Pharaos schlechte Laune hatte. Dedumose raunte ihm schließlich zu: »Lass uns nach dem Essen eine Partie Sennet spielen.« Esro grinste zustimmend. Er liebte dieses Spiel, bei dem man versuchen musste, den Gegner auf das Spielfeld der dunklen Fluten zu treiben, und bewies so viel Geschick, dass er häufig gewann.
Madain verschwand sofort, nachdem verschiedene Kuchen serviert worden waren. Esro setzte sich daraufhin an Dedumoses Tisch, und während sie das Spielbrett aufbauten, begann er beiläufig: »So kenne ich deine Schwester gar nicht. Was ist los?«
»Sie hat etwas in den falschen Hals gekriegt und damit meine ich nicht das Abendessen.«
Esro lächelte wissend. Sein Leben in der Fremde hatte ihn gelehrt, auf jede noch so kleine Stimmungsschwankung zu achten und intuitiv zu erfassen, worum es ging. Diese Qualität bewies er auch jetzt. »Darf ich dir einen Rat geben? Was ein junger Mann braucht, ist eine Frau mit Erfahrung. Langfristig gesehen planst du vielleicht anders. Doch ein Siebzehnjähriger sollte so lange wie möglich alle Freiheiten genießen, die ihm erlaubt sind.«
»Du meinst, ich soll mich an Dienerinnen ranmachen, so wie du es getan hast?«, spottete Dedumose.
»Ich sprach von einer Frau mit Erfahrung, und die findest du nicht im Palast. Wenn du bereit bist, meinem Rat zu folgen, stelle ich sie dir vor.«
Dedumose musterte ihn aufmerksam. Er war kein Freund von spontanen Entschlüssen. Aber es konnte nicht schaden, den Vorschlag in Erwägung zu ziehen. Kurz nach Mitternacht steuerte er den Männerflügel an und erwiderte mit einem Nicken den Gruß der beiden Leibwächter. Er betrat den Vorraum, der mit einem Tisch und vier Stühlen ausgestattet war und in dem Besucher warten konnten, bis sie empfangen wurden. Rechts davon lag sein Schlafzimmer, links davon Madains kleine Kammer. Sie hatte ihre Tür geschlossen, was sie noch nie zuvor getan hatte.
Unschlüssig blieb er stehen. Dann gab er sich einen Ruck, hämmerte an die Tür und verlangte: »Mach auf! Dies sind meine Räume. Du hast nicht das Recht, dich einzuschließen.«
Sie öffnete sofort. Er sah, dass sie geweint hatte. Nachts trug sie ein kniekurzes Hemdkleid, über das ihre langen Haare in Wellen herabflossen. Leise bat sie: »Sei nicht böse, Dedu!«
»Was ist los, Süße?«
Auf einmal wirkte sie verlegen und ihre Stimme zitterte. »Heket ist wirklich hübsch. Sie fühlt sich bestimmt geehrt, wenn du sie nachts besuchen möchtest.«
»Du hast verlangt, dass ich sie küsse! Du hast es sogar zweimal verlangt. Jetzt mach nicht mehr draus als unbedingt nötig. Es ist nur ein Spiel.«
Ihre Stimme klang traurig, als sie antwortete: »Verzeih meine Dummheit. Ich bin gerade ziemlich durcheinander.«
Da stach ein heißes Gefühl in sein Herz. Er schloss sie in seine Arme und murmelte: »Ich weiß, dass du nicht schlafen kannst, wenn du traurig bist. Also komm lieber gleich mit in mein Zimmer.« Er schaute zu, wie sie sich hinlegte, setzte sich auf die Bettkante und grinste: »Ehrlich gesagt, freue ich mich über deine Eifersucht. Wenn es umgekehrt wäre und dich ein Junge küssen würde, bekäme er Prügel.«
Sie murmelte verlegen: »Keine Sorge, mich küsst keiner.«
Kurz darauf war sie eingeschlafen. Er betrachtete ihr Gesicht im Schein der Öllampe. Das Gespräch mit Esro geisterte immer noch in seinem Kopf herum. Er fragte sich, wie lange er es noch ertragen konnte, auf das zu verzichten, was sonst für jeden Ägypter seines Alters selbstverständlich war.
Sein Vater hatte nicht von ihm verlangt, keusch zu leben. Er wollte nur, dass Madain ihre eigene Wahl treffen konnte. Da es zwischen Nehesi und seiner Schwester gründlich schiefgegangen war, würde niemand im Palast über eine mögliche Heirat von Dedumose und Madain sprechen, nicht einmal Urgroßmutter Nihotep, die sich in der Vergangenheit gerne als Kupplerin betätigt hatte.
Doch Dedumose war absolut sicher, dass er und Madain schon in mehreren vergangenen Leben miteinander verbunden gewesen waren. Er merkte es daran, wie sehr sie ihm am Herzen lag. Es war ein Genuss zu erleben, wie sie sich von einer bezaubernden Dreijährigen in eine freche Sechsjährige verwandelte und jetzt in eine junge Frau, die mit Gefühlen zu kämpfen hatte, die ihr bislang unbekannt gewesen waren.
Wenn alles gut ging und wenn sie wirklich eines Tages ein Ehepaar sein sollten, würde er stets eine Schatzkiste voll bedeutsamer, witziger, vielleicht auch trauriger Erinnerungen an ihre Kindheit besitzen, aus der er immer wieder neue Kraft und Liebe schöpfen konnte. Es war ein Geschenk, die Frau, die ihm bestimmt war, sein ganzes Leben lang zu kennen.
* * *
Das Thema »Rollenspiele« war vorerst erledigt, zur größten Enttäuschung von Heket, die den Kuss des Thronfolgers nicht vergessen konnte. Doch Madain brauchte immer etwas Neues, mit dem sie sich beschäftigen konnte, und so schwärmte sie Dedumose ein paar Tage später vor, wie schön es wäre, wenn die Familie im nächsten Sommer eine Nordlandreise antreten würde.
»Das ist keine gute Idee«, wiegelte er ab. »Vater sagt zwar immer, dass es dort wunderschön ist mit den vielen Wäldern, Flüssen und Seen. Aber die Fahrt durch das Große Grün und dann durch das Meer der grauen Wellen ist gefährlich. Das will er kein zweites Mal riskieren.«
»Mutter leidet in der ägyptischen Sommerhitze.«
»Nicht, wenn wir in die Höhlen von Sus ziehen.«
»Ich würde trotzdem gern Mutters Heimat kennenlernen. Ich würde eine der blonden Perücken mitnehmen, und da ich die Sprache der Nordländer spreche, käme ich dort gut zurecht.«
Dedumose seufzte genervt. Die Sache mit den Perücken war ein Albtraum gewesen. Einer der schlimmsten Streiche der Zwillinge hatte darin bestanden, ihrer Mutter Keena während ihres Mittagsschlafs die Haare abzuschneiden. Niemand im Palast hatte Nehesi jemals so wütend erlebt wie damals. Er hatte noch nie eins seiner Kinder geschlagen, doch die Zwillinge prügelte er grün und blau und verbannte sie für zwei Monate in ein leerstehendes Gebäude neben den Sklavenunterkünften, weil er ihre Gegenwart nicht mehr ertrug.
Keena konnte ihn irgendwann damit beruhigen, dass ihre Haare wieder wachsen würden, und aus den abgeschnittenen könnte man zwei Perücken anfertigen. Diese wurden inzwischen wie Kostbarkeiten gehütet und dementsprechend in der Schatzkammer aufbewahrt. Madain hatte ein einziges Mal eine aufsetzen dürfen und träumte heute noch davon, wie schön das gewesen war.
Jetzt überlegte Dedumose, wie er sie von ihrer neuesten verrückten Idee abbringen könnte, und schlug vor: »Sollen wir übermorgen einen Ausflug zur vorderen Insel machen? Ich habe einen Tag frei und würde ihn gern mit dir verbringen.«
Sofort fing ihr Gesicht an zu leuchten. »Das wird herrlich, Dedu! Wir nehmen Obst und Kuchen mit und schwimmen den ganzen Tag.«
* * *
Als sie dann aber mit einem der kleinen Ausflugsboote vom Ufer ablegten, meinte sie mit ernster Stimme: »Was hältst du davon, wenn wir zuerst nach deinem Grabmal schauen? Dann kannst du Vater sagen, dass du deine Pflicht erfüllt und nicht nur deinem Vergnügen nachgejagt hast.«
Er bewunderte ihr Geschick, Pflicht und Vergnügen in Einklang zu bringen. Bis jetzt hatte er es vermieden, sich regelmäßig um die Fortschritte seines Grabmals zu kümmern, obwohl jeder Thronfolger bei seiner Volljährigkeit mit der Planung und dem Bau beginnen musste. Dies entsprang religiösen, aber auch praktischen Überlegungen. Um ein Weiterleben im Jenseits zu gewährleisten, beschäftigten sich alle schon zu Lebzeiten ausgiebig mit ihrer letzten Wohnstatt. Und da niemand wusste, wann er sterben würde, war es sinnvoll, so bald wie möglich anzufangen.
Doch Dedumose empfand ein heimliches Grauen bei dem Gedanken, sich jetzt schon mit seinem Tod auseinanderzusetzen. Die Grabmäler seiner Vorfahren lagen alle um einen heiligen Hain voller alter Bäume am gegenüberliegenden Ufer des Nils. Die Anlage von Nehesi war beinahe fertiggestellt. In den unterirdischen Gängen fehlten nur noch die Wandmalereien, die die letzten Jahre seines Lebens betreffen würden. Seine Heirat, die Nordlandreise, die Geburten seiner Kinder und die beiden siegreichen Kriege waren schon längst meisterhaft dargestellt, und er hatte verfügt, dass Keena in derselben Grabkammer bestattet werden sollte. Das Grab von Urgroßmutter Nihotep war schon vor dreißig Jahren fertiggestellt worden, und die Familie spottete hinter vorgehaltener Hand, dass der Eingang vermutlich an ihrem Todestag unauffindbar vom Wüstensand verschluckt wäre, weil sie mindestens hundert Jahre alt werden würde.
Dedumose hatte für seine eigene Anlage bis jetzt nur die ersten Tunnelgrabungen vornehmen lassen. Als sie sich jetzt dem Areal näherten, hörten sie Geräusche aus einer zweiten Tunnelöffnung in der Nähe und stellten verwundert fest, dass Moks, der Neffe des Pharaos, davor stand und sich mit einem Architekten unterhielt.
Moks begrüßte die Geschwister und grinste an Madain gewandt: »Hast du Dedu überredet, sich endlich mal wieder hier blicken zu lassen?« Er wartete ihre Antwort gar nicht erst ab, sondern begann überschwänglich, die Fortschritte beim Bau seiner eigenen Grabanlage zu schildern. Sie ließen sich von seiner Begeisterung anstecken, nahmen jeder eine Fackel und folgten ihm in die Tiefe. Sie passten ihre Schritte seiner langsamen Gangart an. Er war als Kind lange krank gewesen und konnte seitdem nicht mehr richtig laufen.
Nachdenklich betrachteten sie die Szenen an den Wänden, die das Wiegen des Herzens darstellten, das nicht schwerer sein durfte als die Feder der Maat, der Göttin der Wahrheit und Gerechtigkeit. Andernfalls würde der Verstorbene von einer riesigen Schlange gefressen. Moks spürte, dass die beiden sich gruselten und führte sie weiter in die nächste Kammer, deren Wände mit den Stationen seines Lebens bemalt waren. Den größten Teil nahm seine Hochzeit mit Ori ein, und auch ihr kleiner Sohn Tehuti war bereits auf einem Bild verewigt.
Wieder draußen im hellen Sonnenlicht verabschiedeten sie sich von ihm, und Dedumose wandte sich dem Rohbau seines eigenen Grabmals zu. Bedrückt überlegte er, welche Szenen er eines Tages in Auftrag geben würde. Sein Architekt war nicht da, also sprach er mit einem der Arbeiter, und als jener meinte, dass aus seiner Sicht alles in Ordnung wäre, wandte er sich erleichtert zum Nilufer und setzte mit Madain die Fahrt zur Insel fort.
Jene war eine der größten in der Nähe der Hauptstadt und lag nilabwärts. Wie alle Flussinseln war sie flach und würde während der Überschwemmungszeit völlig im Wasser verschwinden. Doch ein paar kleine Bäume und niedrige Sträucher trieben immer wieder neu aus. Rasch verstauten Dedumose und Madain ihre mitgebrachten Vorräte im Schatten und sprangen jauchzend ins Wasser.
Dedu überholte seine Schwester, aber anders als die Zwillinge, die daraus einen erbitterten Wettkampf gemacht hätten, drehte er wieder um und schwamm eine Weile neben ihr her, bis sie beide genug hatten und wieder an Land kletterten. Madain hatte ihr Leinenkleid anbehalten; alles andere wäre unschicklich gewesen für ein Mädchen ihres Alters. Doch jetzt ärgerte sie sich über den klatschnassen Stoff und behauptete: »Ich werde mich erkälten!«
Kurzentschlossen verschwand sie hinter einem Strauch und Dedumose beobachtete verblüfft, wie sie das Kleid über den Kopf zog und sich auch ihrer Unterwäsche entledigte. Sein Herz klopfte wie verrückt, als sie grinsend hinter den Zweigen hervortrat. »Du kannst überhaupt nichts sehen, obwohl ich nackt bin!«, prahlte sie.
Sie hatte ihre langen Haare so drapiert, dass sie ihre Brüste und ihren Schoß bedeckten. Dedumose musste lachen, widersprach jedoch: »Wenn du dich umdrehst, sehe ich deinen nackten Hintern!«
»Na und?«, quietschte sie und wackelte mit den Hüften wie ein Kind, das einen Tanz imitiert.
Jetzt konnte er nicht anders als sie in seine Arme zu schließen. Verzückt küsste er ihren Nacken. Sie ließ es kichernd geschehen. »Du kleines Biest«, murmelte er.
Eine Weile hielt er sie umschlungen. Sein Herz hämmerte immer noch und seine Fantasie schlug einen Salto nach dem anderen. Aber dann wandte er sich ab, damit sie seine Erektion nicht bemerkte, und fing an, ein Stück weiter weg nach Feuerholz zu suchen. Dabei dachte er: Ich sollte Esros Rat folgen …
Er hatte bereits Erfahrungen gesammelt. In der Zeit, da der Zahi sein Unwesen im Palast getrieben und ihm zugeflüstert hatte, welche Dienerin sich zu einem kurzen Liebesspiel im verwilderten Garten überreden ließ, hatte er es ein paarmal gemacht, aber nicht richtig genossen. Er musste an Madain denken und hatte ein schlechtes Gewissen. Von ihr wurde erwartet, dass sie bis zu ihrer Hochzeit Jungfrau blieb. Er war damals erleichtert, als die bewusste Dienerin zu ihrer kranken Mutter zog.
An einem Tag, der eigentlich schon zu heiß für Gartenarbeit war, ernteten Madain und Keena Zwiebeln. Schon bald legten sie eine Pause unter den Bäumen ein. Ehrfürchtig betrachtete Madain die herrlichen Haare ihrer Mutter und seufzte: »Ich wäre lieber groß und blond als klein und schwarzhaarig.«
Keena lächelte nachsichtig: »Blond vererbt sich nicht so leicht. Bitte sei stolz auf deine schönen dunklen Locken.«
»Aber du leuchtest!«
»Ich bin nur anders, nicht schöner. Im Norden haben alle blonde oder rote Haare. Dort ist es eine Sensation, wenn jemand Haare wie Rabenflügel besitzt und dunkel glühende Augen. Du würdest dich vor lauter Verehrern kaum retten können!«
Jetzt kicherte Madain, aber weil sie immer noch unzufrieden war, maulte sie: »Es ärgert mich, dass ich so klein bin!«
»Mir ist wohl die Kraft zum Kinderkriegen ausgegangen.« Das war eigentlich scherzhaft gemeint, doch Madain verstand es falsch und rief: »Wenn du mich erst Jahre später zur Welt gebracht hättest, wäre ich nur so groß wie eine Maus?«
Keena hatte ihre sensible Tochter unabsichtlich in eine erneute Krise gestürzt und erschrak. Um sie abzulenken, wechselte sie rasch das Thema. »Die schönste Frau, die ich kenne, ist Nehesis Schwester. Du siehst ihr ähnlich! Aber im Gegensatz zu Sitamun hast du einen wunderbaren Charakter und das ist wichtiger als gutes Aussehen. Du freust dich über Sonnenschein und Vogelgezwitscher und das sieht man an deinen blitzenden Augen. Glaube mir endlich, dass du unser größter Schatz bist!«
Madain fühlte sich einigermaßen besänftigt und eine Weile später schlief sie ein. Sie wachte wieder auf, als sie den kleinen Sohn von Moks und Ori hörte. Er lag auf Keenas Schoß und brabbelte vor sich hin. Ori saß daneben und betrachtete ihr Kind verzückt. Man merkte ihr an, dass sie keine Ägypterin war, denn ihre Augen waren rund und die Nase klein und zierlich. Im Gegensatz zu Keena und Madain arbeitete sie nie im Garten, doch sie leistete ihnen gern Gesellschaft.
Vorsichtig nahm Madain den Säugling von Keenas Schoß und fing an, seinen Bauch mit beiden Händen so lange zu bearbeiten, bis er ein glucksendes Lachen von sich gab. Niemand konnte ihm damit so viel Wohlbehagen verschaffen wie sie. Ori hätte es von Herzen gern selbst getan, doch seit einem Unfall in ihrer Kindheit konnte sie ihre rechte Hand nicht mehr richtig bewegen. Das war mit ein Grund, warum sie und Moks sich stürmisch ineinander verliebt hatten. Beiden war in der Kindheit großes Leid widerfahren.
Keena und Ori begannen inzwischen, sich über Urgroßmutter Nihotep zu unterhalten, und obwohl sie kritische Äußerungen vermieden, erfasste Madain trotzdem, dass sie wieder einmal unter den Launen der alten Dame zu leiden hatten. Niemand konnte es ihr recht machen. Keena gegenüber hatte sie sich anfangs sogar richtig bösartig verhalten.
Jetzt ging es darum, wie man Nihotep versöhnlich stimmen könnte. Keena schlug vor: »Ich glaube, sie würde gerne wieder zu ihren Verwandten nach Qebt reisen. Die erweisen ihr gegenüber viel mehr Hochachtung als wir. Ich habe Nehesi gebeten, ihr diesen Gefallen zu tun, aber er will nicht.«
Madain und Ori fingen an zu grinsen. Es war bekannt, dass sich Nehesi, je älter er wurde, umso heftiger gegen Aufgaben sträubte, die ihm unangenehm waren. Sein Argument lautete, dass ihm seine vier Söhne Pflichten abnehmen sollten. Damit hatte er nicht ganz Unrecht. Doch als Madain überlegte, dass Dedumose gezwungen werden könnte, Urgroßmutter zu begleiten, gab ihr das einen Stich. Ihr ältester Bruder war, abgesehen von ihrer Mutter, der liebste Mensch in ihrem Leben und sie hatte ihm viel zu verdanken. Wo immer es sich anbot, ihm einen Gefallen zu tun, ergriff sie die Gelegenheit. Da schlug sie vor: »Ich könnte mit nach Qebt fahren.«
Da murmelte Keena ergeben: »Das ist ein großes Opfer. Danke, süße Tochter.«
* * *
Urgroßmutter Nihotep hatte sich herausgeputzt, als ginge es zu einem Bankett und nicht zur Verwandtschaft in die Provinz. Sie war jetzt einundsiebzig Jahre alt und die viele Schminke ließ sie noch faltiger wirken. Jeder wusste, dass sie eine Perücke trug und darunter schwitzte. Vor langer Zeit hatte ihr ein Affe die künstliche Pracht geklaut und sich selbst aufgesetzt. Dies wurde heute noch lachend hinter vorgehaltener Hand erzählt. Seit jenem Vorfall wurden alle Affen, die sich dem Palast näherten, sofort verscheucht.
Madain nahm jetzt zu Füßen Nihoteps Platz, als die Königsbarke vom Ufer ablegte. Sie hatte zwar auch ein schönes Kleid angezogen, aber nur wenig Schmuck angelegt, weil sie im Gegensatz zu Nihotep vor der ärmeren Verwandtschaft nicht protzen wollte. Nehesi hatte ihnen zehn Leibwächter mitgegeben. Die Männer würden auf dem Rückweg flussaufwärts in die Ruder greifen müssen, falls kein Nordwind die Segel blähte. Die Fahrt flussabwärts gelang mühelos. Voller Stolz musterte Nihotep das königliche Banner in Weiß und Gold am Bug der Barke. Dass sogar ein Herold mitgekommen war, erfüllte sie mit größter Genugtuung.
Jetzt ließ sie sich von ihrer Leibdienerin einen Becher Wein reichen, prostete damit der Sonne und dem Nil zu und murmelte: »Was für ein gesegnetes Land!«
»Ja, Urgroßmutter, wir können dankbar sein«, erwiderte Madain gehorsam.
Die alte Dame warf ihr einen scharfen Blick zu und beschloss, mit der Belehrung zu beginnen, die sie sich für die Fahrt vorgenommen hatte. »Es ist gut, dass wir beide eine Weile allein sind. Da kann ich dir mehr von dem Anstand beibringen, der von der Tochter eines Pharaos erwartet wird.«
Madain schenkte ihr ein gequältes Lächeln und fügte sich in ihr Schicksal. Eindringlich fuhr Nihotep fort: »Du weißt, dass ich den lockeren Stil nicht gutheiße, den deine Mutter eingeführt hat. Früher wohnten Männer und Frauen getrennt. Wenn mein Ehemann mich sehen wollte, ließ er mich holen. Das besaß den Vorteil, dass ich den größten Teil des Tages und auch die meisten Nächte meine Ruhe hatte. Kaum haben deine Eltern geheiratet, brachen sie mit der Tradition und leben seitdem zusammen. Moks und Ori haben diese Unsitte übernommen, wohnen sogar noch weiter weg in der hintersten Gartenecke.
Am meisten missfällt mir der Erziehungsstil deiner Mutter, angefangen bei deinem Namen. Warum hat sie dich nach einer ehemaligen Sklavin genannt? Das ist ungeheuerlich! Sie lässt euch Kindern alles durchgehen. Ganz besonders ärgerlich finde ich, dass du immer noch in Dedumoses Gemächern übernachtest. Erzähl das bloß nicht unseren Verwandten! Sie würden dich sonst für schamlos halten. Lange kann das ohnehin nicht mehr gut gehen. Spätestens wenn du zum ersten Mal deine Monatsblutung bekommst, ziehst du zu mir in den Frauenflügel.«
»Ich bin dreizehn. Mutter bekam ihre erste Blutung mit sechzehn«, erwiderte Madain heftig. Sie verkniff es sich, die alte Dame zu fragen, wann es bei ihr der Fall gewesen war. Das musste zu einer Zeit gewesen sein, als die Menschen noch in Höhlen lebten, überlegte sie bissig.
»Mäßige deinen Ton!«, tadelte Nihotep prompt. »Eine Prinzessin verliert nie die Fassung!«
Allmählich stiegen Madain Tränen in die Augen. Wenn das in den nächsten Tagen so weiterging, bereute sie jetzt schon, sich geopfert zu haben.
Da ging es auch schon weiter. »Und von der Gartenarbeit erzählst du auch nichts! Zeig mal deine Fingernägel. Sind sie sauber?«
Doch sobald sie in Qebt an Land gingen und der Herold alle Titel der Urgroßmutter, darunter den wichtigsten »Hoch verehrte Witwe eines Pharaos« lautstark vor der herbeigeeilten Verwandtschaft verkündet hatte, strahlte Nihotep und ihre gute Laune steigerte sich noch, als sie die beiden jungen Männer entdeckte, um deren Anwesenheit sie vorab in einem Brief gebeten hatte.
Madain begriff sofort, dass sie mit einem der beiden verkuppelt werden sollte, und nach dem ersten Schreck beschloss sie, das intrigante Spiel auf ihre eigene Weise zu spielen. Sie ging jeden Tag mit ihnen schwimmen, behielt aber ihr nasses Kleid an. Abends speiste sie an ihrem Tisch, lachte sich schief über eine etwas ungelenke Akrobatin und machte tüchtig mit, als getanzt wurde. Am dritten Tag aber erklärte sie den beiden Verehrern mit der ganzen Überlegenheit einer Pharaonentochter, dass sie niemals hier in Qebt leben könne, wo der Ziegenstall gleich neben der Küche stand, wo die Kacheln im Badehaus abgestoßene Ecken hatten, wo es nur grobe Bettwäsche und kein fein gewebtes Leinen gab – und das wären nur die ersten drei Punkte von insgesamt zehn.
Der Ältere der beiden zischte daraufhin, dass er ohnehin keine Lust hätte, die Launen einer verwöhnten Prinzessin zu ertragen, und der Jüngere schaute sie nur aus großen Augen an und schwieg vorsichtshalber.
Nihotep gegenüber verkündete Madain, dass sie es durchaus schmeichelhaft fände, bereits im Alter von dreizehn Jahren Heiratskandidaten vorgestellt zu bekommen. Dann aber fügte sie listig hinzu: »Ich weiß von Vater, dass in der Hierarchie unseres Landes keine junge Frau so hoch steht wie ich. Das bedeutet, dass mir ein Mann, der niedriger steht, keinen Heiratsantrag machen darf. Sag Vater also lieber nichts bei unserer Rückkehr, sonst tu ich es!«
Nihotep schnappte dramatisch nach Luft. Doch da sie im Lauf ihres langen Lebens gelernt hatte, jeder Niederlage einen Vorteil abzutrotzen, setzte sie ein hartes Lächeln auf und erwiderte: »Es kann nicht schaden, wählerisch zu sein. Ich wollte dich nur auf die Probe stellen.«
Als Dedumose erfuhr, dass Madain mit Nihotep nach Qebt reisen würde, beschloss er, endlich an seine eigenen Bedürfnisse denken. Kaum waren die beiden fort, schickte er einen Boten zu Esro und kündigte sein Kommen für den nächsten Abend an. Der Ältere empfing ihn mit einem verständnisvollen Lächeln und meinte: »Ich habe die Dame informiert. Sie freut sich, dich kennenzulernen.«
Dedumose trat einen Schritt zurück. Plötzlich ging ihm das Ganze zu schnell und er stellte klar: »Ich will auf keinen Fall krank werden, angesteckt von einer Frau, die vermutlich vielen Männern zu Diensten ist.«
»Du wirst höchstens liebeskrank«, spottete Esro.
Sie wohnte in einem Stadtviertel Wasets, in das der Thronfolger noch nie einen Fuß gesetzt hatte. Doch ihr Haus war sauber und sie verfügte über mehrere Bedienstete, was darauf schließen ließ, dass sie nur mit wohlhabenden Männern Umgang pflegte. Sie hieß Raa und war eine klassische ägyptische Schönheit, mittelgroß, wohlgeformt und mit einem liebreizenden Gesicht ausgestattet, das Dedumose sofort gefiel. Als er dann auch noch ihre außergewöhnlich sanfte Stimme hörte, fühlte er sich vollends betört.
Sie nahm sich viel Zeit, ließ ihn verschiedene Weine und Delikatessen kosten, während im Hintergrund Musiker leise aufspielten. Esro blieb bei ihm, bis er von Raa einen dezenten Wink erhielt. Jetzt nahm sie Dedumoses Hand und führte ihn ein Stockwerk höher in ihr Schlafzimmer, dessen Wände mit hellroter Farbe bemalt waren, die im Schein zweier kleiner Öllampen eine einladende Wärme verbreiteten. Mit einem kritischen Blick streifte er das breite Bett, dessen weiße Laken und bunte Kissen. Doch sie ließ ihn erst einmal auf einem gepolsterten Stuhl Platz nehmen, kniete sich seitlich von ihm hin, nahm seine Hand und flüsterte: »Du willst von mir lernen, was es über Frauen zu wissen gibt?«
»Ja, das möchte ich«, gab er zu.
»Alles zu seiner Zeit. Lass dich zuerst verwöhnen.«
Sie erhob sich mit einer fließenden Bewegung und begann zu tanzen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass die Musiker vom unteren Stockwerk immer noch zu hören waren. Raa hatte ihren Körper in verschiedene hauchzarte Tücher gehüllt und ließ jetzt eins nach dem anderen zu Boden gleiten. Dedumose spürte sein Herz heftig schlagen und konnte es kaum erwarten, sie nackt zu sehen. Wie sie ihre kaum verhüllten Brüste zur Schau stellte und die Hüften kreisen ließ, war einmalig. Ähnliches hatte er noch nie zuvor von den Tänzerinnen, die gelegentlich im Palast auftraten, gesehen. Raa nahm sich viel Zeit, bedeckte bis zum Schluss ihre Brustwarzen und ihren Schoß und fragte mit heiserer Stimme: »Ist es nicht viel schöner, wenn man nicht alles sehen kann?«
Er konnte nicht antworten, nur nicken. Wieder kniete sie sich vor ihn, löste mit kundigen Griffen seinen Gürtel, fuhr mit einer Hand unter seine Kleidung und begann, sein Glied zu streicheln. Er bemühte sich, das Ganze hinauszuzögern, kapitulierte aber schließlich. Sie lächelte triumphierend, erhob sich halb und setzte sich mit gespreizten Beinen auf ihn. Mit anfangs langsamen, dann immer schnelleren Bewegungen animierte sie ihn. Er kam beinahe um vor Lust und fing an, sie auf den Mund zu küssen. Sie führte seine Hände zu ihren Brüsten und er gehorchte, indem er sie streichelte. Während der ganzen Zeit blieb er auf dem Stuhl sitzen, und erst sehr viel später, als er in Gedanken die einzelnen Szenen noch einmal durchging, bewunderte er ihre Klugheit. Sie hatte gespürt, dass er vor dem Bett zurückscheute, in dem schon andere Männer übernachtet hatten.
Irgendwann fing sie an, ihn darüber zu unterrichten, was Frauen Genuss bereitet. Sie ließ ihn ihre Spalte erkunden und murmelte: »Spürst du, wie feucht sie ist? Und spürst du diesen kleinen, erhabenen Punkt weiter oben? Den musst du liebkosen, am besten nicht nur mit deinen Fingern, sondern auch mit deiner Zunge.«
Irritiert ließ er von ihr ab. »Nie im Leben!«
Da lächelte sie geheimnisvoll: »Irgendwann wirst du es tun und du wirst es mögen.«
Doch jetzt war sie einen Schritt zu weit gegangen, denn er musste an Madain denken und dass seine ganze Liebe nur ihr galt. Er blieb noch eine halbe Stunde, dann ließ er sich von seinen Sänftenträgern zurück zum Palast tragen, ohne sich zuvor von Esro zu verabschieden. Erst unterwegs fiel ihm ein, dass er nicht nach dem Preis gefragt hatte. In den nächsten Tagen fühlte er sich durcheinander und wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. Esro war klug genug, ihn vorerst in Ruhe zu lassen. Ende der Woche schickte der Zahi ihm einen Brief, in dem er anfragte, ob bei ihm alles in Ordnung wäre. Außerdem stand darin geschrieben, dass er sich um die Bezahlung keine Gedanken machen müsse. Er, Esro, habe es als Ehre betrachtet, ihm diesen Abend zu schenken.
* * *
Endlich kehrten Nihotep und Madain zurück. Dedumose musste sich zusammenreißen, um seine Schwester nicht vor aller Augen zu küssen. Sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu und er konnte es kaum erwarten, dass sie ihm haarklein alles berichtete, was sie erlebt hatte. Als sie später in seinen Gemächern waren, verblüffte sie ihn mit der Feststellung: »Du hast dich verändert, großer Bruder!«
Er wehrte ab: »Ich glaube eher, dass das für dich gilt.«
Sie musterte ihn kritisch, beharrte aber darauf, dass er derjenige wäre, der anders war. Doch dann sprudelte sie los mit allem, was sie erlebt hatte. Fassungslos hörte er sich die Geschichte über die beiden jungen Männer an und heiße Eifersucht stach in sein Herz. Ihm war bewusst, wie makaber das war, denn außer einem harmlosen Flirt war auf Madains Seite nichts passiert, während er selbst ganz viel zu beichten gehabt hätte, wenn er ehrlich gewesen wäre.
Am anderen Morgen suchte er seinen Vater in dessen Arbeitszimmer auf, das mit erlesenen Möbeln aus Zedernholz eingerichtet war. Nehesi war jetzt neununddreißig Jahre alt. Die ersten grauen Haare zeigten sich und um die Augen breitete sich ein Netz kleiner Falten aus. Doch er besaß nach wie vor eine starke Ausstrahlung, die selbst seine Kinder, die täglich mit ihm zu tun hatten, spürten. Dedumose musste sich anstrengen, einen neutralen Ton anzuschlagen. »Vater, ist es mit deiner Billigung geschehen, dass Urgroßmutter versucht hat, Madain mit irgendeinem Ururenkel irgendeines fernen Verwandten soundsovielten Grades zu verkuppeln?«
Nehesi brach in schallendes Gelächter aus. »Dann ist sie also zu ihrer Lieblingsbeschäftigung zurückgekehrt. Mach dich darauf gefasst, dass das jetzt immer so weitergeht.«
»Hast du es gebilligt?«, beharrte Dedumose.
»Natürlich nicht!«
Die beiden musterten einander. Es war fast so, als könne jeder die Gedanken des anderen lesen. Leise begann Nehesi: »Ich habe nicht vergessen, was du bei Madains Geburt gesagt hast, und Keena und ich würden uns freuen, wenn du recht behalten würdest. Doch du kennst die Bedingung. Sie bleibt bestehen.«
Als Nächstes ließ sich Dedumose bei seiner Urgroßmutter ankündigen, und nachdem er nur die allernötigsten Höflichkeiten mit ihr ausgetauscht hatte, fragte er: »Du planst doch nicht etwa eine Verlobung zwischen Madain und einem deiner Verwandten?!«
Sie warf ihm einen scharfen Blick zu und konterte: »Erstens sind meine Verwandten auch deine. Zweitens wäre es mein gutes Recht, Derartiges einzufädeln. Aber in Wahrheit«, fügte sie listig hinzu, »willst du Madain für dich haben. Stimmt´s?«
Er erschrak über ihre Schlussfolgerung und gab sich geschlagen. »Ja. Aber Vater hat mir verboten, mit ihr darüber zu reden. Sie soll entscheiden, ob sie sich mit mir verbinden will oder nicht.«
Nihotep hatte bis jetzt nur eine vage Vermutung gehabt. Jetzt freute sie sich über seine Ehrlichkeit, vor allem aber darüber, dass sie die Mitwisserin seines Geheimnisses geworden war. Da riet sie: »Frage sie nie direkt – und vor allem warte eine passende Gelegenheit ab! Davon abgesehen sollte sie baldmöglichst zu mir ziehen. Meinst du nicht auch?«
Da schenkte er ihr ein halbherziges Lächeln und verabschiedete sich.
Schon bald hielt der Alltag wieder Einzug und Dedumose sehnte sich nach dem einen freien Tag, der ihm helfen sollte, seine vielen Pflichten zu vergessen. Doch da er ahnte, dass er unter verstärkter Beobachtung seines Vaters und seiner Urgroßmutter stand, verbrachte er nur noch jeden zweiten freien Tag mit Madain. Die anderen waren für die Zwillinge und für seinen jüngsten Bruder Intef reserviert.
Sich einen Tag mit den umtriebigen Zwillingen zu beschäftigen, war insofern einfach, weil man ihnen nur vorschlagen musste, einen Angelausflug zu machen. Doch als er dies erneut tat und sie zögernd in sein Boot kletterten, erkannte er, dass sie in der Nacht zuvor gesündigt hatten. Man sah es an ihren dunklen Augenringen. Ohne Gewissensbisse rückte Scharek mit der Wahrheit heraus: »Wir haben gestern zwei Krüge Wein stibitzt …«
Dedumose wusste nicht, ob er lachen oder fluchen sollte. Er selbst hatte in der Vergangenheit auch schon ein paarmal über die Stränge geschlagen. Aber jetzt ärgerte es ihn, dass er seinen sauer verdienten freien Tag mit diesen beiden Schlingeln verbringen musste, die vermutlich vom Schaukeln des Bootes schon bald müde werden würden, und in dem Fall konnte er nichts anderes tun, als ihnen beim Schlafen zuzugucken.
»Was seid ihr dämlich!«, schimpfte er. »Wenn ich wieder mal einen Ausflug mit euch machen will, seid gefälligst in besserer Verfassung!«
Sie grinsten und fingen prompt an zu gähnen. Dedumose blieb nichts anderes übrig, als eine geeignete Stelle im Schilf anzusteuern und die drei Angeln auszuhängen. Er lauschte den leise plätschernden Wellen, dem Rascheln des Papyrus und dem unermüdlichen Quaken der Frösche. Er schwamm ein paarmal und Schenes begleitete ihn pflichtschuldig, während sich Scharek nicht beim Schlafen stören ließ. Doch dann übermannte es auch den Jüngeren und er legte sich in den Schatten der Bordwand.
Inzwischen färbte sich der Himmel im Westen rosarot. Dedumose verneigte sich ehrfürchtig, um Gott Re zu verabschieden. Er spürte die letzten Strahlen auf seiner Haut, die das Niltal mit Gold übergossen. Und in diesem glorreichen Augenblick hörte er genau über sich den Ruf eines Falken. Fasziniert beobachtete er dessen Flug, wie er mit nur einem einzigen Flügelschlag an Höhe gewann, indem er den Aufwind über dem Wasser nutzte. Das helle Gefieder leuchtete herrlich, und Dedumose spürte schlagartig eine Verbindung zu diesem besonderen Tier, als gäbe es eine Art spirituelle Nabelschnur zwischen ihnen. Und sicherlich entsprach das auch der Wirklichkeit, denn als Thronfolger trug er den Titel »Falke im Nest«. Bezeichnenderweise genoss er dies ganz allein und konnte das Schöne nicht mit den Zwillingen teilen. Das Gefühl, etwas Einzigartiges erlebt zu haben, klang noch lange nach, und er konnte das Gefühl selbst Tage später erneut heraufbeschwören.
Als die Zeit kam, in der die Fische endlich anbissen, weckte er seine Brüder. Doch er erzählte ihnen nichts von seinem Erlebnis und dachte nur: Schade, dass ich den Tag nicht mit Madain verbracht habe. Sie hätte den Falken gesehen und sich mit mir gefreut. Doch die reiche Ausbeute an Nilbarschen versöhnte ihn. Er brachte sie in die Palastküche, wo sie ausgenommen, mit Kräutern gefüllt und in Öl gebraten werden sollten.
Dabei kam ihm der Gedanke, dass er von dem Tag an, da er zum Pharao gekrönt wurde, keinen Fisch mehr essen durfte, um Nilgott Hapi nicht zu beleidigen. Er fragte sich, wie es für seinen Vater sein mochte, als Einziger zu verzichten. Schon als kleiner Junge hatte er sich immer an Nehesi und dessen Charakter orientiert; teilweise auch an Moks. Beide Männer waren einander ähnlich in ihrer geradezu närrischen Liebe zu ihren Frauen. Und selbst in diesem Punkt eiferte er ihnen nach. Jetzt aber dachte er: Ich muss aufpassen, dass die Zwillinge und ich uns nicht zu sehr voneinander entfernen. Früher konnte ich ihre Geheimsprache verstehen, inzwischen gelingt es mir nicht mehr. Vielleicht sollte ich ausnahmsweise etwas Verrücktes und Unvernünftiges mit ihnen machen, damit sie merken, dass wir vom selben Schlag sind.
Bei diesem Gedanken lächelte er still. Ihm war schon immer daran gelegen, dass die Familie zusammenhielt, und manchmal, wenn es Missstimmungen gab, war er der Erste, der vermittelnd eingriff. Er half, das Temperament der Zwillinge zu zügeln, oder sorgte dafür, dass sie nicht allzu schwer bestraft wurden. Er förderte Madain und Intef, wo er nur konnte. Er schaffte es meistens sogar, der kratzbürstigen Urgroßmutter ein Lächeln zu entlocken. All das hatte ihm den liebevollen Spottnamen »der Versöhner« eingetragen.
Auf dem Weg zu seinen Gemächern, wo er sich fürs Abendessen umziehen wollte, begegnete ihm Pankatta. Der schwarze Hüne war ein Sohn des Königs von Kusch und ebenso wie Esro eine Geisel der Ägypter. Seltsamerweise waren er und der Prinz aus Zahi aber nie Freunde geworden, sondern gingen einander aus dem Weg.
Eines Tages hatte Pankatta dem älteren Zwilling das Leben gerettet, als jener allzu waghalsig auf einer Palme herumgeklettert und abgestürzt war. Der Kuschit berichtete später, dass er zufälligerweise im Garten gewesen wäre und ein ungutes Gefühl gehabt hätte, als er Geräusche aus den Baumwipfeln hörte. Da habe er genau im richtigen Augenblick Scharek auffangen können, als jener herunterfiel.
