Die Kuh platzt - Alex Gfeller - E-Book

Die Kuh platzt E-Book

Alex Gfeller

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Beschreibung

Das Dokument ist ein komplexer literarisch-philosophischer Text, der metaphorisch und allegorisch das Leben, die Existenz, die Herausforderungen und die inneren Konflikte einer Kuh in einer von Widersprüchen, sozialen Spannungen und existenziellen Bedrohungen geprägten Welt beschreibt, wobei es Themen wie Selbstbehauptung, soziale Isolation und Verantwortung, Vergänglichkeit und das Streben nach Lebenssinn und Freiheit behandelt. Prof. Dr. K. Inderbitzin, Christchurch Alex Gfeller, Schriftsteller und Landschaftsmaler, geboren 1947 in Bern, lebt in Biel

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Seitenzahl: 274

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Das Ich im Spiegel der Zeit, das Ich im Brunnengrund der Zukunft, das Ich am Grunde der Platzwunde und das Ich im imperfekten Sumpf der unmaßgeblichen Gefühle haben unabhängig voneinander keine denkbare oder eine allenfalls nur schwach erkennbare, bestenfalls notdürftig machbare Möglichkeit, sich noch weiter zu entwickeln oder sich gar weiterhin in einer wie auch immer gearteten Gegenwart zu positionieren. Nur die moosbewachsenen Felsenunterkünfte der Wachtmeister, der Jungbrunnen und der Weltmeister, der Stellvertreter und der Stellenbewerber gewähren den allegorischen Einsteigern in die Welt der Krokodilorganistik und der Krokodilsoperationistik eine rudimentäre Gelegenheit, sich inniglich, doch immerhin auch innerlich, aber immer nur äußerlich besehen in sich zu begeben, indem sie erwartungsgemäß die eisernen Eingangstüren geräuschvoll nach innen aufstoßen, wenn die kaum vorstellbaren und kaum einsehbaren Voraussetzungen dazu überhaupt erst mal gegeben sind.

Wenn sie endlich untereinander übereinstimmen und miteinander so gut funktionieren, dass sie belassen werden können, wie sie sind, bewirken das angesagte Insichgehen und das bestenfalls notdürftig gegebene Insichsein zudem eine innige, doch unerwartete Insichgegebenheit und infolgedessen eine tief empfundene Insichseinsweise, die zugegebenermaßen nur in Ausnahmesituationen mit einer institutionellen Einhelligkeit und mit einer systemischen Gleichartigkeit übereinzustimmen vermögen.

Sie sind indes, doch nur angeblich und meist auch nur andeutungsweise, aber immerhin gerüchteweise nahezu unverwüstlich und in sich selbst gegeben, so hört man jedenfalls allerorten und wohl auch fürderhin laut und deutlich. Es handelt sich hierbei um lauter fremdartige Akkusativassoziationen und feindselige Genitivkomposita, denn allein deshalb bewegen sich alle Rauchschwadronen, Triebtäterschützenlinien und hartnäckigen Störefriedewiderstände unausweichlich in drei rein äußerlich deutlich unterschiedlich gekrümmten Dimensionen mitsamt ihren einzig ihnen zugeteilen Einheiten und ihren ihnen durchaus angemessenen Einzelheiten, die erst noch unabhängig voneinander und gänzlich unberechenbarerweise ganz grundsätzlich kreuz und quer auseinanderfunktionieren, auf und ab durcheinanderplafonieren und gleichzeitig innerlich und inniglich ineinanderkomplettieren können müssen.

Auch blendend weiße Westen führen deshalb oft zu Zielen, die nicht unbedingt immer im Bereiche des Vorstellbaren und in Reichweite des Möglichen liegen, obschon sogar die angesagten Flachlandverbindungen überallhin einwandfrei funktionieren und dem Vernehmen nach sogar absolut fehlerfrei mitspielen können. Sollen sie doch einfach nur gemächlich weitergehen, als sei gar nichts geschehen, in der flüchtigen Annahme, oder, besser, in der zweifelhaften Hoffnung, der stets säumige Ausschuss würde ihnen gewiss, wenn auch nur unsichtbar und unhörbar, anstandslos folgen können! Raten Sie mal! Könnten sie somit bloß tun, als hätten sie vom längst erwarteten Verschwinden des ganzen Wurmausschusses noch gar nichts bemerkt? Würde sich das aktuelle Problem folglich ohne Weiteres und wie von selbst erledigen lassen, rundweg logisch und irgendwie auch organisch, also gewissermaßen automatisch und zudem auch noch absolut fugenlos absichtsintegriert und maßvoll durchkoloriert? Wäre daraufhin die ganze, längst angesagte Aufregung völlig umsonst gewesen, oder würden die meisten Kühe die Würmer für die Dauer der laufenden Unternehmung unter Umständen einfach überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekommen können wollen, etwas, was sie sich übrigens insgeheim und nur für sich selber seit jeher inniglich gewünscht hätten? Nie mehr Würmer? würden sie sich unsicher fragen. Ein Leben ohne Würmer? Eine Welt ohne Würmer? Ein ganzes Universum ohne Würmer? Ein eindeutiges Gehirngespinst.

Genau das wäre indes die logische Quintessenz der folgenreichen Annahme, denn dergestalt lautet der geheime, niemals offen ausgesprochene oder gar aufgeschriebene und deshalb umso tiefer empfundene Wunschpunsch einer reifen Papaya aus Paraguay nach Endgültigkeit in aller Unsterblichkeit. Wir erkennen hierbei leichterdings das erschreckende Ausmaß der Not, das unerträgliche Gewicht des Leidens und den unsagbar weitgefassten Umfang der ganzen Armseligkeit, des ganzen Elends und der ganzen Drangsal, und man merkt dabei schnell: Erst als Kuh lernt man die Würmer als solche – und deshalb natürlich auch einen ausgewachsenen Wurmausschuss – richtig tief und von Herzen hassen.

Das mag in der Tat eine unerwartet bittere Grunderkenntnis einer Bos taurus auf der Basis einer ätzend langjährigen Grunderfahrung sein, die sich indes in den allermeisten Fällen viel zu spät einstellt, nur weil man sie sich für lange Zeit gar nicht erst ein- und zugestehen möchte. Das taurische Verdrängungspotenzial zeigt sich naturgemäß unausweichlich aktiv und zudem unübersehbar in nahezu gigantischem Ausmaß, nur um die geeignete Wirksamkeit allerorten und allenthalben demonstrieren zu können.

Aber unsere Kuh ist jetzt nicht nur ungehalten, sie ist gegenwärtig auch noch wütend und empört zugleich. Womit muss sie sich auch noch in ihrem gesetzten Alter von 23 Jahren beschäftigen und befassen, betätigen und bewerkstelligen, betören und bewilligen, bewegen und betonen, bejahen und verneinen? Womit muss sie sich als bestandene und erfahrene Kuh täglich auch noch herumschlagen müssen? Womit hat sie diesen ganzen Wurmdreck überhaupt verdient? Kann man so etwas Entwürdigendes von ihr eigentlich heute noch verlangen? Sind solch garstige Lebens- und Erwerbsbedingungen einer erfahrenen, langjährigen und somit recht abgebrühten Kuh überhaupt noch zuzumuten, also zumutbar, zuträglich, zuweisbar und erst noch sehr konkret zustellbar? Zuteilbar und zugetan? Zuvorkommend? Zuversichtlich zuversichtet? Zuständig und zuträglich? Zugänglich und ausgänglich? Ist dieses unkalkulierbare und auch überaus verwerfliche Geschehen nicht längst zu einer arbeitsrechtlich einkömmlich unbekümmerten und staatsbürgerlich äußerst bedenklichen Grenzüberschreitung verkommen, zu einem rinderhälftigen, bosologischen Fanal gewissermaßen, zu einem kuhrechtlichen Ausnahmefall, zu einem kühischen Sonderfall und somit zu einer völlig unzulässigen Kuhplage, bzw. zu einer unstatthaften Würmerplage von mittelalterlichem Ausmaß und Strafmaß? Müsste eine jede tapfere Kuh solcherlei nicht stolz und entschieden von sich weisen dürfen und selbstbewusst zurückweisen können, und müsste sie sich nicht, zum Beispiel angesichts dieser pausenlosen Beleidigung, zu Händen einer Internationalen Kuhrechtskommission gerade diese unablässigen Demütigungen, konstanten Bedrohungen und fortlaufenden Entwürdigungen nicht einfach definitiv ernüchtert und entschieden zu erklären erlauben: „Damit habe ich nichts zu tun. Das geht mich nichts an. Das liegt weit jenseits all meiner Vorstellungen, Kompetenzen, Vorgaben, Abgaben, Eingaben, Ausgaben und Aufgaben. Das muss ich mir nicht bieten lassen, und gefallen lassen muss ich mir das schon gar nicht erst. Ich werde mich damit nicht befassen, noch werde ich solcherlei jemals mitmachen müssen wollen. Das liegt weit unter meiner Würde eines grenzüberschreitend anerkannten Nutz- und Herdentieres und Hornviehs mit naturgeschütztem Status!“

Denn es verhält sich auch bei diesem Bekenntnis gleich wie bei den Bekenntnissen so vieler anderer, übereifriger, angeheizter, ausgereizter und ganz eindeutig übergeschnappter Herdentiere und Fleisch- und Milchspender unter den Olympioniken einer landwirtschaftlichen Zucht: „Die Theorie ist klinisch rein und vollkommen verständlich wie bestes Quellwasser, das heißt, absolut keimfrei und glasklar, wenn man so will, reich an Sauerstoff und wertvollen Mineralien, aber die Praxis sieht hingegen wie die braune, stinkende Brühe in der überbordenden Abwasserreinigung einer völlig überforderten, ländlichen Region aus.“ Na, wie wäre das?

In der Tat: Die zyklische Wirklichkeit sieht exakt und präzise wie die übelriechenden, verdorbenen und zudem meist auch noch giftigen Abwässer eines ganzen Einzugsgebietes aus, sieht also wie die halbvergorenen Ausscheidungen aus, die jeden beschissenen Tag in einem nahezu pausenlosen, unsichtbaren Strom von siebenhundertsechzigtausend unerbittlich anhaltend gestressten Arschlöchern mit permanentem Durchfall in eine düstere, neblige Landschaft geschissen werden, noch bevor sie durch die örtlichen Kläranlagen gequirlt, gepumpt, gesickert, geschraubt, gesprüht und gegluckert ist und kurz bevor das solcherart zurückgewonnene Restwasser wieder einigermaßen klar in die Natur und bald darauf erneut in die Trinkwasserfassungen der nächsten Polis gelangt ist, es sei denn, es werde willentlich und wissentlich als praktischer Dünger verwendet, was aber aufs Gleiche herauskommt. Jedenfalls landet die ganze Scheiße immer im Gelände.

Steht, nur als instruktives Beispiel, in unseren heiligen Anweisungen nicht „Du sollst kein gestohlenes Rind in deinen eigenen Freilaufstall integrieren?“ Oder so ähnlich? Oder: „Du kannst die Klimaanlage einfach ausschalten und ausbauen, wenn du nicht mehr ans Klima glaubst.“ Oder: „Die Verwesung der Verwesentlichung ist ein wesentliches Gut der Zuchterfolge.“ Oder: „Diese teuren Sitzüberzüge aus importiertem australischem Springmausleder reichen gerade noch zum Staubabwischen auf allerlei Gestellen und Ablageflächen, nicht aber zum Besprinkeln und Besprenkeln der beiläufig angebotenen Geländeformen.“

Natürlich ist dies alles bewusst ungenau zitiert und nur vage formuliert, um damit allenfalls die Spuren einer denkbaren Herkunft verwischen zu können; doch genau da hapert es nämlich bei ihnen, den abgestandenen Ersatzklebern an der Eierfront unter vielen anderen, und zwar mit dem klaren und reinen Nächstenliebeprogramm; genau da knirscht es mächtig in ihrem inneren Getriebeverband! Das knirscht geradezu unüberhörbar! Dergestalt kann aber überhaupt erst richtig positiv gearbeitet werden, denn derart ungleich können selbst Einzelwanderungen von Lebendviehbeständen erst aufgebaut und darauf festgefahren sein, so dass die Ergebnisse der Massenbefragungen nicht mehr lange auf sich warten lassen würden. Es ist deshalb beileibe nicht das erste Mal, dass ihr, also der Kuh, dieses peinliche Missgeschick widerfährt, und so gesehen könnte sie sich jetzt beruhigen und sich erleichtert einreden: «Das wird sich gewiss wieder geben, liebe Kuh, das wird sich füglich fügen, geschätztes Rindvieh. Du wirst sehen: Die Dinge werden sich wie von selbst wieder einrenken und intuitiv ihren richtigen Platz und Weg finden, und das zweifelhafte Unternehmen wird deshalb schon bald wieder seinen gewohnten Verlauf nehmen und seinen üblichen Gang gehen können!“ Und sie fügt maliziös, wie sie nun mal ist, spöttisch hinzu: „Die Würmer selber werden wie üblich irgendwann mal ganz ahnungslos wieder auftauchen und völlig unbeteiligt aufkreuzen, äußerlich höchst erstaunt ob deiner sinnlosen Aufregung und unnötiger Sorge, keine Angst! Keine Bange! Keine Furcht! Noch Schrecken ohne Zahl! Und, kein Zweifel, kein gelegentliches Bedenken beim Henken! Ein Henker lebt zwar isoliert, einverstanden doch immerhin unangefochten eigenständig!“

Doch diese allzeit hinderlichen Einschränkungen und steten Einengungen, all diese störenden Schmälerungen und hemmenden Begrenzungen könnten unzweifelhaft und jederzeit sowohl von innerer Koloratur, ja, von geradezu innerlicher Signatur und verinnerlichter Partitur, als auch von banaler, äußerlicher Rasur gewesen sein, aber sie waren zweifellos schon immer da und befragten den Psalterverwalter und die geladenen Gastreferenten zudem permanent und inständig nach allfälligen Ursprüngen ihrer spärlichen Kurzvisiten, verfolgten sie nahezu andauernd mit ihren Fragen und poppten sie damit erst richtig auf, die Geplagten, foppten sie beharrlich und wirkten allzeit ätzend langsam auf sie ein, die Geschundenen, waren natürlich stets unerwünscht und unwillkommen, die Gejagten, fanden sich zudem in ihrer ganzen Apparenz und in ihrer extrem unangenehmen Konsistenz oder unpassenden Kongruenz äußerst ungebeten ein und verhielten sich ihnen gegenüber, den höchst unfreiwillig Misshandelten und schuldlos Geknechteten, fortwährend und immerfort und nahezu immerdar und unterbrechungslos gleichartig folgenreich und schwerwiegend, gleichsam gleichzeitig und gleichförmig unkoordial und unkoordinal, und dazu auch noch ausnehmend sodomistisch und defaitistisch und vor allem unzuverlässig, oder aber ganz offen infernalistisch und internationalistisch, ausgerechnet sie, die ausschließlich lokal Definierten, denn sie verhinderten damit und dadurch recht wirkungsvoll ein gewisses, allerdings nur bescheidenes Wohlfühlvermögen und eine äußerst gesuchte Entspanntheit der Muskulatur und der Gliedmaßen, oder, anders gesagt, eine durchaus erwünschte Gelassenheit in der gesamten Muskelmasse in der stillen Einschätzung oder gleich in aller Offenheit und in aller Öffentlichkeit auf der Aussichtsterrasse. Es ist peinlich, dies sagen zu müssen, und unangenehm dazu.

Auch in den ausgetragenen Miederwaren ihrer Mütter oder Großmütter aus dem Kleiderschrank oder aus der Mottenkiste, die sie, die allzeit Gepeinigten, sich damals immer heimlich gewünscht, doch nie so locker erreicht hatten, wie sie es für sich schon immer gewünscht und gefordert hätten, war keinerlei Erlass, noch Ergeben, auch kein Bewegen oder Verlegen zu finden, denn bestandene, starkbehaarte Männer mit dichten Vollbärten in weißer Damenunterwäsche waren nach Jean Genet nicht mehr das, was Pelikane oder Laufbandkrane sich wünschten, auch wenn es sich dabei nicht einmal um situative Darstellungskunst handeln sollte, wie einige waaghalsige Diagnostiker und tollkühne Prognostiker todesmutig behaupten mochten, denn man sah die objektiv unansehlichen, männlichen Geschlechtsteile jeweils nur allzu deutlich, die seitlich aus den Damenslips ragten und, besonders in erigiertem Zustand, nicht mehr zu verbergen waren, als dass man ihnen ihr Rollenverhalten jemals abgekauft hätte.

In Wirklichkeit konnte er ihnen, also seiner eigenen, allerdings äußerlich äußerst unverwechselbaren Entspanntheit innerhalb der permanenten Angespanntheit und seiner geschuldeten und gleichzeitig selbstverschuldeten und trotzdem immer wieder nachgefragten und notfallmäßig gesuchten Gelassenheit in der Melasse der organischen Meeresmasse auch in einer gewöhnlichen Henkeltasse von der Gasse gar nicht erst begegnen. Er war damals als prokurierter, kuhbeauftragter Ausnahmeunternehmer und emsiger Kuhfortlaufzähler anderswo und anderswie immer aufs Äußerste eingespannt und angespannt und hoffnungslos zwischen zwei riesig erscheinenden Backenzangen von Backenzähnen gefangen. Er war dort über alle Maße zwischen Hoffen und Bangen eingeklemmt, wie alle damals noch tief religiösen Kuhaufbauauflaufstallabnehmer und Kuhaufbauauflaufabnehmerinnen im stetig und ständig verregneten Transsylvanien der Dreißigerjahre.

Auch stillgelegt wie die meisten transsylvanischen Hühnerzüchter mit Freilandeierauftrag, Freihandeierabtrag, Freilandeiereintrag und Freilandeierabtrag mit Eingangseierkontrollzwang, oft sogar mit Stuhlgangsauftragsabtrag und teurer Sonderabsatzauftragsbestuhlung, oder einzig mit einem Zusatzeintrag in Sachen Stierenaugen und Knieblätze im allgemeinen und lästigen Geldbeutelverlustigkeiten im Besonderen, diente er nicht nur den kleberischen Zuverläßigkeiten der Selbstklebeetiketten zu, sondern bewegte sich zuweilen sogar nahezu ausschließlich im Rahmen der reichlich zufälligen Gegebenheiten. Man staune!

Das führte ihn schon damals gleichzeitig wie die Roadrunner zur allerersten Grundsätzlichkeit in Bezug auf die Kontaktlinsen, von der er immerzu, nebenher und zudem unvermindert ausgehen musste: Als Flohzirkusunabhängiger – und das waren damals die meisten der unfreiwilligen Flohzirkusmitarbeiter und ebenso unfreiwilligen Flohzirkusmitarbeiterinnen unter dem inoffiziellen schwedischen Beauftragten für die Meereswogenbewertungen und notfalls der staatlich geführten Meereswogenbeschaffung – stand er immerzu vor einer glatten, senkrechten, manchmal sogar überhängenden, feuchten und absolut unüberwindbaren Spundwand aus Kompaktgemüse, Kaugummi und brüchigem Biskuit von gut und gern tausend Metern Höhe, approximativ geschätzt und appropriativ gesehen, denn er musste sich stets abschotten und sich zuweilen sogar auch umsichtig aufweichen können dürfen und ausweichen lassen müssen und unverbindlich nachsichtig zurückweichen sehen können und vorsorglich eintüten lassen vermögen, nur um die alten, längst hinfällig gewordenen Plakate zu überkleben, die er einfach nicht mehr ausstehen konnte, da sie ja längst überfällig geworden waren, dépassés und démodés, wie sie schon damals waren, unzeitgemäß und unaktuell, längst verbraucht und somit hinfällig.

Er musste sich zudem stets selber und persönlich verkaufen können und versklaven dürfen, selbst im korrekt gemusterten Schottenrock oder im schwarzen Neopren-Anzug der Pygmäen, nur um finanziell einigermaßen durchzuschlüpfen und um unbeschadet und fehlerfrei über die Runden zu kommen und um akkurat durch die aufgereihten, brennenden Autoreifen springen zu können, sei es nun, unchronologisch gesehen und ohne Gewähr, als Tannlisetzer, Heftliausträger, Fabrikarbeiter, Geschirrverpacker, Luströster, Hilfslandvermesser, angelernter Fließbandler, Lieferwagenfahrer, als fremdsprachenkundiger Fremdenführer, als Kuchenblechreiniger, Eglifiletierer, unerwünschter Aushilfsbibliothekar, notgedrungener Klinkenpolierer, Klingelreparateur oder Schuhabtreter, als freischwebender Bücherbesprecher contre coeur mit dem eindeutigen, politischen Auftrag, gute Bücher gefälligst schlecht zu machen und schlechte Bücher hochzuloben, als Bandweberaushilfsgehilfe, als Stellenvertreter für Stellvertreter, als Wäscheausträger, unbedarfter Autobatterienreiniger in Eigenregie, als Pfannenputzer, Hilfsspleißer, also als Telefonleitungshilfsverleger und in Neubaubereichen als Telefonleitungshilfsanschließergehilfe, als ständiger Babysitter für frisch geschlüpfte Straußenkinder, als Ausstellungshgesitteter Bärentöter und geschickter Fellabzieher von noch nicht abgeschossenen Braunbären, als treuer und treugläubiger Bilderausstellungshüterbub, als geneigter Turnhallenreiniger, emsiger Golfballsucher, auch unter Wasser, als williger und eifriger Dreckschaufler in reichlich abgele-genen Entwässerungsgräben, als Nussbaumstutzerleiternhalter, als Hilfskoch, Segelschiffan-binder, als recht eleganter Skilehrer, als anfängerhafte Schankhilfe, als Pedalpickler, Putzlumpenaussortierer und relativ zuverläßiger Putzlumpenentsorger gemäß Vorschrift, aber auch als unerwartet unzuverläßiger Schnaps-umdruckermaschinistSchnaps-umdruckermaschinist, Naturforellenbachausputzer, Billettverkäufer, Platzanweiser in improvisierten Theatern und illegalen Cabarets oder auch nur als archaischerarchaischer Hilfsgärtner und mittelalterlicher Bogenstemmer für die mittelalterlichen Bogenschützen der mittelalterlichen Festspieltage im verregneten, mittelalterlichen Schneeland draußen bei den Pygmäen und den sieben Zwergen, oder aber als unfreiwilliger Trinkwassfasser und erstaunlich unwilliger Hilfskoch im erzwungenen Skilagerbetrieb der gefräßigen Frittenmampfer und Schnitzelfürsten mit oder ohne Ketch-up, mit oder ohne Mayonnaise. Oder mit beidem.

Nun denn, alles halb so schlimm, winken die Unbeteiligten und Wankelmütigen in ihrer nur vage angedachten Überheblichkeit ab, die Zuschauer, die Mitleser, die Beisitzenden, die Nachtragenden und die zahllosen stillen Beobachter und notorischen Petzer.

Eine geplagte Kuh wird gewiss keinen Schaden davontragen, behaupten sie zwar, weder einen physischen, noch einen psychischen, nimmt auch er und mit ihm alle überlasteten Post- und Paketboten ganz selbstverständlich an. Dies nimmt auch die Kuh selber reichlich verharmlosend, doch deutlich unsicher an; sie geht somit auch nicht von einem moralischen Defekt oder gar von einem ethischen Zielkonflikt aus, denn nichts wird sie davontragen, noch wettmachen, und auch das antikühische, also das antirindische Gewürm wird wohlweislich den Mund halten müssen, denn es wird ausreichend Grund dazu haben: Es wird sich unbeschwert und ungehindert am reichlichen Diebesgut erfreuen wollen, an der lohnenden Ausbeute eines weiteren, erfolgreichen Raubzuges durch die vielen fremden, also unbekannten Warenhäuser mit ihren verlockenden Angeboten, in ausschließlich fremden Häusern also, wo der Überwachungscomputer, wie angedeutet, die Gesichter der einzelnen Würmer noch nicht digital erfasst, gespeichert, analysiert und klassifiziert hat und deshalb auch noch nicht automatisch erkennt, wo er ihre Personalien noch nicht gespeichert hat und wo ihre biometrischen Daten noch nicht blitzschnell abgerufen werden können, noch ihre genetischen Merkmale, nicht einmal ihre Fingerabdrücke und Augenfarbe, und alle werden sich anschließend ganz entspannt auf die Schultern klopfen lassen und sich erleichtert sagen können: „Das ist heute ja noch einmal gut gegangen, Alter; alles hat ganz reibungslos geklappt, Mann, niemand ist verloren gegangen, Bruder, nichts ist krumm und schief gelaufen, mein Sohn, niemand hat die Alarmanlage ausgelöst, lieber Kumpel, und kein einziger Pimmel ist zu Schaden gekommen, geschätzter Kollege, und auch die Sprinkleranlage ist ja noch intakt und unberührt. Was wollen wir also mehr?“ „Es sind dabei in der Tat keine wilden Verfolgungsrennen durch alle Etagen des bekackten Ladens vorgekommen, noch hat eine unerhört gewalt-tätige Überwältigung mit bösen Knochenbrüchen irgendwo in einem abgelegenen, kalten Treppenhaus stattgefunden, aber auch keine unvorhergesehenen Massenverhaftungen mit endlosen Gruppenauspeitschungen und gleich anschließenden Nötigungen waren zu verzeichnen, also nicht einmal eine stundenlange Befragung auf der Ebene der Genitalien, auch keine heftigen und gezielten Schläge auf selbige oder auf Kopf, Beine, Arme und Rücken, keine lähmenden Elektroschocks, keine öffentlichen Auspeitschungen im Eingangsbereich der Warenhäuser, kein rüdes Händeabhacken wie dunnemal im Mittelalter, auch keine Steinigungen, keine spontanen Hinrichtungen, auch kein sonstiger übler Konflikt mit bekacktem und notgeilem Bodenpersonal wegen nichts und wider nichts, keine Brandstiftungen, keine Explosionen und auch keine Schändungen, wie gesagt, keine wilden Prügeleien mit dem Verkaufspersonal oder spontane Racheakte an der Kasse, auch keine Zirkumzision, keine Klitoridektomie und somit absolut kein Stress heute, Alter! Sag, was wollen wir noch mehr, alter Schwede? Alle sind wohlbehalten zurück und wohlauf, reichhaltig beschenkt und reichlich behangen mit allerlei Hehlerware, mit güldenem Edeltand, silbernen Blinkern und farbig funkelnden Klunkern und somit reich belohnt und in den Augen aller Daheimgebliebenen und deshalb leer Ausgegangenen reichlich begünstigt und maßlos bevorteilt.“ „Weder haben wir Druck machen müssen, noch auf Terror gehen, und auch der ganz gewöhnliche Drogenhandel hat sich in der fremden Stadt überaus erfreulich abgewickelt und ausgiebig bezahlt gemacht. Wir haben auch diesmal wieder ganz unerwartet ausnehmend fette Beute und happige Gewinne zu unseren Gunsten verzeichnet; das dürfen wir freudig festhalten, genussvoll akzeptieren und ruhig etwas feiern. Wir haben es verdient.“ „Das diesjährige Unternehmen hat sich wirklich wieder einmal gelohnt und erfreulich ausbezahlt, genau wie erhofft, wie ausbedungen, wie abgemacht und wie vorgesehen, ihr Sitzpinkler und Turnbeutelträger!“ „Und auch die Kuh hat sich anständig aufgeführt, sogar die, hat sich nie eingemischt und hat von alledem gekonnt nichts bemerkt und nichts beachtet. Das muss man ihr hoch anrechnen!“

In der Tat: Die Würmer haben sie sauber abgehängt, haben sie richtig ausgetrickst, und sie hat auch nicht unnötigerweise nach ihnen gesucht. „Alles im Rahmen, ihr Warmduscher, Hochgebirgsjodler, Honigmilcher und Kampfrichter, alles absolut vollfett astrein ausbedungen, ihr einsamen Nullen im All und Nieten im Universum, alles glasklar endgeil abgewichst und vollkorn paletti ausgefickt!“

Es war das ausnehmend ärgerliche Grundsyndrom des permanenten Begehrens, das ihn einen ganzen Schneebesen lang beschäftigt hatte und ruhelos umtrieb, völlig gundlos, denn er war seit seiner vierzehnten Lebertranstudie eigentlich nur noch ein erklärter Kahler und Schwachsteller und kein Kellner und Schwerlaster mehr, ohne es zunächst überhaupt zu wissen oder wirklich zur Kenntnis zu nehmen – so selbstverständlich war ihm das Kahlen und allnächtliche Scheibenkleistern als altgedienter Schwachsteller, zwölfteiliger Doppelstrahler und blätterteigartiger Mehrfachzwek-ker bereits damals geworden, gewissermaßen an allen gängigen Lücken, zeitigen Durch-scheinungen und läufigen Schwachstellen der allgemein üblichen Unvernunft vorbei. Die so genannte Lebensverarbeitungszeit – ein richtig fettes Unwort für einen wahrhaft schrecklichen, geistigen Zustand – war die eigentliche und wahre Ursache in der begleitenden Gosse der Gossenreiter, Zwergbegleiter und Befehlsbereiter, der Wegbewässerer und Reiseleiter für alle seine Unannehmlichkeiten in den enggefassten Armen des Urmeeres und seiner Prädikativa, Kondensativa und Assoziativa, die er im Verlaufe seiner besagten und gleichzeitig verhassten und schon längst viel zu lange andauernden und anhaltenden Lebensverarbeitungszeit. Er musste sie leider viel gründlicher als jemals zuvor erst entkernen, danach entstellen und daraufhin deklarieren, entgegen all seinen unschuldigen und ahnungslosen Annahmen und Einnahmen aus der Frühzeit der Dinosaurierbestimmung und der üblichen Nationalökonomenanalysen unter den Amöben, Mikroben und Pantoffeltierchen. Diese eine Unternehmung wird somit möglicherweise ganz gesetzmäßig schieflaufen müssen, denn wenn etwas schieflaufen kann, dann wird es irgendwann mal zwangsläufig schieflaufen, so besagtes, mathematisches Gesetz; darauf können Sie einen Kaktus setzen. Sie wird womöglich sogar schlimm enden, die Unternehmung, ist zu befürchten, und die Kuh wird plötzlich und wie längst vorausgesagt ganz alleine dastehen, splitternackt und vor aller Welt bloßgestellt, bar aller Hilfe, bar aller Unterstützung und bar allen guten Rates, zudem ohne Freude und ohne Freunde, denn Freunde hat man, solange alles reibungslos und easy ab- und verläuft, sonst nicht und nirgendwo sonst. Alle Schuld wird in der Folge ausschließlich, restlos und unausweichlich ihr, der Kuh zugeschoben und aufgebürdet werden, denn eines ist ihr mittlerweile längst klar geworden: Besagten Wurm-ausschuss trifft einzig aus systembedingten und organisationsimmanenten Gründen keinerlei Schuld, denn ausgerechnet ihn trifft nie eine Schuld, da ihn gar keine Schuld treffen kann, weil das gar nicht so vorgesehen und allein deshalb unmöglich ist. Und auch das Protektorat selber kann keine Schuld treffen, niemals, denn das Protektorat ist gar nicht dabei und hat damit somit gar nichts zu tun. So liegen die Dinge. Die ganze, gegenwärtige Unternehmung ist nun mal ihre, der Kuh Unternehmung und nur die Ihre, und demzufolge liegen alle diesbezüglichen Pflichten und Verantwortlichkeiten ausschließlich bei ihr selber; es sind somit eindeutig und streng betrachtet nur die Ihren und niemandes Verantwortlichkeiten, Zuständigkeiten oder Kompetenzen und allfälligen Begehrlichkeiten sonst, um die es da angeblich gehe und von denen hierbei allenfalls und reichlich beiläufig die Rede sei.

So läuft das, so rigoros lauten die eisernen ornithologischen Spielregeln, welche die Kuh im Übrigen natürlich nicht selber festgelegt hat, noch jemals wachen Sinnes gebilligt hätte; das ist sozusagen das Kleingedruckte in einer mehr als nur ungemütlich gewordenen Kuhwelt, in der es dem Vernehmen nach praktisch nur noch Kleingedrucktes, Geschwärztes und Ausgespartes gibt, wenn man so will. Genau dergestalt lauten nämlich die ungeschriebenen Anstellungsbedingungen und unausgesprochen einseitigen Erwerbsvoraussetzungen für Kühe in all ihrer Artenvielfalt und in all ihrer biologisch bedingten Wehrlosigkeit nun mal: Wenn etwas schiefläuft, dann haftet ausschließlich die Kuh selber, und zwar voll und ganz, bei Einzelwanderungen von Einzelkröten zumal, die auf ihren jährlichen Krötenwanderungen immer wieder auf undelikate Relikte von Regenpfeifern, Murmelhörnern, Deliktschwalben und Nasswanzennestern stoßen, wie man hört; dort sei diese Anmaßung angeblich geradezu sprichwörtlich geworden, sagt man hinter den Hand.

Das ist in der Tat erstaunlich und wundersam zugleich, denn vereinzelte Gebirgskammformen führen uns trotzdem immerzu und unvermindert heftig und auch immer wieder nach Rom zum Apostel Petrus, wie wir alle wissen, und dazu verbrauchen wir keine Karten oder Kunden mehr, auch keine Krücken oder Kraken, aber auch keine Rechtfertigungen, noch weitere Hinweise auf Zufälle, Unfälle, Missfallenskundgebungen und heftige Wasserfälle auf dem Weg zu eher unliebsamen Begegnungen, denn einzig die aktuelle Gefühlslage berichtet uns eindeutig und unmissverständlich, wohin der Weg uns führen wird und woher des Weges allenfalls die Alternativen für die Mehrfachkleber unter den Selbstklebern kommen, die uns immer warnend vor Augen stehen, sagt uns die Selbstkleberin und Eigenurintrinkerin persönlich, was uns indes nicht immer gleich stutzig zu machen braucht.

Das einseitig weggebogene Ich im Spiegel der Zeiten, das doppelseitig gekröpfte Ich im düsteren Brunnengrund der Zukunft und das vielseitig destabilisierte Ich im Sumpf der widersprüchlichsten Gefühle haben unabhängig voneinander alle keine denkbare oder auch nur schwach erkennbare, allenfalls und bestenfalls notdürftig machbare Möglichkeiten mehr, sich fürderhin zu entwickeln, sich anhin zu bewegen oder sich gar weiterhin vorteilhaft zu positionieren, denn eigentlich nur die dreibeinigen Stützstrümpfe und die moosbewachsenen Übelkeiten gewähren den blut-jungen Einsteigern unter den Eingeborenen eine rudimentäre Gelegenheit, sich zu verinnerli-chen, sich also inniglich in sich zu begeben und sich dergestalt geistig zu sammeln, sich somit endlich und grundsätzlich zu berechenschaften und deshalb sozusagen die schwere Eingangstüre nach innen aufzustoßen, falls allenfalls die Voraussetzungen dazu gegeben sind und falls sie untereinander überhaupt erst übereinstimmen möchten, kurz gesagt. Das Insichgehen und das Insichsein bewirken zudem eine innige Insichgegebenheit, ein Einssein mit sich selber, vereinfacht gesagt, zusammen mit einer untrennbaren Insichbezogenheit und zudem praktischerweise ein vorgezogener Elchtest anlässlich einer tiefen Insichseinsweise bei angezogener Handbremse, die zugegebenermaßen nur in Ausnahmesituationen mit einer institutionellen Einhelligkeit einhergehen und daher mit einer unbedingten, systemischen Gleichartigkeit übereinstimmen können, die indes, wenn auch nur angeblich, so doch zumindest andeutungsweise, allenfalls gerüchteweise, nahezu unverwüstlich ist und unverwüstlich bleibt, hört man zuweilen von meist unberufener Seite.

Doch allein deshalb bewegen sich angeblich alle Rauchschwalben erstaunlicherweise, aber unausweichlich in drei verschiedenen Dimensionen, wenn auch nicht immer gleichzeitig oder abgesprochen, sei es als Hängegleiter im Frack, die jedoch erst noch unabhängig voneinander und unberechenbarerweise kreuz und quer und gleichzeitig auseinanderfunktionierend und ineinanderkujonierend und immer mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die linden Lüfte zischen können müssen, und sei es pfeilschnell, wie man sagt. Aber wer glaubt das schon auf Anhieb? Auch blendend weiße Westen und schwarze Fräcke führen oft zu Zielen, die nicht unbedingt immer im Bereiche des Vorstellbaren und in Reichweite des Möglichen liegen, obschon sogar die Flachlandverbindungen überall einwandfrei funktionieren müssen und somit absolut fehlerfrei mitspielen können sollen, wie manche als selbstverständlich annehmen mögen. Das ist zudem eine deutliche und eindeutig unumstößliche Tatsache und gleich beiliegend ein entscheidender Anlass zu durchaus berechtigten Befürchtungen und Bangigkeiten und sogar zu Not und Sorge, wenn nicht gar zur Qual der Wahl oder, wie in unzähligen traurigen, kühischen Fällen, zu nackter Angst oder zu offener Panik, die in der Folge bis zu spontanen Selbstentleibungen führen können, denn auch das kommt zuweilen vor, zweifellos, denn Furcht, respektive zügellose Angst oder gar grenzenlose Panik erfassen eine Kuh nun mal sehr schnell, schneller jedenfalls, als ihr jemals lieb sein könnte, und zudem umso heftiger, je länger sie in diesem ihrem verhassten Kuhbusiness stecken bleiben muss, umrahmt von der ihr bestens bekannten Ratlosigkeit, die sie immer gleich erstarren lässt, und immerzu begleitet von einer abgrundtiefen Verlegenheit, Bedrohung und tiefen Bedrängnis, von einer bleischweren Ratlosigkeit also und von einer ausweglosen Notlage – eine mehr als nur unheilvolle Mischung, wie wir uns gut vorstellen können, die einen jeden tierischen Mob, einen jeden launischen Plebs und einen jeden un-berechenbaren Pöbel zu einer öffentlich affektiven, blutig verlaufenden Strangulierung von unschuldigen Kühen geradezu einlädt – zu einer klassischen, spanischen Vergarrottierung mit der Garrotte, dem schrecklichen Würgeeisen, wie bereits angedeutet.

Diese hartnäckige Bedrohung und Bedrängnis geht zudem meist ganz organisch aus ihrer artbedingten Hilflosigkeit hervor, die oft als Dummheit gedeutet wird, und diese wiederum entsteht einzig aus dem Gefühl heraus, in aller Öffentlichkeit unausweichlich zu versagen, also sozusagen gesetzmäßig öffentlich zu verfehlen und somit coram publico Schiffbruch erleiden zu müssen, will heißen, scheitern zu müssen, denn somit haben wir hier die klassische griechische Tragödie, allerdings mit einer versteckt eingebauten, raffinierten göttlichen Vorsehung, wenn Sie so wollen und wenn Sie gestatten, und all dies erst noch gratis und franko. Wo kriegt man sonst sowas zu Gesicht?

Dergestalt kann aber überhaupt erst richtig positiv eingestellt gehandelt werden, denn derart ungleich können Einzelwanderungen aufgebaut und vollends eingefahren sein, so dass die Ergebnisse nicht lange auf sich warten lassen, bei Einzelwanderungen von Einzelkröten zumal, die auf ihren Einzelkrötenwanderungen angeblich immer wieder auf undelikate Relikte stoßen, wie man hört. Das ist erstaunlich und verwunderlich zugleich, zugegeben, denn vereinzelte Jakobswege führen trotzdem immerzu und nach wie vor unvermindert heftig nach Santiago de Compostela, wie wir alle wissen, und dazu brauchen wir keine Karten, aber auch keine Rechtfertigungen, noch weitere Hinweise auf Zufälle und einseitige Wasserfälle, denn einzig die aktuelle Gefühlslage berichtet uns eindeutig und unmissverständlich, wohin der Weg uns führt und woher des Weges allenfalls die vereinzelten Alternativen für die ungefragten Mehrfachkleber unter den emsigen Selbstklebern kommen.

Das vermag angesicht der zahllosen Missverständnisse in diesem Bereich erstaunlich genug erscheinen, angesichts ungewöhnlich hartnäckiger, beharrlicher und obstinater Missverständnisse allerdings, an die wir uns indes längst gewöhnt haben und die wir ungeprüft in Kauf nehmen müssen. Sogar die unterschiedlichsten Schenkelklopfer unter den zahllosen Schneckenkopulationen sind dort nämlich allein durch ihre plakative Langsamkeit ganz besonders sinnlich versinnbildlicht geworden, und nur wer viel Geduld aufbringen kann, fühlt sich ihrer überhaupt erst mächtig, denn ausgerechnet in diesen eher seltenen Ausnahmefällen spricht man in gewissen eingefleischten Fachkreisen allenfalls von einer «Dreifachnutzung der Gütesiegel», wie bereits andernorts erwähnt. Auf Außenstehende vermag dies zuweilen amüsant wirken; doch eines ist der Kuh jedenfalls schon heute klar: Sie hat tatsächlich versagt, sie ist wieder einmal mehr als deutlich sichtbar am laufenden Unternehmen gescheitert, sie ist den widrigen Umständen widerstandslos erlegen, und offensichtlich ist die ganze Unternehmung bereits fehlgeschlagen, noch bevor sie richtig begonnen hat, so wie die Kuh fast jedesmal klar und deutlich unterliegt, wenn während einer Unternehmung etwas schief läuft. So liegen die Dinge, und fast ist man geneigt, der Kuh an sich die Schuld dafür zu geben, denn genau dafür wird sie unweigerlich zur Verantwortung gezogen werden müssen, wie wir uns leicht vorstellen können, denn die misslichen Umstände sagen uns ja bereits restlos alles, der bedauernswerte Zustand der ganzen, völlig misslungenen Unternehmung spricht längst Bände, und wie immer man die wahrlich beelendenden Dinge drehen und wenden möchte, wie immer man vielleicht sogar helfend einzugreifen geneigt und die nackten Tatsachen allenfalls zu über-sehen versucht wäre: Die Kuh steckt wieder einmal ganz tief im kühischen Schlamassel, vielleicht sogar noch viel tiefer als jemals zuvor.

Sie irrt soeben irritiert durch die belebten Straßen einer mittelgroßen, fremden Landschaft, bereits jetzt blicklos, ratlos, gefühllos, sprachlos, gedankenlos und wirklich wie von Sinnen, denn sie weiß nur eines, dies aber mit absoluter Gewissheit: Niemand kann ihr helfen, und niemand wird ihr jemals helfen können, noch jemals helfen wollen, denn sie hat als verirrte Kuh niemanden, der ihr hilfreich zur Seite stünde, um sie zur Herde zurückzuführen; sie kennt zudem absolut niemanden, der jemals auf ihrer, also auf der kühischen Seite gestanden hätte, noch jemals dort stehen möchte und auch nie freiwillig stehen würde, selbst dann nicht, wenn er oder sie durchaus könnte, allerdings warum und wozu auch immer, auch und ganz besonders nicht die anderen Kühe, also die gesamte, großsprecherische Rinderherde mit ihrem inhärenten, völlig lachhaften Verharmlosungszwang und reichlich morbiden Rechtfertigungsdruck voller restlos verlogener Unschuldsbeteuerungen, also all die so genannten Kuhkolleginnen und all die falschen Kuhfufziger. Das sind ja die eigentlichen Konkurrenzkühe, all die ungeliebten Mitkühe in ihrer ausnehmend und ausgesprochen kühischen Kuhhaftigkeit in all ihrer Verlogenheit, genau dieses trügerische und unzuverläßige Kuhpack, das ständig auf ihre Herdenartigkeit pocht, das ganz gewiss nicht, nämlich die ganze übrige Kuhheit also, das bescheuerte Kuhtum generell, die bekackte Kuhität als solche und überhaupt, all das selbsternannte Überkuhtum also, kurz entschlossen gesagt. Das kommt de facto auch noch hinzu, das muss man unbedingt auch noch hinzuzählen, das restlos beschissene Kuhgesocks in corpore. Das können Sie gleich verabschieden, und zwar das gesamte, verlogene Kuhngedöns in globo. Das kommt hier nicht einmal mehr zur Sprache, so bedeutungslos ist es, denn das hat für die Kuh gar keinen Wert und auch gar keinen Sinn, bringt keinen Nutzen und ist auch keine Stütze, noch ein wirklicher oder auch nur supponierter Halt. Das ist ein Nichts, ein Schwarzes Loch, denn es hat keinen Belang und keinen Bezug, hat auch keine Geltung und keine wahre Größe, noch echte Güte, also keinen Charakter, aber auch keine Inhalte und keine Form und ist somit ganz gewiss keine Hilfe für unsere geplagte Individualkuh; das können wir also getrost vergessen und die allfälligen Erinnerungsfetzen gleich anschließend sauber entsorgen und rückstandsfrei vernichten lassen, so besehen. Sie macht ihn, den Restzustand, indessen umgehend schlank und rank, aber auch ziemlich zäh, sie macht ihn, den Fettausschuss und Fettabschaum, den Fettausstoß und Fettumfang kurz gesagt zur wohlfeilen, fettlosen Fertigsuppe, sie behelligt ihn nicht einmal in einem stark übertriebenen Maßbecher voller Eitelkeit und unerwarteter Generosität, und sie lässt für lange Zeit gar nicht mehr von ihm ab, nämlich exakt so lange nicht mehr, wie er im Schlamassel der sensoriellen Unumstößlichkeiten und bakteriellen Unflätigkeiten stecken geblieben ist, der Drecksumfang, der somit in der artifiziellen Dramatik der schwarzen Sonnenblumenkerne der Unabhängigkeit und der angebrachten Hemmungslosigkeit der breitgestreuten Verniedlichungen verharrt, ohne aber der freundlichen Sonnenblume als solcher zu nahe treten zu wollen.

Hinzu kommt jeweils die bittere Ermahnung in aller Erkenntnislosigkeit, dass ihn, besagten Restzustand, jegliche Aufsichtszeitverkürzung in aller Gegenwartsbezogenheit immer sofort schlank und rank macht, hauchdünn geschnitten bis dicht unter die Kutteln, wie gesagt, ohne dass er seine fahrläßigen und eindeutig unkonzentrierten Ernährungsgewohnheiten im Bereiche der Spontanversorgung jemals geändert hätte; sie blockiert einzig seine handlichen Hosentaschenatombomben und behindert eindeutig seine vier Hosentaschenuranbrennstäbe, die er vorsichtshalber immer bei sich trägt, lässt seine angeborene Halskrause wie bei einer Erwürgung unter der Garrotte auf- und abschwellen, wie schon angedeutet, weil sie ihn, allein ergonomisch gesehen, permanent unterwirft, weil sie ihn über alle Maße in ein lästiges, ungewolltes und unerwünschtes Gefüge von Unmaßgblichkeiten einbindet, das er gar nie angefordert hat, und weil sie ihn ständig persönlich demütigt; davon muss er zunächst mal unbesehen ausgehen und sich damit abfinden können, denn dieses Tribunal muss er sofort angehen und rechtzeitig bewältigen, will er seine zehn Zehen behalten und auch noch einigermaßen bewegen können möchte. Verstehen Sie?