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Achtung, das ist kein Praxisbuch! "Die Kunst des Triathlons" ist vielmehr ein smartes, feines Lesebuch für all jene, die dem Triathlon als Aktive längst verfallen sind - und für jene, die sich der größten Ausdauersportversuchung bald einmal stellen möchten. Niclas Bock beschreibt die großen Emotionen und Herausforderungen seiner Lieblingssportart in so noch nie gelesener Weise. Mit persönlichen Texten der Ironman-SiegerJan Frodeno und Sebastian Kienle sowie von Weltmeisterin Laura Philipp.
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Seitenzahl: 78
Veröffentlichungsjahr: 2025
1___ ANKOMMEN | LOSLEGEN
2___ EHRLICHKEIT | AUTHENTIZITÄT
3___ AUFMERKSAMKEIT | ANERKENNUNG
4___ INDIVIDUALITÄT | EMPATHIE
DEEP DIVE I___ SEBASTIAN KIENLE
5___ IDENTITÄT | ZUGEHÖRIGKEIT
6___ ANGST | AMBITION
7___ FREIHEIT | VERANTWORTUNG
8___ EGOISMUS | ERFOLG
9___ ZWEIFEL | VERTRAUEN
DEEP DIVE II___ LAURA PHILIPP
10___ SCHEITERN | FEHLER
11___ EUPHORIE | SEHNSUCHT
12___ NEUGIER | FLEXIBILITÄT
13___ DRUCK | SELBSTÜBERWINDUNG
14___ TRÄUME | VISIONEN
DEEP DIVE III___ JAN FRODENO
15___ DANKBARKEIT | RESPEKT
16___ VERÄNDERUNG | LOSLASSEN
Schön, dass du da bist! Komm doch rein und schau dich um. Die Schuhe kannst du ausziehen oder anlassen, wie es für dich bequemer ist. Ich habe extra durchgewischt, aufgeräumt und alles gründlich sortiert, damit du dich auf Anhieb zurechtfindest. Und dich in der Triathlonwelt wohlfühlst. Zugegeben, von außen mag ihre Fassade stahlhart wirken, unnahbar und abweisend, fast ein bisschen angsteinflößend. Das macht sie für viele aber auch besonders faszinierend.
Wer sich dem Triathlon nähert, hat es mit einer Fülle von Anforderungen zu tun, fühlt sich vielleicht erschöpft und ist erst einmal orientierungslos. Immerhin wollen drei Sportarten unter einen Hut gebracht werden. Der Takt des Tages wird fortan nicht mehr nur durch den Beruf und das Privatleben vorgegeben, sondern in erster Linie durch den Trainingsplan und das Streben nach sportlichen Zielen. Hinzu kommt eine schier endlose Anzahl von Entscheidungen, die zu treffen sind. Welches Material ist vonnöten? Was davon ist Schrott, und was ist High End? Darf man Essen und Trinken noch genießen, oder muss man asketisch leben, um Erfolg zu haben?
Du wirst sehen: Eigentlich ist es gar nicht so schlimm. Du kannst beim Triathlon deine Träume ausleben, dir persönliche Ziele stecken und dir dabei selbst näherkommen. Wenn du diesen Sport praktizierst, kannst du deine Stärken und Schwächen kennenlernen und ungeahnte Potenziale in dir entdecken. Nicht von ungefähr nimmt Triathlon im Leben von immer mehr Menschen einen zentralen Platz ein. Ich möchte dir Einblicke geben, wie die Triathlonwelt wirklich ist, abseits von Mythen und Legenden, und ihren weichen Kern, ihre liebenswerte Seite zeigen. Denn sie hat es verdient, dass man sie ins rechte Licht rückt, sodass sie sich in ganzer Pracht präsentieren kann.
Welche Eigenschaften und Besonderheiten zeichnen den Triathlon aus? Worin liegt sein besonderer Reiz? Was kann man an diesem Sport lieben? Warum, um Himmels willen, tun sich Menschen so etwas wie Triathlon überhaupt an?
Ich habe versucht, alle Aspekte fein säuberlich zusammenzutragen. Das war mir eine Freude und echte Herzensangelegenheit. Vielleicht wird dir im Folgenden einiges bekannt vorkommen, weil du es so oder so ähnlich bereits selbst erlebt hast. Vielleicht hast du Triathlon bisher still beobachtet und nur eine leise Vorahnung, was dich erwartet, wenn du tiefer in die Materie eintauchst. Oder du willst dich inspirieren lassen, weil du dich für die Werte und die Haltung dieses Sports begeisterst. Wie auch immer – bevor wir uns gemeinsam auf den Weg machen, ist mir wichtig zu sagen, dass dieses Buch keinerlei Vorkenntnisse im Triathlon voraussetzt. Es ist für alle geschrieben, die Zeit mit diesem wunderbaren Sport verbringen möchten. Und noch etwas will ich loswerden: Die Triathlonwelt und die Menschen darin sind nicht perfekt. Im Grunde genommen sind sie wie du und ich, haben Ecken und Kanten, Eigenheiten und Macken, schöne und hässliche Züge. Wir schauen uns das alles ganz genau an.
Wenn wir gleich losspazieren, führt unser Weg in die schönsten, interessantesten, emotionalsten und denkwürdigsten Teilbereiche eines Sports, der so viel mehr ist als eine Aneinanderreihung von Schwimmen, Radfahren und Laufen. Unterwegs werden wir immer wieder beeindruckenden und erfolgreichen Persönlichkeiten begegnen. Ich habe mich mit ihnen darüber unterhalten, wie sie durch ihren Sport zu den Menschen wurden, die sie heute sind. Idealerweise können solche Einblicke zum Nachdenken anregen. Vielleicht findest du etwas Neues über dich selbst heraus, wenn du erfährst, was diejenigen, die Triathlon betreiben, anspornt und bewegt. Und wer weiß, vielleicht lernst du etwas über das Leben? Mich würde es nicht wundern.
Könntest du mir bitte kurz helfen und mit anpacken? Damit die Sicht klar wird, sollen hier noch ein paar Dinge aus dem Weg geräumt werden und ihren richtigen Platz finden. Wir müssen sie nicht aus der Welt schaffen, aber zumindest einmal entstauben und unsere Perspektive neu ausrichten. Auf dem Weg zu den eigenen Zielen hilft es grundsätzlich, unvoreingenommen durch die Welt zu gehen, offen für Neues zu sein und vor allem frei von Vorurteilen. Missverständnisse können wir nur vermeiden, indem wir der Realität ins Auge blicken.
Wenn es darum geht, sich weiterzuentwickeln, schneller, stärker, besser zu werden, ist es nicht nur völlig okay, sondern sogar geboten, zur eigenen Ahnungslosigkeit zu stehen. Das mag paradox klingen angesichts dessen, was die Leistungs(sport)gesellschaft uns öffentlich vorlebt. Wir sind alle mit Empfehlungen wie Fake it until you make it aufgewachsen – also eine Fähigkeit so lange vorzugaukeln, bis man erreicht hat, was man will – oder der unsäglichen Aufforderung zu sicherem Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. Das sind Ratschläge, die nichts bewirken, außer Selbstbetrug. Eine solche Herangehensweise führt bei großen Zielen, wie wir sie im Triathlon anpeilen, von Anfang an dazu, sich selbst im Wege zu stehen. Deswegen wird man diese Einstellung unter Triathletinnen und Triathleten, die ihre Sache wirklich ernst nehmen, auch nicht finden.
Im Triathlon gilt wie im Leben: Man kommt nicht weit, wenn man unehrlich zu sich ist und seine Möglichkeiten falsch einschätzt. Profis wie Jan Frodeno, Sebastian Kienle oder Laura Philipp haben es immer wieder so oder so ähnlich formuliert wie der griechische Philosoph Sokrates: Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden. Niemand, der oder die im Triathlon nachhaltig erfolgreich gewesen ist, kann anderen oder – noch schlimmer – sich selbst etwas in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten vormachen. Spätestens im Wettkampf, dann, wenn es darauf ankommt, fällt einem dieses Verhalten auf die Füße. Daraus folgt: Straucheln statt Triumph.
Wie soll echtes Selbstvertrauen entstehen, wenn man sich in die Tasche lügt? Großartige Leistungen werden nicht aufgrund eines Bluffs erbracht, sondern auf der Basis von Ehrlichkeit und genauer Selbstkenntnis. Die Großen des Sports wissen um das eigene Potenzial und, vielleicht noch wichtiger, um die eigenen Schwächen. Sie beherrschen die Kunst, mit sich selbst auf Augenhöhe zu agieren. Auch wenn sie nach außen mitunter ein Image pflegen, das in eine andere Richtung zu weisen scheint – man muss ja nicht alles glauben, was einem vorgegaukelt wird.
Wie selbstbewusst, zuversichtlich, siegesgewiss, unverletzbar eine Sportlerpersönlichkeit sich nach außen auch geben mag: Wer sich einem so anspruchsvollen und vielfältigen Sport wie dem Triathlon verschrieben hat, kommt irgendwann unweigerlich an den Punkt, an dem er oder sie im Inneren unsicher wird, was das eigene Leistungsvermögen betrifft. Unabhängig vom sportlichen Niveau passt das Bild, das Triathletinnen und Triathleten in der Öffentlichkeit abgeben, so gut wie nie zu der wahren Beziehung, in der sie zum Triathlon und zu ihren eigenen Ansprüchen stehen.
Mein Vater sagte gerne: „Alle anderen kochen auch nur mit Wasser.“ Das hat er mir immer dann mit auf den Weg gegeben, wenn er mir vor einem Wettkampf meine Nervosität anmerkte und feststellte, dass ich mit meinen Gedanken viel zu sehr bei der Konkurrenz war, statt mich auf mich selbst zu konzentrieren. Die Feststellung mag etwas banal und ernüchternd, vielleicht sogar desillusionierend klingen, aber das Gegenteil ist der Fall, denn die Kluft zwischen starker, selbstbewusster Außenwirkung und innerer Zerrissenheit birgt Faszination und Chancen zugleich.
Wer diese Zusammenhänge erkennt und begreift, ist in der Lage, die Leistungen im Triathlon aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Man schaut den Menschen ja immer nur vor den Kopf – beziehungsweise im Triathlon vor die Schwimmbrille, den Aero-Helm, die Sonnenbrille. Doch was geht dahinter vor? Welche ungeahnten Kämpfe trägt jede Athletin, jeder Athlet mit sich selbst aus? Darüber nachzudenken, führt in Gefilde, die über die rein körperlichen Leistungen hinausgehen. Es lohnt sich, die Triathlonwelt und die Menschen, die darin unterwegs sind, unter diesem neuen Aspekt zu betrachten.
Was meinst du? Konnte ich mit dem Vorurteil, Triathlon sei eisenhart, aufräumen? Ich glaube jedenfalls, dass wir jetzt bereit sind, weiterzugehen.
WECHSELZONE
Was denken andere über dich, das gar nicht stimmt?
Licht aus, Spot an: Eine Superkraft des Triathlons ist es, Aufmerksamkeit zu generieren. Das gelingt spielerisch, quasi ohne Anstrengung. Denn die Menschen, die etwas damit zu tun haben, erzählen früher oder später von ihrem Sport, gefragt oder ungefragt, und präsentieren sich in seinem hellen Schein. Sympathisch ist das nicht immer, manchmal anstrengend. Ehrlicherweise spielt jedoch genau diese Aufmerksamkeit eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, herauszufinden, welche Reize die Triathlonwelt bietet, welches (Lebens-)Elixier sie bereithält, damit sich alle Anstrengungen und Mühen lohnen.
Was finden Menschen am Triathlon anziehend? Warum sind sie bereit, an ihre körperlichen Grenzen und darüber hinaus zu gehen? Was treibt sie an, immer weiterzumachen? Ein wesentlicher Teil der Antwort ist ganz einfach: die erwartbare Aufmerksamkeit, das Interesse und nicht zuletzt der Respekt und die Anerkennung, die einem Menschen, der sich diesem Sport widmet, von seinem Umfeld gezollt werden.
