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Ein Zeitgemälde aus dem späten 16. Jahrhundert, dass die flagellantichen Sitten und Exzesse in Paris beschreibt.-
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Erotik, Sex
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Seitenzahl: 176
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Martin Minor
Saga
Die Nackten von Paris IICopyright © 2019 Martin MinorAll rights reservedISBN: 9788711717240
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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Es war stockdunkel, als nach einigen Irrfahrten das Tor zu dem Schlosse der Herzöge de Berry erreicht war.
Auguste war heilfroh, daß er, am Ziel angekommen, vom Kutschbock steigen konnte. Auf sein Pochen hin erschien in einem der Tortürmchen der Kopf eines weißhaarigen Mannes, des alten Kastellans. Die Fackel, die er hinaushielt, ließ ihn den längst erwarteten Besuch vermuten. Ehe Auguste etwas rufen konnte, war der Alte verschwunden. Es verging eine recht lange Zeit, bis das Tor sich knarrend öffnete.
Diese Zeit benutzte Graf Adolphe, darüber nachzudenken, weshalb er eigentlich entgegen seinem Vorsatz, Nevers zu meiden, doch hierher gefahren war. Das Erlebnis in jener Dorfschenke war zu nachhaltig gewesen und hatte seine Gedanken zu sehr beschäftigt. Er wollte mit der Schwester sprechen, aber die hatte, wie die beiden anderen Frauen, bis hierher geschlafen. Und Auguste konnte er nichts zurufen, wollte er seine Begleitung nicht wecken. Der Wagen rumpelte unter der Toreinfahrt hindurch und hielt in einem weiten Hof, wo eine Anzahl Männer mit brennenden Fackeln den Ankommenden zur Verfügung standen.
Das riesige Schloß aus dem vorigen Jahrhundert machte zu dieser Zeit einen düsteren Eindruck. Nicht anders hatte Graf Adolphe sich den Empfang vorgestellt. Düster, kalt und betont unfreundlich.
Aber man war ja schließlich auch nicht zu einer Festlichkeit oder zu Besuch hierher gefahren, vielmehr war es eine Zuflucht. Was konnte man da erwarten? Richtig, die Frau Tante, die Herzogin, ließ durch den Hauskaplan sagen, sie werde die Anverwandten morgen nach der Messe empfangen.
Gräfin Annette wechselte mit dem Bruder vielsagende Blicke. Der Segenswunsch des biederen Paters, der, klein und rundlich, mit zwei verschmitzten Schweinsäuglein zu ihnen aufsah, ging unbeachtet über sie hinweg.
Frau Lisette und Louise machten Anstalten, die Kutsche zu verlassen. Doch Herr Adolphe winkte ab.
„Pater, warum läßt sich die Herzogin jetzt nicht mehr sprechen? Es ist doch noch lange nicht Mitternacht?“
Der Pater hörte nur mit halbem Ohr hin. Ihn beschäftigten im Augenblick die fremden Frauen. Die machten nicht gerade den Eindruck, als ob sie einen unsichtbaren Heiligenschein trügen. Was aus Paris kommt, hm, hm, das erweckte sein Mißtrauen. Er hatte ohnehin seine liebe Not mit den Knechten und Mägden hier auf dem Schloß. Zwar erfuhr er so gut wie nichts von dem, was sich in den Heuschobern und Kammerbetten abspielte. Nur wenn bei der Beichte einem Weibsbild das Gewissen zu sehr schlug, oder eine sich einmal verhaspelte, beim Aufzählen der vielfältigen Sünden, dann kam ihm dies und jenes zu Ohren.
Wie aber, wenn neue Weiber sich breitmachten? Er fühlte sich nicht recht wohl bei diesem Gedanken. Das um so weniger, als die. Hohe Frau erst vorigen Herbst eine schwangere Magd vom Schloß gejagt hatte. Unzucht, nein, die dulde sie nicht.
Und sie hatte die Mägdekammern weit entfernt von denen der Knechte verlegen lassen. Aber, Heilige Jungfrau, man kann ja schließlich nicht überall zu gleicher Zeit die Augen offenhalten. Seine Überlegungen wurden durch die Frage des Grafen gestört, ob und wo man denn nun bald ein angenehmes Unterkommen finde.
„Euer Edlen, der Haushofmeister, dort kommt er, wird Euch einweisen!“
„Warum ist er nicht schon längst zur Stelle?“ murrte Graf Adolphe und fauchte den Nähertretenden an: „Wie lange muß ich hier noch warten? Wir sind seit Tagen unterwegs, mitten im Winter und uns verlangt endlich nach einer warmen Bleibe.“
„Hoher Herr . . .“, stolz und unnahbar gab der Haushofmeister die Antwort. „Nach Anweisung Ihrer Herzoglichen Gnaden, Eurer Frau Tante, werdet Ihr im linken, die Comtesse im rechten Flügel des Gästehauses ein gut gewärmtes Logis erhalten. Die femmes de drambche müssen in die Mägdekammern.“
„Was?“ Gräfin Annette entfuhr das Wort ohne Bedacht. „Nein, ich werde auf meine femme de chambre nicht verzichten . . . und auf meine zweite Zofe auch nicht.“
„Bedaure, Comtesse, Anordnungen Ihrer Herzoglichen Gnaden!“ Der Haushofmeister trat gravitätisch beiseite, damit der Wagen weiterfahren konnte.
„Linker Hand, laßt es Euch zeigen!“
Auguste machte ein dummes Gesicht. Sollte er sich von diesem Großkotzigen etwas befehlen lassen? Er wandte sich zu seinem Herrn, jawohl, Graf Adolphe, war sein Herr geworden, und fragte nur: „Soll es so sein?“
Der hatte bereits die ganze Zeit über krampfhaft seinen Zorn in Grenzen gehalten. Dieser Empfang war ja schlimmer als die Einlieferung in ein Gefängnis. Ha, dieser Hohlkopf, dieser bigotte Pater, diese befehlende Frau Tante . . . nein, nein, so hatte er sich das nicht gedacht. Er wechselte ein paar geflüsterte Worte mit seiner Schwester, schaute Louise und Frau Lisette in die Augen und erhielt von allen dreien die gleiche nichtausgesprochene Antwort: Nein!
„Nein, Auguste, nein . . .“
Der hörte nur das erste Wort, schnalzte mit der Zunge, schwang die Peitsche; die Pferde, so müde sie waren, preschten los und ehe sich die um die Kutsche versammelten Knechte samt dem Beichtiger und dem Haushofmeister recht bedachten, rumpelte der Wagen auch schon wieder zum Tor hinaus. Nach einem leichten Trab erreichte man bald eine Wegkreuzung. Dort hielt Auguste an und ließ die Gäule verschnaufen.
„Wohin, edler Herr?“ erkundigte sich Auguste.
„Laß uns überlegen!“ gab der zurück. „In Nevers ist kein Bleiben für uns, das werdet ihr alle begriffen haben. Bleibt uns Bourges, die schöne, große Stadt Bourges . . . dort hat unser Vater ein festes Haus. Er selbst wohnt nicht dort . . . er . . . ach, das ist jetzt unwichtig . . .“
„Bourges?“ fragte Gräfin Annette recht ungläubig. „Das ist aber sehr weit, und unser Reisebrief . . .“
„Ich weiß, ich weiß . . . Schwester, wir wollen aber alles gut überlegen, ehe wir nach Nevers zurückkehren.“
Alle stimmten zu. Was aber tun? Die Frauen hätten gern ein festes Quartier gehabt, nicht wie in dieser elenden Bauernschenke, auch wäre eine warme Mahlzeit nicht zu verachten gewesen. Doch bevor man in dieses herzogliche Kloster oder Gefängnis ging, lieber wollte man die Nacht, hoffentlich die letzte, im Freien verbringen. Frau Lisette stand noch völlig unter dem Eindruck des jüngst Erlebten; sie war die letzte, die einen Wunsch äußerte, jedoch in das Schloß ziehen? – Nein, nie!
Louise dachte etwas anders. Auch sie hatte die Mißhandlungen, wenn auch nicht am eigenen Leibe, so doch in der Seele miterlebt, sie wünschte sich sehnlichst, in den Armen ihres Herrn Adolphe zu liegen. Mit ihren Knien stieß sie ihn unter den Decken an. Er griff nach ihren Schenkeln und schon blühte in ihr die Sehnsucht nach ihm auf.
Deshalb war sie nicht ganz einverstanden, als Graf Adolphe vorschlug, die Nacht am Waldrand zu verbringen. Morgen bei Tagesanbruch könne man dann weiter überlegen.
Oh, sie verlangte so sehr nach seiner Liebe, daß sie unruhig wurde, Das fiel allen anderen in der Kutsche auf. Hätte man sie jedoch gefragt, ob sie ins Schloß Nevers zurückwolle, sie hätte laut geschrien: Nein, Nein!
Und das gräfliche Geschwisterpaar? Weder der Graf noch die Comtesse überblickten in dieser Stunde, was sie mit ihrer Weigerung angerichtet hatten. Die anderen, Auguste eingeschlossen, die konnten jederzeit verschwinden, waren in etwa ungebunden, sie aber, sie waren – genau besehen–als Kinder und Erben der Nebenlinie der Berry mehr oder weniger abhängig von den Entscheidungen des Familienoberhauptes. Und weil der Herzog in einer kinderlosen Ehe lebte, bestand die Möglichkeit, daß zur gegebenen Zeit einer der beiden Brüder die Erbschaft antreten würde, vorausgesetzt, daß nach einem alten Gesetz die Herzogwürde auf den Betreffenden überging. Aber, . . . wer dachte denn jetzt daran!
Durch das Loire-Tal fegte plötzlich ein herzhafter Wind, der südliche Wärme, einem Schirokko gleich, ins Land trug. Die Wageninsassen empfanden ihn besonders angenehm. Und das war auch der Grund, daß Auguste das Gespann auf kotigen Wegen einem Waldrand zutrieb. Das war keine angenehme Fahrt, wie das Fahren überhaupt nach so langer Zeit schon gar keine Freude war. Man erreichte einen günstigen Platz, und wie befohlen brach der bereits im Abnehmen begriffene Mond durch die dünner werdende Wolkendecke. Die Müdigkeit ließ alle Unannehmlichkeiten, die das ungewohnte Übernachten mit sich brachte, vergessen.
Auguste nahm den Pferden das Zuggeschirr ab und band sie an die lange Leine, so daß sie im weiten Umkreis grasen konnten, sofern sie in der Winterszeit etwas fanden. Die Frauen rollten sich in die Decken und Pelze, und die Männer, Graf und Pferdeknecht, legten sich zu beiden Seiten dazu. Graf Adolphe hatte Frau Lisette neben sich und Auguste die Comtesse Annette. Louise, die neben dem Grafen liegen wollte, war im eiligen Gedränge in die Mitte geraten und lag deshalb ohne die erwünschte männliche Berührung zwischen den beiden Frauen.
Die ersten Stunden beherrschte der Schlaf alles. Selbst die Pferde suchten, nachdem sie von dem spärlichen Graswuchs enttäuscht waren, die Nähe der Menschen.
Als von fern her ein armseliges Kirchenglöckchen wimmerte und im Osten ein erstes fahles Dämmern sichtbar wurde, erwachte Graf Adolphe. Er tastete um sich, weil er nicht wußte, wo er sich eigentlich befand, und fühlte den weichen, warmen Arm einer Frau.
Ach so, ja . . . jetzt erinnerte er sich. Dieser Arm mußte wohl . . . einen Augenblick, zu wem hatte er sich in der Nacht gelegt, ja, jetzt wußte er es wieder, zu Lisette. Demnach war es deren Arm . . .
Ganz vorsichtig tastete er sich daran empor. Er wollte sie nicht wecken, wäre aber auch nicht böse gewesen, wenn sie sein Anpirschen richtig verstanden hätte.
Die derbe Wollbluse unter dem Brusttuch fühlte sich für seine zarten Finger wie Heckengestrüpp an. Er hielt kurz inne, dann übermannte ihn eine unbezwingbare Sucht, mehr von der Frau zu spüren, sie ganz nahe heranzuziehen. In der Mitte regte sich Louise im Schlaf. Graf Adolphe verhielt sich ruhig.
Louise sollte auf keinen Fall erfahren, daß er Frau Lisette näherkam. Doch nach einem kurzen Räuspern wurde sie wieder still.
Seine Hand tastete sich weiter, er mußte sich ein wenig strecken, denn eben hatte er den Ansatz einer Brust erreicht. Immer noch ganz achtsam fuhr er weiter, bekam die schlaffe Warze zu fassen, und – da drehte Frau Lisette sich zu ihm hin, hielt seine Hand fest und flüsterte: „Aber doch nicht jetzt!“
Er vernahm leise seinen erregten Atem und hörte, daß die Frau, wohl gleichsam erregt, lächelte. Wenigstens schien es ihm so zu sein.
„Comte . . .“, sie flüsterte, kaum verständlich, „Comte . . .“ Er glaubte, sie habe ,kommt‘ gesagt, und verschwendete keine Sekunde mehr, sich zu mäßigen. Auf der linken Seite liegend, schob er den Arm zu ihr und unter ihren Hals, die rechte rutschte, jede unnütze Bewegung vermeidend, über ihre festen Hügel und glitt über den Bauch hinunter zu der Grube, in der aller Sehnsucht Erfüllung ruhte. Diese selbst zu erreichen, war nicht möglich. Decke und Rock boten zuviel Widerstand, es sei denn, er wollte riskieren, Louise und mit ihr alle anderen zu wecken.
Er und die Frau waren schon zufrieden, daß seine Finger sich, so weit es ging, über Rock und Decke hineinpreßten. Lisette geriet rasch in gehobene Stimmung. Allen Hindernissen zum Trotz begann sie langsam mit rhythmischen Bewegungen des Bauches. Fester und fester drückten die Finger auf ihre Muschel, verhalten stöhnte sie, streckte sich unwillkürlich und zog die Beine hoch, die aufreizende Hand gefangenhaltend. Mit dieser Bewegung schoß ihr Liebessaft ein und näßte ihre Schamlippen. Dem Grafen erging es nicht viel anders. Die Liebesglut der Frau sprang wie ein elektrischer Funke auf ihn über; sein Glied, längst schon erstarkt, hob und senkte sich beinahe im gleichen Takt mit Frau Lisette. Es kam, wie es nicht anders kommen konnte, auch er erreichte den Höhepunkt, und sein erschlaffendes Glied lag im eigenen Erguß.
Auf der anderen Seite verhielt Auguste sich zunächst ruhig, er rückte mit seinem Bein wohl näher an die Comtesse heran, erfuhr aber lange keine Erwiderung. Entweder sie schlief wie ein Murmeltier, oder sie lehnte ihn, den rothaarigen Fuhrknecht, ab.
,Kein Wunder, wer einmal im Bett eines Königs geschlafen hat, der wird doch keinen Pferdeknecht zu seinem Liebesgenossen machen’, dachte er, wurde aber nach geraumer Zeit eines Besseren belehrt.
Die Gräfin warf sich wie im Schlaf zu ihm herum, schob ihre rechte Hand zu ihm hin, als suche sie die Decke zu erfassen, bekam seinen Arm in die Finger und räusperte sich recht vernehmlich.
„Auguste“, es war nur ein Hauch; er hatte ihn gehört.
„Comtesse“, nicht anders war seine Erwiderung.
Auf die Gefahr hin, ein Unheil anzurichten, suchte er mit seiner linken Hand ihren kleinen Busen. Das war ihm ohne weiteres möglich, weil er ja lange Arme besaß. Kaum zu glauben, er erschrak fast darüber, das feine, seidene Brusttüchlein war bereits beiscitegeschoben und die spitzen, doch prallen Hügelchen boten sich ihm zum ,Anknabbern’ dar. Seine schmutzigen Finger umschlangen beinahe alle beide zu gleicher Zeit. Die Gäfin bahnte sich vorsichtig einen Weg zu seinem Schoß.
Dieses Pfadfinden war nicht schwer. Wie draußen an den Straßen die hohen Meilensteine, Erinnerungen an den fruchtbaren Gott Priapus, standen, so ragte der harte Penis des Auguste ihr entgegen. Der Mann mußte ein wenig höher rutschen, weil sie sonst mit der Hand nicht hingereicht hätte.
„Ah!“ entwich ihre Begeisterung über solch einen Helden. Da war . . . lächerlich, jeder Vergleich war eine Beleidigung für den Riesen.
Auguste, durch ihre Handlungsweise ermutigt, versuchte unter ihren Rock zu gelangen. Das war schwierig; denn Louise war wach geworden und horchte für eine geraume Zeit auf. Ihr war, als habe die Gräfin sich bewegt. Das konnte aber auch im Traum gewesen sein. Sie war zu müde und schlief weiter. Und gerade diese Wartezeit stachelte die Gier der beiden Menschen erst richtig an.
Jetzt hatte Auguste ihre Schenkel erreicht, jetzt die zarten Härchen, jetzt die heißen Schamlippen, jetzt die offene Furche, und jetzt, jetzt . . . ahh . . . ahhm . . . jetzt stießen die Finger in die feuchte Grube. Alle hinein war nicht möglich, zwei genügten und der Daumen drückte auf die kleine Erbse am oberen Furchenende, auf die Klitoris. Und gerade das tat besonders gut. Die erhitzte Annette erlebte vorzeitig dieselbe Erlösung wie in nächster Nähe Frau Lisette.
Nein, nein, sie konnte nicht mehr ruhig bleiben. Sie schälte sich aus den Decken, weckte damit Louise, die sich auf die andere Seite rollte und knurrend weiterschlief, erhob sich und winkte dem Fuhrknecht, ihr zu folgen. Keine zwanzig Schritte abseits von allen warf sie sich auf den leichtgefrorenen Boden, verspürte nicht die Kühle, besser gesagt, Kälte, spreizte die Beine und bettelte: „Auguste, Auguste – komm, komm!“
Der war ihr zwar gefolgt, vermochte sich aber nicht zu entschließen, in eine hochherrschaftliche Fotze einzudringen.
Sie bettelte leise weiter: „Komm, komm!“
Die Tränen traten ihr in die Augen, ihre Hände rissen die Kleidung auf, daß die hochroten Spitzchen in der Dämmerung glühten wie Leuchtkäferchen im Juni.
Auguste zögerte trotzdem, hörte auf seine innere Stimme, die ihn warnte: ,Man wird dich davonjagen!’
Eine andere lachte darüber: ,Du hast ja dreihundert Florin, was kann dir geschehen? . . . Und außerdem ist eine gräfliche Muschel nicht anders als die der geringsten Magd, vielleicht etwas sauberer und – enger! Gerade das, Auguste, sollte dir besondere Freude bereiten!’
Er legte sich zu der Comtesse, streichelte ihre Schenkel von den Knien bis zum goldblonden Flaum und wieder zurück. Er merkte, wie diese zu zittern begannen, wie der kleine Bauch sich hob und senkte, wie gierige Lippen um einen Kuß flehten.
Sein Glied stand aufgerichtet und doch nicht erreichbar für die kurzen Arme. Die Finger bewegten sich hin und her und suchten vergeblich, den Riesen zu fassen. Auguste verstand sich vortrefflich auf das Vorspiel. Endlich hielt sie es nicht mehr aus, sie setzte sich auf, griff mit beiden Armen nach seinem Hals, umschlang den und zerrte den ganzen Mann zu sich zurück. Sein Mund umschloß ihre halb geöffneten Lippen, so groß war er. Und das mußte ihr Freude machen; denn sie dehnte ihn und streckte ihre spitze Zunge hindurch, so weit es möglich war. Scham kannte sie keine mehr. Standesunterschiede waren verwischt, sie sog nur schmatzend an seiner Zunge, durchforschte das Innere des Mundes, glitt sanft und befriedigt an den Zähnen entlang und gab schließlich auf.
Erschöpft von einem solchen Kuß sank sie zurück. Dabei ließ sie den endlich gefaßten Riesen nicht mehr los. Sie wies ihm den Weg zu ihrer Glückshöhle, weitete von neuem die Beine und . . . Auguste war selbst derart wild, daß er seine Scheu und guten Vorsätze vergaß, sich über sie warf und mit ihrer Hilfe seinen Schwanz in die wirklich enge Höhle hineintrieb.
Sie schrie unhörbar auf, ihr Mund war weit geöffnet, aber kein Ton drang hervor. Der Schmerz verwandelte sich rasch in ein wohltuendes Gefühl. Ihr Herz tobte, ihr Puls hämmerte, sie klammerte sich mit den Händen an seinem Rücken fest. Zum Gesäß, wohin sie gelangen wollte, reichten die Arme nicht. Auguste war zu groß, aber gerade dieses Nichterreichenkönnen steigerte die Begierde, steigerte die Lust und trieb beide zu einem vorzeitigen Erguß.
Schade, dachte sie, in die Wirklichkeit zurückkehrend, und dasselbe dachte auch der Mann, als er seinen Penis abklingen sah. Er stützte sich über die immer noch erregte junge Frau und blickte ihr lächelnd in die Augen. „Comtesse!“ Das klang entschuldigend und zugleich verliebt.
Sie erwiderte: „Auguste!“
Mehr nicht, tapferer Kerl, wollte sie sagen, doch sie hielt die Worte zurück. Ihr war bewußt geworden, welch großer Unterschied in gesellschaftlicher Beziehung zwischen ihnen bestand. Sie wollte ihn nicht verletzen, nicht beleidigen. Sie hob ihre Arme ihm entgegen, einladend, liebevoll.
Auguste verstand. Er ließ sich neben sie nieder, bettete ihren Kopf in seinen Arm und mit der freien Hand streichelte er ihre Brüste.
Wie lange sie so dalagen, wußten sie nicht. Sie erwachten erst, als der graue Wintertag mit seinem milchigen Licht ihre Augen blendete und die übrigen der Reise- und nun schon Fluchtgesellschaft um sie herumstanden. Graf Adolphe wollte zuerst schimpfen – die Schwester und diesen verfluchten Fuhrknecht, der sich getraute, einer Comtesse in solch unverschämter Weise zu nahe zu treten –, aber Louise, die wie sein guter Engel stets mit ihrer stillen Bescheidenheit sein Verhalten bestimmte, lehnte sich an ihn und flüsterte: „Nicht anders als wir auch!“
Frau Lisette stand dabei und war ein wenig eifersüchtig auf Louise, die sich geborgen fühlte, und auf die Gräfin, die so selig in den Armen eines solch großen Mannes schlief. Ihr Erlebnis vor wenigen Stunden erschien ihr wie ein Traum, der nicht greifbar und nur zu ahnen war.
Ihre Wollust war verflogen und nur die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen erinnerte sie daran, daß kein anderer als der Graf – man bedenke recht, der Graf Adolphe de Berry, – ihre Gelüste befriedigt hatte.
Aber was heißt das schon: ein Graf! Er war für sie der Mann, der sie aus ihrer Not mit dem nunmehr toten Henry Muscat errettet hatte, der sie außer dem Chirurgen erst nach langer Zeit wieder einmal glücklich gemacht und ihre Liebe geweckt hatte. Was galt da der Grafentitel? Da schaut doch hin, die Gräfin und der Fuhrknecht!
Nein, nein, die Liebe, zumindest die körperliche Liebe, macht keinen Unterschied. Sie unterscheidet bestenfalls zwischen reinlichen und unreinlichen Menschen. Ihr fiel der grausame Überfall in jener Dorfschenke wieder ein. „Aufstehen, wir wollen weiter!“ Graf Adolphe gab sich redliche Mühe, keinen harten oder befehlenden Ton anzuschlagen.
Sofort sprang Auguste erschrocken auf, die Gräfin ließ sich von Frau Lisette helfen. Sie versuchte, dem Bruder etwas zur Entschuldigung oder Erklärung zu sagen, doch der schnitt ihr jedes Wort ab, bevor es noch gesagt war.
Auguste machte zwar auch ein betroffenes Gesicht, war sich aber bewußt, dreihundert Florin, die würden ihm helfen – und die anderen kamen ohne ihn wohl nur schwerlich oder gar nicht weiter.
„Wohin, edler Herr?“ nahm als erster Auguste das Wort.
„Hm, wenn ich mich recht entsinne, sprachen wir in der Nacht von Bourges.“ Der Graf redete mit allen wie mit seinesgleichen. Die Frauen stimmten ihm zu. „Bourges ist aber noch weit. Zwei, vielleicht auch drei Tagereisen und das mit den gleichen Pferden. Womöglich auf Seitenpfaden, wenn die Herzogin uns suchen läßt.“
„Und –und Hunger haben wir auch!“ warf die Gräfin ein.
„Wir haben zur Genüge im Wagen!“ Louise hatte sich als Kuchelmagd während der bisherigen Reise gut bewährt.
„Dann werden wir zunächst frühstücken!“ entschied der Graf.
Die Frauen besorgten eine karge Mahlzeit, auch Annette, die sonst verwöhnte Comtesse, half mit. Das Ungewöhnliche machte ihr Freude und die vorausgegangene Begegnung mit Auguste hatte ihr Entspannung verschafft.
„Drei Tagereisen . . . ist zuviel, edler Herr!“ warnte Auguste. „Die Frauen und auch wir samt den Gäulen sind übermüdet. Wir alle, alle brauchen Ruhe.“
Der Graf gab ihm recht. Aber hier konnten sie doch auch nicht bleiben – und nach Nevers zurück? – Unmöglich! „Wir werden wohl durchhalten müssen . . .“
. . . und sie hielten durch. Noch zweimal nahmen Dorfschenken sie auf. Jedesmal hatte Auguste vorher seine Erkundigungen eingezogen, und jedesmal verschaffte der Name ,Berry’ Respekt und gute Kost.
Die Frauen blieben ungeschoren, wenn sie in den Nächten auf den Strohbetten der Kneipen zu einem ,ihrer’ Männer gefunden hatten. Da sie aber drei Frauen und nur zwei Männer waren, gab es Schwierigkeiten.