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Im zweiten Band der Couch-Trilogie entdeckt Max Maier eine rote Baskenmütze in seiner neuen Couch, die es auf sich hat. Viele Spaß hat er wieder mit seinem Kumpel Sven Schänkel. Wie im vorhergehenden Band, kommt es wieder zu einem überraschenden Ende. Ein satirischer Roman.
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Seitenzahl: 274
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Ralph Scheible
Die Rote Baskenmütze
Maximilians neue Couch
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1.Neue alte Welt
2.Die Lehrer
3.Social Media
4.Die neue Couch
5.Der Fund
6.Die Rote Baskenmütze
7.Räfting
8.Fair Trade Town Kühlacker
9.Das Kühlehof-Projekt
10.Der städtische Gemeinderat Kühlacker
11.Hellas
12.Der 9. Kontinent
13.Das Telefonat
Impressum neobooks
Nach seiner nicht beabsichtigten, furchtbar schnellen Reise durch die Dunkelheit, als er damals in dieses schwarze Loch gefallen war, findet sich Max wie eh und je in seiner kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung im dritten Stock und auf seinerdurchgesessenen Couch sitzend wieder. Im Fernseher läuft gerade spannende Werbung. Da fällt es ihm wieder ein. Er wollte sich doch unbedingt eine Zigarette drehen, bevor er in dieses blöde schwarze Loch gefallen war. Bei 'Oh Tuh' gibt es jetzt ein Smartphone mit dem man sogar i-Phonen kann. Verspricht eine nichtssagende Stimme aus dem immer noch laufenden Werbeblock. Also der Tabak ist weg. Ist wohl im schwarzen Loch verloren gegangen. Und nun? Voller Hoffnung wird Max wohl seine geheime Reserveschublade bemühen müssen.
Mit Bläff Power und Oxli Öxli irgendwas, kann man jetzt direkt bis in die tiefsten Tiefen putzen, brüllt eine Marktschreierstimme, während Maximilians Fernseher vor Ehrfurcht zu zittern beginnt.
So ein Glück, Max braucht wenigstens heute nicht aus dem Haus, um einzukaufen. Zwei Päckchen Tabaksamt Zigarettenpapier und Filter finden sich noch in der Überraschungsschublade. Es würde ihm auch sehr schwer fallen sich nach draußen zu bewegen. Der Schock sitzt zu tief nach seiner ungewollten Reise durchs All, oder wo genau er überhaupt war. Immerhin ist er wieder zurück und nicht irgendwo im alten Ägypten gelandet, wie schon mal. 'Hotelskomm' wirbt inzwischen mit Hotels, oder Reisen, oder beides zusammen, das ist für Max nicht ganz nachvollziehbar, aber auf jeden Fall muss man dort ein Smartbucher und von der Aufmachung her, noch mindestens unter 5 Jahre alt sein.
Ah, endlich wieder auf der Couch zurücklehnen und ganz genüsslich eine wunderbar starke und würzige Selbstgedrehte rauchen. Hoffentlich hat sich das bald mit der Werbung. Wenn Max schon wieder vor der Glotze sitzen darf, möchte er wenigstens wissen was die Wetterprofis zu verkünden haben. Auch auf neue Rezeptideen ist er schon ganz gespannt. Darüber ob Fernsehwerbung nun dumm, oder zielgruppengerecht ist, braucht Max erst gar nicht nachzudenken. Aber ob es hilft, diese auch noch brüllen zu lassen und grundsätzlich lauter auszustrahlen, als alleanderen Programme zusammen, ist schon sehr fraglich. Was ist TV Werbung eigentlich? Kommt die ursprünglich aus den USA? Deutschland äfft ja ganz gerne nach, ein Wunder wäre es also nicht. Der erste Fernsehspot Deutschlands wurde 1956 im Bayerischen Rundfunk mit Liesl Karlstadt und Beppo Brehm ausgestrahlt. Beworben wurde das Waschmittel Persil. Die USA bewerben ihre diversen Produkte schon seit 1941. So ungefähr hat sich Max das auch gedacht. In der Anfangszeit der Werbung standen die eigentlichen Informationen der Produkte im Vordergrund und speziell den Deutschen wurde, egal um was es sich handelte, alles sehr trocken und akademisch erklärt. Bis auf den Tag, als ein witziges, trickgezeichnetes Männchen vor lauter Wut in die Luft geht und sich zur Beruhigung lieber eine Zigarette ansteckt.
Deutschland scheint eine Lehrergemeinschaft zu sein. Auch heute noch. Wenn man ab und zu einen Trip über die Autobahnen wagt, wird das sehr deutlich, von den Beleg-Handtüchern im südlichen Ausland mal ganz abgesehen. Der Deutsche hat unbedingt recht, da spielt die Bildung absolut keine Rolle. Wahrscheinlich mangelt es den Deutschen an der Kunst des Debattierens und der Dynamik der Auseinandersetzung. Immerhin hat Deutschland eine sogenannte Streitkultur, die immer Sonntagmorgens als organisierte Veranstaltung mit O-Saft und Mineralwasser stattfindet. Auch da haben Alle recht und es gibt keine unerwünschten Meinungen, wie Max immer wieder feststellen muss.
In der Glotze läuft gerade die ätzende Mucosolvan Werbung für, oder gegen Kinderhusten mit Schleimmonstern, die Maximilians Mattscheibe voll rotzen. Wer lässt denn so etwas zu? Und warum kommen diese Anti-Werbespots überhaupt um die Mittagszeit, oder pünktlich zum Abendessen? Gesteigert noch von besonders in Szene gesetzten Abführprodukten. Klar,
Max könnte ja einfach umschalten, oder abschalten. Muss die Glotze überhaupt laufen beim Essen?
Ja doch, die Deutschen haben immer recht. Leider gibt es in Deutschland keine Debate-Clubs nach englischem Vorbild, wo man die Kunst derAuseinandersetzung spielerisch lernen kann. Der Deutsche weiß eben was recht und falsch ist, und wenn jemand etwas anderes weiß, wird er belehrt, dass er nicht recht hat. Selbst Leute, die Max für intelligent hält, tun das. Besonders gut zu beobachten ist das in der Sarrazin-Debatte. Ausländer muss man besonders lieben, sagen die einen, die anderen wollen unbedingt die deutsche Kultur erhalten. Warum ist das so, fragt sich Max. Es ist doch viel schöner wenn es ein so oder so erst gar nicht gibt. Eine Gesellschaft, die Europa mit all ihren Facetten und Farben bereichert, ist doch eher wünschenswert.
»Mich erinnert das an ein Xylophon. Da haut einer auf eines dieser Plättchen fest drauf und die anderen schallen auch ein bisschen – aber alle in der gleichen Weise« sagte der ehemalige Deutsche, jetziger US Bürger, Universaldenker und Kulturwissenschaftler, Hans Ulrich Gumbrecht in einem Interview in der Welt-Online. Max empfindet diese Debatten als blanke Zeitverschwendung, hinsichtlich seiner festen Überzeugung eines Vereinigten Europas, welches es schnell zu realisieren gilt. Dann wird auch der Euro eine sehr starke europäische Währung, die von Ostasien nicht so schnell zu erschüttern sein wird.
Viele sehen die Vereinigten Staaten Europas als eine reine Utopie. Logisch, solange es an Kleinigkeiten scheitert und besonders das deutsche Kleindenkertum und die allgemeine Rechthaberei diesem Vorhaben entgegen stehen. Naja, Max wird das sowieso nicht mehr erleben, leider. Die Amerikaner, die uns so eine Vereinigung beispielhaft vormachten, haben schließlich auch Jahre dafür gebraucht, ihre inzwischen 50 Staaten unter einen Hut zu bringen. Entstanden sind die Vereinigten Staaten von Amerika mit gerade mal 13 Kolonien, nach der Unabhängigkeit von England um 1776. Bis auf Virginia waren alle heillos überschuldet und trotzdem kam es 1778 zu einer bundesstaatlichen Verfassung. Was also ist das Problem der Deutschen, die sich angeblich als Zahlmeister Europas sehen, und ständig auf anderen herumhacken? Irgendwann wird es Geschichte sein und kaum mehr vorstellbar. Gut, da wären noch die Briten, die bis heute an ihrer Magna Carta von 1215 festhalten. Der ehemalige Freibrief für Adelige ist immer noch Grundlage der Gesetze des Vereinigten Königsreichs und besonders die Verfassung der USA bezieht sich in Teilen auf diese Gesetze. Einem Vereinigten Europa kann das allerdings nicht im Wege stehen, denkt Max. Lustig ist freilich, dass laut der Magna Carta, niemand in den Houses of Parlia- ment sterben darf. Tritt dieser Fall ein, muss der Leichnam sofort herausgeschafft werden. Warum? Weil solch eine Begebenheit ein Staatsbegräbnis nach sich ziehen würde. Noch ein Kuriosum aus dem Jahr 1872, wonach es verboten ist, betrunken auf Pferden und Kühen zu reiten. In den Vereinigten Staaten von Europa wird es wohl nur noch Hobby Monarchen geben, überlegt sich Max, was ja auch seinen Reiz haben kann. Vermutlich wird sich Europa ausdehnen wie die USA. Diese Territorialen Expansionen ermöglichten vor allem die damaligen Einwanderer aus Europa im Osten und die Hispanics im Westen. Mit Hawaii haben die USA inzwischen auch Anteile an Ozeanien. Die englische Amtssprache ist dagegen nur in30 der Vereinigten Staaten Gesetz. Also, auf was wartet Europa noch. Die einzelnen Länder behalten doch ihre Kultur und Sprache. Max kann sich ein uniformelles Europa so auch gar nicht vorstellen.
Max philosophiert über ein tolles Europa so vor sich hin, als er jäh vom Klingeln seines Telefons unterbrochen wird. Schade aber auch.
»Schänkel hier. Hallo Max. Jetzt habe ich mal eine Frage. Warum bist du so saublöd und gehst zu Facebook? Beim surfen habe ich dich dort entdeckt.«
»Na hör mal, warum bin ich jetzt blöd? Wer war denn auf dem Baggersee surfen und guckt dabei Facebook?«
»Ich war doch nicht auf dem See surfen, du Doof. Im Internet surft man natürlich.« echauffiert sich Sven jetzt. »Ach so ist das. Und in der Glotze wird fleißig gezappt? Hast du auch was mit Bergsteigen und Alpintauchen gefunden? Also gut, klar bin ich bei Facebook, warum denn nicht? Ich bin auch bei Twitter und suche noch nach anderen geilen Plattformen. So sieht das aus.« sagt Max. »Weißt du nicht, dass die deine ganzen Daten sammeln? Das ist doch gefährlich. Die wissen nachher alles von dir. Und du kriegst ständig Werbung und Spam und was noch alles.« regt sich Adviser-Sven auf. »Ja das ist doch prima. Deshalb suche ich ja überall nach noch mehr solchen Sozialen Netzwerken.«
»Du spinnst doch. Ist das dumm oder naiv, oder alles zusammen?« ist Tollwut-Sven jetzt kurz vor Schaum vor dem Mund. »Jetzt reg dich doch nicht auf. Ich nutze das einfach als super praktisches Tool.« freut sich Max.
»Was???« schäumt Paranoia-Sven weiter. »Ja, ich habe erkannt, dass die einen Nutzen von mir haben. Umgekehrt habe ich den aber auch. Alles was ich von mir so weiß, gebe ich preis, inklusive Fotos und lustige Bilder. Seither kann ich ganz unbeschwert durchs Leben gehen. Der blöden Telekom brauch ich nicht mehr mitzuteilen wie meine Telefonnummer geht. Weil alle möglichen Ämter jetzt auch Bescheid wissen, fülle ich seither keinerlei Formulare aus. Es braucht mich auch niemand mehr ständig am Telefon quälen, steht alles in meiner Chronik. Schön sind natürlich auch die vielseitigen Werbemails, da kann ich mir immer das Beste herausfischen, ohne mir die Hacken wund zu laufen. Der größte Vorteil jedoch ist, ich gehe nicht mehr verloren. Zur Not kann ich immer nachgucken wo ich wohne und wie ich heiße und so weiter. Nachteil, nicht jeder ist bei Facebook angemeldet. Deshalb suche ich ja weiter nach kompetenten ähnlichen Seiten« erklärt Max äußerst plausibel.
»Hallo Sven?« es kommt keine Antwort mehr, obwohl die Verbindung noch aktiv ist. Hat es ihn jetzt aus den Socken gehauen? »Sven?« fragt Max ganz vorsichtig.
»Also, jetzt habe ich gar keine Idee mehr. Da mussich erst mal schlucken«ist Sicherheits-Sven entsetzt. »Ah, da bist du ja wieder!« »Ja, da bin ich wieder. Bei solch bescheuerten Ideen fällt mir erst mal gar nichts ein. Wie kommt man nur auf so etwas? Wenn du denkst, bei demografischer und seniler Vergesslichkeit einfach mal bei Facebook und Co vorbeizugucken, bist du aber auf dem Holzweg. Wie willst du das dann machen? Hast du immer deinen Computer dabei und wenn ja, weißt du dann noch wie der funktioniert? Aber schlimmer noch, ein soziales Netzwerk lebt doch von Freunden. Über die weiß die ganze Welt dann auch alles. Da brauchst du nur mich einzutragen und schon bin ich verraten und verkauft. Das ist doch eine Sauerei« Sven schwillt schon wieder der Kamm. »Ja genau, alle Svens, auch den Lappen-Sven aus Lappland, sowie den Afrika-Sven aus Timbuktu und vor allem den berühmten Insel-Sven, irgendwo zwischen Havanna und Kingston, wird es ganz hart treffen, die haben dann alle das Sven-Gesicht und die gleiche Geschichte und die gleiche Telefonnummer. Ist mir schon klar, dass du jetzt nicht mehr ruhig schlafen kannst. Aber wegen mir brauchst du dir keine Sorgen machen. Wenn ich nicht mehr weiß wo ich wohne, bin ich entweder zu Hause und kann da nachguckenund wenn ich auf der Straße umher irre, habe ich ja mein Smartphone mit den vielen Äpps dabei und damit kann ich natürlich auch ins Internet. Falls ich es daheim vergessen haben sollte, kann ich doch jeden anhauen, der mich dann nachschauen lässt. Wenn es ganz hart kommt, kümmert sich bestimmt diese beliebte Institution mit den silbrig blauen Autos um mich. Bei denen auf der Wache gibt es schließlich auch jede Menge Computer, und diese Kollegen gibt es in jedem Land auf der Welt. Wie du siehst kann ich dank der sozialen Netzwerke nie verloren gehen.« atmet Max auf.
»Du hast sie echt nicht mehr alle! Schon mal etwas von Open-Graph Anwendungen gehört, die in die Timeline, oder direkt in den Chronik-Ticker integriertsind?« fragt Sven.
»Und was kann das?« wundert sich Max.
»Das postet deine Aktivitäten direkt an den Konzern. Ob du Musik hörst, dir Rezepte anschaust, einfach Alles!«
»Das ist doch klasse. Dann bekomme ich endlich die Werbung, die genau auf mich zugeschnitten ist. Was soll daran schlimm sein?« wundert sich Max.
»Damit verdient der Konzern sein Geld!« ärgert sich Neid-Sven wieder. »Dann gibt es noch dieses Social Plug-in. Bei jedem Klick auf den Gefällt mir Button spioniert das deinen Browser ausund gibt das nicht nur deinen Freunden weiter, sondern auch an Personen, die gar nicht bei Facebook angemeldet sind. Frecher geht es doch gar nicht.«
»Ist ja schon gut. Dann ist es so gesehen besser, wenn du gar nicht mehr ins Internet gehst. Aber dann wirst du irgendwann feststellen, dass du seit deiner Geburt schon überall registriert bist. Egal was du anstellst. Die wissen auch so alles über dich. Am besten du kommst wieder runter. Bei einem Hefeweizen vielleicht. Heute ist ein schöner Tag, die Sonne scheint. Was hältst du davon?« versucht Max Panik-Sven zu beruhigen. »Also gut, das wird wahrscheinlich das Beste sein. Bis dann also.« willigt Sven ein.
Im Fernseher plärrt noch eine Werbung von Frowenta und ihrem sagenhaften Powerstaubsauger mit dem vielsagenden Namen Intelligence Beauty, bevor Max auf ein anderes Programm umswitcht. Hauptsache dieses blöde Powerding sieht geil aus und eine gewisse Intelligenz wird sich schon noch finden lassen.
»Diese Bengalos und Pyros sind eine Never Ending Story im deutschen Fußball. Das ist schon sehr creepy.« faselt ein sogenannter Sportreporter daher.
»Im Wetter sieht man blaue Flecke, die Regen bringen. Der Trend liegt bei Trocken mit mehreren Gewit-
tern im Süden, bei sage und schreibe 28 Grad.« berichtet Bert Wetterfrosch recht fröhlich. Na dann kann ja nichts mehr schief gehen, denkt Max und macht sich auf den Weg zum noch fröhlicherem Happening mit Outdoor-Sven. Auf der Prachtstraße Kühlackers wird er mit einem freundlichen »Quo vadis?« von Joggl Cloggl angehalten, der kauend an einer der beliebten Döner-Buden steht. »Hallo Joggl, so früh schon Hunger und ohne Mofa heute? Ich treffe mich mit Netzwerk-Sven auf ein Bier, kommst du mit?« bietet ihm Max an. »Nee, ich muss gleich noch malern. Gruß an Sven!« »Ach, immer ein Gschäftle nebenher, dachte du kannst nicht mehr. Wo geht’s denn heute hin?« möchte Max wissen. »Bloß eine Kleinigkeit in Aize, ich mache halt langsam. Der Typ kommt gleich und holt mich ab.« »Also gut, dann frohes Schaffen. Ade.« wünscht Max und geht langsam weiter. So ein schöner Tag heute. Sonne und wolkenloser blauer Himmel, hoffentlich gibt es noch ein freies Plätzchen, draußen beim Eiscafé mit dem wunderbaren Überblick. Schon viel los heute morgen auf dem Broadway der schwäbischen Kleinstadt Kühlacker. Bei schönem Wetter kommen plötzlich alle raus, wie die Ratten aus den Löchern, stellt Max immer wieder fest. Oh je, da kommt ihm schon wieder ein bekanntes Gesicht entgegen. »Hey du Spinner, was machsch du scho wieder uf der Gass? Wo isch dein Gummiboot, paddelsch net wieder fort?« brüllt der stadtbekannte Schreihals-Billy, der eigentlich gar nicht Billy heißt. »Hey Billy, siehst du da irgendwo Wasser? Du wirst auch immer blöder, gell« kontert Max. »Ha komm, bei dir weiß man nie. Hasch du en Ouzo dabei?« fragt er fast höflich. »Kein Paddelboot, kein Ouzo, sonst noch was?« fragt Max und möchte weiter. »Papperlapapp kein Ouzo, komm rück scho was raus. Hollerödidi. Hey ihr do drüba, der Spinner do isch a mol nach Afrika paddelt, aber echt« schreit er, wie so oft, die Passanten auf der anderen Straßenseite an. Manche zeigen ihm den Vogel, andere ziehen einfach weiter. Genauso macht es auch Max. »Sag a mol, gehsch du jetzt zum Johann? Dann komm i au vorbei« meckert er Max hinterher, der jetzt nur noch abwinkt. Endlich an der Drehscheibe angekommen, so nennt sich der Platz in Kühlacker mit den vielen Shopping-Läden wo es fast alles für einen einzigen Euro gibt, außer im italienischen Eiscafé natürlich und im Drogerie-Markt nebenan. Frühschoppen-Sven sitzt dort auch schon brav vor seinem dunklen Hefeweizen. Außenbestuhlt und ohne Sonnenschirm, er will ja schließlich urlaubsbraun werden, beobachtet er das Treiben der 1 Euro Shopper und vor allem deren Outfits und Bodydesigns, bis er Max ankommen sieht.
»Hallo Max, du brauchst aber lange für die paar Meter per pedes«
»Bin ich etwa auf der Flucht? Und ständig werde ich aufgehalten. Am längsten vom Schreihals Billy, der sucht wieder einen Ouzo-Sponsor. Der denkt wir sind beide beim Johann, womöglich kommt er gleich vorbeigejodelt.«
»Oh je, oh je. Hoffentlich sieht der uns nicht, den kann ich jetzt gar nicht gebrauchen.«
»Warum denn nicht, sonst hängst du auch ab und zu mit ihm ab?« fragt Max.
»Pfff, der nervt zur Zeit, weil ich ihn noch nicht online gemacht habe.« ist Online-Sven genervt.
»Was, dachte das ist schon seit einem halben Jahr erledigt? Der arme Schreihals, der will doch bei YouTube Broadcast Yourself berühmt werden mit seinem Können, und ganz groß rauskommen.« lacht Max.
»Hä, der Heini will en Brotkaschte für sich selber?« lacht die junge schlanke und immer Beschwipste, die sich inzwischen neben Vorstadt-Sven breit gemacht hat.
»Hallo erst mal« sagt Max und geht in die Eisdiele. »Ja genau, hallo Marina, wo kommst Du her um diese Uhrzeit?« fragt der heiratsunwillige Sven.
»Sag a mol Sven, wann heirate mir zwei jetzedle?«
»Jetzt schon gar nicht, du kannst mir aber sofort ein schönes, kühles Hefeweizen bestellen« »Ha komm, des isch doch a Eiscafé und koi Drinkhalle und außerdem han i koi Geld, un heirate wilsch me au net. Warum eigentlich net?« ist die immer Beschwipste mal wieder enttäuscht. »Ist doch ganz einfach, ich habe selbst so einen kolossalen Durst. Möchte ja nicht austrocknen« grinst Weizen-Sven. »Ha jo, weil i dir alles wegdrinka dät, oder?« erregt sich die blonde Marina mit hin und her wedelndem Pferdeschwanz.
»So, da bin ich wieder, habe drinnen schon mal drei Hefeweizen bestellt« kommt Max wieder zurück.
»Ja wie, ganz ohne Ouzo?« fragt Marina.
»Wenn es oben bei Tratma, im türkischen Feinkost-Imbiss, griechischen Ouzo gibt, heißt es noch lange nicht, dass man beim Italiener automatisch auch griechischen Ouzo bekommt. Außerdem ist das keine Trinkhalle, wie du vorhin schon bemerkt hattest« erwidert Max.
»Hey, jetzt schwätz net so gschwolle daher, Ouzo gibt’s überall, uf der ganze Welt« ist sich die immer Beschwipste sicher.
»Da hat Max vollkommen recht. Wie du schon festgestellt hattest, ist das ein Eiscafé hier und diese Biere gibt es nur als Ausnahme für uns, jetzt genieße das Bier und gib endlich Ruhe« sagt Frühschoppen-Sven. »Guck da kommt Julian Fahrian aus dem Treve-Aufzug und der ist immer noch ohne Fahrrad unterwegs. Der kann wohl nicht mehr so richtig in die Pedale treten, bemerktMax. »Oder er darf nach seinem letzten Unfall laut Gerichtsbeschluss nicht mehr fahren.« lästert Sven.
»Des kann natürlich au sei. Der bricht sich doch dauernd d’Schulter beim Abschteigen.« lacht Marina jetzt schon gut beschwipst.
»Vielleicht hat er auch die Befürchtung, dass sein wahrscheinlich schon festgewachsenes rotgelbes Käppi beim nächsten Unfall operativ entfernt werden wird.« lästert jetzt auch Max.
»Danach könnte er gut dieses Shampoo Tuning for Men gebrauchen.« meint Sven.
»Net des mit der Aminosäure?« fragt Marina total ernst.
»Nein, aber die Haarfarbe mit den botanischen Ölen wäre vielleicht gut ihn, falls er überhaupt noch Haare hat« lacht Max, inzwischen auch schon mit einer halben Glatze durchs Leben gehend.
»Hallo ihr!« sagt Maya, die auch gerne beschwipst ist, mit einem Notebook unterm Arm.
»Gut das du da bist Sven, ich habe ein Problem. Was, hier gibt es Bier? Dann setze ich mich kurz zu euch.«
»Du hast Probleme? Mit deinem elektrischen Notizbuch etwa?« scherzt Geeky-Sven.
»Ja, dieses Mistding fährt nicht mehr hoch. Mach das mal wieder heile« sülzt sie daher.
»Ok, 50 Euro in bar und sofort« meint Sven dazu. »Was? Du spinnst wohl?«ist Maya, die auch blond ist und den gleich langen Pferdeschwanz hat als die immer Beschwipste, empört.
»Gut, dann lassen wir es ganz einfach. Da unten in der Bahnhofstraße ist ein Computerladen, dort reparieren die dir das ruck zuck für 10 Euro« ärgert sich Notebook-Sven. »Jetzt sei doch nicht so« sagt Max.
»Ich habe meinen Einmal-Rasierer jetzt schon fünfmal benutzt, und überhaupt muss ich auch von etwas leben.« ärgert sich Sven jetzt noch mehr.
»Dann geh doch arbeiten, dann hast Du Geld.« blubbert es aus Maya, die sich von ihrem Herrn Papa aushalten lässt, völlig gedankenlos heraus. Max schüttelt wortlos den Kopf. Die High Heels beschuhte Marina nimmt EDV-Sven mit den Worten »Der hat doch sei Compjuter Gschäftle, aber wenn niemand zahlt hat er halt au nix, gell« in Schutz. Maya, auf Stöckelschuhen auch nicht kleiner als ihre Freundin, lenkt schließlich ein »Also gut, 30 Euro, aber nur wenn danach alles wieder einwandfrei funktioniert.« »Weil du es bist, 30 Euro fürs guckenund 10 Euro fürs Reparieren. Lass das Ding da und komm in einer Stunde wieder vorbei.« sagt Sven in Geldnot.
»Außerdem habe ich mich bei allen möglichen namhaften Firmen als Netzwerktechniker beworben und nur Absagen wegen meinem hohen Alter bekommen. Mit 44 Jahren taugt man halt zu nichts mehr.« regt sich Computer-Sven immer noch auf.
»Gut, dann gehe ich jetzt zum Treve, jeden Tag ein bisschen besser und wenn ich zurück bin funktioniert mein Notebook wieder. Dann gibt es das Geld und noch ein Bier dazu.« meint Maya.
»Wie hast du dich denn beworben, so richtig schriftlich und mit Bewerberfoto, oder ganz modern im Internet und neutral?« fragt Max.
»Ja, des will i au wissen.« ist die immer Beschwipste neugierig.
»Ha, da habe ich mir richtig Mühe gegeben. Ungefähr 500 Bewerbungen waren das und alle handschriftlich mit einem sauteuren Edel-Füllfederhalter. Soll ja schließlich was hermachen, gell.«
»Und die Kosten für das Papier und die vielen Briefmarken wurden natürlich vom Arbeitsamt übernommen?« fragt Max.
»Quatsch, mit denen mache ich doch nicht herum. Ich habe alle Schreiben per Flaschenpost verschickt.« lacht Sven.
»Wie jetzt? Des will i ganz genau wissen.« ist Marina jetzt noch neugieriger geworden.
»Ich habe mir aus einer Druckerei extra Elefantenhautverschnitt besorgt, das sieht klasse und auch stilvoll aus. Dann habe ich meine Anschreiben, zusammengrollt und in schöne Weinflaschen gesteckt, Korken drauf und los ging’s. Da sind sogar schon Absagen aus Holland und Schottland gekommen.«
»Ja, und du hast dann mal schnell 500 Flaschen Wein getrunken wegen den Korken und so? Hoffentlich waren da auch edle Tropfen dabei.« ist Max ganz begeistert.
»Und i war wieder net einglade, des gibt’s doch gar net.« entrüstet sich die immer Beschwipste.
»Ja klar war ich nur noch am Saufen. Blödsinn, ich bewerbe mich ja schließlich schon seit etwa zehn Jahren. Die habe ich doch nicht alle auf einmal in die Enz geworfen. Es dauert ja auch eine gewisse Zeit, bis die Flaschenpost im Atlantik ist und sogar noch weiter. Vielleicht bekomme ich in ein paar Jahren endlich mal eine Zusage von einem der florierenden Unternehmen aus Übersee.« kann sich Korken-Sven ganz gut vorstellen. »Aha?« staunt die immer Beschwipste.
»Sodele, jetzt muss ich aber das Notebook reparieren. Zum Glück habe ich mein Werkzeug dabei.« macht sich IT-Sven an die Arbeit.
»Du schraubst dieses Ding so richtig auseinander? Wenn das Maya sieht kriegt sie einen Anfall.« lästert Max.
»Ha komm, die dreht voll durch, wenn se des sieht. Mach’s bloß net kaputt.« pflichtet Marina Max bei.
»Quatsch. Mein Werkzeug ist auf meinen drei USB-Stecken. Ruhe jetzt, ich muss mich konzentrieren.« sagt Sven und steckt das erste USB-Teil in Mayas Notizbuch.
»Un was macht des jetzt ohne zum schrauben?« möchte die immer Beschwipste wissen.
»Das stellt das System wieder her, das ist alles« hofft USB-Sven.
»Guck mal, dahinten kommt Karlo der Ex-Sheriff aus Maulbronn.« sagt Max.
»Hey Karlo, Bock auf ein Bier?« ruft Sven.
»Super, da sitzen schon alle am frühen Vormittag mit Bier herum.« stellt Karlo fest. »Erstens ist es fast 12 Uhr Mittag und zweitens ist das hier unser Outdoor
Social-Media-Zentrum für selbstbestimmte Erfolgreiche.« erklärt Sven.
»Was ist das denn?« lacht sich Karlo, der rein gar nichts verstanden hat, fast kaputt.
»Und was machst du um diese Zeit hier? Ist deine Weltfirma dem Untergang nahe?« möchte Max wissen.
»Also ich bin krank geschrieben. Da bin ich aber nicht der Einzige, auch Bombo Müller ist schon eine Weile krank. Ja, die haben richtige Probleme in der Kühlerfabrik. Anscheinend fanden weltweit verbotene Absprachen statt, jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Aber auch die Aufträge werden immer weniger.« sagt Karlo während er sein Hefeweizen in Empfang nimmt.
»Ist ja kein Wunder wenn sich kaum noch jemand ein neues Auto leisten kann und die Chinesen sind ja erst mal bedient. In Peking ist sowieso kein Durchkommen mehr, da wäre es besser wenn man denen jetzt nagelneue E-Bikes verkaufen würde, aber bis da jemand dahinter kommt, haben die das schon selbst gemacht.« erkennt Sven.
»Genau, und diese Absprachen und andere Betrügereien sind so richtig salonfähig geworden. Das sieht man jetzt sogar schon auf ganz ordinären Wochenmärkten. Alles aus der Region und so. Von wegen.« regt sich Max auf.
»Ja klar, früher war alles besser.« wirft die junge flotte Bedienung mit neuem Bier auf dem Tablett ein.
»Des stimmt genau, aber Hallo!« sagt die, auch noch recht junge, immer Beschwipste.
»Das ist doch Blödsinn, früher waren nur die Nahrungsmittel besser. Die waren alle automatisch Bio. Die musste man nicht extra als solche deklarieren, um sie zu überzogenen Preisen mit trotzdem irgendwas kontaminiert verkaufen zu können.« sagt Max.
»Ha ja, die hatte au alle en Garte, so wie mei Oma. Do hats glei anders gschmeckt« kann sich die 28jährige Marina noch gut an die alte Zeit erinnern.
»Was ist das jetzt mit dem Soschel Media bei euch?« fragt Karlo voller Wissensdurst.
»Dazu brauchst du erst mal eine Plattform. So wie dieser Platz hier, der bezeichnender Weise Drehscheibe heißt. Dann tauschen wir allen möglichen Quatsch und Unsinn aus und lästern über uns unbekannte Personen, die hier vorbeiwatscheln und sich nicht wehren können. Nach jedem Bier kommen immer mehr lustige und abfällige Bemerkungen dazu. So funktioniert das in etwa.« erklärt Plattform-Sven.
»Dachte das hat was mit dem Internetz zu tun?.« sagt Karlo.
»Hat es ja auch. Aber wir sind hier halt analog. So wie es das früher schon immer gegeben hat. Wir sind sozusagen die analoge Retrogruppe« erklärt Max.
»Ja do guck noa.« schlürft Marina, die immer Beschwipste an ihrem Bier.
»Im Internet sind das in erster Linie Facebook, Twitter, Studi VZ und viele andere mehr. Wikis, Blogs und Feeds lösen jedoch die traditionellen E-Mails der Kommunikation in großen Firmen ab, was viel Unmut zwischen Chefs und Angestellten auslöst. Manche haben sogar virtuelle Teamräume auf der internen Social Media Plattform wo sich alle Daten befinden und mehr. Web 2.0 eben, soziale Kollaboration. Viele Firmen haben sich von Mails komplett verabschiedet und kommunizieren nur noch über Blogs. Dafür ist internes Wissen für die Mitarbeiter immer verfügbar. Womöglich aber bröckelt das Herrschaftswissen so allmählich.« erklärt Sven.
»Hey, des isch doch super.« freut sich Marina.
»Naja, das klingt aber auch nur theoretisch gut. Die richtigen Arbeiter, die heutzutage Worker heißen und meistens von Leihfirmen als Leibeigene gestellt
werden, haben da doch nichts davon. Und mit der Kommunikation ist es auch so eine Sache. Die findet im Prinzip doch gar nicht mehr statt« wendet Max ein.
»Wie meinst du das?« möchte Sven wissen. »Genau so. Wer pflegt denn heutzutage noch eine gute geistreiche oder persönliche Unterhaltung? Das Internet ist eine tolle Sache dachte ich, wo man etwas Zeit verbringt und danach sein Leben weiter lebt, aber es dient nur zum Chatten, dämliche persönliche Bilder der ganzen Welt zu zeigen und als neuer Sport, gegen alles und mögliche hetzen, sprich mobben. Das ist anscheinend gesellig. Man vergisst jedoch ganz schnell, dass es viel wichtigere Aspekte der Geselligkeit gibt, wie zum Beispiel ruhig dazusitzen und jemandem ruhig zuzuhören.« sagt Max.
»Aber das machen wir doch gerade.« erwidert Sven und die immer Beschwipste nickt.
»Warte doch mal ab, gleich vibriert und dudelt irgendein Smartphone. Wahrscheinlich deines sogar, dann sagst mir mitten im Gespräch, Moment jetzt habe ich Wichtigeres zu tun. Diese kleinen Dinger in unseren Taschen sind psychologisch so mächtig, dass wir uns längst daran gewöhnt haben, zusammen allein zu sein. Man will zusammen sein und doch gleichzeitig woanders.« ist sich Max sicher. »Ja, so gesehen« gibt ihm Sven recht.
»Hi, ist mein Notebook fertig? Funktioniert es wieder?« fragt Maya, vom Einkauf zurückkommend.
»Klar doch. Geld her. Bier her.« fordert Notebook-Sven. »Sieht du, da haben wir es schon« grinst Max. »Hi?« fragt Max die vor Glück aufgeregte Maya.
»Ja Hi, habe ich doch schon gesagt, bist du taub?« guckt sie Max doof an.
»Ich will ja nur wissen was du damit meinst. Bist du high? Hast du einen Herzinfarkt? Hi-Fidelity? Ach, du meinst den Zip-Code von Hawaii?« grinst Max.
»Das heißt ganz einfach nur Hi. Wie Hallo.« meint Maya dazu.
»Und warum sagst du dann nicht einfach Hallo? Weil Hi als Floskel kürzer ist? Oder würdest du dem Hei gerne noch ein L anhängen?«
»Du hast es erfasst, es ist ganz einfach eine kurze schnelle Floskel.« sagt sie jetzt etwas verstört und kümmert sich lieber um Sven.
»Hier ist dein Cash, das Bier kannst du ja selber bestellen, ich muss gleich weiter.«
»Okay, danke!« freut sich Sven und bestellt gleich eine Runde Hefeweizen.
»Mannomann! Heute habe ich aber schon viel gelernt. Also Prost!« lacht Karlo.
»Mein Smartphone hat schon lange nicht mehr geklingelt.« ist Sven total nervös und guckt ob es eventuell kaputt ist.
»Max hat recht, selbst wenn dieser Dinger mal keine Geräusche machen, werden Gespräche unterbrochen, es könnte ja eine Störung vorliegen.« kann Karlo nur noch mit dem Kopf schütteln. Computer-Sven wird leicht rot und ringt nach Ausreden.
»Das ist doch wichtig für mich, womöglich geht mir ein Auftrag verloren.«
»Was dir mit Sicherheit verloren geht, sind deine sozialen Kontakte, wenn du so weitermachst.« sagt Max zu diesem Thema.
»Du denksch, dann hat der bald keine Freunde mehr, gell.« hat sogar die immer Beschwipste kapiert. »Vielleicht soll i den doch net heirate.«
»Jetzt aber, so schlimm ist es nun auch nicht, wie ihr jetzt tut. Und heiraten will ich sowieso nicht.« entrüstet sich Sven.
»Jetzt reg dich wieder ab. Lass uns lieber noch eine Runde Bier trinken.« empfiehlt Karlo.
»Gute Idee!« pflichtet ihm Marina sofort bei.
»Also gut, ich bin ja nicht so.« versucht Sven wieder zu lächeln.
»Du solltest vielleicht klotzen, anstatt immer nur zu kleckern.« hat sich Max für Sven überlegt.
»Wie meinst du das?« möchte Sven wissen.
»Naja, so wie es die Großen machen. Die hocken nicht einfach nur da und warten auf Gschäftle, die eh nix bringen. Und wenn, dann nicht viel. Einfach eine Firma gründen, für Immobilien zum Beispiel und auf der ganzen Welt hin und her wandern. Virtuell natürlich, dann kommt die Kohle ganz von alleine.«
»Spinner!!!« winkt Sven ab. »Wie soll denn des funktioniere?« fragt die immer Beschwipste mit großen Augen.
»Das möchte ich auch gerne wissen, man weiß ja nicht was aus meiner Weltfirma einmal werden wird.« sagt Karlo und bestellt bei Svens Lieblingsbedienung noch eine Runde Bier.
»Sven mietet ein Büro mit Telefon und ich drucke ihm Visitenkarten. Fertig. Dann darf sich Sven seriöser Immobilienmakler nennen. So funktioniert das aber nicht, wenn man ohne Arbeit zu viel Geld kommen möchte. Um eine vierstellige Provision zu kassieren reicht schon ein einziges Telefon, wenn es um gute
Wohnlagen geht. Noch besser für Sven wäre, wenn er sich am Anfang in ein Land seiner Wahl begibt, dort schnell Freunde findet, bei ein paar Drinks etwa, und auf Auswanderungswillige Engländer, Deutsche und so, wartet. Die brauchen einfach alles, vom Auto bis zum Haus und für jeden Mist kriegt er dann Provisionen. In Devisen versteht sich.« schwärmt Max.
»Ja, die Karibik. Ist doch besser als hier zu ver-gammeln und jeden Tag völlig mittellos aufs Neue zu jammern« klatscht Karlo Beifall.
»Und wie komme ich dort hin, du Doof?« fragt Sven. »Das ist doch das allereinfachste. Du guckst im Internet nach flotten, einsamen Damen, die eine männliche Reisebegleitung suchen. Oder du bietest dich der DomRep-Rita an und gehst einfach nicht mehr mit ihr zurück. Sobald du die jeweilige Stadt abgegrast hast, musst du dich natürlich örtlich verändern. Wenn du schon richtig Geld übrig hast, kannst du locker in Weizen, oder andere wichtige Lebensmittel investieren. Dazu brauchst du selbstverständlich wieder dein Smartphone, wegen der Börse und so. Ein heißes Eisen ist dann später mal Waffenhandel, oder Organhandel. Zur Not musst du natürlich Kriege anzetteln, irgendwo in Afrika, das wird dann als Stammesfehden abgetan. So geht Geld verdienen heutzutage. Weltweit wandernde Konzerne räumen auf diese Art ab. Die haben sogar die komplette Finanzwelt in der Tasche. Du brauchst nichts weiter als einen gültigen, oder falschen Reisepass, ein Telefon und Konten in Nassau, Cayman Islands, Vaduz, etc.« wird Max so richtig zur Sau.
»Das ist ja einfach und ich Trottel sitze hier seit Jahren blöd herum.« sagt Sven fast etwas arrogant.
»Oder wir schaffen ein Bundesprekariat« bietet Max als Alternative an.
»Was soll denn des jetzt scho wieder sei?« fragt Marina.
»Gute Idee, die Badener und die Baden-Württemberger sollen endlich näher zusammenrücken.« sagt Karlo überzeugt. »Die wer?« fragt Max.
»Und was machen wir dann in so einem Prekariat?« möchte Sven wissen.
