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Voller Stolz begleitet Sadie ihren Mann Matt nach Los Angeles, als seine Fotos in einer renommierten Galerie gezeigt werden und freut sich über ein Wiedersehen mit ihren früheren Kollegen vom FBI und LAPD-Detective Nathan Morris. Sogar BAU-Profiler Nick Dormer ist in der Stadt, um gemeinsam mit Morris und dem hiesigen FBI in einem bizarren Fall von kannibalistischem Serienmord zu ermitteln. Als er Sadie als externe Beraterin hinzuziehen will, zögert sie keine Sekunde und will ihre Freunde bei den Ermittlungen unterstützen. Ein weiteres Opfer verschwindet, obwohl sie schnell ein präzises Täterprofil erarbeitet haben. Dass das Profil mitten ins Schwarze trifft, begreifen die Ermittler jedoch zu spät, denn zwei von ihnen sind plötzlich wie vom Erdboden verschluckt – ein Wettlauf auf Leben und Tod hat begonnen …
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Dania Dicken
Die Seele des Bösen
Todesliebe
Sadie Scott 20
Psychothriller
All unser Übel kommt daher,
dass wir nicht allein sein können.
Arthur Schopenhauer
Im Dämmerlicht wirkte ihre Haut ganz sanft und weich. Er betrachtete sie entzückt und lächelte, während er seine Hand langsam über ihre warme Haut gleiten ließ. Die Berührung elektrisierte ihn. Er beugte sich über sie und sog ihren Geruch ein, während er liebevoll über ihren ganzen Körper strich.
Sie war so perfekt. Wunderbar weiche, weibliche Rundungen, nicht zu viel und nicht zu wenig. Auch ihr Gesicht war bildschön. Sie war die Richtige.
Er nahm sich Zeit. Das war wichtig, denn er musste es auskosten. Dieser Moment war so wertvoll – die Zeit, in der die Wärme blieb. In solchen Augenblicken hatte er das Gefühl, eins mit dem Universum zu sein.
Und er wollte eins mit ihr sein. Er zog sich aus und blieb für einen Moment stehen, um sie anzusehen, um alles in sich aufzusaugen.
Sie hieß ihn willkommen, hatte die Arme weit ausgebreitet und blieb still, als er eins mit ihr wurde. Er lächelte gelöst und genoss das Gefühl. Dafür lebte er, für diesen Augenblick. Jetzt war er ihr ganz nah, spürte sie an sich und war wunschlos glücklich. Wenn dieser Moment doch nur nie enden würde.
Er genoss jede Sekunde ihrer Nähe, während er sie streichelte und liebkoste. Es war perfekt. So perfekt, dass er irgendwann nicht mehr an sich halten konnte und von einem Gefühl der Erlösung ergriffen wurde.
So musste es sein. So und nicht anders. Glücklich löste er sich von ihr und betrachtete sie wieder. Auch sie wirkte glücklich, da war er sich ziemlich sicher.
Langsam zog er sich wieder an. Sie lag einfach nur da, wurde mit jedem Moment kälter. Die süße Cindy … Hätte er diesen Moment doch nur für die Ewigkeit konservieren können, diese Hingabe und diesen intimen Moment der Zweisamkeit.
Jetzt musste er dafür sorgen, dass sie ihn nicht verließ, sondern für immer bei ihm blieb. Etwas Anderes hätte er nicht ertragen. So musste es sein, das war die Lösung gegen die Einsamkeit, die er so lange gespürt hatte, dieses lähmende, kalte Gefühl von Leere und Traurigkeit. Auf diese Weise hörte es auf, in diesem Moment maximaler Nähe.
Er sah nicht hin, als das Blut heraustropfte. Das war nichts, was ihm gefiel, aber es war leider notwendig. Jetzt musste er Geduld haben, bevor er weitermachen und die Erinnerung an diesen Moment konservieren konnte. Eine Erinnerung, die noch für Monate anhalten konnte, zart und endgültig. Er würde regelmäßig davon kosten können, was ihn am Leben halten würde.
Sein Blick blieb auf dem scharfen Messer hängen, mit dem er sich nehmen würde, was er brauchte. Schweißtreibende körperliche Arbeit wartete auf ihn. Arbeit, die ihn hungrig machen würde. Aber er wusste, die Belohnung wartete schon auf ihn.
„Du siehst nervös aus.“ Liebevoll legte Sadie einen Arm um Matt, der stocksteif dastand und an seiner Krawatte herum nestelte.
„Wenn sie dich stört, zieh sie aus. Die braucht es nicht“, sagte Sadie.
„Hast eigentlich Recht.“ Kurz entschlossen zog Matt die Krawatte wieder aus und straffte die Schultern. Sadie reckte sich zu ihm empor und gab ihm einen Kuss.
„Du bist wunderschön heute“, raunte er ihr zu und zog sie enger an sich heran.
„Danke für die Blumen, mein lieber Ehemann.“
Sie schenkten einander ein verliebtes Lächeln, was Sadie in diesem Moment alles andere als schwer fiel. Sie war furchtbar stolz auf Matt, stolz auf das, was er schon erreicht hatte.
Sie befanden sich in der Besucherlounge des Annenberg Space of Photography, einer renommierten Galerie mit wechselnden Fotoausstellungen im Herzen von Los Angeles. Nur noch wenige Minuten bis zur Ausstellungseröffnung. Als Sadie sich wieder zu Danny wandte, spürte sie noch mehr Nervosität. Sie konnte es verstehen.
„Meine Damen und Herren, bitte kommen Sie“, sagte die Direktorin und ging voran in die große Halle. Auch die anderen Fotografen, deren Arbeiten in der Ausstellung gezeigt wurden, waren gekommen, um der Eröffnung beizuwohnen. Am Kopf der Halle war ein kleines Podest errichtet worden, auf das die Direktorin die Fotografen und anderen Ehrengäste freundlich hinauf bat. Sadie blieb davor stehen, aber sie beobachtete Danny und Matt, die gleich nebeneinander standen und einander etwas zuflüsterten.
Augenblicke später betraten die ersten Besucher die Halle. An den Wänden der lichtdurchfluteten Halle hingen bereits zahlreiche Fotos, von denen Sadie einige von Matt wiedererkannte.
Er hatte es geschafft.
Sadie bemerkte Andrew Rhodes erst, als er zielstrebig auf sie zusteuerte. Mehr als erfreut reichte sie ihm die Hand und begrüßte ihn fröhlich.
„Wie schön, dich hier zu sehen! Ich hatte keine Ahnung, dass du kommen würdest.“
„Ich bis vorhin auch nicht. Matt hat mich zwar eingeladen, aber ich wusste nicht, ob ich es schaffe. Im Moment ertrinke ich fast in Arbeit, aber das konnte ich mir nicht entgehen lassen.“
„Matt wird sich riesig freuen“, vermutete Sadie. Sie hatten Andrew nicht gesehen, seit sie aus Los Angeles fortgezogen waren, dabei verdankte Matt ihm so viel. Der Strafverteidiger hatte Matts Unschuld bewiesen und dafür gesorgt, dass ihm viele Jahre im Gefängnis erspart blieben. Matt hatte Andrew auch bereits entdeckt und lächelte ihm zu. Rhodes hob die Hand zum Gruß und blieb bei Sadie stehen, während weitere Besucher in die Halle strömten. Darunter entdeckte Sadie Nathan, seine Frau Lauren, Cassandra und Jason mit ihrem kleinen Sohn Ethan und zu Sadies großer Überraschung Nick Dormer. Die anderen kamen gleich zu ihr und begrüßten sie mit freundschaftlichen Umarmungen.
„Wie schön, dass ihr alle hier seid! Nick, was tust du denn hier?“, fragte Sadie ihn vollkommen überrascht.
„Arbeiten“, sagte er und grinste. „Ich erzähle es dir später.“
„Ich bitte darum.“
„Der Moment jetzt gehört deinem Mann, würde ich sagen.“ Nick blickte zu Matt, der ihn ebenfalls bereits entdeckt hatte und gleichermaßen erfreut und überrascht war, ihn zu sehen.
„Das neben ihm ist Danny, nehme ich an?“, fragte Nick.
„So ist es. Er ist seit zwei Monaten wieder draußen. Matt hat ein Porträt von ihm aufgenommen, das hier gezeigt wird.“
„Sieht so aus, als würde dein Mann sich einen Namen als Fotograf machen.“
Sadie nickte mit einem Lächeln. „Du hast keine Ahnung, wie glücklich mich das macht.“
„Wenn ich dich ansehe, ist das sehr offensichtlich“, erwiderte Nick.
Sadie wollte auch mit Cassandra und Jason ein paar Worte wechseln, aber sie kam nicht mehr dazu, weil die Direktorin das Wort ergriff. Sie zwinkerte nur Ethan zu, der gleich übers ganze Gesicht strahlte.
„Meine verehrten Damen und Herren, es ist mir eine große Freude, Sie zur Eröffnung unserer Ausstellung Street Laws: Images of Crime and Justice begrüßen zu dürfen. Noch bis Ende Juli zeigen wir Fotos und Bilderserien, die den Alltag auf den Straßen unserer Stadt widerspiegeln – Bilder von Verbrechen, von Polizisten bei ihrer Arbeit, von Straßengangs, von Waffengewalt und auch von den Konsequenzen, die dieses Handeln mit sich bringt. Wir freuen uns besonders darüber, zahlreiche auch bislang unveröffentlichte Aufnahmen aus Matt Whitmans Bilderserie für Jeff Meades preisgekrönte Reportage im Los Angeles Magazine über den kriminellen Alltag auf den Straßen von Compton zeigen zu können.“
Applaus wurde laut. Jeff Meade trat vor und lächelte in die Runde, was Matt ihm schließlich gleich tat.
„Überdies hat Matt Whitman, der viele Jahre selbst Polizist und FBI-Ermittler war, Alltagsaufnahmen und Porträts von Insassen der California Institution for Men in Chino angefertigt, die wir hier erstmalig zeigen dürfen. Vielen Dank für diese tolle Gelegenheit!“
Erneut wurde Applaus laut. Matt trat vor und verbeugte sich leicht. Sadie hätte wirklich vor Stolz platzen mögen. In der Folge verlor die Direktorin noch lobende Worte über die Werke der übrigen Fotografen, aber Matt und Jeff waren definitiv die Stargäste an diesem Tag.
Kurz nach den aufreibenden Ereignissen um die Geiselnahme in San José war Jeff Meade auf Matt aufmerksam geworden und hatte ihn kontaktiert. Er saß an einer Reportage über das tägliche Leben auf den Straßen von Compton für das Los Angeles Magazine, für die er noch die richtige Bildbegleitung gesucht hatte. Man hatte ihm Matt empfohlen, da er nicht nur wusste, wie man gute Fotos machte, sondern als ehemaliger Ermittler traute er sich auch auf die Straßen Comptons, ohne gleich um sein Leben fürchten zu müssen. Matt hatte keine Sekunde gezögert und zugesagt, weil ihn die Aufgabe reizte. Er hatte einiges von Jeff gelesen und schätzte seine Arbeit, deshalb war er motiviert nach Los Angeles gefahren und hatte Jeff dort eine Weile in Compton begleitet. Zur Sicherheit hatte er die ganze Zeit Sadies Waffe getragen und sich und Jeff vor einigen brenzligen Situationen bewahrt oder sie hindurch geführt, weil er gewusst hatte, wie er damit umgehen musste. Er hatte Alltagsszenen aus der Vorortstadt von Los Angeles eingefangen, atmosphärische Bilder von besetzten Häusern, von neben ausgebrannten Autos spielenden Kindern oder älteren Damen, die mit jugendlichen Gangmitgliedern stritten.
Das alles hatte ihn so begeistert, dass er im Anschluss nach Chino gefahren war und um eine Genehmigung gebeten hatte, Fotos vom Gefängnisalltag machen zu dürfen. Die Idee war ihm spontan gekommen und weil er Chino kannte, hatte er sich seinen eigenen Dämonen stellen und das Leben in dem Gefängnis einfangen wollen, in dem er selbst eingesessen hatte.
Tatsächlich hatte er vom Direktor relativ schnell die Genehmigung bekommen und dann in Begleitung eines Wärters, mit dem er sich gut verstanden hatte, sehr eindrucksvolle Bilder in Chino aufgenommen. Er hatte Gefängniszellen in ihrer Trostlosigkeit abgelichtet, Häftlinge beim Mittagessen, Graffitis in den Waschräumen und eben Porträts derjenigen, die dazu bereit gewesen waren. Im Nachgang war auch Jeff nach Chino gekommen und hatte die Häftlinge befragt, die Matt porträtiert hatte. Auch darüber sollte noch eine Reportage erscheinen, auf die beide jetzt schon stolz waren.
Natürlich hatte Matt auch Danny fotografiert, der exakt eine Woche später erfahren hatte, dass er vorzeitig entlassen wurde. Er wollte trotzdem, dass sein Bild veröffentlicht wurde, denn er stand zu seiner Zeit im Gefängnis. Matt hatte inzwischen ebenfalls beschlossen, nicht zu lügen, wenn man ihn fragte, warum er diese Bilderserie gemacht hatte. Er hatte unschuldig im Gefängnis gesessen, inzwischen schämte er sich dafür nicht mehr. Dabei hatte ihm auch die Rückkehr nach Chino geholfen.
Und jetzt stand Danny mit ihm und Jeff vorn und befand sich im Mittelpunkt des Interesses. Für Sadie war das sehr aufregend. Gerade drei Wochen zuvor hatten Matt und Jeff gemeinsam einen renommierten Journalismuspreis für ihre Berichterstattung gewonnen. Sadie hatte nie damit gerechnet, dass diese Fotos solche Wellen schlagen würden, aber sie freute sich wahnsinnig und ehrlich für ihren Mann. Es war eine Ehre für sie, an diesem Tag dort mit ihm zu stehen.
Nachdem die Direktorin ihre Empfangsrede beendet hatte, stürzten sich einige Reporter auf die Fotografen. Schnell hatte sich um Matt, Jeff und Danny eine Traube gebildet, deshalb unternahm Sadie gar nicht den Versuch, zu ihrem Mann zu kommen. Sie begrüßte lieber Nathan mit einer Umarmung und blickte schließlich zu ihren Freunden.
„Es ist so schön, dass ihr gekommen seid. Das bedeutet uns viel.“
„Ist doch selbstverständlich“, sagte Jason. „Matt hat ein unheimlich gutes Auge, das muss ich schon sagen. Er schafft es ja, die Atmosphäre in Compton so einzufangen, dass man sich hautnah dabei fühlt, ohne voyeuristisch zu sein.“
Sadie nickte. „Das hat er in Chino auch gemacht. Ich glaube, die Fotos werden in der oberen Etage gezeigt.“
„Darauf bin ich sehr gespannt. Ich bin ja berufsbedingt öfter in Gefängnissen, aber ich bin gespannt auf die Perspektive, mit der Matt nun auf das alles blickt“, sagte Andrew Rhodes.
„Ich glaube, es war tatsächlich nicht leicht für ihn, das zu machen – aber er liebt die Herausforderung“, sagte Sadie und lachte.
„Es freut mich so, euch zu sehen. Ich muss sagen, ich denke gelegentlich an euch und freue mich darüber, dass ich Matts Unschuld beweisen und euch so wirklich helfen konnte.“
„Wahrscheinlich hast du solche Fälle nicht allzu oft, oder?“
„Nein“, sagte Andrew kopfschüttelnd.
Sie schlenderten gemeinsam durch die Ausstellung und sahen sich die ausgestellten Bilder an. In der oberen Etage angekommen, begegneten ihnen Matts Fotos aus Chino. Sadie kannte die Bilder zwar alle, aber sie groß hinter Acryl zu sehen, entfaltete eine ganz eigene Wirkung. Sie konnte den Bildern ansehen, wie Matt sich mit seinen eigenen Dämonen auseinandergesetzt hatte. Er zeigte Häftlinge in verschlossenen Zellen, hatte einen dabei eingefangen, wie er auf dem Sportplatz vor dem Basketballkorb in die Luft sprang und den Ball hineinwarf. Von Danny hatte er ein Porträt geschossen, in dessen Hintergrund unscharf ein Verbotsschild zu sehen war, das man aber nur teilweise lesen konnte. Im Mittelpunkt des Bildes stand Danny, der ohne ein Lächeln, aber trotzdem mit einem freundlichen Blick in die Kamera schaute. Man sah nur am unteren linken Bildrand einen winzigen Teil seiner orangen Uniform, was der einzige Hinweis auf seine Identität als Häftling war. Das Bild zeigte den Menschen, nicht den Insassen.
„Hat er toll gemacht, oder?“
Überrascht drehte Sadie sich um. Danny stand schräg hinter ihr und lächelte.
„Hast du mich erschreckt“, sagte sie.
„Tut mir leid. Alles konzentriert sich gerade auf Matt und Jeff, deshalb konnte ich die Flucht ergreifen.“
„Sei froh. Aber ja, das hat er wirklich toll gemacht.“
„Er ist ein talentierter Fotograf. Das hat er mir damals erzählt, irgendwann, und da hätte ich mir niemals träumen lassen, dass er mich mal so ablichtet. Aber da hätte ich mir auch nicht träumen lassen, jetzt schon wieder frei zu sein.“
„Ich freue mich wahnsinnig für dich.“
„Danke. Inzwischen habe ich mich wieder dran gewöhnt, würde ich sagen. Ich bin froh, dass diese Episode vorbei ist, aber sie gehört zu mir. Das drückt dieses Foto auch irgendwie aus.“
„Man spürt aber in dem Bild, dass Matt dich kennt.“
„Irgendwie schon, dabei ist er mit den anderen nicht weniger respektvoll umgegangen als mit mir. Das war er sowieso immer. Sie waren auch alle interessiert, weil sie ihn noch kannten. Das kam ziemlich gut an.“
„Hat man ihn schon danach gefragt?“
Danny nickte. „Er hat es vorhin erzählt, ja. Finde ich mutig von ihm.“
„Du bist auch hier, das ist nicht weniger mutig.“
„Ja, aber ich bin auch schuldig und stehe dazu. Er war immer unschuldig.“
„Deshalb kann er auch dazu stehen.“
„Hast Recht. Auf jeden Fall freue ich mich darüber, dass er das gemacht hat.“
Nick erschien bei den beiden. „Danny Warren?“
„Richtig“, erwiderte Danny.
„Nick Dormer von der BAU in Quantico.“ Freundlich hielt Nick Danny die Hand hin, der sie sofort beherzt schüttelte.
„Freut mich sehr, Agent Dormer. Ihr Name sagt mir noch was von damals. Matt hat erzählt, dass Sadie auch mit Ihnen gesprochen hat, als es um seine Verteidigung ging.“
„Ja, ich habe ihr die Gutachter vermittelt, die für Matt ausgesagt haben.“
„Richtig. Schön, wenn man solche Freunde hat.“
Nick lächelte und sie unterhielten sich noch ein wenig. Cassandra und Jason waren mit ihrem Sohn zum Wickeln verschwunden und Nathan und Lauren betrachteten die Fotos. Augenblicke später erschien Matt bei ihnen und wirkte ein wenig erschöpft.
„Da bist du ja wieder“, sagte Sadie.
„Ja, endlich … Die Reporter fanden mich unglaublich interessant und haben mir viele Fragen gestellt, weil ich mal beim FBI war. Und natürlich kam die Frage, wie ich denn auf die Idee kam, Fotos in Chino zu machen. Als ich den Grund genannt habe, war ich natürlich erst recht interessant.“
„Was hast du gesagt?“
„Dass Ex-Bürgermeister Evans mir einen Mord in die Schuhe schieben wollte und fast Erfolg damit hatte. Natürlich kamen wir auch darauf zu sprechen, dass ich es war, der Tyler umgebracht hat und das hat ihnen dann tatsächlich als Erklärung gereicht.“
„Ist doch gut.“
„Ja, zum Glück. Ich weiß nun natürlich nicht, wer da noch Nachforschungen anstellt, aber vorhin waren sie fürs Erste zufrieden.“
Sadie lächelte beruhigt und während Matt und Danny sich ein wenig unterhielten, raunte Nick Sadie zu: „Ich schulde dir noch die Erklärung dafür, was ich hier mache.“
Sie nickte nur und ging mit ihm zu einer kleinen Sitzbank am Fenster.
„Ich bin hier, um Cassandra und Detective Morris in in einer Ermittlung zu unterstützen“, sagte Nick, nachdem sie Platz genommen hatten.
„So etwas hatte ich vermutet. Cassie und Nathan arbeiten zusammen?“
„Maggie unterstützt sie auch. Es ist ja nicht so, dass sie nicht genügend Kapazitäten hätten, aber der Fall ist speziell. Es geht um Kannibalismus.“
Überrascht zog Sadie die Brauen hoch. „Verstehe.“
„Dachte ich mir, dass du da neugierig wirst.“
„Ich bin immer neugierig, wie du weißt.“
Nick grinste, wurde dann aber schnell wieder ernst. „Deine Meinung dazu würde mich sehr interessieren.“
„Ah, jetzt verstehe ich. Steckt ihr etwa fest?“
„Das wäre zu viel gesagt, aber ein bisschen frischer Input schadet sicher nicht. Wie sieht eure Tagesplanung aus?“
„Du gehst aber ran“, sagte Sadie scherzhaft. „Und du willst wirklich nur meine Meinung hören?“
Nick verstand. „Nicht mehr als das. Großes Ehrenwort. Ich weiß, du bist fertig mit dem FBI.“
„Das klingt jetzt aber sehr hart.“
„Ist es denn nicht so?“
„Ich bin fertig mit den Verrückten dieser Welt. Wie auch immer – die Direktorin hat die ausstellenden Fotografen zum Abendessen eingeladen, aber davor und danach habe ich Zeit.“
„Hervorragend. Dass du dich für Kannibalismus interessierst ...“
„Sicher. Das ist ein seltenes Phänomen, ich hatte noch nie damit zu tun.“
„Und das ist genau der Grund, weshalb ich hier bin. Im Gegensatz zu allen anwesenden Profilern hatte ich zumindest mal einen Fall in der Vergangenheit, aber wir haben uns trotzdem etwas festgefressen.“
Sadie blickte gespannt zu Nick und lächelte. Ihr Interesse war geweckt. Natürlich hatte sie nicht vergessen, dass sie ein halbes Jahr zuvor dem Director des FBI persönlich eine Abfuhr gegeben hatte, was einen Wiedereintritt als Profilerin beim FBI betraf, aber Nick unter die Arme zu greifen war etwas anderes.
In diesem Moment kehrten Cassandra und Jason mit Ethan zurück. Der Kleine saß auf den Schultern seines Vaters und hatte sichtlich Spaß dort oben.
„Sadie will uns über die Schulter schauen“, sagte Nick in Cassandras Richtung.
„Tatsächlich? Großartig“, freute Cassandra sich.
„In Sachen Kannibalismus bin ich kein Experte“, erinnerte Sadie sie.
„Ich auch nicht, deshalb habe ich ja schon Nick aus Quantico hergebeten. Er sagte gestern schon, dass er dir den Fall vorstellen wollte und ich war erst dagegen, aber er war nicht davon abzubringen.“
„Nein, das ist schon in Ordnung.“
„Das ist toll. Ich wollte dich erst nicht fragen, weil ich dachte, du hast bestimmt Besseres zu tun, wenn du einmal in Los Angeles bist …“
„Ehrlich gesagt nicht. Zumindest nicht bis heute Abend.“
Als Matt sich zu ihnen gesellte, berichtete Sadie ihm von ihrem Vorhaben, womit er auf Anhieb einverstanden war.
„Macht ihr mal, ich bin hier noch eine Weile beschäftigt und außerdem sind Danny und Andrew ja auch hier“, sagte er.
„Dann werden wir deine Frau gleich mal zum FBI entführen“, sagte Nick augenzwinkernd.
Sie hatten sich die gesamte Ausstellung noch in Ruhe bis zum Ende angesehen und anschließend aufgeteilt. Jason war mit seinem Sohn nach Hause gefahren und Matt blieb bei Danny und Andrew. Cassandra, Nick und Sadie fuhren mit Nathan zum FBI.
Während Sadie auf dem Freeway aus dem Fenster schaute, freute sie sich über das vertraute Gefühl, das sich in diesem Moment einstellte. Sie war mit Menschen zusammen, die sie schätzte und die ihr vertraut waren. Sie waren mehr als nur Kollegen. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, musste sie sich eingestehen, dass sie das ein wenig vermisste. Seit ihrem Umzug nach Pleasanton war sie nicht oft in Los Angeles gewesen und erst recht nie mit dem Hintergedanken, noch einmal an frühere Zeiten anzuknüpfen. Aber ein Fall, an dem all ihre Freunde zusammen arbeiteten, reizte sie ungemein – ungeachtet der unangenehmen Geschichte mit der Geiselnahme in San José. Das Thema war für sie auch noch nicht vom Tisch, die Gerichtsverhandlung in dem Fall hatte noch nicht einmal begonnen.
Beim FBI fand sie sich in der ungewohnten Situation wieder, erst um einen Besucherausweis bitten zu müssen. Die Mitarbeiter der Security kannten sie noch und mit Nick und Cassandra im Hintergrund war es kein Problem, aber es verdeutlichte ihr nur umso mehr, dass sie eigentlich nicht mehr dazu gehörte. Sie bereute es allerdings nicht, dem Director im Herbst eine Abfuhr erteilt zu haben.
Es fühlte sich vertraut an, als sie mit den anderen im Aufzug zur Etage der Major Crimes Unit hinauffuhr, wo an einem Samstag nicht allzu viel Betrieb herrschte. Cassandra ging voraus und lotste sie ins Büro der Profiler. Das Whiteboard stand unverändert in derselben Ecke und war gespickt mit Fotos. Sadie, Nathan und Nick machten es sich davor gemütlich, während Cassandra ihnen etwas zu trinken besorgte.
„Dann legt mal los“, sagte Sadie gespannt. „Es war dein Fall, Nathan?“
Der Angesprochene nickte. „Es ging los mit einer Leiche im Angeles National Forest vor knapp drei Wochen, zumindest für mich.“
„Du musst dich unweigerlich an Carter Manning erinnert gefühlt haben.“
Nathan lachte. „Kann man so sagen, ja. Der Fundort war nicht mal besonders weit von dem entfernt, wo wir damals Mannings weitere Opfer gefunden haben. Mir war relativ schnell klar, dass das ein Fall werden könnte, in dem ich Cassandras Hilfe brauche, und zwar deshalb.“
Er griff auf Cassandras Schreibtisch nach einem Hefter und zeigte Sadie die Fotos vom Leichenfundort. Mitten im Wald auf den Hügeln nördlich von Los Angeles hatte ein Wanderer die Leiche einer jungen Frau entdeckt, die seit etwa einem Monat vermisst wurde. Sie war nackt und Sadie entdeckte auf den ersten Blick die blutunterlaufenen und wundgescheuerten Stellen an ihren Hand- und Fußgelenken. Man hatte sie also gefesselt. Weder Nathan noch die anderen sagten etwas, während Sadie die Fotos der Leiche betrachtete. Sie stand auf, breitete sie nebeneinander auf einem freien Schreibtisch aus und ließ sie auf sich wirken.
Die junge Frau war dunkelhaarig, hatte ein hübsches Gesicht und eine attraktive Figur. Außer den Fesselmalen hatte sie keine Verletzungen, die auf Gewalteinwirkung hinwiesen wie Blutergüsse oder ähnliches, aber sie hatte Verletzungen am Körper. Sehr offensichtliche. Der Täter hatte Fleisch an ihrem Gesäß, ihren Oberschenkeln, ihrem Bauch und ihren Brüsten entfernt. Scharfe Schnittkanten wiesen darauf hin, dass das nicht von einem Tier stammen konnte.
„Ist das post mortem passiert?“, fragte Sadie.
„Ist es“, sagte Nathan.
„Wir halten ihn nicht für einen Sadisten“, sagte Cassandra. „Er hat die Frau nach ihrem Verschwinden noch mindestens eine Woche gefangen gehalten, aber er hat sie gut ernährt. Sie wurde gefesselt, aber er hat sie nicht geschlagen oder ihr anderweitig Gewalt angetan.“
„Er hat sie nur nach ihrem Tod verstümmelt“, sagte Sadie.
„Er hat Fleisch von ihrem Körper behalten. Zum Verzehr, wie wir annehmen, denn bei der Analyse ihres Mageninhaltes fiel auf, dass sie selbst Menschenfleisch gegessen hatte.“
Sadie machte große Augen. „Ist nicht euer Ernst.“
„Als ich das erfahren habe, habe ich sofort zum Hörer gegriffen und Cassandra angerufen“, erzählte Nathan. „Der Gerichtsmediziner hat ja bei der Obduktion schon vermutet, dass das in Richtung Kannibalismus gehen könnte, weil genau die Fleischteile fehlen, die man auch bei einem Tier als delikat bezeichnen würde. Sie wurden mit einem scharfen Messer geübt herausgeschnitten, das konnte er uns trotz des Verwesungszustandes der Leiche noch eindeutig sagen. Dieser Kerl hat die Frau gefangen gehalten und vergleichsweise gut behandelt, aber er hat ihr Menschenfleisch zu essen gegeben.“
„Und er ist nekrophil“, sagte Nick von der Seite. „Er hatte nach ihrem Tod noch Sex mit ihr.“
Sadie holte tief Luft. „Jetzt weiß ich wieder, warum dieser Job einem so an die Nieren geht.“
„Wir stecken fest“, gab Cassandra zu. „Wir haben einige Fragen immer noch nicht beantwortet, vor allem wissen wir nicht, warum er seine Opfer selbst mit Menschenfleisch ernährt. Der Gerichtsmediziner ist sich ziemlich sicher, dass er die Frau vor ihrem Tod nicht angerührt hat und es keine Vergewaltigung gab, als sie noch gelebt hat.“
Sadie fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht. „Was heißt überhaupt seine Opfer? Es gibt mehrere?“
„Die gibt es“, sagte Nathan. „Der Gerichtsmediziner sprach davon, dass das vermutlich nicht seine erste Tat war, also habe ich mich auf die Suche gemacht und noch zwei weitere Fälle gefunden, die ihm vermutlich zuzuschreiben sind. Beim ersten ist offensichtlicher, dass er dazugehört. Der liegt etwas über ein Jahr zurück und damals haben einige meiner Kollegen in dem Fall ermittelt. Da wurde auch eine Frauenleiche im Angeles National Forest entdeckt, ich habe das am Rande mitbekommen. Auch an dieser Leiche fehlte Fleisch, allerdings hatten Kojoten in der Zwischenzeit an ihr gefressen, deshalb blieb es bei der Vermutung, dass da ein Mensch Hand angelegt haben könnte. Das konnte nicht bewiesen werden.“
Nathan griff zu einer weiteren Akte und zeigte Sadie die Fotos, nachdem er die anderen Bilder auf dem Schreibtisch wieder eingesammelt hatte.
„Sie war zum Zeitpunkt des Leichenfundes deutlich stärker verwest und eben von den Kojoten angefressen, deshalb war es wirklich nicht mehr so gut sichtbar. Der Gerichtsmediziner hat aber auch hier Spuren einer Vergewaltigung gefunden, die vermutlich post mortem stattgefunden hat. Das ist vermutlich der erste Fall oder zumindest der erste, den wir finden konnten. Der andere ist jetzt etwas über ein halbes Jahr her und wurde auch von Kollegen bearbeitet. Die hatten einen noch schlechteren Ausgangspunkt, weil die Leiche erst nach Wochen gefunden wurde. Sie war schon so stark verwest, dass überhaupt nicht mehr klar gesagt werden konnte, ob Kojoten an der Leiche gefressen hatten oder warum auch immer da Fleisch fehlt. Was allerdings nachgewiesen werden konnte, und zwar in allen Fällen, sind Messerspuren an den Knochen der Opfer. Das ist ja ein deutlicher Hinweis darauf, dass jemand das Fleisch vom Körper geschnitten hat.“
„Klingt ganz so“, stimmte Sadie zu.
„Beim zweiten Opfer war keine Vergewaltigung mehr nachweisbar, aber in allen Fällen hatten die Opfer Menschenfleisch im Magen. Das habe ich mit Cassandra und Maggie Ryan zusammen erarbeitet, aber dann kamen wir erst einmal nicht weiter. Uns war nicht klar, aus welchem Grund er seinen Opfern Menschenfleisch gibt. Im Moment versuchen wir, eine Idee von Nick zu überprüfen.“
„Ich habe angenommen, dass das Menschenfleisch im Magen der Opfer von den früheren Opfern stammt“, sagte Nick. „Unser letztes Opfer heißt Cindy Wallace und ich habe so ein Gefühl, dass wir in ihrem Magen Fleisch von ihrer Vorgängerin Patricia Marks gefunden haben.“
Sadie setzte sich und seufzte. „Nick, du hast mir vorhin ganz verschwiegen, dass mir davon übel werden könnte …“
Er lachte kurz und sagte dann: „Tut mir leid, du bist aus der Materie raus, das hätte ich berücksichtigen müssen.“
„Ich bin nicht aus der Materie raus, aber so einen Fall hatte ich noch nie. Das kratzt hart an der Grenze dessen, was ich noch wegstecken kann, das gebe ich ehrlich zu“, sagte sie.
„Wir finden das alle ziemlich krass“, sagte Nathan.
„Und was erwartet ihr jetzt von mir?“, fragte Sadie mit gequältem Gesichtsausdruck.
„Ich bin seit Mittwoch hier und mich beschäftigt gerade die Frage, warum der Täter seinen Opfern das Fleisch der anderen zu essen gibt – vorausgesetzt, das ist tatsächlich der Fall. Ihr eigenes Fleisch kann es nicht sein, denn er hat es ja erst nach ihrem Tod entfernt. Die Leichenschändung kann ich mir noch erklären, wenn ich mir überlege, dass er vermutlich nekrophil ist … aber generell haben wir gerade alle das Gefühl, dass dieser Fall uns an unsere Grenzen bringt.“
„Das glaube ich euch gern“, sagte Sadie. „Also gibt es bislang drei tote Frauen, die selbst Menschenfleisch essen mussten und von deren Leichen der Täter eben Fleisch entfernt hat. Er ist nekrophil und scheint sich irgendwo um die San Gabriel Mountains herum aufzuhalten.“
Nathan nickte zustimmend. „So weit sind wir bis jetzt. Nun läuft der DNA-Test, um zu bestimmen, wessen Fleisch Cindy im Magen hatte. Noch haben wir gar kein vollständiges Profil, in einigen Punkten sind deine Kollegen sich uneins.“
„Und das wäre?“, fragte Sadie.
„Wir streiten noch darüber, warum er den Opfern das Fleisch der anderen gibt und auch darüber, ob er es selbst isst. Das widerspricht der These, dass er kein Sadist ist – es sei denn, die Opfer wissen nicht, was sie da essen“, sagte Cassandra.
„Wir halten ihn für einen heterosexuellen Mann mit einer schweren Persönlichkeitsstörung, über die wir ihn eigentlich finden können sollten. Wir sind uns nur noch nicht einig, ob er das Menschenfleisch jetzt aus religiösen oder, sagen wir, spirituellen Gründen braucht oder ob das eben doch eine sexuelle Komponente des Einverleibens beinhaltet, weshalb er ja auch die Leichen schändet“, fuhr Nick fort.
„Verstehe“, sagte Sadie. „Und vor dem Hintergrund, dass Kannibalismus in solcher Gestalt selten ist, haben wir natürlich auch nicht viele Fallbeispiele, auf die wir uns beziehen können.“
„Das ist genau das Problem“, sagte Nick. „Aus meiner Zeit als ganz junger Agent in der BAU kenne ich noch den Fall Sean Vincent Gillis, der 2004 festgenommen wurde, weil er acht Frauen in Louisiana entführt, vergewaltigt und ermordet hat. Er hat sie auch verstümmelt, weshalb ihm Kannibalismus vorgeworfen wurde. So wie unser Täter hier hat er sich auch an den Leichen vergangen, obwohl wir da immer vermutet hatten, dass er es deshalb getan hat, weil Tote sich nicht wehren.“
„Und daraus können wir nichts ableiten?“
„Wir erzielen da noch keinen Konsens. Vielleicht bringst du noch eine neue Sichtweise hinein, denn wir tun uns da gerade wirklich schwer.“
Sadie zögerte nur kurz. „Ich kann es versuchen, aber ich denke, mit heute Nachmittag wird es da nicht getan sein, oder?“
Ihr Blick traf Nicks. Schließlich seufzte er und sagte: „Du musst nicht.“
„Dir muss ich ja nicht sagen, was beim letzten Mal passiert ist, als ich ungewollt dem FBI geholfen habe …“
„Nein, musst du nicht und ich erwarte nichts von dir, das sollst du wissen. Das ist ganz allein deine Entscheidung.“
Sadie wusste nicht, was sie erwidern sollte. Das Ganze reizte sie inhaltlich ungemein, aber seit den Ereignissen in San José war sie noch vorsichtiger geworden. Das hatte ihre ganze Familie betroffen und das durfte niemals wieder passieren.
„Ich halte mich im Hintergrund“, sagte sie. „Ich trete vor keine Kamera, nichts. Ich will nicht, dass meine Mitarbeit an der Sache bekannt wird. Ich erarbeite mit euch am Schreibtisch das Profil und das war’s.“
Dormer nickte sofort. „Selbstverständlich, das verstehe ich.“
„Davon abgesehen … Im Moment sind Semesterferien, ich werde also nicht pünktlich in San Francisco zurück erwartet und Matt hat ohnehin diese Woche noch einige Folgetermine in Los Angeles.“
Nick lächelte erleichtert. „Danke, Sadie. Ich bin froh, das zu hören. Ich sorge dafür, dass das beim FBI offiziell gemacht wird und du als Beraterin eine Aufwandsentschädigung bekommst. Das FBI weiß ja, was es an dir hat.“
„In Ordnung.“
Nick zögerte kurz, bevor er sagte: „Du verstehst die sexuelle Motivation solcher Täter. Ich hoffe einfach, dass du siehst, ob es hier sexuelle Motive sind oder ob etwas anderes ist, was ihn antreibt.“
„Denkst du, ich kann die Fallakten gleich mitnehmen? Dann schaue ich sie mir heute noch in Ruhe an.“
„Einverstanden“, sagte Cassandra und auch Nathan nickte.
„Wenn du noch mehr brauchst, sag Bescheid. Es ist toll, dass du mit an Bord bist“, sagte er.
„Ich gebe zu, ich bin neugierig.“
Das zu hören überraschte die anderen wenig. Cassandra verabschiedete sich rasch, um nach Hause zu ihrem Mann und ihrem Sohn zu kommen, wohin Nathan sie mitnahm. Nick bat Sadie indes, ihn zu begleiten, um den nötigen Papierkram fertigzumachen, der anfiel, wenn sie das FBI nun offiziell beraten wollte.
„Ich kann nicht glauben, dass ihr da nicht weiterkommt“, sagte sie, während sie zusammen auf dem Flur warteten.
„Vorhin klang es vielleicht, als hätten wir einen Disput darüber – das ist es nicht, es ist eher, dass jede Seite gute Argumente für ihre Sichtweise hat und wir nun einfach die Ermittlung nicht in eine falsche Richtung lenken wollen. Ich sehe eine stärkere sexuelle Motivation als Cassandra, weiß aber nicht warum.“
„Sexualität und Kannibalismus hängen eng zusammen. Kannibalen wollen sich ihr Opfer einverleiben, mit ihm verschmelzen.“
„Ich weiß, aber warum gibt er seinen Opfern das Fleisch der anderen Opfer?“
„Vielleicht als eine Demonstration absoluter Macht?“
„Ich weiß es nicht. Über vieles können wir nur spekulieren, weil die beiden ersten Leichen eben stärker verwest waren. Auf jeden Fall bin ich froh, deine Meinung dazu hören zu können. Nach San José hätte ich verstanden, wenn du es abgelehnt hättest.“
„Ich erstelle auch Gutachten in San Francisco und das ist vollkommen ungefährlich“, erwiderte Sadie.
„Übrigens finde ich es toll, wie die Dinge sich für deinen Mann entwickeln. Vorhin habt ihr beide auf mich so glücklich gewirkt wie … ich weiß überhaupt nicht, wann ich euch zuletzt so gesehen habe.“
Darauf wusste Sadie nichts zu erwidern, weil sie sich fragte, ob Nick sie überhaupt je so gesehen hatte – ob er sie je so hatte sehen können.
„Ich finde es aber auch schön, wieder hier zu sein“, sagte Sadie. „Schöner, als ich dachte.“
„Du machst aber auch einen zufriedenen Eindruck.“
„Ja, das bin ich durchaus.
„Und wie geht es deinen Töchtern?“
„Oh, Hayley hält gerade Norman auf Trab und Libby lernt fleißig für das Fernziel Quantico.“
„Das ist toll. Zu dumm nur, dass das noch ein bisschen dauert.“
„Das liegt an euch“, sagte Sadie augenzwinkernd. „Ich höre mal nach, ob Matt mich hier vielleicht abholen kann. Sollen wir dich dann mitnehmen?“
„Das wäre natürlich praktisch.“
Kurzerhand rief Sadie ihren Mann an und erfuhr, dass er noch mit Danny und Andrew durch die Ausstellung schlenderte, aber er erklärte sich sofort dazu bereit, sie abzuholen. Es dauerte auch nicht mehr lang, bis alle Unterlagen fertig waren. Sadie konnte ihren Besucherausweis behalten und musste nur noch etwas unterschreiben, dann konnte sie gehen.
Sie hatten das Gebäude kaum verlassen, als sie unweit des Haupteingangs Matts Challenger entdeckten. Die Galerie lag nur zehn Autominuten entfernt, deshalb hatte er es rasch zu ihnen geschafft.
„Du hast Arbeit mitgebracht“, sagte er, als er Sadie mit den Heftern unter dem Arm kommen sah.
Etwas unsicher hielt sie ihm ihren Besucherausweis vor die Nase. „Ich berate jetzt offiziell das FBI als Profilerin in einem Fall von Kannibalismus-Serienmord. Am Schreibtisch.“
Matt erwiderte nicht gleich etwas. „Das hätte ich nicht erwartet.“
„Nick hat mich um Rat gebeten. Ich helfe ihnen nur dabei, das Profil zu erstellen. Kein Außeneinsatz, keine Gefahr.“
„Du kannst einfach nicht anders“, sagte Matt kopfschüttelnd und grinste.
Nachdem die ganz große Aufregung um sie sich gelegt hatte, schaffte Matt es endlich, sich die Ausstellung selbst auch einmal anzusehen. Dabei begleitete ihn Andrew Rhodes, der sich irgendwann zu ihm durchgekämpft hatte. Matt freute sich sehr darüber, dass sein Anwalt es doch geschafft hatte.
„Wir haben uns viel zu lang nicht gesehen“, sagte er, während er mit Andrew durch die Halle schlenderte.
„Ja, aber das nehme ich auf meine Kappe. Ich arbeite zu viel.“
„Du nimmst deinen Job auch ernst.“
Andrew lächelte. „Dass du eine hohe Meinung von mir hast, wundert mich nicht.“
„Das Vermögen, das wir dir gezahlt haben, hast du definitiv verdient!“
„Oh, jetzt machst du mir ein schlechtes Gewissen!“, sagte Andrew und lachte.
„Nein, das musst du nicht haben. Du hast deinen Job gemacht, das stand dir zu. Du hast mir nicht nur die Freiheit geschenkt und die Chance, noch mal von vorn anzufangen. Du hast mir auch die Gewissheit gebracht, dass ich nicht der bin, für den ich mich selbst gehalten habe.“
„Gehst du deshalb jetzt so offensiv damit um?“
„Ich bin unschuldig, wofür sollte ich mich also schämen?“
Andrew zuckte mit den Schultern. „Oft ist es trotzdem so.“
„Mag sein, aber mit dem Fotoprojekt hier habe ich es ein wenig aufgearbeitet. Stellenweise war das hart, aber ich wollte es ja so.“
„Und du startest gerade richtig durch, scheint mir.“
„Es läuft gut“, sagte Matt bescheiden, dann fügte er hinzu: „Eine Chance, die du mir beschert hast. Dank deiner Arbeit sehe ich meine Tochter jetzt aufwachsen und ich konnte in Pleasanton noch mal ganz von vorn anfangen. Ich bin dir auf ewig zu Dank verpflichtet.“
Andrew klopfte ihm auf die Schulter. „Wirklich gern, Matt. Ich denke gern an den Fall zurück, denn ich war so von deiner Unschuld überzeugt, dass ich nichts anderes als einen Freispruch akzeptiert hätte. Du warst mir immer sympathisch, das war in meiner bisherigen Laufbahn einer der großartigsten Fälle.“
Matt lächelte. Er hatte sich immer gut mit Andrew verstanden und freute sich wirklich darüber, dass er zur Ausstellungseröffnung erschienen war.
Augenblicke später tauchte Danny bei ihnen auf. „Störe ich?“
„Mitnichten, ich muss gleich leider wieder los. Bist du noch länger hier?“, erkundigte Andrew sich bei Matt.
„Ein paar Tage noch.“
„Schön, vielleicht schaffen wir es ja noch, zusammen was essen zu gehen, was meinst du?“
„Ich würde mich freuen.“
„Gut, ich melde mich bei dir!“
Matt nickte und verabschiedete sich von Andrew, ehe er sich Danny zuwandte. Nun schlenderten sie gemeinsam weiter durch die Ausstellung.
„Als ich das Bild von dir aufgenommen habe, hätte ich nicht gedacht, dass wir jetzt zusammen hier stehen“, gab Matt ehrlich zu.
„Ich auch nicht. Eigentlich hätte ich acht Jahre absitzen müssen, so waren es nur knapp sechs. Wenigstens beim Schulabschluss meines Sohnes werde ich dabei sein. Es hat schon seine Vorteile, wenn man sich im Knast gut benimmt.“
„Ich freue mich so, dass du wieder draußen bist. Wie geht es dir damit?“
„Natürlich bin ich froh, aber ich bin gerade erst wieder dabei, die Arbeit aufzunehmen. Es ist nicht so leicht. Tatsächlich war es auch eigenartig, wieder zu Hause zu sein. Meine Familie hat ihren Alltag gelebt und plötzlich war ich zwar wieder da, hatte aber keinen Alltag. Meine Kids sind in der Zwischenzeit ganz schön erwachsen geworden, Zach ist inzwischen ein Mann und Chelsea ist schon auf dem College.“
„Wie geht es ihr?“, fragte Matt.
„Gut, so weit ich das beurteilen kann. Sie hat jetzt einen Freund. Der Therapeut, den meine Frau für sie ausgesucht hat, scheint gute Arbeit geleistet zu haben. Und deine Töchter?“
„Hayley ist schon fünf, kannst du dir das vorstellen?“
„Was? Ich sehe doch noch dieses winzige Mädchen auf deinem Schoß sitzen!“, sagte Danny kopfschüttelnd.
„Nein, so winzig ist sie nicht mehr. Und Libby ist ebenfalls auf dem College.“
„Toll, was studiert sie?“
„Verhaltensforschung. Sie will meiner Frau nacheifern.“
„Tatsächlich?“
„Ja, ich glaube auch, sie wird gut darin. So ganz gefällt mir das nicht, aber sie ist nicht davon abzubringen.“
„Wie kam sie denn auf die Idee? Das war doch vorher nie ein Thema?“
„Nein …“ Matt zog unbehaglich die Schultern hoch. „Deshalb habe ich gerade gefragt, wie es deiner Tochter geht. Libby musste vorletztes Jahr auf dem College eine ähnliche Erfahrung machen.“
„Oh nein.“ Dannys Miene versteinerte augenblicklich.
„Jetzt weiß ich, wie du dich damals bei deiner Tochter gefühlt haben musst.“
„Aber offensichtlich hast du den Kerl nicht in seine Einzelteile zerlegt.“
„Nein, zu seinem Glück nicht. Sie hat ihn angezeigt und gegen ihn ausgesagt. Das wollte sie selbst. Er ist jetzt da, wo er hingehört.“
„Das ist gut. Mutig von ihr. Und das hat den Ausschlag gegeben?“
Matt nickte. „Ich bin ziemlich stolz auf sie.“
„Das wäre ich an deiner Stelle auch. Du kannst aber auch auf dich selbst stolz sein. Ich meine, du bist jetzt preisgekrönter Fotograf. Vermisst du denn die Arbeit als Ermittler gar nicht?“
Da musste Matt nicht lange überlegen. Kopfschüttelnd sagte er: „Ich war lang genug Polizist und habe den Kopf hingehalten. Wobei ich sagen muss, dass meine Arbeit als Polizist längst nicht so aufreibend war wie die als FBI-Agent. Du hast meine Narben ja gesehen …“
„Ja. Ich muss gestehen, ich habe ein bisschen nachgelesen, als ich draußen war. Du hast mir wirklich nicht alles erzählt.“
„Nein, aber nicht, weil ich dir nicht vertraut hätte. Ich wollte es nur nicht aufwärmen.“
„Das dachte ich mir schon. Nicht schlimm. Aber nach all dem hätte ich an deiner Stelle auch die Nase voll vom Ermittlerdasein.“
Matt nickte bloß, während er eins der Fotos eingehend betrachtete. Ermittler wollte er wirklich nicht wieder sein, da war er sich mit Sadie einig gewesen – vor allem im letzten Herbst, nachdem man ihn und Hayley gekidnappt hatte, um Sadie unter Druck zu setzen. Da war es ihm auch nicht schwer gefallen, das Angebot zum Wiedereinstieg beim FBI abzulehnen.
Generell vermisste er das Leben in Los Angeles kaum. Als freiberuflicher Fotograf konnte er seinen Alltag freier gestalten und mehr für Hayley da sein. Seit sie in Pleasanton lebten, führten sie ein weitgehend normales Leben und das wollte er um nichts in der Welt wieder hergeben.
Entsprechend betrachtete er die Tatsache, dass Sadie nun ihren früheren Kollegen helfen sollte, mit gemischten Gefühlen. Er war unsicher, ob er das ansprechen sollte, denn er wollte ihr kein schlechtes Gewissen machen und schließlich hatte sie ja auch als Dozentin immer noch gelegentlich mit solchen Fällen zu tun. Aber sie war endlich einmal ganz bei sich, glücklich und voller Selbstvertrauen. So hatte er sie nicht einmal kennenlernen dürfen, denn als er sie damals getroffen hatte, war sie von Selbstzweifeln und Ängsten zerfressen gewesen, die sich in der ersten Zeit ihrer Beziehung durch all das, was sie erlebt hatten, erst noch vertieft hatten, bevor es umgeschlagen war und Sadie hatte zeigen können, was eigentlich in ihr steckte.
Ihm war klar, dass das erst zum Vorschein gekommen war, als er selbst in Gefahr geschwebt hatte. Da war sie über sich hinaus gewachsen und sie hatte wie eine Löwin um ihn gekämpft, als Stacy versucht hatte, ihn zu brechen und zu töten. Er war ihr dankbar dafür, dass sie ihn nie aufgegeben und ihn auch nicht verlassen hatte, als er ihr gestanden hatte, dass er sich für einen Mörder hielt. Nein, stattdessen hatte sie, als er glaubte, sein Leben zerrinne in seinen Händen, eine neue Zukunft gesucht und ihn zu einem Vater gemacht. Er würde nie aufhören, ihr dafür dankbar zu sein.
Inzwischen fühlte er sich wieder wie der Matt, der er gewesen war, bevor alles gedroht hatte, den Bach runterzugehen. Und jetzt hatte ausgerechnet die Tatsache, dass er früher Ermittler gewesen war, dazu geführt, dass seine Fotos nun die Wände einer Galerie füllten.
Er freute sich darüber, dass Danny nun endlich wieder in Freiheit war und bedauerte gleichzeitig, dass sie fünf Autostunden voneinander entfernt lebten. Sie hielten allerdings regen Kontakt miteinander, den Danny gleich nach seiner Entlassung intensiviert hatte. Sie hatten sich darüber ausgetauscht, wie es war, endlich wieder in Freiheit zu sein, aber Matt hatte auch deutlich gespürt, dass ein großer Unterschied zwischen vier Monaten und fast sechs Jahren im Gefängnis lag. Danny tat sich deutlich schwerer damit, wieder im Leben anzukommen, was Matt gut verstehen konnte. Er hatte immer ein offenes Ohr für ihn und hatte ihm auch Unterstützung angeboten, sollte er welche brauchen.
Sein Handy klingelte. Er lächelte, als er sah, dass es Sadie war.
„Hallo, meine Ehefrau, was kann ich für dich tun?“, fragte er charmant.
„Du könntest mich vielleicht abholen, wenn du die Gelegenheit dazu hast. Wir sind gerade fertig geworden.“
„Aber selbstverständlich. Ich war gerade noch mit Danny unterwegs, aber ich bin gleich bei dir. Ist ja zum Glück nicht weit.“
„Das stimmt. Bis gleich.“
Matt verabschiedete sich von ihr und sagte bedauernd zu Danny: „Ich muss los, aber wir sehen uns ja zum Glück noch.“
„Kein Problem. Ich freue mich schon drauf.“
„Bis dann“, sagte Matt mit einem Lächeln.
„So ganz wohl ist mir trotzdem nicht dabei“, gab Matt zu, nachdem sie Nick an seinem Hotel abgesetzt hatten.
Sadie antwortete nicht gleich. „Das kann ich verstehen. Ich tue es nicht, wenn du ein Problem damit hast.“
Matt ließ sich Zeit mit seiner Antwort. „Wenn du den anderen nur über die Schulter schaust, kann doch eigentlich nichts passieren.“
„Eben, das denke ich auch. Sie stecken fest und haben mich um Hilfe gebeten.“
„Was, und das, obwohl Nick hier ist?“
„Ja, offenbar sind sie sich nicht einig. Ich muss gestehen, ich bin wirklich neugierig. Es fühlte sich vorhin gar nicht so seltsam an, wieder in meinem alten Büro zu stehen.“
„Oh, du willst nun nicht etwa doch wieder SSA Whitman werden?“
„Nein“, sagte Sadie sofort mit heftigem Kopfschütteln. „Aber ich gebe zu, ich bin neugierig und es macht mir Spaß. Und das, obwohl es ein ziemlich krasser Fall zu sein scheint.“
„Solange es mich nicht betrifft … Wollen wir noch kurz ins Hotel, bevor es zum Abendessen geht?“
„Gern. Ich möchte Norman sagen, dass wir länger hier bleiben. Und ich möchte mit Hayley sprechen.“
„Ja, natürlich. Eine kurze Pause wäre mir auch sehr willkommen.“
Wenig später waren sie am Ziel. Sie hatten sich ein zentral gelegenes Hotel gesucht und es war Sadie gar nicht so unrecht, dass nun wohl das FBI den größten Teil der Rechnung übernehmen würde. Sie wunderte sich wirklich darüber, dass ihre Kollegen sich hinsichtlich des Profils so uneins waren, aber sie würde sich den Fall genauer zur Brust nehmen.
Auf ihrem Zimmer angekommen, riss Matt sich erst mal die Hälfte seiner Kleidung vom Leib, so dass er schließlich nur noch in Jeans und mit nacktem Oberkörper auf dem Bett saß. Sadie war nicht sicher, ob sie sich jemals wirklich an seine vielen Narben gewöhnen würde.
Sie machte es sich ebenfalls auf dem Bett gemütlich, hatte die Hefter vor sich liegen und griff nach ihrem Handy, um bei ihrem Onkel in Waterford anzurufen. Matts Vater kümmerte sich im Alltag sehr oft um Hayley, so dass sie bei solchen besonderen Gelegenheiten meist die Zeit bei Norman und Christine in Waterford verbrachte. Es war allerdings auch so abgemacht, dass Jim Hayley am Sonntagabend wieder abholte und sie montags in den Kindergarten in Pleasanton brachte.
Inzwischen betrachtete Hayley Normans Freundin als ihre Großmutter, was Sadie einerseits freute, ihr aber andererseits einen Stich versetzte. Hayley hatte Fanny schließlich niemals kennenlernen dürfen, was sie traurig stimmte.
