Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 513 - Liebesroman - Ina Ritter - E-Book

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 513 - Liebesroman E-Book

Ina Ritter

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Beschreibung

Als nach dem Tod ihres geliebten Vaters auch das große Gut der Familie in Pommern verloren scheint, flieht die bildhübsche Susanne von Reinwald in den Westen. Nun steht sie völlig mittellos und mutterseelenallein in dieser ihr fremden Welt. Aber sie hat Glück im Unglück und findet schnell eine Stelle als Erzieherin der neunjährigen Constanza und auch bald einen Schatz, Dieter Speelmann, den Bruder des Mädchens. Das erregt jedoch die Eifersucht seines Vaters, der sich selbst in die reizende Susanne verliebt hat. Kurzerhand schickt Hugo Speelmann den Sohn zu einer langen Geschäftsreise in ferne Länder und ersinnt einen bösen Plan, um die Liebe der beiden zu zerstören ...

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Inhalt

Cover

Impressum

In einer fremden Welt

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: cherbunina vita / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0101-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

In einer fremden Welt

Plötzlich war sie bitterarm und von allen verlassen

Als nach dem Tod ihres geliebten Vaters auch das große Gut der Familie in Pommern verloren scheint, flieht die bildhübsche Susanne von Reinwald in den Westen. Nun steht sie völlig mittellos und mutterseelenallein in dieser ihr fremden Welt. Aber sie hat Glück im Unglück und findet schnell eine Stelle als Erzieherin der neunjährigen Constanza und auch bald einen Schatz, Dieter Speelmann, den Bruder des Mädchens. Das erregt jedoch die Eifersucht seines Vaters, der sich selbst in die reizende Susanne verliebt hat. Kurzerhand schickt Hugo Speelmann den Sohn zu einer langen Geschäftsreise in ferne Länder und ersinnt einen bösen Plan, um die Liebe der beiden zu zerstören …

Jetzt wurde das Zeichen gegeben, und in der nächsten Minute hob das Flugzeug ab.

Susanne von Reinwald saß auf einem Fensterplatz. Sie blickte auf Berlin herab und dachte an die Vergangenheit. Wie oft war sie mit dem Vater und dem Vetter in Berlin gewesen. Der Vater war vor einem halben Jahr gestorben, aber wo war ihr Vetter Bernhard von Reinwald heute? Hatte man ihn auch verschleppt wie den Knecht Franz?

Sie hatte alle Brücken hinter sich abgebrochen und musste nun sehen, wie es im Westen weiterging. Susanne wollte versuchen, schnell eine Stellung zu bekommen.

Sehen konnte sie während des Fluges nichts, denn es war sehr trübes Wetter an diesem Tag.

„Achtung! Die Maschine setzt zur Landung an“, schallte eine Stimme durch das Flugzeug.

Ein frohes Gefühl durchflutete Susanne von Reinwald, als die Maschine aufsetzte. Auf dem Flugplatz standen einige Busse für sie bereit.

Eine Stunde später war Susanne von Reinwald mit den anderen Flüchtlingen in einem großen Saal untergebracht.

Nachdem sie etwas trockenes Brot gegessen und Milch getrunken hatte, legte sie sich auf ihrem Strohsack zur Ruhe.

♥♥♥

Schon sehr früh erhob Susanne sich am nächsten Morgen und ging zur Morgenandacht in die Kirche.

Als sie das Gotteshaus später verließ, ging vor ihr eine Dame. Susanne sprach sie an.

„Entschuldigen Sie, gnädige Frau, können Sie mir die nächste Zeitungsstelle angeben?“

„Das ist sehr weit von hier, Fräulein.“

„Ich suche eine Stellung. Ich bin erst gestern von Berlin herübergekommen.“

„Vielleicht können Sie erst ein paar Wochen bei mir bleiben, bis Sie eine Stellung gefunden haben. Ich führe meinem Bruder den Haushalt und könnte etwas Hilfe gebrauchen.“

„Ich wäre Ihnen sehr dankbar, gnädige Frau.“

„Ich bin nicht verheiratet, ich heiße Helene Zeyn.“

„Und ich heiße Susanne von Reinwald.“

„Müssen Sie noch Ihr Gepäck holen?“

„Ja, einen Koffer. Der steht im Lager. Es ist nicht weit von hier, Fräulein Zeyn.“

„Dann begleite ich Sie, Fräulein Susanne.“

Eine Stunde später hob Helene Zeyn die Hand und zeigte auf ein kleines Landhaus.

„Dort wohne ich mit meinem Bruder.“

„In dem schönen Häuschen, Fräulein Helene? Dann sind Sie zu beneiden.“

„Da haben Sie recht, Fräulein Susanne. Ich bin auch sehr glücklich, dass ich bei meinem Bruder sein darf.“

„Ihr Bruder ist nicht verheiratet, Fräulein Helene?“

„Nein, mein Bruder ist Kaplan in unserer hiesigen Kirche.“

Zwei Minuten später hatten sie das Haus erreicht, und Helene Zeyn führte den Gast zu dem kleinen Fremdenzimmer.

„Hier können Sie vorläufig bleiben, Susanne.“

Susanne war vor Freude ganz außer sich. Sie legte ihre Wäsche und ihre Kleider in den Schrank und ging dann hinunter.

Helene Zeyn hatte den Tisch schon gedeckt und den Kaffee aufgebrüht. Als Susanne eintrat, erhob sie sich und füllte die Tassen.

„Nehmen Sie Platz, Susanne, lassen Sie es sich gut schmecken. Wenn Sie wollen, erzählen Sie mir etwas von Ihrem Zuhause. Leben Ihre Eltern noch?“

„Nein. Ich habe nur noch einen Vetter, aber ich weiß nicht, wo er sich aufhält.“

Während die beiden Frauen frühstückten, erzählte Susanne von ihrem Elternhaus, dem Gut Lindenhof, zu dem über dreitausend Morgen Land gehört hatten.

„Und weshalb haben Sie jetzt das Gut verlassen, Fräulein Susanne?“

„Vor einem halben Jahr habe ich erst meinen Vater verloren. Nach seinem Tod ging alles drüber und drunter. Knechte und Mägde waren über Nacht verschwunden, und Inspektor Semmerings Ablieferung war nicht genug. Auch er ist dann nach Berlin geflohen, und ich habe mich ihm angeschlossen. Wir haben eine schlimme Zeit hinter uns, Fräulein Helene.“

„Ich glaube es Ihnen gern, Fräulein Susanne.“

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und Gustav Zeyn trat über die Schwelle. Er blieb erstaunt mitten im Zimmer stehen und blickte Susanne an, die ganz verlegen wurde.

„Guten Morgen, Gustav, darf ich bekannt machen? Fräulein Susanne von Reinwald – mein Bruder Gustav Zeyn. Fräulein Susanne wird mir bei der Hausarbeit helfen.“

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Fräulein Susanne.“

Gustav Zeyn setzte sich an den Tisch und fragte Susanne nach ihrer Herkunft. Sie gab ihm freundlich Antwort.

Es wurde eine sehr nette Frühstücksstunde, dieses erste Zusammensein.

Nach dem Frühstück half Susanne Helene in der Küche bei der Zubereitung des Mittagessens.

Als Susanne die Suppe brachte, betrachtete Gustav Zeyn unauffällig das blütenzarte Antlitz, das von blonden Locken umgeben war. Ihre grünblauen Augen waren traumhaft schön.

Auch Helene betrat nun das Speisezimmer, und sie begannen zu essen.

„Die Suppe schmeckt vorzüglich“, lobte Helene Susanne, nachdem sie davon gekostet hatte. „Wie haben Sie sie zubereitet, Fräulein Susanne?“

„Ich schreibe Ihnen die Zutaten nachher gerne auf, Fräulein Helene“, gab Susanne freundlich zurück.

In diesem Augenblick klingelte das Telefon im Arbeitszimmer des Hausherrn. Er erhob sich und verließ das Zimmer.

Als Gustav Zeyn zurückkam, hatte Susanne die anderen Speisen schon aus der Küche geholt.

„Speelmanns haben angerufen. Sie wollen uns ihren Wagen schicken. Dieter ist nach Hause zurückgekehrt. Er hat seinen Doktor gemacht, Helene.“

„Wie schön, Gustav.“

„Sie sind auch eingeladen, Fräulein Susanne.“

„Aber ich kenne die Herrschaften doch gar nicht, Herr Zeyn“, erwiderte Susanne und errötete tief.

„Man möchte Sie gerne kennenlernen, Fräulein Susanne“, versicherte Gustav Zeyn ihr lächelnd. „Es ist ein schöner Ausflug geplant, der Ihnen bestimmt gefallen wird.“

Als Susanne nach dem Essen die leeren Schüsseln in die Küche trug, wandte sich Helene ihrem Bruder zu.

„Ist sie nicht ein wundervolles Mädchen, Gustav?“, fragte sie ihn.

Bejahend nickte Gustav Zeyn und blickte auf seine Hände, die er erregt zusammenpresste.

„Ich habe noch etwas zu tun, Helene. Um fünfzehn Uhr kommt der Wagen der Speelmanns.“

♥♥♥

Als Susanne den Wagen am Nachmittag vorfahren hörte, lief sie hastig zum Fenster. Ein Chauffeur stieg aus und betrat das Haus. Susanne nahm schnell ihr rotes Jäckchen aus dem Schrank, zog sich die gleichfarbene Mütze über die blonden Locken und verließ ihr Zimmer.

Der Chauffeur Kurt Bruckner machte große Augen, als Susanne die Treppe herunterkam. Im gleichen Augenblick erschien auch Helene Zeyn, und ihr Bruder folgte ihr.

Sie verließen alle das Haus und gingen zum Auto. Kurt Bruckner hielt den Wagenschlag auf. Die Damen setzten sich in den Fond. Neben ihm nahm Gustav Zeyn Platz.

Kurze Zeit später hielt der Wagen vor der Villa Speelmann. Der Chauffeur hielt lächelnd den Wagenschlag, und Susanne von Reinwald stieg als Erste aus. Dieter Speelmann kam schon aus dem Hause gelaufen, sein Vater folgte ihm.

„Guten Tag, Herr Zeyn“, begrüßte Dieter den Geistlichen. „Wollen Sie mich bitte bekannt machen.“

„Herr Dieter Speelmann – Fräulein Susanne von Reinwald, die seit heute als Gast in unserem Hause weilt, Herr Speelmann“, sagte Gustav Zeyn und stellte Hugo Speelmann auch gleich das Mädchen vor.

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Fräulein von Reinwald. Haben Sie noch einen Bruder Bernhard Reinwald?“

„Bernhard ist mein Vetter. Wo ist er?“, fragte Susanne hastig und hielt erregt Dieter Speelmanns Hand fest.

„Wo Bernhard von Reinwald jetzt weilt, das kann ich Ihnen nicht sagen. Er hat das Examen mit mir gemacht.“

„Das ist doch nicht möglich. Er hat sein Studium im Osten nicht beenden können.“

„Doch. Man hat Bernhard von Reinwald sehr geholfen. Weil er so klug war, bekam er vom Staat ein Stipendium, damit er seinen Doktor machen konnte. Er hat auch gleich eine Anstellung bekommen, aber wo, das kann ich Ihnen nicht sagen, Fräulein von Reinwald.“

„Ich bin so glücklich, dass ich endlich wieder etwas von meinem Vetter höre. Schon seit drei Jahren bin ich ohne Nachricht von ihm. Jetzt weiß ich doch wenigstens, dass er lebt. Ist er gesund?“

„Ja, das ist er, Fräulein von Reinwald. Ihr Vetter würde sich gewiss freuen, wenn er wüsste, dass Sie jetzt auch hier im Westen sind.“

Hugo Speelmann hatte die Unterhaltung seines Sohnes mit dem fremden Mädchen mit angehört und lud sie jetzt ins Haus ein. Er machte Susanne mit seiner Frau Else bekannt, und dann kam auch schon seine Tochter, die neunjährige Constanza.

„Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Fräulein von Reinwald“, sagte Constanza Speelmann und streckte Susanne die Hand entgegen. Auch Susanne fühlte gleich eine große Sympathie zu dem Kind.

Sie nahm Constanzas Hand und drückte sie freundlich, da schmiegte sich das Mädchen in ihre Arme.

„Ist alles für den Ausflug vorbereitet?“, fragte Hugo Speelmann seinen Sohn.

„Ja, Vater, beide Wagen stehen bereit, und unsere Köchin Anna hat auch schon alles für das Picknick zusammengestellt.“

„Dann soll der Diener Otto alles zu den Wagen bringen, Dieter“, sagte Hugo Speelmann und blickte zu seiner Tochter Constanza hinüber, um deren Schultern die entzückende Susanne ihren Arm gelegt hatte.

Er suchte die Nähe des Geistlichen, um ihn nach Susanne auszufragen.

„Helene hat sie heute in der Kirche kennengelernt“, erklärte sein Freund ihm. „Sie stammt aus der Ostzone, Hugo.“

„Soll sie eure Hausgenossin bleiben? Ich suche nämlich auch ein Mädchen für Constanza, und dieses Fräulein Susanne wäre genau die Richtige für meine Tochter.“

„Ich werde später Fräulein von Reinwald fragen, ob sie in dein Haus kommen will, Hugo.“

„Dann kann der Ausflug beginnen, lieber Freund“, sagte Hugo darauf und erhob sich. Er winkte den anderen und ging mit Gustav Zeyn nach draußen.

Einen der beiden Wagen fuhr Dieter. Helene Zeyn und Constanza nahmen im Fond Platz, Susanne von Reinwald auf dem Beifahrersitz.

„Wie würde sich Ihr Vetter Bernhard freuen, wenn er wüsste, wo er Sie finden könnte, Fräulein von Reinwald“, sagte Dieter, als er Susanne beim Einsteigen behilflich war.

„Ganz bestimmt, Herr Speelmann.“

„Ich werde einigen Bekannten schreiben und anfragen, ob sie wissen, wo Bernhard von Reinwald sich aufhält.“

„Oh, da wäre ich Ihnen sehr dankbar, Herr Speelmann.“

In den anderen Wagen stiegen Hugo Speelmann, seine Gattin und Gustav Zeyn. Als Kurt Bruckner losfuhr, folgte Dieter ihm in seinem Wagen.

Nach einer halben Stunde erreichten sie den Wald.

Sie fuhren lange durch die bewaldete Gegend, bis Kurt Bruckner vor einem Ausflugslokal anhielt.

„Hier werden wir Kaffee trinken. Das ist angenehmer als ein Picknick im Wald“, sagte Dieter Speelmann und blickte Susanne lächelnd an. Sie freute sich, dass er ihr wieder beim Aussteigen behilflich war.

Als Constanza sich in Helenes Arm hängte, reichte auch Dieter Speelmann Susanne von Reinwald seinen Arm. So folgten sie den anderen, die schon einen Tisch für sieben Personen ausgewählt hatten.

Die beiden Geschwister, Constanza und Dieter, sorgten dafür, dass sie einen Platz an Susannes Seite bekamen. Sie war entzückt, wie besorgt Dieter Speelmann um sie war, und lächelte dankbar, als man ihr einen Teller Kuchen zuschob.

Ihr gegenüber saß Else Speelmann zwischen ihrem Mann und Gustav Zeyn. Sie beobachtete ihre Kinder, die sich so freuten, neben Susanne von Reinwald sitzen zu dürfen. Ihr entging auch nicht, wie sehr ihr Sohn Dieter sich um das junge Mädchen bemühte.

Hatte er vergessen, dass der Vater schon im vorigen Jahr angedeutet hatte, wie gern er es sähe, wenn er um Lore Löhner werben würde? Sie war eine schwarzhaarige Schönheit, die viel umworben wurde.

Ludwig Löhner war Hugo Speelmanns bester Freund, und sie unterhielten seit Jahren sehr enge Geschäftskontakte. Zudem waren die Löhners sehr reich, und Ludwig Löhner ließ schon das Haus bauen, das die jungen Leute einmal bewohnen sollten.

Else wusste nicht, dass auch ihr Mann von der blonden Susanne entzückt war.

Am Abend brachte der Chauffeur Bruckner die Gäste nach Hause.

„Fräulein Susanne von Reinwald kommt morgen in unser Haus, als Erzieherin für unsere Constanza“, sagte Hugo Speelmann da zu den Seinen. „Freust du dich darüber, Mädel?“

„Oh ja, sehr, lieber Vati.“

„Wie kamst du denn zu diesem Entschluss, ohne mir erst etwas davon zu sagen, Hugo?“, fragte Frau Speelmann nicht eben freundlich.

„Gustav hat mich darum gebeten, da konnte ich nicht gut absagen“, log Hugo Speelmann.

Ein unsagbares Glücksgefühl stieg plötzlich in Dieter Speelmann auf bei dem Gedanken, dass er Susanne nun täglich sehen würde.

„Fräulein Susanne, Sie haben der Familie Speelmann heute so gut gefallen, dass mein Freund Hugo Speelmann mich gebeten hat, Ihnen zu sagen, dass Sie als Erzieherin für Constanza in sein Haus kommen möchten“, sagte Gustav Zeyn, als Susanne mit ihren Gastgebern abends zu Tisch saß.

„Morgen gleich, Herr Zeyn?“, fragte sie erfreut und dachte an die kleine Constanza.

„Ja, Fräulein Susanne“, bestätigte Gustav Zeyn.

„Ich freue mich. Die kleine Constanza ist ein liebes Geschöpf.“

„Ich bin aber traurig, dass ich Sie so schnell wieder hergeben muss, liebe Susanne“, sagte Helene Zeyn.

„Mache dem Mädchen das Herz nicht schwer, Helene. Ein Gehalt, wie Speelmanns es ihr geben werden, können wir ihr nicht zahlen. Wir werden hin und wieder ja mit Fräulein Susanne zusammenkommen, wenn ein Ausflug geplant wird.“

♥♥♥

Am nächsten Morgen erwachte Susanne schon früh und packte ihren Koffer. Sie war noch nicht ganz fertig, als schon ein Auto vor dem Hause hielt.

Sie ging schnell zum Fenster und sah Constanza aussteigen und suchend zum Hause hinaufblicken. In ihren dunklen Augen blitzte es erfreut auf, als sie Susanne sah. Das Kind hob winkend die Arme, und Susanne öffnete das Fenster.

„Ich bin gleich fertig, Constanza“, rief sie.

Susanne machte gerade ihren Koffer zu, da klopfte es leise an die Tür. Als sie öffnete, stand Helene Zeyn vor ihr.

„Guten Morgen, Susanne. Constanza ist schon da. Ich habe sie ins Haus geholt.“

„Guten Morgen, Helene. Ich bin gerade mit dem Packen fertig.“

„Gut, dann kommen Sie, Susanne. Wir frühstücken im Speisezimmer mit Constanza. Sie ist ohne Frühstück fortgefahren.“

Susanne begrüßte Constanza, als sie ins Speisezimmer trat.

„Ich bin so glücklich, dass Sie zu uns kommen, Fräulein Susanne.“

„Ich freue mich auch, Constanza.“

Gustav Zeyn kam auch noch in letzter Minute, um sich von Susanne zu verabschieden.

„Lassen Sie es sich recht gut gehen, Fräulein Susanne.“

„Haben Sie recht herzlichen Dank für alles“, sagte Susanne, ehe sie Constanza zum Wagen folgte. Dann fuhr das Auto zur Villa Speelmann.

Als der Chauffeur Kurt Bruckner vor der Villa hielt, kam der Sohn des Hauses sofort herbeigesprungen. Ihm folgte der Vater auf dem Fuße, der Susanne auch begrüßen wollte.

„Guten Morgen, Fräulein Susanne“, sagte Dieter und reichte ihr die Hand.

„Nun schnell ins Haus. Der Kaffee wartet schon auf euch“, sagte Hugo Speelmann nach der Begrüßung.

„Vati, wir haben schon bei Tante Helene gefrühstückt“, meldete sich Constanza zu Wort.

„So viel wird das nicht gewesen sein, mein Kind.“

Als sie ins Frühstückszimmer kamen, sah Hugo Speelmann seiner Frau sofort an, dass sie nicht gut aufgelegt war.

„Guten Morgen, gnädige Frau“, begrüßte Susanne von Reinwald Frau Speelmann, als sie mit den anderen das Frühstückszimmer betrat.

„Guten Morgen, Fräulein Reinwald. Ich bin erstaunt, dass ihr alle davongelaufen seid“, spottete sie und blickte erst ihren Mann und dann ihren Sohn an.

„Hast du nicht gut geschlafen, Mutti?“, fragte Dieter lächelnd und reichte ihr die Aufschnittplatte über den Tisch.

„Was soll deine dumme Frage? Ich schlafe immer gut, Dieter“, murmelte Frau Speelmann und nahm noch Sahne für ihren Kaffee.

„Otto, bringen Sie bitte ein Gedeck für Fräulein von Reinwald“, befahl Hugo Speelmann und zog seine Tochter Constanza an seine Seite. „Mein kleiner Liebling, was möchtest du essen?“