Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 538 - Liebesroman - Ina Ritter - E-Book

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 538 - Liebesroman E-Book

Ina Ritter

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Beschreibung

Die Vermählung von Viktoria Prinzessin von Gillhausen mit Derk Fürst von Derkenau ist längst beschlossene Sache, obwohl die beiden sich noch gar nicht kennen. Nun kommt der Rittmeister von Rothenstein als Brautwerber ins Schloss Gillhausen, um den Antrag des mächtigen Fürsten von Derkenau zu überbringen. Doch als der Rittmeister die bildschöne Prinzessin zum ersten Mal erblickt, gerät er sofort in einen tiefen Zwiespalt. Einerseits muss er seine Pflicht erfüllen und ist Fürst Derkenau gegenüber zu Loyalität verpflichtet. Andererseits regt sich in ihm der Wunsch, Prinzessin Viktoria, dieses liebreizende Geschöpf, davor zu beschützen, ihr ganzes Leben an den unansehnlichen Fürsten mit dem liederlichen Lebenswandel gefesselt zu sein ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Der Brautwerber des Fürsten Derkenau

Vorschau

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2021 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Just dance / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0861-6

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Der Brautwerber des Fürsten Derkenau

Erfolgsroman um den ungewöhnlichen Auftrag eines Mannes

Die Vermählung von Viktoria Prinzessin von Gillhausen mit Derk Fürst von Derkenau ist längst beschlossene Sache, obwohl die beiden sich noch gar nicht kennen. Nun kommt der Rittmeister von Rothenstein als Brautwerber ins Schloss Gillhausen, um den Antrag des mächtigen Fürsten von Derkenau zu überbringen. Doch als der Rittmeister die bildschöne Prinzessin zum ersten Mal erblickt, gerät er sofort in einen tiefen Zwiespalt. Einerseits muss er seine Pflicht erfüllen und ist Fürst Derkenau gegenüber zu Loyalität verpflichtet. Andererseits regt sich in ihm der Wunsch, Prinzessin Viktoria, dieses liebreizende Geschöpf, davor zu beschützen, für den Rest ihres Lebens an den unansehnlichen Fürsten mit dem liederlichen Lebenswandel gefesselt zu sein ...

»Sei bitte pünktlich zum Mittagessen zurück«, sagte Fürst Gillhausen zu seiner Tochter.

Liebevoll umfasste sein Blick ihr schönes Gesicht. Er war sehr stolz auf seine Tochter, die reizende Prinzessin Viktoria, aber er wusste auch, dass er nicht immer allzu nachsichtig mit ihr sein durfte. Sie war so ungestüm und liebte die wildesten Pferde und die höchsten Hindernisse.

»Ich werde pünktlich sein«, versprach Viktoria, und als sie lächelte, bildeten sich auf beiden Wangen reizende Grübchen. »Franz wird schon aufpassen, dass ich mich nicht verspäte.«

»Wir machen uns Sorgen um dich, Kind. Du bist zu unbedacht. Ich möchte nur einmal wissen, von wem du das hast.«

»Sieh einmal in den Spiegel«, gab seine Tochter übermütig zurück. »Jeder sagt, ich sei dir wie aus dem Gesicht geschnitten. Und wahrscheinlich habe ich auch einen Teil deines Charakters geerbt. Ist es denn so schlimm, wenn ich die sanften Pferde nicht mag?«

Fürst Alexander seufzte nur und blieb ihr die Antwort auf die Frage schuldig.

»Also, dann wünsche ich dir viel Vergnügen.« Er gab ihr liebevoll einen Klaps auf die Schulter.

»Danke, Vater. Arbeite nicht mehr zu viel. Du müsstest mehr an die frische Luft kommen. Überlass die Akten anderen.«

»Ich wünschte, ich könnte es, Kind«, sagte Alexander Fürst Gillhausen leise.

Dieser Papierkram war ihm in tiefster Seele zuwider. Aber es war ihm wichtig, sich entscheidenden Dingen persönlich zu widmen. Der Fürst war sich seiner Pflichten als Landesherr voll bewusst.

Es fiel Prinzessin Viktoria ausgesprochen schwer, auf dem langen Korridor gesittet zu gehen, wie man es von einer Prinzessin erwartete und verlangte. Am liebsten wäre sie gelaufen, aber das schickte sich nicht. Ach, es schickte sich so furchtbar vieles nicht. Und was sich schickte, machte keinen Spaß.

Die reizende kleine Prinzessin seufzte, aber ganz besonders traurig klang es nicht. Sie lebte viel zu gern! Sie wünschte sich keine Veränderungen, alles sollte so bleiben, wie es war. Im Grunde war Viktoria von Gillhausen wunschlos glücklich.

Als sie das Schloss verließ, verneigte sich draußen der Pferdepfleger Franz tief. Es gehörte zu seinen Pflichten, Prinzessin Viktoria auf allen Ausritten zu begleiten und darauf zu achten, dass sie nicht gar zu übermütig war. Es war keine leichte Aufgabe, aber Franz übernahm sie gern. Er hatte schon Viktorias Vater auf seinen Ausritten begleitet, als der noch ein Kind gewesen war.

»Herrliches Wetter heute, Franz.« Viktoria blieb auf der obersten Stufe der Freitreppe stehen und schaute zum Himmel empor.

»Das Wetter wird sich nicht halten, Hoheit. Gegen Abend bekommen wir Regen.«

»Woher willst du das wissen, alte Unke?«, fragte Viktoria lachend. Sie wusste allerdings, dass sie sich auf die Wettervorhersage des Alten verlassen konnte. Er hatte sich bisher noch nie geirrt.

»Mein Bein, Hoheit«, sagte Pferdenarr Franz und schaute auf sein rechtes Bein hinab. »Wenn die Narbe schmerzt, dann ändert sich das Wetter.«

»Dann wollen wir nicht mehr länger reden, sondern reiten.« Viktoria lief die Treppe hinab.

Ein paar Minuten später ritten sie nebeneinander auf den riesigen Wald zu, der sich im Osten erstreckte. Viktoria liebte den hohen Buchenwald. Er gehörte zu den Privatländereien ihres Vaters. Fürst Gillhausen war unermesslich reich, aber darüber machte Viktoria sich keine Gedanken.

»Was ist das?« Am Rande des Waldes verhielt sie ihre Diana und beschattete die Augen mit der Rechten, um in der grellen Sonne besser sehen zu können. »Eine Kutsche.«

»Vierspännig ... Das Wappen ...« Franz beugte sich weit über den Pferdehals, um das Wappen am Türschlag besser erkennen zu können.

Vor der Kutsche ritten zwei Reiter, hinter ihr sogar vier. Es musste eine wichtige Persönlichkeit sein, die in der Kutsche saß.

»Derkenau. Das Wappen der Derkenaus«, sagte Franz und richtete sich im Sattel wieder auf. Er war stolz auf seine scharfen Augen.

»Derkenau?«, wiederholte Viktoria. Natürlich kannte sie den Namen. Wer kannte ihn nicht? Aber was wollte einer von den Derkenaus bei ihnen?

»Vielleicht ein Kurier«, meinte Franz leichthin.

»Mir ist es auch egal«, erklärte Viktoria. Um Politik kümmerte sie sich nicht. Politik war keine Sache für Frauen. Ihr Vater und Hartwig regelten alle anstehenden Fragen, und das Volk war zufrieden.

»Am besten ist es, wenn wir jetzt umkehren, Hoheit«, mahnte Franz eine Stunde später.

»Jetzt schon?« Viktoria schüttelte empört den Kopf.

»Hoheit müssen an den Besuch denken.«

Gehorsam wendete Viktoria ihre Diana und ritt, gefolgt von Franz, nach Schloss Gillhausen zurück.

♥♥♥

»Seine Durchlaucht erwarten Ihre Hoheit schon«, richtete ihr der Lakai aus, der ihr diensteifrig das Portal geöffnet hatte.

Viktoria ging sofort in das Arbeitszimmer ihres Vaters. Um diese Zeit, das wusste sie, traf sie ihn dort immer an. So war es auch heute. Der Vater trug die Galauniform.

Mein Gott, dachte sie, das bedeutet, dass ich mich auch umziehen muss. Sie hasste die Staatsrobe, die sie bei besonders feierlichen Gelegenheiten tragen musste.

»Wir haben Besuch bekommen, Viktoria«, sagte Fürst Alexander. »Rittmeister von Rothenstein ist im Auftrag des Fürsten Derkenau gekommen.«

»Und was will er?«, fragte Viktoria.

»Fürst Derkenau lässt uns durch den Rittmeister um deine Hand bitten.«

»Nein.« Viktoria ließ sich in den nächsten Sessel fallen. »Ich kenne den Fürsten Derkenau doch gar nicht.«

»Aber wir, liebes Kind. Es ist eine sehr große Ehre für uns, dass ein Derkenau um dich freien will. Hartwig wird Augen machen, wenn er das nach seiner Rückkehr hört.«

Viktorias Bruder befand sich auf einer längeren Inspektionsreise. Er vertrat seinen Vater bei offiziellen Angelegenheiten, und er vertrat ihn gut, wie Viktoria wusste.

»Heiraten. Ich soll heiraten? Und dann einen Mann, den ich gar nicht kenne? Was hast du dem Rittmeister gesagt?«

»Ich habe ihm für die Ehre gedankt.« Das Lächeln im Gesicht des Fürsten zeigte, wie sehr er sich über diese unerwartete Ehre freute.

»Habt ihr schon einen Termin ausgemacht?«, fragte Viktoria atemlos.

»Nein. Es sind umfangreiche Verhandlungen nötig, Viktoria. Deine Heirat ist keine Privatsache, sondern eine Staatsangelegenheit. Aber damit brauchst du dir dein hübsches Köpfchen nicht zu belasten.«

»Wie sieht er aus?«, fragte Viktoria beklommen.

»Rittmeister von Rothenstein hat ein Bild des Fürsten Derkenau mitgebracht. Derk von Derkenau sieht sehr gut aus«, sagte er.

»Und wie alt ist er?«, fragte Viktoria.

»Fünfunddreißig.«

»So alt?« Viktoria schüttelte entsetzt den Kopf.

Ihr Vater konnte sein Lachen nicht unterdrücken.

»Fünfunddreißig Jahre sind jung für einen Mann. Er weiß jetzt, worauf es ankommt. Ich bin sicher, dass du mit Derkenau eine gute Ehe führen wirst.«

»Fünfunddreißig«, flüsterte Viktoria. Für sie war das tatsächlich sehr alt.

»Ich muss dich jetzt bitten, ein anderes Gesicht zu machen, wenn ich dir den Rittmeister von Rothenstein vorstelle. Der Rittmeister wird dir alle Fragen über deinen künftigen Gemahl beantworten.«

Und mich dabei immerzu belügen, dachte Viktoria. Derkenau würde nur gute Eigenschaften haben, weil der Rittmeister sich hüten würde, die schlechten zu erwähnen.

»Kleide dich jetzt um. Deine Zofe weiß Bescheid. Wir erwarten dich pünktlich im Speisesaal. Freu dich über dein Glück, Viktoria. Du wirst an Derkenaus Seite eine ganz andere Position einnehmen als bei uns. Was ist unser kleines Land im Vergleich zu seinem? Wir haben nur eine größere Stadt, auf seinem Gebiet liegen fünf große Städte. Fünf!«

Fast hätte Viktoria gesagt, dass sie keine großen Städte heiraten wollte. Andererseits war natürlich vollkommen klar, dass sie den Mann heiraten würde, den ihre Eltern für sie bestimmten. Es war Pflicht der Kinder, den Eltern in allen Dingen gehorsam zu sein.

Nicht einmal im Traum wäre der Prinzessin der Gedanke gekommen, sich gegen den Wunsch des Vaters aufzulehnen.

»Hoheit sehen bezaubernd aus«, schmeichelte Viktorias Zofe, als sie die Knöpfe des Kleides hinten schloss.

Viktoria schaute missmutig auf ihr Spiegelbild.

»Seine Königliche Hoheit werden sich Hals über Kopf in Hoheit verlieben«, fuhr die Zofe fort. »Hoheit werden bestimmt sehr glücklich werden.«

»Weißt du, wie alt Seine Königliche Hoheit ist?«, fragte Viktoria.

»Fünfunddreißig. Gerade das richtige Alter«, meinte Maria.

Sie brüstete das Haar der Prinzessin und steckte es dann zu einer kleidsamen Frisur auf.

»Ich freue mich so über das Glück Ihrer Hoheit«, versicherte Maria strahlend und knickste tief. »Der Herr Rittmeister, den er geschickt hat, sieht blendend aus. Ein schöner Mann.«

Viktoria lächelte versteckt. Sie konnte Marias Schwärmerei für Männer nicht verstehen. Sie kannte nur ihren Bruder genauer, und das reichte ihr.

Hartwig war zwei Jahre älter als sie und hatte sich früher nie um sie gekümmert. Sie war nur ein Mädchen, und er hielt es für unter seiner Würde, sich mit Mädchen abzugeben. Besonders höflich war er nie gewesen.

Der Lakai, der vor dem Speisesaal stand, beeilte sich, ihr die Tür weit aufzureißen und sich tief zu verneigen.

Man hatte heute im kleinen Speisesaal gedeckt, der nur Platz für etwa dreißig Personen bot. Hier war man sozusagen unter sich.

Viktoria blieb auf der Schwelle stehen, während die beiden Herren sich erhoben. Fürst Alexander war mit dem Aussehen seiner Tochter sehr zufrieden. Er ging auf sie zu, an seiner Seite Rittmeister von Rothenstein.

»Darf ich dir Rittmeister von Rothenstein vorstellen? Meine Tochter, Prinzessin Viktoria.«

Der Offizier knallte die Hacken zusammen und verneigte sich korrekt. Er war jünger, als Viktoria gedacht hatte. Und er sah sehr gut aus. Sein Gesicht war schmal, er hatte dunkles Haar und dunkle Brauen. Auch seine Augen schienen dunkel zu sein, wenn Viktoria es richtig gesehen hatte.

Huldvoll reichte sie ihm die Rechte.

»Ich freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen, lieber Rittmeister.«

Der Mann verneigte sich erneut. Als er sich aufrichtete und seinen Blick auf Prinzessin Viktoria richtete, da spürte die junge Dame, wie ihr Herz plötzlich schneller zu klopfen begann.

Warum schaute er sie so sonderbar an? Es schickte sich eigentlich nicht. Eine feine Röte stieg ihr bis in die Stirn.

Ein Kind noch, dachte Fürstin Roberta, die ihre Tochter genau beobachtete. Sie ist verwirrt, wenn ein gut aussehender Mann sie anschaut. Es wird Zeit, dass sie heiratet.

»Wollen wir nicht Platz nehmen?«, fragte die Fürstin freundlich.

»Selbstverständlich, Mutter.« Viktoria ging auf ihren Platz zu.

Ihr gegenüber saß Rittmeister von Rothenstein. Er war breit in den Schultern und schmal in den Hüften. Die Uniform stand ihm blendend.

»Viktoria«, mahnte Fürstin Roberta leise, als sie sah, dass ihre Tochter zu essen vergaß.

Für die junge Dame schleppte sich die Mahlzeit endlos in die Länge. Man unterhielt sich nur halblaut über Belanglosigkeiten. Hinter jedem Stuhl stand ein Lakai, bereit, auf den kleinsten Wink hin dienstbar zu sein.

Fürstin Roberta hatte zwei feine Falten auf der Stirn, als sie schließlich die Tafel aufhob. Man ließ die Herren allein, damit sie ihre Zigarren rauchen konnten, und zog sich in den angrenzenden kleineren Salon zurück.

Prinzessin Viktoria setzte sich auf das Sofa, legte die Hände in den Schoß und schaute verträumt vor sich hin.

»Wie gefällt dir der Rittmeister?«, fragte ihre Mutter wie beiläufig.

»Der Rittmeister? Ich weiß nicht. Ich habe ihn mir gar nicht richtig angeschaut.«

»Es ist richtig, dass du ihn dir nicht gut angeschaut hast«, erwiderte Fürstin Roberta. »Er sieht nämlich aus wie ein Mann, der bei Frauen Erfolg hat.«

Viktoria senkte den Kopf. Bestimmt meinte ihre Mutter, dass der Mann viele Liebschaften unterhielt. Davon durfte sie als junge Dame von Stand eigentlich gar nichts wissen. Aber sie las oft heimlich Romane, die alle von Liebe handelten.

»Herr von Rothenstein wird dir nachher das Porträt Seiner Königlichen Hoheit zeigen«, fuhr die Mutter fort. »Ich habe es bereits gesehen. Seine Königliche Hoheit ist ein sehr einnehmender Mann.« Das klang wie ein Befehl, ihn sympathisch zu finden.

Viktoria nahm sich vor, sich ihr eigenes Urteil zu bilden.

♥♥♥

Die Herren gesellten sich eine halbe Stunde später zu den Damen in den kleinen Salon. Fürst Alexander wirkte sehr aufgeräumt, während der Gesandte des Fürsten Derkenau ein ernstes Gesicht machte.

Viktoria senkte rasch den Kopf, nachdem sie ihn angeschaut hatte. Sie wusste nicht, was sie von ihm halten sollte. Es war doch nur ein Mann wie alle anderen, und kein Mann würde es jemals fertigbringen, ihr Herz zu verwirren. Sie hätte es beschwören mögen.

Bis vor einer halben Stunde, jetzt nicht mehr. Sie kannte nur seinen Namen und wusste nicht einmal, ob er verheiratet war. Verstohlen suchte ihr Blick seine Hand. Er trug nur einen Siegelring, nicht den schmalen Goldreif, der ihn an eine andere Frau band.

Viktoria, wohin verirren sich deine Gedanken?, rief sie sich innerlich zur Ordnung.

Fürstin Roberta lenkte das Gespräch. Sie hatte Erfahrung darin und ließ keine Gesprächspausen aufkommen. Es war aber manchmal gar nicht so leicht für sie, denn dieser Rittmeister zeigte sich ungewöhnlich einsilbig. Manchmal überhörte er sogar eine Frage.

Die Fürstin entschuldigte seine Geistesabwesenheit damit, dass er eine lange Fahrt hinter sich hatte. Am besten war es vielleicht, man entließ ihn jetzt. Heute Abend würde er in besserer Form sein.

»Wir möchten uns zurückziehen, lieber Rittmeister von Rothenstein. Wenn Sie sich etwas erfrischen wollen ...«

Rittmeister von Rothenstein sprang auf und verneigte sich.

»Ich möchte noch eine Stunde ruhen«, sagte Fürstin Roberta, als sie mit ihrer Tochter allein war. Sie erhob sich. Ihr Gatte war wieder in sein Arbeitszimmer gegangen. »Und du solltest dich auch ein Stündchen hinlegen, Viktoria.«

»Vielleicht tu ich es ...« Die junge Dame hatte inzwischen gelernt, dass solche Antworten am zweckmäßigsten waren, wenn sie tun wollte, wozu sie Lust hatte. Reiten wollte sie, im Sattel vergessen, dass ihr Herz so unruhig schlug. Und heute Nachmittag wollte sie Ali reiten, ein temperamentvolles Pferd, das ihre Aufmerksamkeit voll beanspruchte.

»Der Herr Rittmeister macht eine gute Figur im Sattel«, sagte Franz, als sie aufgebrochen waren. Er durfte es sich erlauben, Ihre Hoheit auch einmal ungefragt anzusprechen.

»Woher weißt du das?«, fragte Viktoria.

»Er hat ein Pferd satteln lassen. Er wollte ein bisschen an die frische Luft.«

»Wie gefällt er dir?«, fragte Viktoria.

»Er scheint ein richtiger Mann zu sein«, erwiderte Franz zögernd. »Natürlich mag das Äußere täuschen. Wenn Seine Königliche Hoheit ist wie er ...«

Im Augenblick interessierte Viktoria sich nicht für den Fürsten Derkenau.

»In welche Richtung ist er geritten?«, fragte sie.

Franz stutzte, und dann lächelte er verständnisvoll.

»Zur alten Wassermühle. Ich habe ihm den Weg erklärt.«

»Was für ein Zufall. Ich wollte auch zur Wassermühle. Vielleicht treffen wir uns unterwegs.«

Franz konnte sich gut vorstellen, dass die kleine Prinzessin darauf brannte, den Botschafter ihres künftigen Gatten auszufragen.

♥♥♥

Zwanzig Minuten später sah Viktoria den Rittmeister. Er saß auf einer alten Mauer, den Kopf in die linke Hand gestützt, und erst als er den Hufschlag ihrer Pferde hörte, wurde er auf sie aufmerksam.

Er sprang auf, und sekundenlang sah es fast so aus, als suche er einen Fluchtweg. Dann nahm er Haltung an und erwartete Prinzessin Viktoria.

»Hallo!« Die Prinzessin sprang aus dem Sattel, bevor er noch Gelegenheit hatte, ihr seine Hilfe anzubieten. Auch der treue Franz kam zu spät.

»Mein Lieblingsplatz«, sagte Prinzessin Viktoria mit etwas belegter Stimme, als sie voreinander standen. »Die Mühle ist nicht mehr in Betrieb. Der letzte Müller ist ohne Kinder gestorben, und seitdem ...«

Sie vergaß, was sie hatte sagen wollen, denn ihr Blick war von dem des Mannes eingefangen worden. Es interessierte ihn bestimmt nicht, was aus dem Müller geworden war. Für die Dauer einiger Herzschläge, jeder eine kleine Ewigkeit, standen sie stumm voreinander.

Schließlich fuhr Viktoria sich mit der Linken über die Stirn.

»Wo liegt Ihr Regiment?«, fragte sie.

»Ich bin Offizier im Leibregiment Seiner Königlichen Hoheit. Unsere Garnison ist die Residenz.«

»Erzählen Sie mir mehr«, bat Viktoria.

»Seine Königliche Hoheit haben viel Gutes von Ihrer Hoheit gehört. Ich habe den Auftrag, Ihrer Hoheit zu sagen, dass Seine Königliche Hoheit den Tag kaum erwarten kann, an dem Seine Königliche Hoheit Ihre Hoheit persönlich kennenlernen darf.«

»Und Sie? Wo wohnen Sie?«, erkundigte sie sich.

»In der Kaserne. Außerdem habe ich ein kleines Haus gemietet.«

»Haben Sie eine Braut?«, fragte sie.